Nicole Stich: Shiok

Nicole Stich: Shiok

ZS Verlag

Preis: 29,80 €

Genießen als Volkssport – da möchte ich unbedingt dabei sein!

Singapur ist anders – oder das beste Essen der Welt……

Seit der Abspaltung von Malaysia und der Unabhängigkeitserklärung vor mehr als 50 Jahren ist der Stadt-Staat zum weltweit viertgrößten Finanzplatz nach New York, London und Hongkong aufgestiegen. Der Koch und Gastronom Ryan Clift stellt in einem Artikel der Welt aus 2015 fest: „In dieser Stadt bekommst du das beste Essen der Welt“, egal, ob du dafür drei Dollar zahlst oder 300.“ Manche versteigen sich sogar zu der Analyse, dass die Einwohner dieser Metropole ihren ausgesprochen ausgeprägten Genuss-Sinn als Antwort auf die rigide Autorität auf das Leben in einem autoritären Staat verstehen. Singapurer sind leidenschaftliche Esser also dann nichts wie hin, am besten mit einer kundigen Begleitung…..

Wer ist die Autorin?

© Oliver Seidel

Die freiberufliche Autorin, (Food-) Fotografin, Foodbloggerin und Genuss-Esserin Nicole Stich weiß, wie man fremde Länder am besten entdeckt: übers Essen. Auch, wenn sie dabei mal über ihren eigenen Schatten springen muss: „Wenn ich es dann zu Hause fertig bringe, ein Gericht exakt wie in meinen Erinnerungen zuzubereiten, dann habe ich es nicht nur geschafft, einen köstlichen Reisemoment wiederaufleben zu lassen, sondern ebenso meine heimische Küche um eine wunderbare Facette bereichert“, sagt sie über ihre Herangehensweise.“

Schon lange verliebt in eine Millionen-Metropole mit gefühlt genauso viel Optionen für Foodies…..

 Nicole Stich hält sich nicht lange mit Allgemein-Plätzen auf, sondern mit einer persönlichen Reise-Episode erklärt sie kurz, treffend und sehr lebendig ihre Faszination für eine Region voller Foodies und wie schnell sie mit zwei älteren Ladies beim Plausch über Restauranttische hinweg ins Gespräch kam… Einfach weil auf ihrem Tisch 4 Desserts standen und die Damen daraus folgerten, dass sie es mit jemand zu tun hatten, der Süßes liebt. Schnell entspannte sich eine lebhafte Unterhaltung darüber, was denn nun am besten geschmeckt hat und in welchem „Hawker“ (Garküche), Frau Stich und ihr Reisebegleiter unbedingt noch etwas probieren gehen sollten. So einfach und persönlich lässt sich Singapur vorstellen, ohne psychologische Analyse direkt zum Punkt. Die Mission, der sich die Autorin in diesem Buch verpflichtet fühlt heißt, ich koche Euch etwas so unverschämt Leckeres, dazu könnt Ihr unmöglich nein sagen, wenn ihr gerne was neues probiert und Schwups seid Ihr mittendrin in einem der spannendsten Abenteuer, die man sich kulinarisch gönnen kann. Chinesische und malaiische Einflüsse verschmelzen in der Küche Singapurs zu einem „Melting Pot“, der es in sich hat, so dass es Frau Stich dort in den letzten Jahren beim Essen nie langweilig geworden ist und sie immer zurückgekehrt ist….

 Herausforderung Tradition versus Alltagstauglichkeit und dann noch authentisch bleiben….

Schön, wenn man in so guten Händen ist und so persönlich begrüßt wird, denn die Materie ist äußerst komplex habe ich im letzten Jahr schon bei Shu Han Lee und ihrem schönen Buch „Chicken and Rice“ erfahren dürfen. Es geht in der südostasiatischen Küche sehr viel um komplexe Küchen-Technik (Stichwort: Dumplings, Teigtaschen, Schweinebauch und eine Suppenkultur, die es in sich hat), die ebenfalls vor sehr speziellen Zutaten nicht zurückschreckt. Deshalb ist diese in ihrer traditionellen Art, als deutlich komplexer einzustufen ist, als einfach nur thailändisch oder indisch zu kochen, da können wir auf eine ganze Schar von Experten, zurückgreifen und nicht nur der Asia-Laden hat sich inzwischen mit seinem Angebot längst darauf eingestellt, sondern auch der gut sortierte Lebensmittelhandel.

Probieren, studieren und dann optimieren……

Nicole Stich findet für mich den richtigen Einstieg in die Küche Singapurs, in dem sie Praxis favorisiert und zeigt mir in jeder ihrer sehr persönlichen Einleitung zu ihren Rezepten, sie hat alles so häufig gekocht, dass sie inzwischen bei ihrer ganz persönlich Geling sicheren Version angekommen zu sein scheint. Sie hat als Touristin mit ausgeprägten kulinarischem Talent und Ambitionen den Blick frei für die Koch-Praxis und will uns nicht das Rezept ihrer Oma oder Mutter ans Herz legen, dass jedoch für den europäischen Gaumen vollkommen ungeeignet ist und die nachkochende Gemeinde technisch vor kaum lösbare Herausforderungen stellt, wenn man kein Profi ist. Von außen sieht man die Dinge häufig klarer, es geht mehr ums schmecken, optimieren, verändern, anpassen als um Kindheits-Erinnerungen, das ist manchmal die bessere Voraussetzung, wenn es darum geht, sich neugierig immer weiter in eine neue kulinarische Welt zu wagen und hat hier sehr gut funktioniert.

Lieblingsküche – versus Trend-Thema

Ich vertraue mich ihr gerne an, sie hat schon in ihrem letzten Buch „Reisehunger“ gezeigt, dass Singapur ihr kulinarisch sehr am Herzen liegt und springt nicht kurzfristig auf einen Zug auf, der jetzt endlich in der für mich deutlich als der komplexesten und vielschichtigsten der asiatischen Küchen angekommen ist, weil es sonst kaum noch Neuland dort zu entdecken gibt.

Die versierte Begleitung ist Gold wert, wenn man geschmackliches Neuland betritt……

Ich glaube ihr, dass sich mich in neue kulinarische Welten entführen kann und das so authentisch wie möglich und alltagstauglich wie nötig! Sie gaukelt mir keine Allgemeinplätze vor, die nur von ratzfatz getrieben sind, bei ihr dauert es zwar nur 30 Minuten bis das berühmte malaiische Nationalgericht „Nasi Lemak“, das man in Singapur gerne zum Frühstück genießt, auf dem Tisch steht, manchmal empfiehlt sie uns jedoch reichlich Zeit zu reservieren, z. B. wenn wir uns mit ihr an „Spiral Curry Puffs“ (frittierte gefüllte Teigtaschen) wagen, bei denen zwei Teig-Sorten, ein Wasser- und Fett-Teig zu einem spiralen Muster verwoben werden. Ich habe vor selbstgemachten Teigtaschen viel zu viel Respekt und bescheidene Erfahrung in dieser Disziplin, aber Susanne aka Magentrazerl hat sich direkt an dieses Rezept gemacht.

Alle Rezepte von Frau Stich zeigen sowohl eine kulinarische als auch praxistaugliche Handschrift. Beim Blättern und schmökern im sehr schönen Kochbuch, entsteht stets der Eindruck bei mir, sie hat so lange herumprobiert, bis sie endlich mit der Teigkonsistenz oder dem Geschmack absolut zufrieden war und manchmal hat diese Köchin sogar, Rezepte mit eigenen Ideen weitentwickelt wie beim knackigen Papaya-Salat.

Dämpfen schmoren und stir-fry…..

 Nicole Stich hat unseren Streifzug mit ca. 75 Rezepten durch die Küche Singapurs organisiert, es geht um „Frühstück & Snacks“, „Nudeln, Reis & Gemüse“, „Fisch & Fleisch“ und „Süßes & Gebackenes“, bevor uns die Autorin noch „Basics“ und ihre „Lieblings-Zutaten“ präsentiert. Außerdem ist diese stets mit Tipps Tricks zur Stelle, wir erfahren wie es mit dem Pochieren und Einlegen von Eiern klappt, wie stir-fry (pfannenrühren) im Wok auch ohne Rezept lecker gelingen kann und zum Schluss gibt sie persönliche Tipps, wo wir was in Singapur am besten probieren sollten.

so unkompliziert wie möglich…

Die Autorin reduziert ihre südostasiatische Speisekammer auf „must-haves“, die zum Glück alle in jedem durchschnittlich sortierten Asia-Laden auf uns warten und holt uns moderat mit ihren „nice-to-haves“ aus der Komfortzone, denn Galgant, Pandanblätter und getrocknete Garnelen hat der von mir bevorzugte Asia-Laden ebenfalls im Standardprogramm. Diese Frau denkt praktisch, die speziellen Cups zum Dämpfen eines Eierflans können durch hitzebeständige Tassen ersetzt werden und klar ohne Bambus-Körbchen gibt es keine gedämpften „Pork-Buns“. Chayote (stammt aus der Familie der Kürbisgewächse und ist von der Konsistenz etwa vergleichbar mit Kohlrabi, die Früchte schmecken leicht süßlich) und Jícama (Yambohne) sind bei ihr für „Rojak“, einen asiatischen Brotsalat, geschmacklich die erste Wahl, können jedoch mit grüner unreifer Mango oder grünem Apfel ersetzt werden. Ob Bananenblüte oder chinesischer Blütenkohl, Frau Stich möchte uns möglichst mit dem authentischen Geschmack auf der Zunge beglücken, hat jedoch immer eine Alternative im Ärmel, das ist perfekt für alle und macht den Reiz des Buches für mich aus! Mit einem Rezept für Laksa-Paste hätte sie mich wunschlos glücklich gemacht, das habe ich dann das Netz erledigen lassen, weil ich mit fertigen Currypasten bislang geschmacklich nie zufrieden war.

Ich will Expertise und möchte keine Autorin, die sich nur im Netz schlau gemacht hat….

Fazit – Chapeau Madame Stich! Sie zeigen mit Ihren Rezepten, ohne das perfekte geschmackliche Ergebnis und die möglichst unkomplizierteste Herangehensweise geben Sie sich nicht zufrieden. Die Materie ist sehr komplex und ohne viele Jahre Expertise und Tüfteln nicht zu meistern. Für mich zeigen Sie eine absolut seriöse Herangehensweise, was ich im Kochbuch-Bereich schon mal anders gesehen habe, viel Recherche am PC und vielleicht dann noch eine Woche vor Ort und fertig ist das nächste Kochbuch…. Sie dagegen haben erst mal einige Jahre probiert, studiert und optimiert: Herausgekommen ist dabei ein Buch, dass alles hat, was ich mir wünsche, leckere Geling sichere Rezepte, die für mich besser funktioniert haben, als bei Autoren mit Heimvorteil. Sie haben jedoch ebenfalls der Versuchung widerstanden, daraus einen beliebig reduzierten Einheitsbrei zu machen, um uns ja nicht geschmacklich oder technisch zu überfordern und schicken uns für neue kulinarische Abenteuer auch mal auf die Jagd nach völlig neuen Zutaten in den Asia-Markt.

Ich begleite Sie gerne wieder bei Ihrer nächsten kulinarischen Reise, weil mir dieses Buch gezeigt hat, Sie machen mir kein X für ein U vor und sind selbst erst zufrieden, wenn sie alles, was Sie uns zeigen, wie im Schlaf beherrschen, weil es vorher schon viele Prototypen gegeben hat. Aber zum Anfang zurück, Sie mögen offenbar sehr gerne Süßes – ein Glück für mich, denn in der Sparte „Süßes & Gebackenes“ sind Sie nochmal zur absoluten Höchstform aufgelaufen.

Vielen Dank als Übersendung als Rezensionsexemplar!

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