Nichts für Feiglinge

© Tamin Jones

Quelle: Baxter/Vincent: LEON – Hundert Salate

Fotos: Tamin Jones

Dumont Buchverlag

Preis: 20,– €

Farro kennen einige sicher aus Italien, dem Land kräftiger Risotti. Farro ist im Grunde Dinkel oder Emmer, ein Urgetreide, das auch in Deutschland angebaut wird, bei uns aber in Vergessenheit geriet und irgendwann plötzlich wieder in Bioläden auftauchte. Die Kombination von Leon verhilft dem nussig schmeckendem Korn zu tollen Partnern: würzige Kräuter, süße Feigen salzig-cremiger Käse – wir hätten nicht gedacht, dass das so lecker wird und die Bitternote des  Radicchio so formidable umspielt!

Ein Salat für die Tage, wenn sich der Herbst bereits ankündigt. Tiefe, reife Rottöne, die uns an fallende Blätter erinnern.

 Zutaten (für 4 Portionen):

150 g Farro

3 EL Olivenöl

1 großer Radicchio

1 EL Balsamico-Essig

1 Knoblauchzehe, zerdrückt

1 Prise brauner Zucker

1 EL frischer Majoran, fein gehackt

125 g gemischte Salatblätter

4 Feigen, geviertelt

Kerne von ½ Granatapfel

100 g Blauschimmelkäse, zerkrümelt

1 Handvoll Kerbel, zum Garnieren (optional)

Salz und frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

Zubereitung:

Den Farro waschen und mit ca. 500 ml Wasser in einen Topf geben. Eine Prise Salz zugeben und zum Kochen bringen. Ca. 25 Minuten köcheln lassen, bis der Farro gar ist, aber immer noch Biss hat. Gut abtropfen lassen, mit Salz und Pfeffer würzen und 1 Esslöffel Olivenöl unterrühren.

Den Radicchio in dünne Spalten schneiden. Währenddessen die Grillpfanne erhitzen. In einer großen Schüssel die übrigen 2 Esslöffel Olivenöl mit Essig, Knoblauch, Zucker und Majoran verquirlen.

Sobald die Grillpfanne heiß ist, die Radicchiospalten grillen, dabei portionsweise vorgehen. Der Radicchio sollte zusammenfallen und leicht anbräunen. Aus der Pfanne direkt in das Dressing geben und damit überziehen. Bei Bedarf würzen. Um den Salat fertigzustellen, den Radicchio mit den Salatblättern auf einer Servierplatte anrichten. Den Farro darüber verteilen und das restliche Dressing vom Radicchio darüberträufeln. Zum Schluss mit den Feigen, den Granatapfelkernen und dem zerkrümelten Blauschimmelkäse garnieren und nach Belieben mit Kerbel bestreuen.

Tipp: Um die Kerne aus dem Granatapfel zu lösen, legen Sie eine Hälfte mit der Schnittseite nach unten in ihre Handfläche (über einer Schüssel). Dann mit einem Nudelholz oder einem anderen schweren Gegenstand auf den Granatapfel klopfen. Die Kerne sollten nun problemlos herausfallen.

Vorbereitungszeit: 15 Minuten

Garzeit: 30 Minuten

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Auberginensalat mit Joghurt und Nüssen

© Dan Perez

Quelle: Reem Kassis: Zu Tisch in Palästina

Phaidon by ZS

Preis: 29,80 €

Ein kleiner Augen- u. Gaumenschmaus, wir haben mit viel Dill gewürzt was sehr gut gepasst hat!

Wann immer wir Gäste zu einem großen Mittagessen hatten, bereitete meine Mutter normalerweise eine Variante dieses Salats zu, der immer ein echtes Highlight für mich war. Ihre Kreationen waren viel üppiger als diese hier, weil sie die Auberginen frittierte, sehr kräftigen Knoblauch-Labaneh statt Joghurt verwendete und das Ganze noch mit reichlich gebratenen Pinienkernen garnierte. Im Laufe der Jahre habe ich ihren Salat so abgewandelt, dass er genauso leckerschmeckt, aber viel leichter und gesünder, also alltagstauglicher ist. Was die Nüsse und Garnierung betrifft, variiere ich oft nach Lust und Laune. Experimentieren Sie also ruhig mit allem, was Sie gerade zur Hand haben.

Zutaten (für 4–6 Personen):

1 kg Auberginen
(etwa 4 mittelgroße Auberginen)

Olivenöl, zum Bestreichen

Salz und gemahlener schwarzer Pfeffer

Für die Joghurtsauce

400 g griechischer Naturjoghurt

1 kleine Knoblauchzehe, zerdrückt

½ TL Salz

½ TL Zitronensaft (optional)

Für die Garnierung

2 EL Granatapfelkerne

50 g leicht geröstete gemischte Nüsse

wie Mandeln, Pistazienkerne oder Haselnusskerne

1 kleine Handvoll Salatblätter oder Kräuter wie Rucola, Dill oder Schnittlauch

Zubereitung:

Den Backofengrill vorheizen. Die Auberginen quer in 1,5 cm dicke Scheiben schneiden. Von beiden Seiten mit Olivenöl bestreichen und mit Salz und Pfeffer würzen. Die Auberginen auf den Ofenrost legen und etwa 10 Minuten von jeder Seite grillen, bis sie schön gebräunt sind.

Inzwischen alle Zutaten für die Sauce in einer Schüssel glatt verrühren. Der Zitronensaft ist nicht unbedingt nötig, sorgt aber dafür, dass die Aromen sich besser verbinden, insbesondere wenn Sie einen milden Joghurt mit wenig Säure verwenden.

Die Auberginenscheiben überlappend kreisförmig auf einem großen Teller anrichten. Mit der Joghurtsauce überziehen und mit Granatapfelkernen, Nüssen und den Salatblättern bzw. Kräutern bestreuen.

Variante: Sie können die Auberginen durch Zucchini ersetzen. Dafür die Zucchini quer halbieren und längs in Scheiben schneiden. Für die Garnierung Walnüsse, Granatapfelkerne und Sumach verwenden.

Vorbereitungszeit: 15 Minuten

Zubereitungszeit: 20 Minuten

Palästinensische Salate

© Dan Perez

Quelle: Reem Kassis: Zu Tisch in Palästina

Phaidon by ZS

Preis: 29,80 €

Wir haben einigess probiert, ein Grill-Abend  ist ein guter Anlass, auch das Salat-Buffet mit palästinensischen Salaten zu bestücken…..

Teta Asmas Taboulé

Was für ein leckeres, ungewöhnlich überraschendes Taboulé war die Meinung unserer Party-Gäste, schön wenn man die Gäste-Schar mit einem tollen Rezept noch in Erstaunen versetzten kann. Mit einem Taboulé gelingt das nicht alle Tage, sind doch schon so viele Rezepte dafür im Umlauf. Dieses ist anders – und das ist auch gut so!

Der Name dieses Gerichts ist ein wenig missverständlich, da es eigentlich kein richtiges Taboulé ist. Der Salat basiert auf der Füllung, die meine Teta Asma für ihre vegetarisch gefüllten Weinblätter verwendete. Sie mochte diese Mischung lieber als das traditionelle Taboulé, das vor allem aus Petersilie mit etwas Couscous besteht, und mir geht es nicht anders. Zwar hat auch traditionelles Taboulé immer noch seinen Platz in meinem Rezeptrepertoire, aber diesen Salat mache ich viel öfter. Die Nüsse und Rosinen sind meine persönliche Zugabe. Für eine authentischere Version können

Sie sie auch weglassen.

Zutaten (für 4 Personen als Hauptgericht oder 8 als Vorspeise).

250 g grober Bulgur

75 g fein gehackte glatte Petersilie

25 g fein gehackte frische Minze

500 g mittelgroße Tomaten, klein gewürfelt

50 g Pistazienkerne, leicht geröstet

40 g grob gehackte Walnusskerne, leicht geröstet

50 g Rosinen

4 Frühlingszwiebeln, fein gehackt

50 g Granatapfelkerne

Für das Dressing

4 EL natives Olivenöl extra

4 EL Zitronensaft (von etwa 1 großen Zitrone)

4 EL Granatapfelsirup
(bei mir nur selbstgemacht u. auch die Autorin hat da was im Angebot)

1 TL Salz

½ TL Chiliflocken (optional)

¼ TL gemahlener schwarzer Pfeffer

¼ TL gemahlener Kreuzkümmel

¼ TL getrockneter Majoran, zwischen den Fingern fein zerrieben (optional)

Zubereitung:

Den Bulgur in eine Salatschüssel geben und mit 350 ml sehr heißem bzw. gerade aufgekochtem Wasser übergießen. Umrühren, dann etwa 30 Minuten quellen lassen, bis der Bulgur die Flüssigkeit aufgesogen hat und abgekühlt ist. Inzwischen die restlichen Salatzutaten vorbereiten und für das Dressing alle Zutaten in einer Schale verrühren. Den Bulgur mit einer Gabel auflockern. Petersilie und Minze untermischen. Die Tomaten unterheben. Den Salat mit dem Dressing übergießen. Nüsse und Rosinen zufügen und noch mal kurz vermengen. Mit den Granatapfelkernen bestreuen und sofort servieren oder bis zum Servieren kalt stellen.

Vorbereitungszeit: 20 Minuten

Za’atarsalat

So frisch, knackig und würzig, herrlich wenn Sommer-Salate, dass von sich sagen können. Frischer Oregano ist ein Muss bei dieser Kombination!

Za’atar (oder Zatar) ist der arabische Name für Syrischen Oregano, der recht intensiv schmecken kann. Etwas milder sind junge, zarte Za’atarblätter. Heute wird Za’atar das ganze Jahr über angebaut, sodass man den Salat, wann immer man Lust darauf hat, zubereiten kann. Außerhalb der Levante ist frischer Oregano die beste Alternative.

Zutaten (für 4 Personen):

300 g bunte Tomaten

3 Frühlingszwiebeln

10 große Stängel frischer Za’atar oder Oregano

100 g Halloumi oder Feta

Für das Dressing

1 TL Zitronensaft

1 EL Olivenöl

1 Prise Salz

1 TL Sumach

Zum Servieren

frisches Pita-Brot, selbst gemacht (Seite 38) oder gekauft

Zubereitung:

Die Tomaten klein würfeln und in eine Servierform geben. Die Frühlingszwiebeln in feine Ringe schneiden und über die Tomaten streuen. Die Za’atarblätter von den Stängeln zupfen und über den Salat streuen. Zuletzt den Halloumi oder Feta würfeln und auf dem Salat verteilen. Für das Dressing Zitronensaft und Olivenöl verrühren und mit dem Salz abschmecken. Über den Salat träufeln. Vor dem Servieren den Salat mit dem Sumach bestreuen und mit Pita-Brot servieren.

Vorbereitungszeit: 10 Minuten

Tomatensalat mit Knoblauch und Sumach

Es braucht nicht viel, um in den Tomaten-Himmel zu kommen, bei dieser frischen und einfachen Salat-Kombination reichen Chili, Minze, Knoblauch und Zitrone…..P.S. Ich habe Cocktail-Tomaten verwendet und fand das genau richtig….

Bei diesem Salat bekomme ich richtig gute Laune, denn er schmeckt wunderbar nach Sommer und ist mit leuchtend roten Tomaten, frischer Minze und grünen Chilis sowie einem tollen Dressing aus Zitronensaft, Knoblauch, Olivenöl und Sumach herrlich frisch. Meine Mutter würde die Tomaten erst häuten und dann in große Stücke schneiden. Das funktioniert, weil sie Tomaten verwendet, die wir bandura baladiyeh nennen – Biotomaten, die sehr fleischig und sehr aromatisch sind, nicht so wie das wässrige Zeug aus dem Supermarkt. Wenn ich den Salat mache, verwende ich entweder alte Tomatensorten oder saisonal frische Freilandtomaten, gern auch in unterschiedlichen Farben. Das Häuten spare ich mir und schneide die Tomaten in Scheiben. Alternativ können Sie halbierte bunte Cocktailtomaten verwenden.

Zutaten (für 4–6 Personen):

600 g Freilandtomaten oder eine alte Tomatensorte, in 1 cm dicke Scheiben geschnitten

2 frische grüne Chilis, entkernt und fein gehackt (optional)

3–4 Stängel frische Minze, Blätter grob gehackt

Meersalzflocken

½ TL Sumach

Für das Dressing

2 Knoblauchzehen, zerdrückt

2 EL Olivenöl

2 EL Zitronensaft

Zubereitung

Die Tomatenscheiben dekorativ auf einem großen Teller anordnen.

Die Zutaten für das Dressing in einer Schale verrühren und über die Tomaten träufeln.

Mit Meersalzflocken bestreuen. Dann Chilis, falls verwendet, und Minzeblätter darauf verteilen. Mit dem Sumach bestreuen und sofort servieren.

Vorbereitungszeit: 15 Minuten

„And the Bete goes on“

© Tamin Jones

Quelle: Baxter/Vincent: LEON – Hundert Salate

Fotos: Tamin Jones

Dumont Buchverlag

 Preis: 20,– €

Um ehrlich zu sein, sind rote Bete, nicht unbedingt mein Ding und ich war mehr als skeptisch bei dieser Salat-Kombination. Aber gerade das Zusammenspiel von erdigen, scharfen und süßlichen Noten, haben uns dabei sehr gut gefallen, Brunnenkresse ist zwar in Deutschland schwer zu bekommen, passt aber hier perfekt mit seinem senfig, leicht scharfen Geschmack dazu und kann leider nicht ersetzt werden. Ich hatte Glück, der Erzeugermarkt und das „Oberräder Kräutermandl“ machten diese Erfahrung für uns möglich – Danke dafür an die Britin mit dem gut bestücktem Salat-Baukasten und den „Kräuter-Mann!

 Schneiden Sie das Gemüse sehr dünn, dann kann es das schwungvolle Dressing besser aufnehmen. Bringt die Geschmacksknospen zum Singen.

 Zutaten (für 4 Portionen):

300 g Rote Bete, geschält

5 Karotten, geschält

1 kleiner Daikon-Rettich

6 Radieschen

100 g Brunnenkresse

2 Orangen, filetiert

70 g Feta, zerkrümelt

2 EL frische Minze, fein gehackt

1 EL frischer Dill, fein gehackt

Dressing:

100 g Pistazien, grob gehackt

abgeriebene Schale und Saft von 1 Orange

1 rote Chilischote, fein gehackt

1 Knoblauchzehe, zerdrückt

2 EL marinierte rote Zwiebeln (siehe Seite 218 oder siehe unten)

3 EL Olivenöl

1 TL Balsamico-Essig

Salz und frisch gemahlener

schwarzer Pfeffer

Zubereitung:

Das Gemüse entweder hobeln oder in dünne Scheiben schneiden. Die Karotten und der Daikon-Rettich können mithilfe eines Sparschälers geschnitten werden. Ebenso die Rote Bete, obwohl sie sich womöglich besser mit dem Messer in Scheiben schneiden lässt. Die Radieschen ebenfalls in dünne Scheiben schneiden. Die Zutaten für das Dressing vermischen und unter das Gemüse heben. Mit Salz und Pfeffer würzen.

Die Brunnenkresse auf einer Servierplatte anrichten und das Gemüse darauf verteilen. Mit den Orangenspalten, dem Feta und den Kräutern abschließen.

Tipp: Das Dressing passt auch zu Rote Bete, Karotten und Kürbis aus dem Ofen.

Vorbereitungszeit: 15 Minuten

Kategorie: Weizenfrei, Glutenfrei, Vegetarisch

Marinierte rote Zwiebeln

Zutaten:

2 rote Zwiebeln, in feine Ringe

geschnitten oder gehackt

2 TL brauner Zucker

1 EL guter Rotwein- oder

Balsamico-Essig

1 gute Prise Salz

Zubereitung:

Die Zwiebeln mit Zucker, Essig und Salz vermischen. 2. Abdecken und bei Zimmertemperatur zwischen 20 Minuten und einigen Stunden stehen lassen.

Aromen Feuerwerk

© EMF
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Katharina Küllmer: Aromen Feuerwerk

Gerichte mit Gewürzen, Kräutern & Früchten

Edition Michael Fischer

Preis: 29,99 €

„Bindet Euch die Kochschürze um, seid mutig und experimentiert, das lohnt sich!“

Worum geht’s – oder gibt’s auch Ottolenghi für den Hausgebrauch?

Aromen Küche ist eines der Trendthemen beim Kochen und im Kochbuchbereich. Koriander, Fenchel, Kreuzkümmel die Spitzengastronomie, wie z. B. Tanja Grandits aus der Schweiz sind schon seit einigen Jahren aromatisch höchst komplex unterwegs. Yotam Ottolenghi, der wohl berühmteste Vertreter dieser Stilrichtung, hat kreative Aromen-Kombinationen in seinen Kochbüchern und nicht zuletzt in seiner Kolumne für den Guardian breitenwirksam erfolgreich gemacht und Kritiker und Fans überschlagen sich immer noch mit Lobeshymnen. Allerdings gibt es auch schon getreue Fans, die leise Kritik äußern, wenn man da an sein jüngstes Buch „NOPI“ denkt, dass einigen zu sehr auf die Gegebenheiten einer Restaurantküche abzielt. Ganze Gerichte oder gar Menüs mit orientalischem Touch und vielfältigen Aromen leben allerdings auch von Technik und vielen Zubereitungsschritten, das sehen die Quellen dieser Rezept-Ideen halt vor, denn nur ein paar ein paar Gewürze hineinzugeben, dass allein reicht nicht immer!

Das kann man natürlich auch vereinfachen, aber dazu muss das Konzept ein anderes sein, Katharina Küllmer hat das in Angriff genommen und stellt einzelne Ideen thematisch geschickt zusammen und offeriert eine ganze Palette von Rezepten, die man mal so zwischendurch machen kann und die jedes Picknick, jeden Brunch, jeden Kaffeeklatsch adeln.

Wer ist die Frau hinter dem Buch?

Nach eigenem Bekunden ist Katharina entweder in der Küche oder hinter der Kamera, in ihrem Arbeitszimmer mit vielen Kochbüchern und Bergen an Vintage-Geschirr, denn sie hat ihre Leidenschaft für spannende Aroma-Kombinationen zu ihrem Beruf gemacht. Von Haus aus eigentlich Diplom-Ökonomin und Hotel-Kauffrau, doch seit 2011 selbständig tätig als Food-Kolumnistin. Schon im Studium wurde ihr klar, sie möchte mit ganzem Herzen Gastgeberin sein. Und das obwohl sie mit 20 noch nicht wusste, wie man ein Ei kocht und großer Angst vor kochendem Wasser hatte, wie ihre Familie stets kolportiert.

Nicht wirklich ideale Voraussetzungen, sich als Privatköchin und Supperclub-Betreiberin direkt nach dem Studium selbstständig zu machen. Durch die neu entdeckte Leidenschaft fürs Fotografieren kam folgerichtig ein Blog dazu und dann war der Weg zur Autorin und Food-Kolumnistin nicht mehr weit.

Wie sieht es aus – oder she`s a moody queen!

Als ich das Buch das erste Mal in den Händen gehalten habe, war ich baff! Dunkler schöner Pappeinband mit purpurnen Accessoires dekoriert, das zog mich an. Die Ausstattung mit Fadenheftung und beschichtetem Papier ist sehr wertig und die Fotos sehr stimmungsvoll. War da vorhin nicht die Rede von Bergen an Vintage-Geschirr, genau, die Sachen werden geschickt in Szene gesetzt und stehen offenbar nicht nur im Arbeitszimmer rum. Auf das eine oder andere Dekostück hätte ich zwar verzichtet, die alte Taschenuhr bei der Präsentation von Speisen, kann man machen, muss man aber nicht. Mir gefällt es trotzdem, das ist geschmackvoll gemacht und Vintage passt perfekt zum Stil der Rezepte.

Was ist drin –oder Alltagsküche bunt und spannend, aber nie kompliziert?

Die Autorin präsentiert über 100 spannende und kreative Rezepte, die thematisch stimmig in den Kapiteln

Aromen reiche Begleiter: wir finden Salze, Butter, Marmeladen, Honig, Pesto, Cremes und Saucen und so herrliche Ideen wie Pekannuss-Butter, Feigenbutter, Orangen-Kardamom-Marmelade, Salz mit getrockneten Sauerkirschen und Bacon oder eine Kürbis –Butter und vieles mehr.

Aufregende Durstlöscher: hier gibt es Tees, Milch, Limonaden, Drinks, Smoothies und Lassi. Von einer Pflaumenlimo mit Zimt und Sternanis über einen Prosecco mit Apfel-Ingwer-Sirup und Zitronenmelisse bis zu einem Chocolate-Lassi ist hier noch einiges mehr dabei, was mich sehr anspricht.

Würzige Leckereien: wir finden Ramen, Salate, Gemüse, Crostini, Pancakes, Brioche, Brot, Burger, Waffel und Wraps. Knusprige Auberginen-Sticks mit rauchigem Tahini-Dip, Ofengemüse mit rote-Bete Pesto, oder Crostini mit Ziegenkäse, Bacon-Crumble und Blaubeeren und warum nicht mal eine sommerliche Stulle mit Erdbeeren, hier finde ich so einiges, dass ich gerne probieren möchte.

Eisiges Naschwerk: hier gibt es Acai Bowl (die Cremigkeit entsteht durch gefrorene Früchte), Eis, Granita, Popsicles (Eis am Stil) und Parfait. Hey die Matcha Nicecream mit gefrorenen und gemixten Bananenscheiben, die gefällt mir auch als nicht Veganer, das muss ich probieren und auch das Ziegenkäse-Eis wandert auf meine Nachkoch-Liste. Moment da fehlt noch was, Kürbiseis mit Malzbier-Karamell, das muss auch sein.

Süße Köstlichkeiten: wir finden Pies, Shortbreads, Biskuits, Donuts, Hand Pies, Zitronen-Gugelhupf, Muffins, Apfelkuchen, Macarons und Cookies. Mir gefallen die Rotweinbirnen mit Kardamom und Mascarpone und Lebkuchen, vielleicht eine Idee für die Nachspeise bei unserem Weihnachtsdinner im Familienkreis? Oder ein saftiger Zitronen-Gugelhupf mit Olivenöl und Joghurt im Teig und einem Zitronen-Rosmarin-Sirup on top, das ganze präsentiert mit Zucker-Glasur und garniert mit getrockneten Rosenblüten und natürlich der buttrige Apfelkuchen mit Scotch-Karamell und Rosmarin. Mir gefällt das, absoluter Hingucker natürlich hier die pinken Äpfel im Teig.

Ein bisschen Inspiration: eine Übersicht, welche ihrer Ideen die Autorin für das Sonntagsfrühstück, ein Picknick oder auch ein Candle-Light-Dinner geeignet hält rundet das ganze ab.

Und wie sind die Rezepte?

Katharina selbst, beschreibt ihren Küchenstil als gehobene Gastronomie heruntergebrochen auf einfache Rezepte, die jeder zu Hause relativ einfach nachkochen kann. Das trifft es sehr gut, die Portionsgrößen sind normale Haushaltsmengen und es wird an Zutaten nichts verwendet, was nur über Spezialanbieter zu beziehen ist.

Was ist besonders?

Ein Vergleich der keiner ist – oder sicherlich ein Buch, das Mädels sehr stark anspricht!

Natürlich will Frau Küllmer nicht in Konkurrenz mit Hr. Ottolenghi treten, das sind wirklich zwei verschiedene Paar Schuh. Sie spielt eine andere Klaviatur ab, dass aber sehr sicher und vor allem sehr gekonnt.

Die Rezepte sind nicht nur auf Optik und Wirkung getrimmt, da ist die Autorin eine Meisterin ihres Fachs, das ist vom Start weg klar, sondern auch geschmacklich gab es für mich keine Patzer oder war etwas lasch.

Dafür finden aufwendige Techniken und Arbeitsschritte oder komplexe Kreationen eigentlich nicht statt im schönen Buch. Die Autorin spricht allenfalls von würzigen Leckereien und das ist es auch, wenn man von einigen wenigen Ausnahmen absieht. Ich konnte bei meinen Test, nichts finden, wo ich hätte meckern können und ihr könnt mir glauben, ich war kritisch, denn eigentlich liebe ich Komplexität, irgendwie muss man ja rechtfertigen, dass man mal wieder am Wochenende Stunden in der Küche verbracht hat, und den Schatz allein im Garten hat schuften lassen.

Die große Stärke der Autorin sind genau die kleinen Sachen, die aktuell überall auf den Blogs, überwiegend von weiblichen Bloggerinnen gepostet werden. Katharina Küllmer weiß sehr genau, was wir wollen und versteht auch die Inszenierung perfekt.

Fazit: Für mich ein ausgesprochen schönes Kochbuch, dass die Lücke zwischen professioneller Aromaküche und uns Normalos perfekt schließt, für das man sicherlich nicht seinen Ottolenghi aus dem Bücherregal verbannt, das aber gerne neben ihm stehen darf, ohne das gleich Streit und Zickereien zu befürchten wären. Inszenierung auch mit knappem Zeitbudget für einen Brunch oder ein Picknick, das geht auch – vielen Dank dafür!

Vielen Dank für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.