Ivana Sanshia Ströde: Südafrika

Ivana Sanshia Ströde: Südafrika – Das Kochbuch:
Biltong, Bobotie und Chakalaka: über 90 authentische Rezepte für zu Hause

Fotos: Janina Lechner

Edition Michael Fischer

Preis: 30,– €

Der Geschmack Südafrikas

Südafrika ist eines der landschaftlich faszinierenden Länder der Welt: wilde Tiere, wunderschöne Landschaften wie die sanften Grashügel des Eastern Cape, traumhafte Strände und Küstenstädte wie Kapstadt mit einer sehr wechselvollen Geschichte, die sich auch architektonisch im Stadtbild manifestiert. Zweimal war ich selber dort die Fotos oben und unten dokumentieren die Stationen unserer Reisen, die sich einmal auf Kapstadt und die Garden-Route beschränkten und beim zweiten Mal ging es von Durban in die Transkei, eines der größten ehemaligen Homelands Südafrikas, wo wir mit einem lokalen Führer eine wunderschöne Reit-Tour gemacht haben. Wer sich wie ich für Länderküchen interessiert freut sich sicherlich darüber, dass in unsere Küchen endlich der Duft der „Regenbogen“-Nation einzieht, wer wirklich etwas vom echten Südafrika sehen will, dem empfehle ich aber gerne auch die besagte Reit-Tour durch die Transkei (Heimat der Xhosa und des berühmtesten Mann’s Südafrikas Nelson Mandela), die für uns ein unvergessliches Erlebnis war. Ich wollte eigentlich immer mal wieder hin, glaube aber das kann ich für die nächsten 2 Jahre wohl knicken. Gut dann muss Südafrika, besser gesagt seine leckere und sehr diverse Küche eben zu mir nach Frankfurt kommen…..

Wer ist die Autorin?

Es gibt eine Sache, die alle Menschen verbindet meint Ivana Sanshia Ströde, egal welcher Religion, Abstammung oder Kultur sie sind: Das Essen. Als Kind einer indisch-südafrikanischen Mutter und einem deutschen Vater lernte Ivana in Ihrer Kindheit, dass Essen etwas ganz Besonderes und Vielfältiges ist. In Südafrika hat sie Ihr City and Guild Diplom abgeschlossen und hat in mehreren Sterne-Küchen gearbeitet. Sie ist auch die Gewinnerin des südafrikanischen Junior Chef Kochwettbewerb. Mittlerweile ist sie eine Chefköchin, Freelance Köchin, Kochkurs-Leiterin und Autorin.

Was ist drin?

 Sie möchte vielen Ihr Land kulinarisch nach Hause bringen…..

 Ivana Sanshia Ströde wünscht sich zu Beginn ihres Kochbuchs, dass es möglichst viele Menschen erreicht und ihnen Lust macht, sich mit Südafrika lecker an den Tisch zu setzen. Entsprechend sind die Rezepte so ausgelegt, dass möglichst viele dabei sein können und die Zutaten-Beschaffung trotz der vielen Kilometer, die zwischen uns und Südafrika liegen trotzdem gut funktioniert.

Alle haben was mitgebracht…..

Die Vielfalt der südafrikanischen Küche versteht man vielleicht nur, wenn man sich vor Augen führt, wer schon alles dort war und was das an Einflüssen für diese Küche bedeutet hat: Da waren zunächst die die nomadischen Bandu-Stämme, die aus dem Norden des Kontinents nach Südafrika einwanderten und sich neben der Viehzucht um den Anbau verschiedener Getreide wie Mais, Hirse und Gemüse wie Kürbis (Kürbissuppe mit Speck, Seite 46 oder Kürbisküchlein mit Karamell, Seite 192) und Süßkartoffeln bemühten. Übrigens ist ein grober Maisgries mit Bohnen (Samp & Beans) nicht nur das Lieblingsgericht von Nelson Mandela, sondern ebenfalls für mich sehr, sehr verlockend und wandert auf die Nachkochliste. Verderbliche Fleischteile und Organe wurden von den Nomaden sofort verzehrt, und die größeren Stücke gehärtet, getrocknet und in Streifen geschnitten, was zur einem weiteren südafrikanischen Nationalgericht (Biltong) führte. Hier nicht im Backofen oder im Automaten getrocknet, sondern einfach und unkompliziert am Fleischhacken. Das dafür optimale Temperaturen (6 -8 °C) erwünscht sind und man eigentlich eine dunkle und kühle Speisekammer oder einen Vorratskeller braucht, verschweigt das Rezept nicht.

Ohne Grill nichts los in Südafrika!

Die Regenbogen-Nation liebt die die Zubereitung von Essen über dem offenen Feuer, in Südafrika nennt man das „Braai“, was ein nationales Kulturgut ist. Südafrikaner versammeln sich gerne und regelmäßig um den Grill, auf denen mehrheitlich Fleisch und Würste vor sich hin brutzeln. Zu einem echten „Braai“ gehören in jedem Fall die typische „Boerwors“ dazu, das sind selbstgemachte Bratwurstschnecken, die mit Koriander, Pfeffer, Nelken Piment und Malzessig gewürzt werden. Ivana Sanshia Ströde verzichtet auf die Zubereitung im Fleischwolf, die Profis wählen würden, das Rezept geht von einer ganzen Grill-Crowd aus.  Wer sich schon die Mühe macht, möchte sicherlich ebenfalls den Tiefkühler mit leckerer Bratwurst gerne bestücken.

Nächstes Stichwort: Südafrika ist auch Indien abroad

Ivana Sanshia Ströde ist in Südafrika aufgewachsen und hat einen deutschen Vater und eine südafrikanische Mutter mit indischen Wurzeln. Kein Wunder, dass sie der feurigen Durban-Küche ein eigenes Kapital einräumt und in diesem zu Currys, Biryani, Durban Buny Chow (das ist quasi ein Curry im Brot to go) einlädt. Während des Apartheit-Regimes kochten einige Restaurant-Besitzer gerne für die indische Community, die natürlich nicht im Restaurant gesichtet werden durfte, aber ihr Curry zum Mitnehmen in einem dicken Kanten ausgehöhltem Weißbrot für zu Hause erhielt. Sieht toll aus und hört sich richtig clever an!

Kap-Malaien, Portugiesen, Portugiesen, Franzosen und Engländer, die Küche Südafrikas hat viele Väter ……

Meine Befürchtung, dass was auf der Strecke bleiben könnte, zerstreute sich als ich mir das Inhaltsverzeichnis anschaute…. Von „Appetitanregern“ (Samoas mit und ohne Fleisch und Fleischbällchen mit Pfirsich-Chutney) über „Lekker Traditionell“ (Langsam geschmortes Karoo-Lamm oder Peri-Peri-Garnelen-Spieße), bis hin zum großen Grill-Abend (Braai) und Ausflügen in die feurige indische Küche Durbans (Durban-Lamm-Curry) und die Kap-Malaiische Küche (vegetarisches Bobotie mit Linsen) wird von Ivana Sanshia Ströde  glücklicherweise Südafrika kulinarisch komplett und sehr appetitlich bespielt.

Ergänzt wird dieses Potpourri kulinarischer Versuchungen mit südafrikanischen Beilagen: Chakalaka – ein würziger Salat, der die beliebte Boerewors normalerweise begleitet oder z. B. mit Pap-Pommes mit Curry-Mayo. Es gibt außerdem leckere Chutneys, Saucen und Pickles und Salas (Pfirsich-Chutney, Relish mit Trauben & Tomaten) Bei Dessert & Gebäck werden wir mit modernisierten und authentischen südafrikanischen Klassikern gelockt: Malven-Pudding, frittierte Zöpfe = Koeksisters. Ebenso hat das schöne Kochbuch Getränke mit und ohne Alkohol (z. B. einen Milch-Shake bestehend aus Vanilleeis,Sahne, Whisky u. Zartbitterschokolade und Ingwer-Bier) im Angebot.

Innere Werte und Praxis-Check:

Styling und die Fotos kommen von Janina Lechner und die Fotos passen wunderbar zum schwarzen Ethno-Layout. Den traditionellen Rezepten wie Biltong oder Boerewors hätten durchaus ein bisschen mehr Raum und step-by-step Fotos vertragen, denn Layout ist wichtig, aber es ist nicht alles. Leider gehöre ich bei diesem Anspruch offenbar zur schweigenden Mehrheit. Wen wundert es dann,  das Autoren und Verlage sich häufig darauf beschränken, pro Seite 1 Rezept.

Für die Frucht-Chutneys getrocknete Ware zu verwenden, führt sicherlich geschmacklich zu optimalen Ergebnissen, die Mengen sind mir persönlich jedoch für eine Premiere zu „big“ und die Personenangabe irritierte mich…. Im Ergebnis bedeutet dies für das Blatjang (ein Pfirsich-Aprikosen-Chutney) 3 Gläser mit 500 g, das macht für mich jedoch wenig Sinn und korrespondiert überhaupt nicht mit der Personenangabe für 4 Personen im Buch und den Preisen für qualitativ hochwertige getrocknete Pfirsiche. Trotzdem das sind letztendlich alles Details, über die man locker hinweg sehen kann, wenn sonst alles stimmt! Über das Rezept für ein kleines Glas mit Durban-Masala-Mix habe ich mich dagegen sehr gefreut und finde es sehr authentisch, wie viele andere Rezepte auch. War sogar schon zweimal dort, konnte diese Reisen leider bislang nicht mit einem schönen Kochbuch zur südafrikanischen Küche krönen.

Beim Malven-Pudding, den ich nicht probiert habe, fällt mir auf, dass sehr viel Zucker im Verhältnis zur Menge des Mehls eingesetzt wurde. Funktioniert lt. Foto offensichtlich ist nur für meinem ganz persönlichen Geschmack jedoch einfach zu süß.

Probiert & Verputzt:

Traditionelles Bobotie

© EMF/ Janina Lechner

Lecker war’s und eine tolle Erinnerung an zwei superschöne Urlaube in Südafrika. Und wenn ich Sehnsucht nach Kapstadt habe, werde ich immer wieder gerne dieses Rezept als authentisches kulinarisches Trost-Pflaster einsetzen.

 

 

 

 

Gelber Gewürzreis

© EMF/ Janina Lechner

 

Die perfekte Begleitung für ein Bobotie,  zusammen mehr als ein leckeres kulinarisches Trostpflaster für Fernweh in Corona-Zeiten!

 

 

 

 

Sambal mit Tomaten & Zwiebeln

© EMF/ Janina Lechner

Die geballte Würze von Bobotie und Gewürzreis rufen geradezu nach einem frischen Begleiter der Akzente setzten kann. Und da ist er auch schon in Form eines herrlich süß-säuerlichen Sambals.

 

 

 

 

 

Fazit: Authentisches südafrikanisches Kochbuch, das auch vegetarisch kann!

Südafrika im Kochbuch, das haben sich noch wenige Verlage getraut. EMF hat eine landeskundige Autorin und Köchin gefunden, die fast alles richtig macht. Was unbedingt voll überzeugt sind die Auswahl der Rezepte, nicht ganz einfach weil die südafrikanische Küche total Fleisch betont ist und wir Europäer essen inzwischen sehr gerne vegetarisch.

So was so hinzubekommen, dass es authentisch bleibt und einfach ein bisschen besser zu unseren Vorlieben passt ist mit Südafrika als Hauptdarsteller in der Küche nicht einfach, hier jedoch sehr gut gelungen. Allein mit tollen Rezept-Fotos, schöner geschmackvoller Ausstattung oder tollen Landschaftsfotos kriegt man mich persönlich nicht überzeugt. Wenn da was zusammen geht, noch mal besser!

Hier passt sehr viel zusammen, weil dahinter ein gutes Konzept, authentische Rezepte und eine tolle Ausstattung stehen.