Neveda Berg: North wild Kitchen

Neveda Berg: North wild Kitchen

Das Norwegen-Kochbuch

Prestel

Preis: 30,– €

Wie das Leben so spielt…..

 

 “Perhaps you can take the girl out of the mountains, but not the mountains out of the girl!” Zum Glück war das im Leben von Nevada Berg, einer im US-Staat Utah aufgewachsenen und inzwischen in Norwegen beheimateten Bloggerin auch nicht nötig. Nach einer eher rastlosen Lebensphase, in der sie in Mozambique, Großbritannien und Italien lebte zog sie mit ihrem aus Bergen stammenden Ehemann in seine norwegische Heimat. Inzwischen lebt sie mit Mann und Sohn auf einem kleinen Bergbauernhof im malerischen Tal Numedal, ist heute stolze Besitzerin von 19 Hühnern und macht sich mit ihrem Blog „North Wild Kitchen“ um den Erhalt und die weitere Verbreitung der norwegischen Küchen-Traditionen verdient. 2016 gewann Nevadas Blog den Best Food-Blog Award des Magazins Saveur sowie den Editors Choice Award in der Kategorie Best New Voice.

Was ist drin?

 #regionale Produkte aus Feld, Wald, Flur und Gewässer + lecker Kaffee & Kuchen

Saisonale und regionale Küche ist Trumpf und das kann bei einem so dünn besiedelten Land wie Norwegen auch gar nicht anders sein. Wie überall in Skandinavien, ist die Küche sehr saisonal. Die Menschen auf dem Land müssen allein schon aufgrund der Entfernung zum nächstgelegen Supermarkt mit dem auskommen, was man eben in der Speisekammer vorrätig hat, in der Natur sammeln, selber ernten, angeln oder jagen kann. Dann wird damit gekocht, etwas gebeizt, über dem offenen Feuer gegrillt oder in den Backofen geschoben. In diesen Kategorien bietet die Autorin ihre Rezepte an.

Und was gibt es zu essen und zu trinken?

Norwegen genießen für Nicht-Norweger!

Ich hatte am Anfang die leichte Befürchtung, dass ich mich mit Begeisterung durch die vielen schönen Landschafts-Fotos blättere, immer wieder den malerisch verschneiten Bauernhof bewundere, mich aber nicht direkt in die Küche begeben kann, weil die Zutaten zu speziell bzw. zu regional sind. Neveda Berg’s Hinweise zu Küchenzubehör und Zutaten beschränken sich auf zwei Seiten, zeigen jedoch präzise was man wissen sollte und wie man sich behelfen kann, wenn der fette Sauerrahm (in Norwegen hat der bis zu 35 % Fett) für den Sauerrahm-Porridge nicht zu kriegen ist. Einfach aus Sahne und Buttermilch selbst herstellen. Die Handschrift ihrer Rezepte orientiert sich stets an dem Angebot der Natur: Fichtenspitzen im Bierteig mit Sirup und Brennessel-Honig-Kuchen im Frühjahr, Pfifferlinge-Ziegenkäse-Pfanne oder Haselnussbrot mit Vogelbeer-Apfel-Chutney im Herbst. Nevada führt dabei mit selbst ausgetüftelten Rezepten profund an den Klippen vorbei und lädt damit alle an die norwegische Tafel ein. Natürlich gibt es ebenfalls den berühmten Graved Lachs mit Senfsauce und Dillkartoffeln, heiß geräucherte Makrele, aber ebenso unkomplizierte Fisch-Burger (die Welt lässt grüßen), eine super cremige Forellen-Mouse, und Ihr könnt endlich lernen wie Ihr Butter selber macht, Wacholder-Bier braut oder den berühmten norwegischen Braunkäse selber herstellt. Wirklich spannend finde ich auch das Rezept für einen rustikalen Birnenkuchen mit Honig, Blauschimmelkäse und einem Volkornblätterteig.

Salzbutter im Gebäck das passt und Klassiker mit Geling-Garantie!

P.S. Die Autorin verwendet – wie in Norwegen üblich – auch zum Backen meist leicht gesalzene Butter, z. B. für einen Rhabarber-Wacholderkuchen mit Sauerrahm-Teig, den ich neben anderem probiert habe.

Diejenigen die nach den allseits bewährten Lieblingen und Klassikern der norwegischen Küche suchen, werden mit Milchpfannkuchen, übrigens ohne Eier, Hackbällchen mit Rahmkohl, Karottenkuchen, gepökelten Lammrippchen mit Steckrüben-Mus, heißer Schokolade mit Kardamom, Sauerrahmwaffeln mit karamellisiertem Zucker, Zimtschnecken oder Knäckebrot versorgt. Alle Rezepte sind von Berg so konzipiert, dass die norwegische Küche für nicht „Lokals“ sehr lecker zugänglich gemacht wird und niemand frustriert vor der Google-Suchmaschine sitzt weil unbekannte Zutaten aufwändig recherchiert werden müssen.

Probiert & Verputzt:

Rhabarber-Wacholder-Kuchen mit Sauerrahm-Teig

Neveda Berg © North Wild Kitchen

Den fanden wir einfach göttlich! Wacholder, Du alter Knabe, I love you – jetzt nicht nur im Kartoffel-Gratin! P.S. Die Zuckermenge für die Füllung habe ich ein bisschen reduziert, gebacken habe ich den Kuchen in einer Pie-Form mit 28 cm Ǿ.

 

 

 

 

Kohlrouladen mit Wildbret

Neveda Berg © North Wild Kitchen

 

Schön saftig und würzig, eine tolle Alternative zur klassischen Variante. Hat besonders meinen Mann begeistert – gerne wieder!

 

 

 

 

Herzhaftes Knäckebrot mit Honig und Körnern

Neveda Berg © North Wild Kitchen

Volltreffer und so einfach selbst zu machen! Von jetzt an wird es bei uns wohl häufiger am sonntäglichen Frühstückstisch heißen, haben wir noch was von dem superleckerem Knäckebrot?

 

 

 

 

 

Praxis-Check

Einen kleinen Fehler habe ich jedoch festgestellt: beim Käsekuchen-Rezept verlangt die Übersetzung nach Gelatinepulver mit Zitronenaroma. Was sich wie eine exotische Gelierhilfe anhört, entpuppt sich nach der Recherche bei mir als stinknormaler Zitronen-Wackelpudding, bei der Mengenangabe ist zu beachten, dass schon ein Beutel von 11,7 g für 500 ml Flüssigkeit reicht.

Fazit: Norwegen köstlich modern und mit einer exzellenten Führerin!

Ich gestehe, ich habe mich auf den zweiten Blick sehr heftig in dieses wunderschöne Norwegen Kochbuch verliebt. Die Küche ist traditionell, durchaus sperrig, im Winter werden dort schon mal gerne geräucherte Lammköpfe (Smalahove) serviert. Wenn es jemand gelingt, das so ansprechend, lecker und alltagstauglich für Nicht-Norweger zu präsentieren und ebenso der umgekehrte Weg funktioniert, der mit Kreativität und Pfiff Hamburger, Hotdogs & Wraps zu Neu-Norwegern macht, dann ist diese Bloggerin wirklich die neue kulinarische Stimme Norwegens. Nevada Berg erweist sich als kundige Repräsentantin und Botschafterin der modernen norwegischen Küche und punktet bei mir ebenso mit wunderschönen Fotos, die dezent und geschmackvoll jedes Kapitel einleiten und meine Sehnsucht nach unberührter Natur und Einsamkeit stillen. Schön war es dort und gut gegessen habe ich auch!

Herzlichen Dank für die Übersendung als Rezensionsexemplar!

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