Susann Till: Chutneys

Susann Till: Chutneys – Kochen mit kleinen Aromawundern

ZS-Verlag

Preis: 15,99 €

Tuning für den Gaumen – eine Chutney-Queen stellt sich vor……

Wer ist die Autorin?

 – oder einfach mach was neues wagen

Susann Till hatte schon immer einen besonderen Geschmack, die gelernte Couture-Schneiderin hat etwas viel Besseres getan als in Rente zu gehen. Sie machte sich mit einer kleinen Chutney- Manufaktur selbstständig. Susann Till ist 73, wohnt in Stade bei Hamburg und versüßt oder verschärft seit fünf Jahren das Angebot von 200 Feinkostläden. Sie kocht mit Flüchtlingskindern, organisiert Chutney-Verkostungen und –Caterings und sammelt mit Begeisterung Kochbücher. Ihr Credo: Ruhe hat man auf dem Friedhof.

Eine Frau, die in keine Schublade passt

Diese Autorin ist kein  „Großmütterchen“, aus einer Hochglanz-Land-Illustrierten, sondern immer noch eine sehr attraktive Frau, die in keines der gängigen Klischees passt: Großmütter, Fachwerkhöfe, karierte Deckchen auf Marmeladengläsern. Falscher kann man bei ihr nicht liegen. Marmelade kann sie auch, aber lieber kocht sie Chutneys, weil deren Aromen vielschichtiger sind. Und in einem Alter, in dem andere lange den Ruhestand genießen, hat Till ein Unternehmen gegründet. Ein kleines, doch wie soll man es anders nennen, wenn sie von früh bis spät in ihrer Küche vor zwei Riesentöpfen steht und das Früchtemus darin an 200 Läden im ganzen Land ausliefert? Wie sie das in so kurzer Zeit geschafft hat, fragt sich die Köchin selbst noch oft. Klar, ihr Chutney ist gut. Aber ebenso wichtig ist, dass diese Lady Denkverbote strickt ablehnt. Einfach machen lautet ihre Devise!

Einfach sein Lieblings-Chutney finden, dann kommt der Rest ganz von allein

Wenn Susann Till am Herd steht wirkt es improvisiert und zielstrebig zugleich. Sie kombiniert Obst und Gemüse, wie es ihr passt,  hat keine Scheu vor vielen unterschiedlichen Aromen und kocht nach Farben. Wo es passt, erfindet diese Klassiker wie Birnen, Bohnen und Speck einfach neu, bei ihr wird daraus Ravoli mit Birnen Bohnen und Schinken, natürlich mit 4 Esslöffeln von ihrem Birnen-Chutney getunt. Anleitung und Mengenangaben sind für ein Kochbuch unverzichtbar. Doch am liebsten wäre es dieser Autorin, wenn man darauf verzichten könnte. (Hobby-) Köche sollten ihren eigenen Kopf haben, Rezepte ändern, alles kreativ mischen findet sie und ermuntert ihre Leser ausdrücklich dazu.

Was wird serviert?

Los geht es mit 6 köstlich kreativen Chutney Rezepten aus der Stader Küche, die gerade mal 5 Quadratmeter groß ist. Es gibt Birnen-Chutney, Mango-Chutney, Tomaten-Chutney, Papaya-Zitronen-Chutney, Italienisches Chutney und Cashew-Grapefruit-Chutney. Die Zutatenlisten weisen eine beachtliche Menge an unterschiedlichen Aromaträgern auf. Das Rezept für das Papaya-Zitronen-Chutney, das es mir angetan hatte, schlägt Orangen, Zwiebeln, Papayas, süße reife Birnen und Bananen als Zutaten vor, und wird mit Ingwer, Honig, gemahlenen Senfkörnern, Zitronenpfeffer, Kurkuma und Vanillezucker aromatisiert. Auch vor fertigen Pasten und Gewürzmischungen schreckt diese beherzte Dame nicht zurück, gelbe Currypaste und Asiagewürz gehören ebenso dazu wie die Kräuter zum Schluss, bei diesem Rezept in Form von Gold-Oregano, denn Susann Till legt viel Wert auf Farben, wenn sie ihre Chutneys zubereitet. Der Gold-Oregano lässt sich selbstverständlich durch ganz normalen Oregano ersetzten. Das Chutney war klasse und anpassen auf den eigenen Geschmack ist bei der Fülle an Zutaten kein Problem, einfach austauschen oder weglassen, wenn das Chutney mal zu flüssig wird, empfiehlt Frau Till einfach einen Beutel Gelierfix 3:1 unterzurühren.

Wie geht es weiter?

Die Rezepte sind großzügig ausgelegt, das heißt es gibt Chutney für 12, 15, 18 oder 20 Gläser mit einer Füllmenge von 150 g. Diese Köchin produziert in der heimischen Küche mit ihren Helfern sonst 1000 Gläser die Woche, da kleckert frau nicht. Wer sich nicht traut, kann die Rezepte halbieren, weniger macht aber keinen Sinn, dass lässt sich dann kaum noch herunterrechnen. Susann Till liefert deshalb gleich im zweiten Teil des Buches ein paar Ideen für Gerichte, die mit ihrem Chutney zur Kür auflaufen können. Ich gehöre ja auch eher zur Hamster-Fraktion und habe gleich 12 Gläser – wie im Rezept angegeben – produziert, deshalb war ich glücklich damit einen fruchtig-scharfen Glasnudelsalat, und Spinat mit Pinienkernen, der ein wunderbarer Begleiter zu einem gebratenem Lachsfilet war, zu verfeinern. Ein gebackener Spitzkohl auf Kicherbsenragout hat damit ebenfalls ganz wunderbar geschmeckt und stand ziemlich schnell auf dem Tisch, jedoch ging es mir bei diesem Buch in erster Linie um Frau Tills Chutney Rezepte, nachdem ich sie im letzten Jahr einmal in einer Talkshow gesehen hatte und von dieser sehr vitalen älteren Dame schwer begeistert war. Großen Anklang fand bei mir ebenfalls ihre Idee für eine saftige Schokoladen-Torte, die mit Chutney gefüllt wird. Da muss man erst mal darauf kommen, aber diese Lady denkt wirklich immer Cross-Over und besitzt genug Chuzpe, vieles auszuprobieren. Wer sonst in den Tag mit Marmelade startet, erhält von ihr einige Vorschläge wie lecker das auch mit den richtigen Partnern für ihre Chutneys gelingt. Knäckebrot mit dünnen Avocadoscheiben belegen und einen Klacks Papaya-Zitronen-Chutney darauf, das hat auch meinem Mann gut geschmeckt.

Nützliche Tipps und sogar Etiketten gibt es noch on top

Ergänzt wird das ganze durch viele Tipps von Frau Till, was in der Speiskammer sein sollte, wenn man mit ihrem Chutney schnell was leckeres zaubern möchte, einem Saisonkalender, denn nur wirklich reife Früchte sorgen für ein tolles Aroma und dem Tipp, dass vorsichtige Zeitgenossen Gewürze langsam steigern sollten. Ihre Devise dazu lautet, einfach mit der Hälfte der Gewürzmenge beginnen. Sie selbst beginnt zunächst immer mit einer Finger- oder Messerspitze, dann ¼, ½ oder einen ganzen Teelöffel, zum Schluss ist ein Esslöffel ihr Maß. Denn Nachwürzen geht immer, raus nehmen kann man leider nichts und manche Gewürze entwickeln ihre Aromen erst nach geraumer Zeit. Susann Till erklärt wie man Gläser vorbereitet und lehrt uns, dass Chutneys immer in warme Gläser, am besten mit Trichter und Schöpfkelle eingefüllt werden sollten. Zum Schluss kann man mit ihren Vorlagen die Chutney Gläser sehr liebevoll geschenketauglich aufmotzen.

Fazit: Susann Till ist eine beeindruckende Lady, die uns zeigt, was möglich ist, wenn man einfach selber kreativ wird. Ihre Chutneys sind Aromafeuerwerke und deshalb wohl auch so beliebt bei der Kundschaft, sogar die Formel eins wollte schon mit ihrem Kirsch-Chutney das Catering bestücken. Die Herren müssen jetzt leider ohne ihr Chutney im Kreis fahren, die angeforderte Menge ist in Stade nicht regelmäßig zu bekommen, es handelt sich schließlich um ein handgefertigtes Produkt und keine Industrieware und das schmeckt man. Für mich hätten es gerne noch mehr Chutney-Rezepte sein können, dafür hätte ich durchaus  ein paar Verwendungsideen eingetauscht, aber ich verstehe natürlich, dass Frau Till nicht gleich alle ihre Geheim-Rezepte verraten möchte. Mir hat die Chutney-Lehrstunde sehr viel Spaß gemacht!

Herzlichen Dank für die Übersendung als Rezensionsexemplar.

 

 

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Gefüllt, gewickelt und gerollt.

Karin Stöttinger: Gefüllt, gewickelt und gerollt.

Fotos; Julia Stix + Christian Schütz

Brandstätter Verlag

Preis: 21,80 €

Bei Häppchen bitte nur vom Feinsten für mich!

 Worum geht’s?

Wrap’n’Roll around the World

 Fingerfood ist in, viele Kleinigkeiten, die es uns ermöglichen nach Lust und Laune mal hier und mal dort zu probieren, sind der Star auf jeder Party. Und nicht nur dort, eigentlich sind die kleinen Happen für zwischendurch perfekt in unserer Zeit, alles kann nichts muss. Karin Stöttinger hat schon in ihren beiden vorausgegangenen Büchern, in denen es um Salate im Glas ging, bewiesen, dass sie die Mobilität und Unkompliziertheit, die solche Speisen ermöglichen, sehr schätzt. Für dieses Buch hat sie sich jede Menge Rollen und Röllchen vorgeknöpft, die gefüllt, gewickelt und gerollt als Sommerrollen, Ravioli, Dim-Sun, Wraps, Tacos & Co. den Duft der weiten Welt zu uns nach Hause und auf unsere Party bringen.

Wer ist die Autorin?

© Christian Schütz

Einfach kreativ kochen: Diesem Credo folgend kocht sich Karin Stöttinger in die Herzen der Foodies im deutschsprachigen Raum. Sie bloggt und fotografiert leidenschaftlich gern Rezepte und Reisen auf geschmacksmomente.com, der 2017 als „Bester Blog Austria“ ausgezeichnet wurde. Ihre Bücher „Shaking Salad“ und „Shaking Salad low carb“ sind internationale Bestseller und wurden in mehrere Sprachen übersetzt.

 

 

Was ist drin?

 Häppchen satt, egal ob gefüllt gewickelt gerollt, gedämpft, gebacken oder frittiert

 Es gibt jede Menge Taschen ( z. B. Ravioli, Tortellinis, Samosas, Empenadas), Röllchen (z. B. Frühlingsrollen, Sommerrollen) Bällchen (z. B. Dim Sun, Wonton) wahlweise aus Teigen mit Mehl, Wasser, Hefe, Reis- oder Maismehl und bei den 125 Rezepten wird gefüllt, gewickelt, gerollt, gedämpft, gebacken oder frittiert was das Zeug hält.

 Asiatisch, mexikanisch oder immer gerne wieder italienisch .“Yes“ das will ich haben!

Karin Stöttinger liebt es mexikanisch, asiatisch oder italienisch und auch der „Sohnemann“ kann von Buritos gar nicht genug bekommen, von wem er das wohl geerbt hat? Eine ihrer liebsten Zutaten heißt Koriander und meine Augen bleiben beim Blättern im Buch verzückt bei Avocados mit Mango-Grapefruit-Füllung oder einer Quesadillas mit Süßkartoffelfüllung und Salsa verde hängen, die sich übrigens hervorragend für die Bewirtung einer größeren Gästeschar eignen. „Yes“ schreit es stumm in mir genau so mag ich es! Vor meinem geistigen Auge sehe ich die schon auf meinem nächsten Party-Buffet und freue mich über eine Autorin, die weiß, was jede Menge her macht, wenn Gäste sich angesagt haben.

Wir rollen und wickeln und unsere Gäste dippen dann was das Zeug hält!

Dippen der mexikanische Lieblingsstyle, ist auch bei Karin hoch im Kurs, entweder mit dem Klassiker einer cremigen frisch-würzigen Guacamole, natürlich mit Koriander und einen Hauch von geräuchertem Chili oder einer Avocado-Mousse, aromatisiert mit Gorgonzola und ein bisschen Sojasauce.

Street-Food a la Karin gefällt mir gut!

 Kreativität und Geschmack spielen die erste Geige, ohne dass es zu kompliziert wird.

War Street-Food noch in den letzten Jahren der letzte Schrei, ist die Euphorie inzwischen deutlich abgeebbt, zumindest in der Kochbuch-Szene. Die Gründe dafür liegen für mich eigentlich klar auf der Hand: Street-Food hat nichts mit Fast-Food zu tun, ist mit Nichten mal schnell gemacht, bevor die Gäste für eine Party eintrudeln und eignet sich definitiv nicht als schneller Feierabend-Snack zwischen nach Hause kommen und Tagesschau. Es handelt sich dabei sehr häufig um traditionelle Speisen, die ganz wesentlich von umfangreichen Zubereitungsschritten und speziellen Zutaten leben und Zeit und Mühe kosten. Zeit ist heute aber schon beim Einkauf ein kostbares Gut. Karin Stöttinger bedient sich bei den Zutaten gerne im gut sortierten Sortiment des Supermarktes, erklärt in ihrer Einführung jedoch durchaus, dass sie Wert auf Qualität legt, dazu gehören eben auch die Produzenten direkt vor der Haustür und der Einkauf im Hofladen. Was sie an speziellen Zutaten für Falafel Empanadas, Sushi-Donuts, chinesische Burritos und Hotteok (das sind süße Pfannkuchen aus Korea) sonst noch benötigt, wird im Asienladen oder online besorgt. Um Karins Rezepte nach zu kochen, braucht Ihr weder Kochpraxis noch einen Küchenschrank voller ausgefallener Gewürze. Technisch lässt sie es niemals zu kompliziert werden und Falafeln, die nicht frittiert werden, passen einfach besser zu uns nach Hause, besonders, wenn man nicht möchte, dass die Gäste schon auf der Straße, dem Duft der heimischen Frittenbude folgen können. Karin Stöttinger und Gabriele Gugetzer präsentieren viele leckere Kreationen, ob nun salzig oder süß, wie z. B. knusprige Törtchen mit Asia-Hühnersalat, mexikanisch gefüllte Kartoffelschüsseln, Rucola-Röllchen oder Asiasüppchen mit Fleischbällchen. Das passt perfekt zu mir und auf meine Party, weil sie es niemals zu kompliziert werden lassen. Dahinter stehen jedoch jede Menge Knowhow und viel Kreativität. Karin Stöttinger und ihrer Co-Autorin ist dieser Spagat sehr gut gelungen, es wird uns zum Glück  auch nicht vorgegaukelt, dass wir immer in 30 Minuten fertig sind. Warum auch, füllen, rollen oder wickeln macht jede Menge Spaß, besonders wenn die Rezepte optisch und geschmacklich so viel hermachen, wie es z. B. beim Obstsalat in der Wassermelone mit Zimt-Tortilla, den auch Kinder lieben werden, oder den phänomenalen Sushi-Donuts der Fall ist, die zudem ohne Sushi-Matte und ohne den perfekten Dreh funktionieren.

Fazit

– oder hier gibt es im Schnelldurchlauf das Häppchen-Diplom: Karin Stöttinger und Gabriele Gugetzer schaffen es mit ihrem schönen Buch ,,Gefüllt, gewickelt und gerollt“, Themen wieder zu beleben, von denen wir uns schon abgewandt haben: Streetfood war gestern, wir wollen es nicht so kompliziert, wir brauchen es einfach, aber nicht weniger spektakulär. Warum gelingt das ihnen und anderen nicht, ganz einfach die Damen machen ihr eigenes Ding, sie mischen fröhlich, Stile, Länder und Zubereitungstechniken, verabschieden sich gekonnt von zu komplexen Zubereitungstechniken, die zu Hause einfach nicht funktionieren und lassen es bei der Besorgung der Zutaten auch mal mit dem gut sortierten Supermarkt um die Ecke gut sein. Ersetzen stattdessen alles was sie weglassen, mit viel Geschmack und einem echten Händchen für Optik, das aus einer Häppchen-Dilettantin wie mir eine Häppchen-Queen  werden lässt. Wo sonst kann ich als „Bastel-Verweigerin“ in der Küche so schnell das Häppchen-Diplom machen? Für mich übrigens Karin Stöttingers überzeugendes Buch! Ich gebe das Buch nicht mehr her, denn mir gefällt es super, auch weil die Wiener es mit einem tollem Team am Start wieder geschafft haben, uns zu zeigen, wie kurzweilig und hübsch ein modernes Kochbuch sein kann, das ist definitiv mehr als nur eine Sammlung von Rezepten zwischen zwei Buchdeckeln.

Herzlichen Dank für die Übersendung als Rezensionsexemplar.

Agnes Prus: Meine DIY-Küche

Agnes Prus: Meine DIY-Küche

Fotos: Yelda Yilmaz

Verlag Stiftung Warentest

Preis: 16,90 €

Hast Du ein bisschen Zeit für mich, habe ich was Leckeres für Dich…..

 Worum geht’s – oder leckere Projekte aus unserer Küche!

Selbermachen macht Spaß, dieser Trend ist längst auch in der heimischen Küche nicht mehr wegzudenken: Müsli Ketchup und Senf muss man nicht im Supermarkt kaufen, sondern die lassen sich prima im eigenen Küchenlabor herstellen und sind damit nicht nur um ein vielfaches leckerer, sondern auch unbelastet von Gluten und ohne Zuckerschock zu genießen, als das was dazu der Supermarkt im Programm hat. Auch als Geschenk eine wunderbare Gelegenheit, lieben Menschen eine Freude zu machen, die viel mehr ist als ein fertig gekauftes Mitbringsel, haben wir doch meistens lange an dem Rezept getüftelt, bis wir das perfekte Ergebnis erreicht haben. Das nimmt einem dieses Buch nicht ab, aber es begleitet uns auf dem Weg dahin, unterstützt durch step-by-step Fotos werden Rezepte übersichtlich in ihren unterschiedlichen Entwicklungsstadien gezeigt.

Wer ist die Autorin?

 

© Julia Wallstab

 

Agnes Prus hat Kunstgeschichte studiert und anschließend ihr Glück in der Küche gefunden. Seitdem sie nicht mehr für Cafébesucher backt und kocht, experimentiert sie am eigenen Herd – ganz zur Freude ihrer zwei Kinder und ihres Mannes. Agnes Prus lebt und arbeitet in Köln.

 

Wer hat fotografiert?

© Charlotte Schreiber

Die Fotografin Yelda Yilmaz hat nach Ihrem Studium an der Hochschule der Bildenden Künste die Food-Fotografie für sich entdeckt. 2014 hat sie zusammen mit Swantje Havermann „Food Swap“ ins Leben gerufen. Das gleichnamige Kochbuch ist 2016 bei EDEL erschienen, inzwischen hat sie zusammen mit ihrer Mutter außerdem ein wunderschönes Kochbuch zur türkischen Küche veröffentlicht.

 

Was ist drin?

Ganze 44 Küchenprojekte, hier ist vieles möglich!

 Agnes Prus stellt ihre Leser in den Vordergrund und bietet im wirklich sehr schön gemachten und handlich praktischem Buch 44 gesunde und leckere Küchenprojekte an, das geht quer Beet durch alle Kategorien von leckeren vegetarischen Cremes fürs Frühstück, über Granola, Gemüsechips, Amarettini, Macarons & Karamellbonbons, Sushi, Gewürzmischungen, Eingelegtem & Eingekochten, bis hin zu Brot & Knäckebrot, Sirups, selbstgemachter Pasta und gesunden Drinks und Likören.

Was ist neu? – oder wir richten uns nach Deinem Zeitbudget…..

Während die meisten Bücher zum DIY-Trend Rezepte in Kategorien präsentieren, geht dieses Kochbuch einen neuen sehr intelligenten Weg. Es kommt seinen Lesern sehr entgegen und liefert seine Ideen nach Zeitaufwand strukturiert: wer einen freien Nachmittag hat, kann entweder Karamellbonbons herstellen, Müsli-Riegel selber machen oder Currypasten produzieren. Ein langweiliges verregnetes November-Wochenende, wo man lieber in der Wohnung bleibt, kann nicht nur auf der Couch zelebriert werden, sondern es eignet sich perfekt, um endlich mal selbst ein Sauerteig-Brot zu backen oder kleine Geschenke in Form von selbstgemachtem Senf oder Omas Quittenbrot zu produzieren. In den Ferien knöpfen wir uns die Salz-Dill-Gurken, Kimchi oder Kokos-Joghurt vor und entdecken ganz nebenbei, wie entspannend es sein kann selber Hand an zu legen, wenn es mit den Projektmeilensteinen im Büro nur auch so einfach wäre…..

Den Leser also abzuholen und daraus praktische kleine Workshops zu machen, ist sinnvoll und perfekt bei dieser Thematik und in anderen Titel zum Thema bislang hoffnungslos zu kurz gekommen. Es muss ja nicht immer eine Bibel im Schrank stehen, die wir zwar gerne in die Hand nehmen, aber dann merken, huch, soviel Zeit möchte ich dann doch nicht investieren. Wer aber Erfolge verzeichnen kann bekommt Lust auf mehr. So einfach ist das also, schön das hier Menschen erstmal die Leser in den Vordergrund stellen und nicht nur Rezepte abliefern.

Trau Dich, Abenteuer inklusive!

Neben den alten Bekannten wie Himbeerkonfitüre (hier aber mit easy-peasy Programm) und Salzzitronen, die wir alle natürlich auch in einem solchen Buch erwarten, gibt es viel Neues zu entdecken: Ein Abenteuerspielplatz für Kochbegeisterte wird vor uns ausgebreitet mit Kombucha, Salz-Dill-Gurken und Sauerteig können wir endlich die „störrische Diva“ Fermentation kennenlernen, uns endlich an frische Pasta ran trauen oder Sprossen auf der Fensterbank ziehen. Wenn es gelingt, bringen die Ergebnisse einen vor Stolz zum Strahlen, war doch gar nicht so schwer und dann geht es motiviert an das nächste Projekt, Croissants und Tiefkühlpizza, endlich das eigene Fast-Food im Freezer haben, oder Räuchern im Wok und sich auch mal an den selbstgemachten Strudel ran wagen. Die Auswahl ist spannend und für jeden Geschmack was dabei, „Vorratshamster“ oder „Bastler“ mit diesem Buch wird vielen Ansprüchen Rechnung getragen und es bleibt trotzdem noch übersichtlich. 44 unterschiedliche Optionen, bei denen wir uns schrittweise ganz im eigenen Rhythmus vorwagen können und auch noch optische Unterstützung erhalten, sind häufig mehr als tausend Rezepte.

Praxistest:

 Ich hatte mich zuerst für die orientalische Linsencreme entschieden, wunderbar einfach, aromatisch und wohlschmeckend und auch optisch nicht zu verachten. Danach folgte Grav-Lax, eine Premiere und ein voller Erfolg für uns und unsere Brunch-Gäste. Persönlich habe ich den Zuckeranteil ein wenig erhöht, nachdem ich wie ich es immer mache – wenn ich mich auf neues Terrain wage, etwas recherchiert hatte. Für uns hat es so prima gepasst und ein bißchen möchte man sich ja auch ein Rezept zu eigen machen.  Zudem  bin ich bei Projekten die Neuland bedeuten, so detailverliebt, dass ich immer mehrere Quellen zu Rate ziehe und habe das schon immer so gemacht, anders ließe sich eine derartig umfassende Kochbuch-Bibliothek nicht rechtfertigen vor meinem Mann. Das Knoblauch-Confit ist ebenfalls eine leckere Überraschung für uns gewesen, weil so super einfach und eine tolle Geheimwaffe im Kühlschrank, schnelle Beilage zum Abendbrot und ebenso Party-Büffet tauglich. „Knoblauch Angsthasen“ werden es ebenfalls lieben, die Knolle gewinnt Aroma und verabschiedet sich von der Schärfe. Mir persönlich gefällt das Buch sehr gut und ich finde das Konzept absolut überzeugend und die Rezepte sehr kreativ, da haben sich Autorin und Lektorin richtig Gedanken gemacht, das Thema Selbermachen so zu präsentieren, dass es auch alltagskompatibel ist. Bei dem Rezept für den Kicherbsen-Tofu wäre der explizite Hinweis, dass man dem Mehl die erforderliche Wassermenge nur langsam unter Rühren zufügt und das Kichererbsenmehl beim Quellen nicht andicken soll, sondern dadurch einfach bekömmlicher wird, sicherlich für Neulinge noch hilfreich gewesen. Was die veranschlagten Zeit-Bugets angeht, z. B. beim Trocknen von Gemüse für Brühpulver bin ich großzügig, es handelt sich bei den Rezepten nicht um Feierabendküche, ein bisschen Abenteuer und Tüfteln gehört für mich zum Thema dazu.

Fazit oder für wen ist das was?

Ob herrliche Gewürzmischungen, köstliche Tees aus selbst gesammelten Kräutern, Aufstriche  oder Currypasten, hier kann ganz tief in die Kreativitätskiste gegriffen werden und der bunte Gemischtwarenladen, der uns DIY-Fans hier geboten wird, ist mit vielen nützlichen Step-by-Step-Anleitungen nicht nur sehr kreativ, sondern präsentiert dieses Thema endlich Sparten-übergreifend als Workshops und so wie es für jeden gerade zeitlich passt. Mir hat das Buch gerade deshalb super gefallen, ein bisschen Abenteuerlust und Kocherfahrung schadet nicht, die Rezepte begleiten sind aber hier und da eher knapp gehalten.

Herzlichen Dank für die Übersendung als Rezensionsexemplar.

 

 

Okka Rohd: Herdwärme

Okka Rohd: Herdwärme

Eine kleine Kochschule für das große Glück zu Hause

Kailash Verlag

Preis: 20,–

Eine Liebeserklärung an das Essen – Durchschnitt kann jeder!

 Wer ist die Autorin?

© Marlene Sørensen

 Okka Rohd, 1977 in Oldenburg geboren, hat Publizistik und Filmwissenschaften studiert. Sie schreibt als freie Journalistin für Magazine wie Myself, Essen und Trinken, Nido oder Glamour über Kultur, Essen, das Leben und interessante Menschen und für ihr erfolgreiches Blog Slomo über die Dinge, die sie liebt. „Herdwärme” ist ihr zweites Buch. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Töchtern in Berlin.

Einfach mal den Slomo-Gang einlegen!

 Am Anfang ist eine ganz normale Frau (Okka Rohd) mit einem nicht eben überdurchschnittlichen Kochtalent, die beschließt, sich das Kochen von Menschen beibringen zu lassen, die es wirklich gut können und Essen noch sehr viel mehr lieben als sie selbst – immer entlang einer ganz bestimmten Frage, die Okka im Kopf hatte, zum Beispiel: wie man einen perfekten Käsekuchen backt, der so schmeckt, wie Käsekuchen eben schmecken sollte, cremig und fluffig. Oder wie man Salate zaubert, die einen so sehr umwerfen, dass man nicht mehr auf die Idee kommt, sie wären bloß eine Beilage. Oft genug hatte sie bei anderen so gut gegessen, dass sie längst wusste: Um wirklich gut kochen zu können, braucht man mehr als die Fähigkeit, einem Rezept zu folgen. Man braucht vor allem Hingabe. Und wenn man nun einmal gerne kocht und isst, sind wir es dem, was uns so glücklich macht, nicht auch schuldig, es ernster zu nehmen als bisher? Kochen nicht nur nebenbei zwischen vielen Dingen, die unser Leben füllen, aber am Ende des Tages keine Bedeutung haben: Texten, die wir im Netz nicht mehr zu Ende lesen, weil wir meinen immer weiter zu müssen und einem Essen dass wir nicht halbherzig, sondern aus vollem Herzen gekocht haben. Mittendrin statt nur dabei oder nur darüber nachzudenken, wie es wohl wäre, wenn wir uns ganz auf eine Sache einlassen. Immer einen Schritt nach dem Anderen gehen, achtsam sein und mit allen Sinnen genießen, als wären wir auf einer Wanderung, wo es auch darauf ankommt, dass wir uns auf diesen einen Schritt, diese eine Sache konzentrieren und nicht auf den nächsten oder den übernächsten. Nur dann stellt sich ein Gefühl der Zufriedenheit und Verbundenheit mit sich selbst ein und Hetze und Alltag treten in den Hintergrund.

 Auf der Suche nach etwas richtig Gutem, manchmal wollen wir einfach keine halben Sachen!

 Wie macht ein Österreicher Wiener Schnitzel? Was ist das Geheimnis einer neapolitanischen Pizza? Was braucht ein Mittagessen, damit es glücklich macht und nicht nur satt? Und wie geht richtig guter Käsekuchen? Mit viel Wärme und Nähe erzählt Okka Rohd von der Art des Zubereitens, von Zutaten und Aromen. Dabei geht es um das genaue Hinschmecken und vor allem um die innere Haltung beim Kochen, die immer auch was mit Hingabe zu tun hat.

Leidenschaftlicher Genuss ist hier Programm oder mit Hand und Herz ganz dabei…..

 Über zwei Jahre trifft die Journalistin Menschen, die leidenschaftlich kochen – Küchenchefs und Restaurantgründer, Patissiers und eine Food- Konzeptionistin, Innereien-Retter und eine Salat-Virtuosin, die nicht nur bereit waren ihr Wissen und ihre Rezepte zu teilen, sondern alle mit viel Wärme und Engagement, über das gesprochen haben, was auch sie über alles andere stellen, etwas richtig Gutes auf dem Teller. Dabei lernt Okka Rohd nicht nur viele Tipps und Tricks, sondern vor allem wie glücklich kochen machen kann, wenn man sich dafür Zeit nimmt und ganz darauf einlässt.

Stinknormal aber mit ganz viel Liebe!

Dabei geht es nicht um Profi-Rezepte, sondern auch um stinknormale Backkartoffeln. Für manche Menschen ist die Kartoffel eine Sättigungsbeilage, Florian Mickan gehört nicht zu ihnen. Er liebt Kartoffeln für ihre Vielseitigkeit und dafür, dass sie einem zeigen, wie gut Einfaches schmecken kann. Lernen kann man von dem Berliner Koch aber noch ganz andere Dinge findet Okka Rohd und manchmal könnte sie ihrer Melancholie auch schlicht weg eine reinhauen, wenn diese vorbei schaut, wenn es so gar nicht passt.

Trau Dich einfach, Dich auf eine Sache ganz einzulassen!

Die letzten Stunden hat sie mit Florian Mickan in der Küche seines Berliner Restaurants gestanden und drei Kartoffel-Gerichte gekocht: die Backkartoffel, für die das Joris berühmt ist, einen Kartoffelsalat und eine Kartoffelsuppe. Diesen Abend gut zu nennen, wäre eine riesige Untertreibung für sie. Welcher Koch nimmt sich fünf Stunden Zeit, um einer Anfängerin nach Feierabend zu zeigen, wie man Lauchstangen schneidet? Und setzt sich dann auch noch hin, um bei einer Flasche Bier in Ruhe alles zu probieren? Und dann geht Okka nach Hause, weil die Straßenbahn nicht kommt, in der linken Hand ihre Tasche, in der rechten einen Rieseneimer voll köstlicher Kartoffelsuppe, und ist plötzlich schrecklich melancholisch. Erst als sie in ihre Straße einbiegt, weiß sie warum: Florian Mickan ist ein Mensch, der wichtig nimmt, was ihm wichtig ist. Einer dieser Menschen, die in ihrem Leben zu Hause sind, weil sie vielleicht nicht alles schaffen, was sie sich vornehmen – was sie schaffen, aber mit ganzem Herzen tun. Das zeigt sich vor allem in kleinen Dingen – in einer Wachheit, die nichts damit zu tun hat, wie müde oder erschöpft man gerade ist. Und einer Gewissheit, der auch nervige oder chaotische Tage nicht viel anhaben kann. Wie dieser Koch zum Beispiel die Kartoffelsuppe abschmeckt, bis sie nicht mehr nur gut, sondern ganz genau richtig ist. Oder wie er eine Kartoffel schneidet und erklärt, warum seine Technik mehr Sinn hat als Okkas Drauflosgehacke. Er ist immer konzentriert dabei, immer total bei der Sache, obwohl er das alles schon Tausende Male gemacht hat. Ganz einfach, weil er das Kochen liebt – und deswegen auch all die Kleinigkeiten, die dazugehören. Und weil es ihm Spaß macht, dabei so gut wie möglich zu sein. Das ist eine bemerkenswerte Haltung, allerdings auch eine Erinnerung daran, wie halb aufmerksam und halb dabei sie selbst oft ist. Bereit, sich auf Kompromisse einzulassen und mit Halbherzigkeiten zufriedenzugeben. Aus Müdigkeit, aus Feigheit, aus Bequemlichkeit, sie weiß es gar nicht so genau. Viele ihrer Gedanken beginnen stets mit einem »Eigentlich«. Und Florian Mickan hat ihr an diesem Abend gezeigt, wie schön es sein kann, der Mensch zu sein, der man sein möchte – wenn man sich und seinen Sehnsüchten ein wenig mehr zutraut.

Fazit: Weniger ist manchmal einfach mehr! Okka Rohd zeigt auf überzeugende und sehr leckere Weise, dass 40 Rezepte, die mit Liebe und Leidenschaft von ihren Paten immer wieder optimiert wurden, sehr viel mehr sein können als eine umfassende Kochbuch-Bibliothek. Diese Erkenntnis hat mich, daran erinnert, dass meine Mutter und meine Oma auch nicht jeden Tag im Netz auf der Jagd nach neuen kulinarischen Impulsen waren. Am Ende kam dabei für alle, die am Tisch Platz genommen hatten, etwas wirklich leckeres heraus, weil diese sich Zeit genommen haben, ein Rezept weiter zu entwickeln, bis es genauso war, wie sie und die Familie es am liebsten hatten. Sich wie im Schlaf einem Rezept eines leidenschaftlichen Koch oder einer leidenschaftlichen Bäckerin anzuvertrauen, kann so entspannend sein, lecker wird es sowieso. Ein Buch für Anfänger und Geschmacksverfechter, die lieber 40 gute Rezepte beherrschen wollen, als hunderte irgendwo gepinnt oder gespeichert zu haben, die wir dann sowieso nicht mehr wiederfinden, wenn wir uns gerade entschlossen haben, diese endlich nach zu kochen. Diese Autorin versteht außerdem viel von unseren Sehnsüchten, wie bei einem guten „Blockbuster“, werden diese sympathisch und sehr einfühlsam getriggert. Ein Buch für die Küche und für das Leben, das wir manchmal ungewollt an uns vorbeiziehen lassen, ohne mittendrin dabei zu sein. Mir hat dieses Buch wahnsinnig gut gefallen!

Herzlichen Dank für die Übersendung als Rezensionsexemplar.

Chelsea Winter: Homemade Happiness

Chelsea Winter: Homemade Happiness

Fotos: Tam West

Ars Vivendi Verlag

Preis: 26,–

Essen kann glücklich machen, mehr erwarte ich nicht,
weniger macht aber auch keinen Sinn!

 Worum geht’s?

 Bitte nicht wieder irgendein Ernährungstrend, der Verzicht einfordert……

 Ehrlich gesagt habe ich bei dem Titel “ Homemade Happiness“ ein bisschen gezuckt, was soll das jetzt schon wieder, dachte ich mir erst, nicht schon wieder ein Trendkochbuch, dass uns mit netten Angelizismen, satt und glücklich kochen will. Womöglich geht es wieder mal um irgendeinen Ernährungstrend, natürlich kalorienreduziert und low-carb und ohne „Happiness“ zu versprechen, kann sowas natürlich nicht unter das Volk gebracht werden. Das ist definitiv nichts für mich, mit low-carb werde ich um die Mittagszeit für meine Familie und Kollegen unausstehlich! Ich bin ein aktiver Mensch und brauche zu einer bestimmten Zeit am Tag meine Portion Kohlehydrate und kalorienreiche Geschmacksträger, um die Speicher wieder zu füllen. Außerdem bin ich neugierig und liebe fremde Geschmäcker und Zutaten und koche gerne für mehr als zwei Portionen. Wer weiß schon, wer pünktlich zum Abendessen vor der Tür steht, das habe ich von meiner Oma übernommen, für diese hatte Essen und Kochen immer was mit Großzügigkeit zu tun, sowohl bei den Zutaten, als auch bei den Portionsgrößen. Ich bin also gespannt, was Chelsa Winter unter „Homemade Happiness“ versteht, immerhin handelt es sich um den Originaltitel und es ist nicht nur ein Marketing-Versprechen aus der PR-Abteilung eines Verlages.

Wer ist die Autorin?

 Chelsea Winter ist eine neuseeländische Starköchin und Kochbuchautorin. Seit die Mittdreißigerin die Kochshow MasterChef New Zealand gewonnen und anschließend ihr erstes Kochbuch veröf­fentlicht hat, ist sie aus Neuseelands Gastroszene nicht mehr wegzudenken. Ihre vier Kochbücher At My Table (2013), Everyday Delicious (2014), Homemade Happiness (2015) und Scrumptious (2016) waren allesamt Bestseller. Sie veröffentlicht Artikel in der Food-Rubrik der Zeitschrift Woman‘s Day und tauscht sich inzwischen mit ihren mittlerweile über 360.000 Facebook-Fans regelmäßig aus.

Was ist drin?

 Einfach lecker kochen und entspannt genießen ist hier Programm!

Die Autorin ist im Buch nicht nur mit Tipps und persönlichen Anmerkungen zu den Rezepten äußerst präsent, gleich zu Beginn begrüßt uns eine blonde, attraktive und sehr sympathische junge Frau mal mit Hund und in Jeans, Boots und Pulli, dann sehen wir Chelsa locker und entspannt im T-Shirt mit Strand-Panorama im Hintergrund. OK, das haben wir schon häufiger gehabt, allerdings macht sie in ihrem Vorwort gleich zu Beginn klar, der Titel ist gleichzeitig als Ansage zu verstehen, Essen soll bei ihr Spaß machen, keine Diät, kein Ernährungstrend, sondern einfach nur was Leckeres auf dem Teller, ohne Angst vor Kalorien und Knoblauch, bei ihr sind es auch mal mehr als zwei Zehen. Chelsa Winter hat dabei nicht mehr aber auch nicht weniger im Sinn und bei ihr sind die Ausflüge in die kulinarische Welt, die Jamie Oliver, so berühmt gemacht haben, ebenso gesetzt. Sie ist dabei nur nicht so hektisch unterwegs, sondern lässt es entspannt angehen und gekocht wird bei ihr immer für eine Schaar von Essern, meistens sind es 4, es dürfen aber gerne mehr sein, bei ihr kommt gerne ordentlich was auf den Teller. Nach ihrem Verständnis, ist Essen mehr als nur Kalorienaufnahme und die Fokussierung nur auf den Verzicht nicht dazu angetan, ein unverkrampftes Verhältnis zu unserer Ernährung zu entwickeln. Da bin ich total bei ihr.

Die Welt in ihrer Küche – oder hat Jamie eigentlich eine Schwester?

Wenn ich mich im Buch in den Kapiteln für leichte Mahlzeiten, Dinner-Gerichte, bei Desserts, Kuchen und Gebäck umschaue, finde ich viel, was mich neugierig macht, denn diese Lady hat sich bei der Auswahl ihrer Zutaten auf der ganzen Welt bedient, aus Spanien kommt die Chorizo, der Halloumi aus dem arabischen Raum und die Cannellini-Bohnen aus Italien, zum Glück hat längst das meiste davon im gut sortierten Supermarkt um die Ecke eine Heimat gefunden. Hat mich bei Jamie Oliver gelegentlich schon mal gestört, dass er den Leuten nicht zumutet Mayonnaise oder Currypasten selbst herzustellen und da seine Leser gerne der Industrie überlässt, ist es bei Chelsa Winter meistens anders, 5 Zutaten kommen bei ihr ebenfalls nicht in die Tüte. Die Zutatenlisten sind eher lang, diese Köchin hat halt in der Küche Spaß an etwas, was man heutzutage als Soulfood bezeichnet, sie ist oft in 30 – 40 Minuten fertig, es darf jedoch, wenn es am Ende toll schmeckt und viele satt werden, auch gerne mal länger dauern.

Sorry Jamie, aber im Moment schmeckt mir besser was Chelsa kocht und serviert…..

Mit „Portiönchen“, werden wir bei ihr zum Glück nicht abgespeist und vieles was diese junge Frau serviert kann problemlos eine zweite Runde überstehen, wird dabei sicherlich sogar noch besser und stillt unsere Sehnsucht nach ein bisschen weiter Welt auf dem Teller ohne es zu komplex werden zu lassen, eben wie Jamie es früher gemacht hat, als er seine Bücher noch nicht an Ernährungstrends ausgerichtet hat. Chelsa Winter könnte also seine Schwester im Geiste sein und ist cool genug ihren Lesern auch ein wenig Arbeit zuzumuten, die Rezepte dafür liefert sie gerne mit. Mit Ausnahme vom Pizzateig, der ist in ihren Augen nur richtig gut, wenn er sehr dünn ausgerollt wird und genau aus diesem Grund greift sie gerne auf fertige Lahmacun-Böden (türkische Pizza) zurück. Wem nach Selbermachen ist, der muss auf sein eigenes Rezept vertrauen oder auf das Rezept für Pizzateig aus Ihrem Buch At My Table zurückgreifen. Angenehm, dass die Autorin in ihrem Buch ebenso an die Lunch-Box für Groß und Klein denkt und dabei sogar Sushi mit Kindern bastelt. Keine Angst auf rohen Fisch wird hierbei verzichtet, Chelsa’s Favoriten für kleine Genießer in spe sind Füllungen mit Thunfisch –Mayo oder Teriyaki –Hähnchen und Räucherlachs-Frischkäse ist ebenfalls eine Option. Im Kapitel für „Knabbereien & Beilagen“, zeigt sie außerdem noch mal eindrucksvoll, was ihre Stärke ist und liefert jede Menge Ideen mit Twist, die alle einfach und unkompliziert sind. Obwohl ich in diesem Buch eigentlich fast nichts gefunden habe, was ich nicht nachkochen möchte.

Und was gibt es zu essen?

 Vergesst die Nachkochliste, das Buch ist für mich die Nachkochliste!

Ziemlich leckeres Zeug, kann ich sagen, ein Mix aus britischen Küchentraditionen mit Bacon, Eggs, Würstchen & Co. und Chelsa holt die weite Welt auf unsere heimischen Teller, genauso wie es Jamie Oliver früher gemacht hat. Diese junge Lady ist nicht nur attraktiv, sondern hat ziemlich klasse Ideen und hält zum Glück überhaupt nichts von Superfood und Co., was sie nicht nur authentisch macht, sondern von der im Moment allgegenwärtigen Mädchenriege unter den Autorinnen, die häufig ebenfalls blond und sehr attraktiv ist, zum Glück unterscheidet. Ich habe mich zuerst auf die Lamm-Moussaka mit einer cremigen Blumenkohlsauce gestürzt, so lecker und zum reinknien, weil die Sauce mit Geschmacksträgern wie Ricotta und Eigelb nicht spart. Moussaka habe ich schon ewig nicht mehr gekocht, auf dieses Rezept habe ich also gewartet, zukünftig gibt es bei uns Moussaka nur noch nach Chelsa‘s Rezept. Weiter ging es mit einem marokkanischen Hähnchensalat mit Aprikosen, ebenfalls ein Knaller-Rezept! Zum Schluss der Testsession gab es die rauchig-scharfe Suppe mit Chorizo und Halloumi, würzig, scharf, genial, so lieben wir Eintöpfe! Dieses Rezept hat es bis ins Weihnachts-Rezept-Casting-Finale geschafft, wir werden es der Familie zu einem Brunch am 2. Feiertag servieren. Die Hürde liegt hoch, es gibt schon ein paar beliebte Klassiker, die alle lieben und jedes Jahr wieder freudig erwartet werden. Die Casting-Session von meinem Liebsten und mir war lang und Chelsa hat sich am Ende gegen ein Rezept von Jamie Oliver durchgesetzt. Tut mir Leid, Jamie, vielleicht ein anderes mal.

Die Nachkoch-Liste für dieses Buch muss ich erst gar nicht anlegen, das Buch ist eine einzige Nachkochliste für mich! Als nächstes werde ich unbedingt auch noch den griechischen Lamm-Salat probieren, auch wenn ich bei den verwendeten 4 Keulen noch ein wenig überlegen muss, wie schwer die insgesamt sein sollten, das fehlt leider bei der Zutatenangabe, sehen auf dem Foto aber klein aus und haben keine Knochen. Bei der traumhaften Blumenkohlsuppe bin ich ebenfalls dabei und zu Fleischklößen mit Kartoffel-Lauch-Stampf sage ich sowieso niemals nein. Außerdem gefällt mir das Hähnchen in Sesamsauce und ein wunderbar sämiges Massaman-Curry mit Rindfleisch ist mir auch sofort ins Auge gestochen. Die göttlich klingenden Vanilleschnitten werden definitiv die Hüften runden, aber wenn schon denn schon…

Front-Row-Anwärter, bessere Plätze gibt es in meiner Küche nicht!

Meine Nach-Kochliste, sprengt jedes Maß, das in den nächsten Wochen zu schaffen wäre, deshalb ist dieses Buch nicht nur in mein Kochbuch-Regal eingezogen, sondern darf gleich in der Küche bleiben, dieses schöne Kochbuch gehört definitiv in die „Front-Row“ im Regal, ich werde es ganz bestimmt in der nächsten Zeit sehr häufig brauchen.

Fazit: – oder Fusion-Küche wie ich sie mir wünsche! Ich fürchte Mr. Oliver, Sie müssen mal in Neuseeland Urlaub machen….. Spaß beiseite, Chelsa Winter ist ein großartiges Buch gelungen, dass mich kulinarisch nicht nur zufrieden gestellt hat, sondern auch sehr glücklich gemacht hat. „Homemade Happiness“ ist hier kein Marketingtrick, sondern zum Glück Programm. Man muss nicht besonders begabt sein, sondern auch Anfänger kommen damit wunderbar klar und vieles kann im Supermarkt besorgt werden, aber Ihr solltet Euch Zeit nehmen, hier werden keine halben Sachen gemacht, und das was hausgemacht einfach besser schmeckt auch noch selbstgemacht. Bei mir hat das Buch voll ins Schwarze getroffen, genauso mag ich es! Was gibt es schöneres, als wenn alle am Tisch am Ende satt und glücklich aufstehen und noch Tage später davon schwärmen. Für mich ist dieses Buch eine tolle Überraschung, Fusion-Küche super lecker, und ohne viel Tam-Tam oder super-exotische Zutaten, die erst von uns Normalos entdeckt werden müssen. Meinem Schwager als Jamie-Fan habe ich schon ein Weihnachtsgeschenk besorgt, ratet mal welches Buch drin sein wird?

Herzlichen Dank für die Übersendung als Rezensionsexemplar.

Lissabon – Rezepte aus dem Herzen Portugals

Rebecca Seal: Lissabon- Rezepte aus dem Herzen Portugals

Fotos: Steven Joyce

Verlag Dorling Kindersley

Preis: 24,95 €

Was für eine Stadt, hier gibt es kulinarisch noch so viel für uns zu entdecken!

Worum geht’s?

Ich liebe Lissabon und bin schon mehrmals dort gewesen. Mit der Liebe für diese Stadt hat sich bei mir auch die Liebe für den Fado entwickelt. Gerne nehme ich Euch mit auf eine kleine Augen und Ohrenreise, Impressionen aus Lissabon untermalt von einer der besten Fadistas, die Portugal zu bieten hat: Mariza, geboren in Mosambik begleitet Euch akustisch durch Lissabon, einer Stadt die kaum größer als Frankfurt ist und die mich bei jedem Besuch mit weißen Häusern, rot gedeckten Dächern und den typische blauen Kacheln an den Häusern, die auch schon bessere Zeiten gesehen haben, bezaubert und in ihren Bann zieht. Ich liebe Lissabon für seinen morbiden Charme, diese Stadt hat im Verlauf der turbulenten Geschichte Portugals als Seefahrer-Nation viele Höhen und Tiefen erlebt: Fast 6 Jahrhunderte lang erstreckte sich das portugiesische Reich über weite Teile Asiens, Afrikas und Südamerikas. Seine Handelsrouten führten sogar noch weiter – Gewürze, Alkohol, Seide aber auch Sklaven machten die Kaufleute von Lissabon wohlhabend und reich. Heute merkt man davon recht wenig, wenn sich die kleinen ratternden Straßenbahnen, durch enge Gassen und Kurven quetschen und ächzend den Berg in die Oberstadt erklimmen.

Wer sind die Autoren?

Rebecca Seal ist Food-Journalistin und Autorin, unter anderem für The Guardian, Times und Glamour Sie lebt in London und hat eine besondere Leidenschaft für internationale Küchen. Für dieses Buch hat sie mit ihrem Mann, dem Fotografen Steven Joyce, den Charme der portugiesischen Hauptstadt in Wort und Bild eingefangen.

Wie sieht es aus – oder Schlüsselreize, die Erinnerungen wecken?

 Vor mir liegt ein hübsches und fröhliches Buch, die blauen Kacheln auf dem Umschlag, schicken mich sofort atmosphärisch nach Portugal und der aufgeprägte Fisch erinnert mich daran, im Alentejo den besten gegrillten Pulpo meines Lebens gegessen habe. Jeder beliebige Supermarkt in diesem Land hat nicht nur den typischen getrockneten Stockfisch im Angebot, sondern in der Regel eine gut sortierte Fischtheke mit sehr kundigem Personal, erstaunlicherweise sind uns da mehr Frauen als Männer begegnet, was bei uns ja oft anders ist.

Ein Blick ins Urlaubs-Album von Lissabon-Fans

Rebecca Seal und Steven Joyce sind wie viele Briten Portugal-Fans und haben bei der Recherche zu diesem Buch mehrfach die schöne Stadt am Tejo und bereist. Mit dabei immer ihre kleine Tochter und manchmal auch die Schwiegereltern, damit die Eltern sich der Recherche und dem Fotografieren, widmen konnten. Das macht das Buch persönlich, weil es fast so ist, wie bei den Nachbarn Urlaubs-Fotos schauen. Der Fotograf hat glücklicherweise die Hochglanz-Optik, die für einen Profi hinter der Kamera ein Kinderspiel ist, vermieden und viele Fotos sehen genauso aus, wie die, die meine Eltern in den 70igern selbst im Urlaub geschossen haben. Natürlich ist das ein geschickter Kunstgriff des Fotografierenden, der bewusst Farbe reduziert, das macht diese sympathische Kochbuch jedoch sehr authentisch und gefällt mir bei einem Länderkochbuch sehr viel besser als perfekte aber unpersönliche Hochglanz-Fotos, die mir eher ein Gefühl der Beliebigkeit vermitteln. Beliebige Eindrücke, wie ich sie in jedem x-beliebigen Reiseführer finde, machen mir nicht wirklich Lust darauf kulinarisch auf Entdeckungs-Tour zu gehen. Wer weiß schon, ob man dann nicht statt engagierter Rezepte nur mit Einheits-Brei abgespeist wird. Bei diesem Autoren-Paar habe ich spontan ein gutes Gefühl und freue mich auf mehr.

Was ist drin?

 Stockfisch – Piri-Piri – Brunnenkresse – Chouriço und Bohnen

80 Rezepte in den Kategorien Pesticos (vergleichbar mit den spanischen Tapas) & Snacks, Beilagen & Suppen, Salate, Fisch & Meeresfrüchte, Fleisch, Saucen & Vorrat, Süßes & Dessert und  sogar Drinks & Knabbereien, spiegeln das reiche kulinarische Erbe Lissabons und Portugals und die Zeiten der Kolonialherrschaft. Die Mauren brachten Feigen, Mandeln und Kaffee, während die Schiffe der Eroberer Chilischoten aus Südamerika geladen hatten. Von der Insel, die heute Sri Lanka genannt wird, kamen Zimtstangen und aus Indien süße Orangen. Stockfisch, also eingesalzener und getrockneter Kabeljau, steht wie kaum ein anderes Produkt für die Küche einer Nation aus Seefahrern und Eroberern. Rebecca Seal serviert Stockfischkroketten mit Piri-Mayonnaise und goanesische Samosas, Kokos-Chutney (schließlich haben Briten und Portugiesen eine gemeinsame koloniale Vergangenheit in Indien), mariniertes Schweinefleisch im Brötchen oder gegrillte Sardinien als Vorspeise. Als Beilage ein typisches Maisbrot, typische Aroz (Reis)-Beilagen entweder mit Tomate oder getrockneten Bohnen und Chouriço-Wurst, die wir schon aus Spanien kennen. Bei den Suppen fehlen die Klassiker Caldo-Verde (Kohlsuppe) und eine Brunnenkresse-Suppe natürlich nicht. Ein typischer portugiesischer Salat besteht aus Paprika, Tomate, Gurke und knackigen Salatblättern, garniert mit ein wenig Koriander und auch dicke Bohnen sind in der Küche Lissabons sehr beliebt, in Rebeccas Rezept mit einer Prise Kreuzkümmel und Koriander abgerundet. Caldeira (ein Fischeintopf), der Klassiker schlechthin, den Fischer ursprünglich mit dem Fang gekocht haben, der zu klein für den Verkauf auf den Markt war, hat sie in einer Kochschule in Lissabon in einer modernen Version kennengelernt.

Was uns gut geschmeckt hat:

 Huhn – süße Verführungen und was für die Speisekammer

Meine bessere Hälfte und ich lieben es scharf, das Piri-Piri Huhn war also gesetzt, die Zubereitung ist genial einfach, wenn erst mal die Piri-Piri-Sauce hergestellt ist, bei der ich mir die Freiheit genommen habe, bei dieser nach meinem persönlichen Geschmack und Gefühl einige Anpassungen vorzunehmen. Sehr unkompliziert das „scharfe“ Huhn, entweder in der Pfanne mit Zwiebeln und Süßkartoffeln, oder wie bei uns auf dem Blech für eine Schaar von Gästen mit klassischem Tomaten- Reis und einem erfrischendem portugiesischem Salat, den Rebecca von einer Einheimischen gezeigt bekam, die in Lissabon kulinarische Stadtführungen anbietet. Bei der portugiesischen Blutwurst mit Apfelmus habe ich mich getraut,  auf Wunsch eines besonderen Herren an meiner Seite, diesen Mut habe ich beim Stockfisch noch nicht aufgebracht und ich muss mich ebenfalls nach einer guten Bezugsquelle umsehen. Frankfurt hat allerdings eine große portugiesische Community und sogar portugiesische Bäckereien, die Gebäck, Brot und Brötchen nach Original-Rezepten anbieten. Deshalb habe ich die allseits beliebten Puddingtörtchen (Pastéis de Nata) nicht probiert, des wabbert ja sowieso schon vielfach durchs Netz, das Rezept von Rebecca gefällt mir allerdings sehr gut, weil sie sich wirklich die Mühe macht, den Blätterteig selbst herzustellen. Wer sich das ersparen will, dem empfiehlt sie einen  mit frischer Butter hergestellten Teig zu kaufen. Bei den Desserts konnte ich mich gar nicht entscheiden und es hat sowohl der selbstgemachte Frischkäse mit Honig &Mandeln das Rennen gemacht wie auch die Bratäpfel mit Quittengelee und Portwein, die uns ebenfalls uns gut geschmeckt haben. Zum Abschuss gab es noch einen Foxtrott-Cocktail ohne Alkohol und mit Kardamom-Sirup. Toll dass Rebecca Seals mit einer so großen Bandbreite an unterschiedlichen Rezepten quer durch alle Genres ´aufwartet und nicht nur Klassiker-Rezepte für nicht Einheimische aufbereitet.

Was ist besonders – oder warum mir das Buch gut gefällt?

 – oder eine Britin, die ein authentisches portugiesisches Kochbuch abliefert, das auch modernen Ansprüchen genügen kann.

 Die Herausforderung für Rebecca Seal hätte nicht größer sein können: Portugiesische Küche ist sehr traditionell, den echten Geschmack da auf unsere Teller zu zaubern, erfordert viel Fingerspitzengefühl, denn Stockfisch braucht ein spezielles Treatment, das man/frau am Besten von einheimischen Köchen lernt. Um diesen Ansprüchen zu genügen, hat die Autorin nicht nur mehrfach vor Ort recherchiert, sondern sich durch viele Lokale probiert und sogar Lissabons angesagte Cocktail-Bars besucht. Ihr größter Verdienst ist hier für mich jedoch, dass sie sich in zwei Kochschulen vor Ort, den richtigen Umgang mit Umgang mit Produkten, und den authentischen Geschmack hat zeigen lassen. Sie hat sich offenbar die richtigen dabei ausgesucht, denn ihre Rezepte sind moderner und frischer, als man das von der klassischen portugiesischen Küche kennt und können auch Vegetarier zu Liebhabern machen. Kein einfaches Unterfangen, wenn man bedenkt, dass in dieser Küche neben Stockfisch,  auch Schweinefleisch und Blutwurst eine große Rolle spielen. Gefallen hat mir auch, dass Rebecca ihre Leser stets auf Augenhöhe begleitet und sehr umsichtig für Abhilfe sorgt, wenn das typische Maisbrot für die Stockfisch-Krümmel nicht zu kaufen ist, dann backt diese Autorin mit uns kurzerhand einfach ein Original Maisbrot. Das Buch muss sich in meinen Augen deshalb nicht hinter der einheimischen Konkurrenz verstecken, sondern kann mit breiter Brust von sich behaupten, dass es die portugiesische Küche endlich auch außerhalb Portugals salonfähig macht und dabei auch den Ansprüchen an ein modernes, zeitgemäßes portugiesisches Kochbuch genügen. Das ist ein Wissen, dass man sich unter kundiger Führung vor Ort erarbeiten muss und nicht nur zu Hause irgendwo abschreiben und anpassen kann. Rebecca Seal bewies außerdem Händchen bei der Rezeptentwicklung und hat gezeigt, dass sie ihre Zielgruppe kennt und nicht nur reduziert, sondern Alternativen und Grundrezepte anbietet, wenn das zum Gelingen eines Klassikers notwendig ist. Das ist ein Wissen, dass man sich erarbeiten muss und deutlich spürbar bei allen präsentierten Rezepten. Außerdem hat mir gefallen, dass die Fotos im Buch wirklich Stimmung und Atmosphäre transportieren, weil sie Beliebigkeit vermeiden und eher wie Urlaubsfotos anmuten.

Herzlichen Dank für die Übersendung als Rezensionsexemplar.

Elissavet Patrikiou/Michalis Pantelouris: Gastfreundschaft

Hölker Verlag

Preis: 29,95 €

Schön, dass Du da bist, komm rein, setz Dich wir wollten sowieso gerade essen!

Worum geht`s – oder gemeinsam essen macht einfach mehr Spaß?

Dieses Buch ist ein Kochbuch und ein Buch über das Leben und vor allem ein Buch von Menschen und über die Menschen hinter den Rezepten. Ein Plädoyer für die Gastlichkeit. Was verbindet uns mehr als das Essen? Ganz gleich, wo auf der Welt wir geboren werden, egal, was wir glauben, beim gemeinsamen Essen können wir uns kennen lernen über einem dampfenden Teller sitzen, reden, genießen, und uns ohne Scheu auf Neues einlassen. Die Fotografin und Autorin Elissavet Patrikiou hat über ein Jahr lang Menschen aus aller Welt in Deutschland getroffen. Mit ihnen gekocht, gegessen und gelacht und ihre Rezepte und Geschichten zusammen mit ihrem Co-Autor Michalis Pantelouris aufgeschrieben.

Wer sind die Autoren?

Elissavet Patrikiou arbeitet seit über 20 Jahren als freie Fotografin und hat sich auf Foodfotos und Kochbücher spezialisiert. Die griechische Küche, für sie eng verbunden mit vielen spannenden Begegnungen und schönen Erlebnissen in ihrer Heimat, liebt sie ganz besonders.

Michalis Pantelouris ist Autor beim Süddeutsche Zeitung Magazin, Editor-at-Large bei L’Officiel und Kolumnist bei GQ und Emotion. Er schreibt außerdem für Zeit, GEO und andere.

Was ist drin?

Elissavet Patrikiou hatte am Anfang gar nicht vor, dieses Kochbuch zu machen, schon länger hat sie mit Menschen zusammen gekocht und die Fotos dieser gemeinsamen Abende auch mal bei Facebook online gestellt. Genauso ist es bei uns schließlich auch, wir teilen dort mit Freunden und lieben Menschen unser Leben. Und dann hat ihr ein Mensch, den sie sehr schätzt gesagt: »Frau Patrikiou, Sie müssen ein Buch über Ihr Leben machen, Sie kennen so viele interessante Leute.« Erstmal war das kein Thema für Elissavet, denn es ging bei diesen Bildern nicht um ihren Job, sondern um ihr Leben, eine Fotografin sieht überall Bilder, wir Kochenden haben beim Gang durch die Natur, bei den Kräutern am Wegesrand sofort ein Aroma in der Nase, das vielleicht am nächsten Tag spannend für den Teller inszeniert wird.

Wir machen uns einfach einen schönen Tag!

Gastfreundschaft, ist etwas zutiefst persönliches, es geht nicht nur um Rezepte, sondern wenn wir Gäste haben, servieren wir unsere Lieblingsgerichte, wir wollen das alle sich wohl fühlen, dass es unseren Gästen gut schmeckt, sie lachen und sich gut unterhalten und dies als besonderes Erlebnis mit nach Hause nehmen. Ein echtes Buch über dieses Thema zu machen, kann heikel werden, denn es funktioniert definitiv nicht nur mit gestylten Fotos und Rezepten, die wir irgendwo abgeguckt haben, sondern nur mit unseren Lieblings-Rezepten und Gastgebern, die echt sind und sich nicht hinter einer stylischen Umgebung verstecken.

Ich muss ehrlich zugeben, dass ich dieses Buch beim Blättern durch die Verlagsvorschau, „nicht auf dem Zettel hatte“, mir schien es mal wieder ein Buch zu sein, dass uns Multi-Kulti für die heimische Küche mit ein paar netten Fotos liefert, wie es mir inzwischen auch mit vielen Büchern zur Food-Truck-Szene geht. Bei den meisten springt bei mir der Funke einfach nicht mehr über und ich fühle mich auch nicht mehr persönlich angesprochen, auch nicht kulinarisch. Im Gegenteil ich habe das Gefühl bei vielen Büchern sind wieder mal Autoren, Köche, Fotografen und Büchermachen hinter dem Trend hinterher. Dann habe ich mir „Gastfreundschaft“ in der Buchhandlung angeschaut und mich sofort verliebt in das Buch, die Fotos und die Geschichten sind sehr einfühlsam und echt, es gibt keine gecasteten Protagonisten, sondern die Fotografin hat Menschen besucht, die sie schon ewig kennt oder neu kennengelernt hat und die sie als tolle Menschen empfindet. Für Elissavet Patrikiou bedeutet das, dass jemand mit ganzem Herzen bei der Sache ist und dass ist das was letztendlich Gastfreundschaft auch ausmacht. Folgerichtig war der Plan vorab einfach, wir machen uns einfach einen schönen Tag, egal wer dabei ist, egal was auf den Tisch kommt.

Von Typen und Kreativen
– in Hamburg liegt Sri Lanka gleich um die Ecke von Griechenland

Herausgekommen sind dabei sehr persönliche Begegnungen, z. B. mit Leonie aus Sri-Lanka, die 1978 nach Deutschland gekommen ist, im schlimmsten Winter, an den sie sich erinnern kann, die jeden Tag etwas scharfes essen muss und seit ihrer Kindheit jeden Tag ihres Lebens ein Ritual hat: Sie legt ihre Hände an den Reistopf und betet. Es gibt kein Bild auf dem sie nicht aus vollem Herzen lacht, Leonie betreibt einen Food-Stand, der so fröhlich bunt ist wie sie selbst und serviert uns gerne die Gerichte, die sie seit ihrer Kindheit auf Sri Lanka kennt und deren Rezepte ursprünglich von ihrer Mutter stammen. Es gibt bei ihr z. B. Devil-Scampi, Papadam und Linsencurry.

Alexandros Sistakos besitzt in Hamburg ein Restaurant, das ein ehemaliger Buchladen war.  und er hat beschlossen, die Wandregale stehen zu lassen und den Laden einzurichten wie die Bibliothek eines englischen Lords – mit Sesseln und Sofas, Schachbrett und allem, was sonst noch im Regal eines Mannes steht, der die Welt gesehen und dabei mit Geschmack Souvenirs gesammelt hat. Bei ihm hat alles seinen Platz und die Gäste werden, wenn sie mal wieder ohne nachzudenken, ihre Jacken einfach mal über die Lehne der antiken Stühle hängen, gerne auf die Garderobe aufmerksam gemacht. Wenn Platz knapp ist, dann verfügt er ebenso über pfiffige Ideen, wie er kurzerhand sein Lokal erweitert, einfach einen Parkschein ziehen und der Tisch für die Gäste wird in der Parkbucht vor der Tür aufgebaut. Er kocht im Buch ein griechisches Stifado an diesem Tag, auch ein „Hamburger Rundstück“ (eigentlich bezeichnet man damit Brötchen oder Schrippen, Alexandros serviert die Luxus-Variante, mit gegartem Schweinehals und Bratensauce) und alles Mögliche andere, Alexandros war noch nie bereit, sein Leben von irgendwelchen anderen Regeln bestimmen zu lassen, als von seinem eigenen Geschmack.

Charly Jungbluth, den jeder im Hamburger Karolinenviertel kennt und mag, betreibt eines der bekanntesten Tattoo-Studios Deutschlands, wobei er selbst ausschließlich pierct. Charlys Motto lautet: » Rock ’n’ Roll und fette Beute!«, Neben allem anderen ist Charly auch so etwas wie eine Institution, wenn er wirklich irgendwann mal wie geplant, in sein Haus auf einer kleinen thailändischen Insel verschwinden sollte, dann wird das für viele Bewohner des Viertels, die dessen individuellen Style lieben, ein Zeichen sein, dass es Schluss ist mit Typen und kreativen individuellen Läden. Aber bis dahin ist es hoffentlich noch ein bisschen hin und Charly serviert für seine Freunde ganz bodenständig, z. B. ein Kartoffel-Curry-Gratin mit gebratener Schinken-Putenbrust oder Charlys Curry-Schmackofatz.

Fazit – oder warum ich mich in dieses Buch verliebt habe!

Ich schaue mir jedes Jahr viele, eigentlich fast jeden Tag ein Kochbuch an, viele begeistern mich, weil ich das Gefühl habe, hier tun Menschen wirklich etwas, was sie lieben oder ich lasse mich entführen in eine kulinarisch neue Welt. Was ich aber noch mehr liebe sind authentische Menschen, Typen und echtes und einfaches Essen, gerne in Gesellschaft und auch mal ganz spontan, wenn ein Freund oder Freundin vor der Tür stehen und da komme ich mit diesem sehr persönlichen Koch- und Bildband voll auf meine Kosten und es lässt mich hoffen, dass Kochbücher noch von Menschen für Menschen gemacht werden und nicht von einer Agentur, die uns nach der Marktanalyse noch schnell ein Buch zum letzten Trend unterjubeln möchte. Ich war glücklich all diese Menschen und ihre persönlichen Lieblings-Rezepte kennenzulernen und freue mich auf viele weitere unkomplizierte kulinarische Abenteuer mit ihnen.

Herzlichen Dank für die Übersendung als Rezensionsexemplar.