Nadine Levy Redzepi: Downtime

Quelle: Nadine Levy Redzepi: Downtime

Soulfood der Extraklasse

Fotos: Ditte Isager

Knesebeck Verlag

Preis: 35,– €

Familienküche alltags- und Sterne tauglich…..

Wer ist die Autorin?

 – oder eine Leidenschaft die früh begann….

 Nadine Levy Redzepi wurde 1985 in Portugal geboren. Sie ist begeisterte Hobbyköchin. Mit ihrem Mann, dem Spitzenkoch René Redzepi, arbeitet die Mutter dreier gemeinsamer Töchter im Kopenhagener Sternerestaurant NOMA. Ihren Mann hat sie als neuzehnjährige beim Jobben in seinem Restaurant kennengelernt, als sich beide im Lift gegenüber standen und Nadine die Stille mit einer für sie ganz normalen Frage überbrückte: Wie lange bist Du denn schon dabei? Eigentlich eine nette und sehr höfliche Geste, wenn man nicht gerade einem der Chefs über den Weg läuft. Das erste Date kam eine ganze Weile später! Vorerst musste der im Restaurant gelebte Grundsatz, dass es keine Beziehungen zwischen den Beschäftigten gibt über Bord geschmissen werden. Nadine Levy Redzepi hat sich schon immer fürs Kochen interessiert. Ihre Eltern, die Mutter Dänin und der Vater, Brite haben sich in Paris kennengelernt, als die Mutter dort als Au-Pair-Mädchen arbeitete und ihr Vater mit Straßenmusik seine Brötchen verdiente.

Die ersten sieben Jahre verbrachte die Autorin in Portugal, wo die Eltern sich als Straßen-Musikanten ihren Lebensunterhalt verdienten. Es war der perfekte Ort für die vierköpfige Familie! Essen war in Portugal sehr billig und das Familienhäuschen verfügte über einen Garten mit ein paar herrlichen Granatapfel- und Mandelbäumen wurde von Nadines Mutter mit dem Rat aus der Nachbarschaft bewirtschaftet. Außerdem kannten sich die portugiesischen Nachbarinnen mit der leckeren Verwertung von preiswerten Fleischstücken aus. Aber dazu später, jetzt nur ein Stichwort dazu: Hühnenleber….. Als Nadine sieben Jahre alt wurde, war die Ehe der Eltern zerrüttet, der Vater verbrachte seine Freizeit lieber in der Kneipe. Also ging die von nun an alleinerziehende Mutter mit beiden Kindern zurück nach Dänemark.

Jetzt wo die Mutter arbeiten musste, wurden die Rollen in der Familie anders verteilt und der Bruder fand, dass seine kleine Schwester mehr Talent zum Kochen mitbrachte als er selbst. Ihre Leidenschaft fürs Kochen wurde noch  befeuert, als Nadine mit Pfeifferschen Drüsenfieber das Bett hüten musste und sich aus Langeweile durch die Fernseh-Kanäle zappte, bis sie bei einer Koch-Show mit dem in England lebenden italienischen  Autor und Koch Antonio Carluccio begeistert vor der Mattscheide hängen blieb. Das junge Mädchen war geradezu fasziniert von der Hingabe und dem Respekt, den dieser seinen Produkten angedeihen ließ. Es erinnerte sie sehr stark an die Zeit als sie mit ihrem Bruder in Portugal im heimischen Garten Mandeln pflückte, um anschließend ihre Mutter geradezu anzubetteln, daraus einen Kuchen zu backen. Von da an war es um Nadine geschehen und sie hatte ihre Leidenschaft gefunden, auch wenn sie sich später nicht für eine Karriere als Profi-Köchin entschied. Nadine Levy Redzepi braucht den Kontakt zu ihren Gästen bzw. den Essern am Tisch, um diese lecker zu bekochen. Köche wissen jedoch überhaupt gar nicht für wen sie da kochen!

Auch wenn man mit einem Sternekoch verheiratet ist, kann man in der Küche lässig bleiben….

Nadine Levy Redzepi ist das was man landläufig als „coole Socke“ bezeichnet. Eine Frau, die mit sich total im Reinen ist und gerne genießt. Täglich pendelt sie zwischen total abgefahrenem Sterne-Essen aus der Restaurant-Versuchsküche und entspannter Familienküche. Der Spagat gelingt ihr ziemlich gut finde ich! Zu Hause ist downtime angesagt, trotzdem merkt man ihren Rezepten an, das ist keine Mutti-Küche. Im Buch erzählt sie, dass für die Kinder nicht separat gekocht wird.

Die Frau hinter dem Buch hat ebenfalls einen geschulten Gaumen, geht häufig mit ihrem Mann bei den besten der Zunft essen und importiert manchmal das eine oder andere Produkt aus der Sterneküche in die Familienküche ( z. B. Demi-glace). Ihr Repertoire reicht von Chips und die müssen wirklich selbstgemacht sein, bis hin zu Potato-Skins mit Lachs- oder Hechtroggen (Noma das nachhaltige Spitzenrestaurant ihres Ehemanns lässt grüßen!). Ihre Süßkartoffelküchlein mit Schwarzkümmel-Bete und gesalzenem Joghurt, haben uns wunderbar geschmeckt. Ganz neben ist Nadine noch in der Lage, innerhalb ihrer Rezepte Tutorials zu geben. Sie zeigt wie man perfekt Eier pochiert und serviert diese z. B. gerne herrlich einfach mit grünem Spargel. Frau Redzepi ist es wichtig, in ihren Rezepten ebenfalls Techniken zu vermitteln. Das macht Sinn, wer weiß wie eine gute Vinaigrette funktioniert und damit Erfolg hat, der traut sich vielleicht schon bald  zu den französischen Klassiker eine Beurre blanc (Sauce) selber herzustellen.

Als Mutter von 3 Töchtern steht der entspannte Genuss bei ihr ganz oben auf der täglichen Prioritätenliste. Ihr Rat zur Stressvermeidung lautet, einfach munter kombinieren. Downtime ist dreigeteilt in Vorspeisen, Hauptgerichte und Desserts. Doch mit Ausnahme der Desserts ist dies eher eine begriffliche Unterteilung. Es kann schon mal vorkommen, dass bei den Redzepi’s Frühstücksklassiker wie Omeletts oder Porridge zum Abendessen auf den Tisch kommen und der riesige Macron-Kuchen wurde von ihr kreiert, weil ihre Tochter Genta sich in einem Jahr mal Macarons als Geburtstags-Speise wünschte. Viele von Nadine Levy Redzepi Lieblingsvorspeisen können entweder auf einer großen Platte als Partyfood arrangiert oder auf Tellern als erster Gang eines formelleren Essens gereicht werden. Für diese Köchin gibt es die Grenze zwischen Familienessen und dem Essen für einen besonderen Anlass nicht und lässig wischt sie diese vom Tisch. Ihren Mann hat s beim ersten Küchen-Date mit Hühnerleber in Chili-Tomaten-Sauce begeistert! Die Dosentomaten, die sie extra durch frische Tomaten ersetzte, weil sie fürchtete, dass er diese als Spitzenkoch nicht akzeptieren könnte, kommen heute aber wieder rein, weil es einfach viel besser schmeckt als mit frischen Tomaten. Das Rezept ist im Buch als Spirelli mit würziger Hühnerlebersauce zu finden.

Was ich von Nadine geklaut habe?

Süßkartoffelküchlein mit Schwarzkümmel-Bete und gesalzenem Joghurt

© Ditte Isager/Knesebeck Verlag

Eine richtig tolle Kombination, die Kreuzkümmel-Bete passen perfekt zum Süßkartoffelküchlein und dann der gesalzene Joghurt dazu – perfekt! P.S. Ingwer schäle ich lieber mit dem Sparschäler, als mit einem Teelöffel. Es lohnt sich das Rezept für den gesalzenen Joghurt gleich zu verdoppeln.

 

 

 

 

Lauch mit Vinaigrette, Schinken und Pinienkernen

© Ditte Isager/Knesebeck Verlag

Eine ebenso schlichte wie feine Kombination! Bei der Zubereitung habe ich einen anderen Weg gewählt. Statt den Lauch mit sehr viel Butter in einem Liter Wasser zu kochen, habe ich mich für deutlich weniger Butter und fürs Dämpfen in der Pfanne entschieden. Auf eine Stange Lauch habe ich ca. 150 ml Wasser verwendet und die Stangen in etwas kleinere Stücke geschnitten. Außerdem habe ich die Menge beim Speck halbiert.

 

 

Gebackener Kabeljau mit Tomaten und grünen Oliven

© Ditte Isager/Knesebeck Verlag

Eine noch schlichtere Kombination, die von der Qualität der Zutaten lebt! Das Mütter-Spead-Programm funktioniert auch bei gestressten Berufstätigen. Erstaunlich wie einfach gute Küche sein kann, wenn die Zutaten stimmen – der Fisch blieb wunderbar saftig und schmeckte durch Oliven, Tomaten und Oregano herrlich aromatisch! Zunächst war ich erstaunt hinsichtlich der Menge an Olivenöl, aber 5 EL sind tatsächlich 75 ml, 1 EL = 15 ml.

 

 

 

Fazit: Oder von der Sterne-Küche in die Familienküche unkompliziert und lecker mit Lernpotenzial!

Der Reiz des Buches ist das entspannte Hin- und Herspringen dieser jungen Frau, die in beiden Koch-Welten zu Hause ist und bei der es wie bei jeder berufstätigen Mutter nach Feierabend schon mal fix gehen muss. Die sympathische Dänin legt mit diesem schönen Kochbuch einen sehr authentischen Auftritt hin. Mir hat ihre Lässigkeit und die Konzentration auf das Wesentliche beim Kochen sehr gut gefallen! Ich sehe es nicht in den Händen reiner Familien-Kocher. Es gehört vielmehr in die Hände von Menschen, die sich für das perfekte geschmackliche Ergebnis qualitativ hochwertige Produkte leisten wollen. Die berufstätige Mutter dreier Töchter steht für sehr schlichte Kombinationen ohne viel Firlefanz. Vielleicht sollten Spitzenköche einfach öfter ihren Frauen dass Bücher schreiben überlassen. Sehr schade ist, dass sich im Register offenbar der Fehlerteufel eingeschlichen hat und einige Rezepte nicht auf der angegeben Seite aufzufinden sind. Da bleibe ich aber gerne auch mal lässig. Das Buch hat das Potenzial verspannte Genussverfechter lockerer zu machen und Eltern zu zeigen, dass Kinder auch Genießer werden können, wenn man es in der Küche entspannt aber mit Genuss angeht!

Herzlichen Dank für die Übersendung als Rezensionsexemplar!

Graupen-Risotto mit Trüffelöl

© Gräfe und Unzer Verlag/ Fotografin: Mona Binner

Quelle: Susanne Bodensteiner, Sabine Schlimm: One Pot Soulfood

Fotos: Mona Binner

Gräfe und Unzer Verlag

Preis: 19,99 €

Was serviert man, wenn der Mann mittags im Büro anruft und einen Kollegen zum Abendessen ankündigt und wirklich kaum was im Haus ist, was zur kulinarischen Wunderwaffe taugt? Mir fiel zum Glück noch das Weihnachtsgeschenk (3 Fläschchen Trüffelöl) vom Schwager ein. Und hatte ich da neulich nicht auch ein tolles Rezept in einem Kochbuch gesehen, dass genau nach diesem Öl verlangt. Die Feierabend-Köchin fand alles andere im Supermarkt auf dem Heimweg vom Büro. Schön, wenn man ein so unkompliziertes Rezept mit Wow-Potenzial in petto hat, der Kollege, war einfach nur glücklich satt und wollte sogar das Rezept für seine Frau. Geklaut ist das neue ich kann, man muss nur wissen, wo man sich bedienen kann! Das Rezept habe ich natürlich verdoppelt, soll ja keiner hungrig nach Hause gehen. Ach bevor ich es vergesse, Gemüsebrühe funktioniert hier nur in sehr guter Qualität entweder aus dem Vorrat, wie bei mir, oder nur in einen Fonds investieren.

Man muss die Feste feiern, wie man sie braucht! Ein mieseliger Montag ist ein mindestens so guter Grund, sich ein bisschen Luxus zu gönnen, wie Geburtstag oder Weihnachten. Vor allem, wenn der so einfach zu haben ist wie ein paar Tröpfchen Trüffelöl.

Zutaten (für 2 Personen):

1 kleine Zwiebel

300 g Sellerie

100 g Austernpilze

1 EL Öl

Salz

1 EL Butter

150 g Graupen

700 ml Gemüsebrühe

100 g Sahne

4 Stängel Petersilie

Pfeffer

Trüffelöl zum Beträufeln

 Zubereitung:

Die Zwiebel schälen und in feine Würfel schneiden. Den Sellerie putzen, schälen und auf der Rohkostreibe grob raspeln. Die Austernpilze putzen, bei Bedarf mit einem Tuch abreiben und in mundgerechte Stücke reißen.

Das Öl in einem Topf erhitzen, die Pilze hineingeben, salzen und unter Rühren bei großer Hitze in ca. 4 Min. goldbraun braten. Herausnehmen und die Hitze herunterschalten. Die Butter im Topf zerlassen. Die Zwiebelwürfel darin bei mittlerer Hitze ca. 4 Min. anschwitzen. Sellerieraspel und Graupen zufügen, Gemüsebrühe und Sahne angießen und alles zum Kochen bringen.

Die Mischung bei kleiner Hitze off en ca. 25 Min. köcheln lassen, bis die Graupen die Flüssigkeit fast vollständig aufgenommen haben. Dabei häufig umrühren.

In der Zwischenzeit die Petersilie waschen, trocken schütteln, die Blätter abzupfen und fein hacken. Den Graupenrisotto mit Salz und Pfeff er abschmecken. Austernpilze und Petersilie unterheben und kurz heiß werden lassen. Den Risotto auf Teller verteilen und mit Trüffelöl beträufeln.

Zubereitungszeit: 45 Min.

Pro Person: ca. 555 kcal, 12 g E, 29 g F, 59 g KH

Tipp: Trüffelöl ist der Innbegriff von Luxus. Leider wird die Geschmacksfülle von Trüffelöl oft durch künstliche Aromastoffe erreicht. Im Bioladen oder im italienischen Spezialitätengeschäft bekommt man aber häufig Öl, das mit echten Trüffeln aromatisiert wurde. Und natürlich spricht nichts dagegen, den Risotto mit hauchdünn gehobeltem echtem Trüffel zu krönen!

 

Vattalappan-Pudding mit eingelegtem kandiertem Ingwer und Cashewkernen

© Text: Emily Dobbs, Fotos: Issy Croker, Orion Publishing Group Ltd, f. d. dt. Ausgabe Dorling Kindersley Verlag

Quelle: Emily Dobbs: Das Sri-Lanka-Kochbuch

Fotos: Issy Crooker

Dorling Kindersley Verlag

Preis: 24,95 €

Ein sehr wohlschmeckendes Dessert: der süß-scharfe Geschmack von Muskatnuss passt wirklich hervorragend zu Kardamom + Zimt und wird genial ergänzt durch den Ingwersirup und die – bei uns – in Salzbutter – angebratenen Cashewkerne. Für mich eine Option, die ich deutlich der Version mit Ghee vorziehe. Eigentlich zu lecker um das das nur zu zweit zu genießen und gut das wir das probiert haben, als es noch nicht ganz so heiß war……

Vattalappan ist ein sri-lankischer Kultnachtisch. Diese Version ist leichter als das Original und zappelt wie Wackelpudding. In Sirup eingelegter kandierter Ingwer wird unterschätzt. Ich verwende ihn so oft wie möglich, in meine Smoothies wandert er zum Frühstück als Geheimzutat. Er lässt sich gut zermahlen, ohne wie frischer Ingwer diese lästigen Fasern zu hinterlassen. Hier wird nur der Sirup verwendet.

Ich empfehle Puddingschälchen aus Aluminium von 8,5 cm Durchmesser zum Backen. Indem man die Ränder ganz sanft abzieht, lässt sich der Pudding mühelos herauslösen. Ein ideales Rezept, wenn Sie Gäste erwarten, da sich der Nachtisch gut vorbereiten lässt und ein paar Tage durchhält.

Zutaten (für 4 Personen):

16 g Gelatineblätter

800 ml Kokosmilch

200 g brauner Rohrohr oder geriebener Palmzucker

1 TL geriebene Muskatnuss

1 TL Kardamom

2 TL gemahlener Zimt

1 EL Vanilleextrakt oder das Mark von ½ Vanilleschote

½ TL Meersalz

4 Eigelbe (nach Belieben)

Kokosöl zum Einfetten

Ingwersirup von kandiertem Ingwer

Rahmjoghurt zum Servieren

Für die in Butter gebratenen Cashewkerne:

20 g Ghee oder gesalzene Butter

100 g Cashewkerne

Zubereitung:

Die Gelatine 5 Minuten in kaltem Wasser einweichen. Die Kokosmilch in einen Topf gießen, den Zucker, die Gewürze und das Salz dazugeben. Alles bis knapp unter den Siedepunkt erhitzen und kräftig rühren. Vom Herd nehmen.

Die Eigelbe (falls verwendet) in einer kleinen Schüssel verschlagen und langsam unter ständigem Schlagen die heiße Kokosmilchmischung einarbeiten, bis die Mischung glatt ist.

Die eingeweichte Gelatine gut ausdrücken, in die Eiercreme geben und unter starkem Rühren auflösen. Werden keine Aluschälchen verwendet, die Backformen mit Kokosöl einfetten. Den Boden der Puddingschälchen jeweils mit etwas Ingwersirup überziehen. Anschließend die Puddingmasse durch ein Sieb einfüllen und abkühlen lassen. Den Vattalappan mindestens 4 Stunden oder über Nacht in den Kühlschrank stellen.

Die in Butter gebratenen Cashewkerne schmecken am besten frisch zubereitet und noch leicht warm, also erst etwa 1 Stunde vor dem Servieren damit beginnen. Das Ghee oder die Butter in einer Pfanne erhitzen. Sobald sie aufschäumt, die Cashewkerne hineingeben, bei starker Hitze 2 Minuten rösten und regelmäßig umrühren, bis sie goldgelb sind. Mit einem Schaumlöffel herausnehmen und auf einem Teller mit Küchenpapier abtropfen lassen. Abkühlen lassen und im Mörser leicht zerstoßen.

Zum Herauslösen die Puddinge leicht vom Formrand lösen und dann vorsichtig stürzen. Mit 1 Klecks Joghurt garnieren, mit weiterem Ingwersirup beträufeln und mit zerstoßenen, noch warmen Cashewkernen bestreut eiskalt servieren.

Deliciously Ella mit Freunden

Ella Mills (Woodward): Deliciously Ella mit Freunden

Gesunde Rezepte zum gemeinsamen Genießen

Berlin Verlag

Preis: 22,– €

Wer ist die Autorin?

Ella Woodward, Jahrgang 1992, studierte Kunstgeschichte und wurde als Model berühmt. Mit der Umstellung ihrer Ernährung auf pflanzliche, milch- und Gluten freie Kost gelang es ihr 2012, die Nervenkrankheit POTS zu besiegen. Diese Erfahrung brachte sie zum Schreiben des Food Blogs „Deliciously Ella“, der inzwischen weltweit Millionen Leser hat. Ihr erstes Kochbuch „Deliciously Ella“ erschien 2015 und wurde in England und Deutschland ein Riesenerfolg. Ella Woodward lebt in London, wo sie Kochkurse gibt und neben ihrer Model-Tätigkeit als Ernährungsberaterin am College für Naturheilpraxis arbeitet.

Was tun Veganer, wenn sich die Schwiegermutter zum Sonntags-Lunch angesagt hat?

 Da ist guter Rat teuer! Auch wenn wir diese Lady schon längst in der Gunst ihres Herzensprinzen abgehängt haben, wir wollen uns doch nicht die Blöße geben und eingestehen, der Lieferdienst geht sozusagen ein und aus bei uns zu Hause. Es muss also etwas auf den Tisch, das schnell funktioniert, gesund und vegan ist und toll schmeckt. An sich in dieser Kombination ein No-Go. Ella Mills (geborene Woodward) hat dasselbe Problem, seit jüngstem glücklich verheiratet und Darling der veganen Szene, da gilt es nicht nur die Schwiegermutter zu überzeugen, sondern auch Freunde, Familie, die Arbeitskollegen des Liebsten und eine Leserschaft, die sie entweder enthusiastisch feiert oder auf Fehltritte hofft.

Kochen und essen mit Freunden macht Spaß – oder Aye, Aye Ma’am!

Ihre Antwort fällt denkbar einfach aus, lt. Ms. Mills macht Kochen und Essen mit Freunden Spaß, das weiß sie auf dem Cover zu verkünden. OK, dann lassen sie doch mal sehen liebe Ella, was sie da in petto haben, um Veganer und Nicht-Veganer am Essentisch in kulinarischer Eintracht, möglichst mit einem Ah und Oh nach dem Essen, zu vereinen. Nicht das die Schwiegermutter, ihrem Sohnemann am Ende heimlich noch einen „Fuffi“ zusteckt, damit der arme Junge sich endlich mal wieder in seinem Lieblings-Fast-Food-Restaurant sattessen kann und nicht vom Fleisch fällt. Wenn eine Queen der Clean-Eating-Szene es anordnet, warum dann nicht mal schauen, was ihr zu Frühstück oder Brunch mit vielen Freunden; gerne auch mal leicht und schnell oder für unterwegs, aber auch zu umfangreichen Menüs für Feste und Feiern; zu Beilagen und ultimativen Party Häppchen und natürlich zu süßen Desserts mit Suchtpotential so einfällt.

Was ist drin?

Frühstücksglück oder Frühstücksfrust?

 Blaubeer­-Streusel­-Schnitten oder Honig-­Zitronen­-Riegel als Snacks to grab auf dem Weg zur U-Bahn, oder einen Brunch mit Süßkartoffel -Rösti, Rosmarin-­Limabohnen mit Ahornsirup und einer üppigen Portion würziger Guacamole all das ist bei Ella morgens möglich. Es gibt außerdem Müsli aus geröstetem Buchweizen und Kokosflocken oder einen saftigen Mango­Ananas­Teller, Kurkuma­-Rührtofu mit Paprika und Thymian Champignons. Die Bandbreite reicht vom einfachen Rezept, das sich fix zubereiten lässt, bis hin zum raffinierten Brunch für ein gemütliches Wochenende mit Freunden. Wenn das so weiter geht, hat sie mich auf ihrer Seite, auch wenn ich weder zu den Anhängern der veganen noch der Clean-Eating Ernährung gehöre, ich esse einfach gerne und habe das Gefühl hier trotz freiwilliger Beschränkung auf meine Kosten zu kommen.

 Schnell was Leckeres to go or not to go!

 Im zweiten Kapitel sehen wir uns ein paar super­leichte Rezepte an, die sich für ein schnelles Abend­essen unter der Woche eignen oder einen Lunch für unterwegs. Wir lernen fruchtige Speisen wie das Mango-Champignon-Ceviche kennen, Blumenkohlreis-Sushi mit Avocado, schnelle After-Work-Menüs wie die Kartoffelküchlein mit Knoblauch-Tomatensoße und das perfekte Picknick mit geröstetem Kokosmais und einem sättigenden Quinoa-Mango-Salat mit Erdnüssen. Lovely Ella verspricht, dass alles in null Komma nichts zubereitet ist. Wie wäre mit den Lieblingsrezepten der Queen of Clean-Eating wie z. B. eine Chili-Ingwer-Pho, ein Pistazien-Aprikosen-Quinoa und Sesam-Sommerrollen mit Mandeldip, die diese ebenso gerne ihrem Mann serviert, wenn das vielbeschäftigte Paar wochentags zu Hause ist, oder wenn ein paar Freundinnen zum Essen kommen.

Familie und Freunde deftig und herzhaft bewirten, Ihr braucht keine Notration mitnehmen!

Das dritte Kapitel handelt von herzhaften Speisen für Feste und Feiern, mit denen Ms. Mills sowohl Freunde als auch Verwandte beglückt. Ella wäre nicht Ella, wenn sie auch gleich noch mal nachlegt und uns verspricht, dass diese Gerichte jeden Skeptiker davon überzeugen, dass gesundes Essen eine Offenbarung sein kann. Jetzt werde ich aber hellhörig, wie kann das denn gelingen? Ganz einfach sie bedient sich in den Länderküchen der Welt von Mexiko bis Indien und hier scheint diese Ms. Wunderbar sich so gut auszukennen, dass ihr Lieblingscurry mit Limetten- Pickle oder Spinat mit Senfsamen auch bei mir punkten können, auch wenn ich keine Veganerin bin. Und dieses Buch ist auch Gartenparty tauglich, es gibt z. B. gegrillte Blumenkohlsteaks auf einem Chili- Quinoa-Bett, Limabohnen-Hummus mit Tomaten oder einen Eintopf aus dreierlei Bohnen und Mango Salsa, wenn wir unsere Gäste im Haus bewirten wollen. Wer am Monatsende noch schnell ein paar Freunde einladen will, serviert einfach gebackenen Süßkartoffeln, die mit Kichererbsen-Chili gefüllt sind. Für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel ist etwas dabei, auch wenn es bei dieser Art zu Kochen und zu Genießen nicht vordergründig um sehr preiswertes Essen geht.

Beilagen-Himmel – viele Optionen garantiert!

Anschließend wendet sich dieser Küchen-Derwisch den Beilagen zu. Wer darauf wartet, dass sie jetzt endlich mal schwächelt, erfährt von ihr, dass es sich um ihre Lieblings-Disziplin handelt, weil sich hier vieles an Zutaten, Aromen und Texturen kombinieren lässt, auch wenn Ella diese Rezepte am liebsten als traditionelle Beilagen auf den Tisch bringt. Ihre persönliche Favoritenliste: gebackenen Kochbananen mit Chilisoße, Kurkuma-Stampfkartoffeln mit Senf, glasierten Miso-Auberginen mit Sesam und panierte Avocado-Pommes mit einem Limetten-Cashew-Dip. Wer sich nicht vollständig nach Deliciously Ella ernähren möchte, dem rät die Autorin Standardgerichte einfach mit einer ihrer Beilagen zu kombinieren, dass ist  für Fleischesser ebenfalls eine gute Möglichkeit, mehr Pflanzennahrung in den Alltag zu integrieren.

Hipster-Party hoffentlich ohne Alltagsbeschränkung?

Es gibt Häppchen, Cocktails und sogar Geburtstagskuchen! Hier werden eine große Auswahl vielversprechender Snacks serviert: von gebratenen Pimientos mit Cashew-Chipotle-Creme über gebackene Tortilla-Chips mit Auberginencreme bis zu Mini-Socca-Fladen. Das Ganze wird ergänzt durch eine Reihe von Mocktails und Cocktails, sodass die Gäste auch einen spritzigen Ananas-Cayenne-Cocktail oder eines erfrischende Wassermelone-Gurken-Drinks schlürfen können. Zum Schluss gibt es traditionell britisch einen klassischen Nachmittagstee mit Ingwer-Muffins oder Gurkensandwiches mit Zitronen und Limabohnen. Außerdem im Angebot der umtriebigen Ella: Haferkekse mit Erdnussbutter und Honig, Blaubeer-Scones mit Vanille-Kokos-Creme und sogar eine dreischichtige Geburtstagstorte. Damit ist schon mal die Voraussetzung vorhanden, dass bei Familienfeiern nicht an der einen Ecke des Tisches die Veganer und an der anderen die Nicht-Veganer hocken.

Schaue ich mir die Fotos im Buch an, sind natürlich viele gut-gelaunte junge Menschen zu sehen, aber auch die ältere Generation durfte mal mit aufs Bild, Familie Woodward scheint sich bei Familien-Zusammenkünften mit veganem Essen nicht nur arrangiert zu haben.

Ich bin dabei Mylady!

Muss man auch nicht, die Rezepte von Ella sind klasse und eigentlich noch raffinierter geworden und trotzdem leicht nach zu kochen! Ihre Phase des Experimentierens, in denen sie gerne überall und nirgends, Bindung mit Apfelmus erzeugt hat, scheint überwunden, das hat mir nicht immer so gefallen und auch Knoblauch und Zwiebeln haben Einzug in ihre Küche gehalten, den Assistenten sei Dank! Das einzige was mir partout nicht gefällt, ist Ellas Idee ein Risotto mit Kokosmilch zu binden, definitiv nicht meins, da sträuben sich bei mir die Nackenhaare! Vielleicht bin ich einfach zu alt und meine kulinarische DNA zu determiniert.

Auch Veganer sind Süßschnäbel!

Zum Abschluss schauen wir mit Ms. Healthy auf ihre unwiderstehlichen (O-Ton der Autorin) Desserts, mit denen sich eine leckere Mahlzeit abrunden lässt: Hier gibt es Nachspeisen wie Pistazien-Orangen-Trüffel, Wassermelonen-Minze-Sorbet oder Zimt-Honig-Äpfel, die eine festliche Mahlzeit abschließen, ohne schwer im Magen zu liegen, weiß die Autorin zu berichten Daneben gibt leckere Snacks wie salziges Maca-Tahin-Fudge, Orangen-Kardamom-Kekse und Ms. Mills Lieblingssnack – Quinoa-Haselnuss-Riegel mit Kakao, die sich auch für unterwegs eignen. Wer eher reichhaltigere Nachspeisen liebt, wird am Ende des Kapitels ein paar köstliche Entdeckungen machen: Erdnuss-Schoko-Pie, Orangen-Polenta-Kuchen mit Guss und sogar ein gefüllter Toffee-Mandel-Pudding.

Ellas Schlachtplan, um Gäste vegan zu becircen

Bekannte Gerichte zubereiten, demonstrieren statt predigen, Rezepte beliebig abwandeln, nicht alles auf einmal ändern, nicht zu streng sein, alles appetitlich anrichten und aus den Zutaten ein Geheimnis machen, denn sie hat die Erfahrung gemacht, dass die meisten von uns meinen, einen bestimmten Geschmack oder eine bestimmte Konsistenz nicht zu mögen, die wir in anderer Zusammensetzung jedoch gerne akzeptieren. Vor allem, wenn es eine Zutat unter vielen ist, hält sie diese lieber geheim, damit die Gäste unvoreingenommen essen können.

Fazit: No, she’s not the girl from the neighbourhood, but…..

Alles wirkt irgendwie sehr viel professioneller als bei Ellas erstem Buch, dieser verwöhnte Mittelklasse-Twentysomething verwendet nach wie vor gerne Ersatz“-Nahrungsmitteln wie Medjool-Datteln statt Zucker oder Cashew-Butter statt gewöhnlicher Butter und somit ist diese Ernährung-Form nicht preiswert, da würde ich ihr gerne widersprechen, aber das Buch präsentiert jede Menge spannende Party-Rezepte, die es einfach machen auch weniger dogmatische Zeitgenossen, die normalerweise nicht vegan essen, zu beglücken. Sie werden also nicht erleben, dass ihre nicht veganen Gäste händeringend nach einer Ausrede suchen, wenn Sie diese zum Abendessen einladen, oder mit geheimer Not-Ration vor der Tür stehen. Auch Schwiegermutter Mills wird zufrieden sein, ihr Herzbube wird nicht vom Fleisch fallen oder Care-Pakete von Mama einfordern. Die Schwiegertochter achtet im Buch penibel darauf, uns mitzuteilen, was sie alles für ihren Matthew gerne kocht und was er unheimlich liebt. Der Mann hat keine schlechte Wahl getroffen, auch wenn die Rezeptentwicklung längst von Profis übernommen worden scheint. Die junge Frau Mills ist gerade dabei, sich mit ihrem Mann ein Eat-Healthy-Imperium aufzubauen, da hat man keine Zeit am Herd zu stehen. Für mich hat die Raffinesse bei den Rezepten deutlich gewonnen, dass was Ella hier abgeliefert hat ist, alltagstauglich und köstlich, deshalb gefällt mir dieses Buch sehr gut auch als Nicht-Veganerin. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass die Schwiegermutter manchmal von ihren enthusiastischen sprachlichen Superlativen genervt ist, wer nicht mehr der Kategorie „Hipster“ angehört, reagiert da vielleicht ein wenig empfindlich und für den ist nicht immer alles wunderbar und rosarot. Verbuchen wir das entweder als zulässige Jungendsünde oder als Marketing-Gag, das diesem Buch nicht schaden kann, das Konzept ist stimmig und die Rezepte köstlich und leicht nachzukochen, dass haben andere Autoren mit mir Ethos für mich bisher nicht erreicht. Vor solch einer Leistung ziehe ich gerne meinen Hut, denn das können ihr auch die schärfsten Kritiker nicht absprechen!  Privilegien und jugendlicher Optimus haben damit überhaupt nichts zu tun, mich überzeugt das was dabei herausgekommen ist und das kann sich wirklich sehen lassen! Ob ich aber noch mal Deliciously Ella in der Schwangerschaft rezensiere, das überlege ich mir genau, denn ich gehöre definitiv nicht mehr in diese Zielgruppe!

Vielen Dank für die Übersendung eines Rezensionsexemplars.