Kimchi Princess

Young-Mi Park-Snowden: Kimchi Princess

Fotos: Silvio Knezevic

Gräfe und Unzer Verlag

Preis: 24,99  €

Koreans cook it better!

 Am Anfang war es die Sehnsucht nach einem echten koreanischen Barbecue….

Angefangen hat eigentlich alles mit der Sehnsucht nach echtem koreanischem Barbecue. Kurz nach ihrem Abitur in Wolfsburg besuchte Young-Mi das erste Mal auf eigene Faust das Land ihrer Eltern. Ein Jahr lang studierte sie in Seoul die Sprache und lernte dabei – entgegen ihren bisherigen Erfahrung – ein junges und modernes Korea kennen: Sie ging essen, feiern und trinken, sang stundenlang in Karaoke-Bars und probierte sich durch das unglaubliche Streetfood-Angebot vor Ort. Nach ihrem Sprachstudium in der Heimat der Eltern ging es zum Weiterstudieren nach Berlin. Durch ihre Zeit in Seoul wusste Young-Mi, wie lecker und lustig es mit Freunden und Kommilitonen in einem typischen koreanischen BBQ-Restaurants zugehen konnte. Leider musste sie zu ihrer Bestürzung feststellen, dass in Berlin überhaupt keine authentischen koreanischen Restaurants, sondern höchstens vereinzelte koreanische Gerichte, die beim »Asiaten« auf der Karte standen – irgendwo zwischen Sushi und Thai-Curry – zu finden waren. Also lud sie einfach ihre Clique zu sich nach Hause ein und schmiss den Tischgrill an. Irgendwann fragte ein Freund, ob sie nicht Lust hätte, auf einem weihnachtlichen Designmarkt koreanisches Essen anzubieten. Ja, sie hatte! Mit drei Freundinnen in selbst genähten Schürzen und Diademen im Haar sowie drei Gerichten im Gepäck ging es los: Die Kimchi Princess war geboren! Young-Mi Park-Snowden fand es ziemlich sonderbar, dass viele Menschen an ihrem Stand zum ersten Mal koreanisches Essen probierten, obwohl die Deutschen doch so viel reisen und gerne asiatisch essen gehen. Das hat sich dank der 37-Jährigen in den vergangenen Jahren in Berlin grundlegend geändert. Ihr Reich als „Kimchi Princess“ umfasst heute zwei Restaurants, einen Imbiss sowie einen Laden mit koreanischen Lebensmitteln. Jetzt ist ihr erstes eigenes Kochbuch erschienen. Hinter alldem stand immer ein großes Ziel: mehr Menschen die authentische koreanische Esskultur nahezubringen und sie dafür zu begeistern!

Ein Rendezvous mit frischem Gemüse und „fermentierten Gewürzen“.

In Korea wird ähnlich wie in Japan sehr viel Wert auf absolut frische und qualitativ hochwertige Zutaten gelegt. Deshalb geraten nicht wenige Spitzenköche, wie z. B. Tim Raue ins Schwärmen, wenn sie berichten, wie mühelos Obst, Gemüse und Fisch in Top-Qualität auf den Märkten Seouls zu bekommen ist. Aber nicht nur die Profis geraten hier in Verzückung auch Hobbyköche und Nachhaltigkeit-Fans wollen inzwischen auf ihr selbstgemachtes Kimchi als Beilage zu ihren Mahlzeiten nicht verzichten.

Eine Küche die perfekt bei und zu Hause funktioniert, denn sie kommt mit ein paar Grund-Zutaten aus!

 Das Gute an der koreanischen Küche ist nämlich, dass relativ wenige Lebensmittel immer wieder neu kombiniert werden. Hat man sich also bei einem Rundumschlag im Asienladen erst einmal die Basics angeschafft, kommt man damit ziemlich weit. Alle speziellen Zutaten, in den Rezepten mit Sternchen markiert, sind übrigens im Glossar (s. S. 228–231) erläutert, und auch die Bezugsadressen auf S. 238 helfen beim Einkaufen weiter.

Koreanisch kochen oder „Tischlein Deck Dich“!

Ein Klassiker und Young-Mi Park-Snowdens erklärtes Lieblingsgericht ist das Korean Barbecue, bei dem alles auf dem Tisch geteilt wird. Hier spiegelt sich die Seele der koreanischen Lebensart wieder, die als die Italiener Asiens gelten, meint die Autorin. Dementsprechend lebendig und bunt geht es dann am Tisch zu, denn Essen definiert man in Korea mit 3 x am Tag Schälchen-Parade, das geht direkt beim Frühstück schon so los. Beilagen wie Kimchi & Co sind in dieser Küche nicht nur Nahrungsergänzung, sondern genau diese Beilagen, auf Koreanisch Banchan, machen das Besondere der koreanischen Küche aus. Mindestens drei, vier gehören immer dazu – oder noch viel, viel mehr, wie damals am Tisch von Young-Mi’s  Kuenomoni (der Frau des älteren Bruders ihres Vaters) weiß die Autorin zu berichten. Niemals durfte Kimchi fehlen, dazu kam einfach kurz gegartes und mariniertes Gemüse wie Spinat, Rettich oder verschiedene Wildkräuter. Außerdem gab es Schälchen mit gebratenen Beilagen (Bokkeum), immer eine Suppe – und damit wäre die Aufzählung in Korea noch längst nicht zu Ende! Was man in Deutschland als Hauptgerichte bezeichnet steht bei Koreaner in der Tischmitte: ein herzhafter Eintopf, ein Fisch oder ein Schmorgericht mit Fleisch.

Was ist drin?

Einmal umrühren bitte – oder die wie geht die perfekte Ehefrau auf Koreanisch….

Bibim­bap, der Klassiker schlecht hin in der koreanischen Küche, wird in diesem Buch geradezu zelebriert und von der Autorin mit viel Fachwissen und nützlichen Tipps ausführlich erklärt. Vorsicht, die Gochujang-Sauce verfügt mit 200 g. Gochujang-Chilipaste durchaus über eine authentische Schärfe, und bei dieser Speise ist durchrühren angesagt, was die meisten Gäste der Kimchi-Princess offenbar erst lernen müssen und die Kellner damit schier zur Verzweiflung treiben. Den Suppentopf könnt Ihr getrost auf dem Herd stehen lassen, es gibt einiges auszulöffeln. Young-Mi Park-Snowden erzählt, dass Frauen, die ein perfektes Doenjang Jjigae (Sojabohnenpasten-Eintopf) kochen können, als Traum-Ehefrauen in Korea angeblich hoch im Kurs stehen. Verwundert stelle ich fest, dass auch eine milde Kürbissuppe in diesem Kochbuch zu finden ist. Früher hat man diese für Alte und Kranke reserviert, heute hat sie allerdings im gesundheitsbewussten Korea unter dem Schlagwort »Wellbeing Food« eine steile Zweitkarriere hingelegt. Kürbissuppe wird jetzt gerne zum Frühstück oder als Energie-Booster zwischendurch gegessen und das ganz ohne die obligatorische Reisbeilage.

Bitte weiterlesen, wenn Ihr den kulinarischen Erfahrungshorizont Eurer Kinder ausdehnen wollt.

 Dieses wunderbare Kochbuch, ist nicht nur zum Kochen da, sondern die Autorin hat praktisch für alle Lebenslagen die passenden Rezepte: Erstaunt lese ich, dass Kinder offenbar mehr als süß und Fastfood in ihr kulinarisches Herz schließen können. Also wer zukünftig seinen Kids keine Pizza mehr hinstellen möchte, probiert es doch einfach mal mit einer Handvoll Myeolchi (getrocknete Anchovis) mit Sesamöl und Sojasauce gebraten, unter frisch gekochten Reis  mischen, dazu ein paar geröstete Gim-Algenblätter und ein Spiegelei – fertig ist das neue das Lieblingsgericht Eurer Kids. Mina die Tochter der Autorin ist geradezu verrückt danach. Gut, dass das mag nicht verwunderlich sein, gehört es doch zu ihrer kulinarischen DNA als Halb-Koreanerin sagen jetzt sicherlich viele von Euch, doch auch Minas Freundin Ella sagt dazu nicht nein, wenn sie zu Besuch ist, beteuert die stolze Mutter. Für die Erwachsenen, die noch keine Probleme mit ihrem Gedächtnis haben, diese sollten sich vielleicht dann auch an den Fisch halten, der Wunder für die Gehirn-Fitness bewirken kann,  gibt es beispielsweise einen Spinatsalat (Sigeumchi Muchim), der in Korea mindestens genauso beliebt ist wie Algen-, Sojasprossen und Rettichsalate als Beilage. Und natürlich gibt es Kimchi  für alle Anlässe und Vorlieben, denn ohne diese Beilage ist eine koreanische Tafel eigentlich nicht vorstellbar. In dieses Buch hat es nicht nur die klassische Vorlage mit Chinakohl geschafft, sondern auch ein Weißkohl-Kimchi, dass vielen Auswanderern in der Fremde kulinarisch das Leben gerettet hat und inzwischen auch in Korea sehr populär geworden ist.

Wer sich beim Barbecue-Date in der Kimchi-Princess kennenlernt hat es richtig gemacht…..

Feuerfleisch (»bul« heißt Feuer, »gogi« Fleisch) gehört zu den größten Exportschlagern der koreanischen Küche. Auch die schicken Modeleute sind offenbar nicht nur Veganer, sondern fallen regelmäßig zu Fashion-Week in Berlin in der Kimchi-Princess ein und genießen zusammen ein echtes koreanisches Barbeque, bei dem das berühmte So Bulgogi (mariniertes Rindfleisch) als echter Klassiker nicht fehlen sollte. Der Trick dabei ist, das wirklich in hauchdünn Scheiben geschnittene Rindfleisch, das nach dem Bad in der Marinade mit Nashi-Birne auf dem Tischgrill zubereitet wird. Sehr leckere Angelegenheit und toll, dass es das Fleisch bereits dünn geschnitten beim koreanischen Lädchen gab. Wer da weniger Glück hat muss ca. 3 Stunden fürs anfrieren bei der Zubereitung einrechnen. Fragt man Young-Mi Park-Snowden können koreanische Barbecue-Abende nicht nur sehr lustig sein, sondern manchmal gibt es dabei den zukünftigen Ehemann inklusive. Ein Paar, dass sich im Restaurant, das erste Mal getroffen hat, fragte eines Tages per Mail an, ob es denn nicht möglich wäre, auch in der Kimchi-Princess ihre Hochzeit zu feiern, schließlich hatte man sich hier kennengelernt.  Wer das auch vor hat und dabei auf Fleisch verzichten will, probiert einfach das leckere Yachae Gui (Mariniertes Gemüse mit Seitan) und mit dem Shabu-Shabu Korean Style (Brühe-Fondue) kann sich jeder am Tisch ganz nach persönlichen Vorlieben entweder an Garnelen oder an den Tofu glücklich satt essen.

Die Optionen sind vielfältig Basiscs, Klassiker, Beilagen, Barbecue & Hotpots, Snacks, Süßes und sogar Drinks, jede Menge Rezepte und vor allem auch kreative moderne Ideen. Der Angry Beef Burger, geht auf Young-Mi’s Ehemann als Schöpfer zurück und besteht aus sage und schreibe zwei Pattys, drei halben Buns, Kimchi, Gurkensalat, Spinat und Gochujang-Mayo. Es soll tatsächlich Leute geben, die es schaffen, von diesem Mega-Burger abzubeißen! Den Vogel schießen aber die Potato Hotdogs (Würstchen im Pommes-Schlafrock) ab, die eigens für einen Fernsehbericht über Street-Food von der Kimchi-Princhess kreiert wurden, Koreaner sind nämlich verrückt nach Snacks, die am Stil daher kommen. Auch an die Veganer wurde mit Jumok Bap (veganen Reisbällchen) und einem Happy Vegan Burger vorbildlich gedacht.

Fazit – oder hier wird sehr viel geboten!

Koreanische Küche ist in, also per se trifft dieses Buch definitiv auf seine Zielgruppe. Manche fragen sich vielleicht auch, brauche ich noch ein zweites oder drittes Buch zur koreanischen Küche? Ja, dieses definitiv, denn diese Frage habe ich mir am Anfang auch gestellt. Ich bin froh, dass ich dieses Buch entdeckt habe. Es liefert nicht nur alle Klassiker mit so vielen Tipps, wie nur irgend möglich, dass allein ist schon mal jede Mark wert, es schafft dabei noch großartig zu unterhalten, denn Young-Mi Park-Snowden hat sich nicht damit begnügt irgend ein Buch zur koreanischen Küche zu schreiben und klassische Rezepte und folkloristische Fotos abgeliefert. Ihr ging es hier um mehr, sie liefert viele Rezepte und hat dabei auch die Moderne im Blick, ist außerdem unterhaltsam und stets sehr präsent, ob nun mit den vielen nützlichen Tipps oder den herrlichen persönlichen Anekdoten. Es ist also ein Kochbuch, das eine eigene sehr zeitgemäße Handschrift hat, auch optisch hat der Verlag hier mutig eine ganz moderne und peppige Aufmachung gewagt. Die Fülle an Gerichten wird konsequenterweise in einer schlüssigen Struktur präsentiert, die den Zugang zum Wesen dieser Küche offenlegt (Stichwort Schälchen-Parade) und diese sind unserem Gaumen ein wenig angepasst, können aber dennoch gelegentlich mit authentischer Schärfe punkten, die für mich ebenso zu einem guten koreanischen Kochbuch gehört. Also Obacht bei der Menge der Gochujang-Paste in den Rezepten, Langnasen benötigen ggf. eine Eingewöhnungsphase oder nehmen am besten gleich weniger.

Vielen Dank für die Übersendung als Rezensionsexemplar.

 

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