USA Vegetarisch

usa-downloadOliver Trific/Katharina Seiser (Hg.): USA Vegetarisch

Fotos: Ulrike Holsten

Christian Brandstätter Verlag

Preis: 34,90 €

Vegetarisches Soul-Food aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten

Worum geht’s – oder werden Foodies und Vegetarier glücklich und satt?

Mal ehrlich, bei leckerer vegetarischer Küche denkt man nicht sofort an die USA, eher schon an Burger, Donuts & Co. mit manchmal fragwürdiger kulinarischer Reputation. Aber es geht auch anders, auch wenn ich das nicht für möglich gehalten hätte, ist die USA doch nicht gerade dafür bekannt dafür, dass wir hier nach allen Regeln der Kunst kulinarisch verwöhnt werden. Es bedarf dafür neben einer großen Leidenschaft für Kulinarik und großer praktischer Koch-Erfahrung auch viel Erfahrung mit Land und Leuten, um aus dieser herausfordernden Aufgabe ein erfolgreiches Projekt und tolles Buch zu machen. Gerade wenn es um leckere vegetarische Küche geht, für die die Vereinigten Staaten nun wirklich nicht gerade bekannt und geliebt sind, bedeutet das, dass dies nur von absoluten Kennern mit vielfältigen Talenten gemeistert werden kann.

Wie sieht es aus – oder ein Verlag, der sich Qualität leistet!

Ein wertiger geschmackvoller Pappband mit schönem abgesetzten Leinenrücken, den 3 Lesebändchen in den Nationalfarben gekonnt schmücken, hochwertiges Papier und Fadenheftung runden diesen Eindruck noch ab. Geschmackvolles und vor allem benutzerfreundliches Layout mit vielen tollen Rezept-Fotos, die klassisch daher kommen und ohne zu viel Drumherum auskommen, sind genau das was ich mir von einem gut gemachten Buch erwarte.

Ein tolles Team, jede Menge Erfahrung und vor allem ein leidenschaftlicher Koch und Rezeptentwickler!

© Ulrike Holsten/Brandstätter Verlag
© Ulrike Holsten/Brandstätter Verlag

Oliver Trific ist gelernter Koch und in Hamburg und Chicago aufgewachsen. Zurück in Deutschland arbeite er in der Spitzengastronomie (u. a. „Le Canard“) und landete schließlich als Food-Stylist bei „Essen und Trinken“, wo er sich mit seinem Freund und Weggefährten Stevan Paul ein Büro teilen durfte. Oliver hat außerdem sehr erfolgreich mit Tim Mälzer als Rezeptentwickler zusammen gearbeitet. Mit seiner Frau Tanja, einer Stylistin, die u. a. für „Schöner Wohnen“ gearbeitet hat, betreibt er inzwischen in Hamburg ein Restaurant, das sich bei den Hamburgern großer Beliebtheit erfreut. Tanja Trific ist bei USA vegetarisch für das SetStyling verantwortlich. Alle Fotos sind von Ulrike Holsten, die sich auch gerne mal die Gummistiefel anzieht, um mit der Kamera festzuhalten, wie das Gemüse auf dem Feld wächst und geerntet wird. Ulrike hat in Dortmund Foto/Filmdesign studiert und sich danach ihrer Leidenschaft für Food gewidmet. Miriam Strobach, die für die grafische Gestaltung im Buch verantwortlich ist, hat in Graz Informationsdesign studiert und in Paris die Kulinarik für sich entdeckt, seitdem konzipiert und gestaltet sie als Mitbegründerin von „Le Foodink“ Projekte im Bereich Essen und Trinken und ist die Frau, die den Büchern von Stevan Paul und anderen auch grafisch zu hoher Benutzerfreundlichkeit verhilft. Else Rieger als Lektorin, verpasst den Brandstätter Büchern, eine eigene unverwechselbare Handschrift, sie schätz an Kochbüchern die Herausforderung, Wissen und Handlungsanweisungen bestmöglich in Worte und Bilder zu kleiden. Herausgeberin hier ist wieder mal Katharina Seiser, die nur eine Reise antritt, wenn auch was Gutes zu Essen in Sicht ist und bislang war sie hier in Italien, Deutschland und Österreich sehr erfolgreich unterwegs. Außerdem ist Katharina Autorin des erfolgreichen Bestsellers „Immer schon vegan“.

Was ist drin, oder ein Autor der seine Hausaufgaben mit Bravour gelöst hat!

150 Rezepte, die vortrefflich die kulinarische vegetarischen Tradition eines riesigen Landes und dessen vielfältige Einflüsse von den indianischen Ureinwohnern bis hin zu den Geschmäckern, die die zahlreichen Einwanderer mitbrachten, widerspiegeln. Das allein ist schon eine beträchtliche Herausforderung, die hier mit Bravour gemeistert wurde. Dass ich Lust bekomme auf amerikanisches Essen hätte ich nicht gedacht, ich bin dort bis auf einen Stopp in Puerto Rico noch nicht gewesen, weil ich immer dachte, ach nee, ich fahre doch nicht in den Urlaub, um mich dann dort in den örtlichen Schnellrestaurants zu verköstigen. Ich liebe gutes Essen und traditionelle Zubereitungen und genau das schafft der Autor mir hier in den bewährten saisonalen Kategorien, jeweils unterteilt nach Frühstück, Suppe, Salat & Sandwich, Hauptgericht und Beilagen, Backwerk & Süßes mit jeweils einigen Ideen für die Speisekammer und Rezepten, die zu jeder Jahreszeit gut ankommen, schmackhaft zu machen. Oliver hat klug gewählt, denn als passionierter Skeptiker bei amerikanischen Genüssen bin ich schon beim Blättern sehr angetan, ich hätte nicht gedacht, dass in den USA so lecker vegetarisch gekocht wird.

Kostprobe gefällig?

Mandelsuppe mit grüner Spargel-Salsa

Spinat-Frischkäse-Dip in der Brotschüssel

Grüner Spargel aus dem Ofen mit Minz-Mayonnaise

California Rolls

Artischocken und Topinamburen mit Sauerampfer-Dip

New York Cheesecake mit Rhabarber

Heidelbeer-Pfannkuchen (Blueberry Pancakes)

Bloody-Mary-Salat

Club-Sandwich mit gegrilltem Gemüse

Cajun-Maiseintopf mit Okra und Tomaten

Knusprige Mini-Tortillas mit Bohnen und Salat

Sauer eingelegte Wassermelonen-Rinde

Allerseelen-Salat

Enchiladas mit Reis und Käse

Frittierte gefüllte Paprika

Pecannuss-Tarte

Paprika-Kohl-Relish aus den Südstaaten

Chili-Ketchup

Schwarze Bohnensuppe aus Puerto-Rico

Coleslaw mit Ananas

Gemüse-Bulgur-Chili

Walnuss-Brownies

Huevos Rancheros

Frischkäseaufstriche für Bagels

Mac and Cheese

Chicago-Style-Pizza

Die Liste ließe sich endlos fortsetzen……

Abschließend wird ein nützliches Glossar und ein umfassendes Inhaltsverzeichnis präsentiert.

Was ist besonders – oder hier gibt es nichts zu meckern!

Die Auswahl ist klasse, sie präsentiert eine große Vielfalt, die ich niemals erwartet hätte und hat auch die Klassiker im Gepäck, ohne dass diese Rezepte in Beliebigkeit erstarren oder nur irgendwie zusammengetragen wirken. Alles hat Hand und Fuß und man merkt die Erfahrung eines ortskundigen Kochs, der es gewohnt ist, Rezepte für ein interessiertes Publikum zu entwickeln, die auch funktionieren. Dieser Autor lässt sich dabei aber nicht hinreißen, auf Qualität zu verzichten und so bietet er auch Rezepte für die verwendeten Grundprodukte von Mayonnaise, über Gemüsebrühe bis hin zu Tortillas und Toastbrot an. Genauso habe ich mir das immer gewünscht.

Fazit: Ein Buch für Ästheten, Genießer und USA-Liebhaber gleichermaßen, egal ob nun Vegetarier oder nicht. Ich bin begeistert, obwohl ich sehr skeptisch war, dieses Buch zeigt aber, wenn die richtigen Menschen am Werk sind und ein tolles Konzept haben, spricht das für sich allein und holt auch Menschen ab, die bisher mit amerikanischer Küche nichts anfangen konnten. Mich hat das Buch überzeugt und ich werde sicherlich jetzt öfter einen kulinarischen Ausflug in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten unternehmen, auch wenn das bis vor wenigen Tagen so gar nicht auf meinem Programm stand.

Vielen Dank für die Übersendung eines Rezensionsexemplars!

Advertisements

3 Gedanken zu “USA Vegetarisch

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.