Kürbis-Pesto-Sandwich mit Datteln und Chèvre

©Meike Peters

Jeder Kürbis der in diesem Sandwich landet kann sich mehr als glücklich schätzen! I love it und ich bin weder von Haus aus Kürbis noch Sandwich-Fan. Einfach perfekt die Verbindung aus Kürbis, Thymian, Orangensaft, den süßen Datteln und dem würzig-säuerlichen Ziegenkäse dazu – genial!

Quelle: Peters: 365: Jeden Tag einfach kochen & backen

Prestel Verlag

Preis: 30,– €

Samtweicher nussiger Kürbis ist wie dafür gemacht, in ein Pesto verwandelt zu werden. Orange und Thymian verfeinern die dicke Paste, und obwohl ich sicher bin, dass sie mit warmen Spaghetti ganz wunderbar schmeckt, liebe ich dieses Pesto auf einem Brötchen, zusammen mit saftigen Datteln und reifem Sainte- Maure de Touraine Chèvre.

Zutaten (ergibt 2–3 Sandwiches):

Für das Pesto

340 g geputzter Kürbis (bevorzugt geschälter Butternut oder Hokkaido mit Schale), in 2,5 cm dicke Würfel geschnitten

2 EL Kürbiskerne

2 EL Olivenöl

¼–½ TL frischer Orangenabrieb

1 EL frisch gepresster Orangensaft

1½ TL frische Thymianblätter

feines Meersalz

Backpapier

Für die Sandwiches

2–3 Dinkel- oder Roggenbrötchen, halbiert

85 g gereifter Chèvre (bevorzugt Sainte-Maure de Touraine), in dünne Scheiben geschnitten

4 große saftige Datteln, entsteint und geviertelt

1 EL Kürbiskerne

1 TL frische Thymianblätter

grob gemahlener schwarzer Pfeffer

Zubereitung:

Den Backofen auf 200 °C (Ober-/Unterhitze) vorheizen. Die Kürbiswürfel in eine mittelgroße Auflaufform geben und den Boden mit etwas Wasser bedecken. Ein großes Stück Backpapier mit Wasser durchnässen, auswringen und den Kürbis komplett damit bedecken. 20–30 Minuten im Ofen backen, bis der Kürbis zart ist, dann im Universalzerkleinerer zusammen mit Kürbiskernen, Olivenöl, 1/4 TL Orangenabrieb, Orangensaft und Thymian glatt pürieren. Mit zusätzlichem Orangenabrieb sowie Salz abschmecken und in eine kleine Schüssel füllen.

Großzügig Pesto auf den unteren Brötchenhälften verteilen, mit Chèvre belegen und mit Datteln, Kürbiskernen, Thymian und Pfeffer bestreuen. Die oberen Brötchenhälften darauflegen und genießen.

365: Jeden Tag einfach kochen & backen

Meike Peters: 365: Jeden Tag einfach kochen & backen

Prestel Verlag

Preis: 30,– €

Seelenfutter für jeden Tag,  jeden Geschmack und jede Laune!

©Meike Peters

 

Meike Peters, Begründerin des internationalen Blogs „Eat in my kitchen“ ist kulinarisch im herzhaften deutschen Wohlfühlessen verwurzelt, aber auch stark von Einflüssen aus der französischen und italienischen Küche geprägt. Mit ihrer Mutter, einer fabelhaften Köchin und wundervollen Gastgeberin, fing alles an: Sie war es die Meikes Geschmacksnerven mit dem Genuss von feinem Olivenöl und dem großzügigem Gebrauch von Knoblauch und mediterranen Kräutern schon früh richtig programmiert hat. Mal mit ausgefeilten Klassikern der französischen und italienischen Küche, aber auch einfachen Pasta-Gerichten. Meike ist in Nordrhein-Westfalen aufgewachsen und der schwäbische Stiefvater hat mit so herrlichen Gerichten wie Spätzle und Maultaschen aus dem Süden der Republik zu ihrer weiteren kulinarischen Sozialisierung beigetragen. Die begonnene kulinarische Reise setze sich fort als die Autorin ihren Partner kennen lernte. Die Rezepte und Bräuche der maltesischen Schwiegermutter und des amerikanischen Schwiegervaters öffneten weitere Türen. Inzwischen verbringt das Paar regelmäßig den Sommer auf Malta, dem südeuropäischen Inselstaat am Mittelmeer, dessen Küche ebenfalls von nordafrikanischen und arabischen Einflüssen geprägt ist.

Viele, viele Optionen alle in einem Buch – oder 365 einfach total lecker!

Ein durchschnittliches Kochbuch hat in der Regel ca. 100 Rezepte, hier gibt es sogar 365 köstliche Optionen für üppige Sandwiches (z. B. Gegrilltes Schinken-Käse-Sandwich mit Kaki oder Schnitzel-Krautsalat-Sandwich), Muffins (z. B. Pistazien-Orangenblüten-Muffins oder mediterrane bittersüße Schoko-Orangen-Muffins), Quiche & Tartes (z. B. Kartoffel-Tarte mit Chèvre, Fenchel-Tarte, Basilikum-Ricotta-Pie mit Tomaten), Gemüse (z. B. knusprige Koriander-Bratkartoffeln mit Chèvre, Thymian und Zitrone oder Zucchini-Paprika-Auberginen-Moussaka mit Zitronen-Ricotta), Pasta (z. B. Kürbis-Pasta mit Orange, Ahornsirup und Salbei oder Spaghetti mit Röst-Knoblauch-Butter und Thymian), Fleisch (z. B. Kidneybohnen-Hackbällchen mit Tomatensauce und Koriander oder Lammkoteletts mit Granatapfel-Portwein-Sauce und Pistazien), Huhn (z. B. Gewürz-Hähnchenkeulen mit Weißen Bohnen und Minze oder Coq au Vin), Fisch & Meeresfrüchte (z. B. Lachs mit Fenchelkruste oder scharfe Chorizo-Muscheln mit Chili und Majoran), Salat (Kirsch-Panzanella mit Stilton, Schalotten und Thymian, Winter-Caprese mit Blutorange, Roter Bete und Mozzarella di Bufala) und Süßes & Gebäck (z. B. Germknödel mit Pflaumen, Mohn und Vanillesauce oder Loukoumades – Griechische Krapfen mit Honig, Zimt und Pistazien, Madeira-Kuchen mit karamellisierten Mandarinen). Tja, da ist nicht nur viel, sondern, sehr sehr viel an köstlichem Soul-Food im Angebot. Mit diesem Kochbuch beschäftigt man/frau sich nicht mal nebenbei, das ist jeden Tag aufs Neue eine leckere Entdeckung.

Klassische Rinderrouladen mit Kartoffelknödeln,

©Meike Peters

Nicht wie bei Muttern, sondern wie bei Ms. Soul-Food… „Mutti ich hab Dich wirklich lieb und dachte bis jetzt neben Deinen Rouladen kann es keine anderen geben….“ Sorry, diese sind aber noch besser, die Sauce ist der Hit. Ich bring Dir das Rezept mit, wenn wir uns Weihnachten wieder sehen! Und dann noch die Knödel dazu, Dein Schwiegersohn konnte gar nicht genug davon bekommen…..

 

Kürbis-Pesto-Sandwich mit Datteln und Chèvre

©Meike Peters

Jeder Kürbis, der in diesem Sandwich landet kann sich mehr als glücklich schätzen! I love it und ich bin weder von Haus aus Kürbis- noch Sandwich-Fan. Einfach perfekt die Verbindung aus Kürbis, Thymian, Orangensaft, den süßen Datteln und dem würzig-säuerlichen Ziegenkäse dazu – genial!

 

 

 

 

Tiroler Apfelstrudel

Final Countdown beim Strudel-Casting: Platz Nr. 1 geht für mich an den “Tiroler Apfelstrudel“ aus dem Hause Peters in Berlin, die die saftigste Version über die Ziellinie geschoben haben – umhüllt von knusprig-buttrigem Mürbeteig – best Appel-Strudel ever!

 

 

 

 

Fazit: Be yourself, stay authentic and don’t mix it up with too much of everything!

Meike Peters kocht wie viele heute einen Mix aus Soul-Food und Fusion-Küche, schafft es jedoch  sich und ihrem Stil dabei treu zu bleiben! Sie komponiert stilsicher Wohlfühlessen, das einfach funktioniert und ebenso optisch wunderbar ansprechend ist. Kocht man diese Rezepte nach, stellt sich schnell heraus, dass dieses Zusammenspiel nicht zufällig, sondern das Ergebnis von Kreativität und intensivem probieren ist. Alles was bei ihr auf den Tisch kommt, ist kein Kunstprodukt, sondern inspiriert durch Mutter, Großmutter, den schwäbisch-stämmigen Stiefvater und der maltesisch-amerikanisch geprägte Schwieger-Familie und nichts wirkt dabei künstlich oder gar konstruiert.

Meike zeigt dabei ein feines Händchen und legt zudem keinerlei Trend-Hascherei an den Tag, sondern will einfach nur lecker kochen. Wenn in fast jedem Rezept inflationär mit Salzzitronen umgegangen wird und mit den unterschiedlichsten Gewürzen nur so um sich geschmissen wird nützen auch die bekannten Namen beim dritten oder vierten Buch damit nichts mehr. Viel macht aber nicht unbedingt viel und es muss auch nicht fast alles mit Salzzitronen gewürzt werden. Die als Fertigprodukt zudem häufig sehr synthetisch schmecken können. Bei insgesamt 365 Rezepten sind es bei Meike Peters gerade mal 2, die darauf setzen und können immer mit Zitronenabrieb ersetzt werden.

Die New York Times  hat sich bereits geoutet und dieses umfassende Projekt mit erkennbar eigener Handschrift, das ebenfalls saisonale Aspekte berücksichtigt, zu eines der besten Kochbücher dieses Bücher-Herbstes gekürt und das in meinen Augen sehr zu recht.

Einzig das Register hätte man noch übersichtlicher machen können. Allerdings bei einem Kochbuch, das bewusst jeden Tag des Jahres lecker bestückt und ebenfalls mit Monatsübersichten arbeitet, jammern auf hohem Niveau.

Herzlichen Dank für die Übersendung als Rezensionsexemplar!

Gebackener Kürbis mit Dukkah und Granatapfel

© Jonathan Lovekin

Dieses Rezept ist ein echter Slater! Der Mann steht nicht nur für gute Storys, die uns dem Fühlen und Denken unserer Kindheit wieder ein Stück näher bringen, er paart das ganze stets mit einfachen, bis sehr einfachen Rezepten, mit Twist und Überraschung: Süßer Kürbis trifft viel Aroma durch die Gewürze und erhält jede Menge Crunch durch die unterschiedlichen Nuss-Sorten, die durch die frische Note von Granatapfelkernen perfekt abgerundet wird. P.S. Hanfsamen sind zwar äußerst gesund und auch lecker, aber nicht gerade billig. Ich habe sie deshalb einfach weggelassen, weil für mich ihr Geschmack im „Nusskonzert“ keine tragende Rolle hatte.

Quelle: Nigel Slater: Wintertagebuch

Fotos: Jonathan Lovekin

Dumont Verlag

Preis: 38,– €

Zutaten (für 4 Personen als Beilage für 2 Personen als Hauptgericht):

Kürbis, zum Beispiel Butternuss – 700 g

Olivenöl – 4 Esslöffel

Koriandersamen – 1 Esslöffel

Cuminsamen – 1 Esslöffel

Hanfsamen – 1 Esslöffel

Kürbiskerne – 2 Esslöffel

Sonnenblumenkerne – 2 Esslöffel

getrockneter Thymian – 2 Esslöffel

Meersalz – 1 Esslöffel

Schwarzkümmelsamen – 1 Esslöffel

Pistazien, gehackt – 4 Esslöffel

Granatapfel – 1 kleiner

 Zubereitung:

Den Backofen auf 200 °C vorheizen. Den Kürbis halbieren, Samen und Fasern aus dem Inneren herausschaben und das Fleisch in dünne Schnitze von etwa 1 Zentimeter Dicke schneiden. Nebeneinander auf einem Backblech auslegen. Mit dem Olivenöl beträufeln, mit schwarzem Pfeffer würzen und etwa 30 Minuten backen, bis sie weich und durchscheinend sind.

Koriander- und Cuminsamen in einer mäßig heißen, trockenen Pfanne ein paar Minuten rösten, bis Duft aufsteigt. Hanfsamen, Kürbis- und Sonnenblumenkerne zugeben und etwa 5 Minuten unter Rühren goldbraun rösten.

Thymian und Salz einrühren, dann die Mischung im Mörser grob zerstoßen. Das Ganze sollte immer noch körnig und knubbelig sein. Schwarzkümmelsamen und gehackte Pistazien unterziehen. Den Granatapfel aufbrechen und die Samen herausholen.

Wenn der Kürbis aus dem Ofen kommt, mit den Granatapfelkernen und ungefähr der Hälfte der Gewürz-Nuss-Mischung bestreuen. Sofort servieren. Die restliche Würzmischung in einem Schraubglas aufbewahren, bis sie gebraucht wird.

Nigel Slater: Wintertagebuch

Nigel Slater: Wintertagebuch

Fotos: Jonathan Lovekin

Dumont Verlag

Preis: 38,– €

Winterfreuden, die nicht nur kulinarisch, sondern auch persönlich berühren……

Wer ist der Autor?

© Jenny Zarins

Nigel Slater, geboren 1958 in Wolverhampton, zählt zu den besten Food-Journalisten der Welt. Seit 25 Jahren schreibt er für den ›Observer‹ eine Kolumne zum Thema Essen. Er lebt in einem alten Haus im Norden Londons. Bei DuMont erschienen bereits ›Ein Jahr lang gut essen‹, ›Das Küchentagebuch‹, ›Einfach genießen‹ und ›Eat‹ sowie die beiden hochgelobten Bände ›Tender – Gemüse‹ und ›Tender – Obst‹, in denen sein Küchengarten eine wichtige Rolle sspielt.

 

Wie sieht es aus?

Bei Auftritt und Aufmachung wird nicht gespart: Graue triste Wintertage spiegeln sich im mattgrauen Leinenband wieder, der sich zum Fest der Liebe richtig aufbrezelt mit seinen kupferfarbenen aufgeprägten nackten Baumstämmen. Die Ausstattung ist die perfekte Inkarnation, dessen was uns der Autor über seine Lieblings-Jahreszeit berichtet und macht das Buch zu einem echten Hingucker im Bücher-Regal und auf dem Coffee Table.

Worum geht’s?

  – oder ein Mann der Tagebuch für uns schreibt……..

 Und er ist sogar noch erfahren darin! Tagebuch schreibende Männer sind auch in 2018 rar gesät, wenn sich zwischen den Geschlechtern und im Zusammenleben derer auch viel getan hat. Und darin herumzuschnüffeln geht natürlich gar nicht!

Was ist drin?

Keine Kolumne ohne Story – kein Rezept ohne persönliche Geschichte dahinter!

Hier sind wir jedoch eingeladen, in der „Slaterschen“ Küche Platz zu nehmen, zu genießen und bekommen nicht nur Rezepte hingestellt, sondern sind von Anfang an dabei und erfahren all das, was für den Geschmack wichtig ist und welche nette Geschichte dahinter verborgen ist. Genau dafür ist Nigel Slater bekannt und wird er geschätzt: Er ist ein Autor, bei dem manche sich nicht entscheiden können, ob ihnen nun die Geschichte hinter dem Rezept oder das Gericht, dass bei ihm immer die Handschrift „Keep it simple“, aber bitte mit Twist trägt, besser gefällt. Die vielen Jahre als Kolumnist beim „Guardian“, haben sicher das ihrige zu diesem außergewöhnlichen Talent und persönlichem Markenzeichen beigetragen.

Wie alles begann oder was der Dachboden in seinem Elternhaus damit zu tun hat…

Die Saat zu diesem Buch – erklärt Nigel Slater – wurde vor einem halben Jahrhundert gelegt, auf dem Dachboden seines Elternhauses, wo die Familie den Weihnachtsschmuck in Kartons aufbewahrte. Genau dort, zwischen verblassten Christbaumkugeln und Strähnen silbernen Lamettas, zwischen Zauberkästen und unentwirrbaren Knäueln aus Lichterketten, wurde seine Faszination für Weihnachten geboren. Slater berichtet in seiner Biographie, dass er nach dem Tod der leiblichen Mutter als Neunjähriger Schuljunge, sehr selbständig sein musste und sich nicht nur sein Mittagessen nach der Schule selber kochte, sondern auch den Vater mit leckerem Essen auf sich aufmerksam machen wollte. Seine Mutter war eigentlich keine besonders gute Köchin. Am liebsten hätte sie dies gerne der Perle des Hauses – in der Familie stets Mrs. P. genannt – überlassen. Einmal im Jahr ließ sie sich aber darauf ein einen Christmas Cakes und –Puddings zu machen. Dies wurde immer mit dem Satz eingeleitet „Dann werde ich jetzt wohl Kuchen backen müssen…“ Mit ihrer Küchenmaschine – einer störrischen Kenwood – lernte sie jedoch nie umzugehen. Slaters Mutter gehörte nämlich zu der Generation von Frauen, die zum Teig kneten nie ihre Hände benutzen würden, erzählt er weiter. Der beim Essen inzwischen schon recht anspruchsvolle Sohn hat praktisch durch die Küchen-Pannen der Mutter seine Liebe zum Kochen und Essen entdeckt. In der  heimischen Küche in Wolverhampton flog schon mal der Kuchenteig aus dem Biest von Kenwood direkt auf den Küchenboden. Während seine Klassen-Kameraden Romane verschlagen, beschäftigte sich der junge Nigel mit der Lektüre des Cordon Bleu Magazin, dass er abonniert hatte.

Mit dem Winter klar kommen – oder ihn lieben und freudig begrüßen!

Slater blüht jedes Mal mit dem ersten Wintereinbruch auf erzählt er: Der erste Kälteeinbruch ist für ihn so erfrischend, wie der Sprung in einen eisigen Teich nach der langen Sommersauna. Den Winter nimmt er stets wie einen Neuanfang wahr. Bis zum heutigen Tag, wird er mit Reif auf dem Dach und Feuer im Kamin geradezu euphorisch und Schnee unter den Sohlen hat er immer lieber gemocht als Sand zwischen den Zehen, berichtet der britische Kolumnist uns in seiner Einleitung.

Der Winter fängt bei uns offiziell am 21. Dezember an, zur Wintersonnenwende, das ist der kürzeste Tag des Jahres. Und das findet Mr. Slater ein wenig seltsam. Man würde erwarten, dass der kürzeste Tag inmitten des Winters liegt, nicht am Anfang, aber es wird noch komplizierter, wenn man erfährt, dass das Datum von Land zu Land variiert. In Schweden und Irland gilt beispielsweise der 1. November, Allerheiligen, als erster Wintertag; in der Landwirtschaft wird dazu der Martinstag am 11. November auserkoren. Nigel Slater beginnt seine kulinarischen Tagebucheintragungen pünktlich zum 1. November und beendet sein Wintertagebuch zum 2. Februar des folgenden Jahres.

Verputzt und genossen:

Drei Winterdrinks aus Trockenfrüchten

© Jonathan Lovekin

Eine großartige Idee, die mich an die guten 70iger und Mutters Rumtopf erinnert hat. Bei Nigel Slater muss man glücklicherweise nicht schon im Sommer wissen, dass man das im Dezember gerne trinken oder zu Eis, Pudding und vielen anderem servieren möchte. Sein Rezept verwendet Trockenfrüchte und er kalkuliert mit einer Durchzieh-Zeit von ca. 4 Wochen. Ich fand das richtig klasse und alle 3 Variationen haben es bei mir mühelos auf die Keeper-Liste geschafft.

Gebackener Kürbis mit Dukkah und Granatapfel

© Jonathan Lovekin

Dieses Rezept ist ein echter Slater! Der Mann steht nicht nur für gute Storys, die uns dem Fühlen und Denken unserer Kindheit wieder ein Stück näher bringen, er paart das ganze stets mit einfachen, bis sehr einfachen Rezepten, mit Twist und Überraschung: Süßer Kürbis trifft viel Aroma durch die Gewürze und erhält jede Menge Crunch durch die unterschiedlichen Nuss-Sorten, die durch die frische Note von Granatapfelkernen perfekt abgerundet wird. P.S. Hanfsamen sind zwar äußerst gesund und auch lecker, aber nicht gerade billig. Ich habe sie deshalb einfach weggelassen, weil für mich ihr Geschmack im „Nusskonzert“ keine tragende Rolle hatte.

Shortbread mit Feigen und Orangen

Ich backe schon regelmäßig, aber bei Weihnachtskekse, da überlasse ich gerne meiner Schwiegermutter die Krone. Diese Bastelei und die Fein-Motorik, die dafür notwendig ist, ist in der Küche nicht mein Ding! Ich mag es unkompliziert und suche nach dem schnellen Erfolg, der bitte auch noch köstlich schmecken soll. Das Rezept des Briten klingt für mein Weihnachts-Keks-Beuteschema äußerst vielversprechend – ich werde berichten!

Lammbraten mit Koriandersamen und Rosmarin

Steht auf der Nachkochliste, wartet quasi noch auf seinen großen Tag und soll uns die Weihnachts-Feiertage „verköstlichen“.

Fazit – oder warum schafft es Nigel Slater immer wieder mein Herz und meinen Gaumen zu erobern?

Der Mann steht nicht nur für gute Storys, die uns dem Fühlen und Denken unserer Kindheit wieder ein Stück näher bringen, er paart das ganze stets mit einfachen, bis sehr einfachen Rezepten, mit Twist und Überraschung. Seine Botschaft ist voller Emotion und persönlicher Erlebnisse. Damit zelebriert er etwas was wir uns alle wünschen: Klarheit, Reduktion auf das Wesentliche, und kostbare persönliche Momente, statt Einheitsbrei, Kaufhaus-Schrott und Massenware! Wenn jemand Kitsch in kostbare Erinnerungen verwandeln kann, dann ist es definitiv der Brite. Es geht bei sehr geschätzten Kochbüchern definitiv nicht nur um leckere Rezepte, sondern wir Leser wollen mit allen Sinnen angesprochen werden und zum Träumen und Genießen eingeladen werden. Dass gelingt Slater wie niemand anderem in der Branche. Gepaart mit Rezepten, die einfach, bis sehr einfach sind, treibt das mich wie magnetisch angezogen in die Küche. Das kann ich mir nirgendwo kaufen oder online bestellen, sondern das mag ich lesen, selberkochen und verputzen!

Herzlichen Dank für die Übersendung als Rezensionsexemplar!

LEON – Hundert Salate

Baxter/Vincent: LEON – Hundert Salate

Fotos: Tamin Jones

Dumont Buchverlag

 Preis: 20,– €

 Ein Buch für Salat-Fans und für alle, die das nur noch nicht wissen!

 Worum geht’s?

 Salat und noch mal Salat, allerdings kommen hier nicht nur „Grünfutter-Anbeter“, Vegetarier oder Veganer auf ihre Kosten! LEON steht für eine britische Fast-Food-Kette, die auf gesundes Essen setzt und auch die zahlreichen Unverträglichkeiten ihrer Gäste im Blick hat. Die Leon Gründer legen sehr viel pädagogischen Eifer an den Tag kümmerten sich um den „School Food Plan“ der britischen Regierung, der Koch- u. Ernährungslehre zum Schulfach machte und Schulkindern ein kostenloses Mittagessen in der Schule ermöglicht. Die LEON-Begründer haben weiterhin erfolgreich mit Co-Autoren Kochbücher veröffentlicht, die ihre Gäste auch zu Hause ermuntern sollen, gesundes Fast-Food (Schnell ist relativ, setzt bitte auf den Geschmack!) auf den Tisch zu bringen.

Wer kocht?

© Tamin Jones

 Jane Baxter ist Köchin und verbringt ihre Zeit mit Catering, Beratung zu Ernährungsthemen sowie damit, Food-Events in außergewöhnlichen Locations zu organisieren. Sie schreibt eine wöchentliche Kolumne im ›Guardian‹ und ist Autorin der bei DuMont erschienenen Bände ›LEON. Fast & Free‹ (2017) und ›LEON Fast Food. Vegetarisch‹ (2014).

John Vincent ist Mitgründer von LEON mit mittlerweile über fünfundvierzig Restaurants im Vereinigten Königreich. Er hat zusammen mit Henry Dimbleby den Bestseller ›LEON. Natürlich Fast Food‹ (2011), mit Kay Plunkett-Hogge ›LEON. Familie & Freunde‹ (2013) und mit Jane Baxter ›LEON. Fast & Free‹ (2017) geschrieben, die alle bei DuMont erschienen sind.

Was ist drin?

 Salat als Hauptdarsteller, der sich bei den Zutaten weltweit bedient…..

Hundert Salate haben es ins Buch geschafft: Es gibt Klassiker, die wir kennen und lieben oder die wir immer schon mal machen wollten. Salade Niçoise wird mit Radieschen und einem Tomatendressing  nach LEON Manier aufgepeppt.

Leon kann auch gesund geschmacklich punkten!

 Mit dem Begriff „Superfood“ kann man mich eigentlich jagen. Der ebenfalls in diesem Kapitel präsentierte gleichnamige Salat, der seit vielen Jahren schon im Menü der Restaurant-Kette fest gesetzt ist, war entsprechend ein Rezept, bei dem ich schnell weiter geblättert habe. „No way“ nicht mit mir war mein erster Gedanke, Brokkoli, Tiefkühlerbsen oder Gurken und dann auch Quinoa, verlockend geht anders für mich, dachte ich mir. Um es kurz zu machen, ich bin bei weitem keine Clean-Eating- Jüngerin trotzdem dieses Rezept von Jane Baxter hat mich überzeugt. Neben dem schon erwähnten Grünzeug kommt noch Avocado dazu und die Geheimwaffen Feta von guter Qualität, Petersilie, Minze und Leon-Röstkerne und das Ganze mit einer sehr stimmigen französischen Vinaigrette angerichtet. Wenn Superfood so klasse schmeckt, bin ich auch gerne dabei. Die Autoren versorgen die Gesund-Esser auch mit anderen Kreationen mit reichlich Quinoa und Kale-Anbeter kommen mit diversen Grünkohl-Kreationen ebenfalls voll auf ihre Kosten. Für mich gab es noch einen Reisalat aus Ibizia, der obwohl unverschämt gesund auch bei meinem Mann wegen seiner süß (Trockenfrüchte)-säuerlich (Granatapfel + Sumach) und Kräuter würzigen Note (Minze, Koriander) als Sommer-Feierabendküche Anklang fand, auch wenn er den zuvor probierten Salade Lyonnaise noch leckerer fand, er ist halt kein Gesund-Freak.

Fusion-Food und Gesundes geben sich die Klinke in die Hand

Neben den gesunden Optionen, die im zweiten Kapitel in dem es um den schnellen Salat-Teller geht, der in höchsten 20 Minuten serviert werden soll, auch wieder am Start sind, z. B. als Zucchini-Nudeln mit Pesto-Trapanese & geriebenen Ricotta-Salata, gibt es auch üppige Kreationen mit Meeresgetier (hier als Krabbensalat mit Grapefruit) und Fleisch (als belgisches Steak mit einer Beilage aus Radicchio, Chicorée und einer leckeren Senf-Mayonnaise.

Auf der Insel liebt man geräucherten Fisch

 Die Rezept-Ideen für die Lunch-Box sind alle für eine Person ausgerichtet, Baxter als britische Köchin liebt gesalzenen Fisch im Salat z. B. als eingesalzene Makrele mit Perl-Couscous und Dill oder auch in der Version als polnischer Kartoffelsalat mit Hering. Mir gefällt ihr supereinfaches Rezept für einen Salat aus Tomaten, Feta & Linsen, bei der sie auch Varianten mit beeriger Makrele oder mit Schweinshaxe anbietet.

Schnell schneller am schnellsten und beim Einkaufen ist Engagement gefragt….

 In den Kapiteln „Essen für Freunde und Familie“ präsentieren die Autoren spektakuläre und üppige  Ideen für die Familie und unsere Gäste. Die Zutatenlisten sind bei Frau Baxter grundsätzlich nicht kurz und deshalb wird auch mal getrickst und ein fertiges Brathähnchen  mit dem dazugehörigen Saft für einen fruchtigen Brot-Traubensalat mit Huhn verwendet. Ihre Kreationen legen allesamt Wert auf viel Geschmack und unterschiedliche Texturen bei den Zutaten, das bedeutet für Salat-Rezepte, dass man das in den allerwenigsten Fällen mit 5 Zutaten in 20 Minuten erledigen kann. Wer jedoch auf die zeitliche Komponente in der Küche Wert legt, sollte sich für meinen Geschmack darauf einrichten, dass es meistens doch ein bisschen länger dauert und die Zutaten mit Nichten alle im gut sortierten Supermarkt zu bekommen sind. Die Vorratskammer verlangt diverse Essig u. Ölsorten, getrocknete Früchte sowie Dattel- u. Granatapfelsirup, im Tiefkühler Erbsen, Bohnen und Edame, mehrere Getreidesorten, Asia-Spezialitäten, Gewürze und gute Konserven wie Piquillo-Paprikas, die letztendlich nur qualitativ sehr hochwertige geröstete Paprika im Glas sind, die man in meinen Augen jedoch problemlos mit selbstgerösteten Paprika ersetzten kann.

Fazit: Die etwas andere Salat-Küche – oder viel macht viel!

Insgesamt ist das Beschaffen der Zutaten für Leute, die gerne gut kochen und auf Fusion-Küche stehen, eine meisterbare Aufgabe, wenn diese nicht in „Hintertupfingen“ leben und gerne mal online bestellen, muss man in meinen Augen nicht in London wohnen, wenn man aus diesem sehr inspirierenden Buch Salate zubereiten will. Ich hatte als Fan der Fusion-Küche sowieso das meiste zu Hause stehen und weiche ebenfalls gern aufs Selbermachen aus. Dieses Buch gehört in jedem Fall in die Hände von Geschmacksverliebten weltoffenen Salat-Fans, die eine gut bestückte Speisekammer haben und neben Rezepten auch gerne selber experimentieren, dazu ist das Baukasten-Prinzip am Ende des Buches eine tolle Ideen-Quelle. Wem es um den Zeitaspekt beim Kochen geht, dem möchte ich das Buch nicht gerne empfehlen, der Begriff Fast-Food hat hier nichts zu suchen und ist für mich als Manko bei diesem wirklich tollen Salat- Buch identifizierbar- dessen Rezepte mir jedoch viel Neues in der Salatschlüssel gezeigt haben – dass immer überraschend war und uns toll gescheckt hat!

Jedoch muss ganz deutlich gesagt werden, hier wird bei den Zutaten auf das Prinzip „Viel macht viel!“ gesetzt, der Salat-Baukasten von Jane Baxter ist randvoll und wird ausschweifend bei den Zutaten eingesetzt, dazu braucht es mutige Nachkocher und Menschen, die nicht mit 3 – 6 Zutaten genug haben und sich für einen tollen Salat auch gerne mal zum länger schnippeln in die Küche stellen. Ich habe es sehr gerne gemacht, die Ergebnisse waren ebenso überraschend wie kulinarisch geglückt!

Vielen Dank als Übersendung als Rezensionsexemplar!

Griechische Hühnersuppe mit Zitrone und Reis

© Silvio Knezevic

Quelle: Elisabeth Raether: Das Beste vom Wochenmarkt

Neue frische und saisonale Rezepte aus dem Zeitmagazin

Fotos: Silvio Knezevic

So geht ein feines Hühnersüppchen, das sehr unkompliziert in der Zubereitung ist und mir nicht nur im Dezember gut schmeckt!

Ende Dezember: Das sind die Tage der Einkehr und der Stille, oder anders ausgedrückt, die Tage, in denen man das deutliche Gefühl hat, zu viel gegessen zu haben. Aber man kann ja nicht einfach damit aufhören. Was also tun? Diese Hühnersuppe ist schlank und blass, außerdem schmeckt sie frisch dank Zitrone – sie ist das Gegenteil von einem Weihnachtsmarkt, sozusagen. Die Zubereitung kostet etwas Zeit, aber die hat man zwischen den Jahren ja.

Zutaten für 4 Personen:

1 große Karotte

1 Lauchstange

1 kleine Zwiebel

1 kg Hühnerfleisch (Keulen und Flügel)

2 l Wasser

Salz

2 Eier

Saft und abgeriebene Schale von 2 kleinen Bio-Zitronen

150 g weißer Reis (z. B. Jasminreis)

schwarzer Pfeffer Olivenöl

Zubereitung:

Karotte putzen, schälen und in grobe Stücke schneiden. Lauch putzen, waschen, das Weiße und Hellgrüne in Hälften teilen. Zwiebel schälen und halbieren. Fleisch, Karotte, Lauch und Zwiebel mit dem Wasser zum Kochen bringen. 45 bis 60 Minuten lang köcheln lassen, bis das Fleisch ganz durchgegart ist. Das Fleisch aus dem Topf nehmen, abkühlen lassen, dann mit der Hand vom Knochen lösen und beiseitestellen.

Karotte, Lauch und Zwiebel aus dem Fond entfernen. Den Fond weitere 30 Minuten lang etwa auf die Hälfte der Flüssigkeit einkochen. Dann mit Salz abschmecken. Das Besondere an dieser Suppe ist zum einen, dass sie mit Ei gebunden wird, was sie sämig, aber nicht schwer macht. Zum anderen wird der Reis direkt in der Suppe gekocht, was ebenfalls zu ihrer Cremigkeit beiträgt.

 Zunächst die Eier mit Zitronensaft gründlich verquirlen. Dann etwa 250 ml heißen Hühnerfond sehr langsam in die Ei-Mischung rühren – am besten beginnt man, den Fond esslöffelweise dazuzugießen. Es geht darum, die Eier langsam zu erhitzen, damit sie nicht stocken. In der Zwischenzeit den Reis in den verbliebenen Fond einrühren.

Nach ungefähr 5 Minuten das Hühnerfleisch dazugeben. Alles weitere 5–10 Minuten lang kochen, bis der Reis weich und das Fleisch erhitzt ist, dabei ab und zu umrühren. Schließlich die Ei-Zitronen-Mischung zur Suppe geben, alles noch mal unter Rühren aufkochen, die Suppe sollte dann cremig und leicht angedickt sein. Auf Teller verteilen, mit Pfeffer und nach Geschmack mit fein gehackter Zitronenschale bestreuen, eventuell etwas Olivenöl darübergeben.

Elisabeth Raether: Das Beste vom Wochenmarkt

Elisabeth Raether: Das Beste vom Wochenmarkt

Neue frische und saisonale Rezepte aus dem Zeitmagazin

Fotos: Silvio Knezevic

riva Verlag

Preis: 19,99 €

Warum seriöse Journalisten nicht übers Kochen reden …..

 Elisabeth Raether arbeitet im Bereich des hochseriösen Journalismus, Polit-Journalisten ist die neue Bundesregierung im Moment wichtiger als ihr Kochtopf daheim. Über Essen redet man bei der ZEIT und vermutlich auch beim Stern so wenig wie über Sex. Jeder tut es, hofft man zumindest, jeder weiß, dass der andere es tut, aber man tauscht sich darüber wenn überhaupt nur in Andeutungen aus. Regelmäßig passiert es der Autorin aber, dass Kollegen sie auf dem Flur oder am Rande einer hoch wichtigen Redaktions-Konferenz flüsternd beiseite nehmen und ihr von der herrlichen Zitronenpasta oder dem Himbeerkuchen aus ihrer Kolumne vorschwärmen. Manche trauen sich sogar und schicken ihr heimlich am Wochenende Handyfotos von ihren Erfolgen.

Wie kommt man als Mitglied der ZEIT -Politik-Redaktion zu einer Koch-Kolumne?

 Elisabeth hat definitiv nicht hier geschrien, als es darum ging, eine geeignete Kandidatin für die Koch-Kolumne der ehrwürdigen guten alten ZEIT zu casten, oder sagen wir es einfach so, wie es ist: Niemand anderes wollte diese Arbeit machen. Dabei wäre jeder andere außer ihr auch geeignet gewesen, denn das Prinzip der Kolumne sollte ja sein, dass eben kein Experte Lektionen erteilt, sondern jemand einfach gern draufloskocht. Aber genau da lag wohl der Haken. Denn, klar, fast jeder isst gern, aber das regelmäßige Essenmachen ist eine ganz andere Nummer, als nett auf dem Sofa sich am Sonntag-Abend die neueste Folge einer Koch-Show rein zu ziehen oder ein wunderschönes Kochbuch durchzublättern. Wir leben in einer Zeit, in der viele gerne kochen lassen, Lieferdienst, Fertig-Produkte werden je nach Portemonnaie als Unterstützung angeheuert, Hauptsache man verpasst keinen Instagram-Tweet und ist auch bei Facebook immer on.

Glücklich wird man nicht vor der Glotze oder dem Smartphone, aber vielleicht in der Küche!

 Kochen kann auch bei täglicher Wiederholung eine schöne Tätigkeit, ein Genuss sein, bevor man auch nur einen Bissen probiert hat. Man kann sich auf das Essen freuen, seine Nase in Gewürzdosen halten, die eigenartige Schönheit von Gemüse bestaunen, einfach seinen Gedanken nachhängen, sich unterhalten, Musik hören, oder in den Ofen gucken und den Verwandlungen zusehen, die sich dort ereignen. Am Ende kommt dann der Oberhammer: man darf es sogar selbst aufessen, nette Leute dazu einladen und kann sich stolz von den Gästen auf die Schulter klopfen lassen. Das ist Entschleunigung pur und etwas was uns erdet, wir erleben den erhebenden Moment und die große Befriedigung, mit den eigenen Händen etwas geschaffen zu haben, was uns und andere glücklich macht. Schwer ist das in den meisten Fällen nicht sagt Elisabeth Raether und die Zeit, die es dafür braucht ist auch übersichtlich, im Prinzip kocht sie zwei- bis dreimal die Woche und nur selten kommt was auf den Teller, das lange Vorbereitung bräuchte. Also einfach mehr kochen, weniger darüber reden, ihr wisst schon, was man den anderen nachsagt.

Was gibt es?

Die Rezepte aus diesem Buch stammen aus den vergangenen drei Jahren, aus der Zeit also, als Elisabeth Raether sich schon ein bisschen daran gewöhnt hatte, Kochkolumnistin des ZEIT Magazins zu sein und Familie und Freunde bereits zu der Erkenntnis gelangt waren, die kann nicht nur schreiben, sondern auch ganz passabel kochen.

Saisonal Kochen macht Sinn, einfach auf dem Markt inspirieren lassen!

Saisonal geht es bei ihr zu von Frühling bis Winter, im Frühling gibt es zum Beispiel Risotto mit Kräutern, den perfekten Kräuterfonds dafür hat sich die Autorin im YouTube-Channel eines Italieners abgeschaut. Außerdem kocht die Journalistin jede Menge Pasta, noch mehr Risotto, die guten alten Frikadellen aus dem Kochbuch der Oma, Erbsensuppe und griechische Hühnersuppe und die sogar mit einem Küchentrick, wie die knifflige Ei-Legierung tatsächlich Geling sicher funktioniert. Weiter werden mit einem schlichten Karottenpüree mit Kümmel ebenfalls Vegetarier am Feierabend schnell glücklich gemacht.

 Was gibt es Neues?

 Im Gegensatz zum ersten Buch gibt es gibt mehr Kuchen. Obwohl Elisabeth kein Talent fürs Backen hat – ihr fehlt leider der Wille zur Präzision und Ordnung, doch sie hat nicht aufgegeben und es immer und immer wieder probiert. Inzwischen klappt das ganz gut, Beleg dafür ist die Birnentarte auf Seite 112 und das Clafoutis mit Kirschen auf Seite 72, die Zeit-Kollegen wissen jetzt dank dieses Rezeptes auch, dass Clafoutis noch viel leckerer ist als ein schnöder Kirschkuchen.

 Vegetarier erwünscht, aber ihr spielt in diesem Buch nicht die erste Geige!

Weiterhin bleibt es oft vegetarisch in Raethers Küche, aber sagen wir mal so an den richtigen Stellen vegetarisch. Das heißt, es wird nicht unnötigerweise abgepackte Supermarktware verschlungen, sondern Fleisch als kostbares Geschenk behandelt, auf das man achtgibt wie auf ein teures Parfüm. Es gibt einen üppigen Schweinebraten, asiatisch, scharf, süß und saftig (Seite 40), eine unglaublich aromatische Lammschulter mit viel Knoblauch (Seite 26) und ein schlichtes, knuspriges Brathuhn (Seite 92).

 One-Pot- ist kein Mode-Trend, sondern eine Zubereitungsmethode, die schon Oma kannte!

Einige Schmortöpfe sind dabei – Lamm mit Pflaumen (Seite 142), ein Biergulasch (Seite 216). Für Elisabeth ist Schmoren noch immer die bequemste und damit beste Garmethode: Während es stundenlang köchelt, ruht der Koch sich aus. Neben der Liebe der Autorin für alles Italienische findet man ein bisschen was Französisches wie Eier in Rotweinsoße (Seite 200) und kleines Käsegebäck (Seite 30), das  gut zum Aperitif passt.

Gewürze dürfen bei den Currys ran, allerdings wird man in den Rezepten der Journalistin nicht von den verschiedensten Aromen erschlagen, verrückte zu verspielte Kombinationen kommen bei ihr nicht in den Topf, alles muss für sie gut schmecken und alltagstauglich sein.

Fazit: Nicht lang schnacken, einfach kochen!

Elisabeth Raether ist ein herrlich alltagstaugliches Kochbuch gelungen, das mit saisonalen Rezepten besticht, da ist alles drin was ich mir wünsche und was ich an Tipps gebrauchen kann. Warum einer Politik-Journalistin das besser gelingt als den Profis, ganz einfach Leute, sie kocht um zu Essen und kann ihr „Schreiber-Ego“ vermutlich außerhalb ihrer Kolumne ausleben. Eine Wohltat für genervte Leser und vor allem Nachkocher, die die Nase voll haben von Wortakrobaten, die gar nicht mehr mitbekommen, dass wir gerne selber schmecken und keinen rhetorischen Vorschmecker brauchen, sondern einfach nur leckere und einfache Rezepte –  in diesem Sinne gerne wieder Frau Raether!

Vielen Dank für die Übersendung als Rezensionsexemplar.