Maria Schiffer: Eating with Africa

Maria Schiffer: Eating with Africa

Dorling Kindersley Verlag

Preis: 29,95  €

Wie kocht Afrika?

Worum geht’s?

Identität und Gemeinsamkeiten, lasst uns einfach mal in afrikanische Küchen schauen…

Afrika das ist eigentlich ein Kontinent mit 54 verschiedenen Ländern, die im Westen jedoch gerne wie ein gemeinsames Land wahrgenommen werden. Die Journalistin Maria Schiffer, deren Vater in Sambia ein kleines Waisenhaus und eine Farm betreibt, wollte diesem Kontinent gerne eine Stimme geben und entwickelte die Idee ein Kochbuch über diesen Kontinent zu veröffentlichen. Sie ist mutig gewesen und hat dieses Projekt zunächst aus eigener Kraft gestemmt, erst zum Ende ihrer Recherche- Reisen kommt ein Vertrag mit einem Verlag zustande. Der in diesem Fall ebenfalls sehr mutig war, Kochbücher sind ja eigentlich zum Kochen da, jedoch zeigen diese häufig eine komplett gestylte Welt, die mit der Realität in unseren Küchen überhaupt nichts mehr zu tun hat. Das ist bei diesem sehr interessanten Kochbuch anders, die Küchen in denen Maria ihre Protagonisten besucht hat, sind authentisch und es geht lebendig und realistisch zu.

Who accompany us to different African kitchens?

 

©Maria Schiffer

Maria Schiffer ist eine deutsch-amerikanische Reise- und Foodfotografin. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch Authentizität und einen Schuss Humor aus. Zwischen ihren Afrika-Reisen lebt und arbeitet sie in Berlin, wo sie hauptsächlich als redaktionelle Fotografin aktiv ist. Zu ihren Auftraggebern zählen renommierte deutsche Reise-, Lifestyle- und Food-Magazine wie „Der Feinschmecker“, „Merian“, oder „Stern“.

 

 

Was ist drin?

 10 mal Afrika, immer ganz anders aber immer sehr real……

 Afrika kommt im Kochbuch-Bereich praktisch nicht vor, wenn man von Büchern über die Küche Südafrikas und neuerdings sogar Äthiopiens absieht. In ihrem Bemühen um Afrika,  entwickelt sich bei Maria Schiffer schließlich die Idee, dass sich mit einem ehrlichen und authentischen Blick in die Küchen vieler Afrikaner sich für einen Kontinent, den wir seit Jahrzehnten ausblenden und gedanklich an die Seite schieben, mehr erreichen ließe, als wenn es wieder ein Bildband geworden wäre, der nach anfänglichem Interesse, schnell Gefahr läuft, im Bücherregal zu verschwinden. Es sollte kein normales Kochbuch werden, da war sich die Berlinerin schnell sicher. Obwohl, wenn ich darüber nachdenke, ist dieses Kochbuch vielleicht normaler, als andere Kochbücher….. Maria Schiffer ist keine Stylistin, sondern Fotografin, die bei jeder ihrer Recherchereisen in Malawi, Marokko, Namibia, Südafrika, São Thomé & Príncipe, Uganda, Madagaskar, Sambia, Äthiopien und Sierra Leone, viele  Kilometer zurück gelegt hat und dabei tausende von Fotos geschossen hat. Schiffer hat sich für den Alltag der Menschen interessiert und da gehört die Küche eben mit dazu, hier trifft man sich, um zu Kochen, zu reden, zu essen…..

Herausgekommen ist dabei ein Kochbuch einer Autorin, das Afrikanern aus allen Schichten in ihren Küchen bei der Essenszubereitung über die Schulter geschaut hat, sich für ihre Geschichten und ihr Leben aufrichtig und einfühlsam interessierte und so ein sehr persönliches und nicht klischiertes Bild Afrikas seiner Menschen und ihres Essens zeichnet.

Angefangen hat Maria Schiffer ihre Recherche zum Buch, die sie immer wieder unterbrechen musste, um in Berlin wieder dafür Geld zu verdienen, in Malawi, das auch das „Land am See“ genannt wird. Aber Malawi hat viele Beinamen und alle haben ihre Berechtigung. Malawi weiß die Journalistin interessanterweise zu berichten, ist abenteuerlich, erschwinglich, stressfrei und sicher für Reisende. Dank relativ guter Straßen erreicht man den Malawi-See ebenso gut wie die Berge. In Cape Maclear, einem Dorf nordwestlich der Monkey Bay am Ufer des Malawi-See lernt Maria Kilina eine junge Frau und ihre Familie kennen. Wie die meisten Menschen in Malawi besitzt Kilinas Familie ein kleines Haus und etwas Land, dort wird der heißgeliebte Mais angebaut und daneben wachsen Kürbisse. Kilinas Mutter Nasi, 52, kümmert sich um das Feld, das 45 Gehminuten entfernt ist. Ein Fahrrad wäre schön kostet aber 100 €, mit dem Verkauf von Feuerholz, dass Nasi dreimal die Woche frühmorgens in den Bergen sammelt, verdient sie in einem guten Monat etwa 14 €.

Maria Schiffer kocht außerdem in Südafrika mit den Winzerinnen Carmen Stevens und Rosa Kruger. Die farbige Önologin, Carmen Stevens aus Stellenbosch,  hat sich trotz schwieriger Start-Bedingungen, inzwischen mit denen von ihr kreierten Weinen sogar im Ausland einen Namen gemacht. Carmen ist in Belhar einem berüchtigten Vorort Kapstadts mit einer alleinerziehenden Mutter und zwei Geschwister aufgewachsen. Ihr Bruder wurde bereits mit 21 Jahren bei einer Schießerei auf der Straße erschossen.  Das Geld ihrer Mutter reichte meistens nicht bis zum Zahltag am Freitag, sondern war sehr häufig schon donnerstags aufgebraucht, so dass diese dann ihren Heimweg von der Arbeit, nur noch zu Fuß machen konnte. Nachdem Carmen als junge Frau einen Liebes-Roman gelesen hatte, der auf einem Weingut spielte, keimte bei der ebenso zierlichen wie energischen jungen Frau der Wunschtraum auf, es selbst zur Weinmacherin auf einem Weingut zu bringen. Nicht ganz einfach, denn sie wuchs im Apartheits-Regime auf, dennoch schaffte Carmen Stevens es als erste farbige Frau an der Weinakademie in Stellenbosch zu studieren. 1995 ein Jahr nach dem Ende der Apartheit und der Wahl von Nelson Mandela zum Präsidenten Südafrikas, macht Carmen ihren Abschluss und wird Südafrikas erste farbige Winzerin. „Ich musste mich beweisen, wieder und immer wieder, um etwas zu erreichen“, erinnert sich die aparte Frau. Als sie ihren ersten Wein für einen Wettbewerb einreichen will, bittet sie einen weißen Kollegen um seine Einschätzung. Mist lautet seine Antwort. Sie reicht den „Mist“ trotzdem ein und gewinnt ihren ersten Preis, das war 1997. Seit 2013 engagiert sich die erfolgreiche Winzerin und Mutter zweier Töchter in ihrer Heimatstadt Belhar, für ein Schulspeisungsprogramm, das mittlerweile 12.000 Kinder an neun Schulen täglich mit Frühstück und Mittagessen versorgt. Mit Maria hat diese ein Lammkaree mit Gemüse zubereitet.

Rosa Kruger, die bekannteste Winzerin Südafrikas, ist eine Ur-Ur-Enkelin von Paul Kruger dem früheren Präsidenten und hat ihn ihrem Leben schon vieles gemacht, sie war politische Journalistin, Anwältin und ist heute ohne spezielle Ausbildung eine der anerkanntesten Expertinnen für alte Weinreben. „Jeder hat einen Platz verdient, das ist ihre feste Überzeugung und deshalb engagiert sie sich für Chancen-Gleichheit in Südafrika. Nur so hat dieses Land die Chance sich weiter zu entwickeln und sich nicht in Wut und Gewalt aufzureiben, das leuchtet jedem ein, der schon mal dort war.

© Dorling Kindersley Verlag, Fotos, Texte und Rezepte: Maria Schiffer

Rosa steuert einen Lammeintopf mit Wein und Gartengemüse bei, den wir probiert haben und der uns begeistert hat. Die aufrechte Haltung dieser Rezept-Geberin, begeistert mich ebenfalls, weil ich selbst schon zweimal dort war und dieses wundervolle Land und vor allem alle seine Menschen eine Zukunft verdient haben.

Florence Turii kommt aus Okakarara in Namibia und gehört zum Stamm der Herero, die seit Jahrhunderten Viehzucht betreiben. Ihre Familie bewirtschaftet eine Farm, auf der sie Gemüse und Mais anbauen. Nahe beim Haus stehen 20 Kühe, die von Efet, der Mutter von Florence, mehrmals täglich gemolken werden. Als verheiratete Herero-Frau macht sie das stets mit einer traditionellen Kopfbedeckung, die stilisierte Kuhhörner darstellt. Von dieser Art Kopfschmuck hat Efet Gutare ca. 20 verschiedene, die alle auf ihre dazu passende 20 Kleider abgestimmt wurden. Der mitleidige Blick auf die armen Afrikanerinnen ist also fehl am Platz, dort werden statt Schuhe einfach nur Hüte geschoppt.  Die Zubereitung der traditionellen Sauermilch ist in Namibia  die Aufgabe der Frau des Hauses. Die frische Milch wird in einer abgedeckten Kalebasse zwei bis drei Wochen in einer kühlen Ecke des Hauses fermentiert. Efet erklärt Maria wie man ein traditionelles namibisches Schmalzgebäck herstellt, die sogenannten fat cakes, die gerne zusammen mit Sauermilch genossen werden.

Außerdem probiert & genossen:

Suppe aus Hülsenfrüchten (Bissara aus Marokko)

© Dorling Kindersley Verlag, Fotos, Texte und Rezepte: Maria Schiffer

 

Super lecker und verblüffend einfach – so geht real Cusine! P.S. Den Tipps von Maria bin ich gerne gefolgt, bei mir durfte es auch von den Gewürzen ein bisschen mehr sein…

 

 

 

 

 

Mariniertes Hähnchen madagassischer Art

© Dorling Kindersley Verlag, Fotos, Texte und Rezepte: Maria Schiffer

Dieses Gericht lebt – wie vieles – was unkompliziert auf den Tisch kommt, von der Qualität seiner Zutaten – bitte auch bei den Gewürzen nicht sparen oder gleich selber mahlen.

 

Dieses Mal bei uns ohne den „Street-Style“ mit selbstgemachter Kokosnuss-Milch, doch trotzdem mit Wonnen verputzt.

 

 

Fazit: Eating with Africa, that is the difference!

Maria Schiffer ist weder Köchin noch Stylistin, sondern eine Journalistin mit Abenteuerlust und dem Wunsch Afrika mit seinen Menschen, echten Geschichten und Rezepten zu zeigen. Jedem von ihr besuchtem Land hat sie einen Steckbrief vorangestellt, der Gemeinsamkeiten und Unterschiede deutlich herausstellt. Ein Kontinent mit 54 ganz unterschiedlichen Ländern hat es verdient, dass wir uns wirklich mit ihm und seinen Bewohnern beschäftigen, warum das also nicht mal in der Küche bei einem gemeinsamen Essen tun. Ein interessanter Ausflug und sicherlich, dass authentischste Kochbuch das in meiner Frankfurter Küche zu Gast war und das mich ebenfalls tief berührt hat. Für Neugierige eine prima Möglichkeit diesen Kontinent realistisch und genussvoll zu begegnen. Das meiste funktioniert recht gut in einer europäischen Küche, wenn am offenen Feuer gekocht (Maismehl-Bananen-Kuchen aus Malawi) wurde, hat Maria Schiffer jedoch auch Grenzen erkannt. Das gehört dazu nicht nur in Afrika, sondern ebenfalls bei uns, das wir ein Rezept unseren Gegebenheiten anpassen.

5 Gedanken zu “Maria Schiffer: Eating with Africa

  1. Das hört sich faszinierend an, liebe Ira, denn wie Du auch erwähnst, wissen viele Menschen wenig über diesen riesigen, vielfältigen Kontinent, und noch weniger über seine verschiedenen Küchen. Es wäre sicherlich unmöglich, allen Kochkulturen in allen Ländern gerecht zu werden, aber dies scheint ein guter Anfang zu sein.

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    1. Och, da bin ich quasi darauf gestoßen worden… Ich war allerdings zweimal in Südafrika und habe sogar mal eine Reit-Tour durch das größte Homeland (Transkei) gemacht, man saß am Abend am Lagerfeuer hat morgens den Walen aus der Freiluft-Dusche zugeschaut und wir waren alle sehr angetan und haben uns mitnehmen lassen von den Menschen und ihren Problemen. Davor waren wir nur in Kapstadt und an der Garden-Route unterwegs und waren, wenn wir auf Weiße trafen sehr durcheinander, warum man den farbigen Mitmenschen nicht ihre eigene Zukunft zutraut. Da kamen Andeutungen, die man als Europäerin wirklich nicht gerne hört. Um es kurz zu machen, diese Menschen brauchen eine eigene Stimme, die ihnen einen Perspektive eröffnet.

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