Maangchi mit Lauren Chattman: Koreanisch kochen

Maangchi mit Lauren Chattman: Koreanisch kochen

Riva Verlag

Preis: 24,99 €

Koreanisch kochen für zu Hause, so authentisch wie möglich!

 Worum geht’s?

 Korea für zu Hause, aber bitte nicht nur Bulgogi und Bibimbap, das kennen wir schon!

Koreanische Küche in Deutschland war lange Zeit nur was für Heimweh kranke Koreaner und bis vor einigen Jahren blickte man selten in koreanischen Restaurants auf nicht asiatische Züge, wenn der Blick auf die Nachbartische fiel. Nun gut das scheint vorbei zu sein, immerhin wurde auch schon Cloney beim Szene-Koreaner in Berlin gesichtet und endlich ist diese Küche auch zu Hause in unseren Küchen angekommen und die Verlage überbieten sich geradezu, wenn es darum geht uns diese Küche näher zu bringen. Auch der Münchner Riva Verlag ist angetreten, um uns nicht nur leckeres Bulgogi und Bibimbap zu servieren, denn das gehört zum Standardprogramm inzwischen und ist inzwischen nicht nur in Büchern zur koreanischen Küche zu finden.

Wie sieht es aus?

 Nicht nur Hochglanz-Fotos, bei dieser Autorin ist die kompetente Begleitung das wichtigste!

Als ich dieses koreanische Kochbuch das erste Mal in den Händen hielt, war mir sofort klar, Maangchi geht es um sehr viel mehr als Hochglanz-Fotos, mit über 800 Schritt-für-Schritt-Fotos erklärt sie charmant und unterhaltsam, wie wir die koreanische Küche ganz einfach zu Hause nachkochen können. Auch die Antworten auf die Fragen ihrer Online-Leser kommen nicht zu kurz und zeigen in diesem Buch geht es um die praktische Begleitung der Leser und die präsentierten Fotos sollen uns nicht nur den Mund wässrig machen, sondern zielen darauf ab, die unterschiedlichen Rezeptschritte und –techniken möglichst praxistauglich für jedermann zu bebildern und plausibler zu gestalten.

Wer ist die Autorin?

 

 Eine schillernde und engagierte Autorin –  ganz ohne „Hausmütterchen-Touch“

 Maangchi wuchs in Korea auf und verbrachte dort den Großteil ihres Lebens. Von ihrer Mutter, Großmutter, von Tanten in Restaurants und Straßenküchen lernte sie früh, wie man traditionell und lecker koreanisch kocht. Ihre Leidenschaft fürs Kochen lebt sie inzwischen auf YouTube aus, wo ihre Videos millionenfach geklickt werden und ihre Fans inspirieren, koreanische Gerichte zu Hause auszuprobieren. Ihre Webseite maangchi.com ist in den USA die erste Adresse für koreanische Küche. Maangchi lebt mit ihrem Partner in New York. 2015 beim Erscheinen ihres Buches in den USA war Maangchi bereits 58 Jahre, Mutter zweier Kinder und hatte eine gescheiterte Ehe hinter sich. Wenn man aber die Fotos im Buch studiert, kommt niemand auf die Idee, dass diese Frau mit dem extravagantem Make-up und dem schillernden pinken Lippenstift eine engagierte koreanische Hausfrau ist, die immer auf der Jagd nach dem perfekten Rezepten ist. Und doch das genau ist sie! Während ihres ersten USA-Aufenthalts, hat sie mit ihrem ersten Mann (einem Professor) und den Kindern das erste Mal für ein paar Jahre in Ohio gelebt und sich quasi umfassend auf ihre spätere Karriere als engagierte Verfechterin der authentischen koreanischen Küche auch außerhalb Koreas, umfassend vorbereiten können. Maangchi hat es sich jedoch dabei genauso auf ihre Fahnen geschrieben, dass sie in ihren Rezepten nicht mit den richtigen Tipps und Anpassungen spart, wenn das notwendig wird.

Vom Online-Gambling zum eigenen You-Tube-Channel

 Als Maangchi 2003 geschieden wurde und die Kinder bereits aus dem Haus waren, ging diese zunächst nach Toronto in Kanada, um ganz neu anzufangen. Zufällig stolperte sie im Netz über das Online Rollenspiel “City of Heroes“, in dem die Spieler in die Rolle eines Superhelden schlüpfen konnten und nahm dort die Identität von Maangchi an, was auf Koreanisch »Hammer« bedeutet. Eine ganze Weile gab es für Maangchi nach Feierabend nichts anderes als duschen und dann ab an den PC und sich mit Menschen in Singapur, Los Angeles und Montreal anzufreunden, indem sie durch eine virtuelle Welt rannte und Bösewichte niedermetzelte. Zu dieser Zeit wurde ebenfalls YouTube bei neugierigen Usern sehr populär. Von ihrem netzaffinen Sohn kam schließlich die Idee, dass sie sich doch beim Kochen koreanischer Gerichte filmen und die Filme bei You-Tube hochladen könnte. Als Tochter eines koreanischen Fisch-Auktionators ging es schon früh in Maangchi Lebens immer um gutes Essen und das Optimieren der Rezepte von Mutter, Omas und Tanten, Freundinnen und auch die Zeit in Ohio war davon geprägt.

Diese Autorin will mehr als Kimchi & Co und holt zum großen Rundumschlag aus!

Bei mir hat Maangchi damit schon mal einen Stein im Brett! Genau das ist es, was ich gesucht habe, „Koreanisch kochen“ ist nicht mein erstes Kochbuch, um mich mit der Küche Koreas vertraut zu machen und ich habe nach einem weiteren gesucht, dass mir vor allem authentisch und praxistauglich die Küche Koreas mit all seinen Facetten präsentiert. Viel mehr Bandbreite zeigt und Kimchi in vielerlei Versionen im Programm hat und nicht nur die klassische Variante mit China-Kohl. Ob es nun darum geht, uns zu erklären was eine koreanische Mahlzeit ausmacht (Beilagen-Parade: „Tischlein deck Dich! – lautet das Stichwort) oder den perfekt gegarten Reis. Maangchi mag keine halben Sachen und bietet uns eine ungeheure Vielfacht an Rezepten bei Nudeln, Suppen & Eintöpfen, Kimchi & Eingelegtem, Banchan (Beilagen), Puffern, Zwischenmahlzeiten, Feiertagsspeisen & Partysnacks, bis hin zu fermentierten Speisen an. Wo sie uns beibringt, wie wir z. B. Grundzutaten wie die koreanische rote Chilipaste (Gochujang) selber herstellen können. Die Kapitel Saucen & Garnitur und Desserts liefern dagegen ein übersichtliches Angebot an Rezepten.

Bei Kimchi und Zutaten gilt die Devise think big!

Manchmal wird Maangchi gefragt: »Wie viele Portionen ergibt dein Kimchi-Rezept? « Ihre Antwort lautet stets: »Lasst mich damit in Frieden! « Wir Koreaner denken bei Kimchi nicht in Portionen, wir bereiten es in rauen Mengen zu und verwenden es für Suppen, Eintöpfe, Bratlinge, Pfannkuchen oder gebratenen Reis. Dasselbe gilt übrigens für die Gochujang-Paste, 4,5 Kilo sind hier das Ergebnis der erfolgreichen Fermentations-Bemühungen.

Die Mission lautet authentisch koreanisch kochen lernen und das nicht nur in Seoul, sondern auch in New York und überall!

Manch einer denkt jetzt – ja klar, dass mag in Korea funktionieren, aber in meiner kleinen Wohnung ist das schlichtweg nicht möglich, Steingut-Töpfe mit fermentieren Produkten zu lagern. Maangchi zeigt, dass es ihr ernst ist mit ihrer Mission uns an die echte koreanische Küche heranzuführen: Hat sie doch in einem Interview mit der Seattle Times die Meinung vertreten “I have to do everything correctly! ” „Otherwise I will hear about it from the Koreans.” Deshalb bleibt sie uns in der koreanischen Küche absolut nichts schuldig und erklärt geduldig, wie die Zubereitung einer hausgemachten Gochujang-Paste ebenso in einem kleinen Apartment in New York funktioniert.

Was ist besonders bei diesem Buch?

Endlich werde ich auch im Asia-Laden richtig verstanden

 Wer oft im Asia-Laden zum Einkaufen ist, weiß wovon ich rede, wenn ich sage, es ist manchmal schwierig dort besondere Kräuter oder spezielle Zutaten zu erhaschen. Frankfurt verfügt über eine sehr gute Infrastruktur solcher Läden, die Herausforderung besteht jedoch darin, sich mit dem anwesenden Personal darüber zu verständigen, wo nun genau die Farnspitzen, unerlässlich für die authentische koreanische Küche und deshalb häufig in anderen Kochbüchern schlichtweg ersetzt oder gestrichen, zu finden sind? Selbst wenn diese vorrätig sein sollten, wirklich kein einfaches Unterfangen, weil man einfach nicht verstanden wird! Wenn ich chinesisch sprechen könnte – kein Problem, aber bei der Nennung des lateinischen Namens versteht das Fach-Personal einfach nur Bahnhof und man irrt ziellos durch die Regal-Schluchten. Deshalb ist Maangchi’s umfangreiches und bebildertes Glossar, mit vielen Tipps einfach Gold wert! Außerdem gibt es von ihr Hilfe, wie wir geschickt und unkompliziert eine koreanische Mahlzeit zusammenstellen können und wo man im Notfall online schauen kann.

Probiert und studiert – Chili und Knoblauch muss man mögen, wenn es authentisch werden soll!

 Scharfer Sundubu-Eintopf (Sundubu-Jjigae)

Voraussetzung dafür ist ein gut abgelagertes China-Kohl-Kimchi, also ran an den Einlegetopf, dieses Rezept benötigt ein wenig Vorlauf.

Sundubu-Jjigae ist ein herzhafter und ziemlich scharfer Eintopf, toll dass Maangchi es sich nicht nehmen lässt, eine authentische (4 EL koreanische Chiliflocken) Version zu präsentieren und sich gleichzeitig auch auf die Geschmackswelten von Nicht-Koreanern einstellen kann.Für diesen Fall rät sie es einfach bei 1 EL zu belassen. Beim Knoblauch sind manche sicherlich auch mit weniger davon zufrieden, auch wenn es nicht authentisch ist! Es lohnt sich gleich die doppelte Menge zu kochen, leider ist das Rezept nämlich nur für 2 Personen ausgelegt, was häufiger vorkommt und für mich die einzige Schwachstelle dieses tollen koreanischen Kochbuchs ist.

Milde Eisnudeln (Mul-Naengmyeon)

Eine echte Konkurrenz für den Sommerklassiker Gazpacho: Eiskalte, würzige Brühe, die durch ein knackig frisches Rettich-Kimchi getoppt wird, Dieses Kimchi ist deutlich süßer als das Original aus Chinakohl und ein schöner Kontrast zur gleichzeitig vorhandenen typisch koreanischen Schärfe durch die im Kimchi reichlich verwendeten Gochu-Garu-Chiliflocken. Zuckermenge – immerhin ganze 5 Esslöffel – und Chiliflocken habe ich auf den nicht so trainierten europäischen Gaumen in der Menge deutlich nach unten angepasst.

Scharfes Gurken-Kimchi (Oi-Sobagi)

Knackige, kleine Gartengurken machen es möglich und bescherten uns ein Kimchi, das mit seinem frischen Geschmack, viel besser in den Sommer passt. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass es bereits nach ein paar Tagen verzehrfertig ist. Anfängern empfehle ich die Schärfe nach Geschmack runter zu reduzieren und auch mit der Fischsauce vorsichtig umzugehen. Das Kimchi schmeckt solo und ist auch ein toller Begleiter zu Nudelgerichten. Für meinen Mann gehört es von jetzt an – bis auf das Frühstück – immer auf den Tisch!

Fazit – to be continued – mit diesem tollen Buch bin ich noch lange nicht fertig! Maangchi ist mit Koreanisch Kochen ein sehr authentisches und praxistaugliches koreanisches Kochbuch gelungen, weil sie in allen Belangen ihre Mission ernst genommen hat. Sie zeigt zudem die ganze Bandbreite der koreanischen Küche. Dieses Buch ist sehr umfassend und komplett geworden, egal ob nun bei den Standards, den Suppen-Kreationen, den Kimchi-Rezepten, bis hin zu den selbst fermentierten Zutaten.

Es ist ein Buch für Menschen, wie mich, die einer Küche gerne auf den Grund gehen und auch den letzten Winkel entdecken wollen und die vor Schärfe und viel Knoblauch nicht zurück schrecken, denn das gehört unbedingt dazu, obwohl Maangchi als gute Begleiterin häufig Alternativen anbietet.

Maangchi versorgt uns mit vielen guten Tipps und praxistauglichen Rezepten und einem sehr nützlichem Einkaufs-Glossar. In dieser Kombination ist mir das als koreanisches Kochbuch noch nicht begegnet und auch die Frau hinter dem Avatar Maangchi bezaubert mit Engagement und als Type.

Herzlichen Dank für die Übersendung als Rezensionsexemplar!

4 Gedanken zu “Maangchi mit Lauren Chattman: Koreanisch kochen

  1. Ich hatte vor einigen Monaten mal ein gutes koreanisches Kochbuch gesucht, aber nur 2! gefunden, die überhaupt in die Nähe von gut kamen. Erfreulich, dass du jetzt ein neues gefunden hast. Schau ich mir mal näher an 🙂

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    1. Ja, bei dieser Küche ist noch viel Luft nach oben und viele Rezepte, die in diesem Kochbuch berücksichtigt werden, haben die anderen gar nicht im Angebot. Lass Dich überraschen Maangchi hat auch eisgekühlte Suppen im Programm, was bei der aktuellen Wetterlage wirklich nicht die schlechteste Option ist.

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  2. Ok, vor einer Woche – ich war gerade Babysitter bei meiner Tochter in Zürich- bin ich durch Zufall bei YouTube auf Mangchi gestoßen und war fasziniert mit welcher Energie sie die Zubereitung ihrer Rezepte präsentiert!
    Nun gut die Mengen sind für europäische Verhältnisse gewöhnungsbedürftig! Aber mit einer großen Familie – wie meiner – geht das schon! Zumal die Zutaten durch Fermentation lange Haltbar sind. In den Portionsgerichten eingesetzt kommen Sie dann voll zur Geltung!
    Und jetzt das Buch, das muss in meine Sammlung – ich bin ein Kochbuch-Messi!
    Danke für die tolle Rezension
    Viele Grüße
    Opa Reiner

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