Daniela und Felix Partenzi: So kocht Umbrien

Daniela und Felix Partenzi: So kocht Umbrien

Gerichte und Geschichten von Tanten und Typen aus Italiens Mitte

Gerstenberg Verlag

Preis: 26,– €

La Familia at it’s best und hin- u. wieder auch mal Trüffel!

Worum geht es?

 Die umbrische Küche ist hierzulande wenig bekannt und galt lange Zeit als eine Arme-Leute-Küche. Völlig zu Unrecht, denn Umbrien ist die Region in Italien, in der es die besten Trüffel Italiens gibt, da können Toskana & Co. wirklich einpacken und auch sonst schickt sich diese Region an, die Toskana in der Beliebtheit der Touristen, die Kultur schätzen und gerne gepflegte Ferien auf dem Bauernhof machen, zu beerben. Umbrien steht somit nicht nur für Trüffel, sondern für eine authentische und unkomplizierte bäuerliche Küche mit Hülsenfrüchten und eines der besten Olivenöle des Landes. Auch Schweine leben hier deutlich glücklicher, werden diese doch bevor sie zu leckerer Wurst und köstlichem Schinken verarbeitet werden, häufig mit Eicheln und Kastanien gemästet. Umso verwunderlicher ist es, dass es jedes Jahr Scharen von Touristen in das laute und hektische Rom zieht oder in eine völlig überlaufene und hochstilisierte Toskana. Wasserratten suchen in Umbrien das Meer vergeblich, aber die Region verfügt mit dem Trasimeno See mit einem stattlichen Durchmesser von  54 Kilometern, über eine formidable Voraussetzungen für Surfer, Segler, Naturliebhaber und Genießer kommen ebenfalls nicht zu kurz, werden doch täglich Aale, Flussbarsche, Wels und Karpfen aus dem See gezogen.

Wer sind die Autoren?

Felix Partenzi ist eigentlich nicht der Italiener in der Familie, …“Sie haben ja einen Italiener geheiratet“, ist die Unterstellung, die seine Ehefrau immer wieder korrigieren muss. Er hat ihren Namen angenommen und mittlerweile auch die Staatsbürgerschaft erworben, was ein feierlicher Akt war. Das italienische Generalkonsulat zu Köln hatte die Sachlage jahrelang eingehend geprüft. Er erfüllte die Voraussetzung, nämlich mindestens drei Jahre in einer Ehe mit einer Italienerin ausgehalten zu haben. Allerdings hatte er nach der Eheschließung in Rom ihren Familiennamen angenommen, weil er ohnehin wegen seines Aussehens (dunkler Typ) immer nach seiner Herkunft gefragt wird. Geboren 1970 im für Italiener absolut unaussprechlichen Quakenbrück, studierte er Kommunikationsdesign in Essen (Folkwang). Er hat als Hörspielregisseur gearbeitet, sich im Verlagswesen umgetan und macht als freiberuflicher Designer in Medien, Kultur und Werbung. Seit einigen Jahren gibt er sein Wissen als Kunstlehrer weiter. Häufig kann er dort seiner Leidenschaft, der Druckkunst nachgehen. Er hat eine riesige Sammlung von Stempeln und wäre als Kind gerne Postbeamter geworden. Jetzt ist er ein bisschen alles und der gründlichste Italiener in der Familie.

Daniela Partenzi ist die Tochter eines italienischen Kochs und einer deutschen Lehrerin mit gesundem Appetit. Geboren 1968 in Düsseldorf und bis auf ein Jahr im wilden New York der späten 1980er Jahre auch beruflich fest in Düsseldorf etabliert. Hier ist die Lokaljournalistin bekannt – als die Italienerin mit umbrischen Wurzeln. Nach Studium und Volontariat (in Düsseldorf!) war sie erst Zeitungsredakteurin und ist dann als freie Autorin zum WDR Fernsehen gegangen. Das Beste an der freien Mitarbeit ist die viele frei verfügbare Zeit, denn die wird für ausgiebige Aufenthalte in Italien gebraucht. Sobald die Schule für die Ferien schließt, geht es mit Mann und Söhnen nach Trevi, Provinz Perugia in Umbrien.

Was ist drin – oder leckere Rezepte und köstliche Unterhaltung gehört unbedingt zusammen?

 Ihr habt die Rezepte, ihr habt die Geschichten……

Daniela Partenzi hat ihr Faible praktisch in die Wiege gelegt bekommen, ihr Vater ist nicht nur von Haus aus Koch, sondern stammt auch aus Umbrien. Als Danielas Mann Felix (Kommunikations-Designer und Fotograf) den Familien-Urlaub unterbricht, um in Berlin ein Projekt zu Ende zu führen, wird er von einer guten alten Freundin der Familie geradezu bedrängt, aus diesem ganzen Fundus an Erfahrungen mit der umbrischen Lebensart und Küche ein Buch zu machen. Logisch wenn man sowieso jede Menge Familien-Rezepte in der Schublade hat, ist es nicht schwer, die besten davon (hier sind es 48 köstliche kulinarische Optionen) in einem Buch zusammenzutragen., allesamt dazu angetan, dass es problemlos zu Hause nach zu kochen ist, denn bei dieser Küche steht die Qualität der Produkte im Vordergrund, ein bisschen Kocherfahrung schadet hier – wie bei allen anderen italienischen Kochbüchern nicht – Italiener kochen ja gerne nach Gusto, das ist hier auch nicht anders.

Wie schön, ein Kochbuch, dass nicht von der Stange!

Na ja und wer, wie diese Familie so tief in diesem Landstrich verwurzelt ist, schließlich besucht die Autorin schon in zweiter Generation die Verwandtschaft regelmäßig in den Ferien dort, der hat natürlich, jede Menge Geschichten und Anekdötchen parat über das umbrische Leben im allgemeinen und seine kulinarischen Besonderheiten. Diese herrlich komischen und sehr unterhaltsamen Portraits und Familiengeschichten flankieren die Rezepte in den Kapiteln „Vorneweg“, „Vor dem Öl sind alle gleich“, „Die umbrische Diät“, „Lucianos schöne Schweinerei“, „Sandro wittert den Braten“, „Graziella und die weite Welt“, „Alle essen Fisch“, „Bei Calcabrinas reift der Plan“ und sorgen nicht nur in der Küche, sondern auch auf der Couch für vergnügliche Stunden bei mir! Für alle die es lieber klassisch mögen, können sich die üblichen Kategorien von Antipasti bis Dolci über das Register erschließen, verpassen aber für meinen Geschmack  jede Menge zum Schmunzeln. Die Autoren zeigen nicht nur traditionelle Rezepte, die manchmal auch ein wenig modernisiert wurden, sondern erzählen auch von den Menschen, die dazu gehören. Auf charmante Art werden wir mit dem Gärtner Giacomo, der den „Sedano nero“, den schwarzen Sellerie, hegt und pflegt bekannt gemacht. Koch Fabrizio füllt diesen gerne mit einer Masse aus Salsiccia, Rinderhack und Fenchelsamen und überbackt ihn mit Tomaten und Parmesan. Hmm lecker!. „Pane e Cipolla“ kommt dann auf den Tisch, wenn buchstäblich nichts mehr da ist, Daniela Partenzi erzählt von Mirella, die mit anderen Frauen Zwiebeln sortiert. „La Rossa“, die Rote, wird roh gegessen. „La Piatta“, die Platte, gart Mirella in Weißwein. Die Zwiebeln werden mit Paniermehl, Parmesan, Petersilie und Peperoncino gefüllt und gratiniert und das schmeckt wirklich verdammt lecker!

Wie schön, dass hier schon alles da war, bevor sich irgendeine Agentur auf den Weg gemacht hat, eines der letzten Flecken auf der italienischen Landkarte für uns ins kulinarische Licht zu rücken. Die Rezepte authentisch, einfach, bodenständig und dann noch die köstlichen Geschichten der Autorin, die dieses Buch zu einem echten Erlebnis werden lassen. Mir hat es sehr gut gefallen, weil ich mich sofort verliebt habe, in das Land, die Menschen, ihre Köstlichkeiten und die witzige Mischpoke der Autorin.

Fazit – oder für wen ist das was:

Wer es authentisch liebt und die Nase voll hat von Kochbüchern, die am Reißbrett geplant wurden und eigentlich nur einen Markt bedienen wollen, der muss sich dieses wunderbare authentische Familienkochbuch ansehen, es präsentiert vortreffliche Unterhaltung und einfache und bodenständige Rezepte, wie schön, dass diese beiden Autoren dies alles schon seit Jahren in der Schublade hatten, dass merkt man jedem Rezept und jeder Story an. Ein bisschen Kocherfahrung ist wie bei vielen italienischen Kochbüchern von Vorteil, schließlich geht es um traditionelle Rezepte und auch ein bisschen Gusto.

Herzlichen Dank für die Übersendung eines Rezensionsexemplars.

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