The Art of Simple Food

Alice Waters: The Art of Simple Food

Illustrationen: Patricia Curtan

Prestel Verlag

Preis: 34,95 €

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„Keep it simple – oder das Beste ist gerade gut genug!“

 Worum geht’s?

 Das Vorwort von Carlo Petrini (Gründer von Slowfood-International), gibt schon mal die Richtung vor: Ist ein Rezept eine Auflistung von Zutaten, Zubereitungszeiten und Handgriffen, die nötig sind, oder ist mehr hier nicht wirklich besser? Der Mann hat Recht! Die Rezepte von Alice Waters wollen mehr, es sind regelrechte Geschichten, die dazu verführen, den eigenen Geschmack zu entdecken und sich mit Liebe und Leidenschaft auf den Weg, zum perfekten ganz persönlichen Rezept zu machen.

Wie sieht es aus?

 Die Aufmachung ist angenehm zurückhaltend, aber auch edel und geschmackvoll mit Leinenrücken und in zwei farblich abgestimmten Grün-Tönen. Vor mir liegt eine echte Bibel mit stolzen 434 Seiten. Ein Grundlagen-Kochbuch, das definitiv das Zeug zum Klassiker hat.

Mit der geschmackvollen Cover-Zeichnung wird gleich zu Beginn deutlich, es gibt keine Fotos, stattdessen sind viele wunderschöne Zeichnungen enthalten. Das Buch bleibt seinem Vorsatz treu, es gibt keine Illustrationen zu fertigen Gerichten, sondern es konzentriert sich, auf die Protagonisten, Gemüse, Obst und Kräuter spielen hier die erste Geige.

Was ist drin?

Das Buch ist in zwei Bereiche gegliedert. Im ersten Teil „Geschmack als Inspiration“ geht es um saisonale, regionale Rezepte, ob vom Händler Ihres Vertrauens auf dem Wochenmarkt oder sogar aus dem eigenen Gemüsegarten bleibt Ihnen selbst überlassen, aber am liebsten Bio und mit guter Qualität. Ich bin erleichtert und gut zu wissen, denn ich habe nur einen kleinen Kräutergarten, mehr ist im Moment leider zeitlich nicht drin.

Die Auswahl an Rezeptideen ist groß und Produkte mit dem gleichen Erntezeitpunkt sind zu einem Kapitel zusammengefasst:

In den 15 Kapiteln wird viel an Inspirationen für Obst/Gemüse und Kräuter/Salate geboten, es geht inhaltlich z. B. um „Zarte Blätter“ (Kräuter), „Geheime Helden“ (Zwiebeln, Knoblauch u. Lauch), „Unterirdische Schätze“ (Wurzeln und Knollen), „Reifes Sommerobst“ (Kirschen, Aprikosen, Pfirsiche u. Nektarinen), „Herbstfrüchte und Nüsse“ (Feigen, Trauben, Äpfel ….) und schließlich auch darum, wie die aromatische Fülle am besten konserviert werden kann.

Jedes der Rezept-Kapitel startet mit einer Übersicht der enthaltenen Rezepte, danach gibt es wertvolle Informationen über das Produkt im Garten. Jede Zutat wird mit einer kleinen Zeichnung und Hinweisen für die Pflege im Garten, Geschmack und die besten Einsatzmöglichkeiten vorgestellt, anschließend folgen die passenden Rezepte. Alle haben nur das eine im Sinn, die perfekte Kombi aus Produkt und Begleitern, immer mit dem Ziel den Eigengeschmack des Hauptdarstellers zu heben, dass das Ganze natürlich von möglichst frischen Zutaten mit hoher Qualität abhängt, versteht sich von selbst.

Wie sieht die Praxis aus – oder meine Erfahrungen?

Die einzelnen Gerichte sind einfach zuzubereiten und sehr häufig gibt es Variationen, Kombinationsvorschläge und praktische Tipps. Genauso stelle ich mir inzwischen ein perfektes Kochbuch vor, ich brauche keine Fotos, sondern ich will lernen mit Produkten umzugehen und optimale Partner und Kombinationen finden, aber nicht immer dieselben.

Ich habe einige Zeit für diese unerschrockene Haltung gebraucht und es ist dem einen oder anderen guten Kochbuch gelungen, mir hier Ängste zu nehmen. Als ich mich noch sklavisch an Rezepte gehalten habe, habe ich mich immer gewundert, warum bei mir im Küchenschrank, so viel rumsteht, was ich höchsten einmal gebraucht habe.

Ich glaube aber man braucht dafür Lehrer, die mit Leidenschaft und sehr viel Liebe am Werk sind, nur so kann man das vermitteln, herzlichen Dank für dieses schöne kreative Kochbuch liebe Alice Walters!

Was ich probiert habe:

„Auf Salz gebackene Kartoffeln mit Crème fraîche und Schnittlauch“

(Wunderbar im Geschmack, bei mir waren es aber lila Kartoffeln, Alice Waters verwendet eine rote Sorte, die waren auf meinem Wochenmarkt leider nicht zu bekommen.)

„Ganzer Wolfsbarsch aus dem Ofen mit Fenchellaub“

(Das schmeckte sehr lecker, aber wenn man Fenchelkraut benötigt, ist das sehr schwer zu bekommen. Das Zeug wuchert aber überall wie nichts Gutes in südlichen Gefilden. Dieses Rezept haben wir jüngst im Urlaub auf den Kanaren genossen, wo mir das Kraut bei einer Wanderung in die Quere kam, frischer Fisch ist da auch kein Problem. Ich muss unbedingt noch mal einen Versuch in meinem Kräutergarten damit starten, angeblich wächst das wie von alleine, vielleicht sollte ich mal den Standort wechseln….. Ansonsten ist das Rezept einfach perfekt für die Urlaubsküche und geht unglaublich schnell.)

„Steckrüben-Pastinaken-Gratin“

(Schöne sättigende Mahlzeit, interessant, dass die süße von den Steckrüben so gut mit dem Chili harmonieren. Der Vorschlag der Autorin eine fruchtige Sorte wie z. B. das türkische Pul-Biber zu wählen, war goldrichtig. Beim nächsten Mal garantiert mit einer der viel versprechenden Varianten: Kardamom lieben wir auch und kann ich mir auch sehr gut vorstellen, oder vielleicht doch lieber Koriander oder Schwarzkümmel? Mal sehen, dass Rezept hat in jedem Fall sehr viel Potential!)

„Hähnchen mit 40 Knoblauchzehen“

(Sehr, sehr lecker und keine Angst, da der Knoblauch nicht geschält wird, schmeckt die Soße auch nicht zu dominant nach Knoblauch.)

Und sonst?

Wer gleich Nägel mit Köpfen machen möchte, findet im zweiten Teil „Vom Samenkorn zur Samenernte“ auf knapp 44 Seiten viele nützliche Informationen zum Anlegen eines eigenen Obst- und Gemüsegartens.

Für mich eine konsequente Haltung, wenn man bedenkt, dass die Autorin in Amerika eine Wegbereiterin und feste Größe der Slow-Food-Bewegung ist.

Ich habe mit Interesse im Kapitel „Obst im Garten“ geschmökert, denn wir haben zwei Obstbäume im Garten unseres Wochenend-Häuschens, die bisher mit großem Engagement abgeerntet wurden, aber denen leider nicht viel Pflege zu Teil wird, weil wir uns da bisher gar nicht auskennen.

Wer ist die Autorin?

(c) Amanda Marsalis

Alice Waters – ist eine der einflussreichsten Köchinnen Amerikas. Seit den 70er-Jahren verwöhnt sie die Gäste ihres Gourmet-Restaurants „Chez Panisse“ im kalifornischen Berkeley mit ihren mediterran inspirierten Kreationen, für deren Zutaten ihr oberster Grundsatz „frisch, saisonal und biologisch“ gilt. Damit hat sie Köche (z. B. Nigel Slater und Jamie Oliver) auf der ganzen Welt inspiriert, ihre Rezepte sind einfach und schnörkellos, seit jeher arbeitet sie mit Produkten, die sie lokal von Bauern und Lieferanten in ihrer Umgebung kauft oder die in ihrem Küchengarten wachsen. Aroma und Geschmack der Zutaten sind für Alice Waters die zentrale Inspiration des Kochens.

Ihre Initiative „Edible Schoolyards“ (Essbare Schulgärten), die sich um eine bewusste und nachhaltige Ernährung bei Schülern durch die Anlage von Schulgärten bemüht, fand große Anerkennung und hat sie bis nach Washington gebracht, wo sie am weißen Haus im Auftrag des Präsidenten Obama einen Gemüsegarten an legte.

Was ist besonders – oder ein Buch, das vieles kann!

Das Kochbuch von Alice Waters hat mich überzeugt und begeistert:

  • weil es mit vielen Ideen für die kreative Küche mit regionalen Produkten für alle Geschmäcker und Vorlieben punktet und darüber hinaus, auch Lust auf einen eigenen Garten weckt.
  • es zeigt wie sensible Kulinarik und Kochen wirklich funktioniert, nämlich durch gute Produkte und Kreativität und ist damit ein überzeugendes Plädoyer für Nachhaltigkeit.
  • es mehr als nur Rezepte bietet, sondern ein Konzept offeriert, dass ebenso alltagstauglich wie praktisch ist und köstlich schmeckt.
  • es nicht einseitig auf die einzig heilsbringende Ernährungs-Philosophie fokussiert ist, es bietet was für alle Geschmäcker und Vorlieben: Vegetarier, Veganer, aber auch die Fisch- und Fleischliebhaber werden bedacht, insgesamt, gibt es allerdings weit mehr Rezepte die Fleischlos sind.

Fazit: Für mich ein echter Klassiker, der schon nach kurzer Zeit zu den Stars in meinem Kochbuchregal geworden ist. Ein kreatives und alltagstaugliches Grund-Kochbuch kann man immer gebrauchen!

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