One Pot Soulfood

Susanne Bodensteiner, Sabine Schlimm: One Pot Soulfood

Fotos: Mona Binner

Gräfe und Unzer Verlag

Preis: 19,99 €

Wie man sich den Alltag unkompliziert schön kochen kann…..

Puh, was für ein Tag: morgens die Bahn verpasst, zu spät zum Meeting gekommen und einen Rüffel vom Chef erhalten. Zu allem Ärger noch jede Menge Arbeit und kein Land in Sicht. Überstunden vielleicht, aber dann ab nach Hause und was Leckeres für Augen und Gaumen in den Topf, in die Pfanne oder aufs Blech und sich einfach den Alltag schön kochen. Sich dann ganz entspannt zurücklehnen, vielleicht einen Schluck Wein genießen und langsam sieht die Welt schon wieder ein wenig freundlicher aus….. Wer kennt sie nicht, Tage wie diese, die nach Wohlfühlessen auf dem Teller verlangen, um die Stimmung vom Keller wieder in die erste Etage zu befördern.

Wer sind die Autoren?

©Foto privat

Susanne Bodensteiner war Redakteurin bei der größten deutschen Zeitschrift für Essen und Trinken und arbeitet seit mehr als 20 Jahren als freie Food – Autorin. Sie kocht mit Lust und Leidenschaft – und  zwar am allerliebsten Gerichte, die die Seele trösten. Von ihr bisher bei GU u. a. erschienen: »Seelenfutter«, „Seelenfutter vegetarisch“ und »Feierabendfood«.

 

©Karin Desmarowitz

 

 

Sabine Schlimm lebt als Texterin, Lektorin und Übersetzerin in Hamburg. Ihre Leidenschaft für alles, was gut schmeckt, teilt sie gerne: kochend mit Freunden und Familie und schreibend mit allen anderen Menschen. Von ihr bei GU bisher erschienen: »Seelenfutter« und »Seelenfutter vegetarisch«.

Was ist drin?

Soulfood 2018 oder wie müssen essbare Therapeuten heute gestrickt (gekocht) sein…..

Das Soulfood unserer Kindheit hieß Milchreis und Frikadellen mit Kartoffelbrei. Als Teenager waren wir in Carbonara verliebt und heute träumen viele vom butterweichen Gulasch der Mutter, wenn wir an Seelenfutter denken. Bis auf den Milchreis, der neben anderen süßen Sachen (wie z. B. Spätzle-Auflauf mit Kirschen) in diesem Kochbuch nicht zu kurz kommt, fällt nach einem anstrengenden Tag in 2018 alles andere leider raus! Zu aufwendig und zu Kalorien lastig. Selbst ambitionierte Küchennutzer – wie ich selbst – wollen unter der Woche nicht mehr als durchschnittlich eine ¾ Stunde für die Zubereitung ihres Essens aufbringen. Wir haben nämlich einfach noch zu viel anderes auf der To-do-Liste, was unbedingt ebenfalls noch erledigt werden muss. Die Zutaten sollten möglichst übersichtlich bleiben und statt nur auf Fett als Geschmacksträger zu setzen, möchten wir lieber Aroma und unterschiedliche Texturen bei unserem Lieblings-Feierabend-Essen in den Vordergrund rücken. Unser Genuss-Fokus ist in den letzten Jahren zudem viel breiter geworden und dabei dürfen Mutters Frikadellen gerne auch mal als One-Pot-Köttbullar-Pasta fremdgehen. Neben dem Milchreis, der manchmal wirklich eine lebensrettende Maßnahme für unser Seelenheil darstellen kann, wollen wir inzwischen ebenso nach Feierabend gerne asiatisch (Asia-Gemüse-Pfanne mit Chili-Nüssen und Reisnudelsalat mit Steakstreifen) italienisch (Minestrone oder Zucchini-Frittata mit Ziegenkäse), indisch (Kartoffel-Okra-Curry mit Joghurt und Kokos-Dal mit Mandel Sprinkle) mexikanisch (Texmex-Bohnenpfanne) oder orientalisch (Bulgur-Pilaw mit Aubergine und Datteln oder orientalischer Kichererbseneintopf) genießen.

Soulfood kann jetzt auch One-Pot und One Tray….

Soulfood, One-Pot, One Tray sind Begriffe, die unsere Mütter nicht kannten, sie haben einfach nur gekocht. Eine Spülmaschine gab es erst viel später und die Zeit, die man in der Küche verbrachte spielte vielfach ebenfalls keine Rolle, denn die Küche war das Herzstück des Hauses und der Mittelpunkt des Familien-Lebens. Prinzipiell sind Soul-Food oder One-Pot nicht unbedingt die besten Freunde, sondern entschiedene Gegner im Kampf um unsere Anerkennung. Der eine will die Menschen nach einem harten Tag glücklich sehen und der andere ihnen den Abwasch und unnötig Zeit bei der Zubereitung seines Essens ersparen. Unzählige Bücher gibt es bereits zum Thema und die meistens davon können entweder nur das eine oder das andere richtig gut. Susanne Bodensteiner und Sabine Schlimm liefern in ihrem Buch ca. 80 Rezepte (oder nennen wir sie auch gerne Feierabend-Retter oder essbare Therapeuten), die endlich beides können. Hier wächst buchstäblich das zusammen, was wir heute genauso wollen. Sie servieren vegetarische Wundertöpfe, jonglieren mit praktischen Vorrats-Jokern wie Hülsenfrüchten, Speck, Fisch aus der Dose oder Tiefkühlhimbeeren und bringen fleischiges mit Wohlfühlfaktor auf den Tisch. Wir werden wie bei Muttern z. B. mit gratinierten Gnocchi mit Rosenkohl, One-Pot-Schinkennudeln und einer Kartoffel-Gemüse-Pfanne mit Spiegelei glücklich gemacht. Aber statt Speck kann dabei ebenso leckeres Gemüse mal die Joker-Rolle übernehmen und auch Neuzeit-Vegetarier vollkommen zufrieden stellen.

Soul-Food mag immer noch Speck und Käse, heißt aber auch viele Kräuter und gesundes Zeug….

Und neben Mutters modernisierten One-Pot-Pichelsteiner, das sich im Buch ein Kräuter-Update mehr als verdient hat, freuen sich die Vegetarier ebenso über ganz viele Optionen ohne Fleisch wie z. B. eine Grünkern-Rahmwirsing-Pfanne, die zeigt Seelenschmeichler können wunderbar mit gesunden Zutaten wie Grünkern und Quiona zubereitet werden, wenn die richtigen Buddies dabei sind. Vegetarier müssen beim Soulfood nicht mehr am Katzentisch sitzen, sondern kommen gut weg in diesem schönen Kochbuch, z. B. mit Veggie-Cassoulet, Bami Goreng mit Tempeh oder Zartweizen mit Fenchel und Mandarine. Wenn Gäste kommen, können wir entweder Graupenrisotto mit Trüffelöl und wer mal mehr Zeit hat, auch ein leckeres Coq au vin, eine Ente mit Kartoffeln, Fenchel und Orange oder ein Ossobuco mit Fenchel und Parmesan Gremolata servieren. Einfach die Standard-Rezeptmenge für 2 Personen verdoppeln oder verdreifachen.

Gekocht und Verputzt:

Ich habe es mit Graupen-Risotto mit Trüffelöl ausprobiert als mein Mann mittags im Büro anrief und einen Kollegen zum Abendessen ankündigte. Mein Urteil als Feierabend-Köchin lautete einfach und unkompliziert, der Kollege, war begeistert und wollte gleich das Rezept für seine Frau mitnehmen.

Außerdem haben wir noch einen warmen Fladenbrotsalat probiert. Ebenfalls sehr lecker, steht außerdem schnell auf dem Tisch und ist nach einem anstrengenden Büro-Tag auch viel leckerer als einfach nur ein paar grüne Blätter auf dem Teller.

Gegen den Herbstblues, der mich irgendwann immer ereilt, wenn der Sommer sich verabschiedet, gab es dann noch One-Pot-Bulgur mit Merguez, die eigentlich ja keine One-Pot, sondern eher eine One-Tray-Variante ist. Glücklicherweise denken die Autorinnen nicht in kulinarischen Einbahnstraßen. Herausgekommen ist dabei ein eay-peasy Rezept, das hocharomatisch ist und nach 40 Minuten zum Essen an den Tisch ruft.

Alles was ich probiert habe, hat nicht nur uns am Tisch glücklich gemacht, sondern auch die jeweiligen Mittesser glücklicher vom Tisch aufstehen lassen.

Fazit: Soul-Food und One-Pot, da geht noch was!

Das dabei die Spülmaschine weniger zu tun hat, ist ein angenehmer Begleit-Effekt, aber sicherlich nicht der Hauptgrund, warum mir dieses Buch so gut gefällt. Ich will einfach nur lecker essen, genauso wie es für mich heute passt und da hat sich viel verändert in den letzten 10 Jahren. Es gibt unzählige Bücher zu beiden Trend-Themen: die meisten verkaufen ihre Theorie oder Strategie und keine gemeinschaftlichen Wohlfühl-Momente. Dies ist bei diesen Kochbuch zum Glück anders, es ist ein modernes und leckeres Kochbuch für uns Feierabendkocher geworden, dass nicht nur Speck und Käse favorisiert. Wohlfühlmomente und kulinarische Glückseligkeit sind bei weitem nicht mehr nur durch mächtige Zutaten, möglich! Modernes Wohlfühlessen bedient sich bei den Zutaten auf der ganzen Welt und schielt nicht ausschließlich auf Fett als Geschmacksträger. Es hat sich ebenso Aroma auf die Fahne geschrieben und möchte Vegetarier ebenso glücklich machen. Susanne Bodensteiner und Sabine Schlimm haben in ihrem schönem Buch viel modernes Seelenfutter für einen leckeren Feierabend für uns im Programm und können mit ihren raffinierten Ideen ebenso Gäste glücklich machen. Mir gefällt das ausgesprochen gut! Ich habe dieses Buch bereits schon einmal an meine Schwester verschenkt, die als Außendienstlerin mit unregelmäßigem Feierabend, häufig sogar meine Diabetes kranke Mutter mit am Tisch sitzen hat. Die beiden waren von den leckeren und unkomplizierten Rezepten ganz begeistert, denn genauso brauchen sie das und wollen es auch nur noch so. Für Trends ist die eine zu alt und hat die andere neben ihrem Job einfach zu wenig Zeit. Sie lieben es praktisch aber mit Pfiff, sonst könnte man ja auch den Lieferdienst anrufen! Und deshalb empfehle ich dieses Kochbuch gerne allen, die genauso ticken.

Herzlichen Dank für die Übersendung als Rezensionsexemplar!

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