Königlicher Käsekuchen

© Simone Hawlisch

Quelle: Okka Rohd: Herdwärme

Eine kleine Kochschule für das große Glück zu Hause

Kailash Verlag

Preis: 20,–

Ehre wem Ehre gebührt! Ein wunderbar cremiger Käsekuchen, der nicht zusammenzuckt, wenn er den Backofen verlässt ist als Ergebnis garantiert, weil er auf diesen Schock umfassend vorbereitet wird und zwischendurch immer mal wieder Küchenluft schnuppern darf. Auf Rohrzucker habe ich verzichtet, für uns muss es nicht ganz so gesund sein und normaler Zucker löst sich einfach besser auf.

von Princess Cheesecake

 Zutaten (Menge: 1 Käsekuchen für eine Springform mit 26 cm Ǿ):

Zutaten für den Boden:

83 g Rohrzucker (+ Zucker für die Form)

167 g Mehl

83 g kalte Butter

(+ Butter für die Form)

1 Prise Vanillepulver (im Supermarkt bekommt man zum Beispiel eine Vanillemühle oder man nimmt

das Mark einer ¼ Vanilleschote)

1 kleines Ei

1 Springform, Durchmesser 26 cm

Zutaten für die Kuchenmasse:

240 g zimmerwarme Eier (ca. 4–5 Eier)

1 Bio-Zitrone

200 g Rohrzucker

667 g Quark (20 % Fettgehalt)

23 g Mehl

1 Prise Vanillepulver (oder das Mark einer Viertel Vanilleschote)

167 g Schmand

167 ml Sahne

23 g Stärke

Salz

Puderzucker zum Bestäuben

nach Geschmack: frische Beeren zum Verzieren

Zubereitung:

Den Ofen samt Backblech auf 180 °C Ober-/Unterhitze vorheizen. Die Springform einfetten und mit Zucker bestreuen.

Für den Mürbeteigboden den Zucker und das Mehl in eine große Schüssel geben. Die kalte Butter in kleine Stücke schneiden und dazugeben. Erst mit den Händen grob vermischen, dann verkneten, bis die Mischung ungefähr die Konsistenz von feuchtem Sand hat. 1 kleine Prise Vanillepulver hinzufügen. Das Ei verquirlen, dazugießen und mit einem Löffel untermengen. Dann alles mit den Händen zu kleinen Krümeln verarbeiten.

Die Streusel auf dem Boden der Springform verteilen und mit den Händen flach drücken. Der Boden sollte dabei nicht zu dick werden. Die Springform für 15–20 Minuten in den Ofen auf das heiße Blech stellen und vorbacken, bis der Boden honigfarben ist. Die Temperatur auf 150 °C Ober-/Unterhitze reduzieren.

Jetzt geht es weiter mit der Kuchenmasse. Die Eier trennen. Die Zitrone heiß abspülen und die Schale abreiben. Das Eiweiß mit 1 Prise Salz in einer Küchenmaschine (oder mit einem Handrührgerät) aufschlagen. Am Anfang auf niedriger Geschwindigkeit. Wenn der Eischnee luftig und schaumig wird, 50 g Rohrzucker dazugeben, dann auf mittlerer Geschwindigkeit laufen lassen. Wenn sich am Rand der Schüssel kleine Körnchen bilden, noch einmal 50 g Rohrzucker hinzufügen. Den Eischnee insgesamt ca. 10 Minuten aufschlagen. Er ist fertig, wenn man einen Finger hineintaucht und die Eischnee-Spitze am Finger stehen bleibt. Zur Seite stellen.

Dann den Quark mit dem Eigelb, dem Mehl, dem restlichen Zucker (100 g), 1 Prise Vanillepulver sowie 1 Prise Salz in einer großen Schüssel mit einem Schneebesen verrühren.

Den Schmand und die Sahne in einen Standmixer geben oder mit einem Handrührgerät aufschlagen, bis die Konsistenz an geschlagene Sahne erinnert. Die Sahne-Schmand-Masse zum Quark geben. Den Zitronenabrieb zufügen.

Die Stärke vorsichtig mit einem Teigschaber unter den Eischnee rühren und dann mit einem Teigschaber unter die Kuchenmasse heben. 8 Die Kuchenmasse in die Springform geben. Darauf achten, dass beim Einfüllen des Teiges oben am Rand immer 1 guter Zentimeter frei bleibt. Für 20 Minuten bei 150 °C Ober-/Unterhitze im Ofen (Mitte) backen. Den Kuchen für 15 Minuten aus dem Ofen nehmen und ruhen lassen. Dann für weitere 30 Minuten bei 150 °C im Ofen backen. Den Kuchen noch einmal für 15 Minuten aus dem Ofen nehmen und ruhen lassen. Für weitere 30 Minuten bei 150 °C im Ofen backen.

Eine erste Stäbchenprobe machen. Möglicherweise reicht – je nach Ofen und Feuchtigkeitsgehalt des Quarks – schon ein dreimaliger Backvorgang. Falls die Stäbchenprobe nicht sauber bleibt, den Kuchen für 15 Minuten aus dem Ofen nehmen und ruhen lassen. Dann für weitere 30 Minuten bei 150 °C im Ofen backen. Eine weitere Stäbchenprobe machen. Falls der Kuchen noch nicht fertig ist, noch einmal für 15 Minuten aus dem Ofen nehmen und ruhen lassen. Dann für ca. 10 Minuten backen oder so lange, bis die Stäbchenprobe sauber bleibt.

Den fertigen Käsekuchen mit Puderzucker bestäuben und nach Geschmack mit frischen Beeren (beispielsweise Himbeeren oder Blaubeeren) belegen.

Hinweis: Die teilweise merkwürdig anmutenden Maßangaben erklären sich dadurch, dass wir für eine Springform von 26 Zentimeter Durchmesser nur zwei Drittel des Originalrezeptes verwenden.

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Warmer Wintergemüse-Salat

© Simone Hawlisch

Quelle: Okka Rohd: Herdwärme

Eine kleine Kochschule für das große Glück zu Hause

Kailash Verlag

Preis: 20,–

Dieser Salat ist mehr als eine Ansammlung von grünen Blättern, muss ja zu dieser Jahreszeit nun wirklich nicht sein. Das erdige, süßliche Aroma der Knollen wird durch die Würzmischung großartig gesteigert. Unbedingt gleich mehr machen, es lohnt sich! Edamame sorgen für Knackigkeit und die Anisnote des Kerbels passt hervorragend hier, wer ihn nicht bekommt bleibt bei der Petersilie. So geht Salat, wenn man nicht nur „Grünfutter“ essen möchte!

von Petra Rimkus, deli.cat

Zutaten für 4 Personen):

Für die Gewürzmischung:

schwarzer Pfeffer

Piment

Koriandersamen

Senfsaat

(jeweils zu gleichen Teilen – Petra nimmt für eine Vorratsmischung jeweils eine Tüte gleicher Größe von den vier Gewürzen, auch wenn sie unterschiedlich viel wiegen)

Für den Salat:

1 große Pastinake

½ Knollensellerie

3 Karotten

2 Süßkartoffeln

½ Hokkaido-Kürbis

1 Rote Bete

Olivenöl

250 g Edamame (die bekommt man tiefgefroren im Asia-Markt)

je 2–3 Stängel frische glatte Petersilie und Kerbel

Salz

Zubereitung:

Für die Gewürzmischung alle Gewürze ohne Fett in einer Pfanne anrösten, bis sie anfangen zu hüpfen. Aus der Pfanne nehmen und in einem Mörser zu Pulver zermahlen. In einem Weck- oder Vorratsglas aufbewahren.

Den Ofen auf 180 °C Umluft vorheizen. Die Pastinake, den Sellerie, die Karotten und die Süßkartoffeln schälen und in 2–3 Zentimeter große Stücke schneiden. Den Kürbis waschen, halbieren und entkernen. Samt der Schale ebenfalls in 2–3 Zentimeter große Stücke schneiden. Die Rote Bete schälen, die Enden abschneiden und in etwa 1,5 Zentimeter große Würfel schneiden (also etwas kleiner als den Rest des Gemüses).

Das Gemüse in eine Schüssel geben, gut durchmischen und auf ein mit Backpapier belegtes Backblech legen. Mit 2 Prisen der Gewürzmischung bestreuen (wenn Kinder mitessen, ein bisschen weniger nehmen), salzen, ebenfalls mit 2 guten Prisen und mit Olivenöl besprenkeln (das Gemüse sollte hinterher nicht in Öl schwimmen). Für etwa 30 Minuten im Ofen (Mitte) backen, bis das Gemüse gar, aber noch schön bissfest ist.

In der Zwischenzeit die Edamame vorbereiten: Die tiefgefrorenen Sojabohnen in einen Topf geben und gut mit Wasser bedecken. 1 EL Salz hinzugeben (falls die Edamame schon geschält sind, deutlich weniger Salz nehmen). Einmal aufkochen lassen, bis sie bissfest sind, das dauert etwa 2–4 Minuten. Die Edamame in ein Sieb abgießen, mit kaltem Wasser abspülen und den Inhalt der Schoten in eine Schüssel pulen.

Die Petersilie und den Kerbel waschen, trocken schütteln und samt Stängel klein schneiden. Das fertige Gemüse mit Salz abschmecken, auf einer Platte oder in einer Auflaufform anrichten, die Edamame und die frischen Kräuter darüber verteilen.

Ofenkartoffel mit Rucola-Pesto-Quark

© Simone Hawlisch

Quelle: Okka Rohd: Herdwärme

Eine kleine Kochschule für das große Glück zu Hause

Kailash Verlag

Preis: 20,–

Für eine Ofenkartoffel mit lecker-würzigem Quark, würde ich meilenweit gehen, für diese musste ich nur in den Supermarkt um die Ecke. Cremiger Quark auf meiner Lieblingsknolle, genau so habe ich es gerne! Den Wildkräutersalat als Topping hebe ich mir für den Frühling auf, diesmal durften Frühlingszwiebeln und Kresse die Kartoffeln begleiten.

 von Florian Mickan

Zutaten (für 4 Personen):

Rucola-Pesto-Quark:

Grundsätzlich verwende ich:

5 Teile Magerquark und 1 Teil Crème fraîche, pro Person ca. 150 g

1 Bund Rucola

Rapsöl im Gewichtsverhältnis 1:1

(bitte kein Olivenöl verwenden)

500 g Magerquark

100 g Crème fraîche

1 Messerspitze Bio-Zitronenabrieb

1 TL Worcestersoße

1 Schuss Mineralwasser mit Kohlensäure

(damit der Quark schön fluffig wird)

Salz und frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

Stabmixer

Ofenkartoffel:

4 vorwiegend festkochende Kartoffeln (à ca. 400 g)

Wildkräuter-Salat

4 TL Butter

4 EL geriebener Käse, z.B. Emmentaler

Zubereitung Rucola-Pesto:

Für das Pesto den Rucola waschen, trocken schütteln, die Stängel abschneiden, die Blätter grob zerkleinern, abwiegen und mit dem Rapsöl (Verhältnis 1:1) in ein hohes Gefäß geben und mit einem Mixstab pürieren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Dieses Pesto ist ein wenig flüssiger als normales Pesto – dadurch gibt es dem Quark später eine besonders cremige Konsistenz.

Vom Pesto 50 g abnehmen. Das restliche Pesto für eine spätere Verwendung im Kühlschrank aufbewahren. Den Magerquark, die Crème fraîche und das Pesto in einer Schüssel verrühren. Mit dem Zitronenabrieb, der Worcestersoße, dem Mineralwasser und 1 guten Prise Salz und Pfeffer abschmecken.

Zubereitung Ofenkartoffel:

Den Ofen auf 200 °C Ober-/Unterhitze vorheizen. Die Kartoffeln waschen, trocken reiben und ohne Alufolie für ca. 1,5 Stunden auf den Gitterrost in den Ofen (Mitte) legen, bis sie weich sind. Inzwischen den Salat waschen und trocken schütteln.

Jede Backkartoffel mit zwei Gabeln vorsichtig aufbrechen, das Innere mit einer Gabel leicht stampfen, mit 1 Butterflocke und ein wenig geriebenem Käse vermengen, den Pesto-Quark und Salat oder andere Toppings daraufgeben. Wer mag, kann auch noch ein wenig Pesto darüberträufeln. Als weitere Toppings eignen sich beispielsweise geschnittene Frühlingszwiebeln, geschnittene Radieschen oder Kresse.

Okka Rohd: Herdwärme

Okka Rohd: Herdwärme

Eine kleine Kochschule für das große Glück zu Hause

Kailash Verlag

Preis: 20,–

Eine Liebeserklärung an das Essen – Durchschnitt kann jeder!

 Wer ist die Autorin?

© Marlene Sørensen

 Okka Rohd, 1977 in Oldenburg geboren, hat Publizistik und Filmwissenschaften studiert. Sie schreibt als freie Journalistin für Magazine wie Myself, Essen und Trinken, Nido oder Glamour über Kultur, Essen, das Leben und interessante Menschen und für ihr erfolgreiches Blog Slomo über die Dinge, die sie liebt. „Herdwärme” ist ihr zweites Buch. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Töchtern in Berlin.

Einfach mal den Slomo-Gang einlegen!

 Am Anfang ist eine ganz normale Frau (Okka Rohd) mit einem nicht eben überdurchschnittlichen Kochtalent, die beschließt, sich das Kochen von Menschen beibringen zu lassen, die es wirklich gut können und Essen noch sehr viel mehr lieben als sie selbst – immer entlang einer ganz bestimmten Frage, die Okka im Kopf hatte, zum Beispiel: wie man einen perfekten Käsekuchen backt, der so schmeckt, wie Käsekuchen eben schmecken sollte, cremig und fluffig. Oder wie man Salate zaubert, die einen so sehr umwerfen, dass man nicht mehr auf die Idee kommt, sie wären bloß eine Beilage. Oft genug hatte sie bei anderen so gut gegessen, dass sie längst wusste: Um wirklich gut kochen zu können, braucht man mehr als die Fähigkeit, einem Rezept zu folgen. Man braucht vor allem Hingabe. Und wenn man nun einmal gerne kocht und isst, sind wir es dem, was uns so glücklich macht, nicht auch schuldig, es ernster zu nehmen als bisher? Kochen nicht nur nebenbei zwischen vielen Dingen, die unser Leben füllen, aber am Ende des Tages keine Bedeutung haben: Texten, die wir im Netz nicht mehr zu Ende lesen, weil wir meinen immer weiter zu müssen und einem Essen dass wir nicht halbherzig, sondern aus vollem Herzen gekocht haben. Mittendrin statt nur dabei oder nur darüber nachzudenken, wie es wohl wäre, wenn wir uns ganz auf eine Sache einlassen. Immer einen Schritt nach dem Anderen gehen, achtsam sein und mit allen Sinnen genießen, als wären wir auf einer Wanderung, wo es auch darauf ankommt, dass wir uns auf diesen einen Schritt, diese eine Sache konzentrieren und nicht auf den nächsten oder den übernächsten. Nur dann stellt sich ein Gefühl der Zufriedenheit und Verbundenheit mit sich selbst ein und Hetze und Alltag treten in den Hintergrund.

 Auf der Suche nach etwas richtig Gutem, manchmal wollen wir einfach keine halben Sachen!

 Wie macht ein Österreicher Wiener Schnitzel? Was ist das Geheimnis einer neapolitanischen Pizza? Was braucht ein Mittagessen, damit es glücklich macht und nicht nur satt? Und wie geht richtig guter Käsekuchen? Mit viel Wärme und Nähe erzählt Okka Rohd von der Art des Zubereitens, von Zutaten und Aromen. Dabei geht es um das genaue Hinschmecken und vor allem um die innere Haltung beim Kochen, die immer auch was mit Hingabe zu tun hat.

Leidenschaftlicher Genuss ist hier Programm oder mit Hand und Herz ganz dabei…..

 Über zwei Jahre trifft die Journalistin Menschen, die leidenschaftlich kochen – Küchenchefs und Restaurantgründer, Patissiers und eine Food- Konzeptionistin, Innereien-Retter und eine Salat-Virtuosin, die nicht nur bereit waren ihr Wissen und ihre Rezepte zu teilen, sondern alle mit viel Wärme und Engagement, über das gesprochen haben, was auch sie über alles andere stellen, etwas richtig Gutes auf dem Teller. Dabei lernt Okka Rohd nicht nur viele Tipps und Tricks, sondern vor allem wie glücklich kochen machen kann, wenn man sich dafür Zeit nimmt und ganz darauf einlässt.

Stinknormal aber mit ganz viel Liebe!

Dabei geht es nicht um Profi-Rezepte, sondern auch um stinknormale Backkartoffeln. Für manche Menschen ist die Kartoffel eine Sättigungsbeilage, Florian Mickan gehört nicht zu ihnen. Er liebt Kartoffeln für ihre Vielseitigkeit und dafür, dass sie einem zeigen, wie gut Einfaches schmecken kann. Lernen kann man von dem Berliner Koch aber noch ganz andere Dinge findet Okka Rohd und manchmal könnte sie ihrer Melancholie auch schlicht weg eine reinhauen, wenn diese vorbei schaut, wenn es so gar nicht passt.

Trau Dich einfach, Dich auf eine Sache ganz einzulassen!

Die letzten Stunden hat sie mit Florian Mickan in der Küche seines Berliner Restaurants gestanden und drei Kartoffel-Gerichte gekocht: die Backkartoffel, für die das Joris berühmt ist, einen Kartoffelsalat und eine Kartoffelsuppe. Diesen Abend gut zu nennen, wäre eine riesige Untertreibung für sie. Welcher Koch nimmt sich fünf Stunden Zeit, um einer Anfängerin nach Feierabend zu zeigen, wie man Lauchstangen schneidet? Und setzt sich dann auch noch hin, um bei einer Flasche Bier in Ruhe alles zu probieren? Und dann geht Okka nach Hause, weil die Straßenbahn nicht kommt, in der linken Hand ihre Tasche, in der rechten einen Rieseneimer voll köstlicher Kartoffelsuppe, und ist plötzlich schrecklich melancholisch. Erst als sie in ihre Straße einbiegt, weiß sie warum: Florian Mickan ist ein Mensch, der wichtig nimmt, was ihm wichtig ist. Einer dieser Menschen, die in ihrem Leben zu Hause sind, weil sie vielleicht nicht alles schaffen, was sie sich vornehmen – was sie schaffen, aber mit ganzem Herzen tun. Das zeigt sich vor allem in kleinen Dingen – in einer Wachheit, die nichts damit zu tun hat, wie müde oder erschöpft man gerade ist. Und einer Gewissheit, der auch nervige oder chaotische Tage nicht viel anhaben kann. Wie dieser Koch zum Beispiel die Kartoffelsuppe abschmeckt, bis sie nicht mehr nur gut, sondern ganz genau richtig ist. Oder wie er eine Kartoffel schneidet und erklärt, warum seine Technik mehr Sinn hat als Okkas Drauflosgehacke. Er ist immer konzentriert dabei, immer total bei der Sache, obwohl er das alles schon Tausende Male gemacht hat. Ganz einfach, weil er das Kochen liebt – und deswegen auch all die Kleinigkeiten, die dazugehören. Und weil es ihm Spaß macht, dabei so gut wie möglich zu sein. Das ist eine bemerkenswerte Haltung, allerdings auch eine Erinnerung daran, wie halb aufmerksam und halb dabei sie selbst oft ist. Bereit, sich auf Kompromisse einzulassen und mit Halbherzigkeiten zufriedenzugeben. Aus Müdigkeit, aus Feigheit, aus Bequemlichkeit, sie weiß es gar nicht so genau. Viele ihrer Gedanken beginnen stets mit einem »Eigentlich«. Und Florian Mickan hat ihr an diesem Abend gezeigt, wie schön es sein kann, der Mensch zu sein, der man sein möchte – wenn man sich und seinen Sehnsüchten ein wenig mehr zutraut.

Fazit: Weniger ist manchmal einfach mehr! Okka Rohd zeigt auf überzeugende und sehr leckere Weise, dass 40 Rezepte, die mit Liebe und Leidenschaft von ihren Paten immer wieder optimiert wurden, sehr viel mehr sein können als eine umfassende Kochbuch-Bibliothek. Diese Erkenntnis hat mich, daran erinnert, dass meine Mutter und meine Oma auch nicht jeden Tag im Netz auf der Jagd nach neuen kulinarischen Impulsen waren. Am Ende kam dabei für alle, die am Tisch Platz genommen hatten, etwas wirklich leckeres heraus, weil diese sich Zeit genommen haben, ein Rezept weiter zu entwickeln, bis es genauso war, wie sie und die Familie es am liebsten hatten. Sich wie im Schlaf einem Rezept eines leidenschaftlichen Koch oder einer leidenschaftlichen Bäckerin anzuvertrauen, kann so entspannend sein, lecker wird es sowieso. Ein Buch für Anfänger und Geschmacksverfechter, die lieber 40 gute Rezepte beherrschen wollen, als hunderte irgendwo gepinnt oder gespeichert zu haben, die wir dann sowieso nicht mehr wiederfinden, wenn wir uns gerade entschlossen haben, diese endlich nach zu kochen. Diese Autorin versteht außerdem viel von unseren Sehnsüchten, wie bei einem guten „Blockbuster“, werden diese sympathisch und sehr einfühlsam getriggert. Ein Buch für die Küche und für das Leben, das wir manchmal ungewollt an uns vorbeiziehen lassen, ohne mittendrin dabei zu sein. Mir hat dieses Buch wahnsinnig gut gefallen!

Herzlichen Dank für die Übersendung als Rezensionsexemplar.

Elissavet Patrikiou/Michalis Pantelouris: Gastfreundschaft

Hölker Verlag

Preis: 29,95 €

Schön, dass Du da bist, komm rein, setz Dich wir wollten sowieso gerade essen!

Worum geht`s – oder gemeinsam essen macht einfach mehr Spaß?

Dieses Buch ist ein Kochbuch und ein Buch über das Leben und vor allem ein Buch von Menschen und über die Menschen hinter den Rezepten. Ein Plädoyer für die Gastlichkeit. Was verbindet uns mehr als das Essen? Ganz gleich, wo auf der Welt wir geboren werden, egal, was wir glauben, beim gemeinsamen Essen können wir uns kennen lernen über einem dampfenden Teller sitzen, reden, genießen, und uns ohne Scheu auf Neues einlassen. Die Fotografin und Autorin Elissavet Patrikiou hat über ein Jahr lang Menschen aus aller Welt in Deutschland getroffen. Mit ihnen gekocht, gegessen und gelacht und ihre Rezepte und Geschichten zusammen mit ihrem Co-Autor Michalis Pantelouris aufgeschrieben.

Wer sind die Autoren?

Elissavet Patrikiou arbeitet seit über 20 Jahren als freie Fotografin und hat sich auf Foodfotos und Kochbücher spezialisiert. Die griechische Küche, für sie eng verbunden mit vielen spannenden Begegnungen und schönen Erlebnissen in ihrer Heimat, liebt sie ganz besonders.

Michalis Pantelouris ist Autor beim Süddeutsche Zeitung Magazin, Editor-at-Large bei L’Officiel und Kolumnist bei GQ und Emotion. Er schreibt außerdem für Zeit, GEO und andere.

Was ist drin?

Elissavet Patrikiou hatte am Anfang gar nicht vor, dieses Kochbuch zu machen, schon länger hat sie mit Menschen zusammen gekocht und die Fotos dieser gemeinsamen Abende auch mal bei Facebook online gestellt. Genauso ist es bei uns schließlich auch, wir teilen dort mit Freunden und lieben Menschen unser Leben. Und dann hat ihr ein Mensch, den sie sehr schätzt gesagt: »Frau Patrikiou, Sie müssen ein Buch über Ihr Leben machen, Sie kennen so viele interessante Leute.« Erstmal war das kein Thema für Elissavet, denn es ging bei diesen Bildern nicht um ihren Job, sondern um ihr Leben, eine Fotografin sieht überall Bilder, wir Kochenden haben beim Gang durch die Natur, bei den Kräutern am Wegesrand sofort ein Aroma in der Nase, das vielleicht am nächsten Tag spannend für den Teller inszeniert wird.

Wir machen uns einfach einen schönen Tag!

Gastfreundschaft, ist etwas zutiefst persönliches, es geht nicht nur um Rezepte, sondern wenn wir Gäste haben, servieren wir unsere Lieblingsgerichte, wir wollen das alle sich wohl fühlen, dass es unseren Gästen gut schmeckt, sie lachen und sich gut unterhalten und dies als besonderes Erlebnis mit nach Hause nehmen. Ein echtes Buch über dieses Thema zu machen, kann heikel werden, denn es funktioniert definitiv nicht nur mit gestylten Fotos und Rezepten, die wir irgendwo abgeguckt haben, sondern nur mit unseren Lieblings-Rezepten und Gastgebern, die echt sind und sich nicht hinter einer stylischen Umgebung verstecken.

Ich muss ehrlich zugeben, dass ich dieses Buch beim Blättern durch die Verlagsvorschau, „nicht auf dem Zettel hatte“, mir schien es mal wieder ein Buch zu sein, dass uns Multi-Kulti für die heimische Küche mit ein paar netten Fotos liefert, wie es mir inzwischen auch mit vielen Büchern zur Food-Truck-Szene geht. Bei den meisten springt bei mir der Funke einfach nicht mehr über und ich fühle mich auch nicht mehr persönlich angesprochen, auch nicht kulinarisch. Im Gegenteil ich habe das Gefühl bei vielen Büchern sind wieder mal Autoren, Köche, Fotografen und Büchermachen hinter dem Trend hinterher. Dann habe ich mir „Gastfreundschaft“ in der Buchhandlung angeschaut und mich sofort verliebt in das Buch, die Fotos und die Geschichten sind sehr einfühlsam und echt, es gibt keine gecasteten Protagonisten, sondern die Fotografin hat Menschen besucht, die sie schon ewig kennt oder neu kennengelernt hat und die sie als tolle Menschen empfindet. Für Elissavet Patrikiou bedeutet das, dass jemand mit ganzem Herzen bei der Sache ist und dass ist das was letztendlich Gastfreundschaft auch ausmacht. Folgerichtig war der Plan vorab einfach, wir machen uns einfach einen schönen Tag, egal wer dabei ist, egal was auf den Tisch kommt.

Von Typen und Kreativen
– in Hamburg liegt Sri Lanka gleich um die Ecke von Griechenland

Herausgekommen sind dabei sehr persönliche Begegnungen, z. B. mit Leonie aus Sri-Lanka, die 1978 nach Deutschland gekommen ist, im schlimmsten Winter, an den sie sich erinnern kann, die jeden Tag etwas scharfes essen muss und seit ihrer Kindheit jeden Tag ihres Lebens ein Ritual hat: Sie legt ihre Hände an den Reistopf und betet. Es gibt kein Bild auf dem sie nicht aus vollem Herzen lacht, Leonie betreibt einen Food-Stand, der so fröhlich bunt ist wie sie selbst und serviert uns gerne die Gerichte, die sie seit ihrer Kindheit auf Sri Lanka kennt und deren Rezepte ursprünglich von ihrer Mutter stammen. Es gibt bei ihr z. B. Devil-Scampi, Papadam und Linsencurry.

Alexandros Sistakos besitzt in Hamburg ein Restaurant, das ein ehemaliger Buchladen war.  und er hat beschlossen, die Wandregale stehen zu lassen und den Laden einzurichten wie die Bibliothek eines englischen Lords – mit Sesseln und Sofas, Schachbrett und allem, was sonst noch im Regal eines Mannes steht, der die Welt gesehen und dabei mit Geschmack Souvenirs gesammelt hat. Bei ihm hat alles seinen Platz und die Gäste werden, wenn sie mal wieder ohne nachzudenken, ihre Jacken einfach mal über die Lehne der antiken Stühle hängen, gerne auf die Garderobe aufmerksam gemacht. Wenn Platz knapp ist, dann verfügt er ebenso über pfiffige Ideen, wie er kurzerhand sein Lokal erweitert, einfach einen Parkschein ziehen und der Tisch für die Gäste wird in der Parkbucht vor der Tür aufgebaut. Er kocht im Buch ein griechisches Stifado an diesem Tag, auch ein „Hamburger Rundstück“ (eigentlich bezeichnet man damit Brötchen oder Schrippen, Alexandros serviert die Luxus-Variante, mit gegartem Schweinehals und Bratensauce) und alles Mögliche andere, Alexandros war noch nie bereit, sein Leben von irgendwelchen anderen Regeln bestimmen zu lassen, als von seinem eigenen Geschmack.

Charly Jungbluth, den jeder im Hamburger Karolinenviertel kennt und mag, betreibt eines der bekanntesten Tattoo-Studios Deutschlands, wobei er selbst ausschließlich pierct. Charlys Motto lautet: » Rock ’n’ Roll und fette Beute!«, Neben allem anderen ist Charly auch so etwas wie eine Institution, wenn er wirklich irgendwann mal wie geplant, in sein Haus auf einer kleinen thailändischen Insel verschwinden sollte, dann wird das für viele Bewohner des Viertels, die dessen individuellen Style lieben, ein Zeichen sein, dass es Schluss ist mit Typen und kreativen individuellen Läden. Aber bis dahin ist es hoffentlich noch ein bisschen hin und Charly serviert für seine Freunde ganz bodenständig, z. B. ein Kartoffel-Curry-Gratin mit gebratener Schinken-Putenbrust oder Charlys Curry-Schmackofatz.

Fazit – oder warum ich mich in dieses Buch verliebt habe!

Ich schaue mir jedes Jahr viele, eigentlich fast jeden Tag ein Kochbuch an, viele begeistern mich, weil ich das Gefühl habe, hier tun Menschen wirklich etwas, was sie lieben oder ich lasse mich entführen in eine kulinarisch neue Welt. Was ich aber noch mehr liebe sind authentische Menschen, Typen und echtes und einfaches Essen, gerne in Gesellschaft und auch mal ganz spontan, wenn ein Freund oder Freundin vor der Tür stehen und da komme ich mit diesem sehr persönlichen Koch- und Bildband voll auf meine Kosten und es lässt mich hoffen, dass Kochbücher noch von Menschen für Menschen gemacht werden und nicht von einer Agentur, die uns nach der Marktanalyse noch schnell ein Buch zum letzten Trend unterjubeln möchte. Ich war glücklich all diese Menschen und ihre persönlichen Lieblings-Rezepte kennenzulernen und freue mich auf viele weitere unkomplizierte kulinarische Abenteuer mit ihnen.

Herzlichen Dank für die Übersendung als Rezensionsexemplar.

Täglich Früchte

Hugh Fearnley-Whittingstall: Täglich Früchte

Fotos: Simon Wheeler

AT Verlag

Preis: 28,– €

An apple a day keeps the doctor away!

Worum geht’s?

Die 650 g an frischem Obst und Gemüse, die die deutsche Gesellschaft für Ernährung als Tagesdosis empfiehlt, sind für sehr viele Menschen kaum zu schaffen, aktuelle Studien haben dies sogar noch einmal nach unten korrigiert und halten auch schon 400 g als ausreichend, um sich vor gefährlichen Herz- und Kreislauferkrankungen zu schützen. Ebenfalls nicht ganz einfach, wenn man bedenkt, dass bei fünf Portionen täglich, die die Forscher als günstig ansehen, eine Portion zwischen 80 und 130 g wiegen sollte, mit einem Apfel pro Tag also definitiv nicht zu schaffen. Smoothies können eine Alternative sein, aber mal ehrlich, wer schnippelt und püriert schon mit Elan in aller Herrgottsfrühe, wenn wir es gerade mal so aus dem Bett geschafft haben – ich definitiv nicht! Smoothies aus dem Supermarkt kommen mir aber deshalb nicht ins Haus, ich weiß schließlich gar nicht was da alles drin ist?

Wer ist der Autor?

Hugh Fearnley-Whittingstall ist eine Institution im britischen Fernsehen, in England höchst populärer Food-Journalist und Buchautor, der sich für biologische, saisonale und regional nachhaltig produzierte Lebensmittel einsetzt. Er betreibt das »River Cottage« in Devon mit Restaurant, Kochschule und großem Nutzgarten. Bisher sind acht sehr erfolgreiche Bücher von ihm erschienen. In diesem Buch möchte er uns gerne dafür begeistern, Früchten einen festen Platz bei unserer Ernährung und in unserer Küche anzubieten, um das Missverhältnis zwischen gesundheitlich sinnvollem und Realität nachhaltig zu beeinflussen. Mal schauen, ob er da an den richtigen Schrauben drehen kann?

Was ist drin – oder dieser Autor ist vielseitig und kann auch simple!

 Beim Blick auf den Titel hatte ich noch Zweifel, ob dieser Hugh sonst noch was das wirklich drauf hat und seine Ankündigung in die Tat umsetzten kann: Er blickt mich mit verschränkten Armen mit einem Apfel auf dem Kopf irgend verpeilt und skeptisch an? Das kann ja lustig werden, denke ich mir! Dieser Mann ist Brite, da gehört Understatement und Humor praktisch zu DNA. Ich lerne recht schnell, dass scheint irgendwie sein Markenzeichen zu sein, ein bisschen arglos in die Welt zu schauen, rein optisch könnte man ihn eher für einen Lehrer mit missionarischem Öko-Eifer halten, dennoch dieser Autor hat sich was vorgenommen und ihm gelingt die simple, unaufgeregte Alltagsküche mit Twist, das ist sein Tool-Set bei diesem Thema und seiner Ankündigung, ein schlagendes Argument, was bei mir für Begeisterung sorgt:

Ganze 160 Rezepte für Obst pikant oder süß in den Kapiteln „Sommerbeeren“, „Steinobst“, „Äpfel“, „Birnen & Quitten“, „Wildfrüchte“ und auch die Welt der weitgereisten Protagonisten, wie Feigen, Melonen, Trauben, Zitrus- u. tropische Früchte ist ihm nicht fremd. Im Bereich der „Spezialitäten“ wagt er einen Blick ins Früchte-Universum und macht uns vieles schmackhaft, was uns nur im Urlaub und im Wald schöne Augen macht, Maulbeere, Kaki & Co. und auch die Beeren des Walde lassen hier grüßen.  Er erklärt uns wie wir sie  behandeln sollten und ermuntert uns auch mal selbst kreativ zu werden und diese einfach mutig bei seinen Rezepten gegen etwas anderes auszutauschen. Schön, dass diesem Gentleman und schrägem Typen, den ich gerne als Missionar des Geschmacks mit einem Händchen für vieles bezeichnen möchte, zu Obst in jeder Geschmacks-Variante in der Alltags- u. Familienküche, aber auch wenn Gäste mit am Tisch sitzen jede Menge Spannendes einfällt.

Neue Optionen, der Blick über den Tellerrand…

Der Autor ist ein unerschrockener, sehr kreativer britischer Koch und diese Nation hat jede Menge Erfahrung mit Commonwealth Kultur, da mischt man auch gerne „Sardinen mit Pflaumen und Soja-Sauce“, oder „Lammschmorbraten mit würziger Aprikosen-Sauce“. „Pflaumen-Zwiebel-Salat mit Chili, Limette und Minze“ kann mich aus seiner Küche genauso begeistern wie seine „Bratwurstäpfel“, die ich sicherlich auch meinen kleinen Neffen sehr gut servieren kann. „Geschmorte Quitte mit Kräutern“, herrlich einfach, die werde ich im Herbst gerne zu Lammkottelet servieren, ich suche schone so lange nach kreativen und einfachen Rezepten, um dieses fast vergessene Obst endlich köstlich und vielfältig wieder in meiner Küche zu etablieren. Der Mann denkt als ausgewiesener „Öko“ mit missionarischem Ansatz natürlich auch an Rezepte wie „eingelegte Senfbirnen“ und „Schlehensirup“ und hat mich damit mit meinem Hamster-Gen voll auf seiner Seite.

Zettel über Zettel wo anfangen, wo aufhören?

 Understatement statt Größenwahn – oder verpeilt ist so sympathisch!

 Ich hätte es Ihnen nicht zugetraut Mr. Fearnley-Whittingstall, dass Sie mich mit einer sehr großen Kochbuch-Bibliothek noch derart in Erstaunen und grenzenlose Begeisterung versetzen würden. Verzeihen Sie, aber das war nicht zu erwarten bei dem skeptischen Blick mit Milch-Bubi-Image. Wir in Deutschland zappen uns durch Koch-Shows, wo Köche die Weisheit mit dem Löffel gefressen haben, Zweifel und Skepsis sind denen oft fremd und mit Ihrer Kreativität können es auch nicht alle aufnehmen. Wir lieben Siegerposen und markige Sprüche, die uns immer im besten Licht erscheinen lassen, dabei vergessen wir vielleicht das es nicht um Komplexität, sondern um Kreativität in der Küche geht, da können wir durchaus noch was von Ihnen lernen, denn Sie beherrschen diese Disziplin aus dem ff und können uns noch viele spannende Momente bereiten, ohne dass wir dabei gleich aufs äußerste herausgefordert werden was Technik und die Anzahl der Zutaten angeht. Mein Herz haben Sie erobert, aber viel wichtiger ist, ich möchte Sie in meiner Küche nicht mehr missen, denn ich brauche kreative Rezepte, die unaufgeregt und einfach mit wenigen Zutaten tagtäglich funktionieren. Ich habe es deshalb schnell gelassen, in Ihrem Buch, die Rezepte zu markieren, die ich nachkochen möchte, es sind einfach zu viele! Ihr schönes Kompendium zum Thema Obst bleibt bis auf weiteres in meiner Küche, ich lasse Sie da erst wieder raus, wenn ich ganz viele Ihrer Rezepte nachgekocht habe und das dauert fürchte ich, noch ziemlich lange. Ich bin bei Weltverbesserern ja ein wenig skeptisch, aber Ihnen nehme ich ab, dass Sie es schaffen, dass Früchte ein fester Bestandteil in unserer Küche werden und das nicht nur bei den süßen Genüssen.

Fazit: Dieses Buch hat sich in meiner Küche einen Stammplatz erobert! Wer es schafft mit einer übersichtlichen Anzahl von Zutaten und wenig Komplexität mir jeden Tag wieder solche Lust auf Rezepte mit Obst zu machen, dem muss ich uneingeschränkte Anerkennung zollen. Das versuchen viele, die meisten bleiben dabei beliebig oder können die eierlegende Wollmilchsau nicht liefern, weil sie nur mit Wasser kochen, bei diesem Herrn ist jede Menge Kreativität dabei, das überzeugt mich genauso wie sein unkomplizierter Koch-Stil. Vegetarier sind hier offenbar nur die zweite Wahl, viele der vorgeschlagenen süß und salzig Kombinationen funktionieren nur mit dem Kontrast Fleisch und Obst. Das ist mir auch schon bei einer weiteren Rezension zum Thema im letzten Jahr aufgefallen.

Simple

Diana Henry: Simple

ars Vivendi Verlag

Preis: 29,90 €

Tasty – oder ein Kochbuch, wie ich es mir wünsche!

 Was erwartet uns in diesem Buch?

– oder ein Kochbuch mit viel Inspiration!

 Laut Nigella Lawson und die sollte sich ein bisschen auskennen, schließlich ist sie eine der beliebtesten Kochbuch-Autoren weltweit und steht für einen unkomplizierten Umgang mit Produkten und Rezepten, handelt es sich hier um ein Kochbuch, wie sie es sich wünscht: Inspiration, kluge Unterhaltung, großartiges Gute-Laune-Essen und wunderschöner Schreibstil werden hier geboten.

Liebe Nigella möchte ich rufen, Du hast Recht, mir geht das genauso wie Dir! Eigentlich beginne ich eine Rezension meistens anders: Üblicherweise heißt diese Rubrik in meinen Rezensionen „Worum geht’s?“. Hier musste ich einfach anders anfangen, das Buch heißt „Simple“, übrigens 1: 1 vom englischen Originaltitel übernommen und die Autorin erklärt, dass sie es an der Zeit fand, nach einem Vorgängerbuch in 2004, was übrigens „Cook Simple“ heißt und bislang nicht übersetzt wurde, das Thema einer einfachen, aber dennoch raffinierten Küche noch mal aus der Perspektive von heute anzugehen.

Wie bei uns allen hat sich in diesem doch recht langen Zeitraum genauso bei Diana Henry einiges dramatisch verändert: Die Kinder sind größer geworden und manche Prioritäten haben sich verschoben, zudem ist das Angebot an spannenden Zutaten, frischem Obst/Gemüse und Kräutern in Supermärkten und bei Discountern stetig gewachsen. Was sich nicht geändert hat ist, die einen erleben kochen als Muße, sind mit Hingabe im Supermarkt und auf dem Wochenmarkt unterwegs und ständig bereit, etwas Neues auszuprobieren und für die anderen ist kochen eine lästige Alltagspflicht.

Wer ist die Autorin?

 Diana Henry, in Nordirland aufgewachsen, ist eine der beliebtesten britischen Food-Autorinnen. Sie hat eine wöchentliche Kolumne im Sunday Telegraph, schreibt Kochbücher und ist bei BBC Radio 4 regelmäßig auf Sendung. Für ihre journalistische Arbeit und ihre Bücher erhielt sie zahlreiche Preise.

Was ist drin?

Ein Blick ins Vorwort und ich erkenne, hier bin ich richtig!

So nun will ich es aber wissen, haben Diana Henry und ich dieselbe Wellenlänge? Ich werfe schnell einen Blick ins Vorwort und da finde ich doch, was mich interessiert: Bei ausgefallenen Zutaten schreibt die Autorin gibt es ebenso viele Leute, die ihr schreiben, die Raffinesse wollen und andere die das abschreckt, weil entsprechende Einkaufsquellen fehlen. Dina Henry hat sich für Spannung auf dem Teller entschieden, ihr ist die Überraschung wichtig, Pfeffer und Salz kennen wir schon und auch Chia-Samen hat der Lieblings-Discounter inzwischen im Programm. Ich fühle mich bei ihr damit gut aufgehoben. Ich lebe seit mehr als 25 Jahre in einer Großstadt. Raffinesse auf dem Teller ist mir wichtig und war mir immer wichtig, denn ich esse aus Leidenschaft und nicht nur um satt zu werden. Ich bin regelmäßig bei meinem marokkanischen Metzger, im türkischen Laden wegen der tollen Fischtheke, aber ebenfalls mehrmals wöchentlich im Supermarkt um die Ecke und beim Discounter. Ich kaufe alles da, wo ich es in bester Qualität bekomme und erledige sowas gerne auf dem Heimweg und manchmal in der Mittagspause. Jetzt werden vielleicht viele sagen, na klar, aber was mache ich auf dem Dorf? Geht mir nicht anders: Meine Wochenenden verbringe ich in einem kleinen Hunsrück-Dörfchen, ohne Supermarkt, ohne Bäcker, ohne Tante Emma. Kräuter habe ich zum Teil im Garten, aber ich nehme regelmäßig Koriander, Minze und einiges andere mit und verbringe trotzdem nicht jede Mittagspause beim Lebensmitteleinkauf. Ich habe durch gute und inspirierende Kochbücher – wie dieses von Dina Henry – vor allem eins gelernt, nämlich mutig zu improvisieren, ein bisschen zu planen und vor allem die Speisekammer und den Gewürzschrank gut zu bestücken. Diana Henry, versteht es exzellent Gewohntem eine besondere Note zu geben, ohne dabei so komplex zu werden wie es z. B. der britische Fernsehkoch Yotam Ottolenghi tut, genau deshalb bin ich bei ihr goldrichtig! Simpel kochen heißt für mich lecker kochen, am Besten mit einer überschaubare Anzahl von Zutaten (aber es dürfen sehr gerne mehr als 6 sein), die miteinander harmonieren und mir im Besten Fall eine neue Welt eröffnen, aber die mich im schlechtesten Fall nicht zu Tode langweilen. Kochbücher sind für mich Ideengeber, die ich nicht missen möchte, weil sie eine willkommene Abwechslung zur Alltagsküche sind und mir den Zugang zu ganz neuen Aromawelten eröffnen.

Diese Dame lässt sich gerne inspirieren und möchte uns überraschen!

 Diana kocht britisch, ist aber vor allem eine passionierte Rezeptsammlerin und immer auf der Jagd nach dem außergewöhnlichem Kick, ohne es mit der anstrengenden und selbstverliebten Kochweise eines Spitzenkochs aufnehmen zu wollen. Hier geht es um Rezepte mit Pfiff und Twist für Eier, Salate, Toast, Hülsenfrüchte, Pasta, einfaches aus dem Ofen, Kotelett & Würste, natürlich Hähnchen, (denn wir haben es bei ihr mit einer Hähnchenexpertin par excellence zu tun), Gemüse, fruchtige Desserts und Süßspeisen.

Weltweite Beutezüge, immer auf der Suche nach Spannung auf dem Teller

 Die Rezepte von Frau Henry zeigen wie sehr sich unsere Küche und Geschmack in den letzten Jahren verändert haben, Gemüse, Reis, Hülsenfrüchte und Getreide fristen nicht mehr nur ein langweiliges Schattendasein als Beilage, sondern dürfen auf der Bühne glänzen, sie geht dabei sozusagen auf die globale Pirsch und leiht sich von Mumbai bis nach Marrakesch alles was ihr spannend erscheint und uns wirklich versteht zu überraschen. Ebenso wagt sie mit Kümmel, Buttermilch und Dill einen Ausflug in die osteuropäisch/skandinavischen Küchentraditionen und auch Korea und die chinesische Provinz Sichuan haben es ihr in der Küche angetan.

Kostprobe gefällig? – oder wie wäre es mit….

Persisch inspirierte Eier mit Datteln und Chili

Gebratene Gewürzkarotten mit Granatapfel und Avocado

Karotten-Humus mit Ofentomaten & Harissa-Joghurt

Mumbai Toasties

Ofenauberginen mit Kreuzkümmel, Kichererbsen, Walnüssen & Datteln

Einfaches Dal aus roten Linsen und Kürbis

Türkische Pasta mit Feta, Joghurt & Dill

Risotto mit Eier & Speck

Lachs & Gurke mit Misodressing

Brasse gefüllt mit Walnüssen & Granatapfel

Schweinekoteletts mit Senf & Kapern

Türkisch gewürztes Hähnchen mit Petersilien-Salat

Tims Parmesan-Hähnchen

Blumenkohl aus dem Ofen mit spanischen Aromen

Salzige Ofenkartoffeln mit Joghurt

Gebackene Birne mit Lorbeer & Marsala

Streuselkuchen mit Rhabarber & Himbeeren

Hauptsache ein paar Dosen sind im Haus……

Ein weiteres Credo der Autorin sind nicht Kaviar & Co, sondern Dosenware, mit weißen Bohnen und Thunfisch aus der Dose zaubert sie so etwas herrliches wie ein bretonisches Gratin. Sie empfiehlt es uns ihr gleich zu tun und die Speisekammer mit Konserven-Dosen zu schmücken, das sieht nicht nur schön bunt aus auf den Regalbretter, sondern garantiert nach Feierabend auch das eine oder andere Vergnügen auf unserem Teller und das so unkompliziert wie möglich.,

Keep it simple – oder die Tische müssen sich nicht vor Köstlichkeiten biegen!

Die Autorin ist keine Freundin komplexer Speisefolgen und sie rät zur Einfachheit, die Vorspeise weg lassen und einfach ein Hauptgericht mit einem nicht zu komplizierten Dessert servieren. Wenn es doch mal vorweg was sein soll, hat sie leckere und einfache Inspirationen parat, die man nach Gusto und Geschmack ändern kann, manchmal tun es aber genauso Oliven, Käse & Co. Sie spricht hier aus Erfahrung und weiß zu erzählen, dass ihr übergroßer Wunsch die Eltern ihres Partners bei der ersten Esseneinladung zu beeindrucken, darin geendet hat, dass sie sich dabei beim Handtieren mit verschiedenen heißen Pfannen die Haare versenkt hat und dieser angebrannte Geruch fortan über dieser Einladung schwebte. Wir sehen also, wir haben es mit einer ambitionierten Autodidaktin zu tun und nicht mit einem selbstverliebtem Fernsehkoch.

Fazit oder für wen ist das was?

Wenn, Ihr Überraschungen und Raffinesse beim Kochen liebt, liegt Ihr mit Simple von Diana Henry goldrichtig! Wem es ausschließlich um langweilige Ratzfatz-Küche geht und wer partout möglichst alle Zutaten im Supermarkt um die Ecke kaufen möchte, ist hier falsch, Spaß und Muße beim Kochen kann ebenfalls nicht schaden, obwohl die Autorin sehr viel Händchen beweist, große Komplexität, wie sie bei Spitzenköchen üblich ist, bei der Zubereitung vermeidet und jede Menge Tipps für Einkaufsquellen und eine intelligente Vorratshaltung zu geben weiß. Mir gefällt das Buch super und ich würde mir natürlich wünschen, dass Ihr ebenso für Abenteuer am Herd und auf dem Teller offen seid. In diesem Sinne: Let’s get tasty! Ich bin dabei, Dina Henry auch und Ihr?

Herzlichen Dank für die Übersendung eines Rezensionsexemplars.