Die grüne Stadtküche

Claudia Hirschberger/Arne Schmidt: Die grüne Stadtküche

Knesebeck Verlag

Preis: 29,95

 Die Freude am Moment!

Es grünt so schön in Berlin und drum herum!

Worum geht’s?

 Vegan-Vegetarische Küche, bitte köstlich und nicht nur Supermarkt tauglich!

 Bei veganer Ernährung bin ich skeptisch, sofort habe ich das Gefühl von jetzt an regiert der Verzicht und ich werde beim Einkaufen auf Avocados und fragwürdige industriell erzeugte Ersatzstoffe in meinem Essen reduziert. Das eine vegetarisch-vegane Ernährung ebenso lecker wie lustvoll möglich ist, mit regionalen Produkten, ebenso urban wie naturverbunden und mit aufregenden und frischen Ideen für Gaumen und Auge zugleich auf den Tisch kommen kann, habe ich bisher nirgendwo gesehen. Claudia Hirschberger und Arne Schmidt als kulinarische und visuelle Geschichtenerzähler mit ihrem preisgekrönten Blog Food with a View zelebrieren genau das! Damit es nicht nur gesund und ethisch korrekt, sondern auch ungemein lecker wird schöpfen sie aus dem Vollen: alte Gemüsesorten vom Markt, wildes Grün von unterwegs, Obst aus dem Garten von Freunden und Selbstgezogenes von der Fensterbank diese Protagonisten bedienen sich rundum und verfolgen alles andere als eine kulinarische Einbahn-Straßen-Küche. Sie zeigen wie vegan-vegetarisches Essen von Frühling bis zum Winter spannend mit jede Menge Twist unsere Teller schmückt und unsere Sehnsucht nach einem besonderen Geschmackserlebnis stillen kann.

Wer sind die Autoren?

Claudia Hirschberger und Arne Schmidt leben und arbeiten gemeinsam in Berlin. Auf ihrem mehrfach ausgezeichneten zweisprachigen Blog Food with a View erzählen die leidenschaftliche Hobby-Köchin und der passionierte Kameramann und Fotoschaffende seit 2013 Geschichten aus ihrem Leben in Worten, Bildern und Rezepten. Claudia Hirschberger wurde 1970 in Norddeutschland geboren. Nach ihrem Studium der Ethnologie und Kulturwissenschaften arbeitete sie unter anderem für die Botschaft von Kanada in Deutschland, bevor sie sich gemeinsam mit Arne Schmidt in der PR-Branche selbstständig machte. Arne Schmidt wurde 1964 ebenfalls im Norden geboren und wuchs zwischen Hessen und Nordamerika auf, mit Abstechern in den großelterlichen Gemüsegarten nahe der Nordsee. Er gehörte zu den Mitbegründern eines legendären Frankfurter Independent-Clubs und arbeitete als IT-Administrator eines internationalen Telekommunikations-Unternehmens.

Was ist drin? – oder all inclusive unter dem machen es die Autoren nicht!

 Die Reise kann beginnen und es handelt sich wirklich um ein All-inclusive Programm für Auge, Gaumen und Seele unter dem Motto „Sehen, Sammeln, gemeinsam Genießen“:

Es geht zum Holunderblüten-Pflücken und zum Picknick in den Park, zum Lunch und gärtnern auf den Balkon, zur Aprikosenernte in den Garten von Freunden und zwischendurch auf einen Abstecher in die weite Welt. Immer entstehen dabei ungewöhnliche Geschmackserlebnisse im Rhythmus der Jahreszeiten: Auf den Tisch kommen Bärlauch-Frittaten-Suppe und alpine Fusion-Burger, Grillauberginen-Terrine und grünes Thai-Curry im Hokkaido-Kürbis, fermentiertes Gemüse und cremiger Datenog. Mit Aromen, Überraschung, Spannung und wunderschönen Fotos wird nirgendwo gegeizt Über 50 ungewöhnlich kreative und exklusiv für dieses Buch entstandene Rezepte, ergänzt durch rund 30 hausgemachte Basics von Curd bis Ketchup, begleitet von Exkursen zu Zutaten und Küchenwissen sowie kleinen (Stadt-) Erzählungen, die zeigen wie authentisch diese Autoren sind und das sie leidenschaftlich gerne genießen.

 Dass will ich auch haben – ich bin wirklich baff!

Hätte ich nicht gedacht, dass ich als Nicht-Veganerin mal neidisch und begehrlich auf den Teller eines Veganers blicke. Bei diesem wirklich wunderschönen Kochbuch ist es so! Claudias Rezepte sind überraschend anderes und Verführung pur, auch wenn sie ohne Frage Arbeit machen. Sie inszeniert Geschmackserlebnisse, die ich bislang nicht kannte und die meinem Wunsch nach einer saisonalen Küche, die sowohl cross-over kann, als auch Wald und Wegesrand mit Beeren und Pilzen als Zutatenlieferanten nicht ausklammert, nachkommt.

Selbst probiert und so lecker…….

Wir haben bereits den Sommersalat mit gebratenen Pfifferlingen, Perlzwiebeln und Brombeeren probiert: Pilze und Beeren sind dieses Jahr im Hunsrück – unserer Wochenend-Heimat – üppig vorhanden und auch wir als Frankfurter lieben es im Grünen auf kulinarische Beutezüge zu gehen, die Brunnenkresse dafür haben wir uns vom Wochenmarkt aus der Stadt mitgebracht. Süßlich und pfeffrig-scharf und sehr köstlich war es, denn der verwendete lange Pfeffer versteht es, die pfeffrige Note der Pfifferlinge noch mal zu steigern und wird durch die süßlich-saure Kombination aus Brombeeren und Ahornsirup sehr schön ausbalanciert. Mohn-Haselnuss-Pancakes mit gegrillten Birnen und Schlehen-Sirup stehen unbedingt noch auf der Liste, der zu erwarteten kulinarischen Genüsse, wir warten aber gerne auf den ersten Frost, um den Schlehen, die Strenge zu nehmen. Inzwischen probierten wir die Blumenkohl-Fritters mit Zwetschgen-Holunder-Ketchup mit den wenigen reifen Früchten, die den Frühjahrsfrost in diesem Jahr im Garten überlebt haben und den selbst gesammelten Holunderbeeren aus Feld und Flur. Wir haben dabei wirklich ein kulinarisches Abenteuer erlebt, denn wir kannten wilden Hopfen in der Küche als Zutat noch nicht und haben ihn am Waldesrand zum Glück gefunden. Eigentlich war er ja schon immer da, aber wir wären von allein nie auf die Idee gekommen, diesen auch in der Küche zu verwenden. Bei der Ernte kann man die richtige Länge (ca. 10 bis 25 cm) herausfinden, indem man mit den Fingern den Stängel hinauffährt und ihn dabei leicht biegt. Er bricht dann an einem bestimmten Punkt ab und das ist die richtige Stelle, weil der Spross ab da aufwärts noch genügend zart ist. Sein fein harziger Geschmack ist eine sehr schöne Note im Dressing des Radicchio-Fenchel Salat, dessen bitter-anisartiger Anflug, durch die getrockneten Datteln darin schön ergänzt werden und mit den Kürbiskernen außerdem einen tollen Crunch erhalten. Weiter ging es für uns mit einem grünen Thai-Curry mit Hokkaido-Kürbis, das ungemein fotogen im Kürbis serviert wird und wo der nussig-bittere Rosenkohl eine perfekte Verbindung mit den gelben Beeten und der Curry-Paste eingehen. Die nicht vegan-vegetarischen Gäste an unserem Tisch konnten sich gar nicht sattsehen und waren komplett begeistert.

Fazit – oder für wen ist das was? – ich bin kein Hipster, aber Genießer!

 Ich bin selten so angenehm überrascht worden von einem Kochbuch wie von diesem und das nicht nur kulinarisch, sondern auch optisch. Ich hatte mich beim Durchsehen der Vorschau zu Beginn gegen eine Rezension entschieden, weil ich mir dachte, es reicht jetzt mal mit den gesunden Kochbüchern, schließlich esse ich vegan vegetarisch nur aus Neugier oder weil ich mir neue geschmacklichen Impulse wünsche und da bin ich bis jetzt niemals so spannend und kreativ bekocht worden wie von Claudia. Es ist so, dass ich fürchte, sehr viel zu verpassen, wenn ich nicht noch ganz viel ausprobiere, denn ihre Rezepte führen gesundes Essen kulinarisch auf eine ganz neue Ebene und sind geschmacklich großes Kino, für das man sich aber auch ein wenig Zeit nehmen sollte und für das Neugier und Abenteuerlust und ein bisschen Kocherfahrung nicht schaden können. Für mich ist dieses Buch definitiv das spannendste vegan-vegetarische Kochbuch, das ich in diesem Herbst gesehen habe. Es macht diese Form der Ernährung für Genießer salonfähig – ein Buch für besondere Genuss-Momente und nicht nur um zum Sattwerden! – Vielen Dank für die wunderbaren Inspirationen! Ich bin kein Hipster, aber Genießer, allein schon altersmäßig nehmen mich die Hipster mich nicht mehr bei sich auf. Ein Buch für Genießer und Ästheten, nicht für Leute, die Mühen scheuen und nur ihre Ernährung umstellen wollen, dafür bietet das Buch zu viel und diejenigen werden vielleicht woanders glücklicher.

Herzlichen Dank für die Übersendung als Rezensionsexemplar!

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2 Gedanken zu “Die grüne Stadtküche

  1. Liebe Ira,
    habe vielen herzlichen Dank für Deine schöne Rezension! Das freut uns sehr, dass unser Buch Dich so anspricht, und wir wünschen Dir noch ganz viel Vergnügen beim Nachkochen und Entdecken :-).
    Herzliche Grüße aus Berlin, Arne & Claudia

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    1. Ich gehöre zur Zielgruppe liebe Claudia! Ich bin kein Hipster mehr, habe meine Kindheit auf dem Land verbracht, natürlich mit Garten, wollte als junge Frau immer in die Großstadt und bin am Wochenende inzwischen gerne und regelmäßig auf dem Land und in der Natur, mit kleinem Obstgarten und Verwandtschaft und Nachbarn, die immer mal gerne was über den Zaun reichen. Euer Buch ist zum Glück individuell, genau das habe ich gesucht, alles andere habe ich schon.

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