Reem Kassis: Zu Tisch in Palästina

Reem Kassis: Zu Tisch in Palästina

Phaidon by ZS

Preis: 29,80 €

3 Handvoll Liebe, 2 Handvoll Großzügigkeit und dann am besten in größerer Runde genießen!

 Wer ist die Autorin?

 

 Reem Kassis ist in Jerusalem aufgewachsen. Ihre Eltern stammen aus ganz unterschiedlichen Regionen Palästinas: Ihre Mutter eine palästinensische Muslima kommt aus Jaljulija, einem Dorf im Zentrum, das für Obstanbau und eine herzhafte Küche bekannt ist. Ihr Vater ist palästinensischer Christ und kommt aus Rameh, einem Bergdorf ganz im Norden, berühmt für seine Olivenhaine und das feine Öl.

Bereits als Kind zog es Reem voller Neugier in die Küchen ihrer Großmütter, ihrer Mutter und ihrer Tanten. Dann lockte sie mit 17 Jahren die weite Welt und sie ging zum Studieren in die USA. Mit im Gepäck eine kleine Flasche Olivenöl und getrocknetes Za’atar (Za’atar ist der arabische Name für den wilden Thymian, der als Hauptzutat in der Küche Palästinas Verwendung findet.) und wenn sie das Heimweh überkam, reichte es manchmal einfach nur daran zu riechen.

Reem Kassis lebt heute als Köchin und Autorin mal in Pennsylvania, mal in London. Ihr Herz gehört allerdings immer noch Palästina und ihrer dortigen Familie.

Was ist drin?

 Geheimzutaten und kulturelle Wurzeln

Im Gegensatz zum Leben ihrer Mutter und den Biographien der Großmütter hatten die Eltern anderes im Sinn als ihre Tochter, wie in ihrer Kultur üblich, jung zu verheiraten und in die Küche zu verbannen. Reem studierte zunächst Psychologie und Wirtschaft und qualifizierte sich zu einer gefragten Beraterin und Trainerin. Die Leidenschaft zum Kochen und Essen ist dennoch geblieben und wurde nochmal ganz neu befeuert, als ihre erste Tochter zur Welt kam und sie sich wünschte, dass ihre Kinder mit palästinensischem Essen aufwachsen und die Familienrezepte kennenlernen sollten, wenn sie diese schon nicht durch die anderen Frauen der Familie beigebracht bekommen konnten. Mindestens zwei Handvoll Liebe waren bei allen Damen stets dabei, wenn Speisen ihre Küche verliesen und der Familie und Gästen serviert wurden. Die Großmütter wurden in ihren Heimatorten als geschätzte Expertinnen zu Rate gezogen, wenn es galt fachkundig große festliche Buffets für Hochzeiten und andere Großereignisse vor zu kosten.

Die Küche des Nahen-Ostens wurde durch die Palästinenser geprägt…..

150 klassische palästinensische Rezepte hat die Autorin für ihre Töchter und viele andere konserviert: von Grund-Rezepten, über das klassische arabische Brot und Gebäck, die arabische Frühstücksmahlzeit, Dips und kleine Speisen, Salate, Beilagen, Gemüse, Suppen & Eintöpfe, Ofen & Schmorgerichte, Reis & Getreidegerichte, Festtagsgerichte, bis hin zu Desserts & Gebäck, Getränken, Eingelegtem & Gewürzmischungen wurde an alles gedacht, was die Küche Palästinas ausmacht und das ist viel mehr als Hummus mit Kichererbsen aus der Dose oder einfach eine Speise mit ein paar Granatapfelkernen oder einer Prise Za’atar zu arabisieren, wie es Reem Kassis oft in den gewöhnlichen Grill- und Mezze-Restaurants im Ausland erging.

Was zum Geschmack des Nahen Ostens unbedingt dazu gehört, wird gerne selbst hergestellt…

Tipps und Tricks von der Expertin gibt es noch dazu…

 Die Autorin zeigt wie einfach Grundzutaten z. B. das typische Neun-Gewürze-Pulver selbst herstellt werden können, dass für die arabische Küche genauso essentiell ist, wie Tahini, Granatpfel-Sirup und Labaneh, ein salziger, leicht-säuerlicher Frischkäse, der aus abgetropftem Joghurt hergestellt wird und vom Frühstück bis Abendessen – gerne zu vielem dazu gereicht wird. All das ist in der Speisekammer von Reem Kassis, bis auf Tahini in der selbstgemachten Variante zu finden. Sie ist dabei stets mit Tipps und Kniffen an unserer Seite, damit die gekochte Joghurtsauce nicht gerinnt, sollte diese kontinuierlich gerührt werden. Traditionell verwendet man nach Möglichkeit dafür Schafs- oder Ziegenmilch, die nicht so leicht wie Kuhmilch zum Gerinnen neigt.

Und was gibt es sonst noch zu essen?

Gehacktes Lammfleisch wird von der palästinensischen Köchin mit Zwiebeln geschmort und gerne als Füllung für Gemüse oder Pasteten eingesetzt, außerdem backt Reem Sesamkringel aus Jerusalem, die eigentlich auf die palästinensische Bäcker zurückzuführen sind und wie vieles andere auch, jedoch von den Nachbarn annektiert wurden.

Reem Kassis verwöhnt uns mit Saatenkräcker aus der Küche ihrer Großmutter, brät Spiegeleiger mit Za’atar und Sumach (rotes Gewürzpulver mit fein-säuerlicher Note),  wie ihr Vater sie gerne zum Frühstück hatte und frittiert Falafel und Kibbeh (Klößchen aus Bulgur mit verschiedenen Füllungen) inzwischen gerne selbst, weil außerhalb Jerusalems haben ihr die nämlich nirgendwo wirklich geschmeckt. Außerdem gibt es viele sehr einfache und frische Salat-Ideen, wie einen herrlich einfachen Za’atar-Salat mit Tomaten, Frühlingszwiebeln und Halloumi oder Feta, einen Tomatensalat mit Knoblauch und Sumach und einen ganzen Strauß von leckeren Saucen und Dips, die wunderbar auf eine Grill-Party passen und zeigen wie unkompliziert die authentische Küche des Nahen Ostens ist, wenn man auf qualitativ hochwertige Zutaten achtet.

Die Köchin schmort Fisch in einer aromatischen Tahini-Sauce und serviert wohlschmeckende Pilaw-Varianten mit und ohne Fleisch, bevor sie das süße finale mit einem Frischkäsekuchen mit Pistazien einleitet, der mit Orangenblütenwasser und Zuckersirup auf besonders lecker getrimmt wurde. Und hat sogar noch ein Rezept für ein hausgemachtes Baklawa im Angebot, dass sie sich von ihrer Schwiegermutter abgeschaut hat, die das nicht nur lecker, sondern auch sehr effizient in 30 Minuten Zubereitungszeit mit vorgefertigten Filoteig zu Hause bewältigt.

Probiert und genossen!

 Der Praxistest hat es gezeigt, arabische Küche ist so einfach: ein paar frische Zutaten bester Qualität und schon gibt es für die Grillparty, diverse Dips und ungemein leckere Salate! Labaneh  ist wirklich toll das wird es jetzt bei uns zu Hause öfter geben. Ich habe mich durch einen ganzen Reigen von Speisen gekocht und bin froh gewesen, dass alle Mengenangaben wirklich stimmig waren. Die größten geschmacklichen Überraschungen waren Blumenkohl-Puffer mit palästinensischem Salat, frittierte Teigtäschchen mit Käse und Za’atar,  ein Aufstrich aus Avocado, Labaneh und eingelegten Zitronen, Teta Asmas Taboulé (wirklich ganz anders und viel leckerer als ich das bisher kannte) und ein Auberginensalat mit Joghurt und Nüssen. Schaut meine Beiträge einfach mal durch, es gibt in den nächsten Tagen sehr viel zu Essen auf dem Blog!

Fazit: Was ist besonders?

Arabische Kochbücher haben ihre Tücken, bei diesem wurden vorher alle ausgemerzt!

 In den letzten Jahren sind die nahöstliche Küche und auch die israelische in den Focus gerückt und einige spannende Kochbücher sind dazu bereits erschienen. Häufig geht dabei ein wenig unter, dass in London nicht klassisch israelisch, sondern vor allem palästinensisch gekocht wird. Viele typische Gerichte wurden von israelischen Köchen von den Nachbarn schlichtweg übernommen, sind jedoch von ihrem Ursprung her dem kulinarischen Erbe der palästinensischen Küche zuzurechnen, die der libanesischen und syrischen Art zu kochen sehr nahe kommt. Auch deshalb wollte Rem Kassis dieses Kochbuch schreiben, damit ihrem Volk nicht auch noch seine kulinarischen Wurzeln aberkannt werden.

Kassis hat dabei einen außerordentlich guten Job gemacht! Dies haben vorher auch schon andere versucht in den letzten Jahren, jedoch ist es selten so gelungen, dass wir Europäer mit den Rezepten dieser Bücher auch klar kommen. Alle Bücher, die sich dazu in meinem Bücherregal befinden sind sehr ansprechend und es gelingt den Autoren oft mühelos eine sehr persönliche Koch-Atmosphäre für uns zu kreieren. Was bislang für mich dabei überhaupt nicht funktioniert hat,  ist es den Lesern zu zeigen, was wirklich wichtig ist, nämlich Zutaten bester Qualität und Grundzutaten wie Granatapfelsirup & Co, die wegen der Qualität gerne auch mal selbstgemacht werden. Dies blieb bislang auch Ottolenghi schuldig und dann nützt das tollste Rezept auch nichts, wenn der Granatapfel-Sirup nichts taugt, die Ergebnisse schmecken einfach nur synthetisch sauer, wenn man nicht mit jeder Menge Zucker ausgleicht.

Reem Kassis lenkt unseren Blick genau in diese Richtung und liefert vor allem Rezepte mit verlässlichen Mengenangaben. Ihr größter Verdienst um uns die Küche ihres Volkes nahezubringen ist, dass sie alle Familien-Rezepte der Großmütter, Tanten und ihrer Mutter akribisch überarbeitete.  Leider ist das eine wohltuende Ausnahme bei Köchinnen mit arabischen Wurzeln, da wird häufig in sehr großen Portionen gekocht, die sich schlecht auf die Bedürfnisse eines kleineren 2-Personen-Haushalt anpassen lassen. Abgemessen wird zudem nur mit Gläsern und Tassen als Maßeinheit und als Gradmesser für eine gelungene Teig-Konsistenz wird der Griff ans eigene Ohrläppchen zum Vergleich empfohlen. Sowas hilft uns bei der Umsetzung der Rezepte wirklich nicht viel weiter! Rem Kassis ist ein bemerkenswertes  Buch zur palästinensischen Küche gelungen, dass keine dieser „Kinderkrankheiten“ aufweist und der klassischen Küche Palästinas damit einen großen Gefallen tut, weil diese endlich auch für uns zu Hause damit nachkochbar wird und sie hat es sich glücklicherweise dabei nicht nehmen lassen, jedes Rezept persönlich einzuleiten und zu begleiten.

Herzlichen Dank für die Übersendung als Rezensionsexemplar!

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Maangchi (Lauren Chattman): Koreanisch kochen

Maangchi (Lauren Chattman): Koreanisch kochen

Riva Verlag

Preis: 24,99 €

Koreanisch kochen für zu Hause, so authentisch wie möglich!

 Worum geht’s?

 Korea für zu Hause, aber bitte nicht nur Bulgogi und Bibimbap, das kennen wir schon!

Koreanische Küche in Deutschland war lange Zeit nur was für Heimweh kranke Koreaner und bis vor einigen Jahren blickte man selten in koreanischen Restaurants auf nicht asiatische Züge, wenn der Blick auf die Nachbartische fiel. Nun gut das scheint vorbei zu sein, immerhin wurde auch schon Cloney beim Szene-Koreaner in Berlin gesichtet und endlich ist diese Küche auch zu Hause in unseren Küchen angekommen und die Verlage überbieten sich geradezu, wenn es darum geht uns diese Küche näher zu bringen. Auch der Münchner Riva Verlag ist angetreten, um uns nicht nur leckeres Bulgogi und Bibimbap zu servieren, denn das gehört zum Standardprogramm inzwischen und ist inzwischen nicht nur in Büchern zur koreanischen Küche zu finden.

Wie sieht es aus?

 Nicht nur Hochglanz-Fotos, bei dieser Autorin ist die kompetente Begleitung das wichtigste!

Als ich dieses koreanische Kochbuch das erste Mal in den Händen hielt, war mir sofort klar, Lauren Chattman geht es um sehr viel mehr als Hochglanz-Fotos, mit über 800 Schritt-für-Schritt-Fotos erklärt Maangchi charmant und unterhaltsam, wie wir die koreanische Küche ganz einfach zu Hause nachkochen können, auch die Antworten auf die Fragen ihrer Online-Leser kommen nicht zu kurz, zeigen sie doch in diesem Buch geht es um die praktische Begleitung der Leser und die präsentierten Fotos sollen uns nicht nur den Mund wässrig machen, sondern zielen darauf ab, die unterschiedlichen Rezeptschritte und –techniken möglichst praxistauglich für jedermann zu bebildern und plausibler zu gestalten.

Wer ist die Autorin?

 

 Eine schillernde und engagierte Autorin –  ganz ohne „Hausmütterchen-Touch“

 Maangchi wuchs in Korea auf und verbrachte dort den Großteil ihres Lebens. Von ihrer Mutter, Großmutter, von Tanten in Restaurants und Straßenküchen lernte sie früh, wie man traditionell und lecker koreanisch kocht. Ihre Leidenschaft fürs Kochen lebt sie inzwischen auf YouTube aus, wo ihre Videos millionenfach geklickt werden und ihre Fans inspirieren, koreanische Gerichte zu Hause auszuprobieren. Ihre Webseite maangchi.com ist in den USA die erste Adresse für koreanische Küche. Maangchi lebt mit ihrem Partner in New York. 2015 beim Erscheinen ihres Buches in den USA war Lauren Chattman bereits 58 Jahre, Mutter zweier Kinder und hatte eine gescheiterte Ehe hinter sich wenn man aber die Fotos im Buch studiert, kommt niemand auf die Idee, dass diese Frau mit dem extravagantem Make-up und dem schillernden pinken Lippenstift eine engagierte koreanische Hausfrau ist, die immer auf der Jagd nach dem perfekten Rezepten ist. Und doch das genau ist sie! Während ihres ersten USA-Aufenthalts, hat sie mit ihrem ersten Mann (einem Professor) und den Kindern das erste Mal für ein paar Jahre in Ohio gelebt und sich quasi umfassend auf ihre spätere Karriere als strenge Verfechterin der authentischen koreanischen Küche auch außerhalb Koreas, umfassend vorbereiten können. Maangchi hat es sich jedoch dabei genauso auf ihre Fahnen geschrieben, dass sie in ihren Rezepten nicht mit den richtigen Tipps und Anpassungen spart, wenn das notwendig wird.

Vom Online-Gambling zum eigenen You-Tube-Channel

 Als Lauren Chattman 2003 geschieden wurde und die Kinder bereits aus dem Haus waren, ging diese zunächst nach Toronto in Kanada, um ganz neu anzufangen. Zufällig stolperte sie im Netz über das Online Rollenspiel “City of Heroes“, in dem die Spieler in die Rolle eines Superhelden schlüpfen konnten und nahm dort die Identität von „Maangchi“ an, was auf Koreanisch »Hammer« bedeutet. Eine ganze Weile gab es für „Maangchi“ nach Feierabend nichts anderes als duschen und dann ab an den PC und sich mit Menschen in Singapur, Los Angeles und Montreal anzufreunden, indem sie durch eine virtuelle Welt rannte und Bösewichte niedermetzelte. Zu dieser Zeit wurde ebenfalls YouTube bei neugierigen Usern sehr populär. Von ihrem netzaffinen Sohn kam schließlich die Idee, dass sie sich doch beim Kochen koreanischer Gerichte filmen und die Filme bei You-Tube hochladen könnte, denn als Tochter eines koreanischen Fisch-Auktionators ging es schon früh in Laurens Lebens immer um gutes Essen und das Optimieren von Rezepten, Mutter, Omas und Tanten, Freundinnen und auch die Zeit in Ohio war davon geprägt. Heute hat Maangchi‘s Youtube-Channel mehr als 2 ½ Millionen Abonnenten.

Diese Autorin will mehr als Kimchi & Co und holt zum großen Rundumschlag aus!

Bei mir hat „Maangchi“ damit schon mal einen Stein im Brett! Genau das ist es was ich gesucht habe, „Koreanisch kochen“ ist nicht mein erstes Kochbuch, um mich mit der Küche Koreas vertraut zu machen und ich habe nach einem weiteren Gesucht, dass mir vor allem authentisch und praxistauglich die Küche Koreas mit all seinen Facetten präsentiert, viel mehr Bandbreite zeigt und Kimchi in vielerlei Versionen präsentiert und nicht nur die klassische Variante mit China-Kohl im Programm hat. Ob es nun darum geht, uns zu erklären was eine koreanische Mahlzeit ausmacht (Beilagen-Parade oder „Tischlein deck Dich! Lautet das Stichwort) oder den perfekt gegarten Reis Lauren Chattman mag keine halben Sachen und bietet uns eine ungeheure Vielfacht an Rezepten bei Nudeln, Suppen & Eintöpfen, Kimchi & Eingelegtem, Banchan (Beilagen), Puffern, Zwischenmahlzeiten, Feiertagsspeisen & Partysnacks bis hin zu fermentierten Speisen, wo sie uns beibringt wir z. B. Grundzutaten wie die Koreanische rote Chilipaste (Gochujang) selber herstellen können. Die Kapitel Saucen & Garnitur und Desserts liefern dagegen ein übersichtliches Angebot an Rezepten.

Bei Kimchi und Zutaten gilt die Devise think big!

Manchmal wird „Maangchi“ gefragt: »Wie viele Portionen ergibt dein Kimchi-Rezept? « Ihre Antwort lautet stets: »Lasst mich damit in Frieden! « Wir Koreaner denken bei Kimchi nicht in Portionen, wir bereiten es in rauen Mengen zu und verwenden es für Suppen, Eintöpfe, Bratlinge, Pfannkuchen oder gebratenen Reis. Dasselbe gilt übrigens für die Gochujang-Paste, 4,5 Kilo sind hier das Ergebnis der erfolgreichen Fermentations-Bemühungen.

Die Mission lautet authentisch koreanisch kochen lernen und das nicht nur in Seoul, sondern auch in New York und überall!

Manch einer mag jetzt denken, ja klar, dass mag in Korea ja funktionieren, aber in meiner kleinen Wohnung ist das schlichtweg nicht möglich, Steingut-Töpfe mit fermentieren Produkten zu lagern. Lauren Chattman zeigt, dass es ihr ernst ist mit ihrer Mission uns an die echte koreanische Küche heranzuführen, hat sie doch in einem Interview mit der Seattle Times die Meinung vertreten “I have to do everything correctly! ”“Otherwise I will hear about it from the Koreans.” Deshalb bleibt sie uns in der koreanischen Küche absolut nichts schuldig und erklärt geduldig, wie die Zubereitung einer hausgemachten Gochujang-Paste ebenso in einem kleinen Apartment in New York funktioniert.

Was ist besonders bei diesem Buch?

Endlich werde ich auch im Asia-Laden richtig verstanden

 Wer oft im Asia-Laden zum Einkaufen ist, weiß wovon ich rede, wenn ich sage, es ist manchmal schwierig dort besondere Kräuter oder spezielle Zutaten zu erhaschen. Frankfurt verfügt über eine sehr gute Infrastruktur solcher Läden, die Herausforderung besteht jedoch darin, sich mit dem anwesenden Personal darüber zu verständigen, wo nun genau die Farnspitzen, unerlässlich für die authentische koreanische Küche und deshalb häufig in anderen Kochbüchern schlichtweg ersetzt oder gestrichen, zu finden sind? Selbst wenn diese wirklich vorrätig sein sollten, wirklich kein einfaches Unterfangen, weil man einfach nicht verstanden wird! Wenn ich chinesisch sprechen würde kein Problem, aber bei der Nennung des lateinischen Namen versteht das Fach-Personal einfach nur Bahnhof und man irrt ziellos durch die Regal-Schluchten. Deshalb ist „Maangchi“umfangreiches und bebildertes Glossar, mit vielen Tipps einfach Gold wert! Außerdem gibt es von ihr Hilfe, wie wir geschickt und unkompliziert eine koreanische Mahlzeit zusammenstellen können und wo man im Notfall online schauen kann.

Probiert und studiert – Chili und Knoblauch muss man mögen, wenn es authentisch werden soll!

 Scharfer Sundubu-Eintopf (Sundubu-Jjigae)

Voraussetzung dafür ist ein gut abgelagertes China-Kohl-Kimchi, also ran an Einlegetopf dieses Rezept benötigt ein wenig Vorlauf.

Sundubu-Jjigae ist ein herzhafter und ziemlich scharfer Eintopf, toll dass „Maangchi“ es sich nicht nehmen lässt, eine authentische (4 EL koreanische Chiliflocken) Version zu präsentieren und sich gleichzeitig auch auf die Geschmackswelten von Nicht-Koreanern einstellen kann(für diesen Fall rät sie es einfach bei 1 EL zu belassen). Beim Knoblauch sind manche sicherlich auch mit weniger davon zufrieden, auch wenn es nicht ganz authentisch ist! Es lohnt sich gleich die doppelte Menge zu kochen, leider ist das Rezept nämlich nur für 2 Personen ausgelegt, was häufiger vorkommt und für mich die einzige Schwachstelle dieses tollen koreanischen Kochbuchs ist.

Milde Eisnudeln (Mul-Naengmyeon)

Eine echte Konkurrenz für den Sommerklassiker Gazpacho: Eiskalte, würzige Brühe, die durch ein knackig frisches Rettich-Kimchi getoppt wird, Dieses Kimchi ist deutlich süßer als das Original aus Chinakohl und ein schöner Kontrast zur gleichzeitig vorhandenen typisch koreanischen Schärfe durch die im Kimchi reichlich verwendeten Gochu-Garu-Chiliflocken. Zuckermenge – immerhin ganze 5 Esslöffel – und Chiliflocken habe ich auf den nicht so trainierten europäischen Gaumen in der Menge deutlich nach unten angepasst.

Scharfes Gurken-Kimchi (Oi-Sobagi)

Knackige, kleine Gartengurken machen es möglich und bescherten uns ein Kimchi, das mit seinem frischen Geschmack, viel besser in den Sommer passt. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass es bereits nach ein paar Tagen verzehrfertig ist. Anfängern empfehle ich die Schärfe nach Geschmack runter zu reduzieren und auch mit der Fischsauce vorsichtig umzugehen. Das Kimchi schmeckt solo und ist auch ein toller Begleiter zu Nudelgerichten. Für meinen Mann gehört es von jetzt an – bis auf das Frühstück – immer auf den Tisch!

Fazit – to be continued – mit diesem tollen Buch bin ich noch lange nicht fertig! Lauren Chattman ist mit „Koreanisch Kochen ein sehr authentisches und praxistaugliches koreanisches Kochbuch gelungen, weil sie in allen Belangen ihre Mission ernst genommen hat. „Maangchi“ ist Autenzität und Praxis extrem wichtig und sie möchte die ganze Bandbreite der koreanischen Küche zeigen, deshalb ist dieses Buch sehr umfassend und komplett geworden, egal ob nun bei den Standards, den Suppen-Kreationen, den Kimchi-Rezepten bis hin zu den selbst fermentierten Zutaten. Ein Buch für Menschen, wie mich, die einer Küche gerne auf den Grund gehen und auch den letzten Winkel entdecken wollen und die es authentisch lieben und vor Schärfe und viel Knoblauch nicht zurück schrecken, belohnt wird man dafür mit vielen guten Tipps und praxistauglichen Rezepten und einem sehr nützlichem Einkaufs-Glossar. In dieser Kombination ist mir das als koreanisches Kochbuch noch nicht begegnet und auch die Frau hinter dem Avatar „Maangchi“ bezaubert mit Engagement und als Type.

Herzlichen Dank für die Übersendung als Rezensionsexemplar!

Emily Dobbs: Das Sri-Lanka-Kochbuch

Emily Dobbs: Das Sri-Lanka-Kochbuch

Fotos: Issy Crooker

Dorling Kindersley Verlag

Preis: 24,95  €

Curry -Connection!

 Einstimmen auf eine strahlend schöne Insel im indischen Ozean!

 Ich liebe Asien habe es jedoch bislang dort nur nach Thailand und Indien geschafft. Wenn ich mich an eine neue kulinarische Erfahrung mache, möchte ich mich auch ein bisschen auf das Set Drumherum einstimmen und los geht’s

Let’s have a look around!

Sri Lanka das bedeutet neben traumhaften Stränden, uralte Königsstädte und ein konstant grünes Hochland, das schon seit der britischen Kolonialzeit vom Tee-Anbau dominiert wird. Zwei echte „Dickerchen“ sind prägend für das optische Bild der Insel: Buddha und die wilden Elefanten, sie leben nicht nur in den 21 Nationalparks, sondern tauchen auch mal gerne ganz unvermutet auf der Straße auf, wie die Einheimischen zu erzählen wissen. In Sri Lanka gehören – im Gegensatz zu Indien – die meisten Singhalesen, das sind rund 70 Prozent der Bevölkerung, dem Theravada Buddhismus an. Die zweitgrößte Bevölkerungsgruppe, die Tamilen, sind mehrheitlich Hindus. Auch Christen und Moslems leben auf der Insel, sie befinden sich jedoch deutlich in der Minderheit.

Wer war schon da?

 Sri Lanka heißt, frei übersetzt, „strahlend schönes Land“. Und das soll sogar einen erfahrenen Entdecker wie Marco Polo verzaubert haben. Über Jahrhunderte lockten vor allem wirtschaftliche Interessen die Besucher aus der Fremde an. Die Portugiesen kamen zu Beginn des 16. Jh., um ihre Schiffe mit Zimt und anderen Gewürzen zu beladen, ihnen folgten die Holländer und schließlich die Briten, die 150 Jahre blieben, die Insel ihrem Empire einverleibten und dort reichlich Kolonialarchitektur, Eisenbahnlinien, Teeplantagen, das Schulsystem und die Leidenschaft für Kricket hinterließen. Viele der alten Pflanzer-Villen wurden inzwischen zu Boutique-Hotels umgebaut, in denen Romantiker stilvoll wohnen und den kolonialen Charme der Insel genießen können. Soweit bin ich also schon mal im Bilde, jedoch ohne dass ich weiß, was ich täglich auf meinem Teller vorfinden werde, geht es für mich nirgendwo hin und ich wähle meine Reiseziele gerne danach aus, was ich dort zu Essen bekomme.

Was gibt’s zu essen?

In der singalesischen Speisekammer duftet es nach Curry, Kokosnuss & Zimt!

Rice & Curry sind untrennbar mit der kulinarischen DNA der Insel verbunden und es ist absolut nicht unüblich, dass man bei einem ganz normalen Mittageessen mindestens sieben unterschiedliche Schalen und Tellerchen davon aufgetischt bekommt, wenn man „Rice and Curry“, die Leib und Magenspeise der Sri Lanker bestellt. Zum Reis werden serviert: Fleisch, Fisch oder Ei und jede Menge Gemüse, auf Sri Lanka können auch Vegetarier glücklich werden, Kürbis und Jackfruit sind bei den Zutaten dafür feste Größen. Dhal, ein Linsenbrei gehört unbedingt ebenfalls zu einer typischen Mahlzeit dazu.

und die Einheimischen lieben es manchmal gerne höllisch scharf abgeschmeckt.

 Curries sind mal höllisch scharf, mal milder und werden meist lauwarm serviert. Dazu ein unverzichtbarer Begleiter Pappadam, ein knuspriger, Chips ähnlicher Fladen und geraspeltes Kokosfleisch zum „Löschen“ des Brandes auf der Zunge. Die sri-lankische Küche gilt als eine der schärfsten in Asien, denn das Curry basiert auf einer Gewürzmischung, von sri-lankischen Hausfrauen meist selbst hergestellt: Chili, Koriander, Kreuzkümmel, Kardamom, Kurkuma, Gewürznelken, Pfeffer, Senfkörner, Muskatnuss, Zwiebeln, Zimt, Fenchelsamen sind neben frischen Curry-Blättern und Kokos als Milch oder frisch geraspelt, feste Bestandteile der singalesischen Speisekammer. Dazu gibt es drei Haupt-Reissorten: weißer (geschälter), rosa (ungeschälter) und gräulicher Reis.

Am Tisch ist Handarbeit angesagt, wenn es typisch zugehen soll

Soll es typisch zugehen, ist eine gewisse Verrohrung der europäischen Tisch-Sitten gefragt, bei einer privaten Einladung wird nach dem Händewaschen der Reis mit der rechten (reinen!) Hand zwischen Daumen, Zeige- und Mittelfinger „gekugelt“ und mit dem Curry auf dem Teller vermengt.

Wer ist die Autorin?

 Emily Dobbs transportiert die kulinarischen Genüsse ihrer Lieblingsinsel endlich nach Europa. Schon als Kind verliebte sie sich in dem Geschmack Sri Lankas, zum Weihnachts-Urlaub flog die Familie mit Truthahn und Stilton-Käse im Gepäck regelmäßig auf die Perle im indischen Ozean, um ihren  exzentrischer Onkel zu besuchen, der in Galle das charmante Sun-House betrieb, dem viele andere Boutique Hotels auf der Insel folgen sollten.

Ihr Ziel: den Geschmack Sri-Lankas endlich nach Europa zu transferieren!

Viele Jahre später war sie als aufstrebende Köchin in London fest entschlossen, den sehr speziellen Geschmack und Duft der Insel in die Stadt zu bringen, in der sie lebte. Nach Stationen in mehreren erstklassigen Restaurants hat sie die sri-lankische Küche mit ihrem Pop-Up-Stand „Weligama“ in London erlebbar und populär gemacht und den Londoner endlich gezeigt, wie gut Hoopers (gesäuerte Pfannkuchen aus Kokosmilch und Reismehl) schmecken und auch in der heimischen Küche funktionieren, wenn man sich ein bisschen Mühe gibt und in die Zutaten investiert. Dobbs zeigt bei der Transformation der Rezepte auf europäische Einkaufs-Möglichkeiten stets viel Fingerspitzengefühl und Akribie und bleibt dennoch so authentisch wie möglich.

Was ist drin?

und was kommt außer Curry bei Emily noch so auf den Tisch?

Die Möglichkeiten sich auf die Insel im indischen Ozean ein zu schmecken reichen im sehr farbenfroh gestaltetem Kochbuch vom Frühstück, hinzu typischem Streetfood, über die Curry-Klassiker mit Fleisch, Fisch, Obst und viel Gemüse bis hin zu köstlichen Süßigkeiten und Desserts und auch an Getränken wurde nicht gespart. Der Strauß an Rezepten ist vielfältig, bunt und manchmal sehr überraschend für den Gaumen: Wer kennt hierzulande schon „Maldive Fish, der aus getrockneten Bonito-Flocken besteht und auf Sri Lanka als unverzichtbarer Geschmacksverbesserer eingesetzt wird. Emily ersetzt diesen gerne mit eingelegten Sardellen, bei ihrer Version für eine Art sri-lankisches Taboulé (Gotu-Kola-Sambol), in dem Kokosmark den Bulgur ersetzt.

Sri Lankas Küche ist in Europa noch nicht angekommen….

Sollte eine Zutat für die Gerichte mal nicht zu finden sein, hilft eine praktische Tabelle mit Austauschzutaten weiter. Serviert werden Krabben-Vadai mit Cashew-Dip. Das sind knusprig frittierte Bällchen, die in Sri-Lanka in vielen Variationen für die Einheimischen den typischen „Snack to go“ an den zahlreichen Straßenständen darstellen und die singalesische Küche nicht gerade zum „Low-Calorie“-Genuss machen. Doch das ist authentisch, wird bei Emily Dobbs jedoch viel bekömmlicher stellten wir fest und schmeckte uns viel besser als vom singalesischen Händler im Frankfurter Bahnhofsviertel, wenn es pikant abgeschmeckt und mit frischem Begleitern, hier Biolimetten, auf den Tisch kommt. Kottu Rottu (tamilisch für gehacktes Roti-Brot) eine gelungene Abwechslung zu dem allgegenwärtigen Curry & Rice und ebenfalls ein Straßen-Liebling, macht sie mit Tortilla- Streifen Europa kompatibel. Zum Glück für uns Neugierigen möchte ich sagen, das Original verlangt nach einem Brot, dass dem indischen Nan ähnlich ist, aber natürlich bei uns definitiv nicht an der nächsten Straßenecke zu bekommen ist. Statt der umständlichen Prozedur dies erst auch noch selber zu machen, zeigt die Autoren hier wiedermal, sie hat sich sehr viel Zeit genommen, viel getüftelt und gute und umsetzbare Alternativen entwickelt, um die Küche Sri-Lankas behutsam und ohne große Geschmacksverluste nach Europa zu bringen.

Geht es statt komplex und hoch-aromatisch auch mal ein bisschen einfacher?

„Yes, of course“ – ein leckeres Dal und der Papadam-Fischauflauf können dieser Kategorie zugeordnet werden, wenn auch die frischen Curry-Blätter für das erstere nicht überall zu bekommen sind und geschmacklich dazu gehören. Beim Fischauflauf hat sich Emily von ihrer Mutter inspirieren lassen, die junge Köchin experimentiert mit heimischen Zutaten wie geriebenen Cheddar im Rezept und sorgt für die besondere Note, wenn sie ebenfalls geräuchertes Paprikapulver einsetzt, widersteht jedoch der Gefahr, dass daraus eine beliebige Version wird, bei der jeder Einheimische seinen Teller weit von sich schieben würde, es bleibt scharf ( 1 TL Chilipulver im feurigen Garnelen-Seeteufel-Curry, das dafür gebraucht wird) und es macht auch Arbeit, das Fisch-Curry muss vorher separat zubereitet werden. Mama Dobbs sorgt mit Cornflakes für den Crunch on top, Emily bleibt klassisch und überbackt diesen mit zerbröselten Papadams, die es in jedem indischen Laden fertig zu kaufen gibt.

Kokossuppe mit Zitronengras und Limettenblättern, erinnert mich aromatisch an Thailand, tatsächlich hat die junge Britin zwei der beliebten Klassiker aus dem Guest-House ihres Onkels schlichtweg verschmolzen. Wem es heute dafür zu heiß sein sollte, kein Problem, diese Köchin kann das genauso mal eiskalt servieren.

Zum Nachtisch gibt es Zimtbaiser mit gebackenen Bananen und Safrancreme ist eine Pavlova im sri-lankischen Stil. Wer den Ofen bei diesen Temperaturen nicht anschmeißen will, bekommt von der Köchin Eis am Stiel angeboten. In der Version mit Holzapfel, eine wilde Apfelsorte auf Sri Lanka auch als Elefanten-Apfel bekannt, ist nur als Sammelbestellung online erhältlich. Macht nichts ein bisschen authentischer Flair schadet einem Länder-Kochbuch nicht und es gibt mit Faluda-Eis (Himbeeren + Rosen-Sirup) und Kitul-Cashew-Magnums noch zwei verlockende Alternativen. Kitul-Sirup wird von Ms. Dobbs gerne mit Ahorn-Sirup ersetzt, was für uns die Zutaten-Beschaffung deutlich erleichtert.

In der Getränke-Abteilung, die in diesem Buch lobenswerter Weise, nicht vergessen wurde, wird mit Ginger Beer mit Palmzucker und Ingwer ein feurig-süß scharfe Aroma gezündet. Ein kulinarischer Ausflug nach Sri Lanka ohne Tee zu servieren, ist schlichtweg unmöglich! Emilys Gewürztee, abgeschmeckt mit den typischen Aroma-Gebern, wie Nelken, Pfeffer, Kardamom und geriebener Muskatnuss, hat der Tee geschmacklich sehr profitiert und schmeckt alles andere als fad. Heute lieber eine kleine Abkühlung gefällig, kein Problem, wie wäre es mit einem Saft aus Ananas, Ingwer und Cayenne-Pfeffer, mit einem Schuss Kokosmilch schmeckt der Saft wie eine Art scharfe Piña Colada, die sich damit auch für nicht trainierte Gaumen anpassen lässt.

Singalesische Küche modernisiert und doch authentisch belassen

Emily Dobbs beschreibt in ihrer Einleitung, dass sie am Anfang bei ihrer persönlichen Reise zum Kern der authentischen singalesischen Küche sich akribisch an die Rezepte gehalten hat und wenig veränderte, später ist sie mutiger geworden und jedem Rezept merkt man an, hier hat jemand sich viel Zeit genommen und lange getüftelt bis sie zufrieden war.

Für ihre Version der berühmten Hoopers ist sie in London zu Recht gefeiert worden. Ihr gelingt die Transformation mit Trisol (Eine aus Weizen hergestellte lösliche Faser, die sich besonders gut für die Zubereitung von Panaden und Tempuras eignet, weil sie knusprige, nicht ölige Texturen erzeugt.), jedoch und das sagt sie sehr deutlich, Trisol ist kein Schnäppchen. Ein authentisches Kochbuch kommt nicht ohne die berühmten Klassiker aus, das ist sozusagen das Salz in der Suppe, ohne das fehlt was und das gilt genauso für die typischen gedämpften Reisnudeln (String Hoppers), für die man nicht nur Geduld, sondern auch spezielles Equipment braucht. Mit frittierten String Hoppers mit Krebsfleisch-Mayonnaise konnte die britische Köchin sogar in Colombo auf der Fashion Week 2016 punkten.

Ich finde, Emily hat einen wunderbaren Spagat geschafft, zwischen authentischem Geschmack und Machbarkeit bei uns zu Hause. Aber diese Küche lebt von einer guten Vorbereitung, eine Mise en place gehört für die Köchin genauso dazu, wie ein Rezept im Vorfeld gut durchzulesen, ebenso der Rat, es mit den Gewürzen nicht zu übertreiben und sich bei der Zutatenbeschaffung nicht stressen zu lassen, zur Not tut es eine Alternative. „Let’s explore Sri Lanka“, sind keine Feierabendausflüge, sondern eher was für die freie Zeit am Wochenende, denn die Zubereitungsarten sind häufig aufwendiger!

Fazit: Singalesisch kochen mit Emily Dobbs macht ungeheuer Spaß und eröffnete mir ganz neue Aroma-Welten!

Für mich ist das Sri Lanka-Kochbuch von Emily Dobbs das beste und alltagstauglichste Kochbuch zur Küche Sri Lankas, weil die Autorin wie eine sehr gute Dolmetscherin, niemals die kulinarische Grund-Aussage der Rezepte verbiegt. Bei Indien und Thailand ist das noch eine einfachere bis sehr einfache Aufgabe. Wem das bei einer derart aromatischen und komplexen Küche wie der singalesischen Küche gelingt, der hat sich mit sehr viel Leidenschaft, Zeit und viel Tüfteln in diese Küche tief reingefuchst und einen sehr guten Job gemacht! Wenn – wie hier geschehen, die Autorin auf jede Herausforderung durch unbekannte, schwer zugängliche Zutaten und handwerklich ausgefeilte Techniken eine adäquate Antwort hat, die wir auch verstehen und zu Hause umsetzen können. Wer also abenteuerlustig ist, es auch mal scharf mag und gerne einen kulinarischen Ausflug in die Aromawelten Sri Lankas unternehmen möchte, dem kann ich dieses fröhlich bunte und sehr einladende Kochbuch nur wärmstens empfehlen! Ich habe mich nicht nur darin verliebt, sondern schätze dabei die Akribie und das Engagement was von Ms. Dobbs dabei an den Tag gelegt wurde außerordentlich, sieht man auch bei handwerklich gut gemachten Kochbüchern nicht alltäglich. Wer keine Zeit hat und die Jagd nach authentischen Zutaten, schon bei den frischen Curry-Blättern (gibt es inzwischen häufig auch tiefgefroren) scheut, liegt leider falsch, wenn er die singalesische Küche als ähnlich schnell zugänglich wie die indische oder thailändische Küche einschätzt. Da ist noch ein bisschen Entwicklungshilfe erforderlich bis diese hoch-aromatische Küche komplett in Europa angekommen ist. Um das zu erreichen, hat Emily Dobbs schon mal sehr beeindruckend vorgelegt und meine persönlichen Erwartungen dabei weit übertroffen!

Vielen Dank für die Übersendung als Rezensionsexemplar!

 

Britta Gädtke: Liebe im Glas

Britta Gädtke: Liebe im Glas

BLV Verlag

Preis: 18,– €

Home-Shopping geht auch exklusiv und köstlich!

Worum geht’s? – oder der Keller hat es in sich…….

 Bei dem Stichwort Home-Shopping  tauchen bei mir sofort Bilder auf, die mich gruseln lassen, in Klamotten dieser Kanäle möchte ich nicht mal dem Postboten begegnen oder den samstäglichen Hausputz erledigen! Exklusiv ist da für mich nichts, es sei denn man hat Lust die Nachbarschaft im rosa Plüsch-Hausanzug zu schocken, wenn die Sonntags-Zeitung aus dem Briefkasten geholt wird. Und köstlich wird es auch nicht, es sei denn man legt es darauf an, den Nachbarn Tränen vor Lachen in die Augen zu treiben, selten so köstlich amüsiert, das hätte RTL auch nicht besser hingekriegt. Britta Gädtke hat trotzdem schon als Kind gerne zu Hause geshoppt, allerdings nicht vor dem Fernseher, sondern im Keller. Ihre Mutter hatte stets gut bestückte Kellerregale, gefüllt mit Marmeladen, Sirups, Chutneys, eingelegten Gurken & Co. Exklusiv und köstlich war das immer, denn alles war selbstgemacht und den eigenen Geschmacksvorlieben angepasst. „Keller-Shopping“ hat Britta großen Spaß gemacht und das tolle daran, alles war ohne eine einzige Abbuchungen vom Giro-Konto zu haben. Kein Wunder, dass sie nicht nur mit Feuereifer gemeinsam mit ihrer Mutter – vieles was die Saison gerade in hervorragender Qualität im Angebot hatte – in Gläser bannte. Auch heute noch bringt sie viel lieber als den obligatorischen langweiligen Blumenstrauß eine Flasche selbstgemachten Holunder-Likör oder ein selbst produziertes Gurken-Relish als Gastgeschenk für die Gastgeber mit.

©privat

 

Wer ist die Autorin?

Britta Gädtke geboren in Cuxhaven an der Nordseeküste, wohnt heute mit ihrem Mann und ihrem Sohn in der Nähe von Hannover. Als Ausgleich zu ihrem kaufmännischen Beruf begann sie 2011 über ihr Hobby zu bloggen – das Einkochen und Einmachen. Bis heute hat sich ihr Blog Glasgeflüster zu einer großen Sammlung an Rezepten entwickelt, die sich alle um das Thema Haltbarmachen im weitesten Sinne drehen. Und jede Woche wächst die Sammlung weiter.

 

Wie sieht es aus – oder was ist hier anders?

 Es ist ein hübsches Büchlein geworden, das schon bei Cover und Layout auf Kreativität und andere Akzente setzt. Think Pink lautet die Devise: Ungewöhnlich aber sehr interessant und geschmackvoll kommt Brittas Buch mit einem dunklen Cover und Schriften in Pink und Rottönen daher. Pink ist auch das Motiv des Layouts, mir zeigt es damit in welche Richtung es gehen soll, Rezepte, die nicht nur klassisches bedienen, sondern als kreative Abwandlungen  etwas Neues bieten, wie z. B. der Carrot-Cake Jam oder ein Pumpkin Spice Sirup.

Was ist drin?

 Erfahrung, die sich auszahlt……

In meinem Kochbuch-Regal ist nicht Italien besonders präsent, sondern die anteilmäßig am besten bestückte Sparte ist die Rubrik DIY, darunter auch Bücher zum Fermentieren und Dörren, aber die meisten Titel auf diesem Regalbrett beschäftigen sich mit dem Thema einmachen und einkochen. Ich liebe es am Wochenende kreativ zu werden, Gläser und Regale zu füllen und am Ende das schöne Gefühl zu haben, ich habe mein Ziel erreicht und dabei was ziemlich leckeres gemacht, das mir und anderen Freude macht, das es nirgendwo zu kaufen gibt und meine eigene Handschrift trägt. Inzwischen gibt es zum Thema Einkochen auch wieder viele Bücher, weil viele Menschen dieses Hobby für sich wieder entdeckt haben. Viele dieser Einkoch-Bibeln werben mit tollen kreativen Kreationen und Klassikern, jedoch zu meinem Leidwesen erfährt der Theorieteil häufig weniger Aufmerksamkeit als die Rezepte. Britta schafft es dagegen auf 6 Seiten, alle Basics und Tipps & Tricks rund um das Thema Einkochen kompakt und sehr fundiert zu präsentieren: Gläser kann man in der Geschirrspülmaschine sterilisieren, ein Einfüll-Trichter ist eine lohnenswerte Anschaffung  und ja eine Einkochzange sollte man haben, wenn man regelmäßig im Einkochautomaten einkocht, weil die Gläser verdammt heiß sind. Alles was ich hier lese ist absolut praxistauglich, diese Frau hat ja nicht irgendein Buch, sondern  ihr Buch geschrieben, es handelt sich um ein Lieblingsthema von ihr, dass sie von Kindesbeinen an praktiziert und bei dem die Bloggerin aus Hannover unglaublich viel Erfahrung hat.

Mal was Neues – oder mit einem guten Rezept die unterschiedlichen Methoden kennenlernen

Knapp 50 Rezepte haben es ins Buch geschafft, es gibt Süßes (Marmeladen, Gelees, Konfitüren & Curds) aus dem Glas, Süßes & Alkoholisches (Sirup, Liköre & Schnaps) aus der Flasche, Herzhaftes aus dem Glas (Chutneys, Relishes, Pickles, eingelegte Gemüse, Pesto, Senf  & Co.) und Herzhaftes aus der Flasche (Essig, Öl & Würzsaucen).

Mal was Neues – oder mit einem guten Rezept die unterschiedlichen Methoden kennenlernen

Knapp 50 Rezepte haben es ins Buch geschafft, es gibt Süßes (Marmeladen, Gelees, Konfitüren & Curds) aus dem Glas, Süßes & Alkoholisches (Sirup, Liköre & Schnaps) aus der Flasche, Herzhaftes aus dem Glas (Chutneys, Relishes, Pickles, eingelegte Gemüse, Pesto, Senf  & Co.) und Herzhaftes aus der Flasche (Essig, Öl & Würzsaucen).

Die „Einmach-Fee“ aus Leidenschaft zeigt nicht nur neue ungewöhnliche und sehr kreative Ideen wie z. B. Blaubeer-Konfitüre mit Lavendel oder ein Trauben-Gelee, sondern erklärt in jedem Rezept den Umgang mit allen unterschiedlichen Produkten zum Gelieren. Ihre Schwarzwälder-Kirsch-Konfitüre wird mit dem Bio-Produkt Agar-Agar konserviert, profund erklärt sie, dass die Masse erst fest wird, wenn die Konfitüre unter 35 ° Grad heruntergekühlt ist. Genau wegen solcher Tipps, habe ich mich in Brittas schönes und sehr nützliches Büchlein verliebt. Hätte mit das jemand schon vorher mal gesagt, hätte ich eine Kokos-Creme nicht in eine brettharte Angelegenheit verwandelt.

Nicht die X-Abwandlung eines Klassikers……

Holunderblüten-Sirup ist ein alter Hut, bei Britta gibt es stattdessen Holunder-Quitten-Sirup aus Holunder und Quittensaft, die Blüten wandern in einen Likör, statt eingelegten Gurken gibt es leckeres Gurkenrelish, das Burger und Hot-Dogs adeln kann, außerdem süßsauer eingelegte Frühlingszwiebeln im Ganzen, die wirklich toll aussehen! Pesto serviert die Autorin aus gartenfrischen Erbsen und Senf aromatisiert sie mit Zitrone und geröstetem Knoblauch, denn  Bärlauch-Pesto haben andere schon tausendfach präsentiert! Britta verheiratet kurzerhand den Bärlauch mit Salz und ein Rezept für Bärlauch-Salz oder Shitake-Salz nehme ich viel lieber entgegen.

Probiert und produziert:

Carrot Cake Jam

Eigentlich bin ich kein großer Freund von Möhren! Das Rezept las sich vielversprechend und für einen Familien-Brunch an Ostern sollte es eine Konfitüre sein, die sowohl frisch und fruchtig als auch angenehm würzig schmeckt und die hoffentlich noch nicht jeder zu Hause auf dem Frühstückstisch stehen hat. Volle Punktzahl – auch für die nette Idee mit gehackten Mandeln noch für ein bisschen Crunch zu sorgen.

Ananas-Paprika-Chutney

Dieses Chutney durfte mit zu einer Grill-Party bei meinem Schwager – seines Zeichens der ungekrönte König an der Grillstation. Dieses Mal hat er nicht schlecht gestaunt, als die Schlange am Buffet länger als an seinem  Grill war. Pech gehabt mein Lieber, Du hast gute Steaks, aber erst mein Chutney macht daraus was richtig Tolles auf dem Teller. Danke Britta – dieses Familien-Duell konnte endlich mal ich gewinnen. P:S. Beim Curry-Pulver bitte keine halben Sachen machen, Britta hat Recht, wenn Sie eins aus Sri-Lanka empfiehlt, das ist geschmacklich eine ganz andere Liga.

Zitronensenf mit geröstetem Knoblauch

Durch das Rösten  bekommt der Knoblauch ein fast feines Aroma, jede Derbheit ist von ihm gewichen, das gefiel auch ausgewiesenen Knoblauch-Hassern an der Tafel, besonders weil der Senf  durch die Zitrone auch noch so eine frische Note bekommt. P.S. Keine Panik, der Senf  muss unbedingt im Kühlschrank reifen, dann verliert er deutlich an Schärfe. Und bitte daran denken, rechtzeitig für die nächste Grill-Sause neuen anzusetzen!

Fazit – Erfahrung, die sich auszahlt, genau so brauche ich das! Meine Bibliothek an Einkoch- u. Einmachbücher ist mit Abstand die größte Sparte in meinem Kochbuch-Regal. Dieses Buch musste trotzdem noch sein, denn es liefert viele neue Ideen und verzichtet weitestgehend auf Klassiker, wenn die doch mit ins Bild dürfen – wie beim hausgemachten Ketchup – wird mit rosa Pfefferbeeren für ein besonders fruchtiges Aroma gesorgt. Beeindruckend bei diesem nützlichcen Büchlein ist die Erfahrung, die sich in vielen Hintergrund-Informationen und Tipps und Tricks bis hin zu  weiterführender Lektüre und Bezugs-Quellen niederschlägt und die einfach unbezahlbar ist. Es ist halt was anderes wenn eine Bloggerin das Ergebnis ihrer jahrelangen Erfahrung in zwei Buchdeckeln präsentiert, als wenn ein Kochbuch-Autor oder eine Autorin mal schnell ein Buch zum Trend-Thema auf den Markt bringt und das ist bei Britta Gädtke deutlich zu spüren. Danke dafür!

Vielen Dank für die Übersendung als Rezensionsexemplar!

 

 

Jeni Britton Bauer: Eis geht immer

Jeni Britton Bauer: Eis geht immer

Neuer Umschau Buchverlag

Preis: 19,95 €

Das beste Eis Amerikas – das will ich genauer wissen!

Wer ist die Autorin?

 Jeni Britton Bauer gründete 2002 ihren ersten eigenen Eis-Salon „Jeni’s Spendid Ice Creams“ in Ohio. Heute besitzt sie mehrere Läden in den USA, einen florierenden Onlinehandel und hat eine stetig wachsende Fangemeinde für die ihre außergewöhnlichen Eiskreationen einfach das Nonplusultra beim selbstgemachten Eis sind. Ihre Eiscreme wird sogar als die beste Amerikas gefeiert. 2012 erschien bereits ihr erstes Buch, das schlicht „Das beste Eis der Welt“ anpreist und mit 120 sehr außergewöhnlichen Kreationen, die Eishandwerker aus dem „home office“ beglückte. 2014 hat Jeni dann in den USA nachgelegt und mit ihren Eis-Kreationen tolle Dessert-Kompositionen kreiert. Dieses Buch hatte es sich zum Ziel gesetzt, ambitionierte Eis-Dessert-Kreationen zu präsentieren, die auf Britton Bauer’s Geling sicheren und ungewöhnlichen Rezepturen basierten. Wobei unweigerlich noch mal deutlich mehr Komplexität bei den Rezepten gefordert war, auf die man sich ja gerne mal ausgewählt einlässt, aber bei einem ganzen Buch dazu, die Nicht-Profis sich einfach nicht mehr angesprochen fühlen.

Was geht noch, wenn man tolle und Geling sichere Eis-Rezepte hat…

„Eis geht immer“ greift die Eis-Rezepte des ersten Buchs von Ms. Britton Bauer nochmal auf und präsentiert in einer überarbeiteten Neuauflage und ansprechender Aufmachung zudem einige Eis-Desserts, die perfekt zu Jeni’s Eissorten passen, weil sie kreativ und ambitioniert, diesen Eis-Sorten mit Twist, zu einem weiteren geschmackssicheren Auftritt verhelfen.

In saisonaler Reihenfolge von Frühling bis Herbst werden die spannenden Rezepturen  noch mal gezeigt und für so ungemein leckeres Eis bleibt selbst im Winter das heimische Eiscafé geöffnet. Der Frühling wird z. B. mit Sorten wie „Erdbeer-Buttermilch“ oder „Rhabarber-Jogurt“ und so ungewöhnlichen Kreationen wie „Earl-Grey-Eiscreme mit Kirschen“, „Kamille-Chardonnay-Eiscreme“ eistechnisch eingeleitet. Im Sommer wird es sogar noch bunter z. B. mit „Himbeer-„ oder „Wassermelonen-Limonaden-Sorbet“ und Milcheis-Liebhaber werden z.B. mit „Ziegenkäse-Eiscreme mit gerösteten Kirschen“ verwöhnt. Britton Bauer liebt es, mit Frischkäse und Joghurt bei der Eisherstellung zu experimentieren und zeigt mit Sorten wie „Joghurt-Eis mit Gurke, Melone und Cayennepfeffer“ und Eiscreme mit „Mais und schwarzen Himbeeren“ wie überaus kreativ sie dabei ist. Die klassischen Sorten wie Vanille oder Schoko hat dieser Eis-Salon im Herbst und Winter mit neuen spannenden exquisiten Rezepturen im Programm. Die Autorin lässt es sich nicht nehmen, bei diesen Rezepten für ein wenig Twist zu sorgen und so gibt es bei ihr nicht nur schnödes Vanille- oder Schokoeis, sondern sie serviert stattdessen „Dunkles-Schokoladen-Eis“ oder „Schoko-Rotwein-Eiscreme“ und achtet bei der Vanilleeiscreme auf qualitativ hochwertige und fair gehandelte ugandische Vanille. Nach dem Motto „Wenn schon denn schon!“ – werden Variationen der altbekannten Klassiker bemüht, die es eben nicht im Supermarkt oder in jeder x-beliebigen Eisdiele zu kaufen gibt und dann schaut man bei den Zutaten eben auch nicht auf die preiswertesten Produkte, sondern gönnt sich das Beste was da zu bekommen ist.

Wer es mit der Lieblings-Eisdiele aufnehmen will, braucht funktionierende Rezepte!

 oder Glukose-Sirup ist eine echte Geheimwaffe…..

Um es mal deutlich auf den Punkt zu bringen, wer den Anspruch hat, mit der Cremigkeit und Konsistenz von Eis aus der Herstellung von Profis ebenfalls zu Hause mitzubieten, braucht die richtigen Rezepte und Jeni Britton Bauer hat ihren Schwerpunkt glücklicherweise auf funktionierende Rezepturen für „Heim-Eiswerker“ gesetzt! Teures Equipment ist bei ihr zweitrangig, sie nutzt sogar einfache Eis-Maschinen ohne Kühlkompressor, deren Akkus erst mal 24 Stunden im Tiefkühler geparkt werden müssen, bevor es losgehen kann. Deshalb benötigen ihre Ideen auch ein wenig Vorlauf, zeigen aber auf wunderbare Weise, ein teurer Maschinenpark ist keine Garantie für cremiges Eis, dazu muss man einfach ebenfalls die chemischen Grundlagen bei diesem Prozess verstehen und berücksichtigen! Die Geheimwaffen der amerikanischen Eis-Expertin sind Glukose-Sirup und Stärke, denn im Gegensatz zu Haushaltszucker ist Glukose-Sirup – oder auch ein ganz normaler Zucker-Sirup, den man schnell und unkompliziert zu Hause selbst herstellen kann, in der Lage Wasser zu binden und genau das ist der Schlüssel zum Erfolg, wenn es um cremig schmelzende Eiscreme aus der heimischen Eis-Werkstatt geht. Schön, dass mir endlich jemand zeigt, wie ich zukünftig diese Klippe bei der Eisherstellung umschiffen kann.

 Außergewöhnliche Kombinationen und exquisite Desserts….

 – oder pimp your ice-cream

 Die Autorin liebt Eis in jeder Darbietungs-Form und will deutlich mehr als nur die hinlänglich bekannten klassischen Sorten erklären. Wunderbar, dass durch die Verschmelzung zweier Titel, zu diesem Buch, diese ungewöhnlichen Kreationen auch mal mit leckeren Toppings gepimpt werden, z. B. mit „Honig-Nuss-Krokant“, „Rosmarin-Nüssen“, „gerösteten Kirschen“, „Lemon- oder Lime-Curd“, „Pralinen-Sauce“ oder „salziger Karamell-Sauce“. Außerdem gibt es gebackene süße Begleiter wie Biscotti oder salzige Butterstreusel und Baisers dazu. Mit einer nützlichen step-by-step Anleitung zeigt die amerikanische „Eis-Fee“ außerdem, wie es Schritt für Schritt zur perfekten Eiswaffel geht.

Großes Kino für den Eisbecher, die Mühe lohnt sich…..

In meinen Praxistest habe ich mich auf den „Cheesecake-Strawberry-Becher“ (Leider war die Seitenangabe für das Frischkäseeis nicht ganz passgenau, ich konnte es erst auf der Seite 54 und nicht wie angegeben auf der Seite 53 finden), sowie das „Sommerobst-Dessert“ und ein salziges Karamelleis gestürzt, dass mit einer Honig-Vino-Santo-Sauce zu einem „Eis-Dessert Toskana“ aufgemotzt wurde. Alles war wirklich exquisit und ungemein wohlschmeckend! Zeit nehmen sollte man sich dafür jedoch schon, denn Jeni Britton Bauer hat großes vor, ihre Eisbecher bestechen mit unterschiedliche Aromen und Texturen, für die man sich allesamt ein bisschen reinhängen muss. Wer das nicht will, bleibt einfach bei den Solo-Sorten.

Fazit – oder großes Eis-Kino, das auch in der heimischen Küche funktioniert! Viele meinen ja, in ein handwerklich hochwertig gemachtes Eis gehören keine weiteren Zutaten als Eier und Sahne. Natürlich kann man das so machen, damit macht man es sich aber zu Hause sehr viel schwieriger und aufwendiger und trotzdem werdet Ihr selten die Ergebnisse erzielen, die wir aus der Eisdiele oder dem Handel gewohnt sind. Eine gute Eis-Rezeptur für zu Hause, sollte in der Lage sein, die Chemie dabei ein wenig auszutricksen und das zeigt die Autorin in beeindruckender Weise! Dieses Buch vereint zudem alle Eis-Sorten aus dem ersten Buch von Jeni Britton Bauer und hat die best-of Toppings und Eisbecher-Kreationen ihres zweiten Buches praktischerweise gleich mit dabei, was mir sehr gut gefällt, denn für mich ist es das erste Buch der Autorin. Wer den Titel „Das beste Eis der Welt“ von ihr jedoch schon hat, sieht neben einer wertigeren Ausstattung in allen Kategorien von Eis, über Sauce bis hin zu Toppings immerhin noch ca. 30 neue Rezepte. So kamen z.B. das Schwarzwälder-Kirsch-Eis, das isländische Hochzeits-Kuchen-Skyr-Eis oder auch das Vinho-Verde-Sorbet dazu, sowie ein paar Eisbecher, zwei zusätzliche Cocktails, Kuchen zum Eis und eine „Skunk as a Drunk“-Eistorte. Damit die Struktur des Buchs nicht zu sehr gestört wird, wurden diese etwa gleichmäßig auf die einzelnen Jahreszeitenkapitel aufgeteilt, so dass einem das auf den ersten Blick erstmal nicht direkt auffällt. Damit zeigt das Buch jedoch auch sehr viel deutlicher als das erste Buch, was sich aus den Eissorten mit Wow-Potenzial noch alles machen lässt. P.S.: Das Nachfolge-Buch mit dem Schwerpunkt Eis-Inszenierung im Becher und auf dem Desserttisch wurde nicht ins Deutsche übersetzt. Für dieses Buch hat sich der Verlag auf ausgewählte Rezepte aus dem Folge-Titel beschränkt und Layout und ein Teil der Fotos (die zu den hinzugenommenen Rezepten) wurden komplett neu gemacht das ist auch gut so – denn so ist eine spannende und attraktiv präsentierte Mischung daraus geworden, die nicht nur Profis oder Menschen mit ganz viel „Küchenfreizeit“ anspricht.

Herzlichen Dank für die Übersendung als Rezensionsexemplar!

 

Christina Heß: Dips und Saucen – sweet & salty

Christina Heß: Dips und Saucen – sweet & salty

Thorbecke Verlag

Preis: 9,99 €

Let’s dip it Baby!

 Worum geht’s

 Dips sind häufig, die heimlichen Stars auf jedem Buffet und auf jeder Party, auch wenn sie als letzte kommen sind sie oft als erste schon wieder weg. Sie bedienen viele unterschiedliche Geschmäcker, ob herzhaft oder süß, cremig oder fruchtig, mit viel leckerem Gemüse oder cremigem Frischkäse, mit Dips lassen sich viele unterschiedlichen Geschmäcker bedienen  und haben die Gastgeber immer ein Ass im Ärmel (=Maximale Flexibilität für die Gastgeber), manche Gäste gehen nämlich erst, wenn wirklich nichts mehr da ist und auch das letzte Schüsselchen längst augekratzt wurde.

Christina Heß hat als Vegetariern mit ihrem zweiten Buch zu Dips & Co. noch mal richtig nachgelegt und zeigt wo ihre ganz persönliche Königs-Disziplin anfängt. Wer wie ich nämlich ihren Blog häufiger besucht, hat sicherlich schon gemerkt sie ist eine „geborene Dipperin“ ,liebt diese heiß & innig und hat viele unglaublich leckerere Rezepte parat, die unkompliziert funktionieren und ebenfalls jede Menge hermachen.

Wer ist die Autorin?

© Privat

Christina Heß aus Kassel ist „im echten Leben “Bürofee“ bei der Justiz. Nebenbei ist sie seit 2012 erfolgreiche Foodbloggerin aus Leidenschaft. Des Weiteren liebt sie ihre Familie und Heavy Metal Musik. Auf ihrem Blog Christina macht was schreibt und berichtet sie über all die Dinge, die ihr schmecken. Seit ihrer Jugend ernährt sie sich vegetarisch. Bei Thorbecke erschien von ihr bereits „Christina macht was“ und „Weihnachten vegetarisch“.

 

Was ist drin?

#Savoury #Creamy #Sweet

#Savoury #Creamy #Sweet, das sind die Lieblings-Hash-Tags der Bloggerin und gleichzeitig das Programm für ihre vielen verschiedenen Dips, die lecker schmecken, toll aussehen, obendrauf noch die gute Nachricht an alle Gastgeber: Christina liebt es unkompliziert und alltagstauglich und so kommen auch ihre Ideen daher. Auf geht es jetzt kann es losgehen mit der allgemeinen „Ver-Dipperung“ (früher auch Verbrüderung genannt). Einfach mal spontan ein paar liebe Menschen einladen, sich endlich mit den Nachbarn aussöhnen oder mit der Clique noch die letzten Spiele der Fußball-WM gucken und vielleicht eine ganzen Reigen von fröhlich bunten Hummus-Schüsselchen als „Regenbogen-Hummus“-Formation auf den Tisch stellen oder doch lieber einen „Slowcooker-Käse-Dip“ servieren, der sogar noch besser als im Kino schmeckt. Auch für den gemütlichen Nachtisch hat die Bloggerin ein paar leckere und neue Ideen: Wie wäre es, wenn Ihr Eure Gäste auf der nächsten Grillparty mit einem „Chocolate S’mores Cheeseball“ überrascht oder eine leckere „Blaubeer-Salsa“ serviert? Für alle – wie ich – die S’mores noch nie gehört haben, einfach ein Klick auf den Link, immerhin sind die so berühmt, dass sie es zu einem eigenen Wikipedia-Eintrag gebracht haben. Damit wäre nun wirklich bewiesen, dass auch Kochbuch-Leser was lernen können, es muss wirklich nicht immer Dostojewski sein – oder was meint Ihr?

Dips auf Weltreise – oder Tor für Christina Heß!

 Christina hat jede Menge Meilen gesammelt für ihr Dip-Kochbuch, es gibt z. B. „Guacamole ³“, angenehm überrascht hat mich z. B. die Version mit Mango, Chili und Paprikaflocken. Ihr Faible für die amerikanische Küche lebt sie mit einem „Spinat-Artischocken-Dip“ aus, der heiß oder kalt in einem ausgehöhlten kleinen runden Brot serviert werden kann. Zur „Teatime“ (die mag Christinas nämlich auch sehr) serviert sie einen würzigen „Gewürzgurken-Dip“ und „hausgemachtes Gurken-Relish“ zu ihren Sandwiches und die Tex-Mex-Fans freuen sich sicherlich über eine „Salsa Restaurant-Style“ oder „Redneck Caviar“ aus Mais, Bohnen, Paprika, Zwiebel und Koriander, der aus dem Süden der USA importiert wurde und sich super für ein BBQ eignet und auch beim Fußball gucken, eine gute Figur macht.

Cremigkeit vor, noch ein Tor!

Die Bloggerin steht auf „creamy“ Dips und serviert in dieser Kategorie z. B. einen leckeren „Jalapeño-Dip“. Zum Reinlegen und ein echter Partyknaller ist ebenfalls der „gebackene „Ziegenkäsedip- Dip“, mit einem „baked Potato Dip“ oder dem „Veggie-Reuben Dip“ zeigt sie zudem das Dips bei Leibe nicht nur an die Zwischenmahlzeit gebunden sind, sondern dass diese auch vollumfänglich lecker satt machen können.

Süß geht auch, wir schauen mal über den großen Teich…..

Dieses Kapitel ist für alle, die als Kind schon gerne die Backschlüssel ausgeschleckt haben und hier wird mächtig an der „amerikanischen Schraube“ gedreht, Niederschlag findet das z. B. in Rezepten wie „Cinnamon Swirl Dip mit Cookies“ oder dem „Chocolate S’More Cheeseball“. P.S.: S’More ist ein Lagerfeuer-Snack in den USA und Kanada. Er besteht aus einem Stück schmelzender Schokolade und einem gerösteten Marshmallow eingebettet in zwei Graham Cracker. In den USA wird jährlich am 10. August der National S’Mores Day gefeiert. Das Ding sieht toll aus, ist mir persönlich aber zu mächtig, auch wenn ich dem Twist mit dem Vanille-Salz inside durchaus etwas abgewinnen kann. Mein Favorit in dieser Sektion ist ein „Apple-Pie-Streusel-Dip“.

Was ich probiert habe – oder ich liebe es herzhaft……

Oliven-Käseball – lecker, einfach und die perfekte Begleitung für einen spannenden Fussball-Abend. Versprochen, die Gäste werden erst aufbrechen, wenn kein Krümel mehr übrig ist.

Whipped Feta + Umeboshi-DipDer „Umeboshi-Dip“ ist klasse und mega-würzig. P.S.: Umeboshi-Pflaumen gibt es im Asia-Markt oder online. Der Clou beim „Whipped Feta“  die extra Cremigkeit durch das Aufschlagen, wirklich ein toller Tipp!

 White Bean Cheese Dip & Red Bean Cheese Dip – Herzhafte Dips mit Such-Potenzial und als „Schneeweißen“ und „Rosenrot“ ein echter Hingucker auf dem Party-Buffet – very creamy and very savoury!

Fazit: 3: 0 für Christina Hess oder unkomplizierte Rezepte mit Wow-Effekt!

Christina Hess zeigt in diesem tollem kleinen Koch-Büchlein wieder was sie ziemlich gut kann: sie macht Vegetarier voll umfänglich glücklich, die kommen bei ihr endlich voll auf ihre Kosten und sie hat ein absolutes Händchen für unkomplizierte Rezepte mit Wow-Effekt! Ob Grill-Abend oder Party, Fußball- oder Fernseh-Abend mit ihren Dips wird es ziemlich lecker und garantiert nicht langweilig, aber wem Kalorien wichtiger als Geschmack sind, der ist leider draußen! Mir gefällt es sehr und ich habe viele Komplimente für die probierten Dips auf der letzten Grill-Party einheimsen können.

Herzlichen Dank für die Übersendung als Rezensionsexemplar!

Masel-tov!

Liv Fleischhacker/Lukas Großmann: Masel-tov!

Fotos: Maria Grossmann & Monika Schuerle

Jüdische Küche – oder  kulinarische Spurensuche und was bedeutet das für heute?

Cristian Verlag

Preis: 29,99 €

Worum geht’s?

– oder jüdische Kultur gehört zu Deutschland!

„Masel tov“ ist jiddisch bzw. hebräisch und bedeutet frei übersetzt, viel Glück oder viel Erfolg, außerdem verwendet man es gerne als Glückwunsch bei Hochzeiten oder bei einer Bar Mitzwa (Feier zur Religionsmündigkeit bei Jugendlichen). Bezogen auf dieses wirklich sehr schönes Koch-Lese-Buch, ist das als Startschuss zu verstehen, eine neue Zeit einzuleiten. Jüdische Kultur und Speisen sind ein wichtiger Bestandteil unserer kulturellen Identität. Mitten in Deutschland, mitten in Europa sollte jüdisches Essen wieder ganz  in der Mitte unserer Gesellschaften ankommen und so selbstverständlich sein, wie der Gang zum Lieblings-Döner. In Berlin, der Stadt, die auch für junge Israelis endlich wieder überaus attraktiv ist, gibt es bereits ein paar Restaurants wo man sich lecker in diese Küche einschmecken kann und auch Frankfurt meine Heimatstadt verfügt z. B. mit dem „Maxi Eisen“  oder dem „Chez Ima“ über stylische Adressen, die zu Pastrami, Bagel & Co einladen, wie es in New York an jeder Straßenecke vorkommt.

Wer ist die Autorin?

 Essen ist Identität – die Menschen Trost schenken kann!

 In Liv Fleischhackers Familie hat Judentum immer eine große Rolle gespielt, wenn auch eher kulturell als religiöser Natur. Ihr Großvater väterlicherseits, Alfred Ginger Fleischhacker, wurde Ende der 1930er durch den Kindertransport nach England gerettet und die Enkelin besuchte auf die nachdrückliche Initiative ihres Vaters sechs Jahre lang den jüdischen Religionsunterricht, um ein bisschen etwas von der Geschichte ihres Volkes mit auf ihren Lebensweg mit zubekommen. Danach begann sie gegen ihre Wurzeln zu rebellieren und wollte nichts mehr von jüdischen Traditionen und jüdischem Leben wissen. Mehrere Jahre später, im Sommer 2016, fragte ihre aus Boston stämmige jüdische Freundin Laurel Kratochvila, die in Berlin den Bagelladen „Fine Bagels„ leitet, ob sie nicht zusammen ein jüdisches Foodfestival in Berlin auf die Beine stellen wollen. Beide hatten das Gefühl, dass es Zeit war. Viel der jüdischen Esskultur ist verloren gegangen, langsam aber stetig jedoch merkt man ein Zusammenkommen. In der deutschen Hauptstadt und auch anderswo, begeht man neue Wege, die uns wieder zusammenbringen. Eine Woche, die mit Workshops, Podiumsdiskussionen, Lesungen, Filmvorführungen, Märkten und natürlich unglaublich viel Essen gefüllt war, war das Ergebnis ihrer erfolgreichen Bemühungen.

Was gehört alles zur jüdischen Küche?

Jüdisches Essen ist Weltküche, es gibt keine „definitive“ Küche. Manches Essen, wie Matzen und Cholent, sind eng an jüdische Tradition und Speisegebote gebunden. Sie werden in verschiedenen Kulturen anders, aber ähnlich, umgesetzt. Die Autoren versuchen mit „Masel Tov“ so viele Kulturen wie möglich zu repräsentieren: Von israelisch-marokkanischen Fleischbällchen, zum Gefilte Fisch (in diesem Buch in der Version 2.0 präsentiert), zur mexikanischen Jalapeño Matzenklößchen Suppe, bis hin zu süßen Verführungen, wie einer fluffigen dänischen Rosinenkrone und herrlichen jugoslawischen Kastanienschnitten und den aus dieser Küche nicht wegzudenkenden Bagels, jüdisches Essen ist so bunt gemischt wie die Menschen jüdischer Abstammung.

Wie war das bei Dir zu Hause?

 Das spannende an diesem Buch zur jüdischen Küche ist, dass viele unterschiedliche Menschen zu Wort kommen und alle Protagonisten haben großzügig in ihren jeweiligen Familientruhen gekramt oder sich eine leckere moderne Version der Klassiker ausgedacht, um ihre Rezepte mit uns zu teilen. Die Auswahl der Personen entstand auf eine sehr natürliche Art. Jeder, der am Buch mitgearbeitet hat, schlug Menschen vor und so kamen 19 Menschen mit ganz unterschiedlichen Herkunfts-Hintergründen und Familien-Rezepten zusammen. Die Beteiligten sind keine Köche haben jedoch z. B. als Gastronomen oder Kochbuch-Autoren eine unmittelbare Nähe zum Thema Essen. Ziel dieses Buches ist, die große Bandbreite der jüdischen Küche darzustellen und vielleicht den einen oder anderen Horizont zu erweitern, wenn es um jüdisches Essen geht. Außerdem ging es Liv Fleischhacker um die Geschichten, hinter jedem Rezept, dadurch gelingt ein sehr persönlicher Blick auf jüdische Küchen-Tradition und was daraus heute im Nahen Osten (Israel), der alten Welt (Europa) und der neuen Welt (USA) geworden ist. Diese 3 Kategorien gliedern gleichzeitig Texte und Rezepte im Buch, die sich spannend lesen lassen und gleichzeitig entsteht ein sehr informativen Überblick über alle unterschiedlichen Einflüsse die die jüdische Küche heute prägen. Mich hat gerade diese sehr persönliche Herangehensweise für das Buch eingenommen, die Rezepte spielen in diesem Buch eindeutig nicht die erste Geige. Wem dass das wichtigste ist und wer sich nicht auf die Menschen hinter den Rezepten einlassen kann, ist bei diesem Buch einfach nicht richtig!

Was ich probiert habe?

 Von Frankfurt bis London – oder Hühnersuppe hat nichts mit Ottolenghi zu tun…

 Darf ich vorstellen:

 

Matzenklösschen mit Hühnerbrühe, der Frankfurter Ardinast-Brüder, musste sein, allein wegen dem Heimvorteil, ich lebe ja ebenfalls in Frankfurt. War lecker und genau das richtige, wenn die Nase trieft und einen eine fiese Sommergrippe erwischt hat. Dieser Klassiker der jüdischen Küche zeigt sehr gut, dass die echte jüdische Küche eigentlich gar nichts mit Ottolenghi zu tun hat, der kocht in London eine Fusion-Küche, also einen sehr freien Mix aus jüdischer Küche und der Küche der angrenzenden arabischen Nachbarn, so was gibt es im Moment wirklich nur in London und nicht in Jerusalem oder dem hippen Tel-Aviv.

Die Küche in Israel formiert sich gerade neu, das ganze Land ist momentan extrem an guten Produkten und Essen interessiert, es gibt zahlreiche Koch-Shows und Restaurant-Kritiker, die sich bei einer zahlreichen Fan-Gemeinde  großer Beliebtheit erfreuen. Einer davon ist der sehr sympathische Gil Hovav aus Tel Aviv, den ich Euch ebenfalls gerne vorstellen möchte: dessen Rezepte für Zhug – eine höllisch scharfe jemetische Salsa und einen scharfen israelischen Karotten-Salat, den ich ebenfalls probiert habe,  ließen schon eher den Geschmack des Nahen Ostens auf meine Zunge erscheinen. Übrigens eine prima Beilage zu vielem, es schmeckt toll zu Pastrami, Pulled Beef, ebenso zu Shakshuka und auch nach Feierabend oder auf der Grill-Party können sich diese Speisen ohne Bedenken sehen lassen.

Anschließend habe ich mich in New York bei Leah Koenig, einer New Yorker Journalistin und großartigen jungen Kochbuch-Autorin bei Latkes – Kartoffelpuffer mit Apfel-Dattel-Chutney und Zimtschmand satt gegessen. So lecker, ich lehne mich jetzt weit aus dem Fenster, aber das waren die besten Kartoffel-Puffer, die ich überhaupt gegessen habe. Ich schätze Leah’s Bemühungen um eine modernisierte jüdische Küche aschkenasisischen (osteuropäischen) Ursprungs sehr.

Zum Abschluss ging es für mich  nach Krakau zu einem starken Espresso habe ich mir noch ein Stück leckeren Mohnstrudel gegönnt. Das Rezept dafür hat Kasia Leonardi beigesteuert, die erst vor 12 Jahren herausfand, dass sie eigentlich jüdischer Abstammung ist und die heute als offizielle Köchin der jüdischen Gemeinde in Krakau, viel in Europa herum reist, um die Menschen an die polnische jüdische Küche heranzuführen.

4 weitere Menschen aus dem Buch möchte ich ebenfalls noch gerne vorstellen, um Euch zu zeigen, wie informativ umfassend und vielschichtig sich die Autoren mit dem jüdischen kulinarischen Erbe auseinandergesetzt haben:

In New York kümmern sich Liz Alpern & Jeffrey Yoskowitz ebenfalls um die ost-europäische Seite der jüdischen Küche und wollen mit der von ihnen gegründeten „Gefilteria“ der angestaubten Küche ihrer aschkenasischen Vorfahren einen modernen Schliff verpassen, dazu beliefern sie Familien-Feiern, geben Workshops, schreiben Bücher, reisen und kochen für uns Hähnchen mit Tsimmes oder backen Lekach, einen würzigen Honigkuchen. Als Tsimmes bezeichnet man in der jüdischen Küche in kleine Würfel oder Scheiben geschnittene Möhren, die auf niedriger Flamme oder im Ofen gegart und mit Honig und Gewürzen wie Muskat oder Zimt süß-pikant abgeschmeckt wurden.

Molly Yeh,  Bloggerin, aufgewachsen in Chicago hat es der Liebe wegen von New York in die Einöde des amerikanischen mittleren Westens nach Grand Forks (North-Dakota) verschlagen. Einigen von Euch ist sie vielleicht durch ihr jüngst erschienenes erstes Buch bereits gut bekannt. Rugelach, die bekannten jüdischen Hörnchen werden jetzt bei ihr selbstgebacken, dazu hat sie eine moderne und sehr eigene Version mit Halva kreiert.

Außerdem möchte ich gerne noch Uri Scheft aus Tel Aviv auf die virtuelle Bühne holen, er gilt als der bekannteste Bäcker Israels, serviert Challah – das geflochtene Sabbat-Brot und zeigt im Video wie es mit 6 Zöpfen ganz einfach funktioniert.

Fazit – oder auf den Spuren der kulinarischen Erinnerungen der jüdischen Emigranten und was ist eigentlich heute daraus geworden? Dieses Buch ist viel mehr als ein Kochbuch, es zeigt auf sehr persönliche Weise wie unterschiedlich und vielschichtig jüdische Küche ist. Die einzelnen Portraits sind für mich fast noch wichtiger als die Rezepte des Buches. Liv Fleischhacker und Lukas Grossmann, der Koch an ihrer Seite, ist ein bemerkenswert unterhaltsamer Einblick in die moderne Seite dieser Weltküche gelungen, in die es sich mit all seinen unterschiedlichen Facetten einschmecken lässt. Das ist absolut spannend gemacht und hat mir sehr viel Spaß gemacht. Wer mit Israel nur Fusion-Küche á la Ottolenghi verbindet, ist bei diesem Buch definitiv falsch! In Jerusalem und Tel-Aviv sucht man gerade nach Wegen unkompliziert, neu und undogmatisch die israelische Küche zu interpretieren, die auf beste Zutaten setzt, bei der das Gewürz-Feuerwerk, das in London gezündet wird, jedoch aktuell noch nicht stattfindet. „Masel-Tov“ ist entstanden weil Maria Grossmann, eine der Fotografinnen des Buches, nach einem Besuch in Krakau wissen wollte, was die emigrierten Juden an kulinarischen Erinnerungen jeweils in ihre neue Heimat mitgenommen haben und wie ihre Nachfahren heute damit umgehen. Genau das beantwortet dieses Buch wunderbar und vielschichtig!

Vielen Dank als Übersendung als Rezensionsexemplar!