Ein Tag in Istanbul

Yelda Yilmaz: Ein Tag in Istanbul
– Rezepte & Geschichten vom Bosporus

Hölker Verlag

Preis: 24,95 €

1001 schöne Ausblicke und jede Menge Leckeres dazu

 Worum geht’s?

 Istanbul, die türkische Mega-Metropole liegt mit ihren rund 10 Millionen Einwohnern sowohl auf der asiatischen als auch auf der europäischen Seite beider Kontinente. Diese Stadt, in der Antike Konstantinopel genannt, kann auf eine dreitausendjährige Historie zurückblicken und ist eine der ältesten noch bestehenden Städte der Welt. Viele in osmanischem Baustil errichtete Gebäude erinnern noch an diese Jahrhunderte währende Geschichte. Aber wie nähert man sich dieser, Stadt, die ebenso ein chaotischer Moloch sein kann und es trotzdem verstanden hat, ihren Zauber und ihre Magie zu bewahren. Wer schon einmal den Bosporus mit dem „Vapur“, der historischen Bosporus-Fähre befahren hat; am besten im April, wenn die Judasbäume blühen und die Hänge am Bosporus rosa leuchten, der lässt mit Freuden und ohne mit der Wimper zu zucken alle Palast- und Moschee-Touren links liegen.

Komm mit ich zeig Dir mein Istanbul!

Länderkochbücher, besonderes italienische Kochbücher laufen wie geschnitten Brot. Kunststück, wer holt sich nicht gerne einen verlängerten Urlaub in die heimischen vier Wände? Verlage und Agenturen reagieren auf diese stetige Nachfrage nach kulinarischer Urlaubslektüre mit Bildbänden und Kochbüchern. Viele Konzepte sind jedoch häufig gähnend langweilig, neben Fotos von Sehenswürdigkeiten und Konserventexten, finden wir die All-Time-Klassiker Rezepte der jeweiligen Region, aber Kreativität und eine persönliche Begegnung bleiben dabei auf der Strecke. Fast könnte man den Eindruck haben, als wenn wir eine klassische Stadt-Tour gebucht haben und mit einem Führer unterwegs sind, der vollkommen unbeteiligt jede Stunde immer wieder dasselbe Programm abspult. Yelda Yilmaz ist ein bemerkenswert anderes Buch gelungen, das uns einen ganz anderen sehr persönlichen Einblick in die vergessene Schönheit Istanbuls gewährt: die Fotos sind poetisch schön und zeigen die türkische Metropole mit ihren Menschen, ihrem Alltag und Gottseidank ohne Folklore-Touch. Die Reise durch dieses Buch ist schön und anrührend zugleich, weil auf jegliches unnötige Beiwerk und Allerwelts-Texte verzichtet wird. Die wenigen Textbeiträge korrespondieren vortrefflich mit den Fotos und können diese besondere Stimmung dieses wunderschönen Buches noch unterstreichen, da hier auf Texte und Gedichte zurückgegriffen wurde, die lebendige Bilder heraufbeschwören können: ich spüre geradezu den Fahrtwind der Fähre wie er mir durchs Haar streicht und ich genieße die Betriebsamkeit der Händler auf dem Bazar und habe fast den Eindruck ich bin mittendrin in diesem Gewimmel.

Yelda Yilmaz war schon früh begeisterte Analogfotografin und studierte Fotografie und Visuelle Kommunikation/Medien an der HfBK in Hamburg. Als freie Fotografin kocht und backt sie am liebsten, trifft neue Menschen, besucht fremde Orte und füllt damit Bücher. 2014 rief sie den Hamburger Food Swap ins Leben, bei dem sich die unterschiedlichsten Menschen treffen, um bei einem gemeinsamen Abendbrot Rezepte und Selbstgemachtes zu probieren und zu tauschen.

Wir kochen für Dich – oder wie wäre es mit einem kulinarischen Ausflug?

 Yelda ist zwar in Deutschland geboren, hatte aber das Glück, ein Teil ihrer Kindheit in der Türkei in der Stadt Zonguldak am Schwarzen Meer zu verbringen. Essen war in ihrer Familie nie ein großes Thema, aber es war immer da, ganz selbstverständlich, ganz unprätentiös, fast so wie atmen, man tut es einfach. Die Familie kam zusammen, um das Leben zu genießen, gemeinsam zu essen und sich um einander zu kümmern.

Alles was sie heute über das Kochen weiß, hat sie von ihrer Mama gelernt, die eine begnadete Köchin ist. Viele der Rezepte in diesem Buch stammen von ihr und mit ihnen verbindet die Autorin glückliche Erinnerungen. Nach monatelangen Recherchen und häufigen Besuchen in Istanbul wurde es Zeit, alles Gesammelte zu kochen und festzuhalten. Yelda Yilmaz und ihre Mama zogen dafür zwei Wochen zusammen, es wurde gekocht, probiert, gelacht und fotografiert. Herausgekommen sind dabei 65 Rezepte die unseren kulinarischen Ausflug nach Istanbul von morgens bis abends köstlich begleiten. Die Fotografin achtet natürlich immer auf Licht und so ist es nicht verwunderlich, dass dies die Kapiteleinteilung bestimmt.

Morgensonne – Mittagshitze – Abenddämmerung – Nachtlichter

 Frühstückslust

In der Morgensonne genießen wir Cay (türkischer Tee) und Simit (Sesamkringel) zum Frühstück. Wer Konfitüre aus getrockneten Feigen oder Orangenmarmeladen dazu möchte, sollte wissen, dass Gelierzucker in der türkischen Küche nicht üblich ist, es wird also sehr süß, wem das zu viel ist, der passt es nach seinem Gusto an, eine türkische Konfitüre ist allerdings sehr flüssig. Spannend ist für mich auch das Rezept für Kaymak, ein Rahm aus Büffelmilch. Sicherlich gibt es diese nicht im Supermarkt um die Ecke, sondern nur online, er lässt sich jedoch auch aus Kuhmilch herstellen, weiß die Autorin zu berichten. Außerdem gibt es ein leckeres Pfannenbrot mit Mohnpaste, Traubensirup, Tahin und Pistazien. Mir haben es jedoch auch die pochierten Eier auf Joghurt (Cilbir) angetan, auch wenn diese ein wenig tricky sein können in der Zubereitung. Wer sich das ersparen will, nimmt mit gekochten Eiern Vorlieb. Außerdem im Angebot: Pide mit Lammgulasch oder Menem (Rührei mit Tomaten und Paprika) und das ein oder andere mehr.

Mittagsimbiss

 Neue Ideen und glücklicherweise auch viele Optionen für Vegetarier

In der Mittagshitze schmecken Karotten-Puffer, die eine Adaption eines Restaurant-Rezepts sind, was Yelda auf ihren Streifzügen durch Istanbul entdeckte und zu einer eigenen Version gemacht hat und das bei weitem nicht das einzige kulinarische Mitbringsel in diesem Buch ist. Mir haben diese besser als das Original mit Zucchini geschmeckt, außerdem mag ich die Abwechslung, um die sich die beiden Köchinnen hier bemühen. Es wird eine Variante eines türkischen Brotsalates  mit Artischocken serviert und auch bei den gefüllten Weinblättern mit einer Füllung aus Barschfilet herrscht keine kulinarische Langeweile. Mit Tintenfischringen mit Tarator-Dip oder gefüllten Miesmuscheln und einem marinierten Oktopus-Salat, ist die Fisch-Fraktion vertreten und zusätzlich gibt es jede Menge Dips, Suppen und Salate, die auch an heißen Tagen nicht zu schwer im Magen liegen, vieles dabei ist vegetarisch, nur für ausgewählte Klassiker wie mit Hackfleisch gefüllte Bulgur-Klöße und das Lahmacun gilt das nicht.

Zum Abendessen, darf es dann auch schon mal deftiger zugehen!

In der Abenddämmerung liegen schmackhafte Kebabs und Manti auf dem Teller und für die Inegöl Köfte werden Familiengeheimnisse gelüftet, ein bisschen Salz mehr braucht es nicht, sagt Yelda, danach erst mal für 15 Minuten ab in den Kühlschrank. Das ist notwendig, damit die Köfte beim Braten nicht zerfallen. Die gefüllten Auberginen überraschen mit einer leichten aromatischen Kräuterfüllung und der herrlich unkomplizierte weiße Bohnentopf ist eine Reminiszenz an die einfache türkische Handwerkermalzeit, wie sie in den Kantinen und kleinen Restaurants geliebt wird. Köfte können auch als vegetarische Version mit Feta punkten und die frittierten Sardellen erinnern Yelda Yilmaz an ihre Kindheit am Schwarzen Meer. Reis-Küchlein mit Hühnchen machen zwar ein wenig Arbeit, sind jedoch nicht nur sättigendend, sondern machen sich auch als Beilage gut. Dabei gilt, wem es um das Tier-Wohl geht, der verwendet natürlich das ganze Huhn und kauft keine Filets, allein schon wegen der aromatischen Brühe die dafür notwendig ist.

Nachtgestalten halten länger durch, wenn es auch mal süß und fettig wird!

 Wenn Ihr Euch fragt, warum es in diesem Buch nachts süß und auch mal fettig zugeht, dann liegt die Antwort fast auf der Hand: Schmalzgebäck ist keine Sünde, wenn wir es nach einer durchtanzten Nacht, gerne auch in einem angesagtem Klub Istanbuls, noch ganz warm und frisch auf dem Weg ins Hotel genießen. Türkische Süßspeisen wie Baklava, in diesem Kochbuch übrigens auch mal mit einem selbstgemachten Teig dafür, Yeldas Mutter verfügt schließlich über einen großen Erfahrungsschatz und Teig kaufen können wir ja auch wenn es mal schneller gehen soll, können auch den müdesten Krieger wieder Leben einhauchen. In diesem Kapitel wurde aber von dem Mutter und Tochter-Gespann sehr drauf geachtet, diesen süßen Sünden ein wenig alltagstauglichere und weniger Kalorien lastige süße Optionen an die Seite zu stellen, es gibt genauso mit Rahm gefüllte Aprikosen und Milchreis aus dem Ofen. Zum Abschluss eines gelungenen Abends darf natürlich auch der türkische Mokka nicht fehlen.

 Fazit – oder für wen ist das was?

 Hier ist ein ebenso authentisches wie zeitgemäßes, kreatives türkisches Kochbuch gelungen! Die Rezepte der Mutter und die kulinarischen Mitbringsel der Tochter, sorgen für Abwechslung auf dem Teller und liefern keinen Einheitsbrei, ohne das wichtige Klassiker vergessen wurden. Dieses Kochbuch geht nicht nur optisch einen neuen Weg, sondern kann auch Vegetarier abholen. Es kennt die Themen, die Kochbuch-Begeisterte im Moment alle interessieren und wartet ebenfalls auch mit Rezepten für eingelegtes Gemüse und fermentierter Hirse auf. Es gibt viele schnelle und einfache Gerichte, was besonders bei den süßen Verführungen unseren Zeitbudgets doch sehr entgegen kommt. Da wo es geschmacklich sinnvoll ist, wird auch mal nicht vor Einsatz zurückgeschreckt, wer das nicht will, der bekommt aber immer eine Alternative angeboten. Es zeigt mit jedem Foto mit jedem Rezept, wie sich die Erfahrung und Lebenswelten von Mutter und Tochter wunderbar befruchten und das macht dieses wunderschöne Buch zur türkischen Küche aus, dass mir ausgesprochen gut gefallen hat, weil es mir eine kreative und moderne Begegnung mit Istanbul und der türkischen Küche eröffnet und nicht nur Standard-Stadt-Führung sein will.

Herzlichen Dank für die Übersendung eines Rezensionsexemplars.

Biberli Cacik

©Laura Edwards

Quelle: Diana Henry: Simple

ars Vivendi Verlag

Preis: 29,90 €

Sehr einfach und ungemein lecker, die Röstaromen der Paprika passen perfekt zur kühlenden Joghurtsauce mit Feta und Dill. Tolle Kombination, ich empfehle bei den Chilis entweder die Menge zu reduzieren oder nicht gerade die höllisch scharfe Thai-Variante zu verwenden. Unsere kamen aus dem türkischen Lädchen.

Es gibt kaum etwas Einfacheres, doch die Kombination aus süßem Fruchtfleisch und pikantem Dressing ist unwiderstehlich. Nehmen Sie gewöhnliche Paprikaschoten, wenn Sie keine türkischen oder Romanopaprika bekommen (obwohl deren Form sehr attraktiv ist).

Zutaten:

8 lange türkische Paprikaschoten oder Romano, falls erhältlich

4EL Olivenöl

Salz und Pfeffer aus der Mühle

4 kleine rote Chilischoten, entkernt

250 g griechischer Joghurt

4EL Buttermilch

2EL natives Olivenöl extra, plus mehr zum Servieren

1 Knoblauchzehe, zerdrückt

3EL grob gehackte Dillspitzen

75 g Feta, zerkrümelt

Zubereitung:

Den Backofen auf 200 °C vorheizen. Die Paprika auf einem Backblech mit dem Olivenöl beträufeln, salzen und pfeffern. Im Ofen 25–30Minuten sehr weich backen. Zur Halbzeit die Chilis unter die Paprikaschoten schieben.

In der Zwischenzeit Joghurt mit Buttermilch, nativem Olivenöl und Knoblauch zu einer zähflüssigen Sauce mischen.

Die Paprika auf einen Servierteller legen. Mit dem Bratensaft begießen. Die Chilis hacken und darüberstreuen. Die Joghurtsauce darauflöffeln, mit Dill und Feta bestreuen. Mit etwas nativem Olivenöl beträufelt servieren.

Türkei Vegetarisch

Türkei Vegetarisch

Orkide Tançgil & Orhan Tançgil/ Katharina Seiser: Türkei Vegetarisch

Christian Brandstätter Verlag

Preis: 34,90 €

„Koch Dich Türkisch“

 Worum geht’s? KochDichTürkisch“ ist der Name des erfolgreichen Blogs und Ladens, den Orkide & Orhan Tançgils zusammen mit Familienmitgliedern und Freunden betreiben, um uns die türkische Küche mit all ihren Köstlichkeiten näher zu bringen. 

Türkisch und vegetarisch werden bislang allerdings selten zusammen in einem Satz erwähnt. Das ist einer der Gründe, warum sich Orkide & Orhan Tançgils mit Leidenschaft und Eifer entschieden haben, zusammen mit der Herausgeberin Katharina Seiser, das schöne Buch „Türkei Vegetarisch“ zu machen. Denn die türkische Küche kennt eine Vielzahl traditioneller vegetarischer Köstlichkeiten.

Außerdem werden Rezepte in der türkischen Küche meist nur an die Töchter weitergeben, mündlich oder durch Zeigen. Aufgeschrieben wird kaum, und wenn, dann ohne Mengen- und Zeitangaben. Viele Rezepte verlassen niemals die Familien, nicht wenige gehen deshalb mit der Zeit verloren. Das Buch soll auch dabei helfen, diese überlieferten Rezepte im nachvollziehbaren Gewand zugänglich zu machen und zu bewahren, vielleicht auch mit der ein oder anderen Variante, die neugierig macht und unsere Gaumen erfreut. 

Was ist drin? Typisch türkische Kreationen für

Meze, die hier nicht nur Vorspeisen sind, sondern Beilagen, Salate, Teigwaren, Gerichte in Olivenöl und auch Hauptspeisen in kleineren Portionen.

Gerichte in Olivenöl, meistens Gemüsegerichte, die schonend gegart werden und entweder kühlschrankkalt als leckere Beilage auf den Tisch kommen oder direkt nach der Zubereitung noch lauwarm konsumiert werden.

Dolma & Sarma, gewickelte oder gefüllte Gemüse, die auf das byzantinische Erbe zurückgehen und in vielfältigen Variationen vorkommen. Die bekanntesten sind wohl gefüllte Auberginen und gewickelte Weinblätter.

Vielfältige Süßspeisen-Kreationen, für die die feine Hofküche des Sultans Pate stand, der wir auch die köstliche Baklava zu verdanken haben.

Teigwaren und Pilaws, wobei Reis in der türkischen Küche, wie in allen arabischen Ländern, nicht nur eine Zutat, sondern ein eigenständiges Gericht ist. Das Wort pilav steht dabei nicht nur für Reis, sondern eher für die Zubereitungsart.

Das Inhaltsverzeichnis ist saisonal (Frühling, Sommer, Herbst, Winter) gegliedert innerhalb dieser Rubriken findet man dann Suppen & Eintöpfe, Meze und Salate, Gerichte in Olivenöl/Dolma & Sarna, Gemüse und andere Hauptgerichte, Teigwaren & Pilaw und Süßes. Abschließend findet sich noch ein Kapitel zu Getränken und ein Register und Glossar.

Das Buch ist eine wahre Schatzkiste mit köstlichen Rezepten der türkischen Küche, die lecker und modern daher kommen und vielfach auch Varianten beinhalten. Ich konnte mich gar nicht sattsehen und sattlesen und habe vieles gefunden, was ich unbedingt nachkochen muss, ganz oben stehen

Bulgur-Salat mit Mangold

Spinat-Salat mit Datteln und Mandeln

Gefüllte Weinblätter mit Sauerkirschen

Rote Bällchen

Brennessel-Börek

Gefüllte Trockengemüse

Pide mit Walnuss-Käse-Füllung

Lauch-Börek aus der Pfanne

Baklava

Knusprige Teigröllchen

Gefüllte Trockenaprikosen

Wer sind die Autoren? Orkide Tançgil lebt seit vielen Jahren gemeinsam mit ihrem Mann das Herzens-Projekt „KochDichTürkisch“. Dafür recherchiert sie liebend gern in alten Rezeptsammlungen ihrer Familie. Für ein schmackhaftes Essen, sagt sie, braucht man nicht viel: frische Zutaten, etwas Inspiration und viel Leidenschaft.

Orhan Tançgil, Kochbuchautor und TV-Koch, ist Experte für die türkische Küche. Und diese ist, so Tançgil, eine wahre kulinarische Schatzkiste. Auf seinem Food Blog „KochDichTürkisch“ erklärt er seit Anfang 2007, wie man typisch türkisch kocht.

Katharina Seiser (Hg.) lebt in Wien und reist, um zu essen. Sie schreibt leidenschaftlich gern Kochbücher und kulinarische Geschichten für Magazine und Tageszeitungen. Sie ist kompromisslos, was guten Geschmack und beste Zutaten betrifft. Seiser ist Herausgeberin der Erfolgsreihe vegetarischer Kochbücher bei Brandstätter (Österreich, Deutschland, Italien) und Autorin des Bestsellers „Immer schon vegan“(2015). 

Was ist besonders? Absolut großartig ist, dass „Türkei Vegetarisch“ nicht nur traditionelle Rezepte präsentiert, die man schon hundertfach in allen möglichen türkischen Kochbüchern gesehen hat. Sondern die Rezepte wurden weiter entwickelt, zeitgemäß interpretiert und warten mit allerlei Finessen auf, wie wir sie uns heute für ein modernes Kochbuch wünschen. Wir wollen überrascht werden geschmacklich und visuell und nicht irgendeinen Abklatsch präsentiert bekommen. Das gelingt den Autoren und der Herausgeberin außerordentlich gut und ist mir bei dem Trend zur türkischen Küche in dieser Vollendung auch selten begegnet.

Die Ausstattung des Buches und vor allem das Layout sind – wie immer im Brandstätter Verlag – mehr als gelungen. Immer wird daran gedacht, sowohl optische Anreize zu schaffen, als auch die Benutzerfreundlichkeit zu erhöhen. So sind Zutaten zum Vollenden (Bestreuen, Garnieren) von Speisen mit einer Blüte gekennzeichnet und spezielle Zutaten, die im Glossar erläutert werden, sind ebenfalls mit einem Symbol gekennzeichnet. Das gefällt, zeigt es doch, mit wieviel Liebe hier auch die Büchermacher im Hintergrund dabei sind!

Fazit: * * * * * Ein sehr schönes und lohnendes türkisches Kochbuch für Liebhaber der türkischen Küche, nicht nur Vegetarier. Ein schönes Geschenk für alle die Spaß an innovativen Rezepten und schön gemachten Büchern haben. Ein tolles türkisches Kochbuch, weil es eben die türkische Küche 2.0 präsentiert, ohne Tradition zu verleugnen.

COOK MAL TÜRKISCH

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Filiz Penzkofer: COOK MAL TÜRKISCH

Verlag: Gräfe und Unzer

Preis: 19,99 €

„Neue Türkische Küche zwischen Fastfood und Fingerfood und Gerichte mit Geschichte“

 Worum geht’s? Wie geht das denn und geht das überhaupt: ein Kochbuch mit türkischen Rezepten, die irgendwo zwischen Berlin und Ankara liegen, gleichzeitig sich überall sonst noch so bedienen, wie es gerade gefällt?

Was ist drin? Ja, das geht sogar wunderbar, hat bisher nur keiner den Mut dazu gehabt, geschweige denn eine Idee, sowas zu machen. Dazu musste erst Filiz Penzkofer kommen, die in ihrem spannenden Buch einen modernen Mix aus Slowfood und Fastfood, Orient und Okzident mit vielen witzigen persönlichen Geschichten rund um Filiz’ türkisch-deutsche Familie, spannende Neuköllner Begegnungen und kulinarische Erlebnisse mit und in der jungen türkischen Küche präsentiert und mich damit total begeistert hat! Da kann es schon mal sein, dass die Spreewaldgurken einen fulminanten Gastauftritt bei den türkischen Köfte hinlegen und man sich fragt, warum man das selbst noch nicht probiert hat.

Die Rezepte von Filiz sind in die Kategorien „Meze“, „Halbmond-Fastfood“, „Istanbul daheim in Deutschland“ und „Paradies und Engelshaar (hier gibt es das süße Seelenfutter)“ eingeordnet und da gibt es so herrliche Sachen, wie

„KETCH-ARAB“ eine leckere feurig, tomatig, orientalisch Soße, die nicht nur Pommes oder Bratwurst glücklich machen, sondern auch ein prima Begleiter für Nudeln sein können.

Einen türkischen „SCHNEEWITTCHENSALAT“, der aus weißen Bohnen, schwarzen Oliven und roten Granatapfelkernen besteht und super lecker aussieht.

„NEUKÖLLN FRIED OKRA“

„KÖFTE mit Spreewaldgürkchen

und den ORIENTAL CHEESECAKE muss ich unbedingt am Wochenende probieren.

Fleischgerichte gibt es eher wenige, aber das entspricht ja sowieso dem Zeitgeist und finde ich auch richtig hier.

Beim Durchblättern sind aber noch viele weitere „gelbe Zettelchen“ ins Buch gewandert, weil es einfach so viele wirklich spannende Kreationen gibt, die mich ungeheuer angemacht haben.

Das fröhliche blau gehaltene orientalische Layout und die tollen Fotos von Thorsten Suedfels haben das Ihrige dazu beigetragen.

Wer ist die Autorin? Filiz Penzkofer – 1985 in München geboren, Mutter Türkin, Vater Deutscher – studierte in Bamberg und Ankara Journalismus, Germanistik und Turkologie. Nach einem Auslandsaufenthalt in Lissabon wohnt sie in Berlin. Seit über zwei Jahren schreibt sie eine wöchentliche Kolumne für den Bayerischen Rundfunk: „Notizbuch kulinarisch“ handelt von Gerichten mit Geschichten bzw. türkischen Speisen, die so kuriose Namen tragen wie „der Imam ist in Ohnmacht gefallen“. 

Als Kind mangelte es ihr an nichts: Ihr Vater bekochte die Familie abends mit der Spitzenküche seiner Kochbuch-Idole und die Mutter lieferte mittags erstklassige türkische Hausmannskost. Möglicherweise ist das eine Erklärung dafür, warum sie in ihren Rezepten beherzt und kreativ und ohne zu viel Respekt Dinge miteinander kombiniert auf die andere nie kommen würden.

Bitte weiter so, mir gefällt das super!

Was ist besonders? Ein tolles schwungvolles Koch- und Lesebuch, das ich gar nicht mehr aus der Hand legen kann, wenn ich nicht gerade begeistert durch die leckeren und sehr spannenden Rezepte blättere und mir überlege, was ich noch unbedingt probieren möchte, bleibe ich bei den lustigen Anekdoten hängen und amüsiere mich köstlich!

Über die Oma die als Maßangabe für die richtige Mehlmenge für einen gelungenen Manti-Teig die Maxime ausgibt „Der Teig muss sich genauso so anfühlen, wie sich dein Ohrläppchen anfühlt!“

Über den „Deutsch-Türkischen Anti-Kapitalismus-Snack“, der sich als Simit-Kringel mit Schokolade entpuppt und vieles mehr.

Ich habe mich vortrefflich unterhalten!

Fazit: * * * * * Ein sehr spannendes Kochbuch, das mit modernen türkisch inspirierten alltagstauglichen Rezepten und sehr unterhaltsamen Geschichten zu glänzen weis. Mir macht das Buch ungeheuer Spaß und ich empfehle es gerne weiter!