Fatayer-Schiffchen mit Roter Bete, Labneh & Zatar

© Nassima Rothacker

Ein absoluter Hingucker, der zwar ein wenig Arbeit macht, jedoch als Fingerfood viele Freunde unter unseren Gästen fand. Kleiner Wermutstropfen, ich musste das Rezept für den Teig komplett überarbeiten. aus 150 g Mehl lassen sich leider keine 30 – 35 Schiffchen produzieren. Entsprechend habe ich ebenfalls die Füllung angepasst und diese verdoppelt. Anstelle von unbehandelter Grapefruit habe ich mir erlaubt, eine unbehandelte Zitrone zu verwenden und mich statt festem Labneh für einen milden Feta als Zutat entschieden. Mit diesen Anpassungen immer gerne wieder.

Quelle:  Bethany Kehdy: KARAM – gemeinsam genießen

Orientalische Rezepte & Gastfreundschaft

Fotos: Nassima Rothacker

Sieveking Verlag

Preis: 36,– €

Fatayer ist der Oberbegriff für herzhaftes Gebäck. Es kann die unterschiedlichsten Formen haben: Sterne (Seite 110), Pizzette (Seite 112) oder Halbmonde (Seite 115). Die Füllung spricht zwar für sich, aber ich betone: Sie ist grandios! Sie können den Labneh auch durch Grünen kishk-mutabal (Seite 105) ersetzen.

Zutaten (30–35  Schiffen für 4–8 Portionen als Teil eines mehrgängigen Menüs):

1 Portion Hefeteig für herzhaftes Gebäck (Seite 111)

Olivenöl, zum Einfetten

Mehl, zum Bestauben für die Füllung:

1 gegarte Rote Bete (etwa 100 g), geschält und fein gehackt

120 g fester Labneh (Seite 25) oder Feta, zerbröckelt

1–2 gehäufter EL frisches oder getrocknetes Zatar

Abrieb von ¼ unbehandelter Grapefruit

2 EL Olivenöl

Meersalzflocken und frisch

gemahlener Pfeffer

Zubereitung:

Den Backofen auf 200 °C vorheizen und ein Backblech großzügig mit Öl bestreichen.

Für die Füllung in einer Schüssel Rote Bete, Labneh, Zatar, Grapefruitabrieb und Öl vermischen und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Eine Arbeitsfläche mit Mehl bestauben und den Teig halbieren. Eine Portion mit einem feuchten Geschirrtuch abdecken. Die andere Hälfte zu einem großen, 2 mm dicken Kreis ausrollen. Das funktioniert am besten, wenn man den Teig ab und zu umdreht und mit etwas Mehl bestaubt. Mithilfe eines Teigschneiders oder einer Tasse 30–35 Kreise mit etwa 7 cm Durchmesser ausstechen. Die Teigreste erneut ausrollen und fortfahren.

Auf jeden Kreis 1 Teelöffel Füllung geben. Mithilfe von Daumen und Zeigefinger zwei gegenüberliegende Teigränder zusammendrücken, um so eine Art Boot zu formen. Zusammendrücken, damit diese Boote beim Backen fest verschlossen bleiben und der Teig nicht zu einer Pizzetta auseinanderfällt.

Die Schiffchen auf dem vorbereiteten Blech in 7–10 Minuten goldbraun und knusprig backen. Heiß oder bei Zimmertemperatur servieren.

Tipp: Die rohen oder gebackenen fatayer-Schiffchen sind in einem luftdicht verschließbaren Behältnis bis zu 8 Wochen haltbar. Im vorgeheizten Backofen können sie unaufgetaut bei 200 °C in 10–15 Minuten aufgebacken werden.

Vorbereitung: 20 Minuten plus Teigkneten und Ruhezeit

Backzeit: 10 Minuten

Bethany Kehdy: KARAM

Bethany Kehdy: KARAM – gemeinsam genießen

Orientalische Rezepte & Gastfreundschaft

Fotos: Nassima Rothacker

Sieveking Verlag

Preis: 36,– €

Auf die Gastfreundschaft!

Worum geht’s?

Karam das heißt auf Arabisch Gastfreundschaft. Ein arabisches Sprichwort fordert Gastgeber gerade dazu auf sich Zeit zu nehmen, wenn diese mit ihren Gästen am Tisch sitzen und verspricht, die Stunden, die wir mit unseren Gästen an einer Tafel sitzen, verstreichen nicht auf unserer Lebensuhr und…..

 Wer kennt sich so gut in der arabischen Welt aus?

Bethany Kehdy ist eine libanesisch-amerikanische Food-Journalistin und Moderatorin. Yotam Ottolenghi feierte sie als »eine neue Meisterin der nahöstlichen Küche«, und ihr erstes Kochbuch The Jewelled Kitchen wurde von der New York Times zu einem der bemerkenswertesten Kochbücher des Jahres 2013 gekürt. Vom Monocle Magazine wurde Ms. Kehdy zu einer von vier Botschaftern des Mittelmeerraums gewählt und trägt mit ihrer Reiseagentur Taste Lebanon und als Beraterin für das libanesische Tourismusministerium dazu bei, den Libanon als kulinarisches Reiseziel bekannt zu machen. Kehdy forscht seit 12 Jahren zur arabisch-libanesischen der Küche und startete ihren Blog dazu bereits 2008, zu einer Zeit, als Labneh und Zatar für viele Ohren noch wie Zutaten von einem anderen Stern klangen. Bereits im Herbst 2003 hatte sie angefangen, die Rezepte ihrer libanesischen Familie aufzuschreiben. Kochen lernte Bethany allein durch Zuschauen, Riechen, Fühlen und Schmecken – so wie das im arabischen Raum noch heute üblich ist.  Bei der arabischen Hausmannskost spielt Genauigkeit keine große Rolle. Im Nahen Osten bezeichnet man diese Art des Kochens als „nafas“: als Küche der Seele. Sie steht für intuitives Kochen mit allen Sinnen, ehrlicherweise muss man dazu aber auch bemerken, dass bei den Zubereitungen durchaus Fingerfertigkeit gefragt ist, die arabische Köchinnen schon als Kinder und Teenager von den anderen weiblichen Familien-Mitgliedern lernen. Bethany Kehdy lädt in London regelmäßig zu ihren legendären Supper-Clubs ein.

Kontext, Tradition, köstlich für alle die mehr wollen und gerne Zeit in der Küche verbringen!

© Nassima Rothacker

Alles was Ms. Kehdy kocht, ob es nun die kleinen Gerichte und Beilagen, die große Platten und Hauptgerichte (Hühnertopf mit Joghurt, Mandeln & Berberitzen, Rinderbäckchen mit Rhabarber) und das süße Finale: Jungfrauen-Brüste sind Kekse, die mit Weihrauchessenz (optional) und Lavendel ergänzt wurden und Black-Magic Brownies wurden neben Sesam & Honig mit Schwarzkümmel & Clementinen-Abrieb gewürzt. In diesem – ihrem zweiten Buch – lenkt die Journalistin mit ihren ebenso köstlichen wie ungewöhnlichen Rezepten wieder den Blick auf das verbindende Element zwischen den unterschiedlichen arabischen Küchen. Es finden sich Gerichte aller Regionen der Levante und bis hin in den Iran in diesem Kochbuch. Wichtig ist für die versierte Rezept-Entwicklerin, dass wir mehr verstehen und Zusammenhänge erkennen. Sie schafft es außerdem, dieses traditionelle Essen auf eine Bühne der Inszenierung zu heben, wo Geschmack und Präsentation das ihrige wiegen und aus einem leckeren Essen einen großartigen und vor allem unverwechselbaren Abend machen.

Probiert & Verputzt:

Fatayer-Schiffchen mit Roter Bete, Labneh & Zatar

© Nassima Rothacker

Ein absoluter Hingucker, der zwar ein wenig Arbeit macht, jedoch als Fingerfood viele Freunde unter unseren Gästen fand. Kleiner Wermutstropfen, ich musste das Rezept für den Teig komplett überarbeiten. aus 150 g Mehl lassen sich leider keine 30 – 35 Schiffchen produzieren. Entsprechend habe ich ebenfalls die Füllung angepasst und diese verdoppelt. Anstelle von unbehandelter Grapefruit habe ich mir erlaubt, eine unbehandelte Zitrone zu verwenden und mich statt festem Labneh für einen milden Feta als Zutat entschieden. Mit diesen Anpassungen immer gerne wieder.

Erfrischungsgetränk Foggy Meadow

© Nassima Rothacker

Endlich ein Drink, wie er einer bunten Mezze-Tafel gebührt! Der Clou hier die Eiswürfel mit Kräutern und Blüten. Ich habe selbst getrockneten Rosenblüten aus dem Garten dafür verwendet, die schon eine Weile in der Vorratskammer unseres Wochenend-Häuschens auf ihren großen Auftritt warteten und die „foggy“ und mit Anis-Würze umspielt, einen tollen Auftritt hatten!

 

Fazit: Dieses arabische Kochbuch ist anders, es setzt auf Kontext, Tradition und Inszenierung!

Für mich war die Beschäftigung mit diesem Buch köstlich und sehr erhellend, ich habe viel über authentische arabische Traditionen gelernt! Viele arabische Kochbücher klammern gerne die Gastlichkeit in Form von Getränken als Willkommens-Gruß mit Fingerfood aus, der bei Ms. Kehdy großartig (übrigens häufig ohne Alkohol) bespielt wird. Auch sonst macht dieses libanesische Kochbuch da weiter wo die meisten aufhören…. Bethany Kehdy beweist, sie ist eine absolute Expertin!

Außerdem legt sie viel Wert drauf, dass es nicht nur köstlich schmeckt, sondern phantastisch aussieht und vor allem authentisch wie bei arabischen Familien zu Hause zugeht: wir erfahren wie das Dippen auf Arabisch richtig funktioniert! Nirgendwo sonst lernt man so viel über arabische Pickles und fermentierte Speisen, die zwar bei den Menschen zu Hause auf der Tafel stehen, bislang aber selten in Kochbücher Einzug gehalten haben. Eine überaus wichtige Stimme zur arabischen Küche, deren Wurzeln und Gemeinsamkeiten. Dieses Buch ist der nächste köstliche und authentische Step für alle, die mehr wollen und dafür gerne Küchen-Zeit investieren!

Granatapfel-Walnuss-Ente (Fesenjun)

© Elissavet Patrikiou

Quelle: Elissavet Patrikiou/Michalis Pantelouris: Gastfreundschaft

Hölker Verlag

Preis: 29,95 €

Wieder etwas aus den Töpfen von Jasmin herrlich einfach, beim Granatapfel-Sirup bin ich vorsichtiger gewesen und habe 5 EL (ca. 100 g) verwendet, obwohl die Nüsse einiges vertragen können. Schade, wenn es einem am Ende dann zu sauer geworden ist und das ist mir das letzte Mal sogar bei einem Rezept von Ottolenghi für gefüllte Quitten und einer Sauce mit Granatapfelsirup so ergangen. Wer ambitionierter ist, serviert typischen persischen Butter-Reis mit Kruste und Sabzi Khordan (eine gemischte Kräuterplatte) dazu. Uns hat es aber auch so toll geschmeckt und im Vorweihnachtstrubel kann es für mich gerne auch mal unkompliziert in der Küche zugehen. Es geht ja um die Gesellschaft und um Spaß haben miteinander in dem Buch von Elissavet Patrikiou und das ist wunderbar so. Im Buch gibt es aber auch ein Rezept für den persischen Reis, dass ich gerne mitveröfftentliche

 Zutaten (für 4 Personen):

Für die Walnuss-Soße:

400 g Walnüsse

1 mittelgroße Zwiebel

Rapsöl

1 TL gemahlene Kurkuma

150 ml Granatapfelsirup (türkischer Lebensmittelladen)

Salz

Für die Ente:

1 Zwiebel

1 EL Rapsöl

1 TL gemahlene Kurkuma

2 große Entenkeulen, halbiert

1 Entenbrust

Salz und frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

½ TL gemahlener Safran

3 Lorbeerblätter

Basmatireis zum Servieren

Zubereitung:

Für die Walnusssoße die Walnüsse im Mixer sehr klein hacken. Die Zwiebel schälen und fein hacken. Etwas Öl in einer großen Pfanne erhitzen und die Zwiebel darin anbraten. Kurkuma und Walnüsse dazugeben und kurz mitbraten, dann 500 Milliliter Wasser angießen und abgedeckt ca. 1 Stunde bei geringer Hitze köcheln lassen. Bei Bedarf Wasser nachgießen.

Für die Ente die Zwiebel schälen und vierteln. Das Öl in einer Pfanne erhitzen, die Zwiebel darin anbraten und mit Kurkuma bestreuen. Die Entenstücke zugeben, mit Salz und Pfeffer würzen und Safran sowie Lorbeerblätter zugeben.

Alles ca. 5 Minuten stark anbraten und anschließend 1 Tasse kochendes Wasser angießen. Die Hitze reduzieren und das Fleisch 1 Stunde schmoren lassen. Die Ente samt Flüssigkeit zu den Nüssen geben. Den

Granatapfelsirup zufügen, mit Salz abschmecken und alles weitere 30 Minuten schmoren lassen.

Iranischer Reis (Polo)

Zutaten (für 4 Personen):

300 g Basmatireis

20 g Salz (bei mir weniger)

40 g Butter

Tipp:

Wenn möglich zur Zubereitung dieses Rezeptes einen Reiskochtopf benutzen. Es funktioniert aber auch in einem normalen Kochtopf.

Den Reis unter laufendem Wasser sehr gut abspülen, so lange, bis das Wasser nicht mehr trüb ist. Den Reis dann mit der doppelten Menge Wasser und dem Salz in einem Topf zum Kochen bringen.

Wenn das Wasser fast komplett aufgesogen wurde, die Hitze stark reduzieren und die Butter in Flöckchen auf dem Reis verteilen.

Den Topfdeckel mit einem Geschirrtuch einschlagen; es nimmt den entstehenden Wasserdampf auf. Den Reis weitere 20–30 Minuten weitergaren.

Dann den Reis stürzen, sodass eine Art »Reiskuchen« entsteht. Sollte das nicht funktionieren, den Reis auf eine Servierplatte geben und die am Topfboden entstandene Kruste auf einem separaten Teller servieren.

Nushe jan! (Guten Appetit auf Iranisch.)

Die Ente mit Basmatireis anrichten.

Elissavet Patrikiou/Michalis Pantelouris: Gastfreundschaft

Hölker Verlag

Preis: 29,95 €

Schön, dass Du da bist, komm rein, setz Dich wir wollten sowieso gerade essen!

Worum geht`s – oder gemeinsam essen macht einfach mehr Spaß?

Dieses Buch ist ein Kochbuch und ein Buch über das Leben und vor allem ein Buch von Menschen und über die Menschen hinter den Rezepten. Ein Plädoyer für die Gastlichkeit. Was verbindet uns mehr als das Essen? Ganz gleich, wo auf der Welt wir geboren werden, egal, was wir glauben, beim gemeinsamen Essen können wir uns kennen lernen über einem dampfenden Teller sitzen, reden, genießen, und uns ohne Scheu auf Neues einlassen. Die Fotografin und Autorin Elissavet Patrikiou hat über ein Jahr lang Menschen aus aller Welt in Deutschland getroffen. Mit ihnen gekocht, gegessen und gelacht und ihre Rezepte und Geschichten zusammen mit ihrem Co-Autor Michalis Pantelouris aufgeschrieben.

Wer sind die Autoren?

Elissavet Patrikiou arbeitet seit über 20 Jahren als freie Fotografin und hat sich auf Foodfotos und Kochbücher spezialisiert. Die griechische Küche, für sie eng verbunden mit vielen spannenden Begegnungen und schönen Erlebnissen in ihrer Heimat, liebt sie ganz besonders.

Michalis Pantelouris ist Autor beim Süddeutsche Zeitung Magazin, Editor-at-Large bei L’Officiel und Kolumnist bei GQ und Emotion. Er schreibt außerdem für Zeit, GEO und andere.

Was ist drin?

Elissavet Patrikiou hatte am Anfang gar nicht vor, dieses Kochbuch zu machen, schon länger hat sie mit Menschen zusammen gekocht und die Fotos dieser gemeinsamen Abende auch mal bei Facebook online gestellt. Genauso ist es bei uns schließlich auch, wir teilen dort mit Freunden und lieben Menschen unser Leben. Und dann hat ihr ein Mensch, den sie sehr schätzt gesagt: »Frau Patrikiou, Sie müssen ein Buch über Ihr Leben machen, Sie kennen so viele interessante Leute.« Erstmal war das kein Thema für Elissavet, denn es ging bei diesen Bildern nicht um ihren Job, sondern um ihr Leben, eine Fotografin sieht überall Bilder, wir Kochenden haben beim Gang durch die Natur, bei den Kräutern am Wegesrand sofort ein Aroma in der Nase, das vielleicht am nächsten Tag spannend für den Teller inszeniert wird.

Wir machen uns einfach einen schönen Tag!

Gastfreundschaft, ist etwas zutiefst persönliches, es geht nicht nur um Rezepte, sondern wenn wir Gäste haben, servieren wir unsere Lieblingsgerichte, wir wollen das alle sich wohl fühlen, dass es unseren Gästen gut schmeckt, sie lachen und sich gut unterhalten und dies als besonderes Erlebnis mit nach Hause nehmen. Ein echtes Buch über dieses Thema zu machen, kann heikel werden, denn es funktioniert definitiv nicht nur mit gestylten Fotos und Rezepten, die wir irgendwo abgeguckt haben, sondern nur mit unseren Lieblings-Rezepten und Gastgebern, die echt sind und sich nicht hinter einer stylischen Umgebung verstecken.

Ich muss ehrlich zugeben, dass ich dieses Buch beim Blättern durch die Verlagsvorschau, „nicht auf dem Zettel hatte“, mir schien es mal wieder ein Buch zu sein, dass uns Multi-Kulti für die heimische Küche mit ein paar netten Fotos liefert, wie es mir inzwischen auch mit vielen Büchern zur Food-Truck-Szene geht. Bei den meisten springt bei mir der Funke einfach nicht mehr über und ich fühle mich auch nicht mehr persönlich angesprochen, auch nicht kulinarisch. Im Gegenteil ich habe das Gefühl bei vielen Büchern sind wieder mal Autoren, Köche, Fotografen und Büchermachen hinter dem Trend hinterher. Dann habe ich mir „Gastfreundschaft“ in der Buchhandlung angeschaut und mich sofort verliebt in das Buch, die Fotos und die Geschichten sind sehr einfühlsam und echt, es gibt keine gecasteten Protagonisten, sondern die Fotografin hat Menschen besucht, die sie schon ewig kennt oder neu kennengelernt hat und die sie als tolle Menschen empfindet. Für Elissavet Patrikiou bedeutet das, dass jemand mit ganzem Herzen bei der Sache ist und dass ist das was letztendlich Gastfreundschaft auch ausmacht. Folgerichtig war der Plan vorab einfach, wir machen uns einfach einen schönen Tag, egal wer dabei ist, egal was auf den Tisch kommt.

Von Typen und Kreativen
– in Hamburg liegt Sri Lanka gleich um die Ecke von Griechenland

Herausgekommen sind dabei sehr persönliche Begegnungen, z. B. mit Leonie aus Sri-Lanka, die 1978 nach Deutschland gekommen ist, im schlimmsten Winter, an den sie sich erinnern kann, die jeden Tag etwas scharfes essen muss und seit ihrer Kindheit jeden Tag ihres Lebens ein Ritual hat: Sie legt ihre Hände an den Reistopf und betet. Es gibt kein Bild auf dem sie nicht aus vollem Herzen lacht, Leonie betreibt einen Food-Stand, der so fröhlich bunt ist wie sie selbst und serviert uns gerne die Gerichte, die sie seit ihrer Kindheit auf Sri Lanka kennt und deren Rezepte ursprünglich von ihrer Mutter stammen. Es gibt bei ihr z. B. Devil-Scampi, Papadam und Linsencurry.

Alexandros Sistakos besitzt in Hamburg ein Restaurant, das ein ehemaliger Buchladen war.  und er hat beschlossen, die Wandregale stehen zu lassen und den Laden einzurichten wie die Bibliothek eines englischen Lords – mit Sesseln und Sofas, Schachbrett und allem, was sonst noch im Regal eines Mannes steht, der die Welt gesehen und dabei mit Geschmack Souvenirs gesammelt hat. Bei ihm hat alles seinen Platz und die Gäste werden, wenn sie mal wieder ohne nachzudenken, ihre Jacken einfach mal über die Lehne der antiken Stühle hängen, gerne auf die Garderobe aufmerksam gemacht. Wenn Platz knapp ist, dann verfügt er ebenso über pfiffige Ideen, wie er kurzerhand sein Lokal erweitert, einfach einen Parkschein ziehen und der Tisch für die Gäste wird in der Parkbucht vor der Tür aufgebaut. Er kocht im Buch ein griechisches Stifado an diesem Tag, auch ein „Hamburger Rundstück“ (eigentlich bezeichnet man damit Brötchen oder Schrippen, Alexandros serviert die Luxus-Variante, mit gegartem Schweinehals und Bratensauce) und alles Mögliche andere, Alexandros war noch nie bereit, sein Leben von irgendwelchen anderen Regeln bestimmen zu lassen, als von seinem eigenen Geschmack.

Charly Jungbluth, den jeder im Hamburger Karolinenviertel kennt und mag, betreibt eines der bekanntesten Tattoo-Studios Deutschlands, wobei er selbst ausschließlich pierct. Charlys Motto lautet: » Rock ’n’ Roll und fette Beute!«, Neben allem anderen ist Charly auch so etwas wie eine Institution, wenn er wirklich irgendwann mal wie geplant, in sein Haus auf einer kleinen thailändischen Insel verschwinden sollte, dann wird das für viele Bewohner des Viertels, die dessen individuellen Style lieben, ein Zeichen sein, dass es Schluss ist mit Typen und kreativen individuellen Läden. Aber bis dahin ist es hoffentlich noch ein bisschen hin und Charly serviert für seine Freunde ganz bodenständig, z. B. ein Kartoffel-Curry-Gratin mit gebratener Schinken-Putenbrust oder Charlys Curry-Schmackofatz.

Fazit – oder warum ich mich in dieses Buch verliebt habe!

Ich schaue mir jedes Jahr viele, eigentlich fast jeden Tag ein Kochbuch an, viele begeistern mich, weil ich das Gefühl habe, hier tun Menschen wirklich etwas, was sie lieben oder ich lasse mich entführen in eine kulinarisch neue Welt. Was ich aber noch mehr liebe sind authentische Menschen, Typen und echtes und einfaches Essen, gerne in Gesellschaft und auch mal ganz spontan, wenn ein Freund oder Freundin vor der Tür stehen und da komme ich mit diesem sehr persönlichen Koch- und Bildband voll auf meine Kosten und es lässt mich hoffen, dass Kochbücher noch von Menschen für Menschen gemacht werden und nicht von einer Agentur, die uns nach der Marktanalyse noch schnell ein Buch zum letzten Trend unterjubeln möchte. Ich war glücklich all diese Menschen und ihre persönlichen Lieblings-Rezepte kennenzulernen und freue mich auf viele weitere unkomplizierte kulinarische Abenteuer mit ihnen.

Herzlichen Dank für die Übersendung als Rezensionsexemplar.