Rehragout mit gedünsteten Pflaumen u. Kürbiskernknödeln

© Melina Kutelas, Hölker Verlag

Dieses Weihnachten mit Corona-Beschränkung fiel bei uns klein aus: wir haben es uns im Ferien-Haus zu zweit gemütlich gemacht, Rehfleisch vom Jäger aus dem Ort besorgt, der zum Glück auch kleinere Mengen verkauft und daraus dieses sehr feines Rezept des Österreichers Alexander Höss-Knakal mit gedünsteten Pflaumen (eigene Ernte und im Tiefkühler zwischen geparkt) und frittierten Kartoffel-Knödel mit Kürbis-Crunch zubereitet und waren trotz Mühen hin und weg!

P.S. Das Frittieren dauert ca. 10 Minuten bis die Knödel goldgelb frittiert sind. Achtung: Das Öl darf nicht zu heiß sein, sonst werden die Bällchen außen zu dunkel, bevor sie innen gar sind.

Quelle: Alexander Höss-Knakal: Erzähl mit von Weihnachten

Fotos: Melina Kutelas

Hölker Verlag

Preis: 32,– €

Zutaten (für 4 Personen):

Für das Rehragout

500 g Rehschulter

je 2 Zweige Rosmarin und Thymian

frisch gemahlener

schwarzer Pfeffer

70 ml Rotwein

70 ml Portwein

1 Zwiebel

Salz

2 EL Sonnenblumenöl

2 EL Preiselbeerkompott

Für die gedünsteten Pflaumen

200 g Pflaumen

1 EL Zucker

1 Zimtstange

100 ml Rotwein

Für die Kürbiskernknödel

100 g Kürbiskerne

400 g. mehligkochende Kartoffeln

2 Eigelbe

2 EL Butter

Salz, Pfeffer

2 Prisen frisch geriebene Muskatnuss

ca. 400 ml Sonnenblumenöl

ca. 100 g Mehl (Typ 405)

2 Eier, verquirlt

Außerdem

Etwas Preiselbeer-Kompott

Zum Garnieren

Zubereitung

Für das Rehragout das Fleisch abspülen, trocken tupfen und in gleich große Stücke schneiden. Die Kräuter abbrausen und trocken tupfen, die Blätter abstreifen. Das Fleisch in einer Schüssel mit Thymian, Rosmarin und Pfeffer mischen, mit Rot- und Portwein übergießen und mit Frischhaltefolie abgedeckt ca. 10 Std. kalt stellen. Das Fleisch abseihen, die Marinade auffangen. Die Zwiebel schälen, halbieren und in dünne Scheiben schneiden. Das Fleisch salzen und in Öl anbraten. Die Zwiebel mitrösten. Mit der Marinade ablöschen. Die Flüssigkeit kurz einkochen lassen. 400 ml Wasser angießen und Preiselbeeren unterrühren. Den Deckel auflegen und das Fleisch auf niedriger Hitze ca. 1 Std. 30 Min. weich schmoren.

 Für die gedünsteten Pflaumen, die Pflaumen halbieren vom Stein befreien, in Scheiben schneiden und in einer Pfanne bei mittlerer Hitze mit Zucker und Zimstange einige Minuten schwenken. Rotwein angießen und einige Minuten  einkochen lassen. Beiseitestellen.

Für die Knödel die Kürbiskerne fein hacken oder reiben. Die Kartoffeln kochen pellen und noch heiß durch eine Kartoffelpresse drücken. Mit Eigelben und Butter mischen und mit Salz und mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss würzen. Aus dem Teig kleine Knödel (von 2 Zentimeter Durchmesser) formen. Das Öl in einem Topf auf 170 ° C erhitzen. Die Knödel nacheinander in Mehl, Ei und Kürbiskernen wenden und im heißen Öl goldgelb backen.

Das Ragout mit den Knödeln und Pflaumen anrichten und mit etwas Preiselbeerkompott garnieren.

 Zubereitungszeit: 90 Minuten (ohne die Zeit zum Marinieren), bei mir hat es ein bisschen länger gedauert

 

Weihnachten in Amsterdam

Yvette van Boven: Weihnachten in Amsterdam

Das Kochbuch für ein entspanntes Fest

Fotos: Oof Verschuren

Dumont Verlag

Preis 34,–

Weihnachtsstress – nein danke!

Worum geht’s?

 oder haben wir denn schon Weihnachten…….

Als ich das erste Mal dieses Buch der Niederländerin Yvette van Boven in der Hand hielt, war es Mitte Oktober und der Sommer hatte sich gerade entschlossen, für ein Wochenende nach Frankfurt zurück zu kehren….. In Anbetracht der fast hochsommerlichen Temperaturen war ich entsprechend wenig dafür zu begeistern, mich mit der Ausgestaltung des Essens zum Fest der Liebe detailliert zu beschäftigen. Einzig die Supermärkte hatten mit jede Menge „Süßkram“ für das Familienfest des Jahres mächtig aufgerüstet. Jetzt wird es aber definitiv Zeit, sich mit ein paar Ideen für die Verköstigung der Familie an Weihnachten zu beschäftigen…

Tausche Weihnachten in der Berghütte gegen ein entspanntes Weihnachtsfest in Frankfurt!

 Ich muss gestehen, dass ich zu Weihnachten ein zwiespältiges Verhältnis habe…. Ich mag es, wenn die Familie zusammenkommt, sich nett unterhält, ein Gläschen Wein zusammen trinkt und entspannt genießt…. Genauso hasse ich Deko-Arien, überhaupt mache ich um diese Art von Geschäften in der Weihnachtszeit einen großen Bogen, auch wenn ich es gerne hübsch habe…… Aber bitte nicht jedes Jahr mit einer anderen farblich abgestimmten Dekoration. Ich mag schön gemachte Kochbücher und die Story dahinter ist mir ebenfalls nicht egal und soll mich unterhalten oder beglücken. Was mir inzwischen aber immer schwerer fällt ist, die idyllische Inszenierung des Festes der Liebe in vielen davon –  beim Thema Weihnachten wird für meinen Geschmack häufig zu sehr auf die Tube gedrückt. Kochbücher im 21. Jahrhundert werden zu Alleskönnern stilisiert, sie liefern mehr oder weniger gelingsichere Rezepte und entführen uns an die schönsten und märchenhaftesten Orte der Welt. Aber eigentlich brauch ich das gar nicht und ebenfalls mögen tue ich es auch nicht mehr, Weihnachten zelebriere ich nämlich nicht mit der Familie auf einer Berghütte, sondern in Frankfurt, München oder Berlin. Mir ist dieses Familienfest nicht weniger wichtig, aber ich gehe das durchaus pragmatischer an, deshalb schaue ich gerne frühzeitig (haha…) was gibt es dieses Jahr zu Essen, was passt am besten, wann reist die verzweigte Familie mit Kindern an, wann reisen sie wieder ab und wie viele Frühstücke, Abendessen und Lunch-Mahlzeiten dazwischen fallen denn an? Wie können wir es ganz entspannt schaffen, dass wir ohne viel Stress eine nette Zeit miteinander verbringen und auch noch lecker essen?

Was ist drin?

 Hier liebt es jemand, praktisch, entspannt und lecker…..

© Oof Verschuren / DuMont Buchverlag 2019

Die Niederländerin spricht mir aus der Seele, sie mag keinen Weihnachts-Kitsch: blinkende Weihnachtsbäume, schlechte Schokolade und piefige Traditionen – das ist ihr von allem viel zu viel! Aber sie mag ihr Amsterdam mit Weihnachtsstimmung nicht weniger als sonst: die festlich beleuchteten Grachten, die geschmückten Straßen und – mit etwas Glück – die schneebedeckten Hausboote. Vor allem genießt Yvette van Boven an Weihnachten besonders, dass die ganze Familie zusammenkommt und alle Zeit füreinander haben. Damit ist für mich der Rahmen abgesteckt und deckungsgleich zu meinen eigenen Wünschen, die ich an ein Weihnachtskochbuch habe. Erleichtert stelle ich zudem fest, es ist ein fröhliches Buch mit hübschen farbigen Illustrationen und wertiger Ausstattung geworden, die Fotos des vorweihnachtlichen Amsterdams sehen ziemlich normal aus und nicht wie aus einem Lifestyle-Magazin oder aus dem Katalog für einen besonders idyllischen Winterurlaub….

Eine versierte Gastgeberin mit dem Blick für Abläufe, damit es am Ende keine Krisen gibt!

 Statt überladene Weihnachts-Impressionen punktet die versierte Gastgeberin mit vielen sehr praxisorientierten Tipps: Bringt mich auf den „Trichter“ den Kühlschrank und die Gefrierkombi rechtzeitig aufzuräumen, schwerer zu beschaffenden Zutaten am besten schon zwei Wochen vorher zu  zu bestellen und hat immer Notfall-Maßnahmen zur Hand, wenn es darum geht, ganz schnell den Champagner für den Aperitif runter zu kühlen. Woher weiß die Dame, dass bei mir und meinem „Lieblings-Mann“ Heiligabend schon mal sehr dicke Luft war, weil der Gute gefühlt 1 Stunde an der Fischtheke und weitere 1 ½ Std. an der Kasse des Großmarkts sich die Beine in den Bauch stehen musste, während ich zu Hause Hände ringend auf seine Unterstützung beim Kochen wartete. Wir kaufen gerne bei Lokalen-Produzenten, frieren ein und verstauen vieles in der Speisekammer, wollen aber nicht Weihnachten genervt stundenlang irgendwo in der Schlange verbringen, wenn wir eigentlich besseres und wichtigeres zu tun haben. Wir möchten eigentlich nur lecker mit der ganzen Familie essen und das Fest zusammen genießen. Ich kann deshalb Frau Boven, die offenbar alles schon hundert Mal gemacht hat, für die vielen Tipps direkt aus dem richtigen Leben einer versierten Gastgeberin aufs herzlichste danken! Nett ebenfalls die hübsche Aufbereitung der gesammelten Tipps in einer geschmackvollen Grafik, so lässt sich schnell wieder Überblick gewinnen.

Ich schau mal was es so gibt…..

Frühstück & Brunch and a very warm welcome for everyone……

Yvette van Boven Koch Stil ist unkompliziert, manchmal elegant und festlich, ihre Ideen lassen sich ganz nach dem persönlichen Geschmack vielfältig kombinieren und können nicht verleugnen, sie liebt es very British an Weihnachten. Yvette hat lange mit ihrer Familie in Irland gelebt.

Zum Bruch gibt es z.B. schottische Eier, Würstchen im Schlafrock, klassische kleine Mince-Pies oder Schoko-Crossie-Kränzchen. Angestoßen wird z. B. mit Sloe Gin (ein Gin, der mit Schlehen schon Monate vorher aromatisiert wurde) oder einem Tannensirup-Drink (mit Mineralwasser und Eiswürfeln ergänzt), schmeckt jedoch ebenso lecker zu Eiscreme, über einen Trifle geträufelt oder in einem Cocktail (Weihnachts-Negroni).

Appetit bekommen (Häppchen) u. Suppen machen sowieso schnell und unkompliziert viele glücklich!

Im Hause van Boven wird meistens ohne viel Firlefanz lecker aufgetischt. Um ihren Gästen Appetit zu machen, serviert die Holländerin, knusprige Käsewindbeutel (Gougères), hier unkompliziert und nicht gefüllt, geröstete Maronen, pikanten gebackenen Ziegenkäseaufstrich zu gerösteten Baguette-Scheiben oder lässt uns Buttermilch-Gürkchen knabbern. Elegant wird es mit Austern mit einem Jalapeño-Dressing, Kürbiscremesuppe mit Sternanis und Flusskrebsschwänzen und Papaya-Gin-Gazpacho zu Austern.

Blumenkohlcremesuppe mit Kokos u. Kreuzkümmel ist eine unkomplizierte Option für den Suppentopf, die als Vorspeise und ebenso als Ausklang für einen genussvollen Tag dazu angetan ist, eine größere Schaar satt und glücklich zu machen. Für mich sehr interessant, weil wir die gesamten Feiertage immer mit 10 Personen verbringen. Wenn man nach einem Ausflug hungrig zurückkehrt und schnell ein leckeres Süppchen erwärmen kann, bevor wir vielleicht noch ins Theater gehen oder einen privaten Filmabend mit unseren ganz persönlichen Lieblingsfilmen veranstalten, ist das einfach perfekt für unsere ganz entspannte Weihnachts-Ausgestaltung.

Viele leckere Hauptgerichte, Vegetarier sind ebenfalls herzlich willkommen!

 Lachsfilet mit Fenchel, Zitrone u. Brunnenkresse-Miso-Mayo, gerösteter Blumenkohl mit Ziegenkäsecreme oder Gemüse-Spiral-Tarte mit Avocado-Curry-Creme können Fischliebhaber und Vegetarier beglücken.

Während Hirschschmortopf mit Blätterteig-Haube oder eine krosse Weihnachts-Porchetta die Fleisch-Fans glücklich machen. Dazu gibt es z. B. Kartoffel-Püree mit Knollensellerie und Apfel, Rosenkohl á la carbonara und Möhrentatin mit Ziegenkäse. Alles kann nach Herzenslust und eigenem Gusto mit einander kombiniert werden.

Bevor es mit tollen Desserts & Gebäck (Baiser-Trifle mit geschmorten Birnen oder einem Mince-Meat-Fudge) und der intelligenten und praxistauglichen Bestückung des Vorratsschrank und vielfältigen Menüvorschlägen weiter geht.

Probiert & verputzt:

Herzhafte Arme Ritter (Am Morgen)

© Oof Verschuren / DuMont Buchverlag 2019

Arme Ritter sind meistens süß, schmecken aber auch herzhaft ziemlich gut. Sie sind perfekt, um altes Brot (bitte auf die Qualität achten!) aufzubrauchen, und außerdem ein süchtig machendes (Weihnachts-) Frühstück, meint Yvette van Boven.

Gibt es zum Brunch am ersten Weihnachtstag, da können sogar die Kinder mitmischen…. Der Testlauf zu Hause verlief angenehm lecker und auch die Familie war begeistert von diesem unkomplizierten „Sattmacher“!

 

Wildpilzsuppe mit Haselnüssen (Suppen)

© Oof Verschuren / DuMont Buchverlag 2019

 

 

 

Die Steinpilz-Saison war dieses Jahr im Hunsrück ergiebig wie noch nie…. Die Pilze stammen bei uns aus eigener Sammlung. Geplant für den zweiten Feiertag am Abend. Wunderbar stimmig das Topping, dazu!

 

 

Briocheschnecken mit roten Früchten und Ricottaglasur (Am Morgen)

Die sind so gut, die gehören jetzt in unser Standard-Repertoire! Die Kombination aus fluffig zarten Hefeteig und frisch säuerlichen Früchten überzeugt. Die Glasur aus Puderzucker und Ricotta schmeichelt beiden….. Perfektes Comfort-Food nicht nur für die Weihnachtstage, sondern ebenfalls um graue November-Sonntage zu erhellen!

 

© Oof Verschuren / DuMont Buchverlag 2019

 

Kürbisbrot mit Salbei und Feta (Am Morgen)

© Oof Verschuren / DuMont Buchverlag 2019

 

Wunderbar würzig und unkomplizierter Augen- u. Gaumenschmaus. Die Familie war sehr angetan und ich glücklich, dass es auch Brot-Rezepte gibt, die von ihren Fans nicht verlangen, dass man für diese komplett sein Leben ändern muss.

P.S. Statt Flaschenkürbis habe ich Butternut-Kürbis verwendet.

 

 

Rote Bete aus dem Ofen, gefüllt mit Ziegenkäse, Datteln und Staudensellerie  (Beilagen)

© Oof Verschuren / DuMont Buchverlag 2019

Diese Beilage eignet sich ebenfalls gut als Vorspeise – wunderbar sogar und das Rezept -hat wie immer bei der Niederländerin – ein Herz für gestresste Gastgeber. Zu schade und vor allem zu lecker, um sich erst wieder an Weihnachten daran zu erinnern!

P.S. Bei vorgegarter roter Bete habe ich häufig das Problem, dass sie mir zu süß schmeckt, besser wird es nur, wenn man ihr einen guten Schuss Essig gönnt und sie eine Weile mariniert. Hier habe ich sie deshalb im Ofen vorgegart und sowas lässt sich auch an den Feiertagen gut vorbereiten.

Fazit: Perfect Job! – hier denkt eine versierte Gastgeberin stets praktisch und weiß ebenso, dass in den meisten Familien inzwischen viele Vegetarier und Veganer mit am Tisch sitzen.

Bei Yvette van Boven haben wir es mit einer entspannten Gastgeberin zu tun, die überzeugend die praktische Seite beim Weihnachts-Cooking betont und sehr lässig bleibt, weil sie eben weiß wie man das lecker und stressfrei gestalten kann. Das sie dazu keine Berghütte oder andere pittoreske Orte bemüht, rechne ich ihr hoch an, denn ich bin mehr an einer praktischen Unterstützung beim weihnachtlichen Gelage mit der Familie interessiert, als an künstlicher Inszenierung. Die wertige Ausstattung des Buches passt gut zur entspannten Haltung  der Gastgeberin, die uns ein echtes Bild vom weihnachtlichen Amsterdam zeigt und dabei zum Glück auf jede Menge – von mir unerwünschten – Kitsch verzichtet.

Herzlichen Dank für die Übersendung als Rezensionsexemplar!