Susann Till: Chutneys

Susann Till: Chutneys – Kochen mit kleinen Aromawundern

ZS-Verlag

Preis: 15,99 €

Tuning für den Gaumen – eine Chutney-Queen stellt sich vor……

Wer ist die Autorin?

 – oder einfach mach was neues wagen

Susann Till hatte schon immer einen besonderen Geschmack, die gelernte Couture-Schneiderin hat etwas viel Besseres getan als in Rente zu gehen. Sie machte sich mit einer kleinen Chutney- Manufaktur selbstständig. Susann Till ist 73, wohnt in Stade bei Hamburg und versüßt oder verschärft seit fünf Jahren das Angebot von 200 Feinkostläden. Sie kocht mit Flüchtlingskindern, organisiert Chutney-Verkostungen und –Caterings und sammelt mit Begeisterung Kochbücher. Ihr Credo: Ruhe hat man auf dem Friedhof.

Eine Frau, die in keine Schublade passt

Diese Autorin ist kein  „Großmütterchen“, aus einer Hochglanz-Land-Illustrierten, sondern immer noch eine sehr attraktive Frau, die in keines der gängigen Klischees passt: Großmütter, Fachwerkhöfe, karierte Deckchen auf Marmeladengläsern. Falscher kann man bei ihr nicht liegen. Marmelade kann sie auch, aber lieber kocht sie Chutneys, weil deren Aromen vielschichtiger sind. Und in einem Alter, in dem andere lange den Ruhestand genießen, hat Till ein Unternehmen gegründet. Ein kleines, doch wie soll man es anders nennen, wenn sie von früh bis spät in ihrer Küche vor zwei Riesentöpfen steht und das Früchtemus darin an 200 Läden im ganzen Land ausliefert? Wie sie das in so kurzer Zeit geschafft hat, fragt sich die Köchin selbst noch oft. Klar, ihr Chutney ist gut. Aber ebenso wichtig ist, dass diese Lady Denkverbote strickt ablehnt. Einfach machen lautet ihre Devise!

Einfach sein Lieblings-Chutney finden, dann kommt der Rest ganz von allein

Wenn Susann Till am Herd steht wirkt es improvisiert und zielstrebig zugleich. Sie kombiniert Obst und Gemüse, wie es ihr passt,  hat keine Scheu vor vielen unterschiedlichen Aromen und kocht nach Farben. Wo es passt, erfindet diese Klassiker wie Birnen, Bohnen und Speck einfach neu, bei ihr wird daraus Ravoli mit Birnen Bohnen und Schinken, natürlich mit 4 Esslöffeln von ihrem Birnen-Chutney getunt. Anleitung und Mengenangaben sind für ein Kochbuch unverzichtbar. Doch am liebsten wäre es dieser Autorin, wenn man darauf verzichten könnte. (Hobby-) Köche sollten ihren eigenen Kopf haben, Rezepte ändern, alles kreativ mischen findet sie und ermuntert ihre Leser ausdrücklich dazu.

Was wird serviert?

Los geht es mit 6 köstlich kreativen Chutney Rezepten aus der Stader Küche, die gerade mal 5 Quadratmeter groß ist. Es gibt Birnen-Chutney, Mango-Chutney, Tomaten-Chutney, Papaya-Zitronen-Chutney, Italienisches Chutney und Cashew-Grapefruit-Chutney. Die Zutatenlisten weisen eine beachtliche Menge an unterschiedlichen Aromaträgern auf. Das Rezept für das Papaya-Zitronen-Chutney, das es mir angetan hatte, schlägt Orangen, Zwiebeln, Papayas, süße reife Birnen und Bananen als Zutaten vor, und wird mit Ingwer, Honig, gemahlenen Senfkörnern, Zitronenpfeffer, Kurkuma und Vanillezucker aromatisiert. Auch vor fertigen Pasten und Gewürzmischungen schreckt diese beherzte Dame nicht zurück, gelbe Currypaste und Asiagewürz gehören ebenso dazu wie die Kräuter zum Schluss, bei diesem Rezept in Form von Gold-Oregano, denn Susann Till legt viel Wert auf Farben, wenn sie ihre Chutneys zubereitet. Der Gold-Oregano lässt sich selbstverständlich durch ganz normalen Oregano ersetzten. Das Chutney war klasse und anpassen auf den eigenen Geschmack ist bei der Fülle an Zutaten kein Problem, einfach austauschen oder weglassen, wenn das Chutney mal zu flüssig wird, empfiehlt Frau Till einfach einen Beutel Gelierfix 3:1 unterzurühren.

Wie geht es weiter?

Die Rezepte sind großzügig ausgelegt, das heißt es gibt Chutney für 12, 15, 18 oder 20 Gläser mit einer Füllmenge von 150 g. Diese Köchin produziert in der heimischen Küche mit ihren Helfern sonst 1000 Gläser die Woche, da kleckert frau nicht. Wer sich nicht traut, kann die Rezepte halbieren, weniger macht aber keinen Sinn, dass lässt sich dann kaum noch herunterrechnen. Susann Till liefert deshalb gleich im zweiten Teil des Buches ein paar Ideen für Gerichte, die mit ihrem Chutney zur Kür auflaufen können. Ich gehöre ja auch eher zur Hamster-Fraktion und habe gleich 12 Gläser – wie im Rezept angegeben – produziert, deshalb war ich glücklich damit einen fruchtig-scharfen Glasnudelsalat, und Spinat mit Pinienkernen, der ein wunderbarer Begleiter zu einem gebratenem Lachsfilet war, zu verfeinern. Ein gebackener Spitzkohl auf Kicherbsenragout hat damit ebenfalls ganz wunderbar geschmeckt und stand ziemlich schnell auf dem Tisch, jedoch ging es mir bei diesem Buch in erster Linie um Frau Tills Chutney Rezepte, nachdem ich sie im letzten Jahr einmal in einer Talkshow gesehen hatte und von dieser sehr vitalen älteren Dame schwer begeistert war. Großen Anklang fand bei mir ebenfalls ihre Idee für eine saftige Schokoladen-Torte, die mit Chutney gefüllt wird. Da muss man erst mal darauf kommen, aber diese Lady denkt wirklich immer Cross-Over und besitzt genug Chuzpe, vieles auszuprobieren. Wer sonst in den Tag mit Marmelade startet, erhält von ihr einige Vorschläge wie lecker das auch mit den richtigen Partnern für ihre Chutneys gelingt. Knäckebrot mit dünnen Avocadoscheiben belegen und einen Klacks Papaya-Zitronen-Chutney darauf, das hat auch meinem Mann gut geschmeckt.

Nützliche Tipps und sogar Etiketten gibt es noch on top

Ergänzt wird das ganze durch viele Tipps von Frau Till, was in der Speiskammer sein sollte, wenn man mit ihrem Chutney schnell was leckeres zaubern möchte, einem Saisonkalender, denn nur wirklich reife Früchte sorgen für ein tolles Aroma und dem Tipp, dass vorsichtige Zeitgenossen Gewürze langsam steigern sollten. Ihre Devise dazu lautet, einfach mit der Hälfte der Gewürzmenge beginnen. Sie selbst beginnt zunächst immer mit einer Finger- oder Messerspitze, dann ¼, ½ oder einen ganzen Teelöffel, zum Schluss ist ein Esslöffel ihr Maß. Denn Nachwürzen geht immer, raus nehmen kann man leider nichts und manche Gewürze entwickeln ihre Aromen erst nach geraumer Zeit. Susann Till erklärt wie man Gläser vorbereitet und lehrt uns, dass Chutneys immer in warme Gläser, am besten mit Trichter und Schöpfkelle eingefüllt werden sollten. Zum Schluss kann man mit ihren Vorlagen die Chutney Gläser sehr liebevoll geschenketauglich aufmotzen.

Fazit: Susann Till ist eine beeindruckende Lady, die uns zeigt, was möglich ist, wenn man einfach selber kreativ wird. Ihre Chutneys sind Aromafeuerwerke und deshalb wohl auch so beliebt bei der Kundschaft, sogar die Formel eins wollte schon mit ihrem Kirsch-Chutney das Catering bestücken. Die Herren müssen jetzt leider ohne ihr Chutney im Kreis fahren, die angeforderte Menge ist in Stade nicht regelmäßig zu bekommen, es handelt sich schließlich um ein handgefertigtes Produkt und keine Industrieware und das schmeckt man. Für mich hätten es gerne noch mehr Chutney-Rezepte sein können, dafür hätte ich durchaus  ein paar Verwendungsideen eingetauscht, aber ich verstehe natürlich, dass Frau Till nicht gleich alle ihre Geheim-Rezepte verraten möchte. Mir hat die Chutney-Lehrstunde sehr viel Spaß gemacht!

Herzlichen Dank für die Übersendung als Rezensionsexemplar.

 

 

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Claudia Zaltenbach: Miso

Claudia Zaltenbach: Miso

Rezepte – Kultur – Menschen

Hädecke Verlag

Preis: 29,– €

Miso auf die Bühne!

 Wer ist die Autorin?

 „Seid leidenschaftlich und genießt!“ lautet das Credo von Claudia Zaltenbach, Food- und Reisebloggerin der ersten Stunde, geboren und aufgewachsen im schönen Baden-Baden, lebt sie inzwischen in München. Ihr Blog wird empfohlen von BRIGITTE, Süddeutscher Zeitung, ZEIT und dem Stern. Beim Foodblog Award 2016 wurde er als bester kulinarischer Travelblog ausgezeichnet.

Auf Dinner um Acht (www.dinnerumacht.de) nimmt sie ihre Leser und Leserinnen mit auf eine kulinarische Reise rund um die Welt. Sie liebt die unterschiedlichen Länderküchen, kocht indisch, französisch, orientalisch, deutsch und am allerliebsten „Cross-Over“. Generell gibt es kaum etwas, an dem sie sich nicht versucht, immer auf der Suche nach neuen kulinarischen Aha-Erlebnissen.

Worum geht`s?

 Miso kann was und ist viel mehr als eine schnöde Einheitswürze.

 Miso verbinden viele von uns mit der der leckeren Misosuppe und auch eine Ramen-Suppe kommt ohne diesen herzhaften Geschmacksverstärker als Grundlage nicht aus. Wer jetzt Parallelen zur in den 60igern und 70igern bei uns all gegenwärtigen Maggi-Flasche auf dem Küchentisch zieht, ist dem Umami als fünften Geschmack schon mal auf der Spur. Allerdings handelt es sich bei Miso um ein fermentiertes Produkt, dass mit einer rein industriell erzeugten Einheitswürze wie Maggi nun rein gar nichts zu tun hat, deshalb schlummert in ihm ein ungeheures Potential, was Claudia Zaltenbach beim Genuss einer einfachen Tomatensuppe schier umgehauen hat, so viel würziger, intensiver und vollmundiger kam diese veredelt mit einem Esslöffel braunem Miso am Stand einer Biofach-Messe 2013 in Nürnberg daher, als sie dort auf der Suche nach neuen gesunden Ernährungstrends unterwegs war.

Und was macht diese Wunderwaffe in der Küche aus?

 Misopasten und Misowürzen die Grundlagen vieler Gerichte, die in Asien zum Standard des Küchenrepertoires, gehören sind letztendlich universelle Rezepturen: Miso funktioniert mit Sojabohnen, Fisch oder einer Kombination aus beidem. Die Hauptarbeit übernehmen dabei die Enzyme, z. B. ein Kojipilz, der gern auf poliertem Reis wächst. Während der Fermentation zerlegen dessen Enzyme  so ziemlich alles was ihnen vor die Nase kommt: Proteine, Stärke, Fette und selbst vor der DNA und den Farbpigmenten wird nicht halt gemacht. Dank der Zersetzung, die die Enzyme in Gang bringen werden nicht nur Glutamate freigesetzt, sondern es entsteht eine würzig-vollmundige Paste mit einem Aromaspektrum, das durch nichts nachzuahmen ist und deshalb kann das gute alte Maggi auch nicht im entferntestem mit dieser Jahrtausende alten Wunderwaffe in der japanischen und koreanischen Küche mithalten. Durch die Variation der Zutaten, der Vorwürzungen und die Fermentationsdauer wird dieser Prozess steuerbar und es entstehen unterschiedliche Arten mit ganz eigener Charakteristika. In vielerlei Hinsicht ist Miso für die japanische Küche das, was die Butter für die französische Küche ist oder Olivenöl für die italienische.

Was ist drin?

Dem Miso auf der Spur…..

 Wer sich so heftig wie Claudia Zaltenbach verliebt will natürlich auch alles über seinen Liebling wissen: Im Buch lüftet sie das Geheimnis der Miso-Produktion in Japan und Korea und begeistert mich mit informativen und prägnanten Hintergrundinformationen und führt mich immer tiefer in den Miso-Kosmos hinein. Es geht um die verschiedenen Arten des Miso, da hat sie gleich 9 unterschiedliche Sorten mit ihren unterschiedlichen Geschmacks-Profil unter die Lupe genommen, denn Miso ist nicht gleich Miso, es gibt weißes, rotes, braunes, gelbes und jedes hat sein ureigenes Potenzial, ein Gericht definitiv in den kulinarischen Olymp zu heben. Alle Sorten werden fundiert beschrieben, es gibt zudem am Ende des Buches auch Bezugsquellen und Claudia verweist in ihren Rezepten immer auf Austauschmöglichkeiten, wenn man z.B. das in Japan sehr populäre Shinshu-Miso nicht bekommt.

Nicht nur Fachwissen, sondern eine persönliche sehr unterhaltsame Begegnung mit Miso

Mit jedem Exkurs, den ich lese fühle ich mich richtig abgeholt und gut aufgehoben. Ich bin Miso-Neuling und schätze es sehr, wenn Autoren es verstehen, eine komplizierte Materie strukturiert und nicht zu kompliziert unter einen Hut zu bringen. Da fühle ich mich bei Claudia in guten Händen, weil sie authentisch bleibt und von ihrer Reise in die weite Welt des Miso sehr unterhaltsam berichtet. Die Reise nach Süd-Korea zu einer traditionellen Miso-Herstellerin, die noch ein Miso hat, was sie im Jahr ihrer Hochzeit angesetzt hat, die immerhin schon mehr als dreißig Jahre zurückliegt, erobert gleich mein Herz und zeigt mir, mit wie viel Leidenschaft und Liebe hier jemand über eine Herzensangelegenheit schreiben kann. Als Claudia Zaltenbach beschließt, länger zu bleiben, um noch mehr zu erfahren, kommt am Abend die ganze Verwandtschaft vorbei und will die Deutsche kennenzulernen, die sich so nachhaltig in ihre kulinarische Wunderwaffe verliebt hat. Die Tochter aus den USA übersetzt danach jede Mail, so dass auch die weiteren Fragen von Claudia nicht unbeantwortet bleiben, denn sie hat es sich nicht nehmen lassen, dem Miso so richtig auf den Grund zu gehen. Claudia Zaltenbach hat viel fotografiert, um uns auch visuell in die Welt der Miso-Herstellung zu entführen. Herrlich auch der Kaufrausch, den die Autorin in einem großen Kaufhaus in Tokyo ereilte, eigentlich sollte nur Sake gekauft werden, im Kaufhaus waren die unterschiedlichen Miso-Bottiche aber so verlockend, dass noch weiteres Miso unbedingt mit in den ohnehin bereits vollen Koffer musste. Am Ende ging Claudia sogar  noch mal zurück, auf dem Weg in die Sake-Abteilung und stolperte über Misopulver mit dem sich eine Salat-Sauce so richtig aufmotzen lässt und das man inzwischen auch von einer Manufaktur im Schwarzwald beziehen kann, hat sie bei ihrer Recherche in Deutschland herausgefunden.

Rezepte, die das ungeheure Potenzial von Miso zeigen….

 Weit gefehlt, wenn Ihr jetzt denkt Miso wird in den Rezepten des Buches nur in seiner angestammten Umgebung präsentiert, wie die Klassiker Miso-Suppe oder Ramen-Bowl, die mit Twist a la Claudia aufwarten. Es gibt viele weitere leckere Rezepte für den schnellen Kick mit Miso, Suppen, Salate, für Vegetarier, Fisch und Fleischliebhaber, Streetfood-Fans und Süßschnäbel, die die Kreativität und den Ideenreichtum dieser Köchin eindrucksvoll mit jedem Rezept unter Beweis stellen und verstehen zu überraschen: beeindruckt haben mich Reisflocken mit Orange Curd und Shiro-Miso und die Vier-Bohnen-Suppe mit Speck, Shiro Miso und Koriander, beides war großes Gaumen-Kino für meinen Liebsten und mich! Ebenso herrlich unkompliziert der Rotkohl Slaw mit Honig-Sesam Dressing und Shiro Miso und auch die Pastinaken-Goldrüben-Quiche, zeigt das sie mit Miso noch mal in einer ganz anderen Liga spielen kann. Und wer hätte gedacht, dass selbst regionale Klassiker wie badische Bubenspätzle sich mit Miso so gut verstehen. Auch ein schlichtes Zitronen-Hähnchen profitiert ungeheuer von Claudias Miso-Marinade und die in Rotwein und Miso geschmorte Rinderhüfte erhält durch ein dunkles Aka Miso viel mehr vollmundige Tiefe. Alle Rezepte zeigen die Handschrift einer Geschmackverliebten, die es versteht, mit jede Menge Twist für Spannung zu sorgen, ohne dass dabei zu viel Komplexität entsteht. Wirklich großes Kino, Claudia!

Fazit: Pst nicht Hr. Schubeck verraten!

 Herr Schuhbeck hat seine braune Butter und kann es nicht lassen, vielen Gerichten eine Scheibe Ingwer zur Geschmacksabrundung zu verpassen. Tanja Grandits und Lucki Maurer sind schwer in Miso verliebt und haben jeweils eigene Kreationen beigesteuert, die Ausflüge in die Spitzenküche erlauben und nochmal zeigen, welches ungeheures Potential in Miso und in diesem Buch stecken, was nur gelingt, wenn sich jemand mit seiner ganzen Liebe einer Sache widmet und in der Lage ist, ein Thema mit allen seinen Facetten zu zeigen. Ein Buch für Asienfans, Geschmacksverliebte, neugierige Köche und Köchinnen, die endlich mal was Neues wollen und am Ende auch noch die Möglichkeit erhalten, selbst in die Miso-Produktion einzusteigen, was eigentlich ein komplexes Thema ist. Claudia Zaltenbach ist es gelungen, auch dafür praxistaugliche Anleitungen zu liefern, die mich überzeugen konnten, dass dieses Buch wirklich etwas Besonderes ist, dazu passt auch die wertige und geschmackvolle Ausstattung.

Vielen Dank für die Übersendung eines Rezensionsexemplars.

Gebackenes, plattes Huhn

© Fotos: Kille Enna

Quelle: Kille Enna: Aroma Kochbuch

Prestel Verlag

Preis: 29,95 €

Einfach wunderbar war, genauso haben wir uns ein Brathähnchen immer gewünscht, süß, säuerlich sehr harmonisch aus balanciert, ein wenig rauchig und zum Schluss eine süß Lakritz artige Note durch ein bisschen Thai-Basilikum on top.

Aroma-Mischung # 19: 2 (20 g) Loomi (getrocknete Limette) (S. 278)

5 cm (4 g) Ceylon-Zimtstange

100 g Honig

50 g Butter

160 ml frisch gepresster Limettensaft

7 g (1 TL) fein gehackte Chipotle-Chili in Adobo-Sauce (geräucherte Chili)

Meersalz

1 Handvoll frisches Thai-Basilikum, zum Servieren

Charakter: Leicht rauchig, karamellisiert und voller Süße mit unverwechselbar warmen, tiefen Zitrusnoten.

 Varianten: Die Aroma-Mischung kann man auch für Schweine-, Lamm- und Rindfleisch sowie für Fisch und Meeresfrüchte oder Gemüse verwenden.

Ein schön knuspriges Brathühnchen gelingt nur, wenn die Haut vor der Zubereitung ganz trocken ist. Stellen Sie das Huhn daher möglichst über Nacht unabgedeckt in den Kühlschrank, damit die Haut trocknet. Wenn man das Huhn flach drückt, ist saftiges Fleisch garantiert (auch die Brüste), da der Fleischsaft beim Garprozess gleichmäßig zirkulieren kann. Zudem rutscht die Aroma-Mischung nicht herunter. Die ausgepressten Limetten kann man beim Backen auf oder unter dem Vogel platzieren, was nicht nur noch mehr Geschmack verleiht, sondern auch beim Servieren schön aussieht.

Aroma-Mischung: Die Loomi mit der Hand oder einem schweren Gegenstand aufbrechen. Loomi und Zimt in einer elektrischen Gewürzmühle fein vermahlen und in einen kleinen Topf geben. Honig, Butter, Limettensaft und Chipotle-Chili zufügen, mit Meersalz würzen und die Aroma-Mischung bei hoher Hitze 1 Minute kochen, dann vom Herd nehmen. Haltbarkeit: im Kühlschrank bis zu 10 Tage. Ergibt 240 ml.

Huhn: Das Huhn mit der Brust nach unten auf eine Arbeitsfläche legen und mit einem scharfen Messer oder einer Geflügelschere das Rückgrat einschließlich Hals entfernen. Beides entsorgen. Das Huhn umdrehen und flach drücken. Beide Seiten des Huhns gründlich mit der Aroma-Mischung einreiben. Das Huhn mit der Hautseite nach oben in einen Bräter legen und nach Belieben die ausgepressten Limettenhälften zufügen. 1 Stunde im vorgeheizten Ofen bei 200 °C backen, bis es gar, saftig und knusprig ist. Da die Aroma-Mischung Honig enthält und dieser nach 30 – 40 Minuten beginnt schwarz zu werden, sollte man das Fleisch bei Bedarf locker mit einem Stück Backpapier abdecken. Das Huhn vor dem Servieren 5 –10 Minuten ruhen lassen, dann mit reichlich Thai-Basilikum und dem Bratensaft aus dem Bräter servieren.

Saison: ganzjährig

Hauptgericht für 4 Personen

Fenchel-Fritters

© Fotos: Kille Enna

Quelle: Kille Enna: Aroma Kochbuch

Prestel Verlag

Preis: 29,95 €

Wieder ein Knaller-Rezept, bei so hoch-aromatischen Fritters besteht akute Suchtgefahr!

Aroma-Mischung # 27:

300 g fein gemahlenes Kichererbsenmehl

4 g (2 TL) Schwarzkümmelsaat

3 g (1 ½ TL) Fenchelsaat

3 g (1 ½ TL) Kümmelsaat

2 g (1 TL) Anissaat

300 ml Buttermilch

1,5 l kalt gepresstes, neutrales Raps- oder Erdnussöl, zum Frittieren

Meersalzflocken

Zitronenscheiben, zum Servieren

1 Fenchelknolle (350 g)

Charakter: Feiner Falafel-Touch, knusprig, federleicht mit gerösteten Nussaromen und pikant mit wärmenden Anisanklängen.

Varianten: Die Aroma-Mischung schmeckt auch zu anderem dünn aufgeschnittenem Gemüse, zu Fisch und Meeresfrüchten.

Aroma-Mischung: Kichererbsen-Mehl und alle Saaten in einer breiten, flachen Form mischen. Die Buttermilch in eine andere breite, flache Form gießen. Haltbarkeit: am selben Tag verwenden. Ergibt 300 ml.

Fenchel: Fenchel putzen, die Knolle halbieren und die Hälften von oben nach unten in 1–1,5 cm breite Streifen schneiden. Im Kichererbsen-Mehl wenden, bis sie vollkommen bemehlt sind, und über schüssiges Mehl abschütteln. Dann in die Buttermilch legen. Mit einer Zange herausheben und das Ganze wiederholen (Mehl / Buttermilch /Mehl / Buttermilch / Mehl), bis der Fenchel rundum bedeckt ist. Den panierten Fenchel bis zur Verwendung auf einem Stück Backpapier beiseitelegen.

Das Rapsöl in einem Wok auf 180 °C erhitzen und die Fenchelstücke darin portionsweise 3 – 5 Minuten goldbraun und knusprig frittieren. Auf einem Kuchengitter abtropfen lassen, mit Meersalz würzen und schön heiß mit Zitronenscheiben servieren. Bleibt das Öl beim Frittieren unter 200 °C, kann es mehrmals wiederverwertet werden. Das Öl leicht abkühlen lassen und durch einen Kaffeefilter oder ein feines Sieb abseihen. Bis zur nächsten Verwendung in einem sauberen, sterilisierten Schraubglas an einem kühlen trockenen Ort lagern.

Saison: Juni – Oktober

Snack für 2 Personen

Sommer-Kartoffel-Püree

© Fotos: Kille Enna

Quelle: Kille Enna: Aroma Kochbuch

Prestel Verlag

Preis: 29,95 €

Püree geht bei mir immer, mein Mann konnte sich bislang dafür nur mäßig erwärmen. Er meint, dass wir ja aus dem Brei alter raus sind, stimmt Schatz! Diesmal hat er aber auch noch den letzten Rest aus dem Topf gekratzt. Auf die Tipps der Köchin zum ultmativ fluffigen Pü

1 kg mehlig kochende Kartoffeln

Ich bin eine regelrechte Kartoffelpüree Fetischistin und habe daher keine Skrupel, neue Kartoffeln aus dem Garten, die ich im August geerntet habe, zu Brei zu verarbeiten. Als Topping sind im Sommer Pfirsiche und Aprikosen interessant. Im Winter ersetze ich diese durch reife Äpfel und Birnen. Ebenso kann man Basilikum durch Petersilie, Salbei oder Zitronenthymian austauschen. Anstelle von Safran lässt sich frisch geriebene Kurkumawurzel verwenden, und das nicht nur wegen der schönen gelben Farbe, sondern auch, weil der Geschmack ausgezeichnet zu den übrigen Zutaten passt. Wenn man Kartoffelpüree als Beilage serviert, ist ein Topping nicht unbedingt nötig.

Charakter: Warm, mild, cremig, vollmundig, feminin und delikat mit dezenten Pistazien- und Anisnoten.

Varianten: Verwenden Sie die Aroma-Mischung auch zu Wurzelgemüse und Nudelgerichten oder als cremige Sauce zu Fisch und Meeresfrüchten, Geflügel, Fleisch und Gemüse.

 Aroma-Mischung #  11: 1,5g (1 ½TL) Fenchelsaat

120g Butter 100ml

(7 EL) Vollmilch 80 g

(5 EL) Sahne

1 Prise Safranfäden

25g (3 EL) fein gehackte Pistazienkerne, und noch etwas mehr zum Servieren

10g (2 EL) fein gehackte Basilikumblätter, und noch etwas mehr zum Servieren

25g (5 TL) grobes Meersalz (für die Kartoffeln)

2 reife Pfirsiche, in Spalten geschnitten, zum Servieren

Aroma-Mischung: Eine kleine Pfanne erhitzen und die Fenchelsaat darin 5–15 Sekunden rösten, bis sie herrlich duftet und etwas Farbe angenommen hat. Sofort in eine elektrische Gewürzmühle oder einen Mörser geben und zu einem feinen Pulver vermahlen. Mit Butter, Milch, Sahne und Safran in einen kleinen Topf geben, zum Kochen bringen und vom Herd nehmen, sobald die Butter geschmolzen ist. Pistazien (25g / 3EL) und Basilikumblätter (10g / 2EL) unterrühren. Warm halten. Haltbarkeit: sofort und noch heiß verwenden. Ergibt 300ml.

Kartoffeln: Die Kartoffeln schälen und in einem großen Topf mit Wasser bedecken. Meersalz zufügen und zum Kochen bringen. Die Kartoffeln zugedeckt für 15 – 25 Minuten simmern lassen, bis sie so weich sind, dass ein scharfes Messer problemlos hindurchgleiten kann. Die Kartoffeln nicht übergaren. Abgießen, wieder in den Topf geben und erneut erhitzen. 1– 2 Minuten unter Rühren oder Schwenken der Pfanne den letzten Rest Wasser ausdampfen lassen und die Kartoffeln durch eine Kartoffelpresse oder eine Passiermühle pressen. Die heiße Aroma-Mischung (bis auf 4 – 6 Esslöffel, die beim Servieren über das Püree gegossen werden) zu den Kartoffeln geben und mit einem Holzlöffel unterrühren, bis eine cremige Konsistenz erreicht ist (es ist kein zusätzliches Meersalz nötig). Das Kartoffelpüree mit Pfirsichstücken, fein gehackten Pistazien, Basilikumblättern und ein wenig von der restlichen Aroma-Mischung servieren.

Wissenswertes über Kartoffel-Püree: Viele Wege führen zu einemmärchenhaft luftigen, cremigen Kartoffelpüree. Das Geheimnis liegt allerdings darin, das Püree möglichst wenig zu bearbeiten. Je weniger Umdrehungen, desto „fluffiger“ das Püree, da es durch die in den Kartoffeln enthaltene Stärke bei zu viel Rühren eine schwere und manchmal kleister- oder gummiartige Konsistenz annimmt. Am luftigsten wird das Püree, wenn man die gekochten und abgedampften Kartoffeln durch eine Kartoffelpresse oder eine Passiermühle (Flotte Lotte) drückt. Heraus kommen dabei wunderhübsche, spaghettiartige Fäden, und wenn Sie diese nur kurz mit bereits erhitzter Mischung aus Butter, Milch und Sahne verrühren, kommen Sie ihrem Traum-Kartoffelpüree näher, als Sie glauben. Wird die Mischung kalt zugefügt, reduziert sich die Temperatur der Kartoffeln und man muss mehr rühren. Seit 15 Jahren koche ich meine Kartoffeln immer mit reichlich grobem Meersalz und salze später nicht mehr nach. Das Kochen macht den natürlichen Geschmack des Salzes runder und milder, und zudem sorgt das Salz dafür, dass die Kartoffeln nicht zu viel Wasser aufnehmen und zerfallen. Ich schneide die Kartoffeln immer in so große Stücke wie möglich oder lasse sie ganz. Würfelt man sie zu klein, sind sie zwar schneller gar, sie nehmen aber durch die größere Oberfläche auch mehr Wasser auf.

Saison: ganzjährig Vorspeise oder Beilage für 4 Personen

Kille Enna: Aroma Kochbuch

Kille Enna: Aroma Kochbuch

Prestel Verlag

Preis: 29,95 €

Aroma-Booster für Genießer, die es auch gerne praktisch haben!

Das „Aroma-Kochbuch“ ist Kille Enna`s insgesamt 10. Kochbuch und sie verfolgt damit ein ganz neues Konzept: Es ist der Versuch, mit Hilfe von Aroma-Mischungen in der Küche neue sinnliche Momente zu schaffen. Gut jetzt werden viele von Euch wahrscheinlich hellhörig und manch einer mag einwenden, dass viele große Lebensmittel-Konzerne mit ihren Fix-Mischungen dies auch schon tun. Grundsätzlich ist das Ziel ähnlich, es soll am Ende schnell funktionieren und lecker schmecken und jede Mischung sollte auch noch das Potenzial haben auch mit anderen Partnern glücklich zu werden und trotzdem ist es bei Kille Enna viel, viel besser!

Was ist drin?

Die 50 vorgestellten Aroma-Mischungen – Kombinationen aus Gewürzen, Kräutern und anderen Beigaben – können vielfältig kombiniert werden und laden zu neuen Experimenten ein. Dieses Buch zeigt, wie zeitlos und dennoch neu Kochen und Essen zelebriert werden kann und kommt nicht als klassische Rezeptsammlung daher, sondern ist ein ganz neues reduziertes Koch-Konzept, dass sich dem saisonalen Genuss verpflichtet fühlt.

Fix geht auch köstlich, vorher ist aber auch Einsatz gefragt!

Was die Dänin von den Kollegen aus der Fix-Branche unterscheidet, ist eine völlig andere Herangehensweise und vor allem ein ganz anderes Verständnis davon, was eine Aroma-Mischung eigentlich ist: Bei ihr werden nicht nur ein paar Gewürze kombiniert, sondern ihr Begriff von Mischung ist sehr viel weiter gefasst: diese enthalten unterschiedlich Texturen, Nuancen, Duft- u. Geschmacksnoten. Einige Mischungen kommen als saftige Pasten daher, die z. B. aus frischem Ingwer, Knoblauch und Kurkuma bestehen, andere sind trockene Mischungen aus frisch gemahlenen Gewürzen. Wieder andere sind eine Kombination aus saisongerecht geernteten Früchten, Kräutern, Blüten und Gemüsesorten. Ihre Aroma-Konzepte können roh oder gekocht, grob gehackt oder püriert sein. Für manche werden alle Zutaten einfach in einer Schüssel vermengt, in anderen müssen die Komponenten zunächst gehackt, gerieben oder trocken geröstet werden. Und manchmal kommt es auch vor, dass alle Zutaten in einem Topf gegart werden.

Saisonal, frisch und hocharomatisch das geht auch zusammen!

Die Aroma-Mischungen folgen immer dem Verlauf der Saison und schmecken frisch, säuerlich und hocharomatisch, aber dennoch ausgewogen. Säuerliche Anteile stammen nicht nur von reifem Obst & Gemüse, sondern auch von abgetropftem Joghurt und getrockneten Beeren. Bisweilen werden auch verschiedene getrocknete Blüten hinzugefügt, die der Mischung eine überraschend feminine Note verleihen. Darüber hinaus gibt es Mischungen, die die Aromen ferner Länder im Gepäck haben, Killie hat viele Kontinente bereist und in vielen Ländern gekocht, bis sie in Südschweden sesshaft geworden ist.

Die Idee hinter der Mischung, sorgt für persönliche Freiheiten ganz nach Gusto!

 Bei jedem Rezept ist es dieser Köchin wichtig, dass wir ihre Idee hinter der jeweiligen Mischung kennen, deshalb beschreibt sie diese geschmacklich unter der der Rubrik „Charakter“, so ist gleich von Start weg klar, was uns erwarten kann, wenn wir sie mit einer anderen als der angegeben Zutat kombinieren, dazu ist übrigens auch die den Rezepten vorangestellte Übersicht auf den Seiten 24 – 25 hilfreich und bietet viele Möglichkeiten die Ideen von Kille Enna ganz nach persönlichem Gusto einzusetzen.

Braten oder backen – hier ist nichts in Stein gemeißelt!

Wenn man eine Aroma-Mischung zubereitet hat, bekommt man automatisch Lust, sie auch mit anderen Dingen zu kombinieren. Ein Großteil der Mischungen ist deshalb so angelegt, dass sie sowohl in der Pfanne als auch im Backofen gleichermaßen verwendet werden können. Die Aroma-Mischung # 4, die im Buch als Salat-Dressing verwendet wird (Knackiger, bitterer Chicorée-Salat, S. 40) könnte z. B. auch zum Karamellisieren von Karotten in einer Pfanne zum Einsatz kommen. Und bei der Mischung # 19, die auf ein Huhn gestrichen und gebacken wird, haben wir festgestellt, dass sie uns auch ganz wunderbar zu klein geschnittenem gebratenen Hühner-, Lammfleisch oder Fisch schmeckt.

Und wenn was über bleibt?

 Wenn von einer Mischung mal gleich nicht alles verbraucht wird, ist es natürlich sehr praktisch zu erfahren, wie lange wir diese maximal aufheben können, um noch leckere andere Zutaten damit zu beglücken, deshalb finden wir am Ende der Beschreibung jeder Mischung, die Angabe, wie lange wir damit Spaß haben können oder ob wir möglicherweise alles schnell verwerten sollten. Kille ist aufgrund eigener Erfahrungen keine große Freundin davon, etwas nur für den Vorrat zu produzieren. Ihr völlig neues Konzept zielt deshalb darauf ab, Bestes mit Bestem zu kombinieren und zwar immer dann wenn es gerade Saison hat, das ist der Idee zu diesem Buch voraus gegangen.

Wer ist die Autorin?

 Die in Dänemark geborene Kille Enna ist ausgebildete Köchin und arbeitet als Kochbuchautorin und Fotografin. In ihrer 25jährigen Berufspraxis machte sie sich für ihren nachhaltigen Ansatz und ihren Aromaschwerpunkt beim Kochen einen Namen. Zu ihren größten Erfolgen zählt das Kochbuch Unser Essen – natürlich! für IKEA, das in 19 Sprachen übersetzt wurde. Enna lebt und arbeitet in Südschweden, wo sie ihr Aroma-Atelier betreibt.

Praxis-Test:

 Drei Rezepte haben den Anfang gemacht: Gebackenes, plattes Huhn, endlich ein Brathuhn, wie wir es uns immer gewünscht haben, hoch aromatische Fenchel-Fritters und ein genial gutes Sommer-Kartoffel-Püree, dass mit dezenten Pistazien- und Anisnoten auch meinen Mann, als Kartoffel-Püree Gegner, auf seine Seite gezogen hat. Ich denke, es lag daran, dass die proportional hohe Menge an Butter für ihn den Unterschied gemacht hat. Allerdings habe ich auch mehr Milch als im Rezept angegeben verwendet. Dass aber der Pfirsich eine so gute Begleitung zum Püree sein würde, hat mich erstaunt, ich werde mir diese Erfahrung zu nutzen machen und ein bisschen weiter experimentieren. Sehr angetan waren wir auch von den glasierten Karotten, die durch die getrockneten Limette in der Mischung eine säuerlich bitter elegante Note hatten, dem geräucherten karamellisiertem Kürbis, der gebratenen marinierten Entenbrust, den glasierten Lamm-Fleischbällchen und der saftig geschmorten Rinderbrust, deren Aroma-Profil, der klassischen Vorlage (Tafelspitz), das Fürchten lehrt. Der arabisch-anmutende Tomaten-Salat hat Sucht-Potential, im Moment mögen wir den nur noch so. Neben vielem anderen steht definitiv auch die Fruchtsalami de luxe noch auf unserer Nachkoch-Liste. Die Zutaten, bzw. Die Gewürze hatte ich alle im Gewürzschrank, der ist bei uns gut sortiert, wer im gut sortierten Supermarkt oder im arabischen Lädchen nicht fündig wird, wird keine Probleme haben, diese online zu bestellen, mit Ausnahme der getrockneten Zimtblätter, da wird es auch online schwierig. Enna liebt getrocknete persische Limetten (Loomi) und grüne Minze und ersetzt Pfeffer gerne mit Chiliflocken.

Fazit: Ich liebe dieses Buch! Warum erkläre ich Euch gerne, es liefert wirklich ein völlig neues sehr praxistaugliches Konzept für jede Menge mehr Aroma im Kochtopf. Mit Fix-Mischungen im klassischen Sinn hat das nichts mehr zu tun, sondern es geht um Aroma-Booster für Genießer. Ein weiterer sehr großer Pluspunkt dieses schönen sehr inspirierenden Kochbuchs ist, dass sich diese Autorin viele Gedanken gemacht hat, das Thema auch von der effizienten Seite zu betrachten und jede Mischung auch nach eigenem Gusto verwendet werden kann. Hilfreich dazu die Rezept-Varianten und die nützliche Übersicht über die Anwendungsmöglichkeiten der Aroma-Mischungen in Tabellenform zu Beginn des Buches. Das perfekte Kochbuch für Gerne-Kocher mit Aroma-Faible, die gerne mal was Neues ausprobieren, hier können auch Profis noch jede Menge neue Erfahrungen machen.

Vielen Dank für die Übersendung als Rezensionsexemplar.

Lior Lev Sercarz: Gewürze

Lior Lev Sercarz: Gewürze
Auswählen Kombinieren Schmecken

Fotos: Thomas Schauer

DVA

Preis: 29,95 €

Gewürze total – oder ein Besuch beim Spice-Whisperer!

Worum geht’s?

Gewürzmischungen sind wieder in aller Munde und Spitzenköche finden oft mit der Herstellung dieser ihre zweite Berufung. So ging es auch Lior Lev Sercarz, aufgewachsen im Norden Israels in einem Kibuz, kann er sich an eine Kindheit erinnern, die auf der einen Seite durch die fad gewürzten Speisen der osteuropäischen Gründer geprägt war und auf der anderen Seite hatte diese Zeit in Galilää auch viele Vorteile: Der Kibuz war von der Natur umgeben, der Fluss Dan, der in den Jordan mündet, brachte Schwärme von Regenbogen-Forellen, die mit wilden Kräutern gefüllt und gegrillt wurden. Alle Kinder des Kibuz gingen auf ausgedehnte Streifzüge in der Natur und füllten ihre Taschen mit allem, was es gab, vor allem weil ihnen stets bewusst war, welches Abendbrot zu Hause zu erwarten war. In den 70iger und 80iger Jahren ging es in Israel nicht um kulinarische Raffinesse, sondern schlichtweg ums Überleben, da duften es auch schon mal die Dosen-Ravioli sein, wenn nicht am Feiertag „Gefilte Fisch“ und anderes auf dem Tisch stand. Als Lior sieben Jahre alt war, zog die Familie nach Belgien, weil der Vater dort Arbeit gefunden hatte und vor allem Liors Mutter hat dort ihre Liebe zum Kochen wieder entdeckt und begeisterte sich für exotische Zutaten und Meeresfrüchte, die damals aus religiösen Gründen in Israel kaum zu bekommen waren.

 Wer ist der Autor?

 

 Der Gewürzexperte Lior Lev Sercarz, ausgebildet am Paul Bocuse-Institut in Lyon, ist Inhaber des New Yorker Gewürzshops „La Boite“. Mit seinen kreativen Gewürzmischungen beliefert er weltweit Top-Restaurants.

Was ist drin?

Gewürzphilosophie oder das gelungene Zusammenspiel von Säure, Salzigkeit und Schärfe

 Bei Lior stehen die Gewürze im Vordergrund, für ihn sind die Gewürze genauso wichtig, wie die Hauptzutat. Statt ein Lammkarree zu kaufen und sich dann zu überlegen, was wir daraus leckeres kochen können, empfiehlt er einen anderen Weg, einfach die Gewürze verwenden, die wir sowieso schon im Küchenschrank haben und kreativ werden. Für ihn sollte jedes Gericht über mindestens drei Geschmacksqualitäten verfügen: Säure, Salzigkeit und Schärfe, wie wir das erreichen bleibt uns allein überlassen, für das Lammkarree wäre Aleppo-Chili oder Koriandersamen eine wunderbare Option meint er.

Gewürzmischungen können  das Leben einfach machen

Die wenigstens Profi – oder Hobbyköche haben die Zeit oder Geduld aus den einzelnen Gewürzen eigene Mischungen herzustellen. Meist werden nur einige wenige Gewürze benutzt bzw. dem Gericht beigegeben und vor dem Servieren wieder herausgefischt. Ganze Gewürze sind gemahlenen zur Herstellung einer Gewürzmischung vorzuziehen, weil sie viel aromatischer sind. Lior Lev Sercarz  meint, es gibt viele gute Gründe, eigene Gewürzmischungen zu kreieren: Eine mit Bedacht zusammengestellte Mischung ist die Summe vieler guter Gewürze mit einem einzigartigem Geschmacksprofil und wäre somit bildlich gesprochen die Champignons-League.

Meine Motivation für dieses Buch

 Natürlich ist es OK, sich da im Supermarkt bei den fertigen Mischungen zu bedienen, für mich aber viel zu langweilig. Außerdem kaufe ich eigentlich keine gemahlenen Gewürze mehr. Ich probiere gerne was Neues aus und finde es praktischer nicht gemahlene Gewürze zu kaufen, die sind nahezu endlos haltbar. Eine ausgemusterte Kaffeemaschine meiner Schwiegermutter ist eine prima Alternative zum Mörser, der mir oft zu anstrengend ist. Ich war also sehr gespannt auf dieses Buch und wollte unbedingt einen Blick reinwerfen, denn ich liebe spannende Gewürzmischungen in der Küche.

Eine Bibel, die auch Exoten mag, oder Kompendium und Inspiration zugleich!

100 Gewürze-Steckbriefe tummeln sich im Buch, alphabetisch aufgeführt, von A wie Ajowan bis Z wie Zitwerwurzel, übrigens eine Kurkuma-Art. Doch auch die alten Bekannten wie Bohnenkraut, Chili, Kreuzkümmel, Kardamom oder Koriander sind in diesem umfassenden Kompendium dabei. Jedem Gewürz werden ganze zwei Seiten gewidmet, Illustrationen und Fotos der getrockneten und frischen Kräuter ergänzen die Daten. Geschmack & Aroma, Herkunft, Erntesaison, die verwendbaren Bestandteile, viel Wissenswertes wie Würztipps, Harmonie-Partner, und jeweils kurze Rezeptideen des New Yorker Gewürz-Papstes runden das Bild ab. Abgeschlossen wird jedes wirklich sehr umfassendes Profil mit einer ganzen eigenen Gewürz-Kreation von Lior Lev Sercarz. Das ist nicht nur sehr praktisch, sondern lässt verschiedene Einsatzmöglichkeiten zu: Entweder mal kurz was nachschlagen, denn wer kennt schon Zitwerwurzel, ich vorher jedenfalls nicht und mein Gewürzschrank ist wirklich nicht klein, oder gleich den geschulten Geschmackssinn des Profis und Kochs nutzen und eine Gewürzmischung herstellen, beides ist möglich. Bei Gewürzmischungen verfolgt dieser Koch den gleichen Ansatz wie beim Kochen: Je einfacher, desto besser und sich im Vorfeld bewusst machen, was Ihr erreichen wollt, das sind die wesentlichen seiner Kriterien, die man beachten sollte. Durch diese zwei- bzw. mehrgleisige Herangehensweise ist diese Gewürzbibel für Anfänger als auch Profis gleichermaßen gut geeignet, sie wächst quasi mit. Wer sich sicher ist, kann nach Herzenslust probieren, da es beim Würzen aber sehr schnell zu viel sein kann und das sind manchmal nur Nuancen, sind die weniger mutigen Köche mit der Mischung vom Chef auf der sicheren Seite.

Gut zu wissen?

Folgt Ihr dem Koch in sein Gewürzlabor solltet Ihr jedoch wissen, dass er keine halben Sachen macht und mit Leidenschaft dabei ist und deshalb auf eine sehr gute Produkt-Qualität bei den verwendeten Gewürzen und Kräutern achtet. Jede Gewürzmischung enthält zwischen 3 und 5 Komponenten, dabei fast immer auch eine Komponente mit getrockneten Kräutern, die man meistens im Sommer sowieso im Garten hat. Voraussetzung ist entweder ein gut gefüllter Gewürzschrank oder die Bereitschaft diesen auch für den ultimativen Würz-Kick zu erweitern, z. B. mit Paprikaflocken „Aleppo“, Granatapfelpulver, Kubebenpfeffer, gemahlenen Galgant, Selleriesaat und vielem mehr. Erst im Zweiten – wesentlich kürzeren Teil – wendet sich der Autor auf 3 Seiten den bekannten Gewürzmischungen (er nennt sie Klassiker) wie z. B. Garam Masala zu.

Intelligente Resteverwertung bei der noch was Neues herauskommt!

In der Zeit, die Ihr benötigt, um gute getrocknete Kräuter zu kaufen, könnt Ihr sie genauso gut selbst zu Hause trocknen – und dabei noch Geld sparen. Das Trocknen schenkt Kräutern, die man sonst vielleicht wegwerfen müsste, ein neues Leben. Sowohl dem Bund Dill, der schon zu lange im Kühlschrank liegt, als auch dem Rosmarin, der den Garten schier überwuchert, gefällt das gut. Übrig gebliebene Zitronenschalen – von sauberen, ungewachsten Früchten oder unbehandelten Bio-Zitronen – kann man prima an der Luft trocknen und dann entweder im Ganzen oder gemahlen in ein luftdichtes Behältnis füllen. Bei manchen Gewürzen lohnt sich jedoch der Aufwand nicht; da ist es besser, sie fertig getrocknet zu kaufen, dazu zählt der Autor Knoblauch, Galgant, Kurkuma, Ingwer und Lavendel, die müsst Ihr Euch also in online besorgen.

Praxistest:

 Mein Lieblingsrezept bis jetzt ist eine wirklich sehr einfache aber auch sehr aromatische Gewürzmischung bestehend aus gemahlen Wacholderbeeren, grünen Kardamomkapseln, geröstet und gemahlen und grobem Salz, die eine perfekte Mischung für eine Graved-Lachs-Variante darstellt. Außerdem habe ich ein Garam Masala selbst zubereitet. Mein Gewürzlieferant in Frankfurt ist das wieder eröffnete Gewürzhaus Alsbach, wo praktischerweise Kleinst-Mengen an Gewürzen und getrockneten Kräuter verkauft werden, also ideale Startbedingungen, um den Ideen des Autors zu folgen. Wer das nicht hat, wird das Buch vielleicht eher als Nachschlagewerk nutzen, oder muss für Platz im Gewürzschrank sorgen.  Frankfurtern, die die Institution Alsbach nicht kennen, empfehle ich, in dem neuen Laden einfach mal vorbeizuschauen, es lohnt sich Lior hätte seine Freude am kompetenten Fachpersonal und den moderaten Preisen, da ist man von Spitzenköchen als Gewürzhändler etwas ganz anderes gewohnt.

Fazit: Für wen ist das?

Bei diesem Buch wurde eine Fülle an Material zusammengetragen und auch exotischere Gewürze wie Zitwerwurzel und Ajowan werden nicht ausgeklammert, optisch ist es sowieso ein echtes Schätzchen und kann mit geschmackvollen Illustrationen und wertiger Ausstattung punkten. Natürlich kann man es nur als Kompendium nutzen, dass wäre aber schade, denn die ausgewogenen Mischungen des Gewürz-Gurus würden unter den Tisch fallen. Dazu muss man sich aber ein wenig ausstatten und das eine oder andere online bestellen oder selber trocknen. Darin sehe ich Potenzial und die Möglichkeit, den Überschuss an Kräutern aus dem Garten lecker und kreativ für Würzmischungen einzusetzen, die man sonst nur für teures Geld bei einem Spitzenkoch kaufen würde. Ein tolles Buch für diejenigen, die mehr als nur klassische Gewürz-Kreationen suchen, gerne ein wenig puzzeln und bereit sind, ihren Gewürzschrank um einiges zu er weitern. Mir hat das Buch gut gefallen und es hat Spaß gemacht Neues zu entdecken.