Curry-Laksa (mit Hähnchen, Garnelen und Tofu-Puffs)

© Nicole Stich

Curry-Laksa (mit Hähnchen, Garnelen und Tofu-Puffs)

Quelle: Nicole Stich: Shiok

ZS Verlag

Preis: 29,80 €

Eine Suppe die satt und glücklich macht: süßsauer, scharf, cremig und durch den vietnamesischen Koriander bekommt das Ganze noch eine pfeffrige Note. Wer das Glück hat, diesen im Asia-Markt zu bekommen, sollte sich das nicht entgehen lassen…..

Laksa ist Singapurs Suppen-Nummer-eins-Hit (ähnlich der Tom Kha Gai in Thailand), wobei diese Suppe im Rest von Südostasien — in unterschiedlichen Versionen — ebenfalls sehr populär ist. Wer eine authentische Suppenschale nach allen Regeln der Kunst zubereiten möchte, braucht weit mehr als zwei Dutzend Zutaten. Aber es geht zum Glück auch etwas einfacher! Und selbst diese abgespeckte Variante versetzt mich für einen kurzen Moment nach Katong (ein für Laksa bekannter Stadtteil).

Zutaten:

300—400 g Hähnchenkeulenfleisch

(ohne Haut, ersatzweise Hähnchenbrustfilet)

1—1 ¼ l Hühnerbrühe (am besten selbst gemachte, Rezept im Buch auf S. 178)

2—4 Eier

8 Riesengarnelen (Tiger Prawns, ohne Kopf, geschält)

6—8 Tofu-Puffs (Asienladen)

2 Stängel Zitronengras

2—3 Knoblauchzehen

1 walnussgroßes Stück Galgant

1—2 Bio-Limetten

4—5 Stiele Koriandergrün oder

Laksablätter (auch bekannt als vietnamesische Minze/Koriander)

2 EL Öl

60—80 g Laksapaste (ersatzweise ca. 50 g rote Currypaste)

500 g Kokosmilch

75—100 g Sojabohnensprossen oder andere Bohnensprossen

250—350 g Nudeln
(chinesische Eiernudeln und/oder Reis-Vermicelli)

1—2 EL Fischsauce

½—1 EL Palmzucker

feines Meersalz

Zubereitung:

Das Hähnchenfleisch waschen, mit der kalten Hühnerbrühe in einen Topf geben und aufkochen. Die Hitze so weit reduzieren, dass die Brühe nur ganz sanft köchelt, und das Hähnchenfleisch 10 Minuten garen. Vom Herd nehmen und das Fleisch weitere 10 Minuten ziehen lassen. Zwischendurch die Eier in kochendem Wasser 10 bis 12 Minuten hart kochen, kalt abschrecken, pellen und halbieren.

Inzwischen die Garnelen am Rücken entlang (nicht zu tief) einschneiden und den Darm mit der Messerspitze vorsichtig herausziehen. Die Garnelen waschen und trocken tupfen. Die Tofu-Puffs in mundgerechte Würfel schneiden. Das Zitronengras waschen, putzen und die dicken Enden mit einem Stößel oder schweren Messer anquetschen, die Stängel quer halbieren. Knoblauch schälen und fein hacken. Galgant schälen und in dicke Scheiben schneiden. Die Limetten waschen und vierteln. Die Kräuter abbrausen und trocken schütteln, Blättchen abzupfen und nach Belieben fein hacken. Das gegarte Hähnchenfleisch aus der Brühe heben, kurz abkühlen lassen und in mundgerechte Stücke zupfen.

Das Öl im Wok erhitzen. Darin den Knoblauch andünsten. Die Laksapaste dazugeben (die Menge hängt vom persönlichen Schärfeempfinden ab, später kann man gut noch mal nachlegen) und 2 bis 3 Minuten unter Rühren anbraten. Mit der Kokosmilch und der Hühnerbrühe ablöschen, Galgant sowie Zitronengras dazugeben und die Suppe aufkochen.

Inzwischen in einem zweiten großen Topf Wasser aufkochen. Die Sprossen darin 30 Sekunden blanchieren, mit dem Schaumlöffel herausheben und auf Suppenschalen verteilen. Jetzt die Nudeln ins Wasser geben und nach Packungsanweisung zubereiten, abgießen und auf die Schalen verteilen.

Die Hähnchenstücke, die Garnelen und die Tofu-Puffs zur Suppe geben und 3 bis 4 Minuten mitköcheln lassen (Zitronengrasstücke und Galgant können rausgefischt oder mitserviert werden, aber nicht essen!). Die Suppe mit Fischsauce, Palmzucker und Salz abschmecken. Suppe auf die Schalen verteilen und mit den Eierhälften, Limettenvierteln und Kräutern abschließen. Dazu passt Sambal Tumis Belachan (siehe S. 166), von dem sich jeder selbst nehmen kann.

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Reisnudelsalat (mit dreierlei Kräutern)

© Nicole Stich

Quelle: Nicole Stich: Shiok

ZS Verlag

Preis: 29,80 €

Alles gesagt dazu hat schon Frau Stich, von uns gibt es dazu noch den Daumen hoch – und die Aufforderung zum nach machen  – der Salat ist perfekt für die aktuelle Wetterlage und steht schnell auf dem Tisch!

Für heiße Sommertage gibt es kein besseres Essen als einen erfrischenden Salat mit Reisnudeln. Und dieser darf ganz nach Geschmack kombiniert werden: Salat! Rotkohl! Mais! … Wobei diese eher simple Zutatenauswahl schon eine ziemlich geniale Mischung ergibt.

Zutaten (für 4 Portionen als Salat):

200—250 g Hähnchenbrustfilet

feines Meersalz

250 g Reisnudeln

½ Salatgurke

1 große Möhre

100 g Sojabohnensprossen oder andere Bohnensprossen

je 2—4 Stiele Koriandergrün,

Thai-Basilikum und Minze

Saft von ½—1 Limette

1—2 EL Sesamöl

Für Dressing:

50 g Erdnusskerne (ohne Haut)

½—1 rote Chilischote

3 Knoblauchzehen

2 EL Palmzucker

2 EL Reisessig

1 ½ EL Fischsauce

feines Meersalz

Außerdem:

frittierte Zwiebeln oder Schalotten (Asienladen) zum Bestreuen

Zubereitung:

Für den Salat das Hähnchenbrustfilet waschen und in einen Topf mit leicht gesalzenem Wasser geben, aufkochen. Die Hitze so weit reduzieren, dass das Wasser nur minimal köchelt, und das Hähnchenbrustfilet knapp 20 Minuten gar ziehen lassen. Den Topf vom Herd nehmen und das Filet 10 Minuten in dem Sud ziehen lassen (auch länger ist kein Problem).

Inzwischen die Reisnudeln nach Packungsanweisung zubereiten, dann in ein Sieb abgießen, mit kaltem Wasser abbrausen und gut abtropfen lassen. Die Gurke waschen und in mundgerechte Stücke schneiden. Die Möhre schälen und mit dem Sparschäler in lange Streifen schneiden. Die Sprossen mit heißem Wasser abbrausen und abtropfen lassen. Alles in einer Schüssel vermischen. Die Kräuter abbrausen und trocken schütteln, die Blättchen abzupfen.

Für das Dressing die Erdnusskerne in einer Pfanne anrösten, bis sie ein wenig Farbe angenommen haben. Chilischote längs halbieren, entkernen und waschen, den Knoblauch schälen. Beides grob zerkleinern und mit den Erdnüssen und dem Palmzucker im Blitzhacker fein mahlen. Reisessig und Fischsauce untermixen und zum Schluss esslöffelweise so viel Wasser unterrühren, bis das Dressing sämig vom Löffel fließt. Mit wenig Salz abschmecken.

Vom Dressing die Hälfte abnehmen und zu den Nudeln und dem Gemüse in die Schüssel geben. Den Limettensaft und das Sesamöl darüberträufeln. Alles gut vermischen und auf Teller verteilen.

Das Hähnchenbrustfilet aus dem Sud nehmen, in mundgerechte Stücke zupfen und mit dem restlichen Dressing vermengen. Mit den Kräutern auf dem Salat anrichten. Zum Schluss die frittierten Schalottenringe darüberstreuen.

Korean Popcorn Chicken

© Nicole Stich

(knuspriges Popcorn-Hähnchen)

Quelle: Nicole Stich: Shiok

ZS Verlag

Preis: 29,80 €

Best Fried Chicken ever, sagte mein Mann als der sich den letzten Rest vom Finger schleckte. Ehrlich dieses Rezept macht süchtig!

Läuft man vom Süden aus die Tanjong Pagar Road entlang Richtung Chinatown, könnte man den Eindruck gewinnen, hier gäbe es nur zwei Arten von Geschäften: Brautmoden und koreanische BBQ-Lokale. Wer „Fried Chicken“ mag, der hat hier die Qual der Wahl. Mein Herz gehört dem Korean Popcorn Chicken, knusprig frittierten Hähnchenkeulenstücken in einer unwiderstehlichen klebrigen Sauce: Süß, sauer, scharf, … ein Traum!

Zutaten (für 2 – 4 Portionen:

Für das Hähnchen:

1 walnussgroßes Stück Ingwer

350—400 g Hähnchenkeulenfleisch

(mit Haut)

1 EL Reiswein (z.B. Shaoxing)

100 g Kartoffelstärke (notfalls

Maisstärke)

½ TL feines Meersalz

¼ TL Pfeffer aus der Mühle

Für die Sauce:

2—3 Knoblauchzehen

2 EL helle Sojasauce

2 EL Reiswein (z.B. Shaoxing)

2 EL heller Reisessig

2 EL Honig

2 EL koreanische scharfe

Gewürzpaste (Gochujang)

1 EL Palmzucker

1 EL Sesamöl

Für das Finnish:

1 EL helle Sesamsamen oder geröstete gesalzene Erdnusskerne

1 Frühlingszwiebel

Außerdem:

1 l Öl zum Frittieren

Zubereitung:

Für das Hähnchen den Ingwer schälen und fein reiben (es sollte mindestens 1 EL sein). Das Hähnchenfleisch waschen, trocken tupfen und samt der Haut in mundgerechte Stücke schneiden. Beides in einer Schüssel mit dem Reiswein, der Hälfte der Kartoffelstärke, Salz und Pfeffer vermengen.

Für die Sauce den Knoblauch schälen und fein reiben oder hacken. Mit Sojasauce, Reiswein, Reisessig, Honig, Gewürzpaste, Palmzucker und Sesamöl in einen kleinen Topf geben. Aufkochen, vom Herd nehmen, Sauce abschmecken. 3. Für das Finish entweder die Sesamsamen in einer Pfanne goldbraun anrösten oder die Erdnusskerne fein hacken. Die Frühlingszwiebel putzen, waschen und schräg in breite Ringe schneiden. Das Öl zum Frittieren in einen großen Topf füllen und auf 180°C erhitzen (an einem eingetauchten Holzstäbchen steigen rasch Bläschen auf).

Die restliche Kartoffelstärke unter die Hähnchenfleischstücke mischen und diese im Öl portionsweise 4 bis 5 Minuten goldbraun frittieren. Dabei immer darauf achten, dass der Topf nie zu voll gefüllt wird, da sonst die Temperatur zu stark fällt und die Fleischstücke nicht richtig bräunen. Fertige Popcorn Chicken mit dem Schaumlöffel aus dem Topf heben und auf Küchenpapier entfetten. Zwischendurch, falls nötig, die Sauce wieder erhitzen.

Alle frittierten Popcorn Chicken in eine große Schüssel geben, mit der heißen Sauce übergießen und gut durchmischen, bis alle Stücke mehr oder weniger gleichmäßig mit Sauce überzogen sind. Auf einer großen Platte oder in Schüsseln anrichten, mit Sesam, Erdnüssen und Frühlingszwiebeln bestreuen und sofort servieren.

Nicole Stich: Shiok

Nicole Stich: Shiok

ZS Verlag

Preis: 29,80 €

Genießen als Volkssport – da möchte ich unbedingt dabei sein!

Singapur ist anders – oder das beste Essen der Welt……

Seit der Abspaltung von Malaysia und der Unabhängigkeitserklärung vor mehr als 50 Jahren ist der Stadt-Staat zum weltweit viertgrößten Finanzplatz nach New York, London und Hongkong aufgestiegen. Der Koch und Gastronom Ryan Clift stellt in einem Artikel der Welt aus 2015 fest: „In dieser Stadt bekommst du das beste Essen der Welt“, egal, ob du dafür drei Dollar zahlst oder 300.“ Manche versteigen sich sogar zu der Analyse, dass die Einwohner dieser Metropole ihren ausgesprochen ausgeprägten Genuss-Sinn als Antwort auf die rigide Autorität auf das Leben in einem autoritären Staat verstehen. Singapurer sind leidenschaftliche Esser also dann nichts wie hin, am besten mit einer kundigen Begleitung…..

Wer ist die Autorin?

© Oliver Seidel

Die freiberufliche Autorin, (Food-) Fotografin, Foodbloggerin und Genuss-Esserin Nicole Stich weiß, wie man fremde Länder am besten entdeckt: übers Essen. Auch, wenn sie dabei mal über ihren eigenen Schatten springen muss: „Wenn ich es dann zu Hause fertig bringe, ein Gericht exakt wie in meinen Erinnerungen zuzubereiten, dann habe ich es nicht nur geschafft, einen köstlichen Reisemoment wiederaufleben zu lassen, sondern ebenso meine heimische Küche um eine wunderbare Facette bereichert“, sagt sie über ihre Herangehensweise.“

Schon lange verliebt in eine Millionen-Metropole mit gefühlt genauso viel Optionen für Foodies…..

 Nicole Stich hält sich nicht lange mit Allgemein-Plätzen auf, sondern mit einer persönlichen Reise-Episode erklärt sie kurz, treffend und sehr lebendig ihre Faszination für eine Region voller Foodies und wie schnell sie mit zwei älteren Ladies beim Plausch über Restauranttische hinweg ins Gespräch kam… Einfach weil auf ihrem Tisch 4 Desserts standen und die Damen daraus folgerten, dass sie es mit jemand zu tun hatten, der Süßes liebt. Schnell entspannte sich eine lebhafte Unterhaltung darüber, was denn nun am besten geschmeckt hat und in welchem „Hawker“ (Garküche), Frau Stich und ihr Reisebegleiter unbedingt noch etwas probieren gehen sollten. So einfach und persönlich lässt sich Singapur vorstellen, ohne psychologische Analyse direkt zum Punkt. Die Mission, der sich die Autorin in diesem Buch verpflichtet fühlt heißt, ich koche Euch etwas so unverschämt Leckeres, dazu könnt Ihr unmöglich nein sagen, wenn ihr gerne was neues probiert und Schwups seid Ihr mittendrin in einem der spannendsten Abenteuer, die man sich kulinarisch gönnen kann. Chinesische und malaiische Einflüsse verschmelzen in der Küche Singapurs zu einem „Melting Pot“, der es in sich hat, so dass es Frau Stich dort in den letzten Jahren beim Essen nie langweilig geworden ist und sie immer zurückgekehrt ist….

 Herausforderung Tradition versus Alltagstauglichkeit und dann noch authentisch bleiben….

Schön, wenn man in so guten Händen ist und so persönlich begrüßt wird, denn die Materie ist äußerst komplex habe ich im letzten Jahr schon bei Shu Han Lee und ihrem schönen Buch „Chicken and Rice“ erfahren dürfen. Es geht in der südostasiatischen Küche sehr viel um komplexe Küchen-Technik (Stichwort: Dumplings, Teigtaschen, Schweinebauch und eine Suppenkultur, die es in sich hat), die ebenfalls vor sehr speziellen Zutaten nicht zurückschreckt. Deshalb ist diese in ihrer traditionellen Art, als deutlich komplexer einzustufen ist, als einfach nur thailändisch oder indisch zu kochen, da können wir auf eine ganze Schar von Experten, zurückgreifen und nicht nur der Asia-Laden hat sich inzwischen mit seinem Angebot längst darauf eingestellt, sondern auch der gut sortierte Lebensmittelhandel.

Probieren, studieren und dann optimieren……

Nicole Stich findet für mich den richtigen Einstieg in die Küche Singapurs, in dem sie Praxis favorisiert und zeigt mir in jeder ihrer sehr persönlichen Einleitung zu ihren Rezepten, sie hat alles so häufig gekocht, dass sie inzwischen bei ihrer ganz persönlich Geling sicheren Version angekommen zu sein scheint. Sie hat als Touristin mit ausgeprägten kulinarischem Talent und Ambitionen den Blick frei für die Koch-Praxis und will uns nicht das Rezept ihrer Oma oder Mutter ans Herz legen, dass jedoch für den europäischen Gaumen vollkommen ungeeignet ist und die nachkochende Gemeinde technisch vor kaum lösbare Herausforderungen stellt, wenn man kein Profi ist. Von außen sieht man die Dinge häufig klarer, es geht mehr ums schmecken, optimieren, verändern, anpassen als um Kindheits-Erinnerungen, das ist manchmal die bessere Voraussetzung, wenn es darum geht, sich neugierig immer weiter in eine neue kulinarische Welt zu wagen und hat hier sehr gut funktioniert.

Lieblingsküche – versus Trend-Thema

Ich vertraue mich ihr gerne an, sie hat schon in ihrem letzten Buch „Reisehunger“ gezeigt, dass Singapur ihr kulinarisch sehr am Herzen liegt und springt nicht kurzfristig auf einen Zug auf, der jetzt endlich in der für mich deutlich als der komplexesten und vielschichtigsten der asiatischen Küchen angekommen ist, weil es sonst kaum noch Neuland dort zu entdecken gibt.

Die versierte Begleitung ist Gold wert, wenn man geschmackliches Neuland betritt……

Ich glaube ihr, dass sich mich in neue kulinarische Welten entführen kann und das so authentisch wie möglich und alltagstauglich wie nötig! Sie gaukelt mir keine Allgemeinplätze vor, die nur von ratzfatz getrieben sind, bei ihr dauert es zwar nur 30 Minuten bis das berühmte malaiische Nationalgericht „Nasi Lemak“, das man in Singapur gerne zum Frühstück genießt, auf dem Tisch steht, manchmal empfiehlt sie uns jedoch reichlich Zeit zu reservieren, z. B. wenn wir uns mit ihr an „Spiral Curry Puffs“ (frittierte gefüllte Teigtaschen) wagen, bei denen zwei Teig-Sorten, ein Wasser- und Fett-Teig zu einem spiralen Muster verwoben werden. Ich habe vor selbstgemachten Teigtaschen viel zu viel Respekt und bescheidene Erfahrung in dieser Disziplin, aber Susanne aka Magentrazerl hat sich direkt an dieses Rezept gemacht.

Alle Rezepte von Frau Stich zeigen sowohl eine kulinarische als auch praxistaugliche Handschrift. Beim Blättern und schmökern im sehr schönen Kochbuch, entsteht stets der Eindruck bei mir, sie hat so lange herumprobiert, bis sie endlich mit der Teigkonsistenz oder dem Geschmack absolut zufrieden war und manchmal hat diese Köchin sogar, Rezepte mit eigenen Ideen weitentwickelt wie beim knackigen Papaya-Salat.

Dämpfen schmoren und stir-fry…..

 Nicole Stich hat unseren Streifzug mit ca. 75 Rezepten durch die Küche Singapurs organisiert, es geht um „Frühstück & Snacks“, „Nudeln, Reis & Gemüse“, „Fisch & Fleisch“ und „Süßes & Gebackenes“, bevor uns die Autorin noch „Basics“ und ihre „Lieblings-Zutaten“ präsentiert. Außerdem ist diese stets mit Tipps Tricks zur Stelle, wir erfahren wie es mit dem Pochieren und Einlegen von Eiern klappt, wie stir-fry (pfannenrühren) im Wok auch ohne Rezept lecker gelingen kann und zum Schluss gibt sie persönliche Tipps, wo wir was in Singapur am besten probieren sollten.

so unkompliziert wie möglich…

Die Autorin reduziert ihre südostasiatische Speisekammer auf „must-haves“, die zum Glück alle in jedem durchschnittlich sortierten Asia-Laden auf uns warten und holt uns moderat mit ihren „nice-to-haves“ aus der Komfortzone, denn Galgant, Pandanblätter und getrocknete Garnelen hat der von mir bevorzugte Asia-Laden ebenfalls im Standardprogramm. Diese Frau denkt praktisch, die speziellen Cups zum Dämpfen eines Eierflans können durch hitzebeständige Tassen ersetzt werden und klar ohne Bambus-Körbchen gibt es keine gedämpften „Pork-Buns“. Chayote (stammt aus der Familie der Kürbisgewächse und ist von der Konsistenz etwa vergleichbar mit Kohlrabi, die Früchte schmecken leicht süßlich) und Jícama (Yambohne) sind bei ihr für „Rojak“, einen asiatischen Brotsalat, geschmacklich die erste Wahl, können jedoch mit grüner unreifer Mango oder grünem Apfel ersetzt werden. Ob Bananenblüte oder chinesischer Blütenkohl, Frau Stich möchte uns möglichst mit dem authentischen Geschmack auf der Zunge beglücken, hat jedoch immer eine Alternative im Ärmel, das ist perfekt für alle und macht den Reiz des Buches für mich aus! Mit einem Rezept für Laksa-Paste hätte sie mich wunschlos glücklich gemacht, das habe ich dann das Netz erledigen lassen, weil ich mit fertigen Currypasten bislang geschmacklich nie zufrieden war.

Ich will Expertise und möchte keine Autorin, die sich nur im Netz schlau gemacht hat….

Fazit – Chapeau Madame Stich! Sie zeigen mit Ihren Rezepten, ohne das perfekte geschmackliche Ergebnis und die möglichst unkomplizierteste Herangehensweise geben Sie sich nicht zufrieden. Die Materie ist sehr komplex und ohne viele Jahre Expertise und Tüfteln nicht zu meistern. Für mich zeigen Sie eine absolut seriöse Herangehensweise, was ich im Kochbuch-Bereich schon mal anders gesehen habe, viel Recherche am PC und vielleicht dann noch eine Woche vor Ort und fertig ist das nächste Kochbuch…. Sie dagegen haben erst mal einige Jahre probiert, studiert und optimiert: Herausgekommen ist dabei ein Buch, dass alles hat, was ich mir wünsche, leckere Geling sichere Rezepte, die für mich besser funktioniert haben, als bei Autoren mit Heimvorteil. Sie haben jedoch ebenfalls der Versuchung widerstanden, daraus einen beliebig reduzierten Einheitsbrei zu machen, um uns ja nicht geschmacklich oder technisch zu überfordern und schicken uns für neue kulinarische Abenteuer auch mal auf die Jagd nach völlig neuen Zutaten in den Asia-Markt.

Ich begleite Sie gerne wieder bei Ihrer nächsten kulinarischen Reise, weil mir dieses Buch gezeigt hat, Sie machen mir kein X für ein U vor und sind selbst erst zufrieden, wenn sie alles, was Sie uns zeigen, wie im Schlaf beherrschen, weil es vorher schon viele Prototypen gegeben hat. Aber zum Anfang zurück, Sie mögen offenbar sehr gerne Süßes – ein Glück für mich, denn in der Sparte „Süßes & Gebackenes“ sind Sie nochmal zur absoluten Höchstform aufgelaufen.

Vielen Dank als Übersendung als Rezensionsexemplar!

Chicken & Rice

 

Shu Han Lee: Chicken & Rice

Dumont Verlag

Preis: 32,– €

Mummy I can cook! – oder wie geht authentische asiatische Küche bei uns?

Mit achtzehn verlässt Shu Han Lee ihr Elternhaus und ihre Heimat Singapur, um in London zu studieren. Von Heimweh getrieben, versucht sie sich zum ersten Mal selbst an der Zubereitung jener Gerichte, mit denen sie aufgewachsen ist und die sie so sehr vermisst. Sie sucht nach Rezepten, probiert manche bis zu acht Mal aus, bis sie ihr endlich gelingen, und bittet ihre Mutter in langen Skype-Konferenzen um Rat. Inzwischen ist Shu-Han Grafikdesignerin, freischaffende Foodstylistin, Autorin und Köchin und veranstaltet regelmäßig Supper Clubs und Workshops. Die ›Sunday Times‹ erklärte Shu Han Lee zu einer der besten Food-Bloggerinnen Großbritanniens. ›Chicken & Rice‹ ist ihr erstes Buch, ihr Blog http://www.mummyicancook.com hat sagenhafte 74.000 Follower auf Instagram.

Wie sieht es aus – wetten dass Ihr hier schwach werdet?

 Dieses Buch ist unheimlich schön, ein schlichtweißes Cover, klar strukturierte Schriften und eine wunderschöne rote Henne mit roter Reisschüssel machen Lust auf mehr. Ein Buch das einem sofort ins Auge sticht, weil es so schlicht und schön ist. Klappen wir es auf, merken wir, dass ist keine Mogelpackung, ein schönes Cover und nichts dahinter, bei weitem nicht! Shu Han Lee ist vom Fach und schafft es, mit ihren fröhlichen und reduzierten Illustrationen diesem Buch etwas Einzigartiges zu geben. Ich bin sofort verliebt und stelle fest, Geschmack hat diese junge Lady und der Spagat zwischen fröhlicher Stimmung und klassischer Eleganz gelingt ihr perfekt, weil alles sehr akzentuiert eingesetzt wird. Eine echte Wohltat, in Zeiten wo Buch-Cover schrill-bunt und das Layout innen häufig wie ein bunter Gemischtwarenladen daher kommen. Hier gibt es bei mir gleich vom Start weg 5 Punkte! Glanzpapier und die praktische Fadenheftung runden meinen wertigen Eindruck noch ab.

Worum geht’s und was ist drin?

 Wer köstlich kochen kann, dessen kulinarische DNA wurde frühzeitig gefüttert…..

©Shu Han Lee

Die Autorin ist in Singapur aufgewachsen mit einer Mutter, die schon als 10-Jährige für die Familie gekocht hat und bei der das meiste aus dem eigenen Stall oder vom eigenen Feld kam, denn die Großeltern mütterlicherseits betrieben einen Selbstversorger-Hof. Mutter Lee war in der Küche die uneingeschränkte Herrscherin, bei der jeder Schnitt, jedes Drehen und Wenden ein Teil einer wohl einstudierten Choreographie erschien. Grundsätzlich war es ihr auch lieber in ihrem Reich allein zu bestimmen und sie freute sich mehr darüber, wenn die Kinder ihre Schulaufgaben erledigten oder Klavier übten, da unterschied sie sich nicht von vielen anderen chinesischen Müttern.

Chinesische Küche ist vielfältig, wir kennen sie nur so nicht!

Die Vorfahren von Shu Han Lee’s Familie kommen aus der süd-chinesischen Provinz Fujian, die sich schließlich über das süd-chinesische Meer verbreiteten und deren Nachkommen heute auf den Philippinen, in Singapur, Indonesien, Myanmar, Thailand sowie in der chinesischen Provinz Guangdong und Hongkong anzutreffen sind und sich zur ethnischen Gruppe der Hokkien rechnen.

Als Shu Han das erste Mal durch Londons Chinatown-Bezirk bummelt und sich die Speisekarten der Restaurants anschaut, ist sie erstaunt, sie findet viele Lokale mit kantonesischer Ausrichtung, in denen man zwar lecker Ente essen kann oder zur Abwechslung höllisch-scharfe Gerichte aus der Provinz Sezuan genießt, nur hat das so gar nichts damit zu tun, wie Mutter oder Großmutter gekocht haben.

Rezepte mit maximaler Authentizität, die intelligent modernisiert wurden und in Europa funktionieren!

Die süd-ostasiatische Küche Singapurs, ist zum einen von den „Teochew people“ geprägt, die ebenfalls ihren Ursprung am süd-chinesischen Meer haben, heute aber nicht nur dort leben, sondern in Malaysia, Thailand und Kambodscha eine Heimat gefunden haben. Diese Küche ist vor allem für ihre leichten gedämpften Gerichte bekannt, die auch die Küchen in Thailand, Kambodscha und Singapur nachhaltig geprägt haben. Oft werden traditionelle Rezepte angepasst, indem typische süd-ostasiatische Zutaten ergänzt werden: Beispielsweise kombiniert man Galgant und Gewürze in einem klassisch chinesischen Sojasoßen-Gericht wie z. B. den in Sojasauce geschmorten Teochew-Entenkeulen. In der Version in diesem Buch wird glücklicherweise statt einer ganzen Ente auf Entenkeulen zurückgegriffen, hier zahlt sich das Engagement und die Geschmackserfahrung einer jungen Frau aus, die wie wir einen Job hat, mitten in Europa lebt und schon als Kind mit dem authentischen Geschmack ihrer Heimat programmiert wurde.

Außerdem stoßen wir im Buch häufig auf Pernakan und Nyona- Gerichte. Nyona sind die Frauen der Pernakan-Familien – Nachkommen chinesischer Einwanderer, die in den britischen Kolonial-Gebieten von Singapur, Penang und Malakka (Malaysia) Arbeit gesucht haben und geblieben sind. Die Pernakan-Küche vereint die aromatischen Gewürze und Kräuter der Malaien mit eindeutig chinesischen Zutaten. Babi Assam (in Tamarinde geschmorter Schweinebauch) ist ein typisches pernakanisches Geicht. Es fehlt zwar die knusprige Kruste, aber zum Ausgleich bekommt man ein sehr saftiges und zartes Fleisch. Hier bildet die hervorstechende süße Tamarinde einen perfekten Kontrast zum eher fetten Fleisch.

Shu Han Lee möchte in ihrem schönen Buch genau diese Vielfalt präsentieren, die auch uns viele neue Geschmackseindrücke eröffnet, weil diese Rezepte in Europa so gut wie unbekannt sind und wir chinesische Küche gerne mit kantonesischer oder Sezuan-Küche gleichsetzten.

©Shu Han Lee

Viele Gerichte sind in Thailand, Vietnam und Malaysia recht ähnlich – auch wenn sie unter anderen Namen firmieren – und jedes Rezept hat nachdem es von den süd-chinesischen Einwanderern mitgebracht wurde, sich überall an die nationalen Vorlieben und Zutaten angepasst. Die Autorin hat sich die Mühe gemacht, vor Ort zu recherchieren und in London ihre eigene Version zu kochen. Dabei fällt das Händchen auf, was sie dabei beweist, ein malaiischer Reissalat mit Kräuter der im Original sowas exotisches wie Betelnussblätter und Blüten des Fackel-Ingwers als Zutaten vorsieht wird in weiser Voraussicht des bei uns möglichen modifiziert, das Rezept im Buch kommt mit vietnamesischen Koriander, Minze, Thai-Basilikum und Kaffirlimetten-Blätter aus. Herrlich auch eine Pho mit Frühlinggemüse, bei der auf eine kräftige süßliche Gemüsebrühe gesetzt wird, die nicht nur viel schneller auf den Tisch steht, sondern auch vegan ist.

Was ist drin?

Asiatische Küche = Reis & Nudeln?

Natürlich ist Reis als Rückgrat jeder süd-ostasiatischen Mahlzeit nicht wegzudenken, aber Reis ist nicht gleich Reis, Generationen kreativer Asiaten haben mit zahllosen Abwandlungen von Aromen und Konsistenzen, für große Bandbreite gesorgt, das geht von Kokosreis mit Sambal, gerösteten Sardellen & Erdnüssen (hier statt mit Jasmin- mit Basmatireis), über ein „easy-peasy“ Rezept für schlichten gebratenen Reis, einfach aber auch ungeheuer lecker mit Räucherspeck und Erbsen, bis hin zu verschieden Variationen von Congee, bei der Reis so lange gekocht wird, bis er sich in der Brühe auflöst. Wer wirklich sehen will, was diese Autorin kann, sollte sich auch den Reis im Tontopf mit Wildpilzen gönnen. Aroma entsteht nicht nur durch die Zubereitung im Tontopf, sondern auch durch Zucker, Schmalz, Soja-/Austernsauce und Sesamöl.

Eine gelungene Verbindung, aus den besten Zutaten und versierter kulinarischer Erfahrung!

Wenn Asiaten wirklich mal keine Lust auf Reis haben, bieten sich im schönen Buch Nudeln als kulinarische Allzweck-Waffe an, die es in unterschiedlichen Formen und Ausprägungen (von Glasnudeln, über Eiernudeln bis hin zu Reisnudeln gibt) in der süd-chinesischen Küche gibt. Mir haben die gebratenen Reis-Vermicelli mit Bärlauch und Pilzen & Omelettstreifen sehr gut gefallen. Eigentlich ein berühmtes Resterezept für asiatische Mütter, die sowohl den Kühlschrank leeren wollen, als auch nörgelnde Kinder besänftigen möchten. Die Bärlauch-Note ist hier viel origineller als das Original-Rezept mit Frühlingszwiebeln oder Schnittknoblauch. Ein weiterer Beweis, was geschmacklich alles möglich ist, wenn europäische Zutaten auf versierte kulinarische Erfahrung in einem Länderkochbuch treffen.

Ohne Suppe läuft bei Asiaten gar nichts!

 Eine traditionelle chinesische Mahlzeit besteht aus Reis, 3 Gerichten und einer Suppe. Heute spielt das kaum noch eine Rolle und es wird gerne auch mal nur auf eine Suppe zurückgegriffen. Ohne selbstgemachte Brühe läuft hier natürlich überhaupt nichts.

Die Geburtstagssuppe ist ein Lieblingsrezept der Autorin und auf Tipp der Mutter wird hier eine Brühe aus Schweinefüßen und Hühnerkarkassen gekocht, die wirklich Einsatz fordert. Das Ergebnis ist köstlich, jedoch das Rezept nur für eine Person auszulegen, fand ich unnötig, das funktioniert nur, wenn man die Brühe im Vorrat hat. Das Ergebnis war geschmacklich unglaublich, nachdem ich erst mal meine Scheu vor den Füßen des Borstenviehs überwunden hatte und einen guten Metzger aufgetan hatte. Die scharfe malaiische Hühnersuppe (mit Zimt, Gewürznelken, Sternanis drin) kann mit jeder Menge Flavour punkten.

Auch sonst alles dabei (Fisch, Fleisch, Eier & Tofu, Gemüse und Süßes)

 Die Dorade auf Teochew-Art besticht mit klassischen Aromen (wie Shiitake-Pilzen, salzig eingelegtem Senfkohl und einer gesalzenen Trockenpflaume aus China) und bleibt herrlich saftig durch die Zugabe von Schmalz. Im Gegensatz zum klassischen Rezept wird es bei Shu Han nicht im Dampfgarer, sondern im Backofen („en Papillote“) gegart und damit intelligent und praktisch europäisiert, ohne auf Geschmack zu verzichten. Das Rezept für eine No-Cook-Dorade, ist die asiatische Antwort der Autorin auf ein südamerikanisches Ceviche, hier mit Fischsauce, Limetten, Zucker, Chili und die gebackenen Buttergarnelen mit Kokosraspeln & Curryblättern bekommen zum Glück nicht in der Fritteuse, sondern im Backofen den letzten Schliff, das gefällt mir so auch besser.

In der Rubrik Fleisch reicht die Bandbreite von „kinderleicht“ bis „Klassiker“ und hier wird viel geboten, dass immer wieder erkennen lässt, hier verfügt eine Autorin über die Erfahrung aus beiden Welten und kann deshalb vieles geschmacklich oder technisch optimieren und modernisieren. Bei den karamellisierten Schweinerippchen (aus Vietnam/Kambodscha), lernen wir den Kniff für die ultimative süß-klebrige Sauce, die Hackfleisch-Pfanne wird statt mit indischem Basilikum mit dem besser verfügbarem Thai-Basilikum (Horapa, oder rotstielige Sorte) gewürzt und durch den hinzugefügten Fenchel das Anis-Aroma wunderbar verstärkt. Shu Han Lee’s Version für ein Rendang, das traditionell durch das verwendete Rindfleisch sehr trocken sein kann, überzeugt durch eine saftigere Version aus Ochsenbacken- und Hirschfleisch, dass zudem in unseren Breiten in Bio-Qualität verfügbar ist.

Eier & Tofu als Parameter sind ebenfalls gesetzt und werden u. a. vertreten durch Schwiegersohn-Eier (frittierte harte Eier mit einer herrlichen süß-sauren Sauce),  das Rezept ist einfach, wenn man es richtig macht, ergibt es eine tolle Vereinigung von Aromen, Strukturen und Farben, der Kick ist dabei die Verbindung von perfekt gegarten Eier und Tamarinde. Oder einem  Klassiker aus der Teochew-Küche einem Omelett mit eingelegtem Rettich & Frühlingszwiebeln (aus Singapur), knusprig und goldbraun gebacken und damit ein meilenweiter Unterschied zu einem französischen Omelett, das zudem schnell gemacht ist und mit allem was der Kühlschrank hergibt funktioniert.

Die Gemüse-Sektion hat mich begeistert mit Som Tam mit Kohlrabi (aus Thailand/Laos), in der Kohlrabi einen hervorragender Ersatz für grüne Papaya abgibt und einen eindrucksvollen Beweis dafür liefert, warum dieses Buch so großen Anklang bei „Foodies“ findet, denn beliebig ausgetauscht wird hier nichts und bei den Gemüse-Avocado-Sommerrollen (aus Vietnam) aus der Snack-Abteilung bildet die reife Avocado den gelungenen üppigen Kontrast zum rohem Gemüse.

Bei den süßen Sachen geben sich ebenfalls Klassiker und Moderne gerne die Hand, für die Klassik stehen Kokos-Pandanus-Klebereisbällchen (Malaysia/Singapur, Pernakan), wo Pandanusblätter und nicht raffinierter Palmzucker zum Einsatz kommen, es geht aber in diesem Buch auch herrlich einfach z. B. mit gebackenen Bananen oder Rhabarber-Eis ohne Rühren, das mich total begeistert hat.

Jeder kann kochen, man muss es nur wollen,  – oder was wird hier vorausgesetzt?

Saisonal asiatisch kochen mit den besten Zutaten, die dazu zur Verfügung stehen, das ist hier genauso Programm wie authentische und intelligent modernisierte süd-chinesische Küche. Für diese Autorin,  ist es einfach viel sinnvoller, einen marktfrischen Mangold in Sambal anzubraten, statt im Asia-Markt zum dreifachen Preis Wasserspinat zu kaufen. Es ging Shu Han Lee bei Weitem nicht darum, mit ihrem Buch ein komplett Supermarkt taugliches asiatisches Kochbuch abzuliefern, sondern sie hat für sich und andere in Europa nach einem Stück authentischer kulinarischer Heimat gesucht, die Quellen und Verfügbarkeit berücksichtigt und nicht nur Zutaten beliebig austauscht, sondern etwas Neues bietet, dass häufig sogar sehr viel besser schmeckt und moderner ist als das Original. Dieses Buch holt uns da bei A ab und liefert dafür jede Menge Informationen vom Vorratsschrank über Menüvorschläge bis hin zu Küchenutensilien, Zutaten-Glossar und Einkaufsquellen. Es gibt ein paar einfache Rezepte, die sehr schnell zuzubereiten sind, der Einkauf im Asia-Markt gehört aber genauso dazu wie ein bisschen Erfahrung und Muße, einige Rezepte leben von komplexen Zubereitungsschritten und das ist auch unbedingt gut so! Wer authentische moderne asiatische Küche sucht, die auch in Europa funktioniert und bei der der Geschmack nicht auf der Strecke bleibt, sollte sich das Buch unbedingt anschauen Chicken & Rice ist ein echter Gewinn und hat bei mir sowohl optisch als auch kulinarisch für jede Menge Begeisterung gesorgt.

Herzlichen Dank für die Übersendung eines Rezensionsexemmplars.