Chelsea Winter: Homemade Happiness

Chelsea Winter: Homemade Happiness

Fotos: Tam West

Ars Vivendi Verlag

Preis: 26,–

Essen kann glücklich machen, mehr erwarte ich nicht,
weniger macht aber auch keinen Sinn!

 Worum geht’s?

 Bitte nicht wieder irgendein Ernährungstrend, der Verzicht einfordert……

 Ehrlich gesagt habe ich bei dem Titel “ Homemade Happiness“ ein bisschen gezuckt, was soll das jetzt schon wieder, dachte ich mir erst, nicht schon wieder ein Trendkochbuch, dass uns mit netten Angelizismen, satt und glücklich kochen will. Womöglich geht es wieder mal um irgendeinen Ernährungstrend, natürlich kalorienreduziert und low-carb und ohne „Happiness“ zu versprechen, kann sowas natürlich nicht unter das Volk gebracht werden. Das ist definitiv nichts für mich, mit low-carb werde ich um die Mittagszeit für meine Familie und Kollegen unausstehlich! Ich bin ein aktiver Mensch und brauche zu einer bestimmten Zeit am Tag meine Portion Kohlehydrate und kalorienreiche Geschmacksträger, um die Speicher wieder zu füllen. Außerdem bin ich neugierig und liebe fremde Geschmäcker und Zutaten und koche gerne für mehr als zwei Portionen. Wer weiß schon, wer pünktlich zum Abendessen vor der Tür steht, das habe ich von meiner Oma übernommen, für diese hatte Essen und Kochen immer was mit Großzügigkeit zu tun, sowohl bei den Zutaten, als auch bei den Portionsgrößen. Ich bin also gespannt, was Chelsa Winter unter „Homemade Happiness“ versteht, immerhin handelt es sich um den Originaltitel und es ist nicht nur ein Marketing-Versprechen aus der PR-Abteilung eines Verlages.

Wer ist die Autorin?

 Chelsea Winter ist eine neuseeländische Starköchin und Kochbuchautorin. Seit die Mittdreißigerin die Kochshow MasterChef New Zealand gewonnen und anschließend ihr erstes Kochbuch veröf­fentlicht hat, ist sie aus Neuseelands Gastroszene nicht mehr wegzudenken. Ihre vier Kochbücher At My Table (2013), Everyday Delicious (2014), Homemade Happiness (2015) und Scrumptious (2016) waren allesamt Bestseller. Sie veröffentlicht Artikel in der Food-Rubrik der Zeitschrift Woman‘s Day und tauscht sich inzwischen mit ihren mittlerweile über 360.000 Facebook-Fans regelmäßig aus.

Was ist drin?

 Einfach lecker kochen und entspannt genießen ist hier Programm!

Die Autorin ist im Buch nicht nur mit Tipps und persönlichen Anmerkungen zu den Rezepten äußerst präsent, gleich zu Beginn begrüßt uns eine blonde, attraktive und sehr sympathische junge Frau mal mit Hund und in Jeans, Boots und Pulli, dann sehen wir Chelsa locker und entspannt im T-Shirt mit Strand-Panorama im Hintergrund. OK, das haben wir schon häufiger gehabt, allerdings macht sie in ihrem Vorwort gleich zu Beginn klar, der Titel ist gleichzeitig als Ansage zu verstehen, Essen soll bei ihr Spaß machen, keine Diät, kein Ernährungstrend, sondern einfach nur was Leckeres auf dem Teller, ohne Angst vor Kalorien und Knoblauch, bei ihr sind es auch mal mehr als zwei Zehen. Chelsa Winter hat dabei nicht mehr aber auch nicht weniger im Sinn und bei ihr sind die Ausflüge in die kulinarische Welt, die Jamie Oliver, so berühmt gemacht haben, ebenso gesetzt. Sie ist dabei nur nicht so hektisch unterwegs, sondern lässt es entspannt angehen und gekocht wird bei ihr immer für eine Schaar von Essern, meistens sind es 4, es dürfen aber gerne mehr sein, bei ihr kommt gerne ordentlich was auf den Teller. Nach ihrem Verständnis, ist Essen mehr als nur Kalorienaufnahme und die Fokussierung nur auf den Verzicht nicht dazu angetan, ein unverkrampftes Verhältnis zu unserer Ernährung zu entwickeln. Da bin ich total bei ihr.

Die Welt in ihrer Küche – oder hat Jamie eigentlich eine Schwester?

Wenn ich mich im Buch in den Kapiteln für leichte Mahlzeiten, Dinner-Gerichte, bei Desserts, Kuchen und Gebäck umschaue, finde ich viel, was mich neugierig macht, denn diese Lady hat sich bei der Auswahl ihrer Zutaten auf der ganzen Welt bedient, aus Spanien kommt die Chorizo, der Halloumi aus dem arabischen Raum und die Cannellini-Bohnen aus Italien, zum Glück hat längst das meiste davon im gut sortierten Supermarkt um die Ecke eine Heimat gefunden. Hat mich bei Jamie Oliver gelegentlich schon mal gestört, dass er den Leuten nicht zumutet Mayonnaise oder Currypasten selbst herzustellen und da seine Leser gerne der Industrie überlässt, ist es bei Chelsa Winter meistens anders, 5 Zutaten kommen bei ihr ebenfalls nicht in die Tüte. Die Zutatenlisten sind eher lang, diese Köchin hat halt in der Küche Spaß an etwas, was man heutzutage als Soulfood bezeichnet, sie ist oft in 30 – 40 Minuten fertig, es darf jedoch, wenn es am Ende toll schmeckt und viele satt werden, auch gerne mal länger dauern.

Sorry Jamie, aber im Moment schmeckt mir besser was Chelsa kocht und serviert…..

Mit „Portiönchen“, werden wir bei ihr zum Glück nicht abgespeist und vieles was diese junge Frau serviert kann problemlos eine zweite Runde überstehen, wird dabei sicherlich sogar noch besser und stillt unsere Sehnsucht nach ein bisschen weiter Welt auf dem Teller ohne es zu komplex werden zu lassen, eben wie Jamie es früher gemacht hat, als er seine Bücher noch nicht an Ernährungstrends ausgerichtet hat. Chelsa Winter könnte also seine Schwester im Geiste sein und ist cool genug ihren Lesern auch ein wenig Arbeit zuzumuten, die Rezepte dafür liefert sie gerne mit. Mit Ausnahme vom Pizzateig, der ist in ihren Augen nur richtig gut, wenn er sehr dünn ausgerollt wird und genau aus diesem Grund greift sie gerne auf fertige Lahmacun-Böden (türkische Pizza) zurück. Wem nach Selbermachen ist, der muss auf sein eigenes Rezept vertrauen oder auf das Rezept für Pizzateig aus Ihrem Buch At My Table zurückgreifen. Angenehm, dass die Autorin in ihrem Buch ebenso an die Lunch-Box für Groß und Klein denkt und dabei sogar Sushi mit Kindern bastelt. Keine Angst auf rohen Fisch wird hierbei verzichtet, Chelsa’s Favoriten für kleine Genießer in spe sind Füllungen mit Thunfisch –Mayo oder Teriyaki –Hähnchen und Räucherlachs-Frischkäse ist ebenfalls eine Option. Im Kapitel für „Knabbereien & Beilagen“, zeigt sie außerdem noch mal eindrucksvoll, was ihre Stärke ist und liefert jede Menge Ideen mit Twist, die alle einfach und unkompliziert sind. Obwohl ich in diesem Buch eigentlich fast nichts gefunden habe, was ich nicht nachkochen möchte.

Und was gibt es zu essen?

 Vergesst die Nachkochliste, das Buch ist für mich die Nachkochliste!

Ziemlich leckeres Zeug, kann ich sagen, ein Mix aus britischen Küchentraditionen mit Bacon, Eggs, Würstchen & Co. und Chelsa holt die weite Welt auf unsere heimischen Teller, genauso wie es Jamie Oliver früher gemacht hat. Diese junge Lady ist nicht nur attraktiv, sondern hat ziemlich klasse Ideen und hält zum Glück überhaupt nichts von Superfood und Co., was sie nicht nur authentisch macht, sondern von der im Moment allgegenwärtigen Mädchenriege unter den Autorinnen, die häufig ebenfalls blond und sehr attraktiv ist, zum Glück unterscheidet. Ich habe mich zuerst auf die Lamm-Moussaka mit einer cremigen Blumenkohlsauce gestürzt, so lecker und zum reinknien, weil die Sauce mit Geschmacksträgern wie Ricotta und Eigelb nicht spart. Moussaka habe ich schon ewig nicht mehr gekocht, auf dieses Rezept habe ich also gewartet, zukünftig gibt es bei uns Moussaka nur noch nach Chelsa‘s Rezept. Weiter ging es mit einem marokkanischen Hähnchensalat mit Aprikosen, ebenfalls ein Knaller-Rezept! Zum Schluss der Testsession gab es die rauchig-scharfe Suppe mit Chorizo und Halloumi, würzig, scharf, genial, so lieben wir Eintöpfe! Dieses Rezept hat es bis ins Weihnachts-Rezept-Casting-Finale geschafft, wir werden es der Familie zu einem Brunch am 2. Feiertag servieren. Die Hürde liegt hoch, es gibt schon ein paar beliebte Klassiker, die alle lieben und jedes Jahr wieder freudig erwartet werden. Die Casting-Session von meinem Liebsten und mir war lang und Chelsa hat sich am Ende gegen ein Rezept von Jamie Oliver durchgesetzt. Tut mir Leid, Jamie, vielleicht ein anderes mal.

Die Nachkoch-Liste für dieses Buch muss ich erst gar nicht anlegen, das Buch ist eine einzige Nachkochliste für mich! Als nächstes werde ich unbedingt auch noch den griechischen Lamm-Salat probieren, auch wenn ich bei den verwendeten 4 Keulen noch ein wenig überlegen muss, wie schwer die insgesamt sein sollten, das fehlt leider bei der Zutatenangabe, sehen auf dem Foto aber klein aus und haben keine Knochen. Bei der traumhaften Blumenkohlsuppe bin ich ebenfalls dabei und zu Fleischklößen mit Kartoffel-Lauch-Stampf sage ich sowieso niemals nein. Außerdem gefällt mir das Hähnchen in Sesamsauce und ein wunderbar sämiges Massaman-Curry mit Rindfleisch ist mir auch sofort ins Auge gestochen. Die göttlich klingenden Vanilleschnitten werden definitiv die Hüften runden, aber wenn schon denn schon…

Front-Row-Anwärter, bessere Plätze gibt es in meiner Küche nicht!

Meine Nach-Kochliste, sprengt jedes Maß, das in den nächsten Wochen zu schaffen wäre, deshalb ist dieses Buch nicht nur in mein Kochbuch-Regal eingezogen, sondern darf gleich in der Küche bleiben, dieses schöne Kochbuch gehört definitiv in die „Front-Row“ im Regal, ich werde es ganz bestimmt in der nächsten Zeit sehr häufig brauchen.

Fazit: – oder Fusion-Küche wie ich sie mir wünsche! Ich fürchte Mr. Oliver, Sie müssen mal in Neuseeland Urlaub machen….. Spaß beiseite, Chelsa Winter ist ein großartiges Buch gelungen, dass mich kulinarisch nicht nur zufrieden gestellt hat, sondern auch sehr glücklich gemacht hat. „Homemade Happiness“ ist hier kein Marketingtrick, sondern zum Glück Programm. Man muss nicht besonders begabt sein, sondern auch Anfänger kommen damit wunderbar klar und vieles kann im Supermarkt besorgt werden, aber Ihr solltet Euch Zeit nehmen, hier werden keine halben Sachen gemacht, und das was hausgemacht einfach besser schmeckt auch noch selbstgemacht. Bei mir hat das Buch voll ins Schwarze getroffen, genauso mag ich es! Was gibt es schöneres, als wenn alle am Tisch am Ende satt und glücklich aufstehen und noch Tage später davon schwärmen. Für mich ist dieses Buch eine tolle Überraschung, Fusion-Küche super lecker, und ohne viel Tam-Tam oder super-exotische Zutaten, die erst von uns Normalos entdeckt werden müssen. Meinem Schwager als Jamie-Fan habe ich schon ein Weihnachtsgeschenk besorgt, ratet mal welches Buch drin sein wird?

Herzlichen Dank für die Übersendung als Rezensionsexemplar.

6 Gedanken zu “Chelsea Winter: Homemade Happiness

    1. Das ist spannend, ich hätte das nicht erwartet, Neuseeland liegt ja nicht gleich um die Ecke und von diese Bloggerin, gibt es auch noch nicht 100 Videos im Netz, sie wäre bei mir ohne dieses schöne Buch überhaupt nicht auf dem Radar gewesen.

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  1. Sie hatte das Glück in einer Kochshow auftreten zu können, vielleicht weil sie telegen ist, aber dadurch die Möglichkeit hatte ihre Art des Kochens zu präsentieren und ich weiß wie sehr die Verlage nach roten Linien verlangen, die sich an einem Thema festhalten sollen (nicht mein Ding) und der jeden Foodtrend bedient, hauptsache er könnte Hipp auf die Käuferschaft wirken. Ich werde mir deine ausgewählten Rezepte genau ansehen, da ich unkonventionelles ehrliches Kochen liebe 🙂

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    1. Natürlich ist sie hübsch und das hat sicherlich am Anfang auch geholfen, allerdings kocht sie nicht wie diese Girlies vegan oder vegan weltweit. Sie hat weder Angst vor Fett noch vor Knoblauch und ich finde es gut, dass sie sich traut, den Leuten längere Einkaufslisten und Zubereitungsschritte zuzumuten. Ich habe neulich nämlich bei einer Lady, die auch zu Jamies Entourage gehört gelesen, wie die sich dafür bei den Lesern entschuldigt. Wenn man/frau in manche Bücher reinschaut, dann scheint es heutzutage so zu sein, dass der Verlag auch bestimmt wie lang ein Rezept ist, eine Seite, nicht mehr und bitte nicht engbeschrieben, um die Kundschaft nicht zu verschrecken. Hallo geht’s noch? Der Inhalt geht vor, finde ich, ich hoffe, ich bin damit kein Auslaufmodell oder von gestern? Sie macht nichts anderes als Jamie und kann auch nicht von sich behaupten, dass sie Fusion erfunden hat, aber sie macht es lecker, ohne viel Fertigkram, das gefällt mir hier. Im Prinzip kriegen wir genau die Bücher, die wir haben wollen, alle Welt bejubelt Melissa Forti, ebenfalls telegen, hat auch super Backrezepte, aber nicht alles lässt sich gleich so nachbacken, weil die Backformgrößen für den englischen Markt gewählt sind, ich habe sogar ein Rezept entdeckt, wo die Füllmenge fehlt. Ich wundere mich warum bei dem ganzen Hype nicht mal ein oder eine Bloggerin darauf hinweist, gibt es doch manche die als Fehlerpolizei, da regelmäßig in den Startlöchern hocken, jetzt aber mit dem Trend posten, der mir herzlich egal ist, wenn mich ein Buch handwerklich oder konzeptionell überzeugt.

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      1. Ich stimme dir da voll zu und entdecke viele unbrauchbare Kochbücher, wenn ich Buchhandlungen besuche, aber alle haben kurze Rezepte und hübsche Bilder, die auch mal nicht zusammen gehören. Die Schuld liegt da eindeutig bei den Verlagen, die möglichst billig produzieren wollen und denen oft die Qualität egal ist. Aber ein gutes Kochbuch gibt es eben nicht für 3 Euro.

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      2. Arno wird sind da einer Meinung, es braucht aber auch individuelle Autoren, die in Ruhe aufgebaut werden, Bücher muss man nicht in ein paar Monaten mit Agenturen zusammen schustern. Gib den Autoren Zeit, was daraus zu machen und zwänge sie nicht in ein Marketing-Konzept, das meisten sowieso schon dem Trend hinter her humpelt. Bedeutet aber für die Büchermacher auch, dass wir uns ernsthaft mit einem Buch beschäftigen und ihm nicht nach 6 Monaten die Freundschaft aufkündigen, dann ist es lukrativ für Verlage einen anderen Weg zu gehen. Wir können da auch mitentscheiden.

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