Einfach indisch

9783868739602

Amandip Uppal: Einfach indisch

Fotos: Lisa Linder

Knesebeck Verlag

Preis: 24,95 €

Easy peasy indisch kochen und trotzdem auf Geschmack nicht verzichten!

 Worum geht’s?

 Indische Küche lebt von Gewürzen und von Zubereitungstechniken, deshalb ist indisch kochen in der Regel sehr zeitaufwendig und der Gastgeber muss in seinem Gewürzschrank ein wenig Platz machen für neue Mitbewohner. Seit einigen Jahren gibt es verstärkt einen Trend am Kochbuch-Markt, bei dem schon verschiedene Kochbuch-Autoren versucht haben, die indische Küche ein wenig zeitgemäßer und moderner zu präsentieren. Vor allem verzichten diese Kochbücher auf komplizierte Zubereitungstechniken und kürzen hier und da so einiges ab. Häufig ist das was dabei herauskommt, im besten Fall so gerade noch als indisch für den Gaumen wahrnehmbar, aber ein Feuerwerk an Aromen ist damit nicht mehr möglich. Zugegebener Maßen ist dies Unterfangen wirklich nicht ganz einfach, denn mit Reduzierung von Aufwand und Zutaten ist es hier keinesfalls getan, wenn man auf Authentizität Wert legt.

Wie sieht es aus?

– dieses Buch ist besonders!

 Lisa Linder, die Fotografin des Buches hat für viele führende internationale Zeitschriften und Verlage die ganze Welt bereist. Sie hat mit Jamie Oliver, Peter Gordon und Alain Ducasse gearbeitet und Bücher für Giorgio Locatelli und Michel Roux fotografiert und sie war als Kunstredakteurin für die australische Vogue tätig. Hier hat sie ebenfalls einen tollen Job gemacht, die Fotos sind edel, klar und puristisch geworden und passen perfekt zu der schönen Kalligraphie-Schrift im Buch und den vielen wunderschönen Illustrationen und Zeichnungen von Alice Chadwick, die das Buch besonders und einzigartig machen. Mir gefällt das super, hier passt einfach vieles perfekt zusammen.

Was ist drin?

 Lieblingsgerichte der Promis oder der Herzschlag Indiens ist kulinarischer Natur!

© Alice Chadwick/Knesebeck Verlag
© Alice Chadwick/Knesebeck Verlag

Auch wenn Indien für Spiritualität und ebenso Bollywood steht, ist der Herzschlag dieses spannenden Sub-Kontinents eindeutig kulinarischer Natur. Amandip Uppal geht es unterhaltsam und spannend an, die Lieblingsgerichte der indischen Prominenz, damals wie heute, (mit dabei Freddie Mercury, Ghandi, Freida Pinto und sogar der Dalai Lama) werden mit einer witzigen Grafik präsentiert, jeder ist Pate für regionale Köstlichkeiten und so erfahren wir, dass Freida Pinto, bekannt durch Slumdog Millionär und Planet der Affen, aus Goa stammt und für goanesisches Garnelencurry und scharfe Würstchen schwärmt und Deepak Chopra, der New-Age-Gurru und Verfechter alternativer Medizin aus Dehli Butterhühnchen und Kulfi liebt. Einige dieser Promi-Lieblingsessen finden wir in einer leckeren und modernen Version im Rezeptteil präsentiert.

 15 Gewürze sollt ihr sein!

©Knesebeck Verlag
©Knesebeck Verlag

Weiter geht es mit der richtigen Ausstattung. Die Autorin hält 15 Gewürze für essentiell, wenn man indisch kochen will und bietet zudem noch ein paar Klassiker bei den Gewürzmischungen an, schön dass ein Rezept zum Selbermischen von Garam Masala dabei ist, so kann ich mir das immer frisch herstellen und bin nicht auf eine fertige Gewürzmischung angewiesen.

Hier macht Amandip Uppal alles richtig finde ich, denn authentische indische Küche klappt nicht mit 3 bis 4 Gewürzen, wer sich dann wundert, dass kein Aroma-Feuerwerk im Gaumen gezündet wird, ist selber schuld, denn das funktioniert einfach nicht. Aber man kann natürlich intelligent und vorausschauend die Vorratskammer und den Gewürzschrank bestücken und da gibt die Autorin genau die richtigen Tipps, wie wir das professionell angehen können, wenn man wirklich tiefer in diese Küche einsteigen möchte und neben einer unbefangenen und modernen Herangehensweise Wert auf authentische Rezepte legt. Toll ist, dass zu jedem Gewürz einige Rezeptvorschläge gemacht werden, so lässt sich gleich mit jedem Neuzugang im Gewürzschrank viel ausprobieren. Selbstverständlich werden die weiteren Basics für den indischen Vorratsschrank ebenfalls kurz vorgestellt.

Eine moderne Köchin, die weiß, was wir uns heute wünschen!

 Buffettaugliche Happen, die  vielen Spaß machen!

 Amandip Uppal erlernte schon als Kind die Zubereitung traditioneller indischer Gerichte. Die lebenslange Kochleidenschaft der ehemaligen Stylistin und Journalistin, die u. a. für The Times und Condé Nast Traveller arbeitete, führte schließlich zu ihrem Unternehmen: The Lotus Food and Events Company und dem Onlineshop chillihotcho­colate.com, der ihre Begeisterung für Design und gutes Essen widerspiegelt. Sie weiß also sowohl wie es schmecken sollte und was heute bei Buffets und Empfängen gut beim Publikum ankommt und hat tolle Ideen für kleine Happen auf die Hand wie z. B. Filostangen mit Panir und Paprika, Paratha-Wraps mit Gemüse  oder indische Fischnuggets und vieles mehr.

 Klassiker im modernen Gewand, clever kombinieren und einkaufen!

 Als Amandip das erste Mal für ihre Schwiegermutter kochte, war diese schwer begeistert von ihrer Küche und meinte, junge Frauen kochen heute nicht mehr so. Eigentlich hat sie Recht, denn heutzutage ist alles auf Optimierung getrimmt, Küchentraditionen und besonders die indische Küche, die sehr von Zubereitungstechniken lebt, haben es da schwer, nicht in Vergessenheit zu geraten. Rezepte nur verkürzen und Zutaten weglassen ist hier keine Option, wenn ein Gericht mehr als nur OK sein soll und einen nicht nur noch vage an die Original-Aromen erinnert. Amandip Uppal hat für mich hier wirklich vieles deutlich geschickter als ihre Mitstreiter gemacht. Vielleicht liegt es daran, dass sie über Erfahrung im Catering verfügt, sie kombiniert geschickt und so gibt es bei ihr zum Channa Masala (nordindisches Kichererbsen-Gericht) nicht das traditionelle Puri-Brot, das durchaus schon ein wenig aufwendig ist in der Zubereitung, sondern sie sucht ihm Partner, die weniger anspruchsvoll das Zeitbudget der Köchin beanspruchen: ein einfaches Brot, ein Tomatenrelish mit Datteln und Tamarinde und Kartoffel-Erbsen-Küchlein machen sich ebenso gut als Begleiter und auch der gebratene Blumenkohl mit Erbsen wird uns in einer vereinfachten Version präsentiert. Dal Makhani (Linsen-Bohnen-Curry) ist im Normalfall eine Sache von mehreren Stunden, hier wird einfach auf vorgegarte Linsen und Bohnen zurück gegriffen, damit verringert sich die Zubereitungszeit beträchtlich und die Autorin kommt mit sportlichen 30 Minuten Vorbereitungszeit und 30 Minuten Zubereitungszeit aus. Beim Geschmack gibt es aber keine Kompromisse, dafür sorgen Bockshornklee-/Lorbeerblätter, Ingwer, Chili Knoblauch, Zimt und Koriander. Ihr klassisches Lammfleisch-Curry schlägt ebenfalls einen unkomplizierten Weg ein, auch wenn es mit einer Zubereitungszeit von 30 Minuten und einer Garzeit von 45 Minuten nicht zu der Kategorie Ratzfatz gehört. Genauso verhält es sich mit den Lammfleisch-Kofta, die erfahrene Party-Organisatorin weiß sich zu helfen und empfiehlt, die Hackbällchen und die Sauce separat zuzubereiten. Diese Methode der Zeitersparnis wird häufig eingesetzt, das Butterhühnchen landet nur deshalb schneller auf dem Tisch, weil das Hähnchen-Tikka Rezept hier einen Teil der Arbeit erledigt. Manch einer mag das als schummeln empfinden, ist es aber nicht, zumindest wenn man nicht nur dieses eine Rezept kocht, sondern sich die geschickte Kombi-Strategie der Autorin, zu der ebenso leckere Toppings und Pasten gehören, die großen Anteil am authentischen Geschmack haben und manchmal sogleich eine tolle Garnitur abgeben, zu eigen macht.

Panir, Rothi, Nan und Joghurt selbstgemacht kein Problem!

– denn die bekommen schon mal ein visuelles Entrée!

© Alice Chadwick/Knesebeck Verlag
© Alice Chadwick/Knesebeck Verlag

 Es gibt im schönen Buch „Einfach indisch“ viele nützliche Exkurse und tolle wunderschön gezeichnete Step-by-Step Anleitungen, die erklären wie man zu Hause Panir und Co. selbst herstellt. Das ist nicht nur hübsch anzuschauen, sondern sehr anschaulich gemacht, finde ich.

Einfach mal was Neues probieren!

Amandip hat sich viel vorgenommen, denn sie verspricht uns, die indische Küche auf den neuesten Stand bringen, ihre Rezepte wie z. B. Zitronen-Safran-Hähnchen, gebackener Lachs mit Kokosrahm und gebratenem Brokkoli mit Chili und Fenchel, stehen für die neue indische Küche, ohne verkünstelte Herangehensweise oder komplizierte Zubereitungstechniken, aber trotzdem mit jede Menge Geschmack.

Dessert und Getränke, die Spaß machen.

Um ehrlich zu sein, habe ich zwar schon sehr häufig indisch gekocht, aber fast immer ohne ein selbst gemachtes Dessert. War mir meistens zu aufwendig, das Pistazien-Kulfi (schnelle Variante des indischen Speiseeis-Klassikers) und den Mandel-Safran-Kuchen oder den Fruchsalat mit ganzen Gewürzen von Amandip Uppal werde ich aber gerne probieren, die Rezepte versprechen Spannung. Und auch die heiße Schokolade mit Chili und den Gewürzkaffee werde ich meinen Gästen zukünftig gerne servieren, denn so stelle ich mir persönlich den gelungenen Abschluss eines indischen Essens mit Freunden vor, ohne dass ich überfordert werde.

Abschließend präsentiert die Autorin noch nützliche Grundrezepte und Menüvorschläge, wo es mir ihre Ideen für leckere Toppings besonders angetan haben, der knusprige Ingwer-Knoblauch-Zwiebel-Mix oder das Kokos-Granatapfelkern-Koriander-Topping sind neben anderen Ideen einfach perfekt, schnell mal ein einfaches Gericht zu pimpen und das gehört für mich unbedingt zur modernen indischen Küche dazu.

Fazit: Ein optischer Augenschmaus und spannendes, modernes indisches Kochbuch für Leute, die sich auf Gewürze einlassen und authentisch und intelligent indisch kochen wollen. Ich finde es klasse, möchte es aber nur Leuten empfehlen, die sich auch gerne mal Zeit nehmen beim Kochen und gerne den Asia-Shop ihres Vertrauens aufsuchen. Die Erfahrung aus dem Catering merkt man der Autorin an, hier wird nichts künstlich reduziert, bis es dann nur noch entfernt an indische Aromen erinnert, sondern intelligent reduziert, eingekauft und vorbereitet und außerdem mit jede Menge Kreativität für neue Ideen gesorgt. Das Buch fordert Einsatz und abgekürzt wird auch nur, weil Bausteine aus anderen Gerichten verwendet werden, das erfordert Flexibilität vom Leser, die am Ende mit aromastarken köstlichen Gerichten belohnt werden, Abkürzungen sind halt nicht immer eine Alternative. Mir hat dieses Konzept gut gefallen und uns hat es köstlich geschmeckt.

Herzlichen Dank für die Übersendung eines Rezensionsexemplars.

 

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4 Gedanken zu “Einfach indisch

    1. Ich bin auch sehr angetan von dem Buch, obwohl ich einige Bücher zur indischen Küche habe, auch schon in moderner Form, hier hat mir gefallen, wie strukturiert, die Autorin das Thema angegangen ist und die Kombi-Strategien finde ich auch sehr intelligent angelegt. Bei den Gewürzen ist sie deutlich komplexer als ihre Kollegen und das finde ich auch gut so, wo zu kauft man sich ein indisches Kochbuch, wenn man statt Weiterentwicklung nur Abklatsch bekommt.

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  1. Danke für den Tipp, liebe Ira. Das Buch muss ich mir unbedingt genauer anschauen. Ich liebe die indische Küche mit den vielen herrlichen Gewürzen. LG Carmen

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