The Bread Exchange

The Bread Exchange von Malin Elmlid
The Bread Exchange von Malin Elmlid

Malin Elmlid: The Bread Exchange

Prestel Verlag

Preis: 29,95 €

 „Teilen ist das neue Kaufen, oder ein Sauerteig auf Reisen!“

 Worum geht’s?

 Malin Elmlid ist eine Schwedin, die seit 2007 in Berlin lebt und ursprünglich in der Modebranche tätig war. Beim Brot hat sie aber noch nie Kompromisse gemacht, da konnte ihr Low-Carb schon immer gestohlen bleiben. Malin liebt Weizen-Sauerteig-Brot nur das ist auch in Deutschland, in dem Land des Brotes schlechthin, in guter Qualität nicht mehr sehr einfach zu bekommen. Wir sind halt eher für gute Roggen- und Schwarzbrote bekannt.

Echtes Brot, das weder in hochindustrialisierten Backfabriken gefertigt, noch tiefgekühlt und wieder aufgetaut wird, das kaum Zusatzstoffe enthält und das mit hochwertigen Rohstoffen hergestellt wird, gibt es bis auf wenige Ausnahmen auch in Bäckereien leider nur noch selten, deshalb hat Malin Elmid begonnen, selber Sauerteigbrote zu Hause zu backen. Malin war mit Liebe und Leidenschaft bei der Sache, hat probiert und verbessert und backte bald so viele Brote, dass sie diese nicht mehr allein essen konnte und anfing, es an Nachbarn und Freunde zu verschenken.

Wie sieht es aus?

 Sehr geschmackvolles Understatement, eine klassische Schönheit in Erdtöne und grünem Leinenrücken. Die Fotos vermitteln einen zeitlosen hochwertigen Vintage-Look und zeigen nicht nur Rezepte, sondern vermögen es auch Geschichten zu erzählen, von einer Mittsommer-Nacht in Schweden, einer Rooftop-Party in New York, oder vom Brotbacken in Kabul.

Was ist drin – oder mit Konzertkarten fing alles an!

 „Einmal rief der Kollege einer Freundin bei mir an und wollte mir Karten für die Philharmonie schenken, weil ihm mein Brot so gut geschmeckt hat“, erzählt Malin:

Als immer mehr solche Angebote kamen, gründete sie 2009 ihre Website „The Bread Exchange“, um auch mit Fremden zu tauschen. Das sprach sich schnell herum, bis heute hat sie weit mehr als 1000 Brote eingetauscht, oft sechs Laibe pro Woche –  z. B. gegen Käsefondue aus Montreux, Fahrradreparaturen, Lammkeulen oder sogar ganze Wildschweine. Zuletzt tauschte sie Brot gegen die Fotos für ihr Brot-Backbuch „The Bread-Exchange“, das kürzlich endlich auch auf Deutsch erschienen ist.

Eine Geschichte des am weitesten gereisten Sauerteigs der Welt – oder Abenteuer inklusive:

In ihrem Buch zu ihrer „Bread-Exchange-Reise“, teilt die Autorin mit uns ihr Geheimnis für das beste Sauerteig-Brot aus ganz elementaren Zutaten wie schlichtes Wasser, Mehl und Salz. Malin nimmt sich dabei viel Zeit alles sehr ausführlich zu erklären, hat auch viele persönliche Tipps parat und liefert außerdem fünf leckere Rezepte vom einfachen Sauerteigbrot bis zum finnischen Wohlfühlbrot. Es sieht alles wirklich lecker aus – das geht ja schon mal gut los, finde ich!

Außerdem wartet sie mit weiteren Lieblings-Rezepten ihrer Tauschpartner auf und nimmt uns mit auf eine abenteuerliche Reise durch insgesamt 12 bereiste Ländern: Es geht z.B. zu Pferd durch die Wüste Sinai, auf geheime Lebensmittelmärkte in Kalifornien und wundervolle Mittsommerfeste in Skandinavien.

Ein Buch mit Message – oder teile mit mir, was Dich bewegt und auf das Du stolz bist!

 Malin Elmid erzählt auch von ein paar ihrer persönlichsten 1400 Tauschgeschäfte: Und schnell ist klar, hier geht es nicht nur um Kochen, erfahren, lesen, sondern das Buch will auch anregen zum Nachdenken, vielleicht mal wieder etwas selbst zu machen. Liebe und Hingabe in etwas zu investieren und sich mit anderen daran erfreuen.

Es kann ungeheuer entspannend sein, einfach was mit den Händen zu machen, ob das nun Brot-Backen oder in der Erde wühlen ist, entscheidet jeder selbst. Und es gibt einfach nichts Schöneres als jemand etwas sehr persönliches zu schenken. Man kommt darüber ins Gespräch, kann sich austauschen und der Beschenkte, hat häufig genauso das Bedürfnis, sich entsprechend zu revanchieren. Natürlich ist das nichts neues, aber leider ein bisschen aus der Mode gekommen, selbst auf dem Land, wird die Marmelade lieber im Supermarkt gekauft, als die Früchte aus dem Garten zu verwenden – oder Gartenerzeugnisse mit den Nachbarn zu tauschen.

Eine Moral, die keine ist – oder nicht alles kann man mit Geld adäquat entlohnen!

 Um es gleich vorweg zu nehmen, Malin ist keine weltfremde Öko-Tante, sondern eine hübsche moderne junge Frau, die auch bei ihrem Job in der Modebranche sehr viel Wert auf Qualität gelegt hat, wenn man sich die Bilder anschaut, sieht man das sehr deutlich.

Wenn wir hochwertige selbstgemachte Produkte versuchen mit Geld zu bezahlen, wird es aber meistens sehr teuer, Handarbeit hat ihren Preis und persönliche Nähe, persönliche Interaktion und Inspiration sind durch Geld sowieso nicht aufzuwiegen. Ich persönlich verschenke Weihnachten nur noch selbstgemachte Dinge, sei es ein Pflaumenmus, Chutneys oder ähnliches und ich hatte unterm Jahr noch nie so viel Spaß dabei, das ist der perfekte Ausgleich für mich zu einem hektischen Job.

Ist das Buch nun ein Brotbackbuch – oder was?

 Wir lernen natürlich im Buch auch die 5 Lieblings-Brotrezepte der Autorin kennen, aber es geht um viel mehr, es geht um Begegnung, um Tauschen, die Geschichten von Malins Tauschpartnern und deren Lieblings-Rezepte, die sie im Gegenzug als Produkte eingetauscht haben.

Was ist sonst noch besonders – oder ein sehr persönliches Kochbuch, das Freiheiten lässt, aber Wert auf Qualität legt

 Als ehemalige Münchnerin hatte es mir auf den ersten Blick das Rezept für die Schmalznudeln aus dem „Cafe Frischhut“ angetan. Wir haben die am Wochenende probiert und es hat uns ausgesprochen gut geschmeckt.

Aber auch das „The Bread-Exchange-Sauerteigbrot“ steht schon auf der Nachkoch-Liste, denn der Brot-Backstein ist in unserem Wochenend-Häuschen geparkt. Ich freue mich schon darauf es auszuprobieren und es macht mir riesig Spaß, jeden Abend weiter im Buch zu schmökern. Hier könnt Ihr Malin bei der Zubereitung sehen

Schön, dass bei den Grundzutaten, da wo es darauf ankommt, Wert auf eine gute Qualität gelegt wird, das heißt das Salz im Brot, sollte immer von herausragender Qualität sein, beim Kochwasser für die Kartoffeln spielt das aber keine große Rolle meint die Autorin.

Und zum Glück versteht sie das Buch auch eher als Inspirations-Quelle und keine „in Stein gemeißelte“ Nachkoch-Anleitungen, das entspricht auch meiner Philosophie von entspanntem Kochen. Ich schaue mir ein Rezept nach Studium im Kochbuch meiner Wahl, gerne noch mal im Internet an und ergänze oder lasse weg, um es zu meinem Rezept zu machen. Bei den von uns favorisierten Lieblings-Rezepten ist das Endergebnis, sowieso sehr nah an der Rezeptvorlage, das stelle ich am Ende immer wieder fest, aber so hat man ein bisschen Spielraum und wird auch selbst ein bisschen kreativ.

 Fazit: Das schöne Buch von Malin Elmlid ist ein sehr schönes Buch, auf dessen Übersetzung ich lange gewartet habe, mir gefällt dabei, dass es nicht nur Rezepte liefert, sondern unterhält und vor allem zum Nachdenken anregt, ohne auf ästhetische Schönheit und Inszenierung zu verzichten, das erscheint mir einfach der zeitgemäßere und authentischere Ansatz für ein solches Thema in 2016.

Vielen Dank für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

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