Gartenchutney

© DK Verlag/James Hersey

Quelle: James Strawbridge: Selbermachen — Das Kochbuch

Vom Fermentieren, Einlegen, Brot backen und mehr

Fotos: John Hersey

Verlag Dorling Kindersley#

Preis: 24,95 €

Dieses Chutney bietet einfach alles: Süße, Säure, erdige Gewürze und eine tolle Umami-Tiefe. Es ist ein Rezept  von James Großvater, das er über die Jahre ein wenig optimiert hat. Wie bei allen guten Chutneys ist es auch hier wichtig, es so lange zu kochen, bis es die Konsistenz von Konfitüre hat.

 Grüne Tomaten sind natürlich im Winter nicht zu bekommen, deshalb habe ich es mit Pflaumen vom eigenen Pflaumenbaum, die sich noch im Tiefkühlfach fanden ,ausprobiert und mich beim Mengen-Verhältnis an die Experten-Tipps gehalten.

 Bestes Chutney ever, meinte mein Mann und bei dem gibt es eigentlich keine Mahlzeit, ohne ein Glas Chutney als Aroma-Verstärker auf dem Tisch…..

Wie schon erwähnt, kommt es wirklich auf eine gute Balance an, da schwächeln die meisten Rezepte, weil die Essig-Note geschmacklich komplett unterschätzt wird, diese sollte sich aber mit dem Zucker (auch Fruchtzucker) die Hand geben!

Ergibt:

2 Gläser (à 500 ml)

Zutaten:

Olivenöl, zum Andünsten

1 Zwiebel, fein gewürfelt

2 Knoblauchzehen, fein gehackt

1 TL gemahlener Piment

1 TL gemahlener Ingwer

1 TL Paprikapulver

1 TL Chiliflocken

1 TL Koriandersamen

½ TL gemahlener Zimt

½ TL frisch geriebene Muskatnuss

1,5 kg grüne Tomaten, grob

gehackt

2 säuerliche Kochäpfel (Bramley,

Renette), geschält, entkernt und

in Scheiben geschnitten

100 g Sultaninen

2 l Apfelessig

1 kg Zucker

1 TL Salz oder nach Geschmack

Equipment:

großer schwerer Edelstahltopf

2 Einmachgläser (à 500 ml),

sterilisiert

Zubereitung:

Etwas Olivenöl in einem großen Topf erhitzen. Zwiebel und Knoblauch mit den Gewürzen darin bei schwacher Hitze weich dünsten (Abb. a), aber nicht bräunen. Tomaten, Äpfel und Sultaninen untermischen.

02 Bei schwacher Hitze 45 Minuten köcheln lassen, bis Äpfel und Tomaten weich, aber noch nicht ganz zer- fallen sind. (Ich mag es lieber, wenn Chutneys stückig sind; ich will ja auch sehen, was ich esse.) Dabei etwa alle 5 Minuten umrühren (Abb. b).

 03 Den Essig einrühren und weitere 1–2 Stunden köcheln lassen. Zunächst nur gelegentlich umrühren, dann immer häufiger und darauf achten, dass die Masse nicht am Topfboden ansetzt. Wenn die Flüssigkeit zu schnell verdampft, noch einen Schuss Essig zugeben.

04 Wenn die Masse schön eingedickt ist, den Zucker zugeben und rühren, bis er sich aufgelöst hat. Mit Salz abschmecken und weitere 15–20 Minuten bei mittlerer bis starker Hitze köcheln lassen, bis die Masse dick genug ist, dass die Spur eines am Topfboden durchgezogenen Kochlöffels erkennbar bleibt (s. S. 37).

05 Das Chutney bis zum Rand in die vorbereiteten Gläser füllen. So kommt möglichst wenig Sauerstoff ins Glas, was die Haltbarkeit verbessert (Abb. c). Die Gläser verschließen und etikettieren. Das Chutney vor dem Servieren mindestens 2 Wochen ziehen lassen. Es hält sich 6–12 Monate. Geöffnete Gläser im Kühlschrank aufbewahren.

EXPERTENTIPPS:

Das Mengenverhältnis für ein Chutney sollte ganz grob 6 : 2 : 1 sein – bei 3 kg vorbereiteten Rohzutaten also 1 l Essig und 500 g Zucker. Mit dieser Vorgabe können Sie mit anderen Zutaten, Essig und Zuckersorten Ihre eigenen Chutneys kreieren.

Rühren nicht vergessen, und zwar am Topfboden! Wegen des Zuckers kann ein Chutney auch schnell mal anbrennen, und verbrannte Aromen sind in einem Chutney nicht er- wünscht. Halten Sie die Masse also in Bewegung und geben lieber noch einen Schuss Essig dazu.

Verwenden Sie einen Edelstahltopf – andere Materialien würden durch den hohen Säuregehalt der Masse korrodieren –, und zwar möglichst einen mit dickem Boden, der die Hitze während der langen Garzeit besser und gleichmäßiger leitet und deshalb die Gefahr des Anbrennens reduziert.

Goldgelbes Sauerkraut

© DK Verlag/James Hersey

Quelle: James Strawbridge: Selbermachen — Das Kochbuch

Vom Fermentieren, Einlegen, Brot backen und mehr

Fotos: John Hersey

Verlag Dorling Kindersley#

Preis: 24,95 €

Auch wenn Sauerkraut seine Ursprünge in der Mongolei hat, gilt es heute eher als typisch deutsch oder osteuropäisch. Die Zubereitungstechnik kann auf eine ganze Reihe anderer Gemüsesorten angewendet werden. So sind vergorener Rotkohl, Fenchel, Sellerie oder Karotten definitiv auch einen Versuch wert, meint der Selbermacher-Experte. Für ein zusätzliches feines Aroma empfiehlt er Wacholderbeeren, Ingwer, Kümmel oder Dill dazugeben.

 Geschmacklich und optisch ein Gewinn – I like!

Ergibt

2 Gläser à 500 ml

Zutaten:

1 Kohlkopf wie Weißkohl, Wirsing,

Grünkohl, Spitzkohl oder eine

andere Sorte

1 EL frisch geriebene Kurkumawurzel

(nach Belieben)

feines Meersalz

Equipment

Stößel oder Nudelholz

2 Einmachgläser oder Gärgläser

à 500 ml, sterilisiert

Gärgewicht (bei Bedarf)

Zubereitung:

01 Den Kohl in feine Streifen schneiden. In eine Schüssel geben und nach Belieben die Kurkuma untermischen (Abb. a). Den Kohl wiegen, dann 2 % des Gewichts ausrechnen, um die benötigte Salzmenge zu ermitteln (Gesamtgewicht in g ÷ 100 × 2 = benötigte Salzmenge in g). Das Salz auf den Kohl streuen und in die Kohlstreifen massieren (Abb. b), um die Pflanzenzellen aufzubrechen und die Osmose anzuregen.

02 Den Kohl über Nacht ziehen lassen. Dann in die Gläser füllen und mithilfe von Stößel oder Nudelholz nach unten drücken, um Lufteinschlüsse zu vermeiden und so viel Flüssigkeit auszudrücken, dass der Kohl vollständig mit Eigenlake bedeckt und von der Luft abgeschlossen ist. Falls nötig, den Kohl mit einem Gärgewicht unten halten (Abb. c).

03 Bei Verwendung von Gärgläsern das Ventil öffnen. Bei Einmachgläsern die Deckel locker aufsetzen, sodass die Gärgase bei der Fermentation entweichen können.

04 Das Sauerkraut 10–14 Tage bei Raumtemperatur stehen lassen (18–22 °C; je wärmer, desto schneller die Gärung, je kühler, desto langsamer, aber intensiver). Dann die Gläser dicht verschließen, etikettieren und bis zum Servieren kühl und dunkel lagern. Geöffnete Gläser im Kühlschrank aufbewahren und innerhalb von 1 Woche aufbrauchen.

EXPERTENTIPPS:

Als Alternative zu einem Gärgewicht können Sie das Kraut mit einem zurechtgeschnittenen Stück Backpapier abdecken, das unter die Lake direkt auf das Kraut gedeckt wird. Wenn das Sauerkraut noch farbenfroher werden soll, geben Sie geschälte, in feine Scheiben geschnittene oder geraspelte Rote Bete dazu, die das Kraut violett (oder satt gelb, wenn Sie Gelbe Bete verwenden) einfärbt. Das Sauerkraut erhält durch die Rote Bete außerdem eine tolle erdige Note. Die Bete sollte etwa 25 % des Gesamtgewichts ausmachen.

Bunter Mangold-Kimchi

© DK Verlag/James Hersey

Quelle: James Strawbridge: Selbermachen — Das Kochbuch

Vom Fermentieren, Einlegen, Brot backen und mehr

Fotos: John Hersey

Verlag Dorling Kindersley#

Preis: 24,95 €

Kimchi ist eine koreanische Spezialität und besteht aus fermentiertem Kohl –  traditionell Chinakohl. Hier hat Mr. Strawbridge zu buntem Mangold gegriffen, der ebenfalls aus weichen Blättern und knackigen Stielen besteht. Durch die Gärung  werden die erdigen Mangoldaromen schön zur Geltung gebracht. Es lassen sich selbstverständlich ebenso andere Kohlsorten wie Grünkohl, Pak Choi oder Blattkohl verwenden. Bei mir ist es beim grünen Mangold geblieben, weil ich die bunte Sorte zu dieser Jahreszeit leider nicht auftreiben konnte.

 Ein fein würziges, leicht scharfes Rezept, das unkompliziert funktioniert und gerade deshalb überzeugen konnte!

Ergibt

1 Glas (1 l)

Zutaten:

1 großes Bund bunter Mangold

(etwa 500 g), Blätter grob

gehackt, Stängel in lange Stücke

geschnitten

1 Bund Dill, fein gehackt

2 dicke Knoblauchzehen, abgezogen

und in Scheiben geschnitten

1 Stück Ingwer (5 cm), geschält

und fein gehackt

1–2 rote Bird’s-Eye-Chilischoten,

fein gehackt

feines Meersalz

Equipment

1 Einmach- oder Gärglas (1 l),

sterilisiert

Stößel oder Nudelholz (nach

Belieben)

Zubereitung:

01 So viel Mangold vorbereiten, dass er dicht ins Glas gepackt fast bis an die Öffnung reicht. Den Mangold wiegen. Dill, Knoblauch, Ingwer und Chili vorbereiten (Abb. a) und ebenfalls wiegen. Dann 2–3 % des Gesamtgewichts berechnen, um die benötigte Salzmenge zu ermitteln (s. S. 21).

02 Das Salz in den Mangold einmassieren, bis er Wasser zieht und weich zu werden beginnt (Abb. b). Abgedeckt einige Stunden ziehen lassen, damit die Osmose stattfinden kann.

03 Mangold samt Eigenlake abwechselnd mit den Kräutern und Gewürzen in das vorbereitete Glas schichten und mithilfe von Stößel oder Nudelholz fest nach unten drücken, um Lufteinschlüsse zu vermeiden (Abb. c).

 04 Wenn die Eigenlake nicht ausreicht, um das Gemüse ganz zu bedecken, Wasser zugießen. Ein Stück Backpapier auf den Glasdurchmesser zurechtschneiden. Auf das Gemüse legen und nach unten drücken, damit die Oberfläche komplett abgedeckt ist.

05 Das Glas verschließen und etikettieren. Bei Zimmertemperatur ohne direkte Sonneneinstrahlung 1–2 Wochen stehen lassen. Nach 1 Woche den Mangold regelmäßig probieren, bis die gewünschte Säure erreicht ist. Dann das Glas in den Kühlschrank stellen, wo sich das Gemüse mehrere Monate hält.

EXPERTENTIPPS

Das Salz sollte möglichst gleichmäßig über den Mangold gestreut und sehr gründlich einmassiert werden, um den Osmoseeffekt zu verstärken.

Das Backpapier sorgt dafür, dass das Gemüse keinen Kontakt mit Sauerstoff hat. Ein mit Luft gefüllter Gefrierbeutel oder spezielle Gläser mit Luftabschluss sind effektive Alternativen.

Kleine Kohlensäurebläschen sind ein gutes Anzeichen dafür, dass die Gärung in vollem Gang ist. Wenn die Gärung nicht so richtig in Schwung kommt, stellen Sie das Glas einfach mal an einen wärmeren Ort.

James Strawbridge: Selbermachen — Das Kochbuch

James Strawbridge: Selbermachen — Das Kochbuch

Vom Fermentieren, Einlegen, Brot backen und mehr

Fotos: John Hersey

Verlag Dorling Kindersley

Preis: 24,95 €

Die eigene Manufaktur das hört sich doch vielversprechend  an…..

 Allzu lange war es den meisten ziemlich egal, was auf ihrem Teller landete. Aber mittlerweile erkennen viele, wie wichtig es ist und wie gut und einfach sich vieles selber herstellen lässt, so meint James Strawbridge in seinem Vorwort zu „Selbermachen“, ein Kochbuch dass sich vorgenommen hat, viele der traditionellen Zubereitungstechniken, die schon seit hunderten von Jahren in unserer Zivilisation zum Einsatz kommen, wieder eine Bühne zu geben. Die englische Originalausgabe heißt dann auch folgerichtig „The Artisan Kitchen“.

Ist der Öko? – sicher aber vor allem ein Typ, der nicht nur babbelt….

© DK Verlag/James Hersey

James Strawbridge ist Koch-Experte für nachhaltiges Leben und als Moderator präsentiert er sein Wissen in Umwelt- und Kochsendungen. Dieser Mann mit vielen Tatoos, Bart und langem Haar, das er zurückgebunden trägt,  kommt wie ein kerniger Naturbursche und Individualist rüber,  er kennt sich wirklich aus, wird mir schnell klar, als ich mal google, mit wem ich es zu tun habe und was er bisher gemacht hat…..

Aufgewachsen in Cornwall auf einer Farm mit Eltern, die sich schon immer für ökologische Themen und den Erhalt bäuerlicher Kulturtechniken engagiert haben, lebt James mit seiner Frau Holly und den drei gemeinsamen Kindern immer noch dort. Die Familie hat nicht nur einen großen Obst und Gemüsegarten, sondern hält Hühner, Schweine und Ziegen. Zu Landwirten will uns James jedoch nicht bekehren, sondern er möchte Menschen wieder dazu animieren, mehr Zeit im Freien zu verbringen und was sie dort sammeln oder mit eigener Muskelkraft und viel Liebe in ihrem Garten ziehen, nicht nur zum Kochen zu verwenden, sondern am besten gleich zu konservieren.

Was ist drin?

 

Das Beste aus dem Besten machen, loslegen und sich nicht mit unnötigen Equipment belasten!

Ein Buch zu Konservierungs-Methoden so zu machen, das ich es wirklich immer wieder aus dem Regal hole, wenn es darum geht, das was mir die Nachbarin im Wochenend-Haus plötzlich über den Zaun reicht, die Verwandtschaft mit eigenem Garten, eigenen Obstbäumen  regelmäßig vorbei bringt, muss für mich mehr als nur Rezepte können. Mal ist dieses Gewürz nicht da, beim nächsten Mal fehlt was anderes, aber die Ernte soll schnell und vor allem lecker verarbeitet werden, bevor ich am Sonntag-Abend wieder in die Stadt zurückkehre.

Beim Selbermachen sind für mich also nicht nur Rezepte gefragt, sondern Kreativität und Flexibilität, die ich brauche, um spontan etwas zu verarbeiten, was mir geschenkt wird, was ich selber ernte oder sammle. Früher galt dann der erste Gedanke dem Gefrierschrank, heute denke ich an Einmachgläser, einen Topf zum Einkochen und an den Backofen, wenn ich etwas trocknen will. Und bin damit bis jetzt deutlich besser gefahren, alles fein säuberlich sortiert im Vorratskeller auf den Regalbrettern aufzureihen und das zudem viel besser ist,  als ich es kaufen könnte. Für mich steht zudem inzwischen fest, es macht viel mehr Freude selbst Geerntetes zu konservieren. Und die Streuobst-Wiesen waren im letzten Jahr mit einer reichhaltigen Ernte gesegnet, die langsam unter den Bäumen verrottete. Muss nicht sein und soll für mich auch nicht sein und deshalb, hole ich das, was ich verarbeiten möchte auch nicht mehr aus dem Bio-Supermarkt.

Wenn ein Experte beim Equipment zudem den Fokus gleich auf das lenkt, was ich sowieso schon zu Hause habe, ist das für mich nicht nur praktisch, sondern genauso fängt Nachhaltigkeit an!

Ohne gute Messer geht es für den Mann aus Cornwall nicht und die Pflege dieser wird von ihm geduldig und detailgenau erklärt, er macht wirklich ernst mit seinem Anspruch an eine unkomplizierte alltagstaugliche Herangehensweise, nur beim Wurstmachen, sehe ich den Briten mit einem von ihm besuchten Experten am Fleischwolf stehen.

Dieser „Selbermacher“ bietet Projekte an und kann didaktische Vermittlung  – genau mein Ding!

James Strawbridge kennt sich verdammt gut aus, dass merke ich schon beim Blättern recht schnell, dennoch lässt er gerne Barbara von der Botelet-Farm und den Käse-Macher mit step by step Anleitungen zu Wort kommen, weil sie ihre Butter oder den Käse schon immer selbst gemacht haben.

Rundumschlag, um die traditionellen Konservierungs-Methoden vorzustellen:

Es wird Milch sauer vergoren (Pink Pickles, Sauerkraut, Kimchi), in Essig eingelegt (Piccalilli), Früchte natürlich ohne Gelierzucker eingekocht (Brombeer-Konfitüre, Orangen-Marmelade, Frucht-Curds), getrocknet (Apfelchips, sogar Biltong und Algen sind dabei –  der Mann lebt halt am Meer….), Getränke fermentiert (Ginger Beer), selber Essig oder Sloe-Gin angesetzt, Joghurt, Butter und Käse produziert, Brot mit Sauerteig gebacken, mit Fett konserviert (konfierte Entenkeulen), Rilettes hergestellt, mit Salz trocken (Graved Lachs) oder nass gebeizt (Schinken), Wurst hergestellt (Chorizo, Meeres-Salami), heiß und kalt geräuchert, sogar eine Kalträucherkammer gebaut, bevor es ans offene Feuer geht, wo der Naturbursche sowieso gerne steht z. B. um einen Spießbraten zu schwenken. Dies freut den Hunsrück-Fan in mir, wo Spießbraten als regionale Spezialität gilt.

Timing, Theorie, Praxis, Möglichkeiten, Experten-Tipps – so will ich es!

¾ aller Rezepte funktioniert problemlos, ohne sein Leben grundlegegend zu ändern oder das komplette Wochenende dafür zu reservieren, Aufwand und Timing werden gleich zu Beginn prominent angegeben. Der nützliche übersichtliche didaktische Aufbau, zeigt Techniken zum Einüben mit einem Grund-Rezept und bietet darüber hinaus viele Tipps und Variationen gut strukturiert an, die ein solches Buch reizvoller machen, als ich es von Selbstversorgungs-Experten aus den 80igern kenne. James Strawbridge überzeugt mich komplett mit dieser didaktisch gut ausgetüftelten Herangehensweise, die mir die Grund-Prinzipien hinter jeder Technik zeigt und mich unabhängiger von einzelnen Rezepten machen. Bei den Themen, zu denen ich schon eigene Erfahrungen gesammelt habe, wie z. B. dem Einlegen in Lake, sehe ich außerdem sofort bei den Experten-Tipps, alles was dort empfohlen wird, ist goldrichtig und deckt sich mit dem, was ich schon woanders gelernt habe. In diesem Buch nur übersichtlicher und komprimierter dargestellt. Und genau so wollen es glaube ich, inzwischen viele!

Probiert und Verputzt:

Bunter Mangold-Kimchi

© DK Verlag/James Hersey

Kimchi ist eine koreanische Spezialität und besteht aus fermentiertem Kohl –  traditionell Chinakohl. Hier hat Mr. Strawbridge zu buntem Mangold gegriffen, der ebenfalls aus weichen Blättern und knackigen Stielen besteht. Durch die Gärung werden die erdigen Mangoldaromen schön zur Geltung gebracht. Es lassen sich selbstverständlich ebenso andere Kohlsorten wie Grünkohl, Pak Choi oder Blattkohl verwenden. Bei mir ist es beim grünen Mangold geblieben, weil ich die bunte Sorte zu dieser Jahreszeit leider nicht auftreiben konnte.

Ein fein würziges, leicht scharfes Rezept, das unkompliziert funktioniert und gerade deshalb Freude macht!

Goldgelbes Sauerkraut

© DK Verlag/James Hersey

Auch wenn Sauerkraut seine Ursprünge in der Mongolei hat, gilt es heute eher als typisch deutsch oder osteuropäisch. Die Zubereitungstechnik kann auf eine ganze Reihe anderer Gemüsesorten angewendet werden. So sind vergorener Rotkohl, Fenchel, Sellerie oder Karotten definitiv ebenfalls einen Versuch wert, meint der Selbermacher-Experte. Für ein zusätzliches feines Aroma empfiehlt er Wacholderbeeren, Ingwer, Kümmel oder Dill dazugeben.

Geschmacklich und optisch ein Gewinn – I like!

Gartenchutney

© DK Verlag/James Hersey

Dieses Chutney bietet einfach alles: Süße, Säure, erdige Gewürze und eine tolle Umami-Tiefe. Es ist ein Rezept  von James Großvater, das er über die Jahre ein wenig optimiert hat. Wie bei allen guten Chutneys ist es auch hier wichtig, es so lange zu kochen, bis es die Konsistenz von Konfitüre hat.

Grüne Tomaten sind natürlich im Winter nicht zu bekommen, deshalb habe ich es mit Pflaumen vom eigenen Pflaumenbaum, die sich noch im Tiefkühlfach fanden, ausprobiert und mich beim Mengen-Verhältnis an die Experten-Tipps gehalten.

Bestes Chutney ever, meinte mein Mann und bei dem gibt es eigentlich keine Mahlzeit, ohne ein Glas Chutney als Aroma-Verstärker auf dem Tisch…..

Wie schon erwähnt, kommt es wirklich auf eine gute Balance an, da schwächeln die meisten Rezepte, weil die Essig-Note geschmacklich komplett unterschätzt wird, diese sollte sich aber mit dem Zucker (auch Fruchtzucker) die Hand  geben!

Fazit: viele Rezepte – forget it, das ist nicht was Du als Selbermacher im Alltag brauchst!

Es sind nicht die vielen Rezepte, sondern die konzeptionelle Herangehensweise, die Freiraum lässt, die mich bei James Strawbridge’s „Selbermachen“ überzeugen. Nachhaltig konservieren ist immer von ganz spontanen Ereignissen abhängig, habe ich in den letzten 15 Jahren mit Wochenend-Haus auf dem Land gelernt. Das wichtigste punktgenau  übersichtlich darstellen und mir viele Varianten  anzubieten, ist mir heute wichtiger denn je!

Dieses Buch wendet sich an Selbermacher mit Selbstversorger-Ambitionen, die ein zeitgemäßes gut strukturiertes Standardwerk suchen!

Meine kleine Farm – Anleitung zur Selbstversorgung

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Miriam Wohleben/Peter Wohleben:

Meine kleine Farm – Anleitung zur Selbstversorgung

Ulmer Verlag

Preis: 29,90 €

„Selbstversorgung step by step!“

Worum geht’s? Vor 25 Jahren zog die Familie Wohlleben in das Forsthaus in Hümmel in einer kleinen Eifelgemeinde. Michael Wohlleben hatte als Förster die Stelle des Revierleiters übernommen, und dazu wünschte die Gemeinde den Bezug des alten Forstdienstgehöfts. Es bestand aus dem typischen Eifelhaus der 30er Jahre, einem Nebengebäude mit Hühner- und Schweinestall sowie einem 5.000 qm großen Garten.

Traditionell versorgten sich die Förster früher zumindest teilweise selbst mit Lebensmitteln. Doch beim Einzug der neuen Besitzer war davon nicht mehr viel zu spüren. Das Nebengebäude war zur Garage ausgebaut, der Garten mit Weihnachtsbäumen zugepflastert. Der Vorgänger hatte das Anwesen auf „pflegeleicht“ umgestellt, und das große Grundstück sollte über den Weihnachtsbaumverkauf die Miete tragen. Schnell stand für die Wohllebens fest, dass sie dem alten Gehöft wieder zur traditionellen Nutzung verhelfen wollten.

Die Weihnachtsbäume wurden verbannt und mit jedem Lebensmittelskandal, verging der Familie Wohlleben immer mehr die Lust auf industriell produzierte Produkte. Der Gemüsegarten wuchs von 8 qm auf 300 qm, es folgten Obstbäume u. Beerensträucher, Hühner, Kaninchen, Schafe, Ziegen und vor vier Jahren hielten auch zwei Bienenvölker Einzug.

Heute ist das Projekt Selbstversorgung zum Alltag für die Familie geworden und sie genießen, jede Mahlzeit mit den selbsterzeugten Lebensmitteln. Auf ihrem Weg zur Teil-Selbstversorgung haben sie stets mit Augenmaß agiert, Aufwand und Nutzen sollte möglichst dem Verhältnis 80/20 entsprechen und das bedeutete manchmal auch, ein paar Beeren, Kleinstkartoffeln oder Gartenecken der Natur zu überlassen, wenn die Ernte einfach zu mühsam geworden wäre.

Den Weg zu dieser kontinuierlichen Entwicklung zur Teil-Selbstversorgung und auch der reichhaltige Erfahrungsschatz, den die Autoren dabei gemacht haben, ist nun sachlich fundiert und anschaulich in dem schönen Buch „Meine kleine Farm“ für uns nachzulesen.

 Was ist drin?  Der Inhalt des Buches gliedert sich in die folgenden Teilbereiche

Wieviel darf es sein? Hier geht es um die grundsätzlichen Themen: Was will man? Wie ist das zu schaffen? Die eigene Scholle, Bodenpflege, Flächenplanung, Werkzeuge u. Maschinen etc.

Grünzeug so viel wie möglich?  Beantwortet Fragen zu Saat- u. Setzgut, Gemüse und Obst, Nüssen, Kräutern, essbare Blüten und Exoten.

Tierisch ernst….. Beschäftigt sich mit den vierbeinigen Freunden, wie Hühnern, Puten, Kaninchen, Ziegen, Schafen, Bienen und Fragen zur Futterhaltung und Schlachtung etc.

Vorratshaltung  Widmet sich u. a. der Fermentierung und Konservierung von Obst, Gemüse und Fleisch durch Entsaften, Trocknen, Vergärung, einmachen und einfrieren. Auch das Thema konservieren ohne Kühlung findet hier Erwähnung.

Bei „Dies und Das“  Geht es um Wasser, Nutzung von Regenwasser, Brunnen, der Energie aus dem Garten, Naturschutz und dem Umgang mit Kunststoffen.

Im Serviceteil  Finden wir nützliche Adressen und Institutionen, Literaturempfehlungen, ein Register.

Alles wird sachlich und sehr authentisch präsentiert, denn es ist das Ergebnis der eigenen jahrelangen Erfahrung und das macht das Buch auch so wertvoll.

Wer sind die Autoren?  Miriam Wohlleben, arbeitete früher als Industriekauffrau und leitet nach einer Kinderpause seit 10 Jahren den Bürobetrieb des Ruheforst Hümmel (Bestattungswald). Nachdem sie als echtes Stadtgewächs zunächst wenig mit dem Landleben liebäugelte, entbrannte ihre Liebe zum alten Forsthaus und den nach und nach hinzu gekommenen Tieren umso heftiger. Nach 25 Jahren kann sie sich ein Leben ohne Ziegen, Kaninchen und Gemüsegarten nicht mehr vorstellen.

Peter Wohlleben, studierte an der Fachhochschule Rottenburg Forstwirtschaft und kündigte nach 23 Jahren seine Beamtenstelle bei der Landesforstverwaltung Rheinland-Pfalz, um seine Vorstellungen von einer ökologischen Waldbewirtschaftung in der Gemeinde Hümmel (Eifel) umzusetzen. Seither lebt er dort mit seiner Familie in einem alten Forsthaus und versorgt sich weitgehend selbst mit natürlich produzierten Lebensmitteln. Außerdem hat er bereits einige vielbeachtete Bücher zum Thema Wald und Forstwirtschaft veröffentlicht.

 Was ist besonders?  Sehr angenehm und wirklich hilfreich für interessierte Nachahmer ist es, dass die Autoren, das Thema Selbstversorgung von der praktischen Seite und nicht von einer ideologischen Perspektive angehen und auch die eine oder andere humorvolle Anekdote präsentieren, wenn es mal nicht so gelaufen ist, wie es geplant war.

Ich selbst bin auf dem Land in den 60/70iger Jahren aufgewachsen und habe den ganzen Trend der frühen 80iger zur Selbstversorgung schon einmal erlebt. Die meiste Leute, die ich kenne, die das auch mal versucht haben, sind gescheitert, letztendlich an sich selbst, weil Ihnen nicht klar, was das bedeutet. Vor allem weil sie keinen Plan hatten und somit schnell durch Überforderung an ihre Grenzen kamen.

Das Ehepaar Wohlleben ist aber ihn ihrem Wirken absolut authentisch und glaubwürdig, stellt die richtigen Fragen, dass man nicht blauäugig in ein Abenteuer stürzt, dass man nicht einschätzen kann und sich erstmal klar wird, was man den eigentlich mit welchem Aufwand erreichen möchte und wieviel Platz man dafür hat.

Das ganze Buch ist als ein Mehrstufenplan zu verstehen, ebenso wie es die Familie selbst gemacht hat, schrittweise und mit Augenmaß und guter Vorbereitung und liefert auch vielfältige Möglichkeiten nur mit kleinen Teilbereichen zu starten, denn auch ein kleines Beet kann schon ein Anfang sein.

 Fazit: * * * * * Mir hat das Buch sehr gefallen, besonders weil die Autoren ebenso engagiert und glaubwürdig wie umsichtig agieren. Ein schönes sehr informatives Buch für Menschen, die sich für Selbstversorgung interessieren und nicht wissen, wo sie anfangen können. Das Buch bietet vielfältige Informationen, die weit über das Thema Selbstversorgung aus dem eigenen Nutzgarten hinausgehen und alles wird sehr praxistauglich und authentisch präsentiert.