Uyen Luu: Vietnameasy

Uyen Luu: Vietnameasy

Dorling Kindersley Verlag

Preis: 24,95 €

Worum geht’s?

Vietnam gerne auch bei mir zu Hause – wie geht das ohne Stress?

Die vietnamesische Küche flößt mir nach wie vor Respekt ein und dies obwohl ich in den letzten Jahren den Bestand an Kochbüchern zu dieser Länderküche ausgebaut habe. Um es gleich vorweg zu nehmen einen Klassiker dazu, habe ich mit Interesse studiert, mehr ging leider nicht! Im weltoffenen Frankfurt gibt es natürlich, die für die vietnamesische Küche so wichtigen unterschiedlichen Kräuter im Asia-Markt zu kaufen, aber nur mit viel Lauferei und nur wenn gerade eine frische Lieferung eingetroffen ist. Dass ich die bei uns noch recht unbekannten Chayoten, die wie eine Mischung aus Birne und Rettich schmecken, prima mit Kohlrabi ersetzten kann, weiß ich ebenfalls erst jetzt.

So schiebe ich schon eine geraume Zeit die „Vietnamesen“ in meinem Kochbuch-Regal von rechts nach links und umgekehrt und greife dann doch wieder gerne zu anderen zugänglicheren asiatischen Länderküchen. Rotes Thai-Basilikum oder asiatische Minze, das ist überhaupt kein Problem, aber bei Perilla (ein Sesamblatt, dass auch Shiso genannt wird), ist es schon schwieriger und um vietnamesischen Koriander zu ergattern, der deutlich milder ist und eine leichte Zitrus-Note hat, muss ich entweder Glück haben oder sehr großzügig sein, manches hat seine Frische schon deutlich eingebüßt. Ich suche schon lange nach einem guten vietnamesischen Kochbuch, das alltagstauglicher ist. Ich bin gespannt was die Exil-Vietnamesin, die in London zu Hause ist, mir dazu anbieten kann?

Wer kann helfen, um Vietnam häufiger in unsere Küche einzuladen?

© Laurie Noble

Uyen Luu ist Food-Fotografin und Food-Stylistin. Seit 2009 leitet sie einen vietnamesischen Dinner-Club und gibt auch Kochkurse. Uyen ist in Hackney, London, aufgewachsen, seit ihre Familie in den 1980er-Jahren als Flüchtlinge dorthin gezogen ist.

Wenn easy mehr als ein Zutaten-Down-Grade bedeutet, bin ich gerne dabei!

Easy hm, was heißt das hier hatte ich mich gefragt, als ich die Online-Ankündigung zu Uyen Luu neuem Kochbuch sah? Häufig bin ich damit nicht wirklich glücklich, weil vieles in dieser Rubrik auf Interessenten zugeschnitten ist, die es ganz einfach wollen. Der reine Zutaten-Down-Grade ist für mich jedoch häufig nicht attraktiv genug und eigentlich nur der kleinste gemeinsame Nenner, der sich zwischen Kochbegeisterten und der jeweiligen Länderküche finden lässt. Für meinen Geschmack wird man damit einer echten Streetfood-Küche so überhaupt nicht gerecht, Vietnamesen wissen immer wo sie die besten Sommerrollen oder die beste Pho bekommen. Uyen Luu hat ihr zweites vietnamesisches Kochbuch übrigens im Original schlicht Vietnamese“ getauft und ihr Video, wie man echte vietnamesische Sommerrollen zu Hause baut, weckte bei mir die Hoffnung, dass ich es diesmal in punkto vietnamesisch für meine Küche endlich besser treffen könnte:

Ist Hähnchen-Pho authentisch?

Natürlich kann ich meine Pho (Vietnams Suppenklassiker, der normalerweise nach Rindfleisch und Rinderbrühe verlangt), weiter auswärts essen, eigentlich möchte ich aber endlich sehr gerne mehr über vietnamesische Küche lernen, am besten so authentisch wie möglich und mit einem überschaubaren Zeitaufwand selbst zu Hause vietnamesisch kochen. Ich fürchte dabei keine neuen Gewürze im Küchenschrank oder die Zubereitung mehrerer Bausteine bis das jeweilige Gericht endlich auf dem Tisch steht. Schnell beschließe ich, die Kultsuppe muss es sein und liebäugle mit Uyen’s Rezept für eine Hähnchen-Pho, die Zubereitung scheint mir deutlich schneller zu funktionieren als bei der klassischen Variante mit Rindfleisch. Aber ist die überhaupt authentisch und woran erkenne ich das? Das Schicksal kultureller Aneignung erleiden schließlich gerade die beliebten Klassiker-Rezepturen, die dann vielleicht noch übergriffig verfremdet wurden, um sie möglichst kompatibel für alle zu machen. Begründet wird diese Herangehensweise jeweils mit einem besseren Zugang zu den Zutaten. Nicht dass ich das nicht für wichtig halten würde, ich wünsche mir dies jedoch ein wenig differenzierter und gleichzeitig sehr variabel für mich. Bevor ich mich also an das Rezept für eine Hähnchen-Pho traue, mache ich mich noch schnell bei diesem Podcast schlau, den zwei junge Vietnamesinnen zusammen mit der Zeit machen und kein Blatt vor den Mund nehmen, wenn es um Anmaßung und „Rezepte-Klau“geht.

Beruhigt bin ich als ich höre, dass in eine Pho unbedingt Reisnudeln (das sind die sog. Pho-Nudeln) gehören, passt schon mal. Weitere Pluspunkte vergeben die Damen, wenn ebenfalls die authentischen Gewürze verwendet werden und da schaut es ebenfalls wirklich gut aus. Mehr dazu unten beim Rezept-Check. Ansonsten bringen es die Ladies auf den Punkt: eine sensible Herangehensweise trennt die übergriffigen weißen „Küchen-Nerds“, von denen mit echtem Interesse für eine Länderküche. Und wenn Vietnamesen Unwissende für ihre Küche begeistern wollen, sieht die Sache gleich noch mal ganz anders aus, meinen die Podcasterinnen….

Ein Kochbuch das den Spagat zwischen Vietnam und Europa meistert!

Trotzdem habe ich natürlich weitere Ansprüche an ein richtig gutes Länder-Kochbuch, die gehen im besten Fall sogar weiter als nur nach einem gelungenen Rezept zu suchen. Ihre 80 Rezepte sortiert die junge Vietnamesin so, dass das Wesen dieser Küche schnell sichtbar wird:

Gelockt werden wir zu Beginn mit unkomplizierten und köstlichen Reisgerichten und schon da funktioniert der Spagat zwischen Klassikern mit Geling-Garantie (langsam gegartes Rindfleisch mit Zitronengras & Wurzelgemüse, S. 23 und modernen Abwandlungen (Wolfsbarsch en papillote mit Ingwer & Kimchi, S. 43) sehr gut. Knackige Salate (Hähnchensalat mit Zuckerschoten, Koriander & Schalotten, S. 78) und Gemüsebeilagen umrahmen oder begleiten in Vietnam knusprigen Schweinebauch, S. 98 oder einen glasierten vietnamesischen Schweinebraten, S. 101), ihnen widmet Luu ebenfalls eigene Kapitel und lädt damit Vegetarier (Tofukissen, Tomaten & Brokkolini in Fischsauce, S. 53) und Veganer (Gebratene Brunnenkresse mit Erbsensprossen & Tahin, S. 62) nach Vietnam ein.

Sie weiß ganz genau wie es am besten funktioniert, bleibt immer an meiner Seite und kann mir sogar am Feierabend Vietnam auf meinen Tisch zaubern!

Das Herz der vietnamesischen Küche und das was viele Neugierige zuerst lockt sind jedoch ganz klar die vielen himmlischen Suppen (Nudelsuppe mit Rindfleisch & Zitronengras, S. 130 oder Udon mit Schweinefleisch, S. 133) und da möchte ich wirklich jedes Rezept kochen. Mensch genau so, wollte ich das schon immer und freue mich über die große Expertise mit der diese Autorin ihre Rezepte präsentiert. Die Rezepte können beides, Tradition bewahren und ermutigen durch die vielen Tipps und Alternativen, die aus diesem vietnamesischen Kochbuch für mich ein besonders zugängliches machen. Zeit nehmen sollten wir uns aber schon, sonst macht das Suppen-Projekt á la Vietnam kulinarisch keinen Sinn! Uyen Luu hat sich wirklich sehr viele Gedanken gemacht, es gibt immer wieder Angebote an alle diejenigen, die es ein weniger einfach schätzen (z. B. Nudelsuppe mit Hähnchen, Ingwer & Kürbis, S. 138). Im Kapitel „Mit Freunden schlemmen“ haben wir beispielsweise die Wahl zwischen einem vietnamesischen Nudelsalat mit viel Kontrast und Texturwechsel, S. 97, dem klassischen vietnamesischen Baguette-Sandwich (bánh mi, S. 100) und den beliebten Sommerrollen. So kann sich jeder lecker in die vietnamesische Küche ein schmecken.

Probiert & Verputzt (Rezept-Check):

Nudelsalat mit zweierlei karamellisiertem Schweinebauch

© DK Verlag/Uyen Luu

Der vietnamesische Nudelsalat besteht aus verschiedenen Komponenten: Der süß-würzige gebratene karamellisierte Schweinebauch und/oder die knusprigen Fleischbällchen liegen auf einem Bett aus weichen Reisnudeln (bún) und knackigem, süßsaurem Gemüse mit vielen frischen Kräutern. Dazu gibt es einen warmen nach viel umami schmeckendem Dip aus Fischsauce, Zucker, viel Knoblauch und gehackter Chili, der der Hammer ist!

Hähnchen-Pho

© DK Verlag/Uyen Luu

Dies ist eine sehr köstliche Version des vietnamesischen Suppen-Klassikers Pho, die Hühner-Pho entstand 1939, möglicherweise weil in Vietnam zu dieser Zeit montags und freitags kein Rindfleisch auf den Märkten verkauft wurde. Leicht kommt sie daher, duftet schon beim Kochen verführerisch und ist schnell und unkompliziert zubereitet! Uyen Luu berichtet, dass Vietnamesen bei den Pho-Aromen strikte Regeln beachten: viel Sternanis ist unerlässlich und nicht verhandelbar, außerdem gehören Kardamom (möglichst schwarz), Zimt und gerösteter Ingwer zum weiteren Gewürz-Repertoire für die authentische vietnamesische Pho.

Langsam gegartes Rindfleisch mit Zitronengras & Wurzelgemüse

Im Prinzip wie ein sehr würziges vietnamesisches Gulasch mit knackiger Gemüseeinlage in Form von kurz mitgegarten Zuckerschoten. Sehr unkompliziert in der Zubereitung. Die Gewürze sollten nicht die ganze Garzeit im Gericht mitkochen, dies könnte dann für eine schwach bittere Note sorgen. Es bietet sich an, die Gewürze in einem Teebeutel mit zu garen und nach ca. einer Stunde wieder zu entfernen, haben wir festgestellt.

Ingwer-Hähnchen

© DK Verlag/Uyen Luu

Bei diesem Rezept handelt es sich um ein klassisches vietnamesisches kho-Rezept, das sich sogar im Voraus zubereiten lässt. Uyen erklärt, dass kho-Gerichte in Vietnam sehr beliebt sind. Traditionell wird dafür Fleisch, Fisch, Tofu oder Gemüse zusammen in einem tönernen Topf in Kokoswasser langsam gegart. Das ist einfach, praktisch und ergibt eine leckere Mahlzeit. Vietnamesen verbinden mit einem kho viele Erinnerungen an die Familienküche. Sehr lecker war das Urteil von meinem Lieblingsmann, meins so schnell habe ich selten etwas so leckeres gekocht. Da soll noch einer sagen, vietnamesisch lässt sich nicht mal schnell nach Feierabend kochen!

Fazit: Endlich ich habe mein vietnamesisches Kochbuch gefunden!

Dieses vietnamesische Kochbuch punktet bei mir vor allem durch die vielen Tipps und Tricks zu Zutaten-Variationen und Zubereitungstechniken, die für mich daraus ein sehr gelungenes Kochbuch zur vietnamesischen Küche machen! Hat der englische Observer also doch Recht gehabt, als er mich Mitte Dezember letzten Jahres auf die Spur dieses Kochbuchs geführt hat. Easy hat hier ganz und gar nichts mit einem simplen Down-Grade bei Zutaten und Rezepten zu tun. Uyen Luu will wirklich dabei helfen, dass wir ihre vietnamesische Küche besser verstehen und endlich mehr zu Hause kochen können.

P.S. Bei Luu haben sogar Jamie Oliver und Genaro Contaldo bereits einen Kochkurs gemacht, nicht dass das per sé ein eigenes Qualitätsmerkmal darstellen würde, aber ihre kostbare Zeit haben die Herren richtig eingesetzt, finde ich!

Was die Gestaltung dieses Kochbuchs angeht, sieht man wie geschmackssicher in München gearbeitet wird, das Schweinchen rosa Cover des englischen Originals wird gegen ein schönes Brombeer-Rot getauscht, dies harmoniert wunderbar mit den grün und violett Tönen der aufgeprägten Gemüse und Kräuter und der grün gefärbte Buchschnitt ist einfach der Hit! Preislich bieten die DK´ler damit ein sehr geschmackvolles Buch mit vielen Rezepten und jede Menge Tipps & Tricks und weiteren Information zur Küche Vietnams – Mr. Oliver und Mr. Contaldo dürften für ihre Fortbildung à la Vietnamese mehr berappt haben, macht nichts die Herren verdienen sicherlich gut……

Nik Sharma: Die Anatomie des guten Kochens

Nik Sharma: Die Anatomie des guten Kochens

Edition Michael Fischer

Preis: 36,– €

Worum geht’s?

Was macht ein Gericht verlockend und besonders?

Kochen gilt als Handwerk das verbunden mit Geschmack und Kreativität zu Ergebnissen auf dem Teller führen kann, bei dem man im besten aller Fälle, hoffentlich aus dem Schwelgen gar nicht mehr raus kommt. Mit dem Einzug der Molekularküche in die Sterneküche kam endlich Bewegung in die Materie, mischen sich Chemiker und Molekularbiologen auch in der Küche ein, um das Grundgerüst hinter jedem tollem Rezept sichtbar und übertragbar zu machen. Dass dies jedoch ein sehr ambitioniertes Anliegen ist, wissen die meisten längst, manchmal liegt es schlicht an der Ignoranz der Küchen-Nutzer, die sich erst die vielen Seiten Einleitung zu Gemüte führen wollen, wenn Rezepte überzeugen konnten. Sollten Autoren hier vielleicht ein Machtwort sprechen, auf die Ausführung ihrer Küchenstrategien bestehen oder sich beharrlich und leise mit ganz viel Information und Wissen und natürlich den klasse Rezepten in unsere Küchen und unser kulinarisches Gedächtnis schleichen?

Wer forscht und kocht?

© Nik Sharma

Nik Sharma ist einer der untypischsten Kochbuchautoren der Welt, denn der gebürtige Inder und Wahl-Kalifornier ist kein Koch, sondern Molekularbiologe. Die indische Küche seiner Kindheit und Jugend in Mumbai (vormals Bombay), wo er mit einer goanesisch-stämmigen Mutter und einem Vater mit nordindischen Wurzeln aufwuchs, versucht er inzwischen mit der amerikanischen Küche seiner neuen Heimat zu verbinden. Außerdem fand Sharma sehr schnell Gefallen daran, sein chemisches Wissen in der Rezeptentwicklung einzusetzen. Auf seinem Blog „A Brown Table“ zeigt er immer wieder kreative und außergewöhnliche Rezepte und begeistert damit Millionen von Kochbegeisterten. Sein erstes Buch, der New-York-Times-Bestseller Season (ist gerade auf Deutsch erschienen) feierte riesigen Erfolg und wurde mehrfach ausgezeichnet.

Was ist drin?

Aroma-Kür oder nur ein weiteres Fusion-Kochbuch?

Bei „The Flavor Equation„, dass sich quasi als „Aroma-Kür“ verstehen lässt, was der deutsche Titel leider ausschließlich auf ein Grund-Gerüst verdichtet, hat der Wahl-Kalifornier mit ca. 100 Rezepten und viel Warenkunde nachgelegt, dort wird Geschmackssinn genau unter die Lupe genommen – in seine Grundbestandteile zerlegt und vor allem mit ganz viel Information hinterlegt. Für die New York Times war es deshalb das  bestes Kochbuch im Herbst 2020 und Yotam Ottolenghi attestierte dem Mann, der heute in Los Angeles zu Hause ist, „eine höchst brillante Leistung“! Wohl kaum weil der Brite nach einer „the one and only“ Aroma-Strategie gesucht hat, aber sicher, weil er genau wissen will, warum diese oder jene Zutat jetzt für Geschmack und Konsistenz total Sinn macht, was sie im jeweiligen Kontext für uns tun kann und wann man lieber auf anderes in der Speisekammer zurückgreifen sollte.

Sharma erfindet dabei die Welt des Geschmacks nicht neu, wie könnte er auch, macht aber in seinem Bemühen um Sichtbarkeit ernst, erklärt viel und liebt es alles mit schönen Schautafeln zu garnieren: Fünf Grundgeschmacksrichtungen sauer, bitter, salzig, süß und umami, ergänzt dieser der Vollständigkeit halber mit scharf und fettig. Die weichen Faktoren beim Kochen wie Emotion, Aussehen, Klang, Textur, die wir mit jedem Lieblingsgericht verbinden, werden in seiner ganzheitlichen Betrachtung mit berücksichtigt. Da bin ich gespannt, ob er das wirklich einlösen kann?

Doch muss ich beim weiteren Studieren zugeben, die vielen Erklärungen zu Lebensmitteln aus vielen verschiedenen Kulturkreisen sind informativ, anschaulich und nützlich gemacht. Jetzt dämmert es mir, warum der O. aus L. dem Koch und Wissenschaftler aus Kalifornien eine herausragende Leistung attestiert. Fusion hat so viel in meiner Speisekammer abgestellt, was ich in der Gänze seiner Eigenschaften und Möglichkeiten längst noch nicht verstanden habe! Ich bekomme endlich eine Idee davon, wo jede einzelne Zutat, die sich zwar nicht in meine Speisekammer geschlichen hat (das war ich schon selbst), aber dort nicht wirklich ein lebendiges und erfülltes Leben führt, mehr für mich tun könnte.

Wer sich mal einen persönlichen Eindruck machen möchte, was Nik Sharma beispielsweise zum perfekten Kochen von Hülsenfrüchten als Wissenschaftler beitragen kann, schaut dann mal hier, wirklich gut gemacht!

Nur ästhetische Fotos – oder doch mehr?

Den Food-Fotos von Nik Sharma kann ich mich schwer entziehen, ästhetisch herausragend genauso die Stillleben von gefrorenen Kirschen und benetztem Kohl. Tja, der weiß wie man etwas gekonnt präsentiert und in Szene setzt, aber kann der mich wirklich mit Rezepten überzeugen – Noch bin ich skeptisch, ob es wirklich herausragend wird?

Probiert & Verputzt:

Gerösteter Blumenkohl in Kurkuma-Kefir

© Nik Sharma

Das Rezept nutzt die frische Säure von Kefir, der mit seiner säuerlichen Note für einen tollen geschmacklichen Kontrast sorgt, das schmeckt nicht nur toll, sondern ist eine zeitgemäße, leichte und alltagstaugliche Perspektive für die indische Küche!

Kichererbsenpfannkuchen mit geröstetem Brokkolini

Der nussige Geschmack der Pfannkuchen, den diese dem indischen Kichererbsenmehl verdanken passt sehr gut zu der leicht bitteren Note der gerösteten Brokkolini, eine fruchtig-scharfe Szechuan-Sauce macht dieses Gericht zu einer perfekten Kombi. 2 : 0 für einen Autor, der mir am Anfang austauschbar erschien!

P.S. Kichererbsenmehl ist eher eine kompakte Angelegenheit, wer die Pfannkuchen so locker und luftig wie klassische amerikanische Pancakes möchte, sollte auf Empfehlung von Nik Sharma 1 TL Backpulver, ½ TL Natron und 1 EL Apfelessig zum Teig geben.

Neue Kartoffeln mit Senföl-Kräuter-Salsa

Eigentlich bin ich Salsa-Expertin, Koriander und Minze gehören zu meinem festen Zutaten-Repertoire und ohne Knoblauch kochen wir eigentlich fast nie. Sharma’s-Kombination hat mich angemacht, weil ich unbedingt einmal Senf-Öl ausprobieren wollte. Wir haben eine Mischung aus Olivenöl + Senföl verwendet. Wer es nicht bekommt, kann prima mit einem eher bitteren Olivenöl arbeiten. Die Kombination aus der Schärfe (unterstützt durch Knoblauch), die das Öl mitbringt und Kräuter-Aromen erfährt durch die nussig-süßlichen Pistazienkerne Textur und geschmackliche Vollendung. Viel besser als deine Standard-Salsa lt. die Expertise des Genießers an meiner Seite! Na denn, dann bitte nur noch auf eine gute Qualität bei den neuen Kartoffeln achten, wir hatten welche aus Zypern, die immer besser schmecken, als was es es sonst so zu kaufen gibt. Gibt es z. B. in Frankfurt im türkischen oder marokkanischen Laden und natürlich auf dem Wochenmarkt.

Lamm-Köfte in Mandelsauce

Fleischbällchen mit viel Geschmack, weil sie mit Ingwer, Chili, Kurkuma und gemahlenem Koriander aromatisiert wurden. Diese Aromen wurden in der sie goldgelben begleitenden sämigen Sauce, die Mandelmehl ihre Bindung verdankt, direkt noch mal verstärkt. Geschnippelt wird viel, aber das lohnt sich und für Mandelmehl sorgte mein Mixer. Jetzt steht es sogar schon 4:0 für den kalifornischen Koch!

Dal Mahani

© Nik Sharma

Dieses Rezept ist durchdacht und auf westliche Haushalte adjustiert, durch das Einweichen der Urid-Bohnen verkürzt sich die sonst sehr lange Zubereitungszeit (4 Stunden sind bei der klassischen Variante normal) und mit dem knusprigen Ingwer-Tadka erhält das sehr cremige und würzige Dal einen überraschend knusprigen Twist on top, den der Klassiker nicht bieten kann. Großes Gaumenkino, dass man mit einem selbst hergestellten Garam Masala krönen sollte, der geschmackliche Unterschied ist bei den wenigen Zutaten immens, wie ich beim zweiten Durchlauf feststellen konnte. Durch die Kidney-Bohnen bleibt zudem Textur erhalten. Obacht immer wieder umrühren, die Stärke aus den Hülsenfrüchten führt schnell dazu, dass sonst etwas anbrennen könnte! Ggf. nach persönlichem Gusto die Bohnen länger kochen, das macht den würzigen Geschmack. Ich habe es so gemacht.

Beim Reiskochen, bitte aufpassen, sonst war alles super!

Genau diese Erfahrungen und seine geschmacklich sehr gut ausgearbeiteten Rezepte konnten mir beweisen, hier ist keine Fusion-Aroma-Eintagsfliege als Autor unterwegs, sondern einer der weiß wie es geht und vor allem eine Idee davon hat, was er mit einander verbinden will! Bei einem Rezept sollte der Verlag noch mal nacharbeiten, das Kräuter-Pulao mit Paneer wird mit 1 Liter Wasser gekocht, klappt leider nicht mit 400 g. Basmati-Reis (deutlich zuviel Wasser!) und hat der Autor auch nicht so gemeint: Im amerikanischen Original, spricht Sharma von 960 ml Wasser, das entspricht einem Verhältnis von 2 zu 1, das passt wenn man den Reis nicht vorher einweicht und preist Jamie Oliver als seine bevorzugte Methode zum Reiskochen bei Youtube an. Ich persönlich weiche den Basmati immer vorher ein und lasse diesen nach dem Aufkochen nur noch ausquellen (dann verdunstet weniger), deshalb arbeite lieber mit einem Verhältnis von 1 (Reis) zu 1,5 (Wasser).

Im amerikanischen Original-Titel hat der Autor schon weiter gedacht und Zutaten-Mengen, sowohl in Cups als auch Gramm angegeben, das kann in einzelnen Fällen für Verwunderung sorgen, weil es zu krummen Mengen führt, ist aber keine echte Herausforderung für Nachkocher, weil meistens nicht gebacken wird, wo es aufs Gramm genau sein muss. Würde man aber aus einem TL Salz einen EL in der Übersetzung generiert haben, wäre ich pingelig gewesen. Und so was kommt leider auch immer mal wieder vor, auch wenn sich alle Rezensenten die größte Mühe geben, sowas zu erklären und richtig zu stellen.

Fazit: Ein Kochbuch, das mit Vielfalt und Geschmackserfahrung punktet und mich nach anfänglicher Skepsis vom Talent amerikanischer Köche überzeugen konnte!

Ich war am Anfang nicht so leicht zu begeistern, dieses Kochbuch schien mir einfach zu schön um nützlich zu sein, tolle Ausstattung, stilsichere Fotos und ein Koch der alle Sinne ansprechen will! Was ist sein verdammtes Geheimnis, habe ich mich immer wieder gefragt, wenn ich durch die wunderschönen Fotos geblättert habe, wo ist das Programm mit dem seine Kollegin Samin Nosrat so schnell um die Ecke kam? Beim Probekochen kam dann nach Verlängerung ein 5 :1 Sieg heraus und der Genießer an meiner Seite formulierte recht schnell und ohne Umwege seine Erkenntnis, dieser Koch kann toll kochen, vor allem beherrscht er das Zusammenspiel von Textur und Aroma perfekt! Nik Sharma hat sich dabei auf das verlassen was er aus Indien als Aroma-Gerüst mitgebracht und was ihm in der neuen Heimat gut geschmeckt (persische, italienische und koreanische Momente inklusive) hat, mehr Fusion gibt es bei ihm zum Glück nicht! Ein wunderschönes und ebenso köstlich erhellendes Kochbuch für Foodies, die endlich ihre Speisekammer mit allem was sich darin angesammelt hat, voll umfänglich nutzen wollen – Ästheten und Genießer, dies ist ein Kochbuch speziell für Euch! Kein Buch für Anfänger, dazu ist es zu speziell und der Kalifornier zu Detail verliebt. Man muss sich wirklich viel Zeit nehmen für dieses Kochbuch, mich hat es nach den Probier-Rezepten gehabt und ich habe nur einen Schnitzer entdeckt, der jedoch im Original nicht vorkommt und für erfahrene Hobby-Köche schnell beim Durchlesen des Rezepts evident wird.

Gerösteter Blumenkohl in Kurkuma-Kefir

© Nik Sharma/emf Verlag

Quelle: Nik Sharma: Die Anatomie des guten Kochens

Edition Michael Fischer

Preis: 36,– €

Dieses Rezept nutzt die frische Säure von Kefir, der mit seiner säuerlichen Note für einen tollen geschmacklichen Kontrast sorgt. Nik Sharma nimmt dafür stets eine frische Packung Kefir oder auch mal Buttermilch, da die Produkte mit der Zeit mehr Milchsäure bilden. Das führt nicht nur zu einem sehr herben Geschmack, sondern lässt die Milchproteine auch schneller gerinnen, sobald sie erhitzt werden. Wenn Kefir übrig bleibt, ist Heidelbeereis mit Loomi (Seite 98) eine weitere verlockende Option.

Kichererbsenmehl sorgt hier nicht nur für Bindung, sondern ebenfalls für ein leicht nussiges Aroma. Wenn mich jemand fragt, wie es die vielen Blumenkohl-Kompositionen aus Indien in unsere moderne Zeit schaffen, dieses Rezept ist ein gelungenes und wohlschmeckendes Beispiel, das uns mit seiner Schlichtheit, Alltagstauglichkeit und Raffinesse überzeugen konnte!

Zutaten (für 4 Portionen):

900g Blumenkohl

1TL Garam Masala (selbst gemacht, Seite 312, oder gekauft)

feines Meersalz

60 ml Traubenkernöl oder ein anderes geschmacksneutrales Öl

150g rote Zwiebeln

½ TL gemahlene Kurkuma

½ TL Chilipulver (optional)

30g Kichererbsenmehl

480 ml frischer Kefir oder Buttermilch

½ TL Kreuzkümmelsamen

½ TL schwarze oder braune Senfkörner

1TL rote Chiliflocken

2 EL gehacktes Koriandergrün (alternativ glatte Petersilie)

Das Aroma-Konzept: Nutzt man die Säure fermentierter Milchprodukte wie Kefir sowie die Maillard-Reaktion, erhält Gemüse eine zartbittere Note, und es bilden sich neue Geschmacksmoleküle. Kichererbsenmehl, das Stärke enthält, dient als Verdickungsmittel für die Saucenbasis. Das Knistern der Körner und Samen ist ein guter Indikator dafür, wie heiß das Öl ist. Ist das Öl heiß genug, beginnen sie sofort zu knistern und werden schnell braun.

Den Backofen auf 200°C vorheizen. Den Blumenkohl putzen und in Röschen schneiden. In einen Bräter oder eine Auflaufform geben, Garam Masala darüberstreuen, mit Salz würzen und gut vermengen. 1EL Öl darüberträufeln und die Röschen gleichmäßig damit überziehen. Dann im Ofen 20–30 Minuten rösten, bis es goldbraun ist und einige dunkle Röststellen aufweist. Nach der Hälfte der Garzeit einmal wenden. Währenddessen einen tiefen mittelgroßen Topf oder Schmortopf auf mittelhoher Stufe erhitzen. Zwiebeln schälen und fein hacken. 1EL Öl und dann die Zwiebeln hinzufügen und 4–5 Minuten glasig dünsten. Die Kurkuma und das Chilipulver hinzufügen und 30 Sekunden rösten. Hitze etwas reduzieren und das Kichererbsenmehl unterrühren. Das Ganze unter häufigem Rühren 2–3 Minuten garen. Dann die Hitze nochmals reduzieren, bis das Gericht nur noch leicht köchelt. Unter ständigem Rühren den Kefir unterheben. Die Sauce 2–3 Minuten garen, bis sie leicht eindickt, dabei im Auge behalten. Den gerösteten Blumenkohl unter die Sauce heben und vom Herd nehmen. Mit Salz abschmecken. Dann einen kleinen Topf auf hoher Stufe erhitzen und die restlichen 2EL Öl hinzufügen. Ist das Öl heiß genug, Kreuzkümmel und Senfkörner dazugeben und 30–45 Sekunden rösten, bis die Körner aufplatzen und beginnen, braun zu werden. Vom Herd nehmen, die Chiliflocken hinzufügen und das Öl in der Pfanne schwenken, bis es sich rot färbt. Rasch über den Blumenkohl gießen. Mit Koriander garnieren und mit Reis oder Parathas warm servieren

Gebratener Kokosreis

(c) DK Verlag/Ellis Parinder, Rezepte: Lopè Ariyo

Quelle: Lopè Ariyo: Hibiskus

Einfach köstlich nigerianisch kochen

Fotos: Ellis Parinder

Dorling Kindersley Verlag

Preis: 19,95 €

Den Kokosreis hatten wir zusammen mit dem Wassermelonensalat und das hat wirklich toll zusammen gepasst! Er ist eigentlich eine Beilage, die man in Nigeria gerne zu Hühnchen-Gerichten serviert. Die Menge für 4 Portionen ist reichlich bemessen. Mit dem Wassermelonen-Salat haben wir ihn als leichtes vegetarisches Lunch-Menü genossen. Hier mache ich eine Ausnahme, ich habe beim zweiten Mal mich nicht auf Knoblauch- und Ingwerpulver als Würzzutat verlassen, sondern dies frisch verwendet und würde das bei diesem Rezept so immer wieder machen!

In Nigeria wird gebratener Kokosreis zu besonderen Anlässen wie Hochzeiten oder Geburtstagen serviert, bei denen üblicherweise ein Büffet aufgebaut wird. Die Gäste haben dann die Wahl zwischen Jollof und gebratenem Reis und diversen Beilagen. Meistens aber türmen sich beide Gerichte auf den Tellern. Echter nigerianischer gebratener Reis enthält Rinderleber oder Garnelen. Lopè bereitet ihn aber lieber mit Pilzen zu, und auch beim Gemüse hat man die freie Wahl. Im Frühjahr beispielsweise ersetzt Lopè die grüne Paprika gerne durch grünen Spargel. Lopè  empfiehlt das Gericht als Hauptgericht oder als Beilage zu einem Hähnchengericht wie dem Hibiskus-Hähnchen (s. S. 114) oder Perlhuhn mit Kolanüssen (s. S. 124).

Zutaten (für 4 Personen):

400 ml Kokosmilch

250 ml Hühnerbrühe

½ TL getrockneter Thymian

2 getrocknete Lorbeerblätter

370 g Langkornreis (oder Basmatireis)

1 EL Erdnussöl (oder Kokosöl)

½ rote Zwiebel, fein gehackt

6 kleine Champignons, abgewischt und in Scheiben geschnitten

½ grüne Paprikaschote, entkernt und in feine Streifen geschnitten

½ gelbe Paprikaschote, entkernt und in feine Streifen geschnitten

1 große Karotte, in feine Streifen geschnitten

1 TL gemahlener Koriander

¼ TL gemahlene Kurkuma

1 TL Knoblauchpulver

1 TL gemahlener Ingwer

Salz und weißer Pfeffer

Zubereitung:

Die Kokosmilch mit der Hühnerbrühe, Thymian und Lorbeerblättern in einem großen Topf zum Kochen bringen. Die Hitze reduzieren und die Ko­kosmilch 5 Minuten köcheln lassen, bis sie zu duften beginnt.

Inzwischen den Reis abspülen, bis das Wasser klar bleibt, und abtropfen las­sen. In die Kokosmilch geben; der Reis sollte knapp bedeckt sein. Die Hitze auf mittlere bis starke Stufe erhöhen und den Reis bei aufgesetztem Deckel etwa 10 Minuten garen. Dabei regelmäßig umrühren, damit der Reis sich nicht am Topfboden festsetzt. Wenn der Großteil der Kokosmilch aufgesogen ist, sollte der Reis noch etwas Biss haben und nussig duften. Den Topf vom Herd nehmen.

Das Öl in einer großen, hohen Pfanne erhitzen. Zwiebel, Pilze, Paprika und Karotte hineingeben. Mit Koriander, Kurkuma, Knoblauchpulver und Ingwer würzen und bei mittlerer bis starker Hitze 7 Minuten unter ständigem Rüh­ren braten. Den Reis untermengen. Salzen und pfeffern. Die Hitze reduzie­ren und den Gemüsereis bei aufgesetztem Deckel weitere 5–10 Minuten garen.

Den Reis auf vier Tellern anrichten oder in einer großen Schüssel auf den Tisch stellen.

Zubereitungszeit: 15 Min.Garzeit: 30 Min.

Wassermelonensalat mit Gurke

Fotos: © DK Verlag/Ellis Parinder, Rezepte: Lopè Ariyo

Quelle: Lopè Ariyo: Hibiskus

Einfach köstlich nigerianisch kochen

Fotos: Ellis Parinder

Dorling Kindersley Verlag

Preis: 19,95 €

Ein sehr feiner Salat, frosten muss man nur, wenn es wirklich so heiß wird wie Anfang Juli bei uns… Klimazonen wachsen zusammen, nicht das ich mir das vorher gewünscht hätte, aber wenn es nicht regnet ist es im Sommer 2021 einfach so…… Wir kombinierten ihn zum Reis, der damit sehr gut kann. Lopè Ariyo kann viel, das haben wir gelernt und haben Nigeria (Westafrika) endlich in unserer Alltagsküche sehr köstlich willkommen geheißen, darum geht’s und das wird klasse gemacht!

Natürlich war es die überwiegende Zeit in Nigeria als Lopè dort im Internat war sehr warm, aber an richtig heißen Tagen kaufte ihre Großmutter Wassermelonen und Gurken, schnitt sie klein und gab sie in den Gefrierschrank. In Europa sind die Temperaturen wirklich selten so hoch, aber wenn doch, fühlt sich Lopè sofort wieder nach Nigeria versetzt und erinnert sich daran, wie wunderbar erfrischend dieser gefrostete Salat ist.

Zutaten (für 4 Personen):

1 kleine Wassermelone

2 Salatgurken

50 g Egusi-Kerne

1 Stück Ingwer (4 cm), geschält und gerieben

Für das Ingwer-Dressing

3 EL Erdnussöl

1 EL frisch gepresster Zitronensaft

1 EL Kokosblütensirup (oder Honig)

2 EL Reisdrink

1 TL gemahlener Ingwer

½ TL zerstoßene Chiliflocken

Zubereitung:

Die Wassermelone halbieren und entkernen. Falls vorhanden, das Fruchtfleisch mit einem Kugelausstecher herauslösen. Alternativ die Hälften noch einmal durchschneiden. Das Fruchtfleisch mehrmals bis zur Schale einschneiden und mit einem Löffel von der Schale lösen. Die Stücke mit einem Messer in kleinere Scheiben schneiden. Beiseitelegen. Die Gurken schälen und längs halbieren. Die Kerne mit einem Teelöffel herausschaben. Das Fruchtfleisch in Scheiben schneiden.

Wassermelonenkugeln oder -scheiben und Gurken auf zwei Blechen verteilen, sodass sich die Stücke nicht berühren. Mit Frischhaltefolie abdecken und 2–3 Stunden tiefkühlen. Wenn’s schneller gehen soll, die Zutaten mindestens 1 Stunde im Kühlschrank kühlen.

Inzwischen für das Dressing alle Zutaten in einer Schale vermischen und beiseitestellen.

Die Egusi-Kerne in einer kleinen Pfanne bei schwacher Hitze etwa 5 Minuten rösten, bis sie leicht gebräunt sind und zu knacken beginnen. Auf einen Teller geben.

Wenn Wassermelone und Gurken fest gefroren sind, in eine große Schüssel geben und mit dem geriebenen Ingwer vermengen.

Den Salat auf vier Servierschalen verteilen. Dressing und Egusi-Kerne sepa­rat dazu reichen, sodass sich jeder nach seinem Geschmack selbst bedie­nen kann.

Zubereitung: 15 Min. plus Tiefkühlzeit

Lopè Ariyo: Hibiskus

Lopè Ariyo: Hibiskus

Einfach köstlich nigerianisch kochen

Fotos: © DK Verlag/Ellis Parinder, Rezepte: Lopè Ariyo

Dorling Kindersley Verlag

Preis: 19,95 €

Worum geht’s?

Herzlich willkommen Westafrika!

PR für afrikanische Küche

Es gibt nicht viele weiße Flecken auf der Kochbuchländer-Karte, allerdings ist Afrika ein solcher… Gibt es gefühlt das x-te Kochbuch zur italienischen Küche, kam Afrika bislang im Kochbuch eher schlecht weg. Laut Wikipedia zählen zum Oberbegriff Westafrika ganze 17 Staaten. Von „B“ wie Benin bis „S“ wie St. Helena, mit Mauretanien und Mali im Norden und Nigeria, Ghana und der Elfenbeinküste im Süden erstreckt sich die Groß-Region über einen Großteil des afrikanischen Kontinents.

Nach dem Hype um Hawaii-Poké-Bowls und Ceviche aus Peru verlangt das kulinarisch inspirierte Genießer-Herz inzwischen nach neuen fernen Genüssen. Als neuer Trendsetter hat sich da besonders in Großbritannien die westafrikanische Küche ins Spiel gebracht und mehr und mehr Fans gewonnen. Eine Generation von jungen Foodies mit afrikanischen Wurzeln und viel Elan möchte, dass ihre afrikanischen Heimat Küchen endlich auch in unseren heimischen Küchen ankommen.

Lopè Ariyo ist eine von ihnen, 23jährig hat diese in 2016 direkt nach ihrem Mathematik-Studium an einem Wettbewerb des Red-Magazine und Harper Collins teilgenommen, wo der Koch oder die Köchin gesucht wurde, die es schafft, afrikanische Küche so beliebt und populär zu machen, dass die vielen Homecooks ihr kulinarisches Interesse endlich nach Afrika lenken. Lopè hat diesen Wettbewerb mit ihrem Rezept für ihr Hibiscus-Hühnchen gewonnen.

Was ist drin?

2017 erschien dann ihr westafrikanisches nigerianisches Kochbuch Hibiskus in UK. Lopè Ariyo hat mit Superclubs und in Kolumnen im Guardian dazu beigetragen, die Küche ihrer Heimat bekannter zu machen und räumt dabei gehörig mit dem Vorurteil auf, dass die nigerianische Küche nur scharf ist. Die Rezept-Kreationen der Londonerin zeigen wie die Hähnchen-Keulen ihrer Mum stets eine sehr würzige Seite.

Mammas Hähnchenkeulen

Lopè wuchs in London mit einer Mutter auf, die bekannt ist für ihre superleckeren Hähnchenkeulen, (Mamas Hähnchenkeulen, S. 112) und außerdem ein ausgesprochenes Faible für Meeresfrüchte und Fisch hat. Zu Lopè’s Geburtstag gab es of Thunfisch-Spieße mit Kochbananen-Wedges (S. 94), die wieder mit einer tollen Würzung überzeugen und wo die Kombination von Thunfisch und Früchten sehr gelungen ist. Aus ihrer Internatszeit in Nigera hat Ariyo ein paar sehr ansprechende Salat-Kreationen mitgebracht (Okra-Mango-Salat, S. 20 + Fenchel-Mango-Salat, S. 25).

Erdnuss-Karamell-Riegel

Die Nigerianische Speisekammer…..

Mittlerweile ist es nicht mehr so schwer an die typischen nigerianischen Zutaten zu kommen, zu denen neben Yamswurzeln, Maniok, scharfe Chilischoten und Kochbanen gehören. Die Autorin stellt diese gleich zu Beginn mit nützlichen Fotos vor, was sich für mich beim Einkauf als Glücksfall erwies, nur so gelang es mir anstelle der gewünschten Yams nicht bei Maniok als Zutat für die Yams-Pommes zu landen. Fündig wurde ich im indischen Geschäft, auch Erdnussmehl und Egusi, das sind Melonenkerne, konnte ich dort bekommen, Dieses Geschäft hat sich wie andere asiatische Shops zur Aufgabe gemacht, ebenso die afrikanische Gemeinde mit ein paar Grundzutaten zu versorgen. Für Hibiskusblüten und Carob-Pulver (für das die getrockneten und gemahlenen Schoten des Johannisbrotbaums vermahlen werden und das leicht säuerlich schmeckt) habe ich den Online-Handel bemüht, wäre aber vermutlich im gut sortierten Bio-Supermarkt genauso fündig geworden. Vieles andere an Gewürzen wie Kurkuma, Nelke, Kreuzkümmel, Muskatnuss befindet sich sowieso in den meisten Gewürzschränken von Kochbegeisterten. Bei getrocknetem Dill, getrockneter Petersilie und Zwiebel-Granulat konnte mir sogar der Discounter weiterhelfen. Obwohl ich zunächst skeptisch war, die werden sonst in meinem Gewürzschrank nicht geduldet, habe ich mit Ariyos Rezepten damit erstaunlich interessante geschmackliche Erfahrungen gemacht…. Dazu später im Rezept-Check. Würziger Estragon lerne ich, passt nicht nur gut zu Spargel, sondern gibt ebenfalls vielen nigerianischen Rezepten einen würzigen Schliff.

Probiert & Verputzt:

Kuli-Kuli-Kabeljau mit pikanten Yamswurzel-Fritten

Das Abenteuer begann für mich direkt mit dem Einkauf. Das erste Mal sollten Yamswurzeln das Ziel meines Zutaten-Beutezuges werden. In einem indischen Spezialitäten-Geschäft wurde ich fündig. Ohne das entsprechende Warenkunde- Foto hätte ich mich nicht getraut zuzugreifen, mit Fragen kommt man nicht immer weit.

Die Verarbeitung der Yams-Wurzel erwies sich als sehr unkompliziert, die Knolle landet als dick geschnittene Pommes nach dem Blanchieren auf dem Backblech und die Pommes bekommen durch Chilipulver ein bisschen Schärfe. Ich habe mich hierbei für ein koreanisches entschieden – stand noch rum und hat prima gepasst und verlieh dem ganzen noch eine fruchtige Note. Die Pommes werden außerdem in Mehl gewälzt, das sorgt für eine schöne Kruste.

Der Fisch wird mit getrockneten Kräutern, Zwiebel-Granulat und Selleriesalz aromatisiert und bekommt anschließend eine Buttermilch-Panade mit einer Mischung aus Weizen- und Erdnussmehl. Da kein Selleriesalz im Haus war, musste ich improvisieren…. Die Hunsrück-Küche ohne Supermarkt in Reichweite erfordert Kreativität, den Job des Selleriesalzes musste kurzerhand Schabzigerklee übernehmen und zeigte uns, wie toll die Sellerie-Note zu getrocknetem Dill passt. Eine ganz neue Erfahrung, die mit vielen Vorurteilen aufräumen konnte, es müssen nicht immer frische Kräuter sein, um viel Geschmack zu genieren. Der Fisch war richtig klasse und kam saftig aus dem Ofen – für die Yams-Pommes habe ich weniger Zeit als angegeben gebraucht, sonst wären sie vermutlich zu trocken geworden. Umluft empfiehlt sich hier nicht!

Wassermelonensalat mit Gurke

Mein Mann war begeistert und ich verstehe sehr gut warum, dieses Rezept ist die perfekte Kombination aus süß und scharf und frisch. Die Egusi-Kerne, waren für ihn ebenso neu wie köstlich. Auf meine Vermutung hin, man könnte vielleicht auch Mandelblättchen stattdessen verwenden, hat er das strikt abgelehnt und fand die gerösteten Melonenkerne als Topping zum Salat sogar deutlich besser.

Gebratener Kokosreis

Den hatten wir zusammen mit dem Wassermelonensalat und das hat wirklich toll zusammen gepasst! Der Kokos-Reis ist eigentlich eine Beilage, die man in Nigeria gerne zu Hühnchen-Gerichten serviert. Die Menge für 4 Portionen ist reichlich bemessen. Mit dem Wassermelonen-Salat haben wir ihn als leichtes vegetarisches Lunch-Menü genossen. Hier mache ich eine Ausnahme, ich habe beim zweiten Mal mich nicht auf Knoblauch- und Ingwerpulver als Würzzutat verlassen, sondern dies frisch verwendet und würde das bei diesem Rezept so immer wieder machen!

Fazit: “The cook who brought West African cuisine into home kitchens”

Schaut man sich dieses Kochbuch an bekommt man gleich gute Laune, es ist ein farbenfrohes sehr ansprechendes Kochbuch geworden und die afrikanische Lebensfreude vermittelt sich spürbar.

Ariyo hat das Motto des Wettbewerbs zum Herzensanliegen ihres wirklich sehr gelungenen Afrika-Kochbuch gemacht und zeigt viel Mühe und vor allem Talent, ihre nigerianische Küche endlich so zu präsentieren, dass beliebte Klassiker Westafrikas wie z. B. Jollof, das ist ein Tomaten Reis, der ursprünglich aus dem Senegal stammt und in ganz Westafrika beliebt ist, lecker in unserer Küche ankommt. Die Londonerin gibt ihm sogar als Blumenkohl-Jollof eine neue Perspektive. Obe Ata ist eine nigerianische Paprikasuppe, die häufig genauso als Sauce zum Einsatz kommt und die Lopè zu einem Ofengemüse, das aus Auberginen, Kochbananen, Paprika, Zwiebeln, Okra, Tomaten und den für Nigeria so typischen Yamswurzeln besteht, kombiniert. Alle 100 Rezepte im Buch zeigen zwei Dinge, die sehr wichtig sind, wenn exotische Küche wirklich bei Nachkochern zu Hause ankommen sollen: Zum einen versteht es die Autorin exzellent, den traditionellen afrikanischen Speisen, die woanders auch mal fad und langweilig schmecken können, viel Würze zu verleihen. Der Fisch in Kuli-Kuli-Panade mit pikanten Yamswurzelfritten überzeugt trotz sonst von mir nicht verwendeter getrockneter Zutaten aus dem normalen Supermarkt. Der Fisch ließ sich zudem zusammen mit den Fritten unkompliziert im Backofen zubereiten und verließ diesen würzig, knusprig und saftig.

Zum anderen sprechen mich Lopè Ariyo‘s Rezepte im Buch deshalb geschmacklich deutlich mehr an, als es andere Bücher zu afrikanischen Küchen konnten, wo man die Chance nicht so konsequent genutzt hat, weil die Rezepte so umgebaut wurden, dass sie viele Nachkocher mit gut austarierten Neu-Kreationen, die gnauso in London und Frankfurt meisterbar sind, abholen und die oft richtig toll schmecken. Die Hähnchenkeulen der Mama und beispielsweise das Hibiskus-Hähnchen haben dieses Potenzial total. Und die süßen frittierten Puff-Puff-Bällchen, Lagos Mess und ein Mango-Kokos-Dessert sind weitere kreative Eigen-Kreationen, die sogar für unseren Gaumen einfach noch mal mehr Pfiff bekommen haben, indem sie gekonnt das beste aus beiden Welten ansprechend und köstlich kombinieren! Lopè Ariyo hat – ähnlich wie Sabrina Ghayour bei der persischen Küche – der westafrikanischen Küche, endlich den Weg zu uns nach Hause geebnet!

Glasierte Miso-Paprika

© Jamie Oliver Enterprises Ltd (2020 7 WAYS), Fotos: Levon Biss/Autorenfotos: Paul Stuart und Matt Russel, f. d. dt. Ausgabe Dorling Kindersley Verlag

Tofu Ananas, Reisnudeln & zerstossene Wasabi-Erbsen

Genial einfach,  jedoch eine ganz normale Miso-Paste aus dem Supermarkt konnte hier als Hauptdarsteller nicht wirklich überzeugen, mit einem Miso aus dem Asia-Markt schon gleich deutlich besser……

Quelle: Jamie Oliver: 7 mal anders

Je 7 Rezeptideen für deine Lieblingszutaten

Fotos: Levon Biss

Verlag Dorling Kindersley

Preis: 26,95  €

Für 2 Personen –  fertig in 25 Minuten:

1 Dose Ananasringe in Saft (220 g)

280 g fester Tofu

2 Paprikaschoten in verschiedenen

Farben

Olivenöl

4 Frühlingszwiebeln

4 Knoblauchzehen

90 g Vermicelli (dünne Reisnudeln)

20 g Wasabi-Erbsen

2 gehäufte TL rotes Miso

Die Ananasringe abtropfen lassen (den Saft aufheben), dann ohne Fett in eine große beschichtete Pfanne geben. Den Tofu in vier Stücke schneiden und hinzufügen. Alles bei mittlerer Hitze 4 Minuten kräftig anrösten, dann wenden und auch die andere Seite anrösten. Ananas und Tofu herausnehmen, die Pfanne auf dem Herd lassen. Die Paprikaschoten entkernen, in 2 cm große Stücke schneiden und mit ½ EL Olivenöl in die Pfanne geben. Mittlere bis schwache Hitze einstellen. Die Frühlingszwiebeln putzen, die weißen Teile in 2 cm lange Stücke schneiden und in die Pfanne geben, die grünen Teile beiseitelegen. Den Knoblauch schälen, in feine Scheiben schneiden und hinzufügen. Alles etwa 10 Minuten garen, bis es weich und angeröstet ist, dabei regelmäßig umrühren. Inzwischen die grünen Frühlingszwiebelteile in feine Ringe schneiden. In einer hitzebeständigen Schüssel die Nudeln mit kochend heißem Wasser bedecken. Die Wasabi-Erbsen im Mörser fein zerstoßen.

Das Miso mit dem Ananassaft verrühren. Mit 1 Schuss Wasser in die Pfanne mit den Paprika gießen. 1 Minute brodeln lassen, dann Tofu und Ananas zum Glasieren mit in die Pfanne geben. Die Nudeln abgießen und auf zwei Teller verteilen. Erst die Paprika, dann Tofu und Ananas daraufgeben. Mit den grünen Frühlingszwiebelringen und den zerstoßenen Wasabi-Erbsen bestreuen und sofort genießen.

Auberginen-Laksa

© Jamie Oliver Enterprises Ltd (2020 7 WAYS), Fotos: Levon Biss/Autorenfotos: Paul Stuart und Matt Russel, f. d. dt. Ausgabe Dorling Kindersley Verlag

Massaman-Curry, Ingwer, Nudeln, Kokosmilch & zerstoßene Cashewkerne

Geschmacklich toll, die aromatische und leicht scharfe Currypaste harmoniert perfekt mit den süß-chrunchigen Cashewkernen und verhelfen den Auberginen zu Tiefe.

Quelle: Jamie Oliver: 7 mal anders

Je 7 Rezeptideen für deine Lieblingszutaten

Fotos: Levon Biss

Verlag Dorling Kindersley

Preis: 26,95  €

Für 6 Personen –  fertig in 50 Minuten:

6 große Auberginen (à 400 g)

Olivenöl

Rotweinessig

6 gehäufte TL Massaman-Currypaste

60 g geröstete Cashewkerne mit

Honig

6 Frühlingszwiebeln

1 Stück Ingwer (6 cm)

1 Dose fettreduzierte Kokosmilch

(400 g)

1 l Bio-Gemüse- oder Hühnerbrühe

450 g Eiernudeln

Den Backofen auf 180 °C vorheizen. Drei Auberginen in 2 cm dicke Scheiben schneiden. In einer Tasse je 1 EL Olivenöl und Rotweinessig, 1 gehäuften TL Currypaste sowie 1 Prise Meersalz und schwarzen Pfeffer verrühren. Die Auberginenscheiben von beiden Seiten damit einpinseln, dann nebeneinander auf ein Backblech legen und im Ofen 40 Minuten rösten. Inzwischen die übrigen Auberginen in einer Pfanne bei starker Hitze rundherum rösten, bis sie kräftig gebräunt und weich sind. Herausnehmen, die Pfanne auf dem Herd lassen. Während die Auberginen bräunen, die Cashewkerne im Mörser grob zerstoßen und beiseitestellen. Die Frühlingszwiebeln putzen, den weißen Teil würfeln (den grünen Teil beiseitelegen) und mit der restlichen Currypaste in den Mörser geben. Den Ingwer schälen, hacken und hinzufügen und alles zu einer Paste zerstoßen. Den grünen Teil der Frühlingszwiebeln in feine Streifen schneiden und in kaltes Wasser legen.

Die gerösteten Auberginen längs halbieren, das Fruchtfleisch herauslösen und mit 1 EL Öl in die heiße Pfanne geben. Die Currypaste unterrühren und 2 Minuten anschwitzen. Kokosmilch, Brühe und 1 EL Rotweinessig dazugießen und zum Kochen bringen. Die Nudeln nach Packungsangabe garen, dann abgießen und auf vorgewärmte Schalen verteilen. Das Laksa abschmecken, in die Schalen schöpfen und die Auberginenscheiben hineinlegen. Die Frühlingszwiebeln abtropfen lassen, mit etwas Rotweinessig mischen und mit den Cashewkernen über die Suppe streuen.

Cremiger Brokkoli-Risotto

© Jamie Oliver Enterprises Ltd (2020 7 WAYS), Fotos: Levon Biss/Autorenfotos: Paul Stuart und Matt Russel, f. d. dt. Ausgabe Dorling Kindersley Verlag

Brokkoli bei den Lieblingszutaten, den habe ich ehrlich gesagt schon ewig nicht mehr gekauft, dieses Rezept stellt ihm ein paar geschmackstarke Kumpels (Sardellen und Gorgonzola) an die Seite und mit dem Petersilien-Öl kommt eine frische angenehme Note dazu – sehr fein!

Quelle: Jamie Oliver: 7 mal anders

Je 7 Rezeptideen für deine Lieblingszutaten

Fotos: Levon Biss

Verlag Dorling Kindersley

Preis: 26,95  €

Für 4 Personen – fertig in 40 Minuten:

1,5 l Bio-Gemüse- oder Hühnerbrühe

1 Brokkoli (375 g)

1 Zwiebel

Olivenöl

2 Sardellenfilets in Öl aus

nachhaltiger Quelle

300 g Risottoreis

½ Bund glatte Petersilie (15 g)

1 Zitrone

natives Olivenöl extra

60 g Gorgonzola

Die Brühe bei schwacher Hitze leicht zum Sieden bringen. Das holzige Ende des Brokkolistrunks abschneiden, die Röschen abtrennen und in kleine Stücke schneiden, den Strunk fein hacken. Die Zwiebel schälen, fein hacken und mit dem gehackten Brokkolistrunk und 1 EL Olivenöl in einen großen, hohen Topf geben. Bei mittlerer Hitze 10 Minuten anschwitzen, dabei regelmäßig umrühren. Zuerst die Sardellenfilets, dann den Reis unterrühren und 2 Minuten anrösten. Nach und nach die heiße Brühe dazugießen, immer nur eine Kelle auf einmal, und vor jeder weiteren Zugabe rühren, bis der Reis die Flüssigkeit vollständig aufgenommen hat – nach 16–18 Minuten ist er gar. Nach der Hälfte der Garzeit die Brokkoliröschen untermengen. Inzwischen die Petersilienblätter in den Mörser zupfen und mit 1 Prise Meersalz zerstoßen. Den Saft einer Zitronenhälfte hineinpressen und 2 EL natives Olivenöl extra untermischen.

Einen Großteil des Gorgonzolas in den Topf krümeln, den Saft der anderen Zitronenhälfte dazupressen, gut umrühren und den Risotto sorgfältig abschmecken. Noch eine Extrakelle Brühe unterrühren und den Reis zugedeckt weitere 2 Minuten quellen lassen, so wird er schön cremig. Vor dem Servieren den restlichen Gorgonzola über den Risotto krümeln und alles mit dem Petersilienöl beträufeln.

Jamie Oliver: 7 mal anders

Jamie Oliver: 7 mal anders

Je 7 Rezeptideen für deine Lieblingszutaten

Fotos: Levon Biss

Verlag Dorling Kindersley

Preis: 26,95 €

Einfache Ideen für jeden Tag – konzipiert von einem Meister der Rezept-Hacks!

Behind the scences…

Was ist drin?

Excuse me – may I have a look?

Jamie Oliver und sein Team haben sich bei „7 mal anders“ im Vorfeld zum Buch überlegt, wie es nach seinem Kochbuch zur 5-Zutatenküche und „Veggies“ weiter gehen kann? Und wie es wieder gelingt noch mehr Menschen fürs Selberkochen am Feierabend zu motivieren. 18 Zutaten von Brokkoli, über Blumenkohl, Avocado, Hackfleisch, Paprikaschoten bis hin zu Steak, Eiern, Fischfilet, Pilzen und Hähnchen haben er und sein Team identifiziert, die immer wieder in unserem Einkaufswagen landen.

„Meet your audience where they are, not where you are…..”

Zutaten, die also schon mal bei den meisten zu Hause vorrätig sind und dann ist es natürlich überaus praktisch, wenn man aus ganzen 100 Rezepten auswählen kann, wie diese unkompliziert und spannend als leckeres Gericht in sagen wir normalerweise 10 – 40 Minuten für uns und unsere Familie auf dem Tisch stehen können. Gäste sind natürlich ebenfalls willkommen, für die hat der britische Koch aber noch was Besonderes in peto. Das vegane Ernährung längst kein ideologischer Luxus ist, sondern eine wohl überlegte Option für uns darstellt, belegt ein Rezept für eine Avocado-Hollandaise. Oliver ist in der Küche Pragmatiker und sehr nah an seiner Zielgruppe dran.

Wer weder Zeit noch Lust auf Kochen oder Abwaschen hat, es noch nicht kann und nur einmal in der Woche zum Einkaufen kommt und sowieso lieber Lust auf eine Take-away Bestellungen hat, wird direkt und lecker mit wirklich einfachen Rezepten, die überschaubare Zutatenlisten aufweisen und wenig Komplexität und Technik einfordern täglich von Jamie Oliver in die Küche eingeladen und merkt schnell, geht doch, warum habe ich das nicht schon früher probiert?

Jedes Rezept muss es schnell bringen – jetzt sind Rezept-Hacks gefragt!

Knusprige Lachs-Tacos

72 % aller Rezepte sind von Jamie und seinem Team so durch optimiert, dass diese Feierabend tauglich sind und dennoch mühelos dem Lieferdienst Konkurrenz machen. So lässt sich heute indisch (Blumenkohl-Kichererbsen-Curry u. schnellem Fladenbrot – Backpulver macht es möglich), morgen italienisch (Pasta mit Bratwurst, Chiliflocken, Fenchel, Tomaten & Brokkoli) und übermorgen mexikanisch (Jamies mexikanischer Hackbraten) in Rekordzeit kochen. Am drauffolgenden Tag kann sogar ein äthiopisches Fischcurry auf dem Tisch stehen. Der Brite ist dabei nicht mehr ausschließlich auf Original-Zutaten abonniert. Seine moderne Alltagsküche, lebt von intelligenten Rezept-Hacks, denn für die Nachkocher muss es an ganz normalen Tagen schnell gehen und dabei trotzdem leckere Ergebnisse liefern! Das funktioniert aber nur mit einer Rezeptentwicklung, die mitdenkt und optimiert! Parade-Beispiel: Rindfleischtopf mit Guinness, siehe Rezept-Check….

I love Brathähnchen! – so bekommt man 6 auf einen Streich glücklich satt…

Lediglich 28 % der Gerichte in „7 mal anders“ sind für besondere Gelegenheiten, für das Wochenende oder für größere Runden gedacht. Brathähnchen sind dafür eine ebenso köstliche wie praktische Option und so bespielt Jamie Oliver diese Kategorie mit reichlich sehr ansprechenden Rezepten dazu: Brathähnchen Margherita, ein Hähnchen mit einer verführerischen Sesam-Kruste oder ein rustikales Brathähnchen mit viel Knoblauch, Pilzen & Speck, das mit einer leckeren Beilage aus Spinat, Crème fraîche & Linsen, serviert wird. Sucht Euch einfach was aus!

Jamies Rezept-Hacks funktionieren am besten mit dem gut sortierten Supermarkt!

Ohne einen gut sortierten Supermarkt, der das in Großbritannien so beliebte Rosen-Harissa vorrätig hat, oder wo die indische Currypaste im Regal schon auf uns wartet, kommt man irgendwie klar, aber dann sinkt die Küchen-Performance ziemlich schnell ab…. Die Rekord-Durchlaufzeiten sind dann zwar nicht mehr zu halten, aber es funktionierte bei mir mit ein bisschen tricksen: Für eine Pasta mit Auberginen habe ich ein rotes Fertig-Pesto, kurzerhand in das geforderte Chili-Knoblauch-Pesto umfunktioniert. Was mir aber bei diesem wirklich leckeren Rezept sehr eindringlich bewusst wurde ist wieder, wie genial diese Fertig-Zutaten Zubereitungsschritte ersetzen. Knoblauch muss keiner mehr extra schälen und das Rauch-Aroma, das die italienische Mama durch das Rösten der Auberginen über der offenen Gasflamme hinkriegt, wird von Oliver und seinem Team intelligent und geschickt durch gehackte Rauchmandeln ersetzt. Muss man erstmal darauf kommen, dass es auch so gehen kann, trotzdem wird es viele Puristen geben, die darauf keine Lust haben. Eigentlich gehöre ich ebenfalls dazu, habe jedoch diesem Kochbuch einen Corona-Urlaub-Life-Test zugemutet… Dabei sind ganz neue Erkenntnisse entstanden und die Frage, wo kann mir „Jamie’s way of cooking“ wirklich helfen und wann lass ich lieber jemand anderen die Führung in meiner Küche übernehmen, konnte köstlich und vor allem unkompliziert beantwortet werden.

Family cooking – no problem ….

Oliver ist es außerdem wichtig, dass seine Rezepte ausgewogen und preiswert sind und nicht zu viel Fett enthalten. Dass wir auf die Qualität der Zutaten achten, setzt er ebenfalls voraus. Das beste Beispiel für eine moderne und gesunde. Pasta-Sauce, die besser zu unserem heute eher bewegungsarmen Lebensstil passt, ist wohl das Rezept für eine Pasta mit Blumenkohl & Käse, das nur ein paar Cent pro Portion kostet. Eltern werden außerdem bei diesem Gericht zu schätzen wissen, dass ihre Kinder durch dieses extra cremige Pasta-Gericht, viel frisches Gemüse in Form von Blumenkohl zu sich nehmen, ohne dass sie es merken. Die Sauce schmeckt wie die gute alte Sahne-Sauce leicht süßlich, weil der Kohl in Milch gart, wer den Strunk mit verwenden will, sollte nach meinen Erfahrungen jedoch alles gut durchgaren, dass macht das Gericht bekömmlich.

Probiert & Verputzt:

Cremiger Brokkoli-Risotto

© Jamie Oliver Enterprises Ltd (2020 7 WAYS), Fotos: Levon Biss/Autorenfotos: Paul Stuart und Matt Russel, f. d. dt. Ausgabe Dorling Kindersley Verlag

Gorgonzola, spritzige Zitrone und Petersilienöl

Oh je den Langweiler Brokkoli bei den Lieblingszutaten, den habe ich ehrlich gesagt schon ewig nicht mehr gekauft. Ich glaube seine Beliebtheit hängt mit seiner Langlebigkeit im Kühlschrank zusammen? Egal dieses Rezept stellt ihm ein paar geschmackstarke Kumpels (Sardellen und Gorgonzola) an die Seite und mit dem Petersilien-Öl kommt eine frische angenehme Note dazu und Risotto lieb ich sowieso, Abwasch bleibt übersichtlich…

 

 

Auberginen-Laksa

© Jamie Oliver Enterprises Ltd (2020 7 WAYS), Fotos: Levon Biss/Autorenfotos: Paul Stuart und Matt Russel, f. d. dt. Ausgabe Dorling Kindersley Verlag

Massaman-Curry, Ingwer, Nudeln, Kokosmilch & zerstoßene Cashewkerne

Geschmacklich toll, die aromatische und leicht scharfe Currypaste harmoniert perfekt mit dem Kontrast in Form von Honig-Cashew-Kernen und verhelfen den Auberginen zu Tiefe.

 

 

 

 

 

Glasierte Miso-Paprika

Tofu Ananas, Reisnudeln & zerstossene Wasabi-Erbsen

Das klang so toll, konnte aber nicht wirklich überzeugen – vielleicht sollte ich es doch noch mal mit einer hochwertigen Miso-Paste versuchen…. Er hat es ja gesagt, Qualität ist Trumpf…

Rindfleischtopf mit Guinness

Karotte, Salbei, Zwiebel & Kartoffelscheiben-Topping

Bei diesem Eintopf mit Guinness werden ein paar Kartoffeln mit dem Bier püriert und sorgen, mit der in ihnen enthaltenen Stärke für eine fabelhafte unkomplizierte Bindung bei diesem herrlich wohlschmeckenden Eintopf. Und Zwiebeltränen treibt uns dieses Rezept auch nicht mehr in die Augen. Oliver nimmt kurzerhand Silberzwiebeln aus dem Glas, fügt dann Karotten, Rinderhack, Kartoffeln, schwarze Johannisbeer-Konfitüre, Salbei dazu, gießt mit Brühe und Bier auf und dann ab für eine Stunde in den Backofen. Was man danach herausholt ist sagenhaft gut. Eine solche Karriere hätte ich den Silberzwiebeln, die bei mir im hintersten Regal der Speisekammer standen, gar nicht mehr zugetraut…. Absolutes Lieblingsrezept, es braucht nur 30 Minuten bevor es eine Stunde in den Backofen geschoben wird.

Und ich – wie geht es einer Genuss-Köchin mit Weltenbummler Status mit Jamies zeitgemäßer und gesünderer Alltagsküche?

Dieses Kochbuch konnte mich unter Corona-Bedingungen überzeugen, so dass ich mir dann auch noch Olivers 5-Zutaten-Küche zugelegt habe, obwohl man mich mit Kochbüchern, die sich auf eine begrenzte Zutaten-Anzahl beschränken – sonst jagen kann! Manchmal macht es aber auch für Foodies keinen Sinn, mehrfach die Woche in unterschiedlichen Läden einkaufen zu gehen…

Und selbst bei den Lieblings-Rezepten braucht es bei mir viele Probe-Läufe bis ich diese selbst durch optimiert habe. Ist ja nicht mehr wie bei „Muttern“, die vielleicht 20 Rezepte in ihrem Repertoire hatte und diese rauf und runter gekocht hat. Heute sind die Verführungen vielfältig, die Rezept-Entwicklung und Begleitung in der Küche durch Kochbücher jedoch häufig dürftig und das macht es manchmal stressig für Nachkocher.

Fazit: Jamie Oliver hat die Alltagskocher mit knappen Zeit-Budgets auf dem Zettel und kann es ihnen lecker machen!

Die Rezepte sind wirklich pfiffig konzipiert – das habe ich beim Nachkochen festgestellt, obwohl ich immer gerne alles selber mache und nicht gerne fertige Curry-Pasten oder Pestos verwende! Jamie Oliver und sein Team sind wahre Meister bei den Rezept-Hacks: Zwei Rezepte haben mich ungeheuer überrascht, weil ich mir niemals vorstellen konnte, dass eine Pasta-Sauce nur mit Blumenkohl und Milch funktioniert und so lecker schmeckt. Tat sie genauso wie der „Rindfleisch-Topf mit Guinness“, der nicht nur super schnell in den Ofen geschoben ist, sondern mit einer genialen Binde-Methode für die Sauce überzeugt. Dieses Buch wendet sich vor allem an Kochmuffel, die Unterstützung brauchen und viel Abwechslung beim Essen schätzen. Das Jamie Oliver regelmäßig für diese leckere Angebote macht und damit Geld verdient, kann kein Argument sein, seine Bemühungen um eine zeitgemäße Ernährung nicht zu schätzen, denn es gibt immer gute Rezept-Entwickler und solche, die es nur halbherzig hinkriegen oder noch gar nicht erkannt haben, dass dies heute für viele extrem wichtig ist. Ich habe besonders bei diesem Buch, den Bedingungen unter denen ich es getestet habe, gelernt, er kann mir lecker helfen, wenn ich ihn einfach machen lass und weiß was ich an diesem oder jenen Tag will und gebrauchen kann!