Cafe Cornersmith

924-4_case_cafe-cornersmith_final-1.inddAlex Elliott-Howery und James Grant: Cafe Cornersmith

Frische Saisonküche & köstliches Eingemachtes

Fotos: Alan Benson

Knesebeck Verlag

Preis: 29,95 €

„Ein Paar mit Ambitionen, eine tolle Nachbarschaft – oder saisonal genießen macht Spaß!“

 Worum geht’s?

 Ein junges Paar aus Australien, Eltern von 2 kleineren Kindern, beide immer in der Gastronomie tätig, haben einen Traum und möchten was anders machen: Sie legen nicht nur am eigenen Küchentisch Wert auf Nachhaltigkeit, sondern eröffnen im Westen von Sydney ein Café, das eine regionale, saisonale Küche verfolgt und sich auch als Treff für die Nachbarschaft versteht. Wunderbare Idee, wo es heute in der Gastronomie so viele Einheits-Konzepte ohne persönlichen Charme oder Note mit allerlei Convenience -Produkten auf der Karte gibt, dass man schon beim Lesen der Speisekarte gähnen möchte oder doch lieber ganz schnell das Lokal verlässt, bevor es zu spät ist…..

© Alan Benson/Knesebeck Verlag
© Alan Benson/Knesebeck Verlag

Alex Elliott-Howery hat zudem während der Erziehungszeiten ihrer kleinen Kinder, eine neue Leidenschaft entwickelt, sie hat mit einer Freundin kurzerhand die Küche, zur  Produktionsstätte erklärt und ein totales Einmach-Faible entwickelt. Bei Spaziergängen mit den Kindern durch ihr Viertel fallen ihr überall reife nicht abgeerntete Obstbäume auf und Alex hat den Mut und klingelt eines Tages ganz einfach und bietet den Besitzern an, die Früchte selbst zu ernten, im Austausch erhalten die Gärtner dann 1 Gläschen von den fertigen Produkten, die Alex zusammen mit ihrer Freundin Jamie zu Hause daraus herstellt. Das hat wunderbar funktioniert, schon bald laden die Nachbarn, Berge von Obst und Gemüse vor der Tür des Cafés ab, oder tauschen diese gegen einen Coffee-To-Go oder was sie sonst so bevorzugen.

Wie sieht es aus?

Heller freundlicher Einband mit einer kleinen Collage, leckere Gerichte umrahmen ein Speisekammer-Regal mit großen Gläsern voller eingemachter Köstlichkeiten, alles schön, ohne zu viel Chi-Chi präsentiert, aber auch fröhlich und bunt. Spannend die Kombination, da möchte ich gleich mehr wissen, worum es hier geht. Schöner großformatiger Einband, Fadenheftung und tolle, Fotos, die zum Glück auf jede Übertreibung verzichten und die Speisen in den Vordergrund stellen. Und es gibt auch schöne Impressionen vom Café, den Menschen hinter dem Café, den Autoren und Marrickville, dem Ort des Geschehens, die es wunderbar verstehen, die Geschichte des Cafés und der Autoren zu erzählen, was für mich das Buch sehr anziehend macht.

 Was ist drin?

 Soweit so gut und das ist einfach toll, ich bin begeistert, als ebenfalls Einmach-Verrückte, gefällt mir das super und auch die Nachbarn der Autoren, habe ich direkt ins Herz geschlossen! Ich überlege kurz, ob ich nach Australien auswandern sollte, den Australier sind offenbar nicht nur super entspannt, sondern auch die besseren Nachbarn! Aber stopp, vielleicht funktioniert das auch bei uns und ich traue mich, auch einfach mal bei den Nachbarn unseres Wochenendhauses im Hunsrück zu klingeln, fragen kostet ja nichts. Außer dass ich zum Dorfgespräch werde, kann ja nicht viel passieren. Ich werde einfach mal darüber nachdenken und mir dann vielleicht auch ein Herz nehmen….

Das Buch lädt zunächst im Kapitel „Über uns„ dazu ein, die Protagonisten kennen zu lernen, am besten, Ihr schaut mal selber was Alex und James so machen!

Weiter geht es mit tollen kreativen Rezepten entlang der Jahreszeiten in den Kapiteln Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Wir lernen außerdem noch etwas über das Einmachen und die Rezept-Grundlagen. Der Schwerpunkt des Buches liegt in jedem Fall auf den  Rezepten, im Kapitel Rezept-Grundlagen wird aber der Grundstein gelegt, auch selber kreativ zu werden, denn es geht den Autoren darum, nicht nur Rezepte zu vermitteln, sondern uns auch Mut zu machen, hier selbst kreativ zu werden, Nachhaltigkeit kann nur so funktionieren, dass wir das verwenden was da ist. Mir ist das ungeheuer sympathisch, denn ich habe wirklich viele Jahre gebraucht, um mich nicht sklavisch an Rezepte zu halten, dazu braucht es aber neben Mut auch ein wenig Erfahrung und Grundkenntnisse, sonst wird das leider nichts und genau das versuchen die Autoren hier.

Die Rezepte sind ein buntes Potpourri aus beliebten Klassikern des „Cornersmith“ Cafés und Rezepten für leckere Essig- u. Gärkonserven, Konfitüren, Marmeladen und Kompotte. Es gibt

Hühnersuppe mit Frühlingsgemüse, Fenchel-Orangen-Salz, geröstete Mandeln mit Rauchpaprika, eingelegte grüne Chilischoten, Chilikonfitüre, scharfe grüne Tomatensauce, Käsekuchen, Maulbeer-Joghurt-Eis am Stiel, Limonadensirup, pikant gebratenes Hackfleisch mit Granatapfelsirup, Tomaten-Kirsch-Gazpacho, Zitronen-Aoli, Tomaten im Glas, Brotzeitgurken und vieles mehr.

Einmachen macht Spaß, aber was dann?

 Im Buch geht es munter zwischen den eingemachten oder fermentierten Produkten und Ideen zur Weiterverarbeitung hin und her. Am Anfang wirkt das vielleicht ein wenig fremd, denn ich habe noch nie so ein Buch erlebt, das so fröhlich und unerschrocken, die Grenzen verwischt, aber ich bin sehr angetan davon. Ich leide selbst schon ein paar Jahre am Einmach-Virus, nichts erdet mich nach einer anstrengenden Woche im Büro mehr. Allerdings biegen sich die Keller-Regale und häufig, fällt mir nach Monaten auf, dass ich den einen oder anderen Schatz gar nicht weiter beachtet habe. Praktisch, wenn man das mal anders macht und den Granatapfel-Sirup gleich für das pikante Hackfleisch herstellt, so ist zumindest sichergestellt, dass man nicht nur für die Speisekammer produziert.

Was ist besonders – oder Nachbarschaft tut not!

 Als das „Cornersmith“ gerade eröffnet hatte, wurde von Unbekannten nachts Scheiben eingeschmissen. Furchtbar so eine Erfahrung, wenn man gerade so viel Liebe in ein Herzensprojekt gesteckt hat, das Paar machte aber schnell die Erfahrung, dass die Nachbarn das neue Café schon in ihr Herz geschlossen hatten, denn die sie brachten Karten vorbei und versicherten Alex und James, wie froh sie über den neuen Nachbarschafts-Treff waren.

So was kommt aber nicht von alleine, sondern ist das Ergebnis von einem intensiven Bemühen: Alex und James haben es nicht nur bei der Eröffnung des Cafés belassen, sondern engagieren sie für vieles, was im Viertel passiert, da ist z. B. ihre Initiative für die „Dulwich-Hill-Grundschule“ und deren Gemüsegarten. An einem Wochenende im Jahr werden dazu Brötchen mit pochiertem Ei im Cornersmith verkauft. Die Brötchen wurden mit Gemüse, das die Schülergruppe, die den schuleigenen Gemüsegarten pflegt, selbst gezogen hat, belegt, so dass die Kinder selbst erleben können, wie die Nachbarschaft die Früchte ihrer Arbeit genüsslich verzehrt. Alle Gewinne aus dieser Gemeinschaftsaktion werden zur Anstellung von speziell angestellten Lehrkräften und zur Anschaffung von Gartenbedarf genutzt.

Auch die später hinzugekommene „Picklery“ für die eine alte Metzgerei herhalten musste, erfreut sich großer Beliebtheit bei den Kunden, hier kann man Produkte der Lieferanten des Cornersmith kaufen, Kurse zum Einmachen und Fermentieren besuchen, oder auch einfach die fertigen Ergebnisse der Bemühungen erstehen.

Cornersmith – eine große Familie mit unterschiedlichen Talenten

Die Autoren sind nicht nur in ihrem Viertel gut vernetzt, sondern haben auch viele engagierte Helfer, ohne die solch ambitionierten Projekte, niemals möglich wären, in ihren Reihen:

z. B. Sabine Spindler, die Küchenchefin des Cafés, hat mit Alex in der Küche eines Bowling-Clubs gearbeitet, eine rührige und sehr bodenständige Person, die im Buch ihre besondere Vorliebe für interessante Kombinationen aus Gemüse der Saison und Kräutern auslebt.

Oder Jamie Edwards, die andere Hälfte des Einmach-Duos und Spezialistin für Gär-Konserven, war nicht nur Inspirationsquelle für Alex, sondern ist heute auch in der  „Picklery“ schwer aktiv.

Ergänzt wird das ganze durch Kristen Allan, die Expertin für selbstgemachten Käse, Quark und Ricotta.

Schaut man auf die Webseite des Cornersmith und die dort angebotenen Workshops wird schnell klar, die beiden meinen es verdammt ernst mit ihrem Anliegen, schön, dass sowas noch möglich ist. Und genau das kann das Buch auch glaubhaft und authentisch präsentieren, deshalb ist mir das Buch auch ans Herz gewachsen und ich nehme es sehr gerne zur Hand und zwar ebenso so gerne zum Kochen, wie um darin zu schmökern.

 Praxistest:

 Probiert haben wir den Ananas-Chili-Sambal, den Limonaden-Sirup und den Cornersmith-Senf, alles sehr lecker und auch ohne Schwierigkeiten nachzumachen.

Bei der Kapiteleinteilung gilt es zu beachten, dass wir es hier mit einer Übersetzung aus dem australischen zu tun haben, klimatisch also nicht mit uns zu vergleichen, deshalb muss man sich auch ein wenig anpassen, nicht alles was hier in den jeweiligen Rubriken versammelt ist, ist auch bei uns zu ähnlichen Zeiten reif. Für mich stellt das aber nicht wirklich ein Problem dar, denn ich suche meine Rezepte gerne selber aus und verlasse mich hier nicht nur auf die Kapitelzuordnung. Das Credo der Autoren ist es, Menschen und Nachbarschaften zu mobilisieren und sie zu ermutigen zu Hause und im Geschäft wohlüberlegte Entscheidungen zu treffen, was auf den Teller kommt. Für mich ist das mit diesem schönen Buch voll und ganz erfüllt und ich freue mich deshalb sehr, dass es dank des Knesebeck Verlags auch den Weg in mein Kochbuch-Regal gefunden hat!

 Fazit: Einfach mal dem Cornersmith einen Besuch abstatten, wer dazu nicht nach Sydney fliegen möchte, holt sich am Besten im Buch einen Vorgeschmack, was ihn dort alles an Köstlichem erwartet.  Für mich ist das schöne Buch eine tolle Inspirationsquelle, sehr glaubwürdige und engagierte Autoren, inspirierende Rezepte, die mich schon fast als Nachbarn gewonnen haben, so sehr habe ich mich in das Buch verliebt. Ein Buch zum neuen DIY-Trend, mit einer angenehm anderen Herangehensweise, mir hat es sehr gut gefallen!

 Herzlichen Dank für die Übersendung eines Rezensionsexemplars.

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