Drei Winterdrinks aus Trockenfrüchten

© Jonathan Lovekin

Eine großartige Idee, die mich an die guten 70iger und Mutters Rumtopf erinnert hat. Bei Nigel Slater muss man glücklicherweise nicht schon im Sommer wissen, dass man das im Dezember gerne trinken oder zu Eis, Pudding und vielen anderem servieren möchte. Sein Rezept verwendet Trockenfrüchte und er kalkuliert mit einer Durchzieh-Zeit von ca. 4 Wochen. Ich fand das richtig klasse und alle 3 Variationen haben es bei mir mühelos auf die Keeper-Liste geschafft.

Quelle: Nigel Slater: Wintertagebuch

Fotos: Jonathan Lovekin

Dumont Verlag

Preis: 38,– €

Aprikose, Orange und Anis

Satte, goldene Fruchtaromen. Ziemlich köstlich nach dem Abendessen, mitknackigen dunklen Schokoladentäfelchen.

Zutaten (reicht für 20 kleine Gläser):

getrocknete Aprikosen – 500 g

unbehandelte Orange – 1

Sternanis – 4

Brandy – 300 ml

Zucker – 150 g

süßer Weißwein – 300 ml

Zubereitung:

Die Aprikosen in einen kleinen Edelstahltopf legen. Mit einem Gemüseschäler feine Streifen Orangenschale abhobeln und dazugeben. Sternanis, Brandy und Zucker zugeben und zum Kochen bringen. Rühren, bis sich der Zucker aufgelöst hat.

Aprikosen und Sternanis herausfischen und in ein sterilisiertes Einmachglas geben, mit dem Brandy übergießen (an dieser Stelle empfehle ich tiefes Einatmen) und zuletzt mit dem Weißwein auffüllen. Zuschrauben und gut zwei Wochen (noch besser: einen Monat) an einem kühlen, dunklen Ort ziehen lassen, bevor Sie das goldene Getränk in Gläser gießen.

 Das Obst

Wenn der hinreißende, honiggelbe Likör ausgetrunken ist (und Sie Ihre Tränen getrocknet haben), werden Sie zweifellos die vollgesogenen Früchte irgendwie verwenden wollen. Mein erster Vorschlag lautet, sie ganz und prallvoll mit Alkohol zu servieren, in einer schönen Glasschale und mit einem Krug Sahne. Noch besser ist es vielleicht, dicken abgetropften Joghurt dazu zu reichen und sie mit gerösteten Mandelblättchen zu bestreuen.

Feigen mit Ahornsirup und Anis

Plumpudding zum Trinken. Passt aber auch perfekt zum Martinsfeuer, wenn Sie früh genug anfangen. Die übrig bleibenden Früchte – kleine Freudenpakete, weich wie Kissen und saftig wie Xiaolongbao-Teigtaschen – sollten nicht verschwendet werden.

Zutaten (reicht für 20 kleine Gläser):

Zucker – 250 g

Ahornsirup – 100 ml

trockener Weißwein – 750 ml

getrockneter Anis – ½ Teelöffel

getrocknete Feigen – 500 g

Wodka – 250 ml

 Zubereitung:

 Den Zucker in einem mittelgroßen Edelstahltopf mit Ahornsirup, Weißwein und Anis verrühren. Die Feigen halbieren und zugeben. Aufkochen lassen, dann die Temperatur herunterschalten und 20 Minuten köcheln lassen, bis die Feigen weich und dick und prallvoll mit Wein sind.

Die Feigen in ein sterilisiertes Einmachglas umbetten und mit der Kochflüssigkeit übergießen. Den Wodka zugeben, verschließen und an einem kühlen, dunklen Ort drei bis vier Wochen lagern – oder, noch besser, bis Weihnachten.

Das Obst

Später, wenn die Flüssigkeit aufgebraucht ist, wäre es eine gute Idee, die alkoholgetränkten Feigen für irgendetwas zu verwenden. Zwei oder drei in einem  Apfel-Crumble zu verstecken, wäre lustig, oder in einem Apfelkuchen. (Ich gönne mir oft eine oder zwei zur Belohnung, wenn ich mit dem Bügeln fertig bin.) Sie sind auch eine leckere Zugabe zu einem einfachen Stück Vormittagskuchen mit einer Tasse Kaffee, oder als Dessert, serviert mit einem Löffel buttergelber Clotted Cream. Die dicke Sorte, die man mit dem Messer schneiden kann.

Muskateller-Dörrpflaumen

Die mahagonibraune Flüssigkeit kann man selbstverständlich auch trinken, aber eigentlich mache ich diese marinierten Früchte als kleines Extra, das man zu Mousse au Chocolat oder sahniger Panna cotta servieren kann.

Zutaten (für 6 Personen):

Dörrpflaumen – 250 g

goldgelbe Sultaninen – 125 g

Muskateller, Muscat oder Moscatel – 750 ml

Zubereitung:

Dörrpflaumen und Sultaninen in ein sterilisiertes Einmachglas geben und mit dem Muskateller übergießen. Fest verschließen und vor dem Trinken einen Monat ziehen lassen.

Leckerbissen auf Vorrat

Sobald Sie den Alkohol in Gläser gefüllt haben, bleibt Ihnen – erfreulicherweise – ein Glas voller appetitlicher Abfälle übrig. Sie könnten die Sultaninen und Pflaumen in ein elegantes Schälchen geben und mit einem Klacks vanilleduftender Schlagsahne und einem winzigen Silberlöffel servieren. Oder Sie könnten die Früchte auf Vanille- oder Joghurteis verteilen und ihren Saft über das Eis herunterrinnen lassen.

Ich würde nicht unbedingt Nein sagen, wenn ich an einem Sonntagmorgen ein Häuflein dieser feuchten Früchte auf meinem Teller vorfinden würde, zusammen mit ein paar luftigen Ricottaküchlein frisch aus der heißen Pfanne. Wir können mit diesen kleinen Fruchtbonbons auch experimentierfreudiger umgehen – ein Schälchen Apfelkompott zum Frühstück damit aufpeppen oder sie zu einem zuckerüberkrusteten Stück Biskuitkuchen servieren, oder mit hausgemachtem Vanillepudding. Die weingetränkten Früchte lassen sich auch in die Mandelfüllung einer Marzipantorte packen oder in ein Trifle mit Schichten aus zerkrümelten Amaretti, Vanillepudding und Mascarpone.

Die möglicherweise beste Idee überhaupt kam mir ganz zufällig. Nach einem langen Tag, an dem wir Fotos für das Buch gemacht hatten, setzten James und ich uns mit je einem Glas Aprikosen- und Feigenlikör und ein paar der prallen Früchte an den Tisch. Dort stand ein wenig Blauschimmelkäse herum – Gorgonzola, es hätte aber genauso gut Stilton, Stichelton oder eine andere Sorte sein können. Wir knabberten daran herum. Der Zusammenklang von Blauschimmelkäse und samtigen, weingefüllten Früchten war ganz einfach wunderbar.