James Strawbridge: Selbermachen — Das Kochbuch

James Strawbridge: Selbermachen — Das Kochbuch

Vom Fermentieren, Einlegen, Brot backen und mehr

Fotos: John Hersey

Verlag Dorling Kindersley

Preis: 24,95 €

Die eigene Manufaktur das hört sich doch vielversprechend  an…..

 Allzu lange war es den meisten ziemlich egal, was auf ihrem Teller landete. Aber mittlerweile erkennen viele, wie wichtig es ist und wie gut und einfach sich vieles selber herstellen lässt, so meint James Strawbridge in seinem Vorwort zu „Selbermachen“, ein Kochbuch dass sich vorgenommen hat, viele der traditionellen Zubereitungstechniken, die schon seit hunderten von Jahren in unserer Zivilisation zum Einsatz kommen, wieder eine Bühne zu geben. Die englische Originalausgabe heißt dann auch folgerichtig „The Artisan Kitchen“.

Ist der Öko? – sicher aber vor allem ein Typ, der nicht nur babbelt….

© DK Verlag/James Hersey

James Strawbridge ist Koch-Experte für nachhaltiges Leben und als Moderator präsentiert er sein Wissen in Umwelt- und Kochsendungen. Dieser Mann mit vielen Tatoos, Bart und langem Haar, das er zurückgebunden trägt,  kommt wie ein kerniger Naturbursche und Individualist rüber,  er kennt sich wirklich aus, wird mir schnell klar, als ich mal google, mit wem ich es zu tun habe und was er bisher gemacht hat…..

Aufgewachsen in Cornwall auf einer Farm mit Eltern, die sich schon immer für ökologische Themen und den Erhalt bäuerlicher Kulturtechniken engagiert haben, lebt James mit seiner Frau Holly und den drei gemeinsamen Kindern immer noch dort. Die Familie hat nicht nur einen großen Obst und Gemüsegarten, sondern hält Hühner, Schweine und Ziegen. Zu Landwirten will uns James jedoch nicht bekehren, sondern er möchte Menschen wieder dazu animieren, mehr Zeit im Freien zu verbringen und was sie dort sammeln oder mit eigener Muskelkraft und viel Liebe in ihrem Garten ziehen, nicht nur zum Kochen zu verwenden, sondern am besten gleich zu konservieren.

Was ist drin?

 

Das Beste aus dem Besten machen, loslegen und sich nicht mit unnötigen Equipment belasten!

Ein Buch zu Konservierungs-Methoden so zu machen, das ich es wirklich immer wieder aus dem Regal hole, wenn es darum geht, das was mir die Nachbarin im Wochenend-Haus plötzlich über den Zaun reicht, die Verwandtschaft mit eigenem Garten, eigenen Obstbäumen  regelmäßig vorbei bringt, muss für mich mehr als nur Rezepte können. Mal ist dieses Gewürz nicht da, beim nächsten Mal fehlt was anderes, aber die Ernte soll schnell und vor allem lecker verarbeitet werden, bevor ich am Sonntag-Abend wieder in die Stadt zurückkehre.

Beim Selbermachen sind für mich also nicht nur Rezepte gefragt, sondern Kreativität und Flexibilität, die ich brauche, um spontan etwas zu verarbeiten, was mir geschenkt wird, was ich selber ernte oder sammle. Früher galt dann der erste Gedanke dem Gefrierschrank, heute denke ich an Einmachgläser, einen Topf zum Einkochen und an den Backofen, wenn ich etwas trocknen will. Und bin damit bis jetzt deutlich besser gefahren, alles fein säuberlich sortiert im Vorratskeller auf den Regalbrettern aufzureihen und das zudem viel besser ist,  als ich es kaufen könnte. Für mich steht zudem inzwischen fest, es macht viel mehr Freude selbst Geerntetes zu konservieren. Und die Streuobst-Wiesen waren im letzten Jahr mit einer reichhaltigen Ernte gesegnet, die langsam unter den Bäumen verrottete. Muss nicht sein und soll für mich auch nicht sein und deshalb, hole ich das, was ich verarbeiten möchte auch nicht mehr aus dem Bio-Supermarkt.

Wenn ein Experte beim Equipment zudem den Fokus gleich auf das lenkt, was ich sowieso schon zu Hause habe, ist das für mich nicht nur praktisch, sondern genauso fängt Nachhaltigkeit an!

Ohne gute Messer geht es für den Mann aus Cornwall nicht und die Pflege dieser wird von ihm geduldig und detailgenau erklärt, er macht wirklich ernst mit seinem Anspruch an eine unkomplizierte alltagstaugliche Herangehensweise, nur beim Wurstmachen, sehe ich den Briten mit einem von ihm besuchten Experten am Fleischwolf stehen.

Dieser „Selbermacher“ bietet Projekte an und kann didaktische Vermittlung  – genau mein Ding!

James Strawbridge kennt sich verdammt gut aus, dass merke ich schon beim Blättern recht schnell, dennoch lässt er gerne Barbara von der Botelet-Farm und den Käse-Macher mit step by step Anleitungen zu Wort kommen, weil sie ihre Butter oder den Käse schon immer selbst gemacht haben.

Rundumschlag, um die traditionellen Konservierungs-Methoden vorzustellen:

Es wird Milch sauer vergoren (Pink Pickles, Sauerkraut, Kimchi), in Essig eingelegt (Piccalilli), Früchte natürlich ohne Gelierzucker eingekocht (Brombeer-Konfitüre, Orangen-Marmelade, Frucht-Curds), getrocknet (Apfelchips, sogar Biltong und Algen sind dabei –  der Mann lebt halt am Meer….), Getränke fermentiert (Ginger Beer), selber Essig oder Sloe-Gin angesetzt, Joghurt, Butter und Käse produziert, Brot mit Sauerteig gebacken, mit Fett konserviert (konfierte Entenkeulen), Rilettes hergestellt, mit Salz trocken (Graved Lachs) oder nass gebeizt (Schinken), Wurst hergestellt (Chorizo, Meeres-Salami), heiß und kalt geräuchert, sogar eine Kalträucherkammer gebaut, bevor es ans offene Feuer geht, wo der Naturbursche sowieso gerne steht z. B. um einen Spießbraten zu schwenken. Dies freut den Hunsrück-Fan in mir, wo Spießbraten als regionale Spezialität gilt.

Timing, Theorie, Praxis, Möglichkeiten, Experten-Tipps – so will ich es!

¾ aller Rezepte funktioniert problemlos, ohne sein Leben grundlegegend zu ändern oder das komplette Wochenende dafür zu reservieren, Aufwand und Timing werden gleich zu Beginn prominent angegeben. Der nützliche übersichtliche didaktische Aufbau, zeigt Techniken zum Einüben mit einem Grund-Rezept und bietet darüber hinaus viele Tipps und Variationen gut strukturiert an, die ein solches Buch reizvoller machen, als ich es von Selbstversorgungs-Experten aus den 80igern kenne. James Strawbridge überzeugt mich komplett mit dieser didaktisch gut ausgetüftelten Herangehensweise, die mir die Grund-Prinzipien hinter jeder Technik zeigt und mich unabhängiger von einzelnen Rezepten machen. Bei den Themen, zu denen ich schon eigene Erfahrungen gesammelt habe, wie z. B. dem Einlegen in Lake, sehe ich außerdem sofort bei den Experten-Tipps, alles was dort empfohlen wird, ist goldrichtig und deckt sich mit dem, was ich schon woanders gelernt habe. In diesem Buch nur übersichtlicher und komprimierter dargestellt. Und genau so wollen es glaube ich, inzwischen viele!

Probiert und Verputzt:

Bunter Mangold-Kimchi

© DK Verlag/James Hersey

Kimchi ist eine koreanische Spezialität und besteht aus fermentiertem Kohl –  traditionell Chinakohl. Hier hat Mr. Strawbridge zu buntem Mangold gegriffen, der ebenfalls aus weichen Blättern und knackigen Stielen besteht. Durch die Gärung werden die erdigen Mangoldaromen schön zur Geltung gebracht. Es lassen sich selbstverständlich ebenso andere Kohlsorten wie Grünkohl, Pak Choi oder Blattkohl verwenden. Bei mir ist es beim grünen Mangold geblieben, weil ich die bunte Sorte zu dieser Jahreszeit leider nicht auftreiben konnte.

Ein fein würziges, leicht scharfes Rezept, das unkompliziert funktioniert und gerade deshalb Freude macht!

Goldgelbes Sauerkraut

© DK Verlag/James Hersey

Auch wenn Sauerkraut seine Ursprünge in der Mongolei hat, gilt es heute eher als typisch deutsch oder osteuropäisch. Die Zubereitungstechnik kann auf eine ganze Reihe anderer Gemüsesorten angewendet werden. So sind vergorener Rotkohl, Fenchel, Sellerie oder Karotten definitiv ebenfalls einen Versuch wert, meint der Selbermacher-Experte. Für ein zusätzliches feines Aroma empfiehlt er Wacholderbeeren, Ingwer, Kümmel oder Dill dazugeben.

Geschmacklich und optisch ein Gewinn – I like!

Gartenchutney

© DK Verlag/James Hersey

Dieses Chutney bietet einfach alles: Süße, Säure, erdige Gewürze und eine tolle Umami-Tiefe. Es ist ein Rezept  von James Großvater, das er über die Jahre ein wenig optimiert hat. Wie bei allen guten Chutneys ist es auch hier wichtig, es so lange zu kochen, bis es die Konsistenz von Konfitüre hat.

Grüne Tomaten sind natürlich im Winter nicht zu bekommen, deshalb habe ich es mit Pflaumen vom eigenen Pflaumenbaum, die sich noch im Tiefkühlfach fanden, ausprobiert und mich beim Mengen-Verhältnis an die Experten-Tipps gehalten.

Bestes Chutney ever, meinte mein Mann und bei dem gibt es eigentlich keine Mahlzeit, ohne ein Glas Chutney als Aroma-Verstärker auf dem Tisch…..

Wie schon erwähnt, kommt es wirklich auf eine gute Balance an, da schwächeln die meisten Rezepte, weil die Essig-Note geschmacklich komplett unterschätzt wird, diese sollte sich aber mit dem Zucker (auch Fruchtzucker) die Hand  geben!

Fazit: viele Rezepte – forget it, das ist nicht was Du als Selbermacher im Alltag brauchst!

Es sind nicht die vielen Rezepte, sondern die konzeptionelle Herangehensweise, die Freiraum lässt, die mich bei James Strawbridge’s „Selbermachen“ überzeugen. Nachhaltig konservieren ist immer von ganz spontanen Ereignissen abhängig, habe ich in den letzten 15 Jahren mit Wochenend-Haus auf dem Land gelernt. Das wichtigste punktgenau  übersichtlich darstellen und mir viele Varianten  anzubieten, ist mir heute wichtiger denn je!

Dieses Buch wendet sich an Selbermacher mit Selbstversorger-Ambitionen, die ein zeitgemäßes gut strukturiertes Standardwerk suchen!

Lisa Nieschlag/Lars Wentrup: Taste the wild

Lisa Nieschlag/Lars Wentrup: Taste the wild

Rezepte und Geschichten aus Kanada

Fotos: Sascha Talke/Lisa Nieschlag

Hölker Verlag

Preis: 30,– €

Worum geht’s?

 “say yes to new adventures….”

In ihrem neuen Buch laden Lisa Nieschlag und Lars Wentrup nach Kanada ein. Der Fotograf Sascha Talke hat sich mit seiner Frau Ninja aufgemacht, um ein beeindruckendes Panorama mit schneebedeckten Bergen, klare Gebirgsseen und unberührten Wäldern vor seiner Linse zu bannen. Und das macht er phantastisch! Seine Fotos machen mir beim Blättern große Lust auf ein Land, das ich genauso wenig wie seine Küche schon selbst entdecken konnte. Jede Reise beginnt ja immer erst mal im Kopf mit einer erwartungsvollen Stimmung und dem Gedanken daran, was uns dort erwartet. Talkes Fotos haben es auch meinem Mann angetan, der interessiert aufblickt, als ich dieses wunderschöne Reise-Kochbuch zur Seite lege. „Say yes to new adventures“ heißt es gleich zu Beginn des Kochbuches auf einer Doppelseite, wo der Fotograf eine im Nebel versteckte Bergkette zeigt. Na, dann doch einfach los, wir sind dabei!

Was ist drin?

Kanada-Feeling pur!

© Sascha Talke/Hölker Verlag
© Sascha Talke/Hölker Verlag

In ihrem Vorwort versprechen die versierten kulinarischen Abenteurer aus Münster dann , dass alle Bilder so in Szene gesetzt wurden, dass sie von der Seele Kanadas erzählen, die seine Weite widerspiegeln und das Abenteuer greifbar machen. Das sehr wertig ausgestattete Buch, bleibt da wirklich nichts schuldig und spielt mit links jeden Kanada Foto-Bildband an die Wand. Wir sollen mit ihm Platz für unsere Träume haben und diese Rechnung ist bei meinem „Lieblings-Mann“ voll aufgegangen… Ich kann ihn gerade noch bremsen, den Flug nach Toronto jetzt sofort zu buchen. „Schatz müssen wir doch erst mal gar nicht, denk an die Bären, denen Dein Kollege bei einer Wanderung nicht ausweichen konnte! “Jede Umgehung führte  – so berichte er später stolz im Büro – ihn wieder an „Meister Petz“ und seine familiy heran. Immerhin er und seine Begleitung haben das richtige getan und sind unbeschadete davon gekommen. Die Bären in den Rockys sollen auch ein anderes Kaliber als die in Osteuropa sein. Trotzdem mich reizen solche selbst erlebten Abenteuer nicht!

Und was gibt es zu essen?

 Einfacher Genuss oder ein bisschen Wildnis auf dem Teller……

Knapp 100 Rezepte entführen uns in klassischer Manier – von Frühstück über Snacks bis hin zu Mittag- u. Abendessen und verwöhnen schließlich mit dem süßen Abschluss – kulinarisch nach Kanada: Den einfachen Genuss sollen wir präsentiert bekommen, unsere Sehnsüchte sollen gestillt werden und manchmal darf es ebenfalls nach Wildnis schmecken. Das ist ein ambitioniertes Programm finde ich, was man sich da vorgenommen hat. Aber dieses Team hat viel Erfahrung, hat es uns doch schon in New York mit einigen Büchern satt und glücklich gemacht. Mal schauen, ob in Kanada das Ergebnis ähnlich gelungen ausfällt…

Die Münsteraner bleiben  bei ihrem bewährtem Konzept: alle Rezepte werden in Kategorien präsentiert, die Gefühle und Sehnsüchte stimulieren. Dort wo andere Kochbücher nur zum Frühstückstisch rufen, sucht man in diesem Bildband zu Beginn eines Reisetages an einem klaren Bergsee die vielgepriesene kanadische Weite.

Veganer freuen sich über eine gegrillte Avocado mit Tomatenchutney oder Mandel-Porridge mit Cranberrysoße zum Start in den Tag. Wir probieren Peanutbutter Chocolat Granola und stellen fest, wir mögen es weniger süß, haben aber nichts gegen den gehaltvollen Tagesbeginn.

Der Trip kann beginnen, vorher kümmern wir uns jedoch noch um den Proviant….

 Es wird ein No Knead Bread oder ebenfalls ein Meat Pie aus der kanadischen Provinz Quebeck gebacken, der dort als Tourtiére bekannt ist und bei dem fertige Yufka-Blätter mit Lauch, Hack (gewürzt mit Nigella, das ist Schwarzkümmel und Kümmel) gefüllt wurden. Erstaunlich lecker fanden wir, obwohl uns das Rezept im Buch nicht als sehr raffiniert erschien, haben wir diesen inzwischen schon öfter gebacken und der deftige Kuchen konnte ebenso beim Familien-Brunch Fans für sich gewinnen.

Typisch kanadisch ist meistens mit dem Einkauf im Supermarkt meisterbar!

 Frau Nieschlag und ihre Rezeptentwicklerin (Verena Poppen) servieren weiterhin ein grilled Cheese Sandwich, wo sich Cranbeery-Konfitüre, Cheddar, milder Gorgonzola und Japanelos, die Hand geben. Beaver Bites sind quasi Mini-Berliner mit einem Nuss-Nougat-Topping und Nanaimo Bars bestehen aus drei Schichten Keks-Nuss-Boden, Creme und Schokolade. Poutine dagegen ist ein kanadischer Fast-Food-Klassiker, bei dem eine Bratensoße den Job von Ketchup und Mayonnaise übernimmt. In der Version hier mir einfach nicht raffiniert genug und mich nachhaltig zu beeindrucken.

Mit einer Clam-Chowder (Muschelsuppe) wird es typisch kanadisch, ohne dass es bei der Beschaffung der Zutaten zu schwierig wird. Nur für die Lobster-Roll aus dem Kapitel „Den eigenen Weg gehen“ muss der Online-Handel ran und dann wird es nicht nur authentischer, sondern ebenfalls kostspieliger. Diese Herausforderungen sind jedoch rar gesät, einzig das Rezept für ein Lachsfilet vom Zedernholz verlangt nach einem unbehandelten Brett aus Zedern- oder Buchenholz, was sicherlich nicht jeder zu Hause stehen hat.

probiert & verputzt:

Waffeln mit salzigem Butterscotch

© Lisa Nieschlag / Hölker Verlag

Viel brauner Zucker und viel Sahne danach kann man süchtig werden! Wer danach nicht direkt auf eine anstrengende Wanderung aufbrechen möchte, ist ganz sicher bis zum Abendessen papp-satt. Für uns beim nächsten Mal mit weniger Zucker.

 

 

 

Wildreis-Frittata mit Pilzen und Speck

© Lisa Nieschlag / Hölker Verlag

Lecker, würzig, deftig und schnell gemacht! Das gibt es demnächst wieder!

 

 

 

 

 

 

Roastbeef mit Smashed Potatoes

© Lisa Nieschlag / Hölker Verlag

Nicht schlecht, der gebackene Knoblauch verträgt sich gut mit den zerdrückten Kartoffeln!

 

 

 

 

 

 

Man verlässt sich auf das Bewährte…

Es ist ja nicht das erste Buch aus der Schmiede der beiden Autoren, sondern reiht sich in eine Riege von hochwertig ausgestatteten und exzellent gelayouteten Büchern, die man – hat man sie einmal zu Hause – immer wieder gerne zur Hand nimmt… Versprechen diese doch ähnlich wohlige Gefühle wie die Reise zum jeweiligen Ziel selbst. Ja Schatz, ich finde es geht auch ohne Bär und wenn dann begegne ich diesem lieber in meinem Wohnzimmer ganz entspannt auf der Couch als in der kanadischen Wildnis. Kurzweilige Geschichten ergänzen den Coffee-Table-Touch. In diesem Buch sind das z. B. die kanadische Schriftstellerinnen Anne Michaels, die über die Ankunft ihrer Familie in Toronto berichtet und die wunderbare Margret-Atwood, die erzählt wie ihre Mutter als Kriegerwitwe von den Brüdern nach Strich und Faden verwöhnt wurde und Sonntags die Tanten immer mit ihrem mitgebrachtem Roastbeef und den Zitronen-Baisers für die kulinarischen Genüsse sorgten. Da hat ihre Mutter sich gerne umsorgen und bedienen lassen.

Fazit: Kochbuch oder Bildband?

 Solide Leistung, ohne Überraschungen!

Für mich ein großartiger Bildband mit wertiger Ausstattung, der auch Kochbuch kann. Die Autoren bestehen nicht darauf, dass ein Elch erlegt werden muss, bevor es los geht, sondern schicken uns zum Besorgen der Zutaten meistens einfach nur in den gut sortierten Supermarkt um die Ecke. Alles bleibt ohne große Schwierigkeiten machbar und schmeckt lecker. Für uns bei den süßen Sachen manchmal ein wenig zu süß, aber das ist schließlich Geschmackssache Die Bildunterschriften und Kapitel-Themen waren mir jedoch ein wenig zu dick aufgetragen! In Kombination mit den Rezepten, die lecker sind, aber eben nicht nach Wildnis schmecken, wie die Autoren in ihrem Vorwort gehofft hatten, fand ich das manchmal ein wenig zu viel des Guten! Als kritische Zeitgenossin haben diese mich eher abgeschreckt und manchmal die Erwartungen an die Rezepte höher geschraubt, als dieses es dann einlösen konnten. Vieles war lecker, aber nicht außerordentlich, wenn auch immer toll fotografiert. Bei den New York Büchern, besonders bei New York Christmas Baking wurde kulinarisch für meinen Geschmack viel mehr geboten und deutlich raffiniertere Rezepte geliefert.

Solide Leistung bei den Rezepten, genauso wie viele es heute wollen, aber eben nicht Wildnis pur. Da hätte es ein wenig mehr Abenteuerlust für mich gebraucht. Mein Wunsch für weitere Bände aus der Münsteraner Fernweh-Schmiede lautet: weniger Pathos mehr Spannung im Kochtopf und ruhig auch mal wieder eine längere Zutatenliste wagen!

Herzlichen Dank für die Übersendung als Rezensionsexemplar!

Open-Air – Das Festival und Camping-Kochbuch

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Stevan Paul und Daniela Haug (Fotos):
Open-Air – Das Festival und Camping-Kochbuch

Brandstätter Verlag

Beim Verlag bestellen

Preis: 29,90 €

„Ein Kochbuch für alle, die unterwegs und draußen sind und einfach mal raus aus dem Alltag wollen!“

 Worum geht’s?

 Stevan Paul, Koch, kreativer Geist und erfolgreicher Kochbuch-Autor hat den letzten Sommer mehr oder weniger im Campingbus verbracht, zusammen mit seiner Fotografin Daniela Haug war er mit dem VW-Bus, Zelt, Campingkocher und Grill in ganz Europa unterwegs. Sechs der schönsten Musik-Festivals in fünf Ländern standen auf dem Reiseplan angefangen mit dem legendären Roskilde-Festival in Dänemark bis zum Dimensions-Festival am Meeresstrand von Kroatien.

Ein so kreativer Koch und Genießer, lässt natürlich langweilige Imbissstände und Tütensuppen schon allein aus Selbstschutz links liegen und stellt sich gerne selbst an den Camping-Kocher, mit einer guten Idee geht immer was, dass die Herzen der neuen und alten Freude, der Musiker und Künstler im Nu erobert und Freundschaften geknüpft werden.

Wie sieht es aus oder ein trendsicherer Begleiter?

 Breites A5-Format in Türkis, vor mir liegt ein wunderschöner wertiger beschichteter Pappband mit abgerundeten Ecken und sogar Fadenheftung. Der Clou ist aber die Fotobauchbinde mit einer schönen Collage von Fotos aus dem Buch von Daniela Haug. Sehr hochwertig und tolle Haptik! Der rote Gummiband-Spanner ist ein geschmackvolles Accessoires, das mir Freude macht.

Layout und Fotos sind modern und sehr geschmackvoll und vermitteln perfekt zum Inhalt der nächste Festival-Sommer, wird in jeden Fall bunt.

Besonders die tollen Piktogramme zu Inhalten und Rezepten erfreuen mich wieder sehr, einfach wunderbar gemacht und ungeheuer geschmackvoll.

Was ist drin?

Dieses Buch versammelt Stevans Erfahrungen aus zwanzig Jahren Campingküche: mit gehaltvollen Frühstücksideen für den perfekten Start in einen ereignisreichen Tag, über schnelle Snacks und hausgemachte „Fertiggerichte“ bis hin zu ausgedehnten Grillpartys auf dem Campingplatz und sättigenden Mahlzeiten für den ganz großen Hunger.

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© Daniela Haug/Brandstätter Verlag

Aber auch die Töpfe und Garküchen der Festivalköche und Zeltnachbarn waren vor ihm nicht sicher und er hat es geschafft, diesen Menschen das ein oder andere Lieblingsrezept beim vertrauten Plausch zu entlocken. Da wären z. B. das senegalesische Chicken-Yassa und das jamaikanisches Jerk-Chicken beim Summerjam-Festival oder die original scharfe Gulaschsuppe des Sziget-Festival in Budapest und vieles mehr. Beim Melt-Festival in der Nähe von Dessau hat er sogar eine große Grillparty geschmissen.

© Daniela Haug/Brandstätter Verlag
© Daniela Haug/Brandstätter Verlag

In sechs Wissenskapiteln geht es neben vielen anderen nützlichen Informationen, auch darum, alles über eine sinnvolle Outdoor-Küchen-Ausstattung, spezielle Kühltechniken und den richtigen Umgang mit Gaskocher und Grill anschaulich und umfassend erklärt zu bekommen.

Bei den über 100 Rezepten für jede Ausstattung, alle Gelegenheiten, wird es für alle möglichen Anlässe leicht etwas für jeden Geschmack zu finden. Durch die sehr schöne und nützliche Führung mit Piktogrammen, ist auf einen Blick zu erkennen, was gut vorbereitet werden kann und was schnell frisch zubereitet ist.

Viele Rezepte werden mit praktischen Tipps zu Haltbarmachung, Transport und Lagerung versehen und zu beinahe allen Rezepten mit Fisch und Fleisch gibt es zusätzlich vegetarische und/oder vegane Alternativen.

 Lieblingsrezepte – oder meine Erfahrungen:

 „Chicken-Tikka-Masala“ (das hat uns am letzten Wochenende sehr viel Spaß gemacht).

Gemüsebrühe selbstgemacht (bei mir allerdings im Dörrautomat, eBay sei Dank, dass Gerät hat es bis in den Keller unseres Wochenend-Häuschens geschafft, denn ich habe für solche Aktionen nur am Wochenende Zeit).

Wer kann es gebrauchen – oder nur ein Buch für „Hipster“?

 Nein, überhaupt nicht, es ist ein Buch für viele Gelegenheiten! Ich bin Jahrgang 1962, meine Besuche beim „Rock am Ring-Festival“ liegen schon Jährchen zurück, zelten tue ich seit dem auch höchst selten und mein Rücken ist mir dafür sehr dankbar.

Aber ich bin eine begeisterte Wanderin, gerne quer durch Europa und aktuell auch sehr gerne in den Pyrenäen oder in sehr abgelegenen Winkeln im Piemont. Verpflegungshüten sind da absolute Mangelware, also müssen wir uns selbst was mitnehmen und auf die bewährte Stulle habe ich nicht jeden Tag Lust. Abends überlegt man sich auch, ob die 15 Kilometer über eine kurvenreiche Bergstraße denn wirklich noch sein müssen, wir wollen ja auch mal mehr als nur ein Glas Wein trinken.……

Stevans schönes Buch ist genau auf meine Bedürfnisse zugeschnitten, ich bekomme leckere Rezepte, die sich schnell kochen lassen und gut schmecken und auch mit aromatischem Gaumenkitzel aufwarten.

Außerdem viele nützliche Tipps und Tricks, die mir helfen in einer fremden Ferienwohnung mit dem auszukommen was an Equipment und Zutaten da ist, einkaufen ist häufig genauso aufwendig, wie Essen gehen.

Sein Rezept für eine selbstgemachte Gemüsebrühe, ist genial für mich und wird am Wochenende umgehend in die Tat umgesetzt, denn im Sommer geht es ins Trentino und ich liebe Risotto, dass wirklich einfach ist, wenn die Brühe nicht noch gekocht werden muss. Fertige Brühwürfel gehen bei mir dafür gar nicht, das schmeckt mir einfach überhaupt nicht.

Hipster und Festival-Gänger kommen natürlich auch voll auf ihre Kosten, leckere Rezepte und viele Tipps von einem Autor mit 30 Jahren Festival-Erfahrung!

Fazit: Ein Buch das Freude macht und mich persönlich begeistert! Es erfüllt meine Wünsche nach einem besonderen Buch: Denn es bietet nicht nur kreative, geling sicherere Rezepte, sondern ist ein echtes Erlebnis durch die tolle Ausstattung und das nützliche und sehr ansprechende Layout. Die Zusammenstellung und Aufbereitung des Themas ist für mich perfekt gemacht und toll fotografiert.