Grünkohl trifft Kokos

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Ann-Kathrin Weber: Grünkohl trifft Kokos – Vegetarische Crossover-Küche.

Fotos: Wolfgang Schardt

Verlag Gräfe und Unzer

Preis: 19,99 €

Gräfe und Unzer Verlag

 „Vegetarische Küche spannend und neu – oder Aromen der Welt vereinigt euch!“

 Worum geht’s?

 Die vegetarische Küche erlebt in den letzten Jahren einen entscheidenden Wandel, der am ehestens mit einem aromatischen Mauerfall zu beschreiben ist. Auf der Suche nach neuen spannenden Geschmackserlebnissen werden Zutaten unterschiedlichster Herkunft aus ihrem regionalen Kontext herausgelöst und paaren sich zu einem völlig neuen Geschmackserlebnis.

Herausgekommen ist dabei eine neue Fusion- oder Cross-Over-Küche, die keine Scheu kennt, alles und jeden zusammenzubringen, wenn es denn nur schmeckt! Da werden die italienischen Schlutzkrapfen mit dem asiatischen Pak Choi kombiniert und es ist nicht nur überraschend anders als das Original, sondern schmeckt auch noch ausgezeichnet.

Wie sieht es aus?

 Ein Pappband mit A4-Format, elegantes, helles Cover, sehr modern und reduziert, nur die bunte Gemüse-Collage und die farblich abgestimmte Schrift im Titel, wollen unsere Aufmerksamkeit.

Innen geht es so weiter, schönes Papier, auf blütenweißen angerauten Seiten, Fadenheftung und ein sehr geschmackvolles und sehr modernes Layout.

Hier hat ein ausgesprochener Ästhet die Hände im Spiel gehabt, der weiß, weniger ist mehr! Denn ein solches Thema präsentiert man am besten nicht noch im überladenen quietsch-bunten Layout, das überfordert Auge und Vorstellungskraft.

Was ist drin – oder berufstätige Genießer werden sich freuen!

 Ann-Kathrin Weber hat nach langem probieren und optimieren 75 Rezepte für uns zusammengetragen, die auch berufstätige Vegetarier und Veganer glücklich machen können. Es gibt „Salate zum sattessen“, „Suppen zum glücklich löffeln“, die sich „Free-Style“ als Motto auf die Fahnen geschrieben haben. Auch wenn abends schnell was warmes auf dem Tisch stehen soll, hat das Buch mehr als 08/15 Rezepte im Angebot und im Kapitel „Das große Aufkochen“ geht es nicht nur um das große Menü zu speziellen Anlässen, sondern vor allem um große Überraschungen in Punkto Geschmack.

Geschmack geht vor!

So weit so gut, das finde ich schon mal sehr überzeugend, gerade für Berufstätige „gerne mal Vegetarier“, wie mein Mann und ich, ist das perfekt konzipiert, denn wir lieben kulinarische Ausflüge in andere Geschmackswelten! Ein positiver Nebeneffekt ist, dass man irgendwie mehr genießt, als wenn die Portion Käse-Spätzle vor einem steht. Das, heißt ich nehme mir mehr Zeit und genieße jeden Bissen und esse automatisch weniger, als ich es bei den Spätzle tun würde, denn den Geschmack hat mein Hirn schon gespeichert, da ist nichts mehr mit viel probieren. Damit wir uns nicht falsch verstehen, nichts gegen Käsespätzle, ich liebe sie, aber ich bin keine 25 mehr und kann mir das abends nicht mehr leisten, das geht höchstens im Wanderurlaub.

Mein Eindruck/meine Erfahrungen – oder Vielfalt, die Spaß macht!

Die Rezepte gefallen mir durch die Bank sehr gut, ich habe das Buch schon reichlich mit Nachkoch-Zetteln gespickt, vieles trifft genau meinen Geschmack.

Probiert haben wir den „Puy-Linsen-Salat mit Piementos de Padron“

Die Linsen hatte ich schon am Vorabend gekocht, denn sie brauchen 2 – 3 Stunden zum marinieren. Der Salat hatte eine herrliche arabische Note, durch Kreuzkümmel und Koriander und ein wenig Süße durch den Agaven-Sirup, zur Abrundung noch mal frischer Koriander und Sesamsamen zu den Piementos. Das hat uns ganz ausgezeichnet geschmeckt und stand auch schnell auf dem Tisch.

Und auch das „Blumenkohl-Taboulé“ hat uns auch sehr gut geschmeckt.

Ich freue mich schon auf weitere aromatische Abenteuer!

Was ist besonders – oder Balance kontra Komplexität!

 Vegetarische Cross-Over- oder Fusion-Küche ist nichts neues, Ottolenghi hat diese vor 10 Jahren mit seinen kreativen Kreationen so richtig publik gemacht und alle waren hin und weg von diesem Koch-Stil. Auch ich bin eingefleischter Ottolenghi-Fan, aber seine Rezepte sind im besten Falle sehr komplex, das lässt sich als Feierabend-Küche für meinen Geschmack nicht gut realisieren, wenn man nicht gleich ein spätes Abendessen einplant. Obwohl mich seine Rezepte nach wie vor begeistern und ich alle seine Kochbücher im Regal stehen habe, bin ich angenehm von dem Buch von Ann-Kathrin Weber überrascht, diese kommt mit deutlich weniger Komplexität zu tollen Geschmackserlebnissen und zeigt, das Fusion—Küche auch im Alltag funktionieren kann. Insgesamt scheint sie auch sehr viel Wert auf Balance zu legen und nicht nach dem Prinzip „viel macht viel“ zu arbeiten, das ist ein weiterer angenehmer Eindruck, der bei mir nach ein paar nachgekochten Rezepten zurück bleibt.

Einfach mal was anderes wagen – oder Inspiration und Phantasie können nicht schaden!

 Die eingestreuten Sonderseiten erklären zum einen die einzelne Komponenten und ungewöhnliche Kombinationen, Kreuzkümmel, Kardamom, Quinoa und vieles mehr stellen sich vor. Mit diesem Wissen wird aber auch die eigene Phantasie angeregt, was man daraus noch machen kann.

Außerdem werden die 6 grundlegenden Geschmacksrichtungen wie süß, salzig, scharf, bitter, umani und sauer erklärt und wir bekommen viele Ideen, wie man hier mit unterschiedlichen Produkten variieren kann, statt Salz, kann z. B. auch Sojasauce für eine salzige Komponente verwendet werden.

Wer sind die Autoren?

© Gräfe und Unzer/Wolfgang Schardt
© Gräfe und Unzer/Wolfgang Schardt

 Anne-Katrin Weber lebt mit ihrer Familie in Hamburg. Nach ihrer Ausbildung zur Köchin vertiefte sie ihre Praxis zunächst in der Sternegastronomie, bevor sie Ernährungswissenschaft studierte. Seit vielen Jahren ist sie Autorin zahlreicher Koch- und Backbücher und arbeitet als Foodstylistin für namhafte Redaktionen im In- und Ausland. Durch die Kombination aus Handwerk (Kochen), »Schreibtischarbeit« (Autorin) und Optik (Food-styling) bleibt ihre Arbeit immer abwechslungsreich und wird kein bisschen langweilig!

 Die sehr geschmackvollen Fotos sind mal wieder von Wolfgang Schardt, der bekannt ist für seinen erlesenen Geschmack und die große Spannbreite seiner Arbeit. Wie viele andere Spitzenfotografen liebt es auch Wolfgang Schardt, selbst zu kochen. Arbeitet er nicht in seinem Hamburger Studio, stehen die Chancen nicht schlecht, ihn in der heimischen Küche anzutreffen, wo er am Herd Inspiration für neue Kreationen findet. Dabei zaubert er so unterschiedliche Gerichte wie einen süßen Kaiserschmarrn oder feines Thunfisch-Sashimi.

 Fazit: Ann Kathrin Weber hat ein schönes Kochbuch mit vielen kreativen Ideen für Vegetarier und Veganer geschrieben, das mir ausgesprochen gut gefällt, auch weil es ihr gelungen ist, tolle neue Kombinationen, ohne zu viel Komplexität zu kreieren.

 Vielen Dank für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

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