China – Das Kochbuch

Kei Lum Chan und Diora Fong Chan: China – Das Kochbuch

Phaidon Verlag

Preis: 45,– €

Hast Du heute schon Reis gegessen?

 Wer sind die Autoren?

 Kei Lum Chan und Diora Fong Chan stammen aus Hongkong und haben nicht nur viele Jahre in China gelebt und gearbeitet, sondern für die Recherche das ganze Land bereist, sammelten und prüften dabei in mehr als 20 Jahren Vorarbeit über 2500 traditionelle chinesische Rezepte. Der Fundus den sie von ihren Reisen mitbrachten schien nahezu unendlich, das Ergebnis ist eine schwergewichtige Bibel geworden: 650 Rezepte und eine bisher vergeblich gesuchte so umfassende Rezept-Sammlung zu einer der ältesten Küchen der Welt.

Was ist drin?

 

 China- Das Kochbuch zeigt die ungeheurere Vielfalt der chinesischen Küche, die eigentlich nicht eine Küche ist, sondern die meisten der 23 Provinzen Chinas pflegen ihre eigene Regionalküche, die sich mitunter erheblich voneinander unterscheiden. Zu den 8 wichtigsten regionalen Kochtraditionen, deren Gerichte chinaweit populär sind, gehören:

Die nordostchinesische Shandong-Küche, auch Lu-Küche genannt, ist 3000 Jahre alt und damit die erste der acht großen chinesischen Regionalküchen. Einen großen Einfluss auf diese hatten die Lehren des Konfuzius, insbesondere für die richtige Zubereitung der Zutaten und das Zusammenbringen zu einem harmonischen Geschmack. Sie ist vor allem für ihre Reichhaltigkeit und deren Teigwaren (Nudeln, Maultaschen (Jiaozi), Pfannkuchen) bekannt. Es ist die am weitesten verbreitete Regionalküche Chinas und bis Beijing, Tianjin und im Nordosten Chinas populär. Diese Koch-Tradition neigt im Vergleich mit anderen stärker dazu, die Frische der Zutaten zu bewahren, hat eine leicht salzige Note und ist gekennzeichnet durch ein zartes, schmackhaftes und knuspriges Aroma. Es gibt über dreißig Zubereitungsarten, die in der Lu-Küche eingesetzt werden, typisch sind das schnelle Braten und Frittieren oder das gekochte Gemüse wird gerne vor dem Braten in spezielle Formen zurecht geschnitten und anschließend goldbraun ausgebraten. Die Shandong-Küche unterteilt sich in den Jiaodong-, den südwestlichen, den Tailai- und den konfuzianischen Stil. Die Küche der Halbinsel Jiaodong spezialisiert sich auf Meeresfrüchte, wie Bärengarnelen in Essig (Seite 187). Der Südwesten gehört zum alten Kanaldistrikt und lockt mit seinen üppigen Süßwasserfischbeständen. Gerichte wie Weichschildkröte mit Huhn (Seite 237), Fisch in süßsaurer Sauce (Seite 169) und gedämpfter Aucha-Barsch sind hier sehr beliebt. Jinan war lange das Handels- und politische Zentrum von Shandong; hier entstanden Gerichte wie sautierte Schweineinnereien. Aufgrund der vielen Tempel ist Tailai vor allem für seine vegetarischen Gerichte bekannt. Gutes Wasser, Tofu und frisches Gemüse liefern herausragende Zutaten für Gerichte wie Geschmorte Bambussprossen (Seite 495) und Geschmorter Tofu (Seite 503). Der konfuzianische Kochstil kam meist bei Festbanketten zum Tragen und übte einen großen, anhaltenden Einfluss auf die Shandong-Küche aus. Seegurken mit Winterzwiebeln (Seite 236)und Sautierte Abalonen (Seite 232) sind nur zwei dieser ausgesprochen beliebten Gerichte.

Die Küche Sichuans ist die am stärksten verbreitete Küche Chinas. Die Sichuan-Küche ist weltweit bekannt für ihre Schärfe. In der würzigen Chuan-Küche aus Sichuan werden sehr gerne Frühlingszwiebeln, Chili, Sojasauce und Ingwer verwendet. Die Methoden der Zubereitung sind Backen, Anbraten, Dörren und Dämpfen. Das Schnellbraten ist die häufigste Kochmethode. Typisch für die Sichuan Küche sind die Kombination verschiedener Geschmacksrichtungen und oft auch dicke Bratensoßen. Prägend für die Sichuan-Küche sind zwei große Städte: Chengdu und Chongqing. Bekannte Gerichte sind scharfer Mapo-Tofu (Seite 512) und Rinderfilet in Chilibrühe (Seite 400).

Die kantonesische Küche ist auch bekannt als Yue-Küche und repräsentiert den kulinarischen Stil der Provinz Guangdong, die früher auch Kanton genannt wurde. Die Gerichte aus Guangdong zeichnen sich durch einen zarten und leicht süßen Geschmack aus. Soßen sind ein wesentlicher Bestandteil in der Guangdong-Küche. Die klassische kantonesische Soße ist leicht und mild. Die am weitesten verbreiteten Soßen sind die Hoisin‑Soße, Austernsoße, Pflaumensoße und süßsaure Soße. Andere populäre Zutaten der Guangdong-Küche sind Frühlingszwiebeln, Zucker, Salz, Soja-Produkte, Reiswein, Maisstärke, Essig und Sesamöl. In einigen Gerichten findet Knoblauch reichlich Verwendung, besonders in solchen, die Innereien enthalten und mitunter unangenehme Gerüche abgeben. Ingwer, Chilischoten, Fünf-Gewürze-Pulver, gemahlener weißer Pfeffer, Sternanis und einige andere Gewürze werden meistens sparsam verwendet. Außerdem ist diese Küche bekannt für die Verwendung ungewöhnlicher Zutaten (Schnecke, Katze und der schuppige Ameisenbär mögen Langnasen verwirren, werden aber von Kantonesen als sehr schmackhaft betrachtet). Frische ist der Schlüssel zur Guangdong-Küche, und um sie zu erhalten, wird meist pfannengerührt und gedämpft. Gemüse wird mit oder ohne Fleisch kurz auf starker Hitze gebraten und bleibt knackig und voller Vitamine und Nährstoffe. Fisch wird gewöhnlich mit Ingwer und Frühlingszwiebeln gedämpft, bis er gerade gar ist – keine Minute länger! Ein perfekt gedämpfter Fisch wird oft als Bewertungskriterium für Restaurants herangezogen. An Hähnchen führt kein Weg vorbei (gerne auch an Festtagen); es wird besonders sorgfältig zubereitet, damit es schmackhaft und saftig bleibt. Gedämpftes Hähnchen (Seite 250) und Guifei-Hähnchen (Seite 245) sind dafür die besten Beispiele. Schweinefleisch ist abends auf jedem Tisch in Guangdong zu finden; Süßsaure Rippchen (Seite 366), Gegrillte Schweineschulter (Seite 394) und Schweinebraten erfreuen sich im ganzen Land großer Beliebtheit. Rindfleisch wird nicht in großen Mengen verzehrt, ist jedoch bei den Kantonesen äußerst beliebt. Geschmorte Rippchen und Sehnen (Seite 410) gehört nach wie vor zu den beliebtesten Gerichten überhaupt und werden mit Reis oder Nudeln gegessen.

Die weiteren relevanten Küchen sind die scharfe Xiang-Küche, die Gerichte der südostchinesischen Provinz Fujian, die leicht aber geschmackvoll, mit besonderer Berücksichtigung von Umami daher kommt und die der landumschlossenen Provinz Anhui im Osten Chinas, blickt sie doch auf eine 2000-jährige Geschichte zurück und zeichnet sich durch ausgefeilte Schneidekunst und diverse Gartechniken aus. Suppen und Kräuter sind ein fester Bestandteil, Tee wird häufig als Kochzutat eingesetzt. Die Jiangsu-Küche, auch Su-Küche genannt, entstand aus einheimischen Zubereitungsarten der südchinesischen Provinz Jiangsu. Sie hat einen frischen Geschmack mit moderater Salzigkeit und Süße, ist etwas dickflüssig, ohne fetttriefend und leicht ohne dünn zu sein. Bei Menüs dieser Art wird großer Wert darauf gelegt, den Geschmack der Zutaten zu erhalten. Einst war sie die zweitgrößte Küche unter den altertümlichen königlichen Kochkünsten Chinas und spielt noch immer eine Rolle bei Staatsbanketten in China. Die Aromen sind eher leicht und fettarm; typische Gerichte sind beispielsweise Löwenkopf-Fleischbällchen (Seite 324), Halbtrockener Tofu mit Huhn und Schinken (Seite 517) und Gebratener Reis nach Yangzhou-Art (Seite 558). Zhejiang liegt im Osten Chinas, grenzt im Norden an Jiangsu, im Süden an Fujian, im Westen an Jiangxi und im Osten an das Ostchinesische Meer und verfügt über zahlreiche Salz- und Süßwasserressourcen. Die Zhejiang Küche besteht aus den unterschiedlichen Stilen der Regionen rund um die Städte Hangzhou, Ningbo und Shaoxing. Charakteristisch für die Zhejiang Küche ist ihre Frische, die knusprige Konsistenz und die Zartheit vieler Gerichte. In Shaoxing, Ursprung des berühmten Reisweins, bevorzugt man als Zubereitungsarten, Double Steaming, Dämpfen & Sautieren und das Marinieren in Reiswein. Zu den bekannten Gerichten gehören doppelt gedämpfter Schweinebauch mit fermentiertem Kohlgemüse und Drunken Trotters (Seite 316).

 Gut zu wissen – ohne „Dr. Google“ läuft nichts!

 Dieses Buch ist nicht angetreten, um seinen Lesern alle Zutaten im Supermarkt praktisch im Regal zu liefern: Und jetzt denken manche sicherlich kann ich es wagen, mich auf ein solches Abenteuer einzulassen? Ja, aber natürlich bei 650 Rezepten ist für alle was dabei, vieles funktioniert problemlos mit dem Einkauf im gut sortierten Supermarkt. Natürlich werdet Ihr aber auch auf die „Kalimeris indica“ (auch bekannt als indische Aster oder indische Schönaster) als Zutat stoßen, die in China an Flussufern und Wegesrändern wächst und auch als Gehweg-Chrysantheme“ bekannt ist. Hier macht es das Buch jedoch sehr einfach und empfiehlt, sie einfach durch Rucola zu ersetzen. Lotuswurzeln gibt es entweder im gut sortierten Asia-Supermarkt oder online, dasselbe gilt für den Schaoxing Reiswein, der lt. den Autoren auch mit Balsamico-Essig ausgetauscht werden kann. Wo man Rindersehnen für die Suppe bekommt, das sollten wir selber rausfinden und mit getrockneten Schwimmblasen kennt sich vielleicht noch Tim Raue als versierter Asia-Fan in Deutschland aus, es dürfte aber auch im gut sortierten Asia-Supermarkt durchaus einer Herausforderung gleich kommen, die auch wirklich zu ergattern. Bei 650 Rezepten ist trotzdem noch jede Menge dabei, was auch bei jedermann zu Hause funktioniert. Im Gegensatz zu den bei uns noch wenig bekannten südamerikanischen Küchen, ist es beim China-Kochbuch noch relativ einfach, für uns alle jede Menge zu finden, das schnell nach Feierabend nach einem Besuch im Supermarkt um die Ecke funktioniert. Bei Schweineohren und Schweinefüßen als Zutat empfehle ich nicht nur einen ambitionierten Metzger, sondern auch „Dr. Google“ zu konsultieren, wer weiß schon, wie man das erstere sauber schabt oder die „Füßchen“ fachgerecht zubereitet werden.

 Fazit – oder für wen ist das was?

 Ein Kompendium, das seinesgleichen sucht und die chinesische Küche, die außerhalb Chinas manchmal schon recht verhunzt und wenig authentisch gekocht wird, endlich wieder authentisch im kulturgeschichtlichen Kontext präsentiert. Eine große Auswahl an Rezepten, 650 an der Zahl, bieten für alle etwas, auch für die, die nicht erst googeln wollen, bevor es losgeht. Ein wenig Kocherfahrung und Abenteuerlust, die echte chinesische Küche entdecken zu wollen, katapultiert uns aber noch mal in eine ganz andere Liga und lässt uns endlich die authentische chinesische Küche in seiner ganzen Vielfalt und mit allen spezifischen regionalen Ausprägungen erfahren. Mir gefällt das Buch gut und ich freue mich durch diese Lektüre, endlich mit meiner chinesischen Schwägerin auf Augenhöhe über ihre Heimatküche zu fachsimpeln.

Vielen Dank für die Übersendung als Rezensionsexemplar.

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