Deutsche Küche neu entdeckt

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Matthias F. Mangold: Deutsche Küche neu entdeckt

GRÄFE UND UNZER Verlag

Preis: 24,99 €

 „Deutsche Küche kann auch hip!“

 Worum geht’s?  Jeder von uns könnte sicherlich mühelos schnell ein Dutzend Rezepte benennen, die für ihn typisch Deutsch sind, für den einen gehören dazu die Spätzle seiner Oma und für den anderen ist das der Sonntagsbraten seiner Mutter.

Trotzdem oder gerade deswegen, fristet die deutsche Küche seit Jahren ein Schattendasein, irgendwie scheint es so zu sein, als wenn man mit regionaler Küche nicht so recht einen großen Staat machen kann. Da greifen wir dann häufig gerne auf die Rezepte der italienischen Nachbarn zurück, eigentlich schade!

Wenn man aber ein bisschen mehr Ursachenforschung betreibt, fällt einem auf, dass die deutschen Klassiker sich irgendwie in den letzten 30 Jahren kaum weiterentwickelt haben, die Gerichte werden noch genauso gekocht, wie die Mutter oder die Großmutter es gemacht haben. Wenn man mal von der Spitzengastronomie absieht, ist hier wenig Neues entstanden, dass dem modernem Zeitgeschmack von heute entspricht und beispielsweise mit ungewohnten Zutaten-Kombinationen den einen oder anderen raffinierten Akzent setzt, ohne die kulinarische Grundaussage eines Rezeptes komplett zu wandeln.

Genau das möchte das schöne Buch von Matthias F. Mangold ändern. Deutsche Küche, verstanden als ein kulinarischer Grundstock, der unbedingt erhalten werden sollte und nicht zwangsläufig aufgehen muss in einem globalisierten „anything goes“. Der Schatz, den wir vor der Haustür haben und der leider nur allzu oft glattgebügelt wird, ist zu wertvoll, um ihn einfach in der Versenkung verschwinden zu lassen. Es gibt viel zu entdecken in den einzelnen Regionen. Viel Bewahrenswertes, dessen Geschmack viele gar nicht mehr kennen.

 Was ist drin oder alles anders?

Es beginnt mit einer Collage zum Thema „17 Aromen mit Charakter“ (von Petersilie über Kümmel zu Holunder) mit sehr interessantem Kurz-Steckbrief und Ideen, wie diese wirkungsvoll und köstlich eingesetzt werden können. Ist optisch ein echter Hingucker, so macht es Spaß weiter zu stöbern, und weiter geht es mit den folgenden Kapiteln

SNACKS
(Rezepte von Brotaufstrich über Brathering bis Flammkuchen vegetarisch)

SUPPE & SALAT
(Rezepte von Spargelsuppe über Roten Heringssalat bis Feldsalat mit Dörrpflaumen)

GEMÜSE
(Rezepte von Gebratenem Rosenkohl über Pfifferlings-Gratin bis Tomaten-Lauch-Tarte)

Kartoffeln, Nudeln & Co und weitere leckere SATT­MACHER
(Rezepte von Himmel und Erde über Kürbisspätzle bis Pilzmaultaschen)

Geflügel, Wild und richtig Gutes mit FLEISCH
(Rezepte von Zwiebelrostbraten über Hühnerfrikassee bis Hasenpfeffer)

Aus Fluss und Bach, See und Meer Fisch & mehr
(Rezepte von Pannfisch mit Senfsauce über Grillforelle bis Muscheltopf-Variationen)

 Zu guter Letzt gibt’s Kuchen und noch viel mehr SÜSSES
(Rezepte von Rote Grütze über Käsekuchen und Erdbeerschnitten bis Franzbrötchen)

 Super dass innerhalb der Kapitel immer wieder die Rubriken „Selbermachen“ und Story aufgenommen worden sind, hier kann man Lernen wie ein echtes Sauerteigbrot gemacht wird, Gurken eingelegt werden oder was es mit Schrebergärtnern 2.0 auf sich hat und vieles mehr.

Alle Reportagen sind äußerst kurzweilig zu lesen, weil die Protagonisten sehr schön authentisch portraitiert wurden. Die Auswahl der Themen ist stimmig und schafft es auch Trendthemen, wie z. B. Street-Food aufzunehmen.

 Wer ist der Autor?  Matthias F. Mangold, freier Foodjournalist (FEC – Mitglied) und gebürtiger Franke, hat sich in jungen Jahren ausgiebig in der Welt umgeschaut, bevor er seine jetzige Wahlheimat in einem 1000-Seelen-Dorf in der Pfalz fand. Dort betreibt er die erfolgreiche und viel gelobte kleine Kochschule „genusstur“, bietet Weinseminare und -touren an und ist als Tester für den Gault-Millau-Wein-Guide unterwegs. Auch im TV konnte man ihn schon mehrfach in Portraits und Reportagen sehen.

Was ist besonders?  Der Titel ist Programm, das Buch wendet sich an Menschen, die die „deutsche Küche“ neu entdecken wollen. Und da wird mächtig was aufgetischt, wir haben es mit einem Kochbuch zu tun, das gleichzeitig ein wunderbarer Bildband mit vielen sehr informativen und unterhaltsamen Reportagen zum Thema zeitgenössische deutsche Küche ist. Alles geht fließend ineinander über und ist sehr harmonisch gemacht. Das Layout ist modern, sehr farbig und führt den Leser durch die sehr gelungene Grafik von einem Thema zu anderen, Rezepte, Reportagen und Stey-by-Step Anleitungen leben friedlich auf einer Seite sogar nebeneinander und daraus entwickelt sich etwas neues sehr spannendes, dass Lust macht, immer tiefer ins Thema einzutauchen.

Für mich ist das exzellent gelöst und wohltuend modern, dass gefällt mir ausgezeichnet, auch die ansprechenden Fotos und die Hochformat-Klappbroschur unterstützt diesen sehr modernen trendigen Eindruck noch und passen perfekt zur Message: „Deutsche Küche kann auch hip!“

Fazit: Endlich ein Kochbuch zum Thema Deutsche Küche, dass es versteht den Spagat zwischen Kochbuch, Bildband und Reportage spielend und auf eine überraschend neue Art und Weise zu beherrschen. Wohltuend anders und sehr spannend gemacht, geling sichere Rezepte machen daraus ein Meisterwerk, das großen Spaß macht und ein perfekter Botschafter für die moderne deutsche Küche ist, die sich wirklich nirgendwo verstecken sollte, wenn sie so unterhaltsam und kompetent präsentiert.

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