Martin Kintrup: Spice Kitchen

Martin Kintrup: Spice Kitchen. Einfach gut gewürzt

Fotos: Melina Kutelas

Hölker Verlag

Preis: 22,– €

 Kulinarische Weltreise mit System!

Wer kocht ?

Martin Kintrup hat seine Lust am Kochen, Essen und Genießen zum Beruf gemacht. Als Autor und Redakteur arbeitet er für mehrere Verlage und schreibt seit 2004 fleißig Kochbücher – mal vegetarisch, mal vegan, mal mit Fleisch, immer gut gewürzt – zum Teil preisgekrönt. Für Spice Kitchen konnte er seiner Leidenschaft frönen und tief in die großen Würzküchen der Welt eintauchen.

Worum geht’s?

 Kulinarische Weltreisen bezahlt man häufig mit jede Menge Neuzugängen im Gewürzschrank. Für mich persönlich kein Problem, ich habe Platz und kann mich sogar noch im Wochenendhaus so richtig austoben. Ich höre aber immer wieder, dass die meisten lieber mit weniger auskommen möchten.

Was ist drin?

System macht Sinn – den Schlüssel zur kulinarischen DNA sicher in der Tasche!

Martin Kintrup hat sich was vorgenommen – er lüpft in 9 Ländern von Indien über Israel nach Mexiko, Vietnam, Japan, in die Türkei bis nach Vietnam – und dann schnell zurück nach Europa – in Italien und Spanien die Topfdeckel heben. 40 Rezepte sind dabei für uns herausgekommen, bei denen pro Land nicht mehr als 5 Gewürze zugelassen sind. Wie man Indien auf 5 Gewürze runterbrechen will, da bin ich gespannt, das ist definitiv eine Challenge. Der versierte Autor geht jedoch mit viel System an die Sache ran. Klar warum sollte man sich sonst ein Kochbuch kaufen, das es wagt so viele unterschiedliche Geschmackswelten quasi gleichermaßen zu dekodieren. Das endet vielleicht im kulinarischen Chaos oder in kulinarischer Beliebigkeit. Ziel bei der von Martin Kintrup organisierten kulinairschen Weltreise, ist ein solides Rezept, das einen Klassiker nicht verhunzt, sondern nur für diejenigen, die sich eben nicht mühsam durch traditionelle Länder-Kochbücher arbeiten wollen, erstmal abzuholen und mit dem typischen Geschmack einer Region vertraut zu machen.

Für Indien bedeutet dies – um wieder auf die Ausgangsfrage zurückzukommen, dass Kintrup sich mit System an die Sache macht. Kardamom wahlweise grün oder schwarz, Nelken, jeweils ergänzt durch Ingwer, denn den haben wir ja schon adoptiert, außerdem Kreuzkümmel – wird sich aus Mexiko geborgt und Koriander frisch oder gemahlen ist sowieso dabei. So weht schnell mit Chicken Biryani oder Lamm Vindaloo der Duft Indiens durch unsere Küche. Der Geschmacks- „backbone“ des indischen Kontinents heißt jedoch schlicht Curryblätter und Senfsamen, die bei einem vegetarischen Masoor Dal mit Paneer oder einem Madras Fischcurry für authentisches India-Feeling sorgen. Danke an den Koch, dass er nochmal darauf hinweist, dass frische Curryblätter in einer ganz anderen Liga spielen, als getrocknete. Es lohnt sich unbedingt danach Ausschau zu halten. Wer sie nicht frisch bekommt, kann auf tiefgekühlte Blätter ausweichen, werden im gut sortierten indischen Spezialitäten-Geschäft angeboten.

Klassiker und neue Zubereitungstechniken, die Zeit und Platz sparen….

Shakshuka und Falafel die gehören unbedingt dazu, wenn wir in Tel-Aviv oder Jerusalem landen. Genauso wie Gnocchi (Spinat-Gnocchi mit Salbei-Nuss-Butter) und Pizza (Pizza bianca mit Salsiccia und Peperoni), wenn wir an Italien denken. Japan ohne Sushi (Wasabi-Sushi-Rollen mit Soja-Dip und Ramen (Pulled Salmon Ramen) undenkbar. Die Idee mal Lachs in einer pulled-Variante zu servieren, finde ich sehr gelungen, hier lässt sich nicht nur ein neues Geschmackerlebnis machen, sondern genauso kräftig Zeit sparen. Für ungeübte kulinarische Weltenbummler ist die sichere Führung des erfahrenen Kochbuch-Autors durch jedes Rezept eine absolute Bank, sonst machen Bücher mit einem derartig großen Focus einfach keinen Sinn.

 Vegetarisch und vegan gehört heute unbedingt zu einem Kochbuch dazu

Masoor Dal mit Paneer aus Indien, Zucchini-Möhren-Puffer mit Cacık aus der Türkei und vegetarische Pancakes aus Vietnam erfreuen die vegetarische Fraktion. Malawach-Fladenbrote mit Zhug und mariniertem Rotkohl aus Israel. Vegetarisches Thali in Form von Ananas-Pachadi Auberginen-Dal und begleitet von Zitronenreis und Paratha aus Indien schmecken rein vegan genauso gut. Rotes Thai-Curry sowie ein herrlich frischer Mango-Gurken-Salat aus Thailand sind weitere vegane Optionen. In Thailand wird dieser Salat klassischerweise mit grüner, unreifer Papaya statt Mango und Gurke zubereitet. Diese ist hierzulande nur schwer erhältlich, deshalb hat sie Martin Kintrup mit unfreien grünen Mangos ersetzt.

Leckeres Soul-Food für die die Fleisch-Fraktion

Ossobuco-Ragout mit Gremolata aus Italien oder würzig scharfes Lamm Vindaloo aus Indien, Banh-Mi-Baguettes mit Nem-Nuong-Fleischbällchen (zum Glück ohne die von mir nicht geliebte Leber-Pate und stattdessen mit einem geglückten Mayonnaise Siracha Aufstrich) und der Suppen-Klassiker Pho mit Rindfleisch, ergänzen gekonnt ein reichhaltiges Angebot an Klassikern oder spannenden neu interpretierten Versionen.

Fazit: Einfach gut gewürzt – wer mit einem guten Führer reist kriegt es lecker!

 Es ist nicht einfach eine derartig große Bühne kulinarisch zu bespielen und viele abzuholen. Martin Kintrup zeigt mit seiner handverlesenen Auswahl, dass er Klassiker sicher mit gelingsicheren Rezepten bespielen kann und ebenfalls was Neues in petto hat. Runzelkartoffeln aus dem Backofen gelingen ohne,  dass dafür sehr viel Meersalz erforderlich ist. Paella mal mit Merguez zu servieren, die ja eigentlich aus Marokko geklaut wurden, fanden wir eine wunderbare Idee. Die Ausstattung und Aufmachung des Buches sind wertig und zeigen es geht in diesem Buch mehr um Klasse als Masse! 40 gelingsichere Rezepte für unserem Background und unsere gewählten Beschränkungen, sind mehr als hundert, bei der doch nur jedes zweites oder drittes, es wirklich in die persönliche Hit-Liste schaffen. Der Autor überzeugt mit handwerklicher Expertise und als kreativer, kundiger Führer durch den Gewürz-Dschungel vieler Regionen und berücksichtigt dabei Fleischesser, Vegetarier und Veganer gleichermaßen. Sehr schön gemachtes Buch, in dem mir jedes Rezept genauso gut gefällt! Auch wenn ich noch Platz hätte im Gewürzschrank und genau das macht für mich den Unterschied, für diejenigen, die sich gerne auf eine kulinarische Weltreise begeben wollen und trotzdem die Kontrolle über ihren Gewürzschrank nicht abgeben wollen!

Selina Periampillai: Kreolisch kochen

Selina Periampillai: Kreolisch kochen

Dorling Kindersley Verlag

Kulinarische Auszeit vom Feinsten oder Geheim-Rezepte für graue, triste Wintertage…

Preis: 24,95 €

Worum geht’s?

Der Blick aus dem Fenster, zeigt einen grauen Wintertag. Der Blick auf das fröhlich bunte Kochbuch vor mir ist stattdessen Balsam für meine Seele und der Blick hinein verspricht einen vielversprechenden kulinarischen Ausflug an den indischen Ozean: Mauritius, La Réunion, Rodriguez, die Seychellen, Komoren und die Malediven sind unser Ziel.

Wer ist die Autorin?

©Jason Periampillai

mit den Füßen in London, im Kopf da wo das Herz zu Hause ist und es nach Melasse duftet….

 Selina Periampillai lebt in London. Ihre Eltern stammen von Mauritius, weshalb sie seit ihrer Kindheit immer wieder auf der geliebten Insel war. Für dieses Buch hat sie auch die weiteren Inseln des Archipels im Indischen Ozean besucht und zu den traditionellen Rezepten ihrer Mutter weitere Rezepte gesammelt.

Schon als Kind, sah sie liebend gerne zu, wenn die Mutter, Gerichte aus ihrer Heimat zubereitete. Jahre später, als sie in derselben Küche neben ihr stand, wusste sie plötzlich, dass sie beide dieses Essen auch anderen nahebringen können. So kam Selina schließlich auf die Idee, bei sich zu Hause Supper-Clubs mit mauritischer Küche zu veranstalten. Zusammen mit ihrer Mutter Sabita, von den Gästen auch liebevoll Mama Choo genannt, brachte sie regelmäßig Gerichte der Inseln auf den Tisch, an dem sich Fremde trafen und alle waren begeistert.

Mit ihrer Marke Taste Mauritius organisiert sie Supper Club Pop Up Restaurants und bietet Catering an. Sie schreibt u.a. für den Guardian und viele weitere Magazine wie das Good Taste Magazine und die Delicious. Bei Instagram findet man die Autorin hier.

Was ist drin?

 

mari bon!

Wörtlich übersetzt heißt das „sehr gut“, für die Supperclub-Betreiberin, deren kulinarischen Wurzeln auf Mauritius liegen, ist das beschwingte Gefühl, wenn man gemeinsam genießt die treibende Kraft dahinter. Auf den Inseln ist die Küche, das Zentrum des Heims, dabei spielt es keine  Rolle, wie das zubereitet wird. Traditioneller Weise wird dort vieles gegrillt oder über einem offenen Holzhofenfeuer zubereitet.

Kulinarische Landkarte……

Viele der Rezepte des wunderschönen Kochbuchs stammen aus der Familie von Selina Periampillai, sie hat diese jedoch so abgeändert, dass man sie in Europa leicht nachkochen kann. Und genau das ist diesem Kochbuch sofort anzumerken!  Andere Rezepte brachte sie von ihren Reisen und kulinarischen Entdeckungstouren mit..

Und sonst noch………

Die Insel im Indischen Ozean unterscheiden sich landschaftlich, den Menschenschlag und die Größe betreffend immens – Madagaskar ist riesig, Rodrigues, die Nachbarinsel von Mauritius, dagegen sehr klein. Die madagassische Küche ist tief mit der Geschichte des Landes als bedeutender Handelshafen verbunden. Die Siedler kamen aus Südostasien, Afrika, Indien, China und Frankreich und brachten ihre Essgewohnheiten und heimischen Lebensmittel mit: Kochbanen, Yams, Zuckerohr und Kokosnüsse gediehen auf der viertgrößten Insel der Welt vortrefflich. Aber es waren die Vanille-Orchideen, die der Insel zu ihrem Durchbruch verhalfen. La Réunion, ist ein französisches Übersee-Département im Indischen Ozean, seine Küche ist entsprechend nicht nur kreolisch, sondern ebenso Französisch geprägt. Auf den rund 40 Inseln der Malediven, die umgeben von einem makellosen Ozean sind,  wird mit Ingwer, Zitronengras, Koriander und Tamarinde gekocht. Fisch ist Grundnahrungsmittel, nur am Sonntag, wenn die Familien sich was Gutes gönnen wollen, kommen Hähnchen, Rind- oder Schweinfleisch auf den Tisch.

Verwenden was wir haben…..

 Auf den Inseln wird das verwendet, was dort in Hülle und Fülle wächst: Annas, Kokosnuss, Litschi, Süßkartoffeln, Jackfrucht, Maniok, Brotfrucht und Mais gedeihen im tropischen Klima prächtig.

Wo können wir das weitere an Zutaten bekommen….

Kreolische Küche ist nicht besonders kompliziert, oder verlangt bei den Gewürzen unmögliches: Nelken, Ingwer, Kardamom. Knoblauch, Koriander, Kreuzkümmel, Kurkuma und Muskatnuss, sind inzwischen in jedem normalen Supermarkt erhältlich und für Curry-Blätter, Senfsamen und Tamarinde, dafür reichen ein paar Klicks online oder der Gang zum indischen Spezialitäten-Geschäft, dass  bei mir in Frankfurt häufig ebenfalls als eine sehr gute Einkaufsquelle für Kochbanen, Yams, Brotfrüchte, Maniok oder Chayote erweist, weil ein afrikanisches Restaurant gleich um die Ecke ist.

Was gibt’s zu essen?

 Die Rezepte präsentieren sich in den klassischen Kategorien, eine kleine Auswahl zeigt die ganze Vielfalt, die sich beeindruckend in diesem Kochbuch präsentiert:

Salat aus reifen Tomaten – Mauritius, Süßkartoffel-Cremesuppe – Komoren & Mayotte; Gemüse: Cari (Curry) mit Auberginen & Kichererbsen – Seychellen; Beilagen: Kokosreis – Madagaskar, Curryblätter-Brötchen – Seychellen; Fisch: maledivisches Thunfisch-Curry, kreolischer Oktopus-Salat – Rodrigues; Fleisch, Geflügel (Entenragout mit Zimt & Gewürznelken, gegrillte Lammkottelets mit Zitrone – Mauritius.

Häppchen & Street-Food: Dumplings mit Schweinefleisch & Soja-Ingwer-Dip – La Réunion; Chutneys & Eingemachtes: Chutney von gerösteter Kokosnuss, Minze & Tamarinde; Desserts: Bananenkuchen mit Maracujasauce – Seychellen; Getränke: Litschi-Punsch mit Rum & Limette – Mauritius oder ein Kardamom-Chai-Tee.

Probiert & Verputzt:

Hähnchen in Jogurt Safran-Sauce – Mauritius

Wunderbar aromatisch (Kardamom, Kreuzkümmel, Zimt und Safran seit Dank) und gleichzeitig durch den Joghurt dabei sehr cremig.

Biryani mit Fisch – Mauritius

Biryanis gehören zu den signatur dishes auf Mauritius, die haben die Moguln  mitgebracht. Biryanis müssen lange garen, erklärt Selina Periampillai, deshalb ist diese bei diesem Rezept auf Fisch ausgewichen. Frische Curryblätter sind wichtig, notfalls tiefgekühlte verwenden, die sind bei uns einfacher zu bekommen als frische. Chilischoten und Joghurt verleihen dem Gericht aromatische Tiefe, der Safran bringt eine erdige und gleichzeitig blumige Note hinein.

Tamarinden-Ananas-Salat mit Chili-Salz – Mauritius

Eine frisch-fruchtige Begleitung, die Spaß macht!

Eingelegtes buntes Senf-Gemüse – Mauritius

Das blanchierte Gemüse wird in einer feuchten Paste aus Bockshornklee, Kurkuma und schwarzem Senfsamen (gibt es im indischen Spezialgeschäft) eingelegt. Die Paste (achard) haben sicherlich die indischen Einwanderer mitgebracht, sie wird im Mörser mit Wasser zerstoßen.

Fazit: Die Küche der Inseln lecker und mit phantastisch alltagstauglichen Rezepten, die auch zu Hause funktionieren!

Kreolische Küche ist technisch nicht schwierig, die Einheimischen lieben einfache Zubereitungsmethoden,  häufig treffen sich Familie, Nachbarn und Freunde zum großen Sonntags-Picknick und grillen oder garen Zicklein & Co auf dem Grill oder dem offenen Holzfeuer. Das ist genau das Problem, was sich den meisten Nachkochern stellt, die sich der Küche der Inseln nähern wollen, sie erhalten keine Rezepte, die auch in einer kleinen Großstadtküche funktionieren und mit der Zubereitung eines Zickleins haben wir ebenfalls keine Erfahrung.

Und genau da kommt Selina Periampillai ins Spiel, ihre Küche in London ist eher klein und normal ausgestattet. Sie kann das was andere Kochbücher zur kreolischen Küche bislang nicht einlösen konnten, die Zutaten, Geschmäcker und Zubereitungsmethoden aller Inseln des Archipels nicht nur umfassend erklären, sondern mit leckeren und funktionierenden Rezepten für zu Hause vorstellen.

Allein schon wegen der köstlichen Cari (Curry-Rezepte) und den selbstgemachten verschiedenen Masalas (Curry-Gewürzmischungen) bekommt dieses Kochbuch bei mir die Bestnote, wenn es um die Küche der Inseln im indischen Ozean geht. – Denn wer erfolgreich einen Supperclub betreibt, um Neulinge mit der kreolische Küche bekannt zu machen, ist als Autorin der absolute Glücksfall für ein solches Kochbuch!

Wunderbar, dass sie ebenfalls Vorschläge für Menüs der Insel und nach Vorlieben im Angebot hat und bei der Erklärung ihrer Speisekammer sehr viel Information und Beratung automatisch mitliefert.

Saliha Mahmood Ahmed: Khazana

Saliha Mahmood Ahmed: Khazana

Fotos: Kristin Perers

Christian Verlag

Preis: 29,99 €

Wer ist die Autorin?

 Auf kulinarischer Entdeckungstour durch Indien und Pakistan und dann Gewinnerin der MasterChef Challenge 2017

 

Saliha Mahmood Ahmed ist in einem kleinen Ort im Osten Englands aufgewachsen, ihre Wurzeln aber liegen in Pakistan. Die Liebe zum Essen und Reisen hat sie von ihrem Vater geerbt. Der Beginn der Sommerferien war in der Familie stets eine spannende Zeit für alle. Als Reisefan ließ sich Saliha Mahmood’s Vater nicht nehmen, seinen Kindern ihre Heimat zu zeigen und so reiste die ganze Familie nicht nur durch Indien, Pakistan, sondern ebenfalls durch Kaschmir, den Nahen Osten und Zentralasien. Immer auf der Suche nach etwas leckeren zu Essen, ob nun an kleinen Straßenständen (Dhabas) oder in edlen Restaurants. Die Liebe zum Kochen hat Saliha von ihrer Großmutter geerbt.

Viele Jahre lang war das Kochen für die spätere MasterChef-Gewinnerin nur ein wichtiges Hobby, denn sie trat zunächst in die Fußstapfen ihrer Eltern und wendete sich der Medizin zu. Privat sammelte Saliha jedoch Berge an Kochbüchern und Magazinen und überlegte sich ständig ein neue großes Projekt in der Küche. 2017 schließlich wurde Saliha Mahmood Ahmed von ihrem Mann Usman für die im britischem Fernsehen sehr beliebte MasterChef Challenge angemeldet und eine spannende Entwicklung begann, die schließlich in der Veröffentlichung dieses Kochbuchs mündete.

Was ist drin?

 mogul-kitchen with a modern approach or indo-persian cuisine for today….

Khazana bedeutet »Schatzfund« in Urdu. Wer sich wie ich durch die Seiten dieses Buches blättert, wird Rezepte, Kunstwerke und andere Bezüge entdecken, die auf eine opulente majestätisch Vergangenheit der vergangen Mogulreiche, die immerhin mehr als 300 Jahre (1526 – 1868) andauerte referieren, dabei aber keinesfalls zum belehrenden Geschichtsbuch wird.

Abgesehen davon, dass die Moguln eines der Sieben Weltwunder gebaut haben, das prachtvolle Taj Mahal ist in unseren Breiten sehr wenig über die Mogul-Herrschaft bekannt. Die Dynastie des Mogulreiches begann 1526, als Babur, Herrscher eines kleinen Fürstentums in Zentralasien, Sultan Ibrahim Lodi von Delhi besiegte.

Das etwas andere Kochbuch zur Küche islamischen Küche Nordindiens und Pakistans

Von den Mogul-Herrschern ist bekannt, dass sie keine ausgewiesenen Fans von Salaten waren, deshalb hat die Autorin für uns moderne Salat-Kreationen entwickelt, die die Aromen des Mogulreiches in sich tragen: Das Rezept für karamellisierte Trauben mit Labneh, gerösteten Walnusskernen & Kräuter-Radieschen, erinnert mit Estragon und Radieschen als Zutaten an die Küche Persiens. Für die Moguln war es weiterhin von großer Wichtigkeit – erzählt die junge britische Ärztin, ebenfalls die heilende Wirkung ihrer Nahrung zu kennen. Minze und Fenchelsamen wurde nachgesagt, die Verdauung positiv zu beeinflussen – besonders, wenn reichhaltige, fettige Speisen auf dem Menü standen. Saliha Mahmood Ahmed kreierte einen Salat mit geröstetem Fenchel, frischer Minze und Granatapfelsamen, der ebenfalls optisch jede Menge her macht.

Street-Food goes Mogul…..

Obgleich die Moguln natürlich ebenfalls kein Streetfood aßen, findet man heute vor den Sehenswürdigkeiten aus der Mogulzeit fast immer ein großes Aufgebot an Streetfood-Ständen mit leckeren Essen, berichtet die Autorin. Wie viele andere Touristen stärkte sich diese dort mit Köstlichkeiten während sie die architektonischen Meisterwerke der Moguln in Südostasien bewunderte. Unter Verwendung von traditionellen Aromen und Kochmethoden der Moguln hat die britische Ärztin moderne indische Streetfood-Rezepte entwickelt, die zeitgemäßer  und gesünder sind als das was man vermutlich vor Ort genießen konnte: z. B: Grünkohl-Pakoras mit Tomaten-Tamarinden-Suppe, frittierter Topinambur-Snack mit grünem Chutney & süß-salzigem Joghurt oder gebackene Süßkartoffeln mit Chili, Honig, Tamarinde & gerösteten Erdnüssen.

Mit opulenten Bildern, verspielten Illustrationen und Rezepten für Salate, Suppen, Vorspeisen, Fleisch, Geflügel, Fisch und Meeresfrüchte, Gemüse und Vegetarisches, Reis und Brot, Eingemachtes, Süßes und Desserts sowie Getränken und Drinks holt dieses Kochbuch die raffinierte Küche des  Mogulreiches auf die kulinarische Bühne, die gleichzeitig die kulinarischen Prägungen des islamisch geprägten indischen Nordens und Pakistan widerspiegeln.

Saliha Mahmood Ahmed Rezepte sind unkompliziert und leicht nach zu kochen. Das Schöne an den Speisen ist, dass sie sich nicht einer spezifischen Länderküche zuordnen lassen. Die Einflüsse der persischen und zentralasiatischen Küche, zeigen z. B. eine Kichererbsensuppe mit Granatapfelsamen, die als Ramadan-Suppe (Chorba) in vielen Küchen bis hin in die Maghreb-Staaten oder den zentral-asiatischen Ländern an der Seidenstraße geschätzt und geliebt wird. Variationen gibt es viele, die britische Autorin bleibt ihrem Grundsatz treu und serviert eine leichte rein vegetarische Variante.

Was ist besonders?  

 Oder hier hat sich jemand wirklich sehr viel Mühe gegeben

 Sicherlich wäre es für die MasterChef Gewinnerin aus 2017 ein leichtes gewesen, nach ihrem Gewinn einfach nur ein Buch mit ihren Rezepten zu veröffentlichen.

Sie hat es sich jedoch nicht nehmen lassen uns einen tieferen Blick in die muslimische Küche des indischen Sub-Kontinents von Delhi über Kaschmir bis hin nach Lahore zu gönnen. Sie gräbt dabei die Wurzeln, der Küche ihrer Heimat (Pakistan) wieder aus und kann vor allem alles mit einem modernen und zeitgemäßen Ansatz präsentieren:

So bekommen bei ihr klassische Tikki-Bällchen, die in Nordindien und Pakistan einen beliebten Straßensnack darstellen durch die Zugabe von Kidneybohnen eine noch bessere Konsistenz und eine schöne leicht pinke Farbe. Samosas, die indische Spezialität schlechthin werden in der Version von Saliha Mahmood Ahmed mit Hackfleisch und zudem mit Pistazien gefüllt. Nahrungsmittelforscher sind sich einig, erklärt sie uns, dass die Moguln dazu beigetragen haben, dass Samosas sich über den gesamten indischen Subkontinent verbreitet haben. Ihre Wurzeln scheinen jedoch im Nahen Osten und Zentralasien zu liegen.

In der Rubrik „Eingelegtes & Würzsaucen“ freue ich mich über die Kreativität der Autorin und die vielen Chutneys (Mango, Erdbeere & Tamarinde im frischen Chutney, Feiertags-Chutney aus frischen Brombeeren mit Sternanis).

Super finde ich auch das Kapitel mit den Desserts oder den Getränken (salziger Kräuterlassi, grüner Eistee mit Safran, Latte Macchiato mit Rosenaroma) , da wir vieles geboten, was mir deutlich besser zusagt, als die zuckerstrotzten klassischen indischen Desserts.

Probiert & Verputzt:

 Karottensalat mit Tadka-Dressing

© Kristin Perers

Wow, leckerster Karottensalat ever! Habe mich in die Tadka-Technik geradezu verliebt und ins Standard-Repertoire übernommen!

P.S. 75 ml Öl sind 5 EL, dass passt, wer unbedingt Kalorien sparen will nimmt halt einen 1 EL weniger

 

 

 

Karamellisierte Trauben

Klasse Rezept und ein wunderbares Zusammenspiel der Aromen – gibt es wieder!

Persischer Kernmi

Für Gäste als Begrüßung zum Apero gereicht -tolle Kombi – Keeper Liste!

P.S. getrocknete Melonenkerne gab es bei mir im indischen Laden 100 g Beutel  und kosten wirklich nicht viel…..

Malai Boti (Zarte Hühnchenbissen in Joghurtmarinade)

Üppig aber so gut, weil superzart. Die Geheimzutat: Papayapaste macht es möglich!

P.S. Ich habe das Fleisch wirklich einen Tag im Kühlschrank marinieren lassen, der würzige Cheddar in der Marinade ist offenbar der Twist der Köchin und hat uns super geschmeckt!

Zarte Lammhaxen in Granatapfel-Dattel-Sauce mit Auberginen-Kichererbsen-Couscous

© Kristin Perers

Allein der Duft den unsere Küche erfüllte – phantastisch, aber dann erst auf dem Teller großes Gaumenkino!

Bei Rezepten mit Granatapfelsirup bin ja inzwischen skeptisch, das hat mir auch schon bei „Otto“ und Sabrina nicht immer gut gefallen, weil das nur wirklich gut wird, wenn man eine tolle Qualität verwendet. Hier hätte auch eine mittelmäßige Qualität keine Chance, daraus was Langweiliges zu machen, weil das die Aromen vielschichtig und wunderbar aufeinander abgestimmt sind!

Trotzdem leistet Euch gute und Kichererbsen aus der Dose, verwende ich persönlich nur, wenn es nicht mehr anders geht. Geschmacklich liegen da Welten dazwischen zu den getrockneten,  habe ich neulich bei meinem Hummus entdeckt. Kann man aber natürlich auch anders handhaben, wenn es schnell gehen soll. Allerdings schmecken Kichererbsen aus der Dose aus  irgendwie fad, wenn man kein Top-Produkt findet und das ist wirklich nicht so einfach!

Persischer Juwelenreis

© Kristin Perers

Welche Wonne welches Glück, wieder ein Rezept wo jedes Detail wohl komponiert ist!

Beim nächsten Mal für Gäste kombiniert mit dem Rezept für ein Lachsfilet am Stück in karamellisierter Tamarinden-Orangen-Sauce (Seite 134).

 

 

 

Shrikand (kaiserlicher Joghurt mit karamelisierten Mangos)

Mein Schrikand-Favorit, habe das meinen Gästen schon häufiger als Dessert an einem indischen Abend serviert, mal aus dem Netz, mal von einer anderen Autorin. Die ist mit Abstand das beste Rezept dafür – Die Frau wird mir unheimlich…….

P.S. Bei den Chiliflocken habe ich durchweg Pul Piber (gibt es im türkischen Laden) verwendet, weil die fruchtige Schärfe, die dieser mitbringt, einfach toll ist!

Fazit: Wenn das die Moguln wüssten, sie hätten ihr das Ministerium für die kaiserliche Küche unbedingt angeboten…..

 Das gab es tatsächlich und wurde mit einem staatlichen Budget von 1000 Rupien ausgestattet berichtet Saliha Mahmood Ahmed in ihrer Einleitung. Wenn diese Herrscher heute noch was zu sagen hätten, sie hätten ihr unbedingt den Posten dort angeboten. Wer in Großbritannien mit nord-indischen Rezepten aus der muslimisch geprägten Fraktion des Sub-Kontinents eine Koch-Show gewinnen will, muss was draufhaben. Die Briten haben die Klassiker der indischen Küche längst eingemeindet. Diese Lady hat sehr viel drauf und kann geschmacklich und optisch für Begeisterung sorgen. Ich hätte nie gedacht, dass mich ein Kochbuch zur indischen Küche noch mal so überraschen könnte. Ich habe mich mit jeder Seite mehr in dieses Kochbuch verliebt und finde es sehr gelungen, den historisch Bezug dieser Küche transparent zu machen. Wer wirklich mal was Neues will und für wen Fusion nicht automatisch mit Salzzitronen und Rosen-Harissa sein muss, der sollte sich die Rezepte dieser sehr begabten jungen Autorin einmal anschauen. Dasselbe gilt für die diejenigen die etwas über die muslimisch geprägte Küche Nordindiens  und Pakistans lernen wollen und gleichzeitig nach modernisierten Rezepten dazu suchen.

Der Zugang zu einem gut sortierten indischen Spezialitätenladen ist von Vorteil, weil frische Curry- oder Bockshornkleeblätter in Großbritannien normal sind und unproblematisch in den spezialisierten Geschäften zu bekommen sind. An die Stelle von Schärfe tritt in diesem Kochbuch Aroma und die Auswahl an Gewürzen und Spezial-Zutaten bleibt übersichtlich.

 

 

Bangkok – Rezepte und Geschichten aus dem Herzen Thailands

Leela Punyaratabandhu: Bangkok – Rezepte und Geschichten aus dem Herzen Thailands

Fotos: David Loftus

Südwest Verlag

Preis: 36,– €

Thai-Küche endlich authentisch und nicht nur Streetfood-Style

Worum geht’s?

 Man möchte es kaum glauben, aber dennoch ist es so, obwohl es gefühlt an jeder Ecke einen Thai-Imbiss gibt, unzählige Bücher uns in den letzten 30 Jahren, die Thai-Küche nach Hause bringen wollten, ist diese Küche doch nie wirklich bei uns angekommen. Wenn man von bescheidenen Versuchen eines englischen Spitzenkochs absieht, wurde hier bislang meistens nur in die Streetfood-Ecke geschaut und die Authentizität von Zutaten und Zubereitungstechniken extrem vernachlässigt.

©Ten Speed Press 2019

Leela Punyaratabandhu wuchs in Bangkok auf, bevor es diese zum Studium nach Chicago verschlug. Dieses Kochbuch ist bereits ihr zweites Thai-Kochbuch

 

 

 

 

 

 

Was ist drin?

 – oder Reis ist keine Beilage!

Wer bislang Reis nur im Reiskocher gekocht hat, wird sich umgucken, was dieses Kochbuch schon bei den profanen Beilagen dazu zu sagen hat…. Wenn man es wirklich authentisch will, wird der Reis erst gekocht und dann gedämpft. Bevor jemand jetzt aber Angst bekommt, dass es zu kompliziert werden könnte, kann ich alle beruhigen, dieses Buch ist nicht nur authentisch, sondern schafft den Spagat zwischen den traditionellen Zubereitungstechniken und normalen Verhältnissen zu Hause. Meistens werden zwei Wege angeboten und den Reiskocher muss ebenfalls keiner aus der Küche verbannen. Mit einem Vorurteil räumt, die in Chicago beheimatete Autorin, jedoch gründlich auf, Reis ist keine Beilage, sondern Hauptmahlzeit, zu der sich eine Beilage aus Fleisch, Fisch oder Gemüse gesellt, dass bei uns  auch als Curry durchgeht….

Streetfood hat häufig kaum was mit authentischer Bangkoker-Küche zu tun….

Für Leela Punyaratabandhu hat Streetfood wenig bis gar nichts mit authentischer Bangkoker Küche zu tun! Will man die Metropole Thailands wirklich kulinarisch kennenlernen, lohnt sich ihrer Meinung nach, der Besuch eines traditionellen Restaurants oder der Blick auf den Küchentisch zu Hause bei den Familien. Beide Großmütter, von denen sie viel gelernt hat, ließen sich beim Kochen für die Familie nach einem Gang durch den Küchengarten inspirieren und die Gäste wurden klassischerweise mit gefiltertem aromatisiertem Blütenwasser begrüßt. Das war zu einer Zeit als es noch keine Kühlschränke in Thailand gab, so selbstverständlich, wie heute den Kühlschrank zu öffnen und sich einen Softdrink zu genehmigen.

Nicht nur mit dieser Tradition macht uns die Autorin netterweise bekannt, sondern diese möchte nach ihrem ersten Kochbuch, in dem es um easy-peasy Thai-Küche ging, in ihrem zweiten Kochbuch endlich zeigen, was für sie die authentische Küche Bangkoks ausmacht:

An Bangkok Straßenständen ist man nicht unbedingt authentisch weiß Ms. Punyaratabandhu zu berichten, dafür sind die Möglichkeiten, die diese Standkocher haben viel zu beschränkt und das Verhältnis von Gemüse und Fleisch gerne zu Gunsten des Gemüses verändert, weil dies einfach die billigere Zutat ist.

Bislang haben es aber vorwiegend gerade diese Thai-Rezepte nach Europa und in die große weite Welt geschafft. Es gibt nur einen Stand-Betreiber, der auch vor den kritischen Augen von Leela bestehen kann, „Bruder Uan“, der seit vielen Jahren mit Einbruch der Dunkelheit seinen Stand in Bangkoks Amüsierviertel aufbaut, um seine leckeren und saftigen Schweinfleisch-Spieße mit größter Sorgfalt zuzubereiten. Ihn konnte der Ruhm durch viele Fernseh-Teams nicht anfechten, die Qualität seiner Spieße ist nach wie vor dieselbe, auch wenn die Fernseh-Leute ihn kurzerhand auf Owen tauften. Ein Rezept für richtig gute gegrillte Schweinefleisch-Spieße, gibt es direkt im Anschluss an diese Geschichte, die nicht deutlicher sein könnte, wenn man verstehen möchte, warum es die echte Thai-Küche bislang noch nicht in die Welt geschafft hat.

Probiert & verputzt:

Rind-Gurken-Curry

© David Loftus

Soul-Food aus Bangkok! Ein Rezept, das auch ohne den Spontan-Einkauf im Asia-Laden auskommt, wenn die Speisekammer und der Gewürzschrank schon auf Asien eingestellt sind. Reich an Aromen, sehr lecker und vor allem ebenfalls für diejenigen leicht nach zu kochen, die keinen Asia-Markt um die Ecke haben!

Reich an Aromen, sehr lecker und vor allem ebenfalls für diejenigen leicht nach zu kochen, die keinen Asia-Markt um die Ecke haben!

 

Grünes Rindercurry

© David Loftus

 

Eigentlich habe ich schon Ewigkeiten keine Thai-Currys mehr serviert. Dieses Rezept hat uns wieder auf den Geschmack gebracht. Herrlich aromatische Currypaste mit authentischer Schärfe, bitte niemals im Asia-Laden aus industrieller Fertigung kaufen, denn die sind furchtbar!

Die Kombination aus langen grünen Chilischoten und grünen Bird’s-Eye-Chilischoten erweist sich als geschickter Schachzug in Punkto Farbe und Schärfe, die hier jedoch deutlich und wie immer authentisch ist. Gerne wieder, ich habe mich gerade wieder in die Thai-Küche verliebt!

24-Stunden-Huhn-matsaman-Curry

Thailand meets India und mit Verlaub, dass beste Matsaman Curry, dass je unsere Küche verlassen hat! Perfekt für einen netten Abend mit Gästen, denn alles lässt sich wunderbar vorbereiten – unsere waren begeistert, schnelles Pfannenrühren ist hier nicht angesagt, es lohnt sich in jedem Fall!

P.S. Guajillo-Chilischoten sind aus der mexikanischen Küche entliehen, immerhin stammt die Autorin aus Chicago. Diese haben einen Schärfegrad von 3, zum Vergleich bei Bird’s-Eye-Chilischoten sind wir bei 10. Die Menge an Chilis klingt hier hoch, passte für uns jedoch perfekt. Bitter-Orangen kann man nur im Januar/Februar im spezialisierten Handel oder beim italienischen oder türkischen Händler kaufen. Irritiert war ich jedoch bei den Mengen für das Curry und habe einiges nach Geschmack angepasst. Kokoscreme gibt es gepresst im Block im Asia-Laden, die mit Wasser zu einer dickflüssigen Creme auf emulgiert wird, ich habe knapp einen Liter verwendet. Bitte nicht mit Kokosöl verwechseln!

Fazit: Kochen wie in Thailand und nicht Thailand light für Langnasen….

Ich habe mich nachhaltig in dieses wirklich ungeheuer authentische Thai-Kochbuch verliebt, das ich gerne, denjenigen empfehle, die nicht nur mit dem Blick des Alltagskochers kulinarisch in Thailand eintauchen wollen, denn es geht hier um deutlich mehr. Da hat dieses Kochbuch wie kaum ein anderes, dass in deutscher Übersetzung vorliegt sehr viel zu sagen, was mir bisher entgangen ist. Die allermeisten Thai-Kochbücher favorisieren leider eine rein massentaugliche und anschmiegsame Position. Es gibt viele Gerichte, die auch Interessenten mit keinem Asia-Shop in unmittelbarer Nähe, problemlos nachkochen können, wenn sie im Gewürzschrank und Speisekammer ein wenig aufrüsten. Wer nur an Streetfood-Ständen isst kann einem leidtun, die authentische Küche Bangkoks lernt man dort jedenfalls nicht kennen, meint die Autorin. Dort wird höchstens mehr frisches Gemüse verwendet, weil das einfach billiger ist, mit authentischer Thai-Küche hat das jedoch nichts zu tun!

Danke für einen sehr gelungenen kulinarischen authentischen Ausflug nach Bangkok und die historische Einordung aller Rezepte in dessen Geschichte.

Nerds und Küchenforscher kommen ebenfalls auf ihre Kosten und lernen z. B. wie sie die beliebte Garnelenpaste in deutlich besserer Qualität selber machen können, Voraussetzung dafür, man bekommt mittelgroße Süßwassergarnelen mit Kopf, Panzer und sichtbar orangefarbener Leber. Ansonsten gibt es immer einen Plan B im Kochbuch, das hat mich persönlich überzeugt. Bei den ausprobierten Rezepten habe ich hier und da nach persönlichem Geschmack an den Mengen geschraubt und für Gäste auch mal die authentische Schärfe reduziert.

Herzlichen Dank für die Übersendung als Rezensionsexemplar, für dessen Besprechung ich gerne meine ehrliche Meinung wiedergebe, mein Blog ist und bleibt auch in 2020 ein lieb gewonnenes privates Hobby!

 

Donna Hay: Weihnachten festlich genießen

Donna Hay: Weihnachten festlich genießen

Fotos: Chris Court, Ben Dearnley, William Meppem, Con Poulos, Anson Smart

AT Verlag

Preis: 29,90 €

Gastgeben an Weihnachten mit Donna Hay geht schick, lecker und easy!

Worum geht’s?

 – oder erhöhen Sie den Spaßfaktor an Weihnachten…..

Der Countdown läuft bereits und in nicht wenigen Familien wird bereits heute in weihnachtlich besinnlicher Stimmung geschwelgt. Nur schade, dass wir im Gegensatz zu anderen Landsleuten, dass Fest der Familien-Feste häufig nur besinnlich und festlich zelebrieren. Da bleibt nicht mehr viel Platz für Spaß & Co. Der Stresspegel steigt genauso kontinuierlich wie die Erwartungen, die alle an ein solches Fest der Liebe haben…..

Was wir von anderen lernen können…

Hört man der Australierin Donna Hay in ihrem Vorwort aufmerksam zu, dürfen zu Weihnachten bei dieser drei Lieblingszutaten nicht fehlen: Familie, Lachen und ein bisschen Verrücktheit. Ihre Jungs sind an diesem Tag (natürlich!) sehr früh wach, und nach den ersten Geschenken sausen alle Hays runter ans Meer, um eine Runde zu schwimmen. Erfrischt und mit Salz auf der Haut geht es zurück nach Hause zum Lunch. Mit ihren Schwestern bereitet die australische Koch-Ikone dann ziemlich entspannt bei einem Glas Champagner die Canapés vor. Diese Momente genießen alle am Weihnachtstag besonders und die Australierin gibt zu, dass sie zwar eine große Schwäche für festliche Mahlzeiten mit all dem schönen Drumherum hat – doch andererseits schon seit Jahren immer auf der Suche nach neuen Wegen ist, den Feiertagsstress in Grenzen zu halten und den Spaßfaktor zu erhöhen.

Was ist drin?

 Die versierte Köchin, Stylistin und Gastgeberin kann Weihnachten in allen Facetten!

 Die Fernsehköchin – das lässt sich ohne zu übertreiben – feststellen, ist eine Profi-Gastgeberin. Hay liefert immer eine Vielzahl von Ideen, wenn diese sich einem Thema annimmt, beherrscht dabei den geschmacklichen Twist, die Nuance an die bisher keiner gedacht hat und kann ebenfalls überzeugend optisch Akzente setzen, die die Gäste am Tisch so schnell nicht vergessen werden und für die Gastgeber trotzdem meisterbar bleiben. Das ist die Haysche Kern-Kompetenz bei der der erfahren ehemaligen Magazin-Herausgeberin, so schnell niemand was vormacht!

Hay’s mögen es deftig und süß an Weihnachten….

Den Inhalt ihres Weihnachts-Kochbuches unterteilt Donna Hay erstmal ganz schlicht in festlich oder in süß. Im ersten Teil geht es um die Bestandteile des klassischen Weihnachts-Menüs von Truthahn, über Schwein, bis hin zu Fisch & Meeresfrüchten und den Beilagen, ist hier alles dabei was man sich für einen leckeren Weihnachtsabend wünschen kann.

Ja, zum Weihnachtsbraten, aber auch zu Fisch, Gemüse und Beilage

Obwohl Sydney zu Weihnachten ganz andere Temperaturen aufruft, fühlt sich die Koch-Ikone den angelsächsischen Weihnachtstraditionen verpflichtet. Mit einem ganzen Strauß an unterschiedlich glasierten Schinken geht es los, die zudem mit einer vereinfachten Zubereitungsmethode, die natürliche Braten-Hemmschwelle bei mir überwinden, (schneller glasierter Schinken, Schinken mit Granatapfel-Orangen-Glasur etc.).

Ob Geflügel (Ingwer-Truthahn mit Birnen-Kartoffel-Gratin, Portwein-Pistazien-Hähnchen mit Quitten-Glasur, Ente im Gewürzmantel mit Kirschsauce, Schwein (Schweinerollbraten mit Sauerkirschfüllung, knuspriger Schweinebauch mit würziger Pflaumensauce) Fisch & Meeresfrüchte (Lachs mit Beten-Wacholder-Glasur und Meerrettich-Kartoffelpüree, gedämpfter Snapper mit Koriander-Gurken-Salat) Donna Hay favorisiert einfache und gelingsichere Zubereitungs-Optionen.

Dazu gibt es Gemüse (Honig-Mandel-Kürbis, Champagner geschmorte Thymian-Pastinaken) und Beilagen, zum Teil mit Wow-Optik (Kartoffel-Kräuter-Brot-Ring, knusprige Kartoffel-Blätter mit Oregano-Salz).

Süß und salzig beim Gebäck, das mag ich sehr!

Donna Hay teilt ihren Einsatz für ein köstliches Weihnachtsfest gerecht auf, Gebäck und Desserts spendiert diese ebenfalls noch mal gute 100 Seiten: In den Rubriken Christmas Cake (Cranberry-Feigen-Gugelhupf mit Lebkuchengeweih – wow, Butterscotch-Mini-Panettone mit Trockenobst und Ingwer) Christmas Pudding, Baiser-Kreationen (Zimt-Pekan-Pavlova) Schichtdesserts (Himbeer-Weiße-Schokolade-Schichttorte), Mince Pies, Shortbread (Himbeer-Shortbread-Schnitte), Lebkuchen zeigt sie nochmal ihr ganzes Können und bedient die ganze Bandbreite der kulinarischen angelsächsischen Weihnacht, die jedoch ebenso gerne Zutaten aus aller Welt nach Sydney einlädt. Toll, dass sie dabei auch herzhaft kann (Parmesankekse mit rosa Pfefferkörnern, Honig-Salbei-Cracker mit brauner Butter, Oliven-Thymian-Biscotti, Joghurtkekse mit Dill und Rosmarin). Der Mix aus traditionell und modern, kombiniert mit Ideen, die schnell funktionieren hat bei mir ins Schwarze getroffen. Wer – wie ich – auf üppige mit Alkohol getränkte Fruchtkuchen (Panforte mit Rauchmandeln und Kirsch, Mince Pies mit Früchten) steht, braucht dieses Buch sowieso!

Ups da ist ja noch was…..

Irritiert hat mich das im Buch viele nette Kreationen nicht unter dem Dach der Einteilung segeln….. Dafür jedoch von einem umfangreichen Register eingeholt werden. Mitten im Buch taucht eine Haysche Lieblingszutat, die Schokolade auf (Kaffee-Amaretti-Trüffel, Candy-Schokoladen-Riegel) und Rezepte mit Eiscreme (Sauerkirsch-Ingwer-Pistazien-Eistarte) und  Karamell (Karamell-Shortbread-Sandwiches) gibt es natürlich auch.

quick und fix by Donna Hay….

 Mit der quick und fix-Funktion optimiert die Australierin seit einiger Zeit die Inhalte ihrer Kochbücher und wird damit dem Zeitgeist gerecht, dass wir alle gefühlt immer weniger Zeit für alles haben….. (karamellisierte Zwiebel-Kartoffel-Türmchen, junge Karotten im Rohschinken-Mantel usw.).

Probiert & Verputzt:

 Thunfischdip mit Dukka

Sehr leckere schön cremige Beilage zu einem Welcome-Drink, der für Entspannung auf allen Seiten sorgt und zudem zack-zack auf dem Tisch steht!

Vielen Dank liebe Donna Hay für diese leckere und unkomplizierte Idee zum Start in die Christmas-Aktivitäten!

 

 

Honig-Mandel-Kürbis

Eine tolle Beilage zu allem, die mit herausstechender Optik zu punkten versteht. Lorbeerblätter am besten nur frisch verwenden, der Unterschied ist ziemlich groß. Der vegetarische Lieblings-Schwager wird sich hoffentlich freuen! P.S. der Trick von Ms. Hay mit den Stäbchen funktioniert super und sorgt für gleichmäßige Ein-Schnitte!

 

 

Schokoladen-Christmas-Cake mit Quittenglasur

Ein bisschen Rätselraten gab es bei der Backformgröße. Literangaben referieren nicht immer auf die richtige Modelle. Hier habe ich mich für eine 25er Gugelhupf-Form (Fassungsinhalt 2,8 Liter) entschieden, Update folgt!

 

 

 

Fazit: Einladung zu einer englischen Weihnacht mit Update und Ausflugsmöglichkeiten!

Für alle, denen an Weihnachten Kalorien total schnuppe sind, bietet Donna Hay einen sehr umfangreichen Strauß an leckeren Weihnachtsköstlichkeiten an, die runtergebrochen auf den Preis des Buches in allen Kategorien, für alle Geschmäcker und Zeit-Budgets viel zu bieten haben.

Es bleibt nicht nur klassisch, denn die ehemalige Magazin-Herausgeberin, weiß genau, was die Leute heute essen wollen und vor allem wie man das perfekt am Tisch in Szene setzen kann. Ein Honig-Mandel-Kürbis der als großer Bruder der berühmten Hasselback-Kartoffeln durchgehen könnte, soll bei uns den vegetarischen Schwager kulinarisch beglücken. Fleisch- und Fischesser kommen jedoch bei den Hauptgerichten am besten weg.

Man sollte vielleicht ein wenig Erfahrung haben, denn die Autorin liefert Vielfalt, verzichtet aber gerne auf jegliche Art von step-by-step Anleitungen. Ein paar Zutaten, das lässt sich nicht von der Hand weisen, gibt es nur online oder beim Feinkost-Metzger (Entenschmalz) vielleicht. Einmal hat für mich ein Rezept (Kartoffel-Blätter mit Oregano-Salz) nicht gepasst: 5,5 kg. Kartoffeln ist als Beilage für 12 Personen viel zu viel! Dafür hätten 2,5 kg gereicht, die dann ebenfalls locker in die offerierte Form (24 × 37 cm) gepasst hätten. Dann sollte man jedoch ebenso die Menge an Entenschmalz – immerhin stolze 300 g – überprüfen.

Ansonsten alles super, denn Donna Hay hat drei unschlagbare Kernkompetenzen, sie kann köstlich mit Twist, auf den bisher niemand kam und sie versteht es immer, die Gäste optisch zu begeistern, ohne dass die Nachkocher technisch abgehängt werden. Zeit für ihre Kreationen dürfen wir uns aber schon reservieren. Wer weniger hat, schaut sich in den Rubriken quick und fix by Donna Hay um, die alle Kapitel komplementieren.

Besonders habe ich mich über die leckeren angelsächsisch geprägten Früchtekuchen gefreut, ein voll-umfängliche Register – nicht immer selbstverständlich und die Ausflüge in die Küchen der Welt, die uns die Australierin ebenfalls in diesem Buch gönnt.

Herzlichen Dank für die Übersendung als Rezensionsexemplar!

Michaela Hager: Festtagsküche

Michaela Hager: Festtagsküche

Herzlich, saisonal, entspannt

Köstliche Rezepte für jeden Anlass & zahlreiche Dekorationstipps

Fotos: Michaela Spiel

Brandstätter Verlag

Preis: 30,– €

Kochen für besondere Anlässe, lecker praxistauglich und geschmückt wird auch!

Wer kocht?

Michaela Hager kocht leidenschaftlich gerne, seit 24 Jahren führt sie mit ihrem Mann das Feinschmeckerlokal „Tölzer Schießstätte am Buchberg“. Seit 2008 kocht sie im Bayerischen Fernsehen; ihre Auftritte für die Sendung „Wir in Bayern“ erfreuen sich hervorragender Einschaltquoten. 2013 erscheint bei Brandstätter ihr erstes Kochbuch: Echt bayerisch kochen – Ein Lebensgefühl.

Wer hat fotografiert?

Susanne Spiel ist in Wien geboren und als freie Fotografin mit Liebe zum Detail tätig. Die Leidenschaft für Licht setzt sich auch in ihrer Food-Fotografie durch. Sie arbeitet für zahlreiche Werbeagenturen und Magazine national und international.

Was ist drin?

Michaela Hager ist Profi und hat sich doch nicht weit von uns normalen Gastgebern entfernt. Sie denkt zudem beim Gastgeben  deutlich weiter als bis zum Weihnachtsfest und offeriert Ideen für Menüs, die das ganze Jahr die Familie oder eine Gästeschaar kulinarisch beglücken können. Wir werden in ihrem Buch „Festtagsküche“, das bereits in einer Neuauflage erscheint, mit einfachen Rezepten für Klassiker, die sie einfach nur noch ein bisschen leckerer oder Gastgeber tauglich macht, das ganze Jahr unterstützt.

Mir hat sie schon einmal lecker zur Seite gestanden, als ich vor zwei Jahren nach einer Vorspeise suchte, die ich am Heiligen Abend in einer fremden Küche, mit Zeitbeschränkung und keinerlei Einkaufsmöglichkeiten zubereiten wollte. Ihr Rezept für einen Feldsalat mit Hirschschinken und Granatapfel war meine Wahl und konnte nicht nur allen Anforderungen gerecht werden, sondern sah sehr hübsch aus, ließ sich schnell und gut vorbereiten und hat zudem allen am Tisch sehr gut geschmeckt.

Dass Frau Hager außerdem – wenn gewünscht – sehr geschmackvoll bei der Deko unterstützt, ohne dabei zu viel Bastel-Gen bei mir vorauszusetzen, finde ich gut und kann ich sehr gut gebrauchen.

Ihre bodenständigen Vorschläge für Menüs sind saisonal gegliedert und machen mir wirklich Lust auf Gäste nicht nur zu Weihnachten, sondern zu Ostern oder den anderen Anlässen, die sich rund ums Kalenderjahr in der Familie ergeben.

Im Herbst-Kapitel bietet sie mir gleich zu Beginn des Buches eine prima Alternative bei der von mir am meisten gefürchtetsten Disziplin elegant darüber hinwegzutäuschen, dass ich absolut keine Dessert-Queen bin. Ich bin eigentlich weder ein besonderer Süßschnabel noch mag ich diese Bastelstunden, die manch ambitionierte Dessert-Kreation mit sich bringt……

© Susanne Spiel / Brandstätter Verlag

Mit ihrem Apfelkuchen mit Rahmguss und Mandeln bin ich fein raus, den kann ich vorbereiten, dass ist sowieso immer mein Credo.

 

 

 

 

 

 

Vorweg empfiehlt die Profi-Köchin eine schaumige Maronensuppe und der Sauerbraten mit Serviettenknödeln klingt nach einem perfekten Mach für die Münchner Seite unserer Familie.

© Susanne Spiel / Brandstätter Verlag

Als Vorspeise für den Heiligen Abend haben wir uns in diesem Kapitel noch die Steinpilz-Tartelets ausgesucht.

 

 

 

 

 

 

Feldsalat mit Hirschschinken und Granatapfel

© Susanne Spiel / Brandstätter Verlag

Wie gesagt, ein tolles Rezept, dass super einfach zuzubereiten ist und eine regionale Komponente hat, die mir an Weihnachten wichtig ist, der Schinken kam von einem Jäger aus dem Hunsrück, wo wir am Wochenende zu Hause sind.

Zudem konnten die Granatapfelkerne als frisches Element und optisch viel zum ansprechenden Ergebnis beitragen. Und das Beste alles ließ sich ganz einfach vorbereiten und hat allen sehr gut geschmeckt.

 

 

Fazit: Wenn Familienfest – ohne Catering oder Restaurant dann sehr gerne mit Hilfe von Frau Hager!

Als dieses Buch vor einigen Jahren erstmalig erschien war ich gleich begeistert – zudem konnte das erste Proberezept (Feldsalat mit Hirschschinken und Granatapfel) gleich auch die Familie begeistern. Viele Kochbücher später ging es mir genau wie bei der ersten Begegnung, ich finde dieses Buch eine klasse Unterstützung, wenn ich unterm Jahr in die Rolle der Gastgeberin schlüpfe! Michaela Hagers Ideen für entspanntes Familienfest-Catering halten wirklich, was sie im Untertitel versprochen hat: Bei ihr wird herzlich, saisonal und entspannt gekocht. Und das passt perfekt zu mir und den unterschiedlichen Erwartungen und Ansprüchen, die alle Mitglieder unserer Familie an ein Fest im Familienkreis haben. Dieses Buch ist ein Klassiker in meinem Kochbuch-Regal, das ich gerne zu Rat ziehe, wenn ein besonderes Fest ansteht und ich mich selbst in die Küche stelle.

Herzlichen Dank für di Übersendung als Rezensionsexemplar!

Weihnachten in Amsterdam

Yvette van Boven: Weihnachten in Amsterdam

Das Kochbuch für ein entspanntes Fest

Fotos: Oof Verschuren

Dumont Verlag

Preis 34,–

Weihnachtsstress – nein danke!

Worum geht’s?

 oder haben wir denn schon Weihnachten…….

Als ich das erste Mal dieses Buch der Niederländerin Yvette van Boven in der Hand hielt, war es Mitte Oktober und der Sommer hatte sich gerade entschlossen, für ein Wochenende nach Frankfurt zurück zu kehren….. In Anbetracht der fast hochsommerlichen Temperaturen war ich entsprechend wenig dafür zu begeistern, mich mit der Ausgestaltung des Essens zum Fest der Liebe detailliert zu beschäftigen. Einzig die Supermärkte hatten mit jede Menge Süßkram für das Familienfest des Jahres mächtig aufgerüstet. Jetzt wird es aber definitiv Zeit, sich mich ein paar Ideen für die Verköstigung der Familie an Weihnachten zu beschäftigen…

Tausche Weihnachten in der Berghütte gegen ein entspanntes Weihnachtsfest in Frankfurt!

 Ich muss gestehen, dass ich zu Weihnachten ein zwiespältiges Verhältnis habe…. Ich mag es, wenn die Familie zusammenkommt, sich nett unterhält, ein Gläschen Wein zusammen trinkt und entspannt genießt…. Genauso hasse ich Deko-Arien, überhaupt mache ich um diese Art von Geschäften in der Weihnachtszeit einen großen Bogen, auch wenn ich es gerne hübsch habe…… Aber bitte nicht jedes Jahr mit einer anderen farblich abgestimmten Dekoration. Ich mag schön gemachte Kochbücher und die Story dahinter ist mir nicht egal und soll mich unterhalten oder beglücken. Was mir inzwischen aber immer schwerer fällt ist, die idyllische Inszenierung des Festes der Liebe in vielen davon –  beim Thema Weihnachten wird für meinen Geschmack häufig zu sehr auf die Tube gedrückt. Kochbücher im 21. Jahrhundert werden zu Alleskönnern stilisiert, sie liefern mehr oder weniger gelingsichere Rezepte und entführen uns an die schönsten und märchenhaftesten Orte der Welt. Aber eigentlich brauch ich das gar nicht und ebenfalls mögen tue ich es auch nicht mehr, Weihnachten zelebriere ich nämlich nicht mit der Familie auf einer Berghütte, sondern in Frankfurt, München oder Berlin. Mir ist dieses Familienfest nicht weniger wichtig, aber ich gehe das durchaus pragmatischer an, deshalb schaue ich gerne frühzeitig (haha…) was gibt es dieses Jahr zu Essen, was passt am besten, wann reist die verzweigte Familie mit Kindern an, wann reisen sie wieder ab und wie viele Frühstücke, Abendessen und Lunch-Mahlzeiten dazwischen fallen denn an? Wie können wir es ganz entspannt schaffen, dass wir ohne viel Stress eine nette Zeit miteinander verbringen und auch noch lecker essen?

Was ist drin?

 Hier liebt es jemand, praktisch, entspannt und lecker…..

© Oof Verschuren / DuMont Buchverlag 2019

Die Niederländerin spricht mir aus der Seele, sie mag keinen Weihnachts-Kitsch: blinkende Weihnachtsbäume, schlechte Schokolade und piefige Traditionen – das ist ihr von allem viel zu viel! Aber sie mag ihr Amsterdam mit Weihnachtsstimmung nicht weniger als sonst: die festlich beleuchteten Grachten, die geschmückten Straßen und – mit etwas Glück – die schneebedeckten Hausboote. Vor allem genießt Yvette van Boven an Weihnachten besonders, dass die ganze Familie zusammenkommt und alle Zeit füreinander haben. Damit ist für mich der Rahmen abgesteckt und deckungsgleich zu meinen eigenen Wünschen, die ich an ein Weihnachtskochbuch habe. Erleichtert stelle ich zudem fest, es ist ein fröhliches Buch mit hübschen farbigen Illustrationen und wertiger Ausstattung geworden, die Fotos des vorweihnachtlichen Amsterdams sehen ziemlich normal aus und nicht wie aus einem Lifestyle-Magazin oder aus dem Katalog für einen besonders idyllischen Winterurlaub….

Eine versierte Gastgeberin mit dem Blick für Abläufe, damit es am Ende keine Krisen gibt!

 Statt überladene Weihnachts-Impressionen punktet die versierte Gastgeberin mit vielen sehr praxisorientierten Tipps: Bringt mich auf den Trichter den Kühlschrank und die Gefrierkombi rechtzeitig aufzuräumen, schwerer zu beschaffenden Zutaten am besten schon zwei Wochen vorher zu  zu bestellen und hat immer Notfall-Maßnahmen zur Hand, wenn es darum geht, ganz schnell den Champagner für den Aperitif runter zu kühlen. Woher weiß die Dame, dass bei mir und meinem Lieblings-Mann Heiligabend schon mal sehr dicke Luft war, weil der Gute gefühlt 1 Stunde an der Fischtheke und weitere 1 ½ Std. an der Kasse des Großmarkts sich die Beine in den Bauch stehen musste, während ich zu Hause Hände ringend auf seine Unterstützung beim Kochen wartete. Wir kaufen gerne bei Lokalen-Produzenten, frieren ein und verstauen vieles in der Speisekammer, wollen aber nicht Weihnachten genervt stundenlang irgendwo in der Schlange verbringen, wenn wir eigentlich besseres und wichtigeres zu tun haben. Wir möchten eigentlich nur lecker mit der ganzen Familie essen und das Fest zusammen zu genießen. Ich kann deshalb Frau Boven, die offenbar alles schon hundert Mal gemacht hat, für die vielen Tipps direkt aus dem richtigen Leben einer versierten Gastgeberin aufs herzlichste danken! Nett ebenfalls die hübsche Aufbereitung der gesammelten Tipps in einer geschmackvollen Grafik, so lässt sich schnell wieder Überblick gewinnen.

Ich schau mal was es so gibt…..

#Frühstück & Brunch and a very #warm welcome for everyone……

Yvette van Boven Koch Stil ist unkompliziert, manchmal elegant und festlich, ihre Ideen lassen sich ganz nach dem persönlichen Geschmack vielfältig kombinieren und können nicht verleugnen, sie liebt es very British an Weihnachten. Yvette hat lange mit der Familie in Irland gelebt.

Zum Bruch gibt es z.B. schottische Eier, Würstchen im Schlafrock, klassische kleine Mince-Pies oder Schoko-Crossie-Kränzchen. Angestossen wird z. B. mit Sloe Gin (ein Gin, der mit Schlehen schon Monate vorher aromatisiert wurde) oder einem Tannensirup-Drink (mit Mineralwasser und Eiswürfeln ergänzt, schmeckt jedoch ebenso lecker zu Eiscreme, über einen Trifle geträufelt oder in einem Cocktail – Weihnachts-Negroni).

#Appetit bekommen (Häppchen) #Suppen machen schnell und unkompliziert viele glücklich

Im Hause van Boven wird meistens ohne viel Firlefanz lecker aufgetischt. Um ihren Gästen Appetit zu machen, serviert die Holländerin, knusprige Käsewindbeutel (Gougères), hier unkompliziert und nicht gefüllt, geröstete Maronen, pikanten gebackenem Ziegenkäseaufstrich zu gerösteten Baguette-Scheiben oder lässt uns Buttermilch-Gürkchen knabbern. Elegant wird es mit Austern und einem Jalapeño-Dressing, Kürbiscremesuppe mit Sternanis und Flusskrebsschwänzen und Papaya-Gin-Gazpacho zu Austern.

Blumenkohlcremesuppe mit Kokos, Kreuzkümmel ist eine unkomplizierte Option für den Suppentopf, die als Vorspeise und ebenso als Ausklang für einen genussvollen Tag dazu angetan ist, eine größere Schaar satt und glücklich zu machen. Für mich sehr interessant, weil wir die gesamten Feiertage immer mit 10 Personen verbringen. Wenn man nach einem Ausflug hungrig zurückkehrt und schnell ein leckeres Süppchen erwärmen kann, bevor wir vielleicht noch ins Theater gehen oder einen privaten Filmabend mit unseren ganz persönlichen Lieblingsfilmen veranstalten, ist das einfach perfekt für unsere ganz entspannte Weihnachts-Ausgestaltung.

Viele leckere Hauptgerichte, Vegetarier sind ebenfalls herzlich willkommen!

 Lachsfilet mit Fenchel, Zitrone und Brunnenkresse-Miso-Mayo, gerösteter Blumenkohl mit Ziegenkäsecreme oder Gemüse-Spiral-Tarte mit Avocado-Curry-Creme können Vegetarier beglücken

Während Hirschschmortopf mit Blätterteig-Haube oder eine krosse Weihnachts-Porchetta die Fleisch-Fans glücklich machen. Dazu gibt es z. B. Kartoffel-Püree mit Knollensellerie und Apfel, Rosenkohl á la carbonara und Möhrentatin mit Ziegenkäse. Alles kann nach Herzenslust und eigenem Gusto mit einander kombiniert werden.

Bevor es mit tollen Desserts & Gebäck (hellbraune Pavlova mit geschmorten Birnen und Schokolade, Mince-Meat-Fudge) oder der intelligenten und praxistauglichen Bestückung des Vorratsschrank und vielfältigen Menüvorschlägen weiter geht.

Probiert & verputzt:

Herzhafte Arme Ritter (Am Morgen)

© Oof Verschuren / DuMont Buchverlag 2019

Gibt es zum Brunch am ersten Weihnachtstag, da können sogar die Kinder mitmischen…. Der Testlauf zu Hause verlief angenehm lecker!

 

 

 

 

 

 

Wildpilzsuppe mit Haselnüssen (Suppen)

© Oof Verschuren / DuMont Buchverlag 2019

Die Steinpilz-Saison war dieses Jahr im Hunsrück ergiebig wie noch nie…. Die Pilze stammen bei uns aus eigener Sammlung. Geplant für den zweiten Feiertag am Abend. Wunderbar stimmig das Topping, dazu!

 

 

 

 

 

Fazit: Perfekt Job! – hier denkt eine versierte Gastgeberin stets praktisch und weiß ebenso, dass in den meisten Familien inzwischen viele Vegetarier und Veganer mit am Tisch sitzen.

Hier haben wir es mit einer entspannten Gastgeberin zu tun, die überzeugend die praktische Seite beim Weihnachts-Cooking betont und sehr lässig bleibt, weil sie eben weiß wie man das lecker und stressfrei gestalten kann. Das Yvette van Boven dazu keine Berghütte oder andere pittoreske Orte bemüht, rechne ich ihr hoch an, denn ich bin mehr an einer praktischen Unterstützung beim weihnachtlichen Gelage mit der Familie interessiert, als an künstlicher Inszenierung. Die wertige Ausstattung des Buches passt gut zur entspannten Haltung  der Gastgeberin, die uns ein echtes Bild vom weihnachtlichen Amsterdam zeigt und dabei zum Glück auf jede Menge – von mir unerwünschten – Kitsch verzichtet.

Herzlichen Dank für di Übersendung als Rezensionsexemplar!