Das Prinzip Kochen

9783833857201

Matthias F. Mangold: Das Prinzip Kochen

Fotos Nicola Walsh

Gräfe und Unzer Verlag

Preis: 24,99 €

Kochen lernen im Prinzip Kinderleicht!

 Worum geht’s – oder hier geht vielen ein Licht auf?

Im Hause Gräfe und Unzer hat man sich Gedanken um eine neue Zielgruppe gemacht und die Institution Grundkochbuch, bei GU hieß das früher schlicht „Unser Kochbuch No. 1“, gründlich entstaubt. Heraus gekommen ist dabei ein tolles Buch von Matthias Mangold, das hier vieles anders macht und ungeheuer modern daher kommt.

Wie sieht es aus oder hier ist vieles anders!

 Mit dem Licht aufgehen, das wurde hier wörtlich gemeint, das Buch überrascht als dicker stabiler Pappband mit einer zur Glühbirne umfunktionierten Avocado. Das ist witzig und macht vor allem neugierig. Auch die gewählten Schriftarten sowohl auf dem Titel als im Buch fordern heraus, der Wechsel zwischen Standard- und Kursivschrift, zwingt einen dazu hier genauer hinzusehen. Auf dem Cover funktioniert das sehr gut im Buch, ist es manchmal ein bisschen anstrengend, aber das hauptsächlich weil die Schriften soweit an den Buchrand gesetzt worden sind, dass es wirkt als wenn hier was abgeschnitten wurde. Ich finde das mutig, weil sehr ordnungsliebende Zeitgenossen, hier möglicherweise mit Befremden reagieren könnten.

Klar ist jedenfalls gleich vom Start weg, dieses Buch setzt optisch völlig neue Maßstäbe und ist alles andere als langweilig. Auch wenn ich hier und da mich an das Layout gewöhnen muss, finde ich es toll und erholsam, dass sich endlich mal ein Verlag bei dieser eher drögen Thematik mal traut, hier richtig Pfiff rein zu bringen. Für mich ist das längst überfällig und beileibe nicht nur etwas für Hipster, sondern auch für mich, die als Kind der 60iger, wahrscheinlich schon in der Kategorie Koch-Oma angekommen ist, aber kein Problem damit hat vom Start weg geduzt zu werden. Ich mag es wenn mal etwas frech und ungeheuer anders ist, denn Einheitsbrei haben wir doch schon genug!

Yes you can, im Prinzip alles easy!

 Von den Basics zum Grundrezept und dann einfach selber kreativ werden!

 Hier gibt es einen Plan, durchdacht, schlüssig und mit vielen Freiheiten!

 Matthias Mangold und das Team der Büchermacher um ihn haben hier finde ich, alles richtig gemacht und ein Konzept entwickelt, dass es Koch-Novizen jeden Alters einfach macht, vom Start weg, mit guten Ergebnissen loszulegen: Bei jedem Grundrezept wird erst mal das dahinterliegende Prinzip erklärt, damit klar wird, um was es eigentlich geht. Danach folgt als Rezeptbeispiel ein wirklich einfacher (aber leckerer) Proto­typ, an dem wir uns mit dem Prinzip vertraut machen können und wenn man das kapiert hat, geht’s schnurstracks rein ins Kreativlabor – da wird ausprobiert, selbst variiert, hier gibt es jede Menge Freiheiten, wir können uns austoben und auch mal Gäste überraschen oder beeindrucken.

Auch als erfahrene Alltagsköchin, fühle ich mich hier gut aufgehoben!

 Dieses Buch ist keinesfalls auf eine Zielgruppe von 18 bis 35 zu reduzieren. Besonders die Varianten haben es mir angetan, im Prinzip Gnocchi bin ich dankbar für ein verlässliches Rezept, das ich auch zu schwäbischen Fingernudeln abwandeln kann, was für mich definitiv kein Heimspiel ist. Besonders bei Steak, Gulasch, Rouladen und Co. schaue ich mir gerne was vom Profi ab, bei der Fülle an Optionen koche ich diese Gerichte einfach nicht regelmäßig genug, damit aus dem Prototyp ein aus dem Schlaf-Rezept wird, dass ich nach Herzenslust und eigenem Gusto weiter entwickeln kann. Und darum geht es ja beim Kochen, leider ist das heutzutage nicht ganz einfach, weil wir im Gegensatz zu der Generation unserer Mütter nicht mehr 50 Rezepte unser eigenen nennen, sondern den zahlreichen Versuchungen in Büchern, Zeitschriften und Blogs nicht widerstehen können, so dass sich eine Technik nie wirklich festigen kann.

Was gibt es denn eigentlich?

Es werden insgesamt sehr stimmig 50 Prinzipen (Grundwissen) mit Grundrezepten präsentiert, die alles abdecken, was man als Koch-Novize wissen möchte oder eben auch wirklich braucht, um hier vom Lehrling zum Künstler zu werden. Das reicht von Salatdressing, über Pesto, Suppe, Eintopf, Nudelteig, Pizza, Wok, Curry, Schnitzel, Schmorbraten, Roulade, Frikadelle, aber auch bis hin zu Couscous, Sirup, Tintenfisch und der Zubereitung für ganze Fische. Beim Gulasch bin ich begeistert, dass neben der klassischen Variante mit Lamm ein Ausflug nach Nordafrika gewagt wird, auch Wild berücksichtigt wird und auch Vegetarier mit einer Tofu-Variante nicht zu kurz kommen. Durch die vielen kreativen Varianten kommt Pep und Spannung in unsere Küche und alles kann mit Gewürzen oder anderen Zutaten immer wieder neu nach Herzenslaune variiert werden.

Da ist nicht nur Nützliches aus der bewährten Hausfrauenküche dabei, sondern hier wird auch Spezielles geliefert, wo man Unterstützung gebrauchen kann. Viele wissen noch mit einem Fischfilet was anzufangen, schrecken aber vor ganzen Fischen oder Tintenfisch zurück, weil sie sich das nicht zutrauen.

Trends wie Sirup kochen werden ebenfalls bedacht, was beweist, hier hat man sich richtig Gedanken gemacht, was wir von einem innovativem Grundkochbuch erwarten und was uns im Moment auch alle interessiert. Zum Schluss gibt es Panna-Cotta, Mousse, Eiscreme, Muffins etc. für das süße Finale.

Was ist für mich hier besonders?

 Am liebsten koche ich jetzt ohne Rezept!

 Hier kommt vieles zusammen, was mir ausgesprochen gut gefällt:

Ein Autor, der weiß wie es geht und was wir uns wünschen!

Ein ambitionierter Koch, der seine Klientel sehr genau kennt, denn er hat seine Zielgruppe, nein es geht ihm nicht nur um die Hipster, jeden Tag in zahlreichen Kursen vor Augen. Die meisten dieser Teilnehmer sagen ihm im Kurs, dass sie einfach nur lernen möchten, worauf es ankommt, ein vernünftiges Grund-Rezept erlernen möchten und wirklich beherrschen und dann einfach selbst loslegen, am liebsten ganz nach dem eigenen Geschmack und ohne Rezept! Ehrlich wollen wir das nicht alle? Ja, genau davon träume ich bei der ein oder anderen Sache auch und fühle mich hier definitiv verstanden.

Optik, die nicht alleine glänzen will sondern ein Ziel hat!

Kochbücher sind Sachbücher und hier geht es nicht selten um die Vermittlung von Basics und Techniken, ohne die funktioniert kein Rezept. Bei einem guten Buch sollte das Layout, das Inhaltsverzeichnis etc. die Didaktik nach Kräften unterstützen, das ist hier wunderbar gelungen. Es werden z. B. für ganz eilige 10 Erklär-Videos über QR-Codes mitgeliefert, die sich mit dem Handy scannen lassen, um diese abzuspielen.

Ein Buch frisch, peppig und einzigartig!

Die Optik des Buches ist erfrischend modern, auch wenn mir nicht jedes kleine Detail gefällt, bin ich begeistert, Mensch endlich mal wieder ein Buch das wirklich seinen eigenen Weg gegangen ist. Das Konzept ist frisch und vor allem ungeheuer lebendig und wirkt nicht wie der Abklatsch von etwas was man woanders schon so oder ähnlich mehr als genug gesehen hat.

Fazit: Mir gefällt das Konzept des Buches super gut, ich bin regelrecht begeistert, auch wenn beim Layout nicht alles ganz genau mein Geschmack ist, bin ich froh über diesen gelungenen und individuellen Ansatz, für mich passt da alles zusammen. Das Ziel hieß am liebsten koche ich ohne Rezept, das wurde hier für mich nicht nur als Parole ausgegeben, sondern auch erreicht. Ich freue mich über ein Kochbuch, das neues wagt und sich damit wohltuend abhebt, Kochen kann eben auch cool und unkompliziert sein, wenn man mit den richtigen Leuten in der Küche steht. Sicherlich ist die klassische Zielgruppe, die der junge Kochanfänger, aber junggebliebene jeden Alters, die gerne das Wesentliche vertiefen wollen und lieber zwei bis drei vernünftige Kochbücher ihr eigenen nennen wollen und auf Masse gerne verzichten, können hier finde ich, auch recht glücklich werden!

Vielen Dank für die Übersendung eines Rezensionsexemplares

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4 Gedanken zu “Das Prinzip Kochen

  1. Ich bin erstaunt. Als ich letztes Jahr mit der Redakteurin von GU zusammen gesessen habe und erklärte ihr genau dieses Konzept, war ich dann doch zu speziell, auch wenn meine Idee toll wäre … Thats life 😉

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      1. Das war ja mein Konzept vom letzten Jahr Ira. Für dieses hatte ich ein Neues, aber ich weiß jetzt auch warum sich GU für mich heuer so interessiert hat und mich um alle Unterlagen gebeten hatte. Ich sollte vorsichtiger mit meinen Ideen sein 😉

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      2. Die Idee ist echt genial – deshalb tut es mir so leid – ich hoffe, Du kommst mit einem anderen Projekt zum Zug, wenn nicht in München dann woanders, wer so tolle Idee hat, muss die auch zeigen können. Und speziell ist genau das was heutzutage gefragt sein sollte. In der Verlagsbranche sowieso.

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