Food-Swap

9783841904270_FoodSwap_300dpi

Swantje Havermann/Yelda Yilmaz: Food-Swap

Fotos: Yelda Yilmaz

Edel Books

Preis: 19,95 €

 „Biete Erdbeer-Marmelade, suche Bärlauch—Pesto!“

 Worum geht’s?

 Diese Lebensmittel gibt es garantiert nicht zu kaufen: Beim „Food Swap“ tauschen Großstädter Selbstgeerntetes und Selbstgemachtes. Neben der Geselligkeit bieten die Börsen den kleinen Thrill: Kommt man ins Geschäft, wie kommt die eigenen Schätze bei anderen an und was gibt es so zu entdecken?

Die Bewegung ist aus den USA zu uns herüber geschwappt, „Food Swaps “ sind Tauschbörsen für selbstgeerntete und selbst gemachte Lebensmittel, die auf sehr unterhaltsame Weise, für eine gerechte Entlohnung von selbstgemachten sorgen, dass sich mit Geld häufig ja gar nicht bezahlen lässt. Positiver Nebeneffekt ist, dass sich Gleichgesinnte treffen und sich herrlich über ihren Hang zu Selbstgemachtem austauschen können.

 Was ist drin?

 Jede Menge kreative Ideen und ein gutes Gespür was wir uns wünschen!

 Fast 100 sehr kreative Rezeptideen vom Brot mit karamellisierten Walnüssen und Rosmarin, über eine Harissa Gewürzpaste oder eine feurige Peperonata, ein Zwetschgenmus aus dem Backofen bis hin zu Apfellimes und Tonicsirup werden inhaltlich in den Kapiteln „Brot“, „Brotaufstriche“, „Marmeladen & Chutneys“, „Eingelegt & Eingemacht“, „Kleingebäck“, „Knabberkram“ und „Aus der Flasche“ präsentiert. Die Gliederung ist stimmig und die Auswahl der Rezepte hat mich gleich sehr angesprochen, denn sie zeigt sowohl Händchen für besondere Ideen als auch ein deutliches Gespür für die Wünsche der Klientel und was man hier an Kenntnissen voraussetzen kann. Beim Brot ist diese perfekte Mischung am deutlichsten präsent, denn das Thema ist komplex. Nicht jeder will gleich zum Sauerteigexperten werden und manch einem reicht da auch schon eine einfache Variante, die sogar mit Trockenhefe auskommt und keine lange Vorlaufzeit erfordert. In diesem Kapitel gibt es neben den klassischen Rezepten auch ein paar einfachere Varianten, wie z. B. ein schnelles Möhrenbrot, die schnelle Erfolgserlebnisse garantieren und für weitere Motivation sorgen. Das Repertoire an Rezepten versteht es weiterhin auch sowohl die Soul-Food-Liebhaber als auch die kreativen Geister auf der Jagd nach neuen Ideen zu bedienen: Der Hefezopf von Swantjes Großmutter, die die Inspirationsquelle für die Autorin war, steht für die erste Fraktion und die türkische Feigenmarmelade bringt ein bisschen türkisches Flair in unsere heimatliche Küche und die Naan-Brote bringen bei mir längst vergessene Erinnerungen an einen Urlaub in Indien wieder zum Klingen.

Schön dass wir auch den Koch hinter dem Rezept kennenlernen dürfen!

 Rezepte gibt es viele, aber eigentlich wollen wir ja viel mehr, nämlich nicht nur lecker essen, sondern es schmeckt doch gleich viel besser, wenn wir auch den Koch hinter dem Rezept kennenlernen dürfen. Herrlich das Renate, die Großmutter von Swantje, ihren berühmten Hefezopf schon 59 Jahre backt, das Rezept wurde hunderte Male probiert, verbessert und optimiert und Opa Heinz hilft angeblich seit dieser Zeit regelmäßig beim Ausrollen des Teiges, oder andersrum seit 59 Jahren sind die beiden verheiratet.

Ein bisschen mehr gefällig?

Das schöne Buch von Swantje Havermann und Yelda Yilmaz ist in erster Linie eine schöne und inspirierende Ideensammlung, die auf sehr persönliche Art und Weise Lust aufs Selbermachen und Tauschen von Brot, Marmelade, Aufstrichen, Chutneys, Einkochen und Einlegen oder Sirups machen möchte. Es versäumt aber nicht, auch ein wenig grundsätzliches Wissen über Einlegen und Fermentieren zu vermitteln. Das passt gut und wird komprimiert angegangen, eine Konkurrenz zu einer Einmach-Bibel will es aber definitiv nicht sein.

Meine Erfahrungen oder Liebe auf den ersten Blick!

 Ich liebe es selbstgemachte Köstlichkeiten zu verschenken, kommt doch hier mein Hamstertrieb ohne schlechtes Gewissen so richtig auf Touren, nahezu jedes Wochenende wird bei mir dafür gesorgt, dass die Regale in der Speisekammer nicht undekoriert bleiben! Je nach Jahreszeit sind das Pestos, Sirups, Marmeladen, die zum großen Teil aus unserem Obstgarten oder aus Tauschgeschenken der Nachbarn hergestellt werden. Zu Weihnachten verschenke ich dann gerne liebevoll dekorierte Gläschen, an alle Menschen, die mir etwas bedeuten und freue mich natürlich wie Bolle, wenn sich jemand auf selbe Art revanchiert. Deshalb war ich sehr gespannt auf das Buch und wurde nicht enttäuscht, es war wirklich eine Liebe auf den ersten Blick zwischen uns. Probiert habe ich das Rote-Beete-Hummus, das war sehr lecker, habe mir aber einen Hauch von Knoblauch dazu gegönnt und auch bei den Gewürzen mit einer eigenen Mischung gearbeitet, ziemlich lecker und sieht einfach toll aus. Außerdem endlich Salzzitronen eingelegt, was wirklich unglaublich einfach ist und den Rhabarber-Orangen-Sirup von Sabine probiert. Beides habe ich genauso hergestellt, wie im Rezept angegeben und das hat gut geklappt. Die Zitronen brauchen noch ein bisschen, aber der Sirup hat es bereits jetzt in unser Klassiker-Repertoire geschafft!

 Wer sind die Autoren?

 Tischlein deck Dich!

© Yelda Yilmaz
© Yelda Yilmaz

In Hamburg haben die beiden Freundinnen Swantje Havermann und Yelda Yilmaz einen Food Swap der etwas anderen Art zum Leben erweckt: „Austausch und persönlicher Kontakt sind uns wichtig“, sagt Yilmaz. Bis zu 25 Personen nehmen an den gemeinsamen Abendessen teil. Jeder bringt dazu in mehrfacher Ausführung das mit, was er hinterher auch gern tauschen möchte. All diese Leute kennen sich gar nicht. Sie tragen Namensschilder mit ihrem Vornamen, haben sich vor gerade einmal 15 Minuten kennengelernt und sitzen nun hier im „Salon Wechsel Dich“ in Hamburg an einem langen Tisch zusammen und unterhalten sich angeregt. Vor allem das gemeinschaftliche Abendessen gibt dem Ganzen einen Mehrwert. Der Tisch ist reich gedeckt, die Teller füllen sich und es wird sich angeregt unterhalten. Das Publikum ist bunt gemischt: Männer, Kinder, Muttis oder Studenten. Hier interessieren sich alle für gutes Essen und zeigen das auch durch die liebevoll gestalteten Mitbringsel, die sie mitgebracht haben.

Genauso hatten sich Yilmaz und Havermann ihren „Tauschabend“ vorgestellt. In der Woche ist Swantje Havermann Ergotherapeutin, am Wochenende mutiert sie zur Marmeladen- und Chutney-Liebhaberin und hilft ihrem Mann im Café „Salon Wechsel dich“ aus. Yilmaz ist hauptberuflich Fotografin mit einer ziemlich ausgeprägten Backleidenschaft. Sie hatte vor ein paar Jahren schon die Idee, Essen zu tauschen. „So wie früher. Da hatten die Bewohner eines Dorfes auch unterschiedliche Lebensmittel und haben sie einfach getauscht. Die beiden Frauen lernten sich 2013 im Café kennen. Sie arbeiteten zusammen, freundeten sich an und unterhielten sich irgendwann auch über ihre Träume. Swantje wollte im Café bei einem Abendbrot fremde Menschen zusammenbringen. Das ließe sich gut mit der Idee vom Essenstausch kombinieren, meinten sie und fingen Anfang des Jahres an, ihren „Food Swap“ zu planen und damit waren sie zum damaligen Zeitpunkt echte Pioniere in Deutschland. In den USA und in Großbritannien ist man da inzwischen schon sehr viel weiter, denn interessierte „Food-Swaper“ finden inzwischen über Plattformen zu einander. Klar ist aber immer das es hier nicht um Geld geht, sondern um Austausch und gemeinsames Genießen.

Fazit: Ein tolles Buch, das mich sehr angenehm überrascht hat, schöne Rezept-Ideen, spannende Protagonisten und die Autorinnen schaffen es auch noch, grundlegendes kurz und knapp zu erklären. Das Konzept ist stimmig und die sehr persönliche Präsentation sehr authentisch, mir hat das sehr gut gefallen!

Vielen Dank für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Advertisements