Indisch Kochen

Indisch kochen von Anjali Pathak

Anjali Pathak: Indisch Kochen

Südwest Verlag

Preis: 24, 99 €

„India goes modern“

 Worum geht’s?  Sicherlich geht es in Indien mit großen Schritten ins 21 Jahrhundert, wenn man auf Städte wie Bangalore oder Mumbai schaut, aber darum geht es hier nur zum Teil.

Die Indische Küche ist auf der ganzen Welt wegen ihrer enormen Aromavielfalt ungeheuer beliebt. Ich liebe indisches Essen seit meinem ersten Besuch in Indien vor nahezu 20 Jahren. Gerne lade ich auch Gäste zu einem indischen Essen ein, aber wenn ich bisher indisch für Gäste kochen wollte, war eins immer klar: ich musste mir den Tag bereits ab dem frühen Morgen für die Vorbereitung reservieren. Jedes Currygewürz wird eigens zusammengestellt, die Gewürze vor dem Mahlen erst angeröstet, der Teig für meine geliebten Samos muss ruhen und kann dann erst ausgerollt und gefüllt werden. Wobei bei Samosa-Teig, da muss man ein Händchen haben für die Konsistenz, sonst artet das schlichte Ausrollen in ein echtes Work-out aus. Anschließend werden diese leckeren kleinen Dinger noch frittiert, dass sehen zumindest die klassischen Rezepte alle vor. Was bedeutet, dass wenn die Gäste eintreffen, die ganze Wohnung wie eine indische Frittenbude riecht. So sehr ich indisches Essen liebe, das hat mir buchstäblich immer schon gestunken!

Was ist drin?  Seit einigen Jahren gibt es aber einen Trend, der aus Großbritannien kommt und sich um die moderne alltagstaugliche indische Küche bemüht und auch Zutaten einsetzt, die typisch für Europa sind, aber die man in Indien gar nicht kennt. Es ist die Küche der indischen Einwanderer, die zum Teil schon in der 3 Generation in Großbritannien leben. Hier handelt es sich nicht nur um eine Fusion, sondern es entsteht was wirklich spannendes Neues, das ohne Furcht auch italienischen Ricotta oder spanischen Rauchpaprika als Chiliersatz einsetzt. Eines ist aber klar, die dominierende Geschmackkomponente bleibt indisch, auch wenn Pinienkerne nun wirklich keine typisch indische Zutat sind!

 Lieblingsrezepte:

 Pakoras mit Möhre, Zwiebel und Spinat

Paneer-Brokkoli-Masala

Würzige Gemüsesuppe mit Linsen und geröstetem Chili

Rauchig würzige Kartoffeln

Es gibt aber viele weitere Rezeptideen, die wirklich sehr vielversprechend aussehen und damit noch sehr viel zu entdecken für mich!

 Wer soll angesprochen werden?  Das Buch wendet sich an alle, die die indische Küche entspannt kennenlernen wollen und an diejenigen die Lust auf eine neue moderne indische Küche haben, die besser zu unseren Lebensumständen passt.

 Wer ist die Autorin?  Anjali Pathak entstammt einer kochbegeisterten indischen Großfamilie. Aufgewachsen ist sie in London. Von klein auf lernte sie von ihrer Mutter und Großmutter alles über das Kochen und vor allem das Würzen – denn sie betrieben die bekannte Gewürzmanufaktur „Patak’s“. Nach Reisen durch ganz Indien, immer auf der Suche nach kulinarischen Geheimnissen, absolvierte sie ein Studium an der renommierten „Leiths School of Food and Wine“ in London. Als Köchin und Rezeptentwicklerin steht sie für die perfekte Fusion von traditioneller indischer und moderner internationaler Küche. Heute arbeitet sie als Foodjournalistin und -bloggerin sowie als Kochbuchautorin.

 Was ist besonders?  Anjali Pathak ist die mutigste Vertreterin dieser neuen Stilrichtung zu einer modernisierten indischen Küche, die in meinen Augen längst überfällig war.

Es ist einfach extrem langweilig, wenn man die Weiterentwicklung einer Küche ausklammert und Kochbücher sollten diesen Trend auch widerspiegeln, denn das ist authentisch, lebendig und spart hier und da bei der Zubereitung jede Menge Zeit, sonst kochen die Menschen nicht mehr zu Hause und holen sich ihr indisches Essen nur noch vom Take-away. Das ist für mich eine absolut abschreckende Vision und der indisches Flair eines Gerichtes entsteht nicht nur, wenn eine endlos Zutaten-Liste abgearbeitet worden ist, das habe ich selbst vor einigen Jahren als überzeugte Verfechterin der klassischen Linie feststellen können.

Manchmal entsteht dabei auch etwas völlig Neues, was zwar nicht genauso ist, wie die klassische Variante, sich dahinter aber nicht verstecken muss, eine eigene Handschrift trägt und dem Zeitgeist und seiner Umgebung entspricht! Salopp gesprochen, kochen wir ja auch nicht mehr wie unsere Steinzeitvorfahren und Pasta und ähnliches ist nicht nur in Italien, sondern auf der ganzen Welt als fester Bestandteil vieler Küchen nicht mehr wegzudenken.

Mir hat gefällt das Buch von Anajali Pathak super, ich liebe es beim Ausprobieren der Rezepte, täglich was Neues zu erfahren, außerdem entsprechen die Rezepte auch eher meinem Zeitbudget, dass mir unter der Woche zum Kochen zur Verfügung steht. Und ich habe zum Thema indische Küche die Klassiker sowieso schon im Regal stehen, da möchte ich gerne mal was Neues kennenlernen!

Anjali Pathak gibt auch Empfehlungen für nützliche Küchenhelfer, die eine echte Hilfe sein können, aber nicht in einen Gerätefuhrpark ausarten sollen, sehr lobenswert, längst nicht alles was so rumsteht, wird auch benutzt!

Auch das Kapitel „Wein und indische Küche„ wird mutig von ihr nicht ausgespart und ist ein weiterer Beleg, dass hier eingefahrene Wege verlassen werden!

Im schönen Buch finden sich weiterhin viele Familienfotos aus dem Pathak-Clan, die eindrucksvoll die jahrelange Expertise der Familie beim Thema Aromen und Gewürze dokumentieren.

Schade, dass die Autorin zwar ausdrücklich darauf hinweist, dass die Garam-Massala Mischung so frisch wie möglich sein sollte und deshalb gemahlenes Pulver nicht ideal ist, aber es leider kein Rezept dafür gibt. Die Erläuterung der wichtigsten Gewürze der indischen Küche unter dem Titel „Meine Gewürzbox“ ist aber sehr informativ und praktisch und macht das wieder wett.

Fazit: Mir hat das Buch von Anjali Pathak sehr gut gefallen, weil es mutig und undogmatisch eine neue indische Küche kreiert, die längst überfällig war und deshalb empfehle ich es gerne weiter!

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