Mamas Topfentorte

© Joerg Lehmann/Brandstätter Verlag

Quelle: Rezension: Die Jahreszeitenkochschule – Frühling

Richard Rauch/Katharina Seiser: Die Jahreszeitenkochschule Frühling

Fotos: Jörg Lehmann

Christian Brandstätter Verlag

Preis: 34,90 €

Wunderbar fluffig und cremig, eine Torte zum Niederknien. Tolles Revival eines Klassikers, dafür lasse ich definitiv jeden Cupcake stehen! Wichtig ist erstens, die Gelatine-Blätter einzeln in kaltes Wasser zu legen, damit alle Blätter richtig durchquellen können. Zweitens die Gelatine im Topfen bei kleiner Hitze unter Rühren langsam auflösen. Sie sollte nur schmelzen und keinesfalls heiß werden oder sogar kochen! Wer nicht mit Heißluft backt, erhöht die Temperatur auf ca. 180 °Grad.

Das ist das Originalrezept von Richards Mama.

Zutaten für 1 Springform 24 cm Durchmesser):

für den Biskuitboden:

6 Eier

unbehandelte Zitrone

6 EL Kristallzucker ·

1 Prise Salz

6 EL glattes Mehl

1 Msp. Backpulver

Butter für die Form

für die Topfenfülle:

1 Vanilleschote

250 g Topfen (20 %) plus 2 gehäufte EL Topfen

3 Dotter

100 g Staubzucker

½ unbehandelte Zitrone

2 cl brauner Rum

500 g Obers

4,5 Blatt Gelatine

Staubzucker zum Bestreuen

Zubereitung:

Für den Biskuitboden Ofen auf 160 °C Umluft vorheizen. Eier trennen. Dotter und Zitronenabrieb mit 3 EL Zucker in einer Küchenmaschine mit dem Rührbesen cremig rühren. Das Eiweiß leicht aufschlagen, langsam den restlichen Zucker sowie das Salz hinzufügen und das Eiweiß zu steifem Schnee schlagen. Einen Teil der Eischneemasse unter die Dottermasse heben, nach und nach das Mehl mit dem Backpulver einsieben und den restlichen Eischnee mit dem Gummispatel unterheben.

Springform ausbuttern, die Masse einfüllen und im heißen Ofen 25–30 Minuten goldbraun backen. Auskühlen lassen und vom Tortenring lösen. Den Boden waagrecht halbieren. Die Springform waschen, rundum mit Backpapier auslegen und eine Biskuithälfte einlegen.

Für die Fülle Vanilleschote weich massieren, längs halbieren, Mark auskratzen. 250 g Topfen, Dotter und Staubzucker in einer Rührschüssel mit einem Schneebesen glattrühren und mit Vanillemark, Zitronenabrieb und Rum aromatisieren.

Obers in die Rührschüssel der Küchenmaschine geben und mit dem Rührbesen cremig schlagen. Gelatine in kaltem Wasser einweichen und ausdrücken. 2 EL Topfen in einem kleinen Topf erhitzen, die Gelatine darin auflösen und in die Topfenmasse einrühren. Obers mit einem Gummispatel vorsichtig unterheben. Die Topfenmousse in den vorbereiteten Tortenring füllen und mit der zweiten Biskuithälfte abdecken. Vorsichtig sanft andrücken. Die Torte mindestens 6 Stunden kühl stellen.

Zum Servieren die Torte aus dem Ring lösen und mit Staubzucker bestreuen.

Trick 17: Nach dem Mehl 2 EL neutrales Pflanzenöl oder zerlassene Butter in die Biskuitmasse rühren, dann bleibt das Biskuit saftiger.

Tipp: Schmeckt am selben Tag am besten.

Getränk: Cappuccino

Advertisements

Die Jahreszeitenkochschule – Frühling

Rezension: Die Jahreszeitenkochschule – Frühling

Richard Rauch/Katharina Seiser: Die Jahreszeitenkochschule Frühling

Fotos: Jörg Lehmann

Christian Brandstätter Verlag

Preis: 34,90 €

Kulinarische Aufbruch-Stimmung – oder es grünt so schön!

Worum geht’s?

Der Frühling schlägt kulinarisch die Brücke zwischen Winter und Sommer: Das Wintergemüse räumt langsam seinen Platz und endlich, endlich drängt wieder frisches junges Gemüse auf den Markt: Knackiger Spargel, Salat & Wildkräuter, Rhabarber & Kirschen, Huhn, köstliche Braten & festliche Mehlspeisen für die Osterzeit: Der Frühling schmeckt duftig & frisch und Katharina Seiser und Richard Rauch liefern die richtigen Rezepte dazu, um klassisch, frisch und zeitgemäß den „Lenz“ kulinarisch zu begrüßen und zu feiern!

Wie sieht es aus? –  oder schnörkellose, zeitlose Eleganz ist hier Programm!

 Ich halte einen wertigen lindgrün hübsch gemachten Pappband in den Händen, der auf Understatement setzt: Ein schlichtes geprägtes grün glänzendes F und ein elegantes saisonales Zutaten Stillleben, abgesetzt mit einem zart lindgrün geprägten Rand. Die Autoren wollen Klarheit und zeitlose Eleganz, die hervorragend zum Thema passt. Sehr schön auch, dass man ein etwas größeres Format, als bei Brandstätter üblich gewählt hat, dadurch wird dieser Eindruck eindeutig noch verstärkt. Wertiges Papier und 3 Lesebändchen in Grüntönen ergänzen das perfekt. Sehr geschmackvoll sind auch die Illustrationen von Katharina Ralser, die jede Warenkunde zu einem echten Augenschmaus machen.

Wer sind die Autoren?

© Julia Stix

 Richard Rauch übernahm mit 18 den elterlichen „Steira Wirt“ in Trautmannsdorf. Mit 19 erkochte er seine erste Haube, heute hat er drei. 2015 wurde er „Koch des Jahres“. Der TV-Liebling („Frisch gekocht“) steht für eine ebenso traditionsbewusste wie weltoffene Küche.

Katharina Seiser lebt in Wien und reist, um zu essen. Sie schreibt leidenschaftlich gern Kochbücher und kulinarische Geschichten für Magazine und Tageszeitungen. Sie ist kompromisslos, was guten Geschmack und beste Zutaten betrifft. Seiser ist Herausgeberin der Erfolgsreihe vegetarischer Kochbücher bei Brandstätter (Österreich, Deutschland, Italien, Türkei, USA) und Autorin des Bestsellers „Immer schon vegan“ (2015).

Was ist drin?

Ein bisschen Know-how kann nicht schaden und das Beste ist gerade gut genug!

 Jedes der 9 Kapitel des schönen Kochbuchs beginnt mit einer kompakten Warenkunde, in der beantwortet wird, warum die präsentierten Lebensmittel jetzt Saison haben, worauf es beim Einkauf ankommt und woran man gute Qualität erkennt, was bei der Lagerhaltung zu beachten ist und was wir tun können, wenn was übrig bleibt. Top-Qualität bei den Produkten versteht sich von selbst und Bio sollte immer die erste Wahl sein, finden die Autoren.

All-in-One

 – oder was muss ein Kochbuch bieten das saisonal als Komplettprogramm liefert….

Autoren und Büchermacher starten mit einem klaren sehr kreativen Konzept, dass viele Facetten und viele Wünsche der Kochbuch-Leser erfüllen kann, denn in diesem Buch belässt man es nicht dabei uns nur mit tollen Rezepten für das erste zarte Grün und knackig frischen Kohlrabi Karotten & Co, zu versorgen, sondern Produkte und Themen geben sich die Klinke in die Hand. Das ist neu und ungeheuer spannend und macht aus einem Kochbuch viel mehr als eine simple Ansammlung von frühlingsfrischen Rezepten, vermutlich haben die meisten davon schon mehr als genug. Frau Seiser und ihr Koch wollen jedoch mehr und animieren uns die Augen beim Spaziergang durch Wald und Feld weit aufzusperren, die ersten Brennessel-Spitzen werden gepflückt und wandern in einen überaus leckeren Topfenaufstrich und da diese Autoren immer ganzheitlich denken und kochen, gibt es selbstverständlich auch das Rezept für ein Blitzbrot mit dazu. Das macht Spaß und ist genau, was ich mir von einem Kochbuch wünsche. Jedes Kapitel ist eine eigene köstliche Party, die sowohl bewährtes als auch Neues liefert. Wer Spargel ein ganzes Kapitel reserviert, denkt nicht nur saisonal, sondern lebt saisonal, die Saison für heimischen Spargel ist begrenzt, deshalb wird der in jeder Form gehuldigt, z. B. als Spargelcremesuppe mit Zitrusfrüchten und knusprigem Spargel-Tempura und als Spargelsalat mit grünen Erdbeeren und Waldsauerklee. Die klassische Version als gekochte Variante kommt selbstverständlich ebenfalls nicht zu kurz, man belässt es aber bei der Begleitung nicht nur bei der klassischen Hollandaise, die wie immer mit vielen Tipps und Tricks erklärt wird, sondern serviert auch geräucherten Sauerrahm, Zitrus-Olivenöl-Hollandaise und eine frische Radieschen-Vinaigrette dazu. Die Rezepte sind nicht nur äußerst kreativ, sondern bedienen die ganze geschmackliche Klaviatur des möglichen und lassen mit sauer eingelegtem Spargel ebenfalls Themen wie Vorratshaltung und Fermentieren nicht unberührt.

Feste feiern wie sie fallen!

 Kulinarische Traditionen gehören für Katharina Seiser und Richard Rauch selbstverständlich mit dazu, wenn es um saisonale Küche geht. Ob Osterpinzen mit Aniswein, mit Kräutern gefärbte Eier, Osterkrainer mit Kren, hier wird auch traditionelles gehuldigt, im Anschluss schenken die Autoren noch selbstgemachten Eierlikör aus, am Ende des Buches werden wir sogar noch mit „festlichen Mehlspeisen, ohne die österreichische Küche bei unseren Nachbarn nicht vorstellbar ist, verwöhnt.

Studiert und probiert:

Rhabarber-Grapefruit-Salat mit Spinat und Misodressing

Knackig, frisch würzig, tolle Idee Salz durch Miso im Dressing zu ersetzen, ganz nebenbei auch ein kleiner Kochkurs im Rezept, es muss nicht immer Salz sein, das für Bums und Umani in der Salatsauce sorgt. So geht saisonal auf geschmacklich hohem Niveau sehr modern.

Knusprige Lammbällchen mit Rollgerste, Zupfsalat und Avocado

Wenn sich Lammbällchen mit Gewürzen und den selbst getrockneten Dörrzwetschgen verbinden, gibt es wohlige Seufzer am Tisch. Ganz nebenbei ist das Rezept gesund und modern. Dieses Rezept zeigt wie „All-in-One“ bei einem sehr guten und zeitgemäßen saisonalen Kochbuch geht.

Mamas Topfentorte

Wunderbares und sehr köstliches „Revival“, da werden längst verschüttete Kindheitserinnerungen wieder köstlich belebt, und gezeigt, dass Klassiker nie aussterben.

Fazit: Wie wird gekocht – oder was dieses Buch viel besser kann als es das Netz je könnte!

 Saisonale Küche ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen, heute schreiben sich das Köche wie Autoren längst wie selbstverständlich auf die Fahnen. Aber ein ansprechendes Kochbuch dazu sollte mehr können: Dieses Buch bzw. die ganze Reihe können deutlich mehr und heben sich wohltuend von der Masse ab! Es ist der allumfassende Blick, der mich bei diesem Konzept für dieses Buch und die Reihe einnimmt. Hier wird kein Standard-Repertoire geliefert, das sich beliebig austauschen lässt, sondern jeder Stein passt aufeinander. Die Herausgeberin schafft es auf beindruckende Weise vieles unter einen Hut zu bringen und saisonale Küche mit allen Facetten zu beleuchten und sie kennt unsere Wünsche sehr genau, sammeln und jagen als Thema gehört genauso dazu, wie Festkultur und saisonaler Fleischgenuss. Jedes Kapitel ist eine eigene kulinarische Party! Die Texte sind kurzweilig und launig formuliert und der Spitzenkoch steuert ambitionierte und doch sehr bodenständige Rezepte mit Twist bei. Ausgehend von der österreichischen Wirtshausküche eröffnet er verschiedene Zugänge und stellt Techniken und Varianten vor, die geschmacklich keinerlei Grenzen kennen und die Tür zu etwas Neuem für uns aufstoßen können. Außerdem gibt es von ihm jede Menge Tipps und Tricks. Hier lässt sich viel lernen, vorausgesetzt man erwartet dabei nicht nur Step-by-Step-Anleitungen, sondern vertraut sich der Führung eines guten Rezepts an. Die „Eiermilch legende Wollmich-Sau“ hätte das auch nicht besser und vor allem kurzweiliger und schöner gekonnt, denn der Frühlingsband ist ebenso hübsch wie seine Geschwister. So werden Kochbuch-Klassiker für Genießer gemacht  – danke nach Wien, denn das ist ganz großes Kino und das beste Argument, warum Kochbücher gedruckt werden sollten, egal wieviel Rezepte durch das Netz wabern.

Elisabeth Raether: Das Beste vom Wochenmarkt

Elisabeth Raether: Das Beste vom Wochenmarkt

Neue frische und saisonale Rezepte aus dem Zeitmagazin

Fotos: Silvio Knezevic

riva Verlag

Preis: 19,99 €

Warum seriöse Journalisten nicht übers Kochen reden …..

 Elisabeth Raether arbeitet im Bereich des hochseriösen Journalismus, Polit-Journalisten ist die neue Bundesregierung im Moment wichtiger als ihr Kochtopf daheim. Über Essen redet man bei der ZEIT und vermutlich auch beim Stern so wenig wie über Sex. Jeder tut es, hofft man zumindest, jeder weiß, dass der andere es tut, aber man tauscht sich darüber wenn überhaupt nur in Andeutungen aus. Regelmäßig passiert es der Autorin aber, dass Kollegen sie auf dem Flur oder am Rande einer hoch wichtigen Redaktions-Konferenz flüsternd beiseite nehmen und ihr von der herrlichen Zitronenpasta oder dem Himbeerkuchen aus ihrer Kolumne vorschwärmen. Manche trauen sich sogar und schicken ihr heimlich am Wochenende Handyfotos von ihren Erfolgen.

Wie kommt man als Mitglied der ZEIT -Politik-Redaktion zu einer Koch-Kolumne?

 Elisabeth hat definitiv nicht hier geschrien, als es darum ging, eine geeignete Kandidatin für die Koch-Kolumne der ehrwürdigen guten alten ZEIT zu casten, oder sagen wir es einfach so, wie es ist: Niemand anderes wollte diese Arbeit machen. Dabei wäre jeder andere außer ihr auch geeignet gewesen, denn das Prinzip der Kolumne sollte ja sein, dass eben kein Experte Lektionen erteilt, sondern jemand einfach gern draufloskocht. Aber genau da lag wohl der Haken. Denn, klar, fast jeder isst gern, aber das regelmäßige Essenmachen ist eine ganz andere Nummer, als nett auf dem Sofa sich am Sonntag-Abend die neueste Folge einer Koch-Show rein zu ziehen oder ein wunderschönes Kochbuch durchzublättern. Wir leben in einer Zeit, in der viele gerne kochen lassen, Lieferdienst, Fertig-Produkte werden je nach Portemonnaie als Unterstützung angeheuert, Hauptsache man verpasst keinen Instagram-Tweet und ist auch bei Facebook immer on.

Glücklich wird man nicht vor der Glotze oder dem Smartphone, aber vielleicht in der Küche!

 Kochen kann auch bei täglicher Wiederholung eine schöne Tätigkeit, ein Genuss sein, bevor man auch nur einen Bissen probiert hat. Man kann sich auf das Essen freuen, seine Nase in Gewürzdosen halten, die eigenartige Schönheit von Gemüse bestaunen, einfach seinen Gedanken nachhängen, sich unterhalten, Musik hören, oder in den Ofen gucken und den Verwandlungen zusehen, die sich dort ereignen. Am Ende kommt dann der Oberhammer: man darf es sogar selbst aufessen, nette Leute dazu einladen und kann sich stolz von den Gästen auf die Schulter klopfen lassen. Das ist Entschleunigung pur und etwas was uns erdet, wir erleben den erhebenden Moment und die große Befriedigung, mit den eigenen Händen etwas geschaffen zu haben, was uns und andere glücklich macht. Schwer ist das in den meisten Fällen nicht sagt Elisabeth Raether und die Zeit, die es dafür braucht ist auch übersichtlich, im Prinzip kocht sie zwei- bis dreimal die Woche und nur selten kommt was auf den Teller, das lange Vorbereitung bräuchte. Also einfach mehr kochen, weniger darüber reden, ihr wisst schon, was man den anderen nachsagt.

Was gibt es?

Die Rezepte aus diesem Buch stammen aus den vergangenen drei Jahren, aus der Zeit also, als Elisabeth Raether sich schon ein bisschen daran gewöhnt hatte, Kochkolumnistin des ZEIT Magazins zu sein und Familie und Freunde bereits zu der Erkenntnis gelangt waren, die kann nicht nur schreiben, sondern auch ganz passabel kochen.

Saisonal Kochen macht Sinn, einfach auf dem Markt inspirieren lassen!

Saisonal geht es bei ihr zu von Frühling bis Winter, im Frühling gibt es zum Beispiel Risotto mit Kräutern, den perfekten Kräuterfonds dafür hat sich die Autorin im YouTube-Channel eines Italieners abgeschaut. Außerdem kocht die Journalistin jede Menge Pasta, noch mehr Risotto, die guten alten Frikadellen aus dem Kochbuch der Oma, Erbsensuppe und griechische Hühnersuppe und die sogar mit einem Küchentrick, wie die knifflige Ei-Legierung tatsächlich Geling sicher funktioniert. Weiter werden mit einem schlichten Karottenpüree mit Kümmel ebenfalls Vegetarier am Feierabend schnell glücklich gemacht.

 Was gibt es Neues?

 Im Gegensatz zum ersten Buch gibt es gibt mehr Kuchen. Obwohl Elisabeth kein Talent fürs Backen hat – ihr fehlt leider der Wille zur Präzision und Ordnung, doch sie hat nicht aufgegeben und es immer und immer wieder probiert. Inzwischen klappt das ganz gut, Beleg dafür ist die Birnentarte auf Seite 112 und das Clafoutis mit Kirschen auf Seite 72, die Zeit-Kollegen wissen jetzt dank dieses Rezeptes auch, dass Clafoutis noch viel leckerer ist als ein schnöder Kirschkuchen.

 Vegetarier erwünscht, aber ihr spielt in diesem Buch nicht die erste Geige!

Weiterhin bleibt es oft vegetarisch in Raethers Küche, aber sagen wir mal so an den richtigen Stellen vegetarisch. Das heißt, es wird nicht unnötigerweise abgepackte Supermarktware verschlungen, sondern Fleisch als kostbares Geschenk behandelt, auf das man achtgibt wie auf ein teures Parfüm. Es gibt einen üppigen Schweinebraten, asiatisch, scharf, süß und saftig (Seite 40), eine unglaublich aromatische Lammschulter mit viel Knoblauch (Seite 26) und ein schlichtes, knuspriges Brathuhn (Seite 92).

 One-Pot- ist kein Mode-Trend, sondern eine Zubereitungsmethode, die schon Oma kannte!

Einige Schmortöpfe sind dabei – Lamm mit Pflaumen (Seite 142), ein Biergulasch (Seite 216). Für Elisabeth ist Schmoren noch immer die bequemste und damit beste Garmethode: Während es stundenlang köchelt, ruht der Koch sich aus. Neben der Liebe der Autorin für alles Italienische findet man ein bisschen was Französisches wie Eier in Rotweinsoße (Seite 200) und kleines Käsegebäck (Seite 30), das  gut zum Aperitif passt.

Gewürze dürfen bei den Currys ran, allerdings wird man in den Rezepten der Journalistin nicht von den verschiedensten Aromen erschlagen, verrückte zu verspielte Kombinationen kommen bei ihr nicht in den Topf, alles muss für sie gut schmecken und alltagstauglich sein.

Fazit: Nicht lang schnacken, einfach kochen!

Elisabeth Raether ist ein herrlich alltagstaugliches Kochbuch gelungen, das mit saisonalen Rezepten besticht, da ist alles drin was ich mir wünsche und was ich an Tipps gebrauchen kann. Warum einer Politik-Journalistin das besser gelingt als den Profis, ganz einfach Leute, sie kocht um zu Essen und kann ihr „Schreiber-Ego“ vermutlich außerhalb ihrer Kolumne ausleben. Eine Wohltat für genervte Leser und vor allem Nachkocher, die die Nase voll haben von Wortakrobaten, die gar nicht mehr mitbekommen, dass wir gerne selber schmecken und keinen rhetorischen Vorschmecker brauchen, sondern einfach nur leckere und einfache Rezepte –  in diesem Sinne gerne wieder Frau Raether!

Susann Till: Chutneys

Susann Till: Chutneys – Kochen mit kleinen Aromawundern

ZS-Verlag

Preis: 15,99 €

Tuning für den Gaumen – eine Chutney-Queen stellt sich vor……

Wer ist die Autorin?

 – oder einfach mach was neues wagen

Susann Till hatte schon immer einen besonderen Geschmack, die gelernte Couture-Schneiderin hat etwas viel Besseres getan als in Rente zu gehen. Sie machte sich mit einer kleinen Chutney- Manufaktur selbstständig. Susann Till ist 73, wohnt in Stade bei Hamburg und versüßt oder verschärft seit fünf Jahren das Angebot von 200 Feinkostläden. Sie kocht mit Flüchtlingskindern, organisiert Chutney-Verkostungen und –Caterings und sammelt mit Begeisterung Kochbücher. Ihr Credo: Ruhe hat man auf dem Friedhof.

Eine Frau, die in keine Schublade passt

Diese Autorin ist kein  „Großmütterchen“, aus einer Hochglanz-Land-Illustrierten, sondern immer noch eine sehr attraktive Frau, die in keines der gängigen Klischees passt: Großmütter, Fachwerkhöfe, karierte Deckchen auf Marmeladengläsern. Falscher kann man bei ihr nicht liegen. Marmelade kann sie auch, aber lieber kocht sie Chutneys, weil deren Aromen vielschichtiger sind. Und in einem Alter, in dem andere lange den Ruhestand genießen, hat Till ein Unternehmen gegründet. Ein kleines, doch wie soll man es anders nennen, wenn sie von früh bis spät in ihrer Küche vor zwei Riesentöpfen steht und das Früchtemus darin an 200 Läden im ganzen Land ausliefert? Wie sie das in so kurzer Zeit geschafft hat, fragt sich die Köchin selbst noch oft. Klar, ihr Chutney ist gut. Aber ebenso wichtig ist, dass diese Lady Denkverbote strickt ablehnt. Einfach machen lautet ihre Devise!

Einfach sein Lieblings-Chutney finden, dann kommt der Rest ganz von allein

Wenn Susann Till am Herd steht wirkt es improvisiert und zielstrebig zugleich. Sie kombiniert Obst und Gemüse, wie es ihr passt,  hat keine Scheu vor vielen unterschiedlichen Aromen und kocht nach Farben. Wo es passt, erfindet diese Klassiker wie Birnen, Bohnen und Speck einfach neu, bei ihr wird daraus Ravoli mit Birnen Bohnen und Schinken, natürlich mit 4 Esslöffeln von ihrem Birnen-Chutney getunt. Anleitung und Mengenangaben sind für ein Kochbuch unverzichtbar. Doch am liebsten wäre es dieser Autorin, wenn man darauf verzichten könnte. (Hobby-) Köche sollten ihren eigenen Kopf haben, Rezepte ändern, alles kreativ mischen findet sie und ermuntert ihre Leser ausdrücklich dazu.

Was wird serviert?

Los geht es mit 6 köstlich kreativen Chutney Rezepten aus der Stader Küche, die gerade mal 5 Quadratmeter groß ist. Es gibt Birnen-Chutney, Mango-Chutney, Tomaten-Chutney, Papaya-Zitronen-Chutney, Italienisches Chutney und Cashew-Grapefruit-Chutney. Die Zutatenlisten weisen eine beachtliche Menge an unterschiedlichen Aromaträgern auf. Das Rezept für das Papaya-Zitronen-Chutney, das es mir angetan hatte, schlägt Orangen, Zwiebeln, Papayas, süße reife Birnen und Bananen als Zutaten vor, und wird mit Ingwer, Honig, gemahlenen Senfkörnern, Zitronenpfeffer, Kurkuma und Vanillezucker aromatisiert. Auch vor fertigen Pasten und Gewürzmischungen schreckt diese beherzte Dame nicht zurück, gelbe Currypaste und Asiagewürz gehören ebenso dazu wie die Kräuter zum Schluss, bei diesem Rezept in Form von Gold-Oregano, denn Susann Till legt viel Wert auf Farben, wenn sie ihre Chutneys zubereitet. Der Gold-Oregano lässt sich selbstverständlich durch ganz normalen Oregano ersetzten. Das Chutney war klasse und anpassen auf den eigenen Geschmack ist bei der Fülle an Zutaten kein Problem, einfach austauschen oder weglassen, wenn das Chutney mal zu flüssig wird, empfiehlt Frau Till einfach einen Beutel Gelierfix 3:1 unterzurühren.

Wie geht es weiter?

Die Rezepte sind großzügig ausgelegt, das heißt es gibt Chutney für 12, 15, 18 oder 20 Gläser mit einer Füllmenge von 150 g. Diese Köchin produziert in der heimischen Küche mit ihren Helfern sonst 1000 Gläser die Woche, da kleckert frau nicht. Wer sich nicht traut, kann die Rezepte halbieren, weniger macht aber keinen Sinn, dass lässt sich dann kaum noch herunterrechnen. Susann Till liefert deshalb gleich im zweiten Teil des Buches ein paar Ideen für Gerichte, die mit ihrem Chutney zur Kür auflaufen können. Ich gehöre ja auch eher zur Hamster-Fraktion und habe gleich 12 Gläser – wie im Rezept angegeben – produziert, deshalb war ich glücklich damit einen fruchtig-scharfen Glasnudelsalat, und Spinat mit Pinienkernen, der ein wunderbarer Begleiter zu einem gebratenem Lachsfilet war, zu verfeinern. Ein gebackener Spitzkohl auf Kicherbsenragout hat damit ebenfalls ganz wunderbar geschmeckt und stand ziemlich schnell auf dem Tisch, jedoch ging es mir bei diesem Buch in erster Linie um Frau Tills Chutney Rezepte, nachdem ich sie im letzten Jahr einmal in einer Talkshow gesehen hatte und von dieser sehr vitalen älteren Dame schwer begeistert war. Großen Anklang fand bei mir ebenfalls ihre Idee für eine saftige Schokoladen-Torte, die mit Chutney gefüllt wird. Da muss man erst mal darauf kommen, aber diese Lady denkt wirklich immer Cross-Over und besitzt genug Chuzpe, vieles auszuprobieren. Wer sonst in den Tag mit Marmelade startet, erhält von ihr einige Vorschläge wie lecker das auch mit den richtigen Partnern für ihre Chutneys gelingt. Knäckebrot mit dünnen Avocadoscheiben belegen und einen Klacks Papaya-Zitronen-Chutney darauf, das hat auch meinem Mann gut geschmeckt.

Nützliche Tipps und sogar Etiketten gibt es noch on top

Ergänzt wird das ganze durch viele Tipps von Frau Till, was in der Speiskammer sein sollte, wenn man mit ihrem Chutney schnell was leckeres zaubern möchte, einem Saisonkalender, denn nur wirklich reife Früchte sorgen für ein tolles Aroma und dem Tipp, dass vorsichtige Zeitgenossen Gewürze langsam steigern sollten. Ihre Devise dazu lautet, einfach mit der Hälfte der Gewürzmenge beginnen. Sie selbst beginnt zunächst immer mit einer Finger- oder Messerspitze, dann ¼, ½ oder einen ganzen Teelöffel, zum Schluss ist ein Esslöffel ihr Maß. Denn Nachwürzen geht immer, raus nehmen kann man leider nichts und manche Gewürze entwickeln ihre Aromen erst nach geraumer Zeit. Susann Till erklärt wie man Gläser vorbereitet und lehrt uns, dass Chutneys immer in warme Gläser, am besten mit Trichter und Schöpfkelle eingefüllt werden sollten. Zum Schluss kann man mit ihren Vorlagen die Chutney Gläser sehr liebevoll geschenketauglich aufmotzen.

Fazit: Susann Till ist eine beeindruckende Lady, die uns zeigt, was möglich ist, wenn man einfach selber kreativ wird. Ihre Chutneys sind Aromafeuerwerke und deshalb wohl auch so beliebt bei der Kundschaft, sogar die Formel eins wollte schon mit ihrem Kirsch-Chutney das Catering bestücken. Die Herren müssen jetzt leider ohne ihr Chutney im Kreis fahren, die angeforderte Menge ist in Stade nicht regelmäßig zu bekommen, es handelt sich schließlich um ein handgefertigtes Produkt und keine Industrieware und das schmeckt man. Für mich hätten es gerne noch mehr Chutney-Rezepte sein können, dafür hätte ich durchaus  ein paar Verwendungsideen eingetauscht, aber ich verstehe natürlich, dass Frau Till nicht gleich alle ihre Geheim-Rezepte verraten möchte. Mir hat die Chutney-Lehrstunde sehr viel Spaß gemacht!

Herzlichen Dank für die Übersendung als Rezensionsexemplar.

 

 

Geschmorter Hirschbraten mit Serviettenknödeln und Elsbeeren

© Joerg Lehmann/Brandstätter Verlag

Das Projekt hatte es auch ohne den selbst zubereiteten Wildjus, für den man schon einige Stunden veranschlagen sollte, in sich: Hier gilt ohne Fleiß, keinen aromatischen Hochgenuss. Dieses tolle Rezept ist in meinen Augen aber die Mühe absolut wert.

Quelle: Richard Rauch/Katharina Seiser: Herbst – Die Jahreszeitenkochschule

Fotos: Jörg Lehmann

Christian Brandstätter Verlag

Preis: 34,90 €

Wenn schon, dann ordentlich: seriös geschmorter Braten mit gewickelten Knödeln und wilden Beeren.

Zutaten (für 4 Personen):

für den Hirschbraten:

800 g Hirschschulter (oder Hals)

2 EL Wildgewürz S. 125

1 TL Salz

2 EL Estragonsenf

400 g Wildknochen

60 g Butter

¼ Knollensellerie

2 Karotten

2 gelbe Rüben

2 Zwiebeln (ca. 200 g)

100 g luftgetrockneter, geräucherter Bauchspeck (Hamburgerspeck)

50 g Paradeisermark

750 ml Rotwein (z.B. Zweigelt, Blaufränkisch)

250 ml roter Portwein

1,5 l Rindssuppe S. 233 oder Wildjus S. 125

1 TL Koriandersamen

3 Lorbeerblätter

1 TL schwarze Pfefferkörner

2 EL kalte Butter

1 TL Speisestärke

für die Serviettenknödel:

350 g Toastbrot (ca. ½ Wecken)

2 EL Butter

1 Zweig Liebstöckel

3 Eier

4 EL Sauerrahm

150 ml Milch

Salz ,Muskatnuss

2 EL Butter zum Braten

EL Elsbeer-, alternativ Vogelbeerkompott S. 195

4 Zweige Pimpinelle

Zubereitung:

Schulter mit Wildgewürz und Salz würzen, mit Senf bestreichen.

Knochen in einem Schmortopf mit 1 EL Butter bei mittlerer Temperatur ca. 5 Minuten braun rösten. Wurzelgemüse gründlich waschen, in 2 cm große Stücke schneiden und mit den Knochen 2–3 Minuten braten. Zwiebeln schälen und grob schneiden, hinzufügen, 2–3 Minuten weiterrösten. Bauchspeck fein würfeln, dazugeben. Paradeisermark dazugeben, rasch verrühren und sofort mit der Hälfe des Rotweins und Portweins ablöschen. Einkochen, bis es im Topf wieder zu braten beginnt. Vorgang mit restlichem Portwein und Rotwein wiederholen.

Schulter in die Schmorpfanne geben. Mit Suppe oder Jus auffüllen und Koriander, Lorbeer und Pfeffer hinzufügen. Den Topf mit Backpapier bedecken (dient als Schutz, so kann auch die Flüssigkeit verdampfen). Braten 1–1,5 Stunden im vorgeheizten Ofen bei 160 °C Ober-/Unterhitze weich schmoren. Evtl. noch etwas Suppe oder Jus nachgießen.

Währenddessen für die Serviettenknödel Brot in Würfel schneiden. In einer Pfanne die Butter aufschäumen und unter Rühren bräunen lassen, bis sie duftet. Liebstöckel zupfen und fein hacken. Liebstöckel, Eier, Sauerrahm, Milch, braune Butter, Salz und Muskatnuss zum Toastbrot geben und durchmischen. 10 Minuten ziehen lassen.

Die durchweichte Masse der Länge nach auf Frischhaltefolie oder auf ein sauberes geruchsneutrales Geschirrtuch auftragen und zur gewünschten Breite (Durchmesser etwa 5 cm) formen. Folie an beiden Enden wie ein Bonbon sorgfältig verschließen (Geschirrtuch mit Spagat zubinden) und Folienrolle (Geschirrtuch nicht) für bessere Stabilität noch mal mit Alufolie umwickeln. In siedendem Wasser  etwa 35 Minuten zugedeckt garen. Aus dem Wasser heben, aus der Folie (bzw. aus dem Tuch) wickeln.

Schulter herausnehmen und auf einen Teller mit Frischhaltefolie bedeckt bei 50 °C Ober-/Unterhitze im Ofen warm stellen. Sauce abseihen und auf die gewünschte Konsistenz reduzieren.

Knödel in fingerdicke Scheiben schneiden und in einer Pfanne mit aufgeschäumter Butter von beiden Seiten goldbraun anbraten.

Kalte Butter mit einem Stabmixer kräftig in die Sauce einmixen, evtl. mit in etwas Wasser aufgelöster Speisestärke binden. Fleisch quer zur Faser in fingerdicke Scheiben schneiden. Fleisch mit Sauce, Serviettenknödel, Elsbeeren (bei mir Vogelbeeren-Kompott) und Pimpinelle servieren.

Getrank: Blauer Zweigelt

Wildgewürz

Warum kaufen, wenn es selbstgemacht geht?

Zutaten (für 1 Glas a`200 g):

15 g schwarze Pfefferkörner, 60 g Pimentkörner, 30 g Wacholderbeeren

15 g Kümmel, 75 g Koriandersamen

Zubereitung:

Die Gewürze gemeinsam langsam in einer Pfanne ohne Fett anrösten. Sie sollten leicht zu glänzen beginnen. Mit einem Cutter (bei mir eine kleine elektrische Kaffeemühle) zu einer feinen Gewürzmischung mahlen, in ein Schraubglas füllen.

Haltbarkeit: Hält bis zu 3 Monate.

Tipp: Hübsch verpackt auch als Geschenk auch als Geschenk sehr gut geeignet.

Vogelbeer-Kompott

Zutaten (für 8 Gläser a`ca. 150 ml):

300 g Wasser, 450 g Kristallzucker, 500 g. abgerebelte Vogelbeeren

 Zubereitung:

Wasser mit Zucker aufkochen. Vogelbeeren verlesen und waschen, auf die Gläser aufteilen und mit dem heißen Sirup auffüllen. Verschließen und auf ein Blech stellen. Fingerbreit kochend heißes Wasser auf das Blech gießen und die Beeren bei 130 °C Ober-/Unterhitze 1 Stunde einkochen. Alternativ im Dampfgarer bei 95 °C 45 Minuten garen. Auskühlen lassen.

Haltbarkeit: mindestens 6 Monate

Tipp: passt zu Wild, z. B. Hirsch S. 123 und Wildgeflügel, z. B. Wachteln S. 100

Varianten: Elsbeer-, Schlehen- oder Sanddorn-Kompott lässt sich ebenso zubereiten.

Mama Rauchs Apfelschlangerl

© Joerg Lehmann/Brandstätter Verlag

Quelle: Richard Rauch/Katharina Seiser: Herbst – Die Jahreszeitenkochschule

Fotos: Jörg Lehmann

Christian Brandstätter Verlag

Preis: 34,90 €

Mama Rauchs Kuchenrezepte sind für mich noch mal ein weiteres Highlight im leckersten saisonalen Kochbuch dieses Herbstes: knuspriger Mürbeteig, säuerliche Äpfel, Rum, Rosinen und die Zimt, dafür lässt meine bessere Hälfte jeden „Null-Acht-Fünfzehn-Apfel-Strudel“ links liegen! Das Koch-Seminar gibt es mit dem „Wissen“ zum Thema Macis gleich inklusive.

Achtung die Menge ist für ein großes Ofenblech viel zu wenig, ich habe schlussendlich nach Sichtung der Teigausbeute schließlich eine quadratische Springform benutzt. Für meinen Geschmack, gibt die Menge auch nicht mehr her. Wer sich intensiver mit dem Thema beschäftigen will, findet hier eine nützliche Seite zum umrechnen von Backformgrößen. Bei der Apfelmenge musste ich entsprechend auch Anpassungen vornehmen und habe weniger genommen. Hier ist also noch Optimmierungsbedarf, vielleicht beim nächsten Mal in einer rechteckigen Springform, und mit ein bißchen mehr Mürbeteig.

Das mindestens genauso gute Pendant zum Apfelstrudel wird mit Mürbteig gemacht. Hier nach dem Rezept von Richards Mama, fürs Bild gebacken von Richards Freundin Ulrike. Fast aufgegessen von Katharina.

 Zutaten (für 1 Blech):

 für den Mürbteig:

200 g glattes Weizenmehl plus Mehl zum Arbeiten ·

100 g weiche Butter

70 g Staubzucker

1 gute Prise Salz

1 Dotter

1 EL Milch

für die Fülle:

1 kg säuerliche Äpfel (z.B. Topaz, Elstar, Kronprinz Rudolf)

1 Msp. gemahlener Ceylon-Zimt

1 Msp. Macis

3 EL Kristallzucker

2 EL Rumrosinen (s. Tipp) ·

Saft von 1 Zitrone

Staubzucker zum Bestreuen

 Zubereitung:

Für den Teig der Reihe nach Mehl, weiche Butter, Staubzucker und Salz in den Rührkessel der Küchenmaschine geben, zum Schluss Dotter und Milch. Mit dem Flachrührer zu einem glatten Teig verarbeiten. In Frischhaltefolie wickeln, 3 Stunden durchkühlen lassen.

Für die Fülle Äpfel schälen und vierteln, Kerngehäuse entfernen und die Viertel quer in 0,5 cm dicke Scheiben schneiden. Mit Zimt, Macis, Zucker, Rumrosinen und Zitronensaft mischen.

Ofen auf 180 °C Umluft vorheizen.

Teig auf Backpapier rechteckig 1–2 mm dick ausrollen und mit Hilfe eines Rollholzes auf ein Blech legen. Überflüssigen Teig wegschneiden. Mit der Apfelfülle belegen. Restlichen Mürbteig zusammenkneten, ausrollen, mit einem gewellten Teigrad in Streifen schneiden. Apfelfülle gitterförmig damit belegen.

Auf mittlerer Schiene ca. 35 Minuten goldbraun backen.

Leicht überkühlen lassen und mit Staubzucker bestreuen.

Getränk: Kaffee oder kalte Milch

Tipp:

Dazu passt Hollerröster S. 197 oder Bratapfelmus  S. 167. Für Rumrosinen 200 g Rosinen in 200 ml Läuterzucker (150 g Zucker in 150 ml Wasser auflösen und aufkochen) aufkochen, 200 ml braunen Rum (60 %) dazugeben. In ein Glas füllen und 1 Tag stehen lassen. Passen für Apfelstrudel S. 146, Topfenstrudel, Bratapfelmus S. 167, Grießschmarren oder Kaiserschmarren
S. 197.

Wissen:

Macis taucht meist als Muskatblüte in Rezepten auf. Das ist botanisch falsch, denn es handelt sich dabei um den Samenmantel, nicht die Blüte der Muskatnuss. Von außen sieht die Frucht aus wie eine Marille. Das harte Fruchtfleisch wird in den Herkunftsländern, z.B. Malaysia, zu frischem Saft gepresst. Im Inneren der Frucht sieht man den im frischen Zustand leuchtend roten Samenmantel (Macis), der die noch von einer dünnen, harten Schale umgebene eigentliche Muskatnuss in Netzform umhüllt. Macis wird im getrockneten Zustand gelborange und ganz oder gemahlen angeboten. Es ist ähnlich, aber etwas milder im Aroma als Muskatnuss und wurde früher häufig in Weihnachtsgebäck, aber auch für Fleischgerichte verwendet. Unverzichtbar ist es nach wie vor im Brät der Münchner Weißwurst.

Kürbiscurry mit Gewürz-Reis

 

© Joerg Lehmann/Brandstätter Verlag

Quelle: Richard Rauch/Katharina Seiser: Herbst – Die Jahreszeitenkochschule

Fotos: Jörg Lehmann

Christian Brandstätter Verlag

Preis: 34,90 €

Wer braucht schon Basmati-Reis, wenn man auch einen so leckeren Gewürz-Reis zum Kürbis-Curry genießen kann. Assam-Pfeffer kannten wir vorher nicht, die rauchige Note passt aber klasse! Alternativ funktioniert auch langer Pfeffer, Bioqualität  hat bei beiden Sorten seinen Preis, der erstere ist nur deutlich besser zu bekommen. Ein köstliches Beispiel dafür, dass das leckerste Curry  nicht unbedingt aus Bangkok oder Mumbai kommen muss. Richards Tipp zur geschmacklichen Optimierung mit reifer Mango, toppt das Gericht noch mal entscheidend!

 Erinnert an Südostasien, kostet aber deutlich weniger, wenn man das Flugticket mitrechnet.

Zutaten (für 4 Personen):

für den Reis:

3 Gewürznelken

3 Kardamomkapseln

½ Zwiebel (60 g)

1 l Gemüsefond S. 232 (ersatzweise Wasser) ·

350 g Langkornreis Salz

für die Currysauce:

20 g frischer Ingwer

1 EL kalt gepresstes Sesamöl ·

200 g Schalotten

2 Stangen Zitronengras

1 EL rote Currypaste
(für mich entweder selbstgemacht oder nur in bester Qualität gekauft)

1 EL brauner Rohrzucker (idealerweise Demerara-Zucker)

Schale von 1 (möglichst unbehandelten) Makrut-Limette (ersatzweise normale Limette) ·

1 l ungesüßte Kokosmilch

2 Stück Assam-Pfeffer

(rauchig schmeckende, beerenförmige Unterart des Langen Pfeffers, ersatzweise Langer Pfeffer oder schwarze Pfefferkörner)

¼ TL Koriandersamen ·

3 Makrut-Limettenblätter (ersatzweise 1 Stange Zitronengras)

2–3 EL helle Sojasauce und Saft von 1 Orange (nach Geschmack)

für die Einlage:

600 g Kürbis (z.B. Langer von Neapel)

1 Lauchstange ·

1 gelber Paprika

150 g frische Shiitake-Pilze

3 EL kalt gepresstes Sesamöl

2 EL kalte Butter oder 2 EL Erdnussöl

1 Chilischote oder Chilipaste

etwas Koriandergrün

Zubereitung:

Für den Reis Nelken und Kardamom in die geschälte Zwiebelhälfe stecken. Fond aufkochen Zwiebel und Reis in einen ofenfesten Topf geben. Salzen und zugedeckt im vorgeheizten Ofen bei 180 °C Ober-/Unterhitze 25 Minuten garen.

Für die Sauce Ingwer schälen und in kleine Würfel schneiden. In einem Topf in Sesamöl langsam weich schmoren. Schalotten schälen, fein hacken, zugeben und zu leichter Farbe anschwitzen. Vom Zitronengras äußeres Blätter entfernen, Zitronengras fein schneiden. Currypaste, Zitronengras und Zucker zufügen. Makrut-Limettenschale ohne Weißes abreiben und dazugeben. Sobald der Zucker leicht karamellisiert, mit der Kokosmilch aufgießen. Assam-Pfeffer und Koriandersamen gemeinsam trocken rösten, bis sie duften. Hinzufügen und 5 Minuten einkochen lassen. Makrut-Limettenblätter zugeben, Topf vom Herd nehmen und ca. 10 Minuten ziehen lassen. Limettenblätter herausnehmen, Sauce in einem Standmixer fein mixen. Durch ein Sieb passieren, mit Sojasauce und Orangensaft abschmecken.

Ofen ausschalten, Tür öffnen und kurz offen lassen, Zwiebel herausnehmen, Reis zugedeckt weitere 10 Minuten im Ofen nachziehen lassen.

Kürbis schälen, entkernen und in 0,5 cm dicke Streifen schneiden. Lauch, Paprika und Shiitake-Pilze putzen und in feine Streifen schneiden. 1 EL Lauchgrünes in kaltem Wasser zur Seite stellen.

Gemüse in heißem Sesamöl anschwitzen und mit der fertigen Sauce aufgießen, 4–5 Minuten bissfest kochen. Kalte Butter in kleinen Stückchen (oder Erdnussöl) mit einem Löffel in die Sauce rühren, so wird sie schön cremig.

Stiel der Chilischote entfernen, Schote halbieren, Samen entfernen. Chilischote fein hacken. Curry mit Chili abschmecken. Gezupftes Koriander- und Lauchgrün darüberstreuen. Mit Gewürz-Reis servieren.

Getränk: Muscaris

Tipp:

Zusätzlich ½ geschälte, würfelig geschnittene reife Mango in das Curry geben.