Comfort-Food

„Little Italy“ – Feeling von Brooklyn direkt in unsere Küche

 Russel Norman: Comfort-Food oder gute Laune Küche aus New York

Fotos: Jenny Zarins

Prestel Verlag

Preis: 32,– €

 Worum geht’s? – oder Liebe auf den zweiten Blick!

 Comfort-Food oder gute Laune Küche aus New York. Seid Ihr jetzt genauso irritiert wie ich und wollt Euch schon abwenden? Nicht schon wieder irgend so ein importierter Pseudo-Trend, der uns als der letzte Schrei verkauft werden soll. So ähnlich ging es mir bei der Ankündigung zu diesem schönen Buch. Schnell weiter blättern, brauche ich nicht, dachte ich mir, als ich das erste Mal in der Verlagsvorschau über das neue Buch von Russell Norman gestolpert bin. Ich bin heilfroh über den Tipp einer lieben Blogger-Kollegin, deren Urteil mir viel bedeutet, da sie es schon einige Jahre länger als ich regelmäßig mit Kochbüchern gemütlich macht und tolle authentische Rezensionen verfasst. Liebe Susanne, ich danke Dir, ohne Dich wäre dieses Schätzchen mir glatt durch die Lappen gegangen. Und da hätte ich mich sowas von geärgert, weil ich mich sofort in das Buch verliebt habe als es bei mir einzog. Der englische Originaltitel „Spuntino“ (Imbiss) gefällt mir aber deutlich besser, weil dieser für mich einfach besser passt.

Wer ist der Autor?

 

 Russell Norman ist eigentlich Lehrer für englische Literatur, der über das Jobben in der Gastronomie am Wochenende zum leidenschaftlichen Restaurant-Macher wurde. In den letzten 20 Jahren hat er in vielen berühmten Restaurants in London als Kellner, als Barmann, als Manager oder als Geschäftsführer gearbeitet. 2009 gründete er mit seinem besten Freund eine Gastronomiefirma und hat seither acht Restaurants in London eröffnet, darunter Polpo (Venezianische Küche), „Spuntino“ (Italo-amerikanische Küche) und Mashkin’s (Jüdische Küche). Außerdem hat dieser Mann bereits ein vielbeachtetes Werk zur venezianischen Küche veröffentlicht. Noch bin ich dennoch ein wenig skeptisch, wegen der stattlichen Anzahl an unterschiedlicher kulinarischer Expertise, die wir ja immer von einem Kochbuch erwarten. Nicht immer ist der Tausendsassa meine erste Wahl, wenn ich zu einem neuen Kochbuch greife.

Wie sieht es aus? – eine Augenweide stellt sich vor….

Dieses Buch weiß was es will und was genau zu ihm passt. Inhalt und Form korrespondieren wunderbar miteinander: Ein wertiger Pappband, dessen Buchrücken nicht beschnitten und verleimt wurde. Da muss man erst mal drauf kommen, aber der Autor beweist viel Geschmack und liefert ein Buch in einer ungewöhnlichen Ausstattung, dass sich von allem abzuheben weiß, was ich im Regal stehen habe. Durch den nicht beschnittenen Buchrücken lässt es sich wunderbar quer aufklappen, was besonders den vielen Impressionen und Fotos auf Russels Tour durch sein New York gerecht wird. Das Papier ist matt-weiß, was viel besser zum Sujet passt. Und natürlich ist dieses Buch fadengeheftet. Hm, jetzt beginne ich zu begreifen, warum dieser Restaurantmacher so erfolgreich ist, er hat definitiv Händchen und einen Blick für das Besondere, das wir ja alle immer suchen.

Wie alles begann? – oder die vertikale Perspektive ist nicht zu unterschätzen!

© Comfort Food, Prestel Verlag

Wir haben es mit einem bekennenden N. Y.-Fan zu tun, aber nicht die glitzernden Wolkenkratzer der Upper-East-Side sind sein Ziel, sondern Brooklyn mit Typen wie Travis Blickle („Taxi Driver“), die mit Muskeln und Grobheiten durchs Leben kommen zu versuchen sind seine Helden. Alles was jenseits der 14. Straße passiert, wo das Gitternetz der Straßen von einem lockeren Stadtbild mit etwas Provinzcharme abgelöst wird, gehört nicht zu seinem Kosmos und nur selten wagt er sich über den East-River nach Williamsbourg. Er blickt – wie die Einheimischen – nicht mehr nach oben, sondern sein Blick scannt vertikal Straßen, Auslagen, Eingänge und Fenster und vor allem Geschäfte und Restaurants, die für leckere und aufbauende Kraftnahrung ohne Kalorienbeschränkung stehen, wie wir sie mit einem New York der 40iger und 50iger Jahre verbinden: Russel Norman amüsiert sich darüber, dass viele amerikanische Gerichte ihren Ursprung in Italien haben, – was würden die nur ohne die kulinarische Entwicklungshilfe aus Italien essen? Hackbällen, Pizza, Makkaroni mit Käse sind seine Favoriten, gerne in Läden, die schon ein bisschen in die Jahre gekommen sind und die wir im besten Fall „old-fashioned“ nennen würden und wenn wir einen schlechten Tag erwischen oder bisher nur in durch-gestylten Szene-Bars unterwegs waren, auch mal als schäbig wahrnehmen. Hier gibt es noch das ehrliche und unverfälschte, gerne mal mit einem starken Cocktail oder mit krächzender Blues-Musik von Tom Waits und anderen beschallt. Optisch hochgetunnte Portiönchen sind nicht gefragt und kalorienbewusste Zeitgenossen sind wahrscheinlich einer Ohnmacht nahe, wenn sie im Kopf durchkalkulieren wie das auf den Hüften zu Buche schlägt.

Russel Norman ist ein Gastronom, der Stimmungen verkaufen will, kochen lässt er und doch ist bei seinem Restaurant und diesem Buch nichts zufällig. Seine Welt hat mit Clean-Chic überhaupt nichts am Hut, deshalb beschließt er sein Bild von „Little Italy“ nach Soho zu transformieren. „Spuntino“ ist die perfekte Inkarnation von all dem, was wir damit verbinden und passt natürlich in London bestens nach Soho, einem Stadtteil der heute noch mit den Schattenseiten des Großstadt-Lebens kokettiert. Der Mann hat großen Erfolg, das Lokal schlägt ein wie eine Bombe, obwohl man nicht mal reservieren kann.

Was ist drin oder gehaltvoll und würzig, das ist hier Programm….

 Lecker essen ohne Kalorienbeschränkung, bloß wo anfangen und wo aufhören!

 100 Rezepte von Brunch über Toasts, Pizzette, Salate, Slider (Mini-Burger), Fisch– und Fleischgerichte, Desserts und Drinks aus dem „Spuntino“ werden präsentiert. Wer normalerweise Kalorien zählt sollte jetzt einfach nicht mehr weiterlesen, macht keinen Sinn bei diesem Kochbuch, dann sind seid Ihr hier definitiv falsch!

Brunch oder eine vernünftige Grundlage ist immens wichtig!

Gleich beim Brunch geht es so richtig in die Vollen, diese Gerichte fürchten sich nicht vor Alkohol als Begleiter, auch wenn wir uns diesem nicht nur nach Sonnenuntergang hingeben: Kandierter Speck, Ei zum Stippen ein getrüffelter Eiertoast, Linsen mit Sardellen & weich gekochtem Ei und so einiges mehr erwarten uns zu einem spätem Frühstück. Bei Steak & Eiern und Mac & Cheese (mit 450 ml. Creme double und jede Menge Käse drin) heißt es Augen zu und dann einfach nur genießen.

„Spuntino“s Antwort auf Toast & Co…

Aber ebenso Klippfisch-Toast gehört zum Repertoire, Russel hat ebenfalls eine Schwäche für venezianische Küche. Sein Croque Monsieur ist dem legendärem Vorbild aus Harry`s Bar in Venedig nachempfunden und hat uns himmlisch geschmeckt, die Cayenne-Note ist mit 1 TL deutlich, für mich war ein gestrichener TL genug, aber das versteht sich hier eigentlich von selbst. Schinken-Käse-Kroketten oder Auberginen-Fritten mit Fenchel-Joghurt oder frittierte Sprotten mit Dill sind „Spuntino“s Antwort auf Toast & Co.

Außerdem werden Gewürznüsse und Pickles als würdige Begleiter zum Feierabend-Cocktail angeboten, die nicht fehlen dürfen.

Ich will mehr davon – oder Pizette, Slider Salate….

Bei den Pizzen folgt das Lokal seinem Konzept, dass viele kleine Speisen mehr Spaß machen als wagenradgroße amerikanische Pizzen und serviert kleine Pizzette, mit knusprigen Rand, Ecken und Kanten gehören dazu, optische Perfektion ist nicht das Ziel und dem Teig und der Pizzasoße wird dieselbe Aufmerksamkeit wie dem Belag gewidmet. Fenchelsalami, Kapern, Blumenkohl, Skarmorza oder Kartoffeln, Sardellen und Brennnessel machen als Belag eine gute Figur, die einem das Wasser im Mund zusammen laufen lässt.

Und was gibt es dazu? Oder machen Sie doch mal Bekanntschaft mit dem kleinen Bruder des mächtigen Burgers…..

Begleitet werden die Pizette oder Slider z. B. von geschnittenem Salat mit viel Estragon-Dressing, oder einem Krautsalat, der sowohl optisch als geschmacklich mit Zucchini, roter Zwiebel und Radicchio zu gefallen versucht, im „Spuntino“ gerne mit einem Zitronendressing. Genauso sticht mir der Spargel-, Ei & Haselnuss-Salat sofort ins Auge. Burger war gestern, hier gibt es den kleinen Bruder einen Slider, der mit Brioche-Bun und leckerem Patty in verschiedensten, ausnahmslos leckeren Kombinationen mir das Wasser im Mund zusammen laufen lässt. Wie wäre es mit Lammhackbällchen-Slider, Rindfleisch- u. Knochenmark-Slider, Corned-Beef-Slider oder Garnelen-Po‘-Boy, mit denen die streikenden Mitarbeiter eines Straßenbau-Unternehmens aus New-Orleans 1929 für 4 Monate von einem lokalen Restaurant verköstigt wurden.

Fisch muss schwimmen!

Bei den Fischgerichten dominieren die Muscheln. Clam-Chowder nach Soho-Art, bedeutet im „Spuntino“: Pancetta, relativ viel Weißwein (600 ml), Fischbrühe, Venusmuscheln, Butter, Milch, bei der auf Sahne verzichtet wird, aber Tomaten und Schnittlauch dabei sein sollten. Es gibt außerdem eingelegten Hering, gewürzt mit Dill & begeleitet von Frühkartoffeln aus Jersey, die sicherlich einen tollen Kater-Killer darstellen, denn bei Russel Norman wird nirgendwo gekleckert, sondern viel geklotzt. Eine Komposition aus Makrele, Rauchmandeln, Radieschen und Minze weiß optisch zu gefallen und Seebarsch, Fenchel und Oliven stehen für die italienische Fraktion bei den Fischgerichten.

Krosse Hähnchen, Slow-Food oder Klassikern, soo lecker!

Natürlich wird gerne frittiert, z. B. die frittierten Hähnchenflügel, allerdings wie so häufig bei englischen Kochbüchern, wird hier Knoblauchpulver eingesetzt, darauf hätte ich ausnahmsweise verzichten können, kann man ja aber dem eigenen Geschmack entsprechend abändern. Mir gefallen außerdem die Hähnchenschenkel im Cornflakes-Mantel, mit Thymian, Paprika- u. Chilipulver und Dijon-Senf in der Panade und mit pikanten Würstchen, Linsen und Radicchio kann man mein Herz genauso erwärmen, wie mit geschmortem Chicorée & Südtiroler Speck, oder doch lieber Rinderbacke, Grünkohl & Blumenkohl? Warum nicht ein klassisches Tartar probieren und sich dann einfach durchkochen, hier gibt es so viele Sachen die Lust machen, da fällt es direkt schwer sich zu entscheiden! Am besten das schöne Kochbuch bleibt gleich in der Küche.

Cheese-Cake, Brownies am besten alles, wenn Ihr mich fragt!

Zum Abschluss gerne einen Cheese-Cake mit braunem Zucker und beschwipsten Pflaumen oder lieber doch einen Bourbon-Brownie mit Feigen, Whisky und Walnüssen im Teig, der für mich das Rennen macht und feucht und schwer mit einer Kugel Vanilleeis zu überzeugen weiß. Ach ja und das Lorbeereis muss ich unbedingt noch probieren, gerne auch mit den vorgeschlagenen Pistazien-Cantucchini.

Die Grundlage ist da, warum nicht mal ein oder zwei Drinks dazu….

Die Getränke-Sparte darf nicht fehlen, schließlich schätzt auch Russel Norman mal einen guten Drink zum Brunch, ob nun bei Harry oder vielleicht in einer seiner Restaurants, er hat da ja die Qual der Wahl. Das „Spuntino“ setzt auf Klassiker und hat auch ein paar Eigen-Kreationen am Start, wer Gin, Bourbon oder Cynar in der Hausbar hat, kann gleich loslegen z. B. mit Apple Pie Bourbon,  oder einem schönen herben Cynar Gin Fizz, der mich besonders motiviert oder einem klassischen Old Fahsioned. Leider schreibe ich diese Rezension um 07:00 Uhr am Samstag-Morgen, absolut keine Zeit, um mit Alkohol den Tag zu beginnen und die köstliche Kraftnahrung, die sich die Gäste des „Spuntino“ dazu ordern, kann ich mir ebenfalls nicht gönnen, der Mann ist noch nicht vom Brötchen holen zurück und ich warte noch auf das Weißbrot für den Croque Monsieur.

Von wegen mein Kochbuch, der Mann will eine Augenreise machen….

Nun gut ich dachte mir, dass das Comfort-Food Buch erstmal bei mir in der Küche bleibt, ich habe die Rechnung offenbar ohne meine bessere Hälfte gemacht, er will mit Russell durch Greenwich Village, „Little Italy“ und den Meatpacking District spazieren. Schöne stimmungsvolle Fotos, das Buch macht jeden Spaß mit und lässt sich wegen seiner besonderen Bindung auch wie eine Zeitungseite quer aufklappen. Jedes Detail stimmt, wir bekommen viel geboten und eifersüchtig beobachte ich meinen Mann, der bei seinem Stadtrundgang mit Mr. Norman sichtlich begeistert ist und dauernd meint, Mensch da müssen wir auch mal hin, auch wenn er sonst nicht gerade Hurra schreit, wenn mal kein Wanderurlaub ansteht. Hat der seine Meinung geändert oder sich einfach nur verführen lassen? Und morgen ist das Buch wieder bei mir in der Küche mein lieber Schatz, dass hast Du fest versprochen!

Fazit – oder die Sache mit Restaurant-Kochbüchern, dieses ist anders…..

Restaurantkochbücher sind in, aber auch sehr fordernd, stehen hier doch Profis am Herd, die den lieben langen Tag nichts anderes machen als kochen. Tja, da muss man auch schon mal Multitask-Fähigkeiten an den Tag legen, denn das machen die täglich und die Rezepte sind so ambitioniert, dass wir wirklich Gas geben müssen. Viele sind deshalb nachdem die erste Euphorie verschwunden ist, schnell ernüchtert und diese Bücher wandern wieder ins Regal, dass wollen die allermeisten von uns so nämlich nicht, dann doch lieber gepflegt essen gehen. Dieses Schicksal haben selbst uneingeschränkte Stars der Szene erlebt, bei „NOPI“ von Ottolenghi spalten sich die Follower in zwei Lager, die einen finden es klasse und noch raffinierter, die anderen haben ihre Leistungsfähigkeit überschritten und wollen eigentlich auch nur ausnahmsweise so ambitioniert kochen, wenn überhaupt, ist halt nicht unser Beruf sondern nur ein schönes Hobby. Dieses Buch ist davon frei, denn es ist von A-Z perfekt konzipiert, es liefert Soulfood-Gerichte, wie wir sie alle seit Kindertagen lieben, passt Portionen an den Zeitgeschmack an und katapultiert uns mitten nach „Little Italy“ und das obwohl die Concorde nicht mehr ist. Es verkauft mühelos Wohlfühlmomente am laufenden Band, denn es bedient Klischees und Bilder, die uns einfach nur gefallen und bei denen wir gerne dabei sind, überfordert wird hier keiner, aber es wird definitiv gut gegessen. Jetzt verstehe ich sehr gut, warum dieser Gastronom so erfolgreich ist. Wer das kann, dessen Talente sind als Lehrer total vergeudet. Ihr werdet viel kochen, ungeheuer lecker Essen und Trinken, Euch sehr gut unterhalten, sowohl optisch als auch mit Texten, denn dieser Mann kann auch noch gut schreiben und habt vor allem das Gefühl, Ihr habt einen richtigen Schatz gefunden, dieses Buch ist nämlich auch äußerlich so geschmackvoll, dass ich es wie meinen Augapfel hüte und es auch nicht gerne meinem Mann überlasse. Wenn alle Gastronomen so tolle Bücher machen, dann können sich die schreibenden Köche zukünftig warm anziehen. Ich bin begeistert und das nachhaltig!

Vielen Dank für die Übersendung eines Rezensionsexemplars.

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Eat In My Kitchen

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Meike Peters: Eat In My Kitchen

Prestel Verlag

Preis: 29,95 €

Bitte Platz nehmen, in dieser Küche wird großartig gekocht!

Ein schönes Buch, oder weniger ist manchmal mehr!

Stabiler Einband, Fadenheftung, angenehmes Papier, modernes Layout und Rezeptfotos, die sich auf das wesentliches konzentrieren, kein überkandideltes Food-Styling, so gefällt mir das! P.S. Fast alle Fotos im Buch wurden von Meike Peters selbst geschossen.

Was kommt auf den Tisch – je nach Laune mediterran oder bodenständig?

Meike Peters, Begründerin des internationalen Blogs „eat in my kitchen“ ist kulinarisch im herzhaften deutschen Wohlfühlessen verwurzelt, aber auch stark von Einflüssen aus der französischen und italienischen Küche geprägt. Mit ihrer Mutter, einer fabelhaften Köchin und wundervollen Gastgeberin, fing alles an: Sie war es, die ihre Geschmacksnerven mit dem Genuss von feinem Olivenöl und üppigem Gebrauch von Knoblauch und mediterranen Kräutern schon früh richtig programmiert hat, mal mit ausgefeilten Klassikern der französischen und italienischen Küche, aber auch einfachen Pasta-Gerichten. Meike ist in Nordrhein-Westfalen aufgewachsen und der schwäbische Stiefvater hat mit so herrlichen Gerichten wie Spätzle und Maultaschen aus dem Süden der Republik zu ihrer weiteren kulinarischen Sozialisierung beigetragen. Diese kulinarische Reise hat sich fortgesetzt, als die Autorin ihren Partner kennenlernte und mit ihm die Rezepte und Bräuche seiner maltesischen Mutter und seines amerikanischen Vaters. Inzwischen verbringt das Paar regelmäßig den Sommer auf Malta, dem südeuropäischen Inselstaat am Mittelmeer und Mikrokosmos des Mediterranen, dessen Küche auch von nordafrikanischen und arabischen Einflüssen geprägt ist. Die amerikanische Familie ihres Freundes entfachte zudem in Meike eine ganz neue Faszination für üppige Sandwiches und Sonntagmorgen-Muffins.

Viele klasse Ideen, ich muss in die Küche!

All dies ist Bestandteil der kulinarischen Landkarte von Meike Peters und diese Einflüsse verschmelzen mit neuen Ideen, vertrauten Familien-Klassikern zu köstlichen Kreationen, die mich schon beim ersten Durchblättern schwer begeistert haben! Vergesst also die gelben Zettel und begebt Euch mit Meikes schönem Buch in die Küche. Das werde ich auch tun, ich kann mich nur so schwer entscheiden, womit ich anfangen soll? 256 Seiten, 100 Rezepte und wirklich alles ebenso kreativ, wie einfach zuzubereiten, wird mich ein Weilchen beschäftigen. Es gibt Salate, Gemüse, Suppen, Pasta, Sandwiches, Fisch, Fleisch, herzhaftes und süßes Gebäck und Salz-Zitronen, Gemüsebrühe und Holunderblüten-Sirup für den Vorrat. Desserts sind allerdings rar gesät, hier finde ich nur einen Holunderblüten-Pannacotta. Das übliche Register kommt als Index daher und schafft es Produkte und Rezepte unter einen Hut zu bringen.

Ein Blick in den Kühlschrank schon hat Meike eine passende Idee dazu!

© Meike Peters
© Meike Peters

Im Gemüsefach gibt es noch Blumenkohl und Petersilie, deshalb war es kein Problem, Meikes Idee für scharfen Blumenkohl mit Harissa und Zitrone gestern ratzfatz auf unseren Küchentisch zu zaubern, denn Harissa, Zitrone, Joghurt und Crème fraîche habe ich sowieso immer zu Hause. Das Ergebnis war sehr köstlich und die Autorin hat recht, Kohl profitiert enorm von einem kräftigen Aroma-Stupser. Meinem Mann hat das so gut geschmeckt, dass er sich sogar dazu hat hinreißen lassen, dass er Blumenkohl nie mehr anders essen möchte. Muss er auch nicht, ich habe ja jetzt Meikes schönes Buch, aber in meiner Küche wird schon noch gegessen, darauf bestehe ich. Ich liebe Kartoffeln und habe eine ausgesprochene Koriander-Manie, das Rezept für das mediterrane Kartoffelpüree mit Koriander war super lecker, zusammen mit einem Lamm-Kottelet und der Idee für einen warmen Karottensalat mit eingelegter Zitrone und Minze war das ein Gedicht heute Mittag. Auch meine Schwiegermama war voll des Lobes, schön wenn man so kinderleicht ein Lob einstreichen kann. Und mir fällt positiv auf, hier versteht jemand den Umgang mit Salz-Zitronen, denn die werden nur akzentuiert eingesetzt, da sind mir in letzter Zeit schon andere Rezepte untergekommen, wo ich großzügig reduziert habe. Auch sonst sind mir beim eifrigen Rezept-Studium bisher keine handwerklichen Mängel aufgefallen.

Was gibt`s noch?

Kaki-Mozzarella u. Prosciutto di Parma mit Basilikum und Ahorn-Vinaigrette

Weißkohl-Birnen-Salat mit Balsamico-Speck

Knusprige Bratkartoffel mit Fenchel

Geröstete Kürbis-Spalten mit Kreuzkümmel und Pistazien-Feta

Pastinaken-Süßkartoffel-Suppe mit karamellisierten Pflaumen u. geschlagener Gorgonzola-Mascarpone

Ingwer-Zitronen-Blumenkohlsuppe

Spaghetti mit Pesto-Polpette und gerösteten Rispentomaten

Kürbis-Gnocchi mit Roquefort-Sauce

Lamm-Sandwich mit marokkanischer Zitrone u. Kapern

Bratwurst-Ciabatta-Sandwich mit weißen Bohnen, Orange und Thymian

Forelle al cartoccio mit Tiroler Speck, Oliven und Tomaten

Lachs mit Pfefferkruste u. Wermut-Butter

Geschmorte Lammhaxen mit Kumquats, Tomaten und Minze

Rustikaler Hackbraten mit Lauch und Bergkäse

Birnen-Stilton-Tarte mit Rosmarin

Donauwelle

Ricotta-Olivenöl-Muffins mit Erdbeeren

und so viel mehr, was mir ungeheuer zusagt.

Eine Autorin, die sich für uns Zeit nimmt!

Jedes Rezept wird von Meike Peters begleitet und eingeführt, mal mit ihrer Geschichte dazu, das ist unterhaltsam und sehr sympathisch und sie spart auch nicht mit Tipps und Tricks da wo sie es nötig hält, bei Rosenwasser rät sie zu Bio-Qualität, weil es sonst auch schnell mal seifig schmecken kann. Oh ja, da bin ich neulich auch in meinem arabischen Lädchen ziemlich reingefallen. Und gleich zu Beginn des Buches verliert sie ein paar Worte über die Ausstattung in ihrer Küche und ihre Zutaten. Das ist nützlich und vor allem sehr einfühlsam, denn es ist ein Statement zu ihrer Küche und den von ihr bevorzugten Zutaten, keine Besserwisserei.

Meikes Philosophie – oder Essen spricht die Wahrheit

 Was wir essen oder wieviel Zeit wir uns dafür nehmen, das sagt viel über die Person aus, die wir sind, davon ist die Bloggerin überzeugt. Und mit ihrem schönen Buch ist sie der beste Beweis dafür. Aber Meike hat auch unter dem Motto „Meet in your Kitchen“ ein paar interessante Zeitgenossen in der Küche getroffen, sie interviewt und um Rezepte gebeten. Das geht von Cynthia Barcomi bis zu einer Familie, die auf Gozo ihren Lebenserwerb damit verdient, dass sie Salz gewinnt, auch Malin Elmlid und die Hemsley Schwestern sind dabei. Diese Serie ist auch vorher auf Ihrem Blog erschienen.

Fazit: Meike hat’s drauf! Viel mehr kann ich hier nicht sagen, für mich bis jetzt das interessanteste moderne Kochbuch dieser Saison. Ich hatte gewisse Erwartungen, habe es vor einigen Tagen ausgepackt und seit dem lässt es mich nicht mehr los, weil dass es so großartig wird, damit hatte ich nicht gerechnet. Starke Worte ja, aber für mich bis jetzt absolut berechtigt. Schönes Buch und perfekte Mischung für alle, die gern mal was Neues ausprobieren, aber trotzdem auf bewährte deutsche Soulfood-Klassiker nicht verzichten wollen.

Herzlichen Dank für die Übersendung eines Rezensionsexemplars.

Mormors Köttbullar

© Erik Olsson
© Erik Olsson

Quelle: Magnus Nilsson: Nordic Kochbuch

Phaidon by Edel

Preis: 39,95 €

Magnus Großmutter machte immer sehr große Fleischbällchen, fast so groß wie eine Kinderfaust. Unter Umständen waren sie in der Realität auch etwas kleiner, wie das bei so vielen Dingen ist, wenn man erstmal erwachsen ist. Sie hat den Teig nie viel geknetet, so dass die Bällchen sehr zart und immer ein bisschen krümelig waren. Dazu gab es grundsätzlich Pellkartoffeln und cremige braune Sauce (Bratensatz mit Mehlschwitze und Brühe/Sahne zu einer sämigen Sauce einkochen). Als Beilagen fungierten ganz klassisch gezuckerte Preiselbeeren und im Sommer schnelle Essiggurken. Wir haben es klassisch gelassen und Kartoffelpüree dazu serviert. Sehr lecker, auch die kräftige Pimentnote macht sich wirklich gut in den Fleischklößchen und Sahne und Kartoffeln sorgen für eine schöne Konsistenz. Braune Sauce und Preiselbeeren konnten wir uns natürlich auch nicht verkneifen.

Zutaten:

100 ml Milch

100 g Sahne

1 Ei

8 Pimentbeeren, zerstoßen

30 g Semmelbrösel (bei mir nur selbstgemacht)

1 große mehlig kochende Kartoffel,

gekocht, abgekühlt, geschält und gestampft

300 g Schweinehack

300 g Rinderhack

1 Zwiebel, fein gehackt

Salz und weißer Pfeffer

Zubereitung:

Milch und Sahne mit Ei, den Pimentbeeren und ein wenig Salz und Pfeffer in eine Schüssel geben. Die Semmelbrösel hinzugeben und Klumpen frei einrühren. Die gestampfte Kartoffel einrühren und die Mischung 5 Minuten quellen lassen, dann die übrigen Zutaten hinzugeben. Kurz glatt kneten.

Zum Abschmecken etwas Butter in einer Pfanne erhitzen und ein kleines Stück Fleischteig darin braten. Probieren und die Würzung bei Bedarf anpassen.

Den Fleischteig mit einem Löffel und einer sauberen, feuchten Hand zu großen, lockeren Bällchen formen.

Ein Stück Butter bei mittlerer Hitze in einer großen Pfanne oder einem Stieltopf erhitzen. Die

Bällchen etwa 15 Minuten rundum gut bräunen und durchgaren (zum Überprüfen ein Bällchen aufschneiden).

Zubereitung: 50 Minuten

Für 4 Personen