Täglich Früchte

Hugh Fearnley-Whittingstall: Täglich Früchte

Fotos: Simon Wheeler

AT Verlag

Preis: 28,– €

An apple a day keeps the doctor away!

Worum geht’s?

Die 650 g an frischem Obst und Gemüse, die die deutsche Gesellschaft für Ernährung als Tagesdosis empfiehlt, sind für sehr viele Menschen kaum zu schaffen, aktuelle Studien haben dies sogar noch einmal nach unten korrigiert und halten auch schon 400 g als ausreichend, um sich vor gefährlichen Herz- und Kreislauferkrankungen zu schützen. Ebenfalls nicht ganz einfach, wenn man bedenkt, dass bei fünf Portionen täglich, die die Forscher als günstig ansehen, eine Portion zwischen 80 und 130 g wiegen sollte, mit einem Apfel pro Tag also definitiv nicht zu schaffen. Smoothies können eine Alternative sein, aber mal ehrlich, wer schnippelt und püriert schon mit Elan in aller Herrgottsfrühe, wenn wir es gerade mal so aus dem Bett geschafft haben – ich definitiv nicht! Smoothies aus dem Supermarkt kommen mir aber deshalb nicht ins Haus, ich weiß schließlich gar nicht was da alles drin ist?

Wer ist der Autor?

Hugh Fearnley-Whittingstall ist eine Institution im britischen Fernsehen, in England höchst populärer Food-Journalist und Buchautor, der sich für biologische, saisonale und regional nachhaltig produzierte Lebensmittel einsetzt. Er betreibt das »River Cottage« in Devon mit Restaurant, Kochschule und großem Nutzgarten. Bisher sind acht sehr erfolgreiche Bücher von ihm erschienen. In diesem Buch möchte er uns gerne dafür begeistern, Früchten einen festen Platz bei unserer Ernährung und in unserer Küche anzubieten, um das Missverhältnis zwischen gesundheitlich sinnvollem und Realität nachhaltig zu beeinflussen. Mal schauen, ob er da an den richtigen Schrauben drehen kann?

Was ist drin – oder dieser Autor ist vielseitig und kann auch simple!

 Beim Blick auf den Titel hatte ich noch Zweifel, ob dieser Hugh sonst noch was das wirklich drauf hat und seine Ankündigung in die Tat umsetzten kann: Er blickt mich mit verschränkten Armen mit einem Apfel auf dem Kopf irgend verpeilt und skeptisch an? Das kann ja lustig werden, denke ich mir! Dieser Mann ist Brite, da gehört Understatement und Humor praktisch zu DNA. Ich lerne recht schnell, dass scheint irgendwie sein Markenzeichen zu sein, ein bisschen arglos in die Welt zu schauen, rein optisch könnte man ihn eher für einen Lehrer mit missionarischem Öko-Eifer halten, dennoch dieser Autor hat sich was vorgenommen und ihm gelingt die simple, unaufgeregte Alltagsküche mit Twist, das ist sein Tool-Set bei diesem Thema und seiner Ankündigung, ein schlagendes Argument, was bei mir für Begeisterung sorgt:

Ganze 160 Rezepte für Obst pikant oder süß in den Kapiteln „Sommerbeeren“, „Steinobst“, „Äpfel“, „Birnen & Quitten“, „Wildfrüchte“ und auch die Welt der weitgereisten Protagonisten, wie Feigen, Melonen, Trauben, Zitrus- u. tropische Früchte ist ihm nicht fremd. Im Bereich der „Spezialitäten“ wagt er einen Blick ins Früchte-Universum und macht uns vieles schmackhaft, was uns nur im Urlaub und im Wald schöne Augen macht, Maulbeere, Kaki & Co. und auch die Beeren des Walde lassen hier grüßen.  Er erklärt uns wie wir sie  behandeln sollten und ermuntert uns auch mal selbst kreativ zu werden und diese einfach mutig bei seinen Rezepten gegen etwas anderes auszutauschen. Schön, dass diesem Gentleman und schrägem Typen, den ich gerne als Missionar des Geschmacks mit einem Händchen für vieles bezeichnen möchte, zu Obst in jeder Geschmacks-Variante in der Alltags- u. Familienküche, aber auch wenn Gäste mit am Tisch sitzen jede Menge Spannendes einfällt.

Neue Optionen, der Blick über den Tellerrand…

Der Autor ist ein unerschrockener, sehr kreativer britischer Koch und diese Nation hat jede Menge Erfahrung mit Commonwealth Kultur, da mischt man auch gerne „Sardinen mit Pflaumen und Soja-Sauce“, oder „Lammschmorbraten mit würziger Aprikosen-Sauce“. „Pflaumen-Zwiebel-Salat mit Chili, Limette und Minze“ kann mich aus seiner Küche genauso begeistern wie seine „Bratwurstäpfel“, die ich sicherlich auch meinen kleinen Neffen sehr gut servieren kann. „Geschmorte Quitte mit Kräutern“, herrlich einfach, die werde ich im Herbst gerne zu Lammkottelet servieren, ich suche schone so lange nach kreativen und einfachen Rezepten, um dieses fast vergessene Obst endlich köstlich und vielfältig wieder in meiner Küche zu etablieren. Der Mann denkt als ausgewiesener „Öko“ mit missionarischem Ansatz natürlich auch an Rezepte wie „eingelegte Senfbirnen“ und „Schlehensirup“ und hat mich damit mit meinem Hamster-Gen voll auf seiner Seite.

Zettel über Zettel wo anfangen, wo aufhören?

 Understatement statt Größenwahn – oder verpeilt ist so sympathisch!

 Ich hätte es Ihnen nicht zugetraut Mr. Fearnley-Whittingstall, dass Sie mich mit einer sehr großen Kochbuch-Bibliothek noch derart in Erstaunen und grenzenlose Begeisterung versetzen würden. Verzeihen Sie, aber das war nicht zu erwarten bei dem skeptischen Blick mit Milch-Bubi-Image. Wir in Deutschland zappen uns durch Koch-Shows, wo Köche die Weisheit mit dem Löffel gefressen haben, Zweifel und Skepsis sind denen oft fremd und mit Ihrer Kreativität können es auch nicht alle aufnehmen. Wir lieben Siegerposen und markige Sprüche, die uns immer im besten Licht erscheinen lassen, dabei vergessen wir vielleicht das es nicht um Komplexität, sondern um Kreativität in der Küche geht, da können wir durchaus noch was von Ihnen lernen, denn Sie beherrschen diese Disziplin aus dem ff und können uns noch viele spannende Momente bereiten, ohne dass wir dabei gleich aufs äußerste herausgefordert werden was Technik und die Anzahl der Zutaten angeht. Mein Herz haben Sie erobert, aber viel wichtiger ist, ich möchte Sie in meiner Küche nicht mehr missen, denn ich brauche kreative Rezepte, die unaufgeregt und einfach mit wenigen Zutaten tagtäglich funktionieren. Ich habe es deshalb schnell gelassen, in Ihrem Buch, die Rezepte zu markieren, die ich nachkochen möchte, es sind einfach zu viele! Ihr schönes Kompendium zum Thema Obst bleibt bis auf weiteres in meiner Küche, ich lasse Sie da erst wieder raus, wenn ich ganz viele Ihrer Rezepte nachgekocht habe und das dauert fürchte ich, noch ziemlich lange. Ich bin bei Weltverbesserern ja ein wenig skeptisch, aber Ihnen nehme ich ab, dass Sie es schaffen, dass Früchte ein fester Bestandteil in unserer Küche werden und das nicht nur bei den süßen Genüssen.

Fazit: Dieses Buch hat sich in meiner Küche einen Stammplatz erobert! Wer es schafft mit einer übersichtlichen Anzahl von Zutaten und wenig Komplexität mir jeden Tag wieder solche Lust auf Rezepte mit Obst zu machen, dem muss ich uneingeschränkte Anerkennung zollen. Das versuchen viele, die meisten bleiben dabei beliebig oder können die eierlegende Wollmilchsau nicht liefern, weil sie nur mit Wasser kochen, bei diesem Herrn ist jede Menge Kreativität dabei, das überzeugt mich genauso wie sein unkomplizierter Koch-Stil. Vegetarier sind hier offenbar nur die zweite Wahl, viele der vorgeschlagenen süß und salzig Kombinationen funktionieren nur mit dem Kontrast Fleisch und Obst. Das ist mir auch schon bei einer weiteren Rezension zum Thema im letzten Jahr aufgefallen.

Simple

Diana Henry: Simple

ars Vivendi Verlag

Preis: 29,90 €

Tasty – oder ein Kochbuch, wie ich es mir wünsche!

 Was erwartet uns in diesem Buch?

– oder ein Kochbuch mit viel Inspiration!

 Laut Nigella Lawson und die sollte sich ein bisschen auskennen, schließlich ist sie eine der beliebtesten Kochbuch-Autoren weltweit und steht für einen unkomplizierten Umgang mit Produkten und Rezepten, handelt es sich hier um ein Kochbuch, wie sie es sich wünscht: Inspiration, kluge Unterhaltung, großartiges Gute-Laune-Essen und wunderschöner Schreibstil werden hier geboten.

Liebe Nigella möchte ich rufen, Du hast Recht, mir geht das genauso wie Dir! Eigentlich beginne ich eine Rezension meistens anders: Üblicherweise heißt diese Rubrik in meinen Rezensionen „Worum geht’s?“. Hier musste ich einfach anders anfangen, das Buch heißt „Simple“, übrigens 1: 1 vom englischen Originaltitel übernommen und die Autorin erklärt, dass sie es an der Zeit fand, nach einem Vorgängerbuch in 2004, was übrigens „Cook Simple“ heißt und bislang nicht übersetzt wurde, das Thema einer einfachen, aber dennoch raffinierten Küche noch mal aus der Perspektive von heute anzugehen.

Wie bei uns allen hat sich in diesem doch recht langen Zeitraum genauso bei Diana Henry einiges dramatisch verändert: Die Kinder sind größer geworden und manche Prioritäten haben sich verschoben, zudem ist das Angebot an spannenden Zutaten, frischem Obst/Gemüse und Kräutern in Supermärkten und bei Discountern stetig gewachsen. Was sich nicht geändert hat ist, die einen erleben kochen als Muße, sind mit Hingabe im Supermarkt und auf dem Wochenmarkt unterwegs und ständig bereit, etwas Neues auszuprobieren und für die anderen ist kochen eine lästige Alltagspflicht.

Wer ist die Autorin?

 Diana Henry, in Nordirland aufgewachsen, ist eine der beliebtesten britischen Food-Autorinnen. Sie hat eine wöchentliche Kolumne im Sunday Telegraph, schreibt Kochbücher und ist bei BBC Radio 4 regelmäßig auf Sendung. Für ihre journalistische Arbeit und ihre Bücher erhielt sie zahlreiche Preise.

Was ist drin?

Ein Blick ins Vorwort und ich erkenne, hier bin ich richtig!

So nun will ich es aber wissen, haben Diana Henry und ich dieselbe Wellenlänge? Ich werfe schnell einen Blick ins Vorwort und da finde ich doch, was mich interessiert: Bei ausgefallenen Zutaten schreibt die Autorin gibt es ebenso viele Leute, die ihr schreiben, die Raffinesse wollen und andere die das abschreckt, weil entsprechende Einkaufsquellen fehlen. Dina Henry hat sich für Spannung auf dem Teller entschieden, ihr ist die Überraschung wichtig, Pfeffer und Salz kennen wir schon und auch Chia-Samen hat der Lieblings-Discounter inzwischen im Programm. Ich fühle mich bei ihr damit gut aufgehoben. Ich lebe seit mehr als 25 Jahre in einer Großstadt. Raffinesse auf dem Teller ist mir wichtig und war mir immer wichtig, denn ich esse aus Leidenschaft und nicht nur um satt zu werden. Ich bin regelmäßig bei meinem marokkanischen Metzger, im türkischen Laden wegen der tollen Fischtheke, aber ebenfalls mehrmals wöchentlich im Supermarkt um die Ecke und beim Discounter. Ich kaufe alles da, wo ich es in bester Qualität bekomme und erledige sowas gerne auf dem Heimweg und manchmal in der Mittagspause. Jetzt werden vielleicht viele sagen, na klar, aber was mache ich auf dem Dorf? Geht mir nicht anders: Meine Wochenenden verbringe ich in einem kleinen Hunsrück-Dörfchen, ohne Supermarkt, ohne Bäcker, ohne Tante Emma. Kräuter habe ich zum Teil im Garten, aber ich nehme regelmäßig Koriander, Minze und einiges andere mit und verbringe trotzdem nicht jede Mittagspause beim Lebensmitteleinkauf. Ich habe durch gute und inspirierende Kochbücher – wie dieses von Dina Henry – vor allem eins gelernt, nämlich mutig zu improvisieren, ein bisschen zu planen und vor allem die Speisekammer und den Gewürzschrank gut zu bestücken. Diana Henry, versteht es exzellent Gewohntem eine besondere Note zu geben, ohne dabei so komplex zu werden wie es z. B. der britische Fernsehkoch Yotam Ottolenghi tut, genau deshalb bin ich bei ihr goldrichtig! Simpel kochen heißt für mich lecker kochen, am Besten mit einer überschaubare Anzahl von Zutaten (aber es dürfen sehr gerne mehr als 6 sein), die miteinander harmonieren und mir im Besten Fall eine neue Welt eröffnen, aber die mich im schlechtesten Fall nicht zu Tode langweilen. Kochbücher sind für mich Ideengeber, die ich nicht missen möchte, weil sie eine willkommene Abwechslung zur Alltagsküche sind und mir den Zugang zu ganz neuen Aromawelten eröffnen.

Diese Dame lässt sich gerne inspirieren und möchte uns überraschen!

 Diana kocht britisch, ist aber vor allem eine passionierte Rezeptsammlerin und immer auf der Jagd nach dem außergewöhnlichem Kick, ohne es mit der anstrengenden und selbstverliebten Kochweise eines Spitzenkochs aufnehmen zu wollen. Hier geht es um Rezepte mit Pfiff und Twist für Eier, Salate, Toast, Hülsenfrüchte, Pasta, einfaches aus dem Ofen, Kotelett & Würste, natürlich Hähnchen, (denn wir haben es bei ihr mit einer Hähnchenexpertin par excellence zu tun), Gemüse, fruchtige Desserts und Süßspeisen.

Weltweite Beutezüge, immer auf der Suche nach Spannung auf dem Teller

 Die Rezepte von Frau Henry zeigen wie sehr sich unsere Küche und Geschmack in den letzten Jahren verändert haben, Gemüse, Reis, Hülsenfrüchte und Getreide fristen nicht mehr nur ein langweiliges Schattendasein als Beilage, sondern dürfen auf der Bühne glänzen, sie geht dabei sozusagen auf die globale Pirsch und leiht sich von Mumbai bis nach Marrakesch alles was ihr spannend erscheint und uns wirklich versteht zu überraschen. Ebenso wagt sie mit Kümmel, Buttermilch und Dill einen Ausflug in die osteuropäisch/skandinavischen Küchentraditionen und auch Korea und die chinesische Provinz Sichuan haben es ihr in der Küche angetan.

Kostprobe gefällig? – oder wie wäre es mit….

Persisch inspirierte Eier mit Datteln und Chili

Gebratene Gewürzkarotten mit Granatapfel und Avocado

Karotten-Humus mit Ofentomaten & Harissa-Joghurt

Mumbai Toasties

Ofenauberginen mit Kreuzkümmel, Kichererbsen, Walnüssen & Datteln

Einfaches Dal aus roten Linsen und Kürbis

Türkische Pasta mit Feta, Joghurt & Dill

Risotto mit Eier & Speck

Lachs & Gurke mit Misodressing

Brasse gefüllt mit Walnüssen & Granatapfel

Schweinekoteletts mit Senf & Kapern

Türkisch gewürztes Hähnchen mit Petersilien-Salat

Tims Parmesan-Hähnchen

Blumenkohl aus dem Ofen mit spanischen Aromen

Salzige Ofenkartoffeln mit Joghurt

Gebackene Birne mit Lorbeer & Marsala

Streuselkuchen mit Rhabarber & Himbeeren

Hauptsache ein paar Dosen sind im Haus……

Ein weiteres Credo der Autorin sind nicht Kaviar & Co, sondern Dosenware, mit weißen Bohnen und Thunfisch aus der Dose zaubert sie so etwas herrliches wie ein bretonisches Gratin. Sie empfiehlt es uns ihr gleich zu tun und die Speisekammer mit Konserven-Dosen zu schmücken, das sieht nicht nur schön bunt aus auf den Regalbretter, sondern garantiert nach Feierabend auch das eine oder andere Vergnügen auf unserem Teller und das so unkompliziert wie möglich.,

Keep it simple – oder die Tische müssen sich nicht vor Köstlichkeiten biegen!

Die Autorin ist keine Freundin komplexer Speisefolgen und sie rät zur Einfachheit, die Vorspeise weg lassen und einfach ein Hauptgericht mit einem nicht zu komplizierten Dessert servieren. Wenn es doch mal vorweg was sein soll, hat sie leckere und einfache Inspirationen parat, die man nach Gusto und Geschmack ändern kann, manchmal tun es aber genauso Oliven, Käse & Co. Sie spricht hier aus Erfahrung und weiß zu erzählen, dass ihr übergroßer Wunsch die Eltern ihres Partners bei der ersten Esseneinladung zu beeindrucken, darin geendet hat, dass sie sich dabei beim Handtieren mit verschiedenen heißen Pfannen die Haare versenkt hat und dieser angebrannte Geruch fortan über dieser Einladung schwebte. Wir sehen also, wir haben es mit einer ambitionierten Autodidaktin zu tun und nicht mit einem selbstverliebtem Fernsehkoch.

Fazit oder für wen ist das was?

Wenn, Ihr Überraschungen und Raffinesse beim Kochen liebt, liegt Ihr mit Simple von Diana Henry goldrichtig! Wem es ausschließlich um langweilige Ratzfatz-Küche geht und wer partout möglichst alle Zutaten im Supermarkt um die Ecke kaufen möchte, ist hier falsch, Spaß und Muße beim Kochen kann ebenfalls nicht schaden, obwohl die Autorin sehr viel Händchen beweist, große Komplexität, wie sie bei Spitzenköchen üblich ist, bei der Zubereitung vermeidet und jede Menge Tipps für Einkaufsquellen und eine intelligente Vorratshaltung zu geben weiß. Mir gefällt das Buch super und ich würde mir natürlich wünschen, dass Ihr ebenso für Abenteuer am Herd und auf dem Teller offen seid. In diesem Sinne: Let’s get tasty! Ich bin dabei, Dina Henry auch und Ihr?

Herzlichen Dank für die Übersendung eines Rezensionsexemplars.

 

 

Blumenkohlgratin

© Erik Olsson
© Erik Olsson

Quelle: Magnus Nilsson: Nordic Kochbuch

Phaidon by Edel

Preis: 39,95 €

Dieses Gericht kann man als Beilage zu einem Hauptbericht oder einfach nur mit etwas Aufschnitt und einem kleinen Beilagensalat servieren. Ich liebe aber auch ein paar Salzkartoffeln dazu. Leckere Alltagsküche, zudem kindertauglich, als Kind habe ich dieses Gericht wirklich geliebt. Danke Magnus, dass Du mich wieder zu den einfachen aber guten Klassikern zurückgeführt hast! Das werde ich jetzt doch mal wieder öfter auf den Tisch bringen, schöne Abwechslung und vor allem echtes Seelenfutter, perfekt für die Jahreszeit. Frisch geriebener Muskat muss aber für mich in jedem Fall sein, gerne auch reichlich!

 Zutaten:

800 g Blumenkohl, geputzt, in Röschen

½ Rezept Béchamelsauce (Rezept siehe unten) dabei die Hälfte der Milch durch Sahne ersetzen

100 g würziger Hartkäse, fein gerieben

1 Eigelb

frisch geriebene Muskatnuss, nach Belieben Salz und weißer Pfeffer

Einen großen Topf Wasser zum Kochen bringen. Den Blumenkohl zufügen und kurz blanchieren und eiskalt abschrecken, Das Gemüse sollte weich, aber nicht zerkocht sein. Wer einen Dampfgarer hat ist im Vorteil, das ist natürlich die Methode bei der Aroma und Vitalstoffe am besten erhalten bleiben.

Bechamelsauce:

50 g Butter

25 g Weizenmehl Type 405

500 ml Milch (die Hälfte der Milch durch Sahne ersetzen)

Salz und weißer Pfeffer

frisch geriebene Muskatnuss, nach Belieben

Die Butter in einem kleinen Topf bei mittlerer Hitze zerlassen. Den Topf vom Herd nehmen und das Mehl unter Rühren einstreuen. Den Topf wieder auf den Herd setzen und nach und nach die Milch sorgfältig einrühren. Mit Salz würzen. Die Hitze reduzieren, den Deckel aufsetzen und die Sauce unter gelegentlichem Rühren etwa 20 Minuten köcheln lassen.

Die Sauce sollte so eingedickt sein, dass sie einen Kochlöffel überzieht. Gegebenenfalls mit weiterem Salz und Pfeffer abschmecken. Falls verwendet, mit Muskatnuss verfeinern. Wenn die Sauce zu dick ist, mit etwas Milch strecken. Falls sie zu flüssig ist, noch etwas reduzieren.

Zubereitung: 30 Minuten

Für 4 Personen

50 g Butter

Den Topf vom Herd nehmen und den Käse einarbeiten. Wenn der Käse vollständig geschmolzen ist, Eigelb und, falls verwendet, etwas Muskatnuss unterrühren. Großzügig mit Salz und Pfeffer abschmecken. Den Backofengrill vorheizen.

Die Blumenkohlröschen in einer Auflaufform verteilen. Mit so viel Sauce überziehen, dass der Boden der Form und die Röschen überzogen sind, aber nicht in Sauce schwimmen. Unter dem heißen Backofengrill überbacken, bis sich die Sauce mit dem Blumenkohlsaft gemischt hat und die Oberfläche gut gebräunt ist.

Zubereitung: 30 Minuten

Für 6 Personen als Beilage oder für

4 Personen als Hauptgericht

Mormors Köttbullar

© Erik Olsson
© Erik Olsson

Quelle: Magnus Nilsson: Nordic Kochbuch

Phaidon by Edel

Preis: 39,95 €

Magnus Großmutter machte immer sehr große Fleischbällchen, fast so groß wie eine Kinderfaust. Unter Umständen waren sie in der Realität auch etwas kleiner, wie das bei so vielen Dingen ist, wenn man erstmal erwachsen ist. Sie hat den Teig nie viel geknetet, so dass die Bällchen sehr zart und immer ein bisschen krümelig waren. Dazu gab es grundsätzlich Pellkartoffeln und cremige braune Sauce (Bratensatz mit Mehlschwitze und Brühe/Sahne zu einer sämigen Sauce einkochen). Als Beilagen fungierten ganz klassisch gezuckerte Preiselbeeren und im Sommer schnelle Essiggurken. Wir haben es klassisch gelassen und Kartoffelpüree dazu serviert. Sehr lecker, auch die kräftige Pimentnote macht sich wirklich gut in den Fleischklößchen und Sahne und Kartoffeln sorgen für eine schöne Konsistenz. Braune Sauce und Preiselbeeren konnten wir uns natürlich auch nicht verkneifen.

Zutaten:

100 ml Milch

100 g Sahne

1 Ei

8 Pimentbeeren, zerstoßen

30 g Semmelbrösel (bei mir nur selbstgemacht)

1 große mehlig kochende Kartoffel,

gekocht, abgekühlt, geschält und gestampft

300 g Schweinehack

300 g Rinderhack

1 Zwiebel, fein gehackt

Salz und weißer Pfeffer

Zubereitung:

Milch und Sahne mit Ei, den Pimentbeeren und ein wenig Salz und Pfeffer in eine Schüssel geben. Die Semmelbrösel hinzugeben und Klumpen frei einrühren. Die gestampfte Kartoffel einrühren und die Mischung 5 Minuten quellen lassen, dann die übrigen Zutaten hinzugeben. Kurz glatt kneten.

Zum Abschmecken etwas Butter in einer Pfanne erhitzen und ein kleines Stück Fleischteig darin braten. Probieren und die Würzung bei Bedarf anpassen.

Den Fleischteig mit einem Löffel und einer sauberen, feuchten Hand zu großen, lockeren Bällchen formen.

Ein Stück Butter bei mittlerer Hitze in einer großen Pfanne oder einem Stieltopf erhitzen. Die

Bällchen etwa 15 Minuten rundum gut bräunen und durchgaren (zum Überprüfen ein Bällchen aufschneiden).

Zubereitung: 50 Minuten

Für 4 Personen

Nigels bestes Sandwich aller Zeiten

© Jonathan Lovekin
© Jonathan Lovekin

Quelle: Nigel Slater: Küchentagebuch

Fotos: Jonathan Lovekin

DuMont Buchverlag

Preis: 39,99 €

Nigels Freundin Caroline hat ihm per Post im Polsterumschlag einen ordentlichen Schlag, Bärlauch-Blätter geschickt. Für ihn Grund genug, daraus eine leckere Bärlauch-Butter zu fabrizieren. Mein Bärlauch ist selbstgesammelt, denn der Frankfurter Stadtwald ist im Frühjahr eine unerschöpfliche Quelle für Bärlauch-Freunde. Der Mountain-Biker meines Herzens darf zu diesen Zeiten nie ohne Beute aus dem Stadtwald zurückkommen und er tut es Gottseidank auch nicht! Bärlauch-Püree und Bärlauch-Butter sind ein fester Bestandteil unserer Hamster-Orgien. Es vergeht kein Jahr ohne sie für einen späteren fulminanten Auftritt in Position zu bringen. Heute mal mit einer Idee von Nigel Slater, die uns sehr, sehr gut gefallen hat.

Zutaten:

Bärlauch-Butter

Baguette

Lammsteaks ohne Knochen

1 Klacks Mayonnaise

Taleggio

Zubereitung:

Ein Baguette in 4 Teile teilen und jedes aufschneiden. Anschließend 2 Lammsteaks, ohne Knochen, braten bis sie braun und leicht angekohlt sind. Jetzt in dicke Streifen schneiden. Ein wenig in der Pfanne zerlassene Bärlauch-Butter über die Baguette-Stücke träufeln, dann das Baguette im Backofen grillen, bis es an den Rändern knusprig ist. Einen großzügigen Klacks Mayonnaise und ein paar Taleggio-Scheiben darauf, on top die heißen Lammsteaks und zum Schluss noch etwas Bärlauch-Butter.

Jetzt die Baguette-Stücke zuklappen und genießen. Geschmolzene Bärlauch-Butter, Mayonnaise und Fleischsaft haben sich wirklich lieb und verhelfen uns zum besten Sandwich, das wir von Nigel gelernt haben, wenn nicht sogar zum Besten was wir je gegessen haben! Dann allerdings mit selbstgemachter Mayonnaise, weil wir es uns wert sind.

 

Brötchen mit zerzupftem Schweinefleisch und Karotten-Ingwer-Mayonnaise

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© Jonathan Lovekin

Quelle: Nigel Slater: Küchentagebuch

Fotos: Jonathan Lovekin

DuMont Buchverlag

Preis: 39,99 €

So einfach und dabei super lecker, bei Mayonnaise verwende ich gerne selbstgemachte, falls das nicht geht, tut es für mich auch die leichtere Salatcreme. Bei Mayonnaise habe ich im Supermarkt nie die Qualität gefunden, die mir schmeckt. Mit Thai-Ingwer, meint Nigel Slater Galgant, für mich am liebsten mit Ingwer. Ingwer, Limette und Koriander sind eine geniale Kombi, deshalb würde ich persönlich nicht auf die Korianderblättchen verzichten. Tolle Kombi, gerne wieder!

Zutaten (für 4 Personen):

 180 g. Schweinebratenreste

180 g. Karotten

1 großes Stück (gerieben 4 Teelöffel) Thai-Ingwer oder Ingwer

150 g. Mayonnaise

Saft von einer 1/2 Limette

Bratenreste (gerne auch Haut oder Fett verwenden)

4 körnige Brötchen

Nach Wunsch Korianderblätter

Das Schweinfleisch mit 2 Gabeln fein zerzupfen und in eine Schüssel geben. Die Karotten bindfadendick dazu reiben (die grobe Reibe einer Küchenmaschine oder einer Standreibe passt gut). Ingwer sehr fein reiben, fast breiig und dazugeben. Die Mayonnaise vorsichtig mit einer Gabel unterziehen (sie hindert die geriebenen Karotten am Verklumpen). Großzügig mit schwarzem Pfeffer und dem Limettensaft würzen.

Bratenreste (gerne auch Haut oder Fett verwenden) auf ein mit Alufolie belegtes Blech geben und etwa 5 Minuten unter dem heißen Backofengrill schieben, bis die Haut knusprig geworden ist. Umdrehen und die andere Seite grillen, dann herausnehmen und auf Küchenkrepp abkühlen lassen. Mit einem Messer in feine Streifen schneiden.

Die Brötchen aufschneiden, wenn gewünscht je eine kleine Handvoll Korianderblätter auf die Unterseite legen und die Karotten-Mayonnaise darüber löffeln. Ein paar Knusperstreifen darauflegen, sofort zuklappen und essen.

 

Küchentagebuch

9783832194772

Nigel Slater: Küchentagebuch

Fotos: Jonathan Lovekin

DuMont Buchverlag

Preis: 39,99 €

„250 mal ehrliche, einfache Sachen – oder Ehrfurcht nein danke!“

Worum geht’s?

Kochbücher über Kochbücher, eine Neuerscheinung jagt die nächste Vegan, Paleo, Soul-Food, arabisch, italienisch oder doch lieber koreanisch kochen, die Themen sind vielseitig und ständig gibt es einen neuen Hype: Gestern war es noch vegan, heute Aromaküche oder doch lieber fermentieren und einmachen. Trends gibt es viele, alle haben ihre Berechtigung, aber seien wir mal ehrlich, manchmal will man einfach nur mal was Schnelles zaubern… Nach einem anstrengenden Tag im Büro, steht mir der Sinn nach was unkomplizierten, dass schnell auf dem Tisch steht und Seele und Gaumen erfreut.

Nigel Slater ist so ein Koch, der das kann, sein Credo ist „Einfach nur kochen“, genau so einfach ist das, kein Schick-Schnack oder viel „Getüdel“ und bloß keine inszenierten Fotos oder Sterneküche, dass brauche ich für das alltägliche Kochvergnügen nicht. Für ehrfürchtiges Staunen habe ich um 19:30 Uhr schlichtweg keine Zeit und für meine Motivation zum Kochen nach Feierabend, brauche ich andere Impulse. Nigel versteht mich und kann mich wunderbar inspirieren, den Herd auch um 19:30 Uhr noch anzuschmeißen!

Pleased to meet you!

Das Buch ist vor einigen Wochen an einem Samstag bei mir eingezogen und wurde sehnlichst erwartet: Der Paketbote war etwas irritiert, als ich im freudestrahlend das Paket fast aus den Händen reißen wollte, hat es aber mit Gelassenheit hingenommen und mich noch schnell darauf hingewiesen, dass ich ihm den Empfang bitte noch quittieren muss. Schnell zurück in die Wohnung und das „Slatersche Küchentagebuch“ erst mal aus seinem Verpackungs-Verließ befreien: Knackige appetitliche Äpfel auf Rücken und Cover und ein geschmackvoller grüner sehr hochwertiger Leineneinband mit Schiebebanderole auf der mich ein entspannter Nigel Slater begrüßt: „Pleased to meet you!“.

My pleasure, Mr. Slater!

Ein sehr großes Vergnügen war es sogar, ein Nachmittag auf der Couch eine wahre Post-it Invasion und 4 Stunden später, schaue ich auf die Uhr und merke erst wie viel Spaß es mir mit Herrn Slater gemacht hat, Anekdoten, Tipps und herrlich unkomplizierte Rezepte haben mich köstlich unterhalten und mir viele neue Ideen und Inspirationen beschert. Das Vergnügen ist aufgrund der wertigen Ausstattung mit hochwertigem Papier, Fadenheftung und Lesebändchen sogar noch steigerungsfähig.

 Was ist drin – oder Rezepte für jede Gelegenheit?

 Wie mit dem Titel bereits angedeutet, liefert der Autor in seinem 532 Seiten starken Küchentagebuch, 250 Rezepte authentische, schlichte Rezepte für jeden Tag und jede Gelegenheit: Wochenend-Rezepte, Sonntagskuchen, Ideen für Tage, wo im Kühlschrank gerade mal Ebbe herrscht, oder das angebrochene Päckchen Nudeln endlich mal aufgebraucht werden soll und die Kartoffel-Reste von gestern „gepimpt“ noch mal zu Ehren kommen sollen. Warum nicht einfach, wie von Neigel vorgeschlagen, ein Petersilien-Risotto mit Parmesanchips oder eine Suppe aus Speck und Sellerie oder vielleicht doch lieber einen Eintopf aus Auberginen und Bohnen servieren. Mandeltörtchen mit Marzipan und Beeren und die Zitronen-Tarte sehen auch sehr lecker aus und alles wirklich simpel, schnell und unkompliziert in der Zubereitung.

Glücklich und satt – ohne Stress das geht auch!

Von Januar bis Dezember ein ganzes Jahr lang an Nigel Slaters Küchentisch Platz nehmen, um sich von seinen simplen und doch köstlichen Ideen für eine saisonale, bodenständige Küche überzeugen zu lassen, die ein wohliges Lächeln auf unsere Gesichter zaubern. Die Zutatenlisten sind in Slaters Küchentagebuch alle immer sehr kurz und übersichtig gehalten, glücklich und satt – ohne Stress das geht auch, jedenfalls wenn man sich Nigel anvertraut.

Sympathischer Typ, dem ich mich gerne anvertraue!

Gerne folge ich ihm auf seine Exkursen zu Einkaufsgewohnheiten, Kräutern und Tarte-Formen und der Suche nach einem ultimativen Küchentisch, denn dieses Kochbuch ist so wunderbar kurzweilig und Nigel Slaters Art des Schreibens ist ebenso simpel wie interessant und bereichernd, wie seine Rezepte, inspirierend. Außerdem sind diese mit 180 wunderbar authentischen Fotografien von Jonathan Lovekin illustriert, einfach schöne Fotos, aber Gottseidank nicht überstylt, ebenso wie wir zu Hause auch kochen möchten. Dass es nicht zu jedem Rezept ein Foto gibt, kann ich verschmerzen, ich stehe sowieso eher auf die inneren Werte eines Kochbuchs.

Wer ist der Autor?

© Jonathan Lovekin
© Jonathan Lovekin

Nigel Slater, geboren 1958 in Wolverhampton, zählt zu den besten Food-Journalisten der Welt. Er ist Autor vieler erfolgreicher Bücher und genießt in England nicht nur unter Spitzenköchen Kultstatus. Seit 20 Jahren schreibt er für den Observer eine Kolumne zum Thema Essen und drehte diverse Kochsendungen für die BBC. Seine Kochbücher schaffen es regelmäßig sowohl Profis wie auch Laien gleichermaßen zu begeistern.

Gibt es heute noch was zu essen oder vom Sofa in die Küche!

Huch, meinen Mann habe ich ja ganz vergessen und stattdessen „fremd-geflirtet“….. Jetzt aber ab in die Küche, ein Blick in den Kühlschrank und ein Blick in Nigels Tagebuch und schon kann es losgehen: Heute mal schnell ein Brötchen mit zerzupftem Schweinefleisch und Karotten-Ingwer-Mayonnaise zaubern, denn nicht nur der Gatte hat Hunger und Reste vom Schweinebraten von gestern haben wir auch noch. Frischen Koriander und Ingwer haben wir sowieso immer im Haus deshalb morgen vielleicht ein leckeres mildes fruchtiges Lachscurry genießen. Auch die Bärlauch-Butter im Tiefkühler ist dankbar für ebenbürtige Partner, wie Lamm-Steaks und Taleggio.

Fazit: Einfache kreative Küche = Nigel Slater und sein Küchentagebuch ist eines seiner besten Kochbücher, aber in jedem Fall das unterhaltsamste. Wie schön dass es jetzt auch endlich bei mir eingezogen ist! Wer nach unkomplizierten kreativen Rezepten sucht, die von einem sehr sympathischen und unterhaltsamen Protagonisten präsentiert werden und nicht zu jedem Rezept ein Foto braucht, ist mit dem Küchentagebuch sehr gut beraten!

Herzlichen Dank für die Übersendung eines Rezensionsexemplars.