Elisabeth Raether: Das Beste vom Wochenmarkt

Elisabeth Raether: Das Beste vom Wochenmarkt

Neue frische und saisonale Rezepte aus dem Zeitmagazin

Fotos: Silvio Knezevic

riva Verlag

Preis: 19,99 €

Warum seriöse Journalisten nicht übers Kochen reden …..

 Elisabeth Raether arbeitet im Bereich des hochseriösen Journalismus, Polit-Journalisten ist die neue Bundesregierung im Moment wichtiger als ihr Kochtopf daheim. Über Essen redet man bei der ZEIT und vermutlich auch beim Stern so wenig wie über Sex. Jeder tut es, hofft man zumindest, jeder weiß, dass der andere es tut, aber man tauscht sich darüber wenn überhaupt nur in Andeutungen aus. Regelmäßig passiert es der Autorin aber, dass Kollegen sie auf dem Flur oder am Rande einer hoch wichtigen Redaktions-Konferenz flüsternd beiseite nehmen und ihr von der herrlichen Zitronenpasta oder dem Himbeerkuchen aus ihrer Kolumne vorschwärmen. Manche trauen sich sogar und schicken ihr heimlich am Wochenende Handyfotos von ihren Erfolgen.

Wie kommt man als Mitglied der ZEIT -Politik-Redaktion zu einer Koch-Kolumne?

 Elisabeth hat definitiv nicht hier geschrien, als es darum ging, eine geeignete Kandidatin für die Koch-Kolumne der ehrwürdigen guten alten ZEIT zu casten, oder sagen wir es einfach so, wie es ist: Niemand anderes wollte diese Arbeit machen. Dabei wäre jeder andere außer ihr auch geeignet gewesen, denn das Prinzip der Kolumne sollte ja sein, dass eben kein Experte Lektionen erteilt, sondern jemand einfach gern draufloskocht. Aber genau da lag wohl der Haken. Denn, klar, fast jeder isst gern, aber das regelmäßige Essenmachen ist eine ganz andere Nummer, als nett auf dem Sofa sich am Sonntag-Abend die neueste Folge einer Koch-Show rein zu ziehen oder ein wunderschönes Kochbuch durchzublättern. Wir leben in einer Zeit, in der viele gerne kochen lassen, Lieferdienst, Fertig-Produkte werden je nach Portemonnaie als Unterstützung angeheuert, Hauptsache man verpasst keinen Instagram-Tweet und ist auch bei Facebook immer on.

Glücklich wird man nicht vor der Glotze oder dem Smartphone, aber vielleicht in der Küche!

 Kochen kann auch bei täglicher Wiederholung eine schöne Tätigkeit, ein Genuss sein, bevor man auch nur einen Bissen probiert hat. Man kann sich auf das Essen freuen, seine Nase in Gewürzdosen halten, die eigenartige Schönheit von Gemüse bestaunen, einfach seinen Gedanken nachhängen, sich unterhalten, Musik hören, oder in den Ofen gucken und den Verwandlungen zusehen, die sich dort ereignen. Am Ende kommt dann der Oberhammer: man darf es sogar selbst aufessen, nette Leute dazu einladen und kann sich stolz von den Gästen auf die Schulter klopfen lassen. Das ist Entschleunigung pur und etwas was uns erdet, wir erleben den erhebenden Moment und die große Befriedigung, mit den eigenen Händen etwas geschaffen zu haben, was uns und andere glücklich macht. Schwer ist das in den meisten Fällen nicht sagt Elisabeth Raether und die Zeit, die es dafür braucht ist auch übersichtlich, im Prinzip kocht sie zwei- bis dreimal die Woche und nur selten kommt was auf den Teller, das lange Vorbereitung bräuchte. Also einfach mehr kochen, weniger darüber reden, ihr wisst schon, was man den anderen nachsagt.

Was gibt es?

Die Rezepte aus diesem Buch stammen aus den vergangenen drei Jahren, aus der Zeit also, als Elisabeth Raether sich schon ein bisschen daran gewöhnt hatte, Kochkolumnistin des ZEIT Magazins zu sein und Familie und Freunde bereits zu der Erkenntnis gelangt waren, die kann nicht nur schreiben, sondern auch ganz passabel kochen.

Saisonal Kochen macht Sinn, einfach auf dem Markt inspirieren lassen!

Saisonal geht es bei ihr zu von Frühling bis Winter, im Frühling gibt es zum Beispiel Risotto mit Kräutern, den perfekten Kräuterfonds dafür hat sich die Autorin im YouTube-Channel eines Italieners abgeschaut. Außerdem kocht die Journalistin jede Menge Pasta, noch mehr Risotto, die guten alten Frikadellen aus dem Kochbuch der Oma, Erbsensuppe und griechische Hühnersuppe und die sogar mit einem Küchentrick, wie die knifflige Ei-Legierung tatsächlich Geling sicher funktioniert. Weiter werden mit einem schlichten Karottenpüree mit Kümmel ebenfalls Vegetarier am Feierabend schnell glücklich gemacht.

 Was gibt es Neues?

 Im Gegensatz zum ersten Buch gibt es gibt mehr Kuchen. Obwohl Elisabeth kein Talent fürs Backen hat – ihr fehlt leider der Wille zur Präzision und Ordnung, doch sie hat nicht aufgegeben und es immer und immer wieder probiert. Inzwischen klappt das ganz gut, Beleg dafür ist die Birnentarte auf Seite 112 und das Clafoutis mit Kirschen auf Seite 72, die Zeit-Kollegen wissen jetzt dank dieses Rezeptes auch, dass Clafoutis noch viel leckerer ist als ein schnöder Kirschkuchen.

 Vegetarier erwünscht, aber ihr spielt in diesem Buch nicht die erste Geige!

Weiterhin bleibt es oft vegetarisch in Raethers Küche, aber sagen wir mal so an den richtigen Stellen vegetarisch. Das heißt, es wird nicht unnötigerweise abgepackte Supermarktware verschlungen, sondern Fleisch als kostbares Geschenk behandelt, auf das man achtgibt wie auf ein teures Parfüm. Es gibt einen üppigen Schweinebraten, asiatisch, scharf, süß und saftig (Seite 40), eine unglaublich aromatische Lammschulter mit viel Knoblauch (Seite 26) und ein schlichtes, knuspriges Brathuhn (Seite 92).

 One-Pot- ist kein Mode-Trend, sondern eine Zubereitungsmethode, die schon Oma kannte!

Einige Schmortöpfe sind dabei – Lamm mit Pflaumen (Seite 142), ein Biergulasch (Seite 216). Für Elisabeth ist Schmoren noch immer die bequemste und damit beste Garmethode: Während es stundenlang köchelt, ruht der Koch sich aus. Neben der Liebe der Autorin für alles Italienische findet man ein bisschen was Französisches wie Eier in Rotweinsoße (Seite 200) und kleines Käsegebäck (Seite 30), das  gut zum Aperitif passt.

Gewürze dürfen bei den Currys ran, allerdings wird man in den Rezepten der Journalistin nicht von den verschiedensten Aromen erschlagen, verrückte zu verspielte Kombinationen kommen bei ihr nicht in den Topf, alles muss für sie gut schmecken und alltagstauglich sein.

Fazit: Nicht lang schnacken, einfach kochen!

Elisabeth Raether ist ein herrlich alltagstaugliches Kochbuch gelungen, das mit saisonalen Rezepten besticht, da ist alles drin was ich mir wünsche und was ich an Tipps gebrauchen kann. Warum einer Politik-Journalistin das besser gelingt als den Profis, ganz einfach Leute, sie kocht um zu Essen und kann ihr „Schreiber-Ego“ vermutlich außerhalb ihrer Kolumne ausleben. Eine Wohltat für genervte Leser und vor allem Nachkocher, die die Nase voll haben von Wortakrobaten, die gar nicht mehr mitbekommen, dass wir gerne selber schmecken und keinen rhetorischen Vorschmecker brauchen, sondern einfach nur leckere und einfache Rezepte –  in diesem Sinne gerne wieder Frau Raether!

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Agnes Prus: halb zehn

Agnes Prus: halb zehn

Das Frühstücks-Kochbuch

Fotos: Yelda Yilmaz

Verlag Stiftung Warentest

Preis: 34,90 €

Das Frühstück feiern!

Um es kurz zu machen, wem beim Frühstück „saugut“ lieber ist als der „Coffee to go“, der ist bei diesem Buch goldrichtig! Und ja vieles schmeckt  nicht nur um halb zehn, sondern  ist genauso lecker um 12:00, 15:00 oder 18:00 Uhr.

 Worum geht’s?

 Vom Brunch zum „Brinner“…

 War in den Neunziger der Brunch noch der letzte Schrei, ist das heute nur noch was für Vielesser und Geizkrägen. Überladene Teller mit einer wahrhaftigen Kalorien-Infusion, haben mit Genuss nichts mehr zu tun und sind vielleicht gerade noch bei zehnjährigen als „Wer schafft mehr“-Wettbewerb zu tolerieren. Die großen Metropolen, allen voran New York, haben es vorgemacht. Es geht bei den Frühstücktrends nirgendwo mehr um Masse, sondern Klasse!

Frühstücken bis in den Nachmittag hat in Deutschland zwar keine Tradition wird jedoch immer beliebter- Besonders in Berlin ist das aktuell sehr angesagt. Die Hochburg der jungen Trendsetter, auch Neudeutsch mit der Generalie „Hipster“ plakatiert, glänzt mit vielen Coworking-Spaces, wo Menschen nicht von „nine to five“, sondern projektbezogen arbeiten und es deshalb auch mal unter der Woche, nicht eilig haben, ins Büro zu kommen.

Brötchen, Käse und Marmelade: Frühstücken geht auch anders!

Aus diesem Grund hat sich in der Szene-Gastronomie in vielen Großstädten ein richtiger Frühstücks-Hype entwickelt, ähnlich wie bei den Burger-Imbissen. An manchen Cafés stehen die Leute Schlange. Aber nicht für Wurst und Käse, sondern für internationales Essen – French Toast, Eggs Benedikt, Pancakes oder die mexikanische Eierspezialität Huevos Rancheros. Ebenso gerne auf den Karten: Avocados in jeglicher Form, Bloody Mary und „Flat White“, eine Art starker Cappuccino.

Auch Agnes Prus und ihre Fotografin Yelda Yilmaz haben für diese Klientel zusammen mit dem Berliner Verlag Stiftung Warentest, das Frühstück wieder ins Kochbuch gebracht, ein Grund für mich mal reinzuschauen:

Wie sieht es aus?

Hübsch ist es geworden! Ein pastellfarbener Einband in einem zarten Rosa liegt vor mir, ein aufgeklebtes Foto deutet die Vision eines Fotoalbums an und löst bei mir Neugierde aus, das muss ich mir nun doch mal genauer anschauen: Im Buch hat Rosa ausgedient und wird durch ein sehr sachlich-modernes Layout abgelöst.

Was ist drin?

 Kaloriensparer haben keine Chance, es geht um unfassbar lecker!

Gleich zu Beginn legt Agnes Prus die Karten auf den Tisch und erklärt, das bei der Entstehung dieses Buches neben süßen Früchtchen und wildem Gemüse auch dutzende Eier, reichlich Käse und einige Pakete Butter und Zucker zum Einsatz kamen. Schließlich sollte „halb zehn“ ein Fest für alle Sinne werden, und da gehören jede Menge Kalorien-Bomben ganz selbstverständlich dazu. Die entscheidende Frage war nie: Ist das gesund? Sondern: Schmeckt das so unfassbar gut, dass wir es unbedingt probieren müssen? Bei French Toast mit Ricotta-Füllung ist das recht eindeutig mit Ja zu beantworten. Für mich gilt das genauso, denn ich möchte noch das eine oder andere mega leckere nicht alltägliche Frühstück genießen, bevor es für mich dafür zu spät ist. Ihr auch? – gut dann können wir ja weiter schauen was es so gibt, um das „Hüftgold“ kümmern wir uns anschließend, das ist schließlich auch Brennfutter. Aber auch „Gesundesser“ kommen mit Pfannengranola mit gerösteten Pfirsichen und Joghurt oder mit einem herzhaftem Porridge nicht zu kurz und Süßschnäbel freuen sich, dass Omas Klassiker aufgepeppt präsentiert werden, z. B. als köstlicher Grießbrei mit Erdbeer-Kompott oder als Kokosmilchreis mit Mango. In diesem Buch kommen viele Geschmäcker auf ihre Kosten!

Was gibt es denn?

Brot, Brötchen, Gebäck, Hefeschnecken, Muffins, süßes Gebäck, Sandwiches, Stullen & Toast, Eier in allen Variationen, Pancakes & Waffeln, Müsli, Porridge, Obst im Schälchen, Aufstriche, Marmeladen, Soßen, Dips, Kaffee, Saft und noch mehr Getränke. Der Bogen wird weit gespannt, so dass für alle Geschmäcker was dabei ist.

Den Anfang machen Brot, Brötchen, Gebäck, Hefeschnecken, Muffins, süßes Gebäck und liefern sowohl Klassiker (Crossaints, Laugengebäck), aber vor allem zeigt Agnes in dieser Rubrik, die anteilmäßig mit 40 Seiten am Besten im Buch weg kommt, dass sie eine ungeheuer kreative Rezeptentwicklerin ist: sie schafft es spielend, jedes Rezept mit viel Twist zu versehen. Knäckebrot wird als aromatische Variante mit Kümmel und Fenchel gebacken. Außerdem gibt es englische Muffins, die später als Basis für den „Lax Benedict“ dienen, Honig Mohn-Challah, Rogen-Körner-Brot, Brioche, Sauerteig-Baguette und so einiges mehr. Den zweiten Platz um die Gunst der Leser teilen sich einträchtig Müsli, Porridge & Co. sowie die süßen Sünden in Form von Gebäck. Die Büchermacher bedienen damit genau die Trend-Themen, allerdings dank der großartigen Agnes Prus nicht beliebig, sondern besonders kreativ. So macht man aus einem Trend-Kochbuch ein Lieblings-Kochbuch. Erfreulich finde ich ebenfalls, dass das Thema, Kaffee, Saft und Getränke ebenso viel Aufmerksamkeit erhält und auf ca. 30 Seiten zeigt, dass es nicht nur Kaffee und Tee als Begleiter sein muss, sondern auch mal Milchkaffee mit Kardamom oder ein Kurkuma-Ingwer-Tee.

halb zehn ist nicht halb sieben
– da zählt der Geschmack und wir schauen nicht auf die Uhr!

Alles wird gut erklärt, man muss jedoch sagen, wer zum ersten Mal Crossaints backen will, sollte sich trotz der immer wieder eingestreuten Step-by-Step Fotos auch mal ein Video bei Youtube anschauen. Es ist halt was anderes wenn man Bilder sieht, als nur auf die Texterklärung zu vertrauen. Mir gefällt die Auswahl richtig gut, jedoch sehe ich das Buch in den Händen von Leuten, die schon ein bisschen Erfahrung haben, auf der Jagd nach wirklich neuen spannenden Frühstücks-Kreationen sind, die für unfassbar gut brennen und vor allem Zeit investieren wollen. Um halb zehn, möchte ich halt was anderes auf dem Teller geboten bekommen als um halb sieben, um halb sieben reicht für mich der „Coffee to go“, das sind ganz andere Tage, da wird nicht zelebriert, sondern optimiert bei meinem Frühstück. Beim Zelebrieren hole ich mir dann gerne die Kreativität einer sehr talentierten Rezept-Entwicklerin ins Haus und genau das bietet dieses wunderschöne Buch, das das Frühstück wieder feiert.

Probiert und verputzt:

Krentenbollen – niederländische Korinthenbrötchen

Perfekt für unseren Oster-Brunch mit der großen Familie, der Clou des Rezeptes die wirklich große Menge an Trockenfrüchten im Teig.

Baked Beans mit Spiegelei und Za’atar

Kein Rezept für Ratz-fatz-Leute, die Bohnen müssen über Nacht eingeweicht werden und garen dann noch 75 Minuten im Backofen, bevor sie mit Spiegelei gekrönt werden. Es lohnt sie Leute, geschmacklich wunderbar ausbalanciert. Unsere Gäste – auch die Kinder – waren begeistert!

Süßkartoffel-Puffer mit Kräutersalat und pochiertem Ei

Perfekt für ein entspanntes Frühstück zu zweit, danach kann es auf die Wanderung gehen, denn mit Avocado und Feta und dem wachsweich pochierten Ei on-top der Puffer, ist viel „Brennfutter“ für die Muskeln am Start. Mein Mann hat geholfen, so war es möglich, dass die unterschiedlichen Komponenten immer zur rechten Zeit fertig waren. Geschmacklich waren wir begeistert!

Fazit: Abwechslung tut not!

Wer das Frühstück wieder mal zelebrieren will und sich außerdem für unfassbar Gutes gerne auch mal in die Küche stellt und ein wenig Zeit investiert, ist bei den wirklich sehr kreativen Rezepten von Agnes Prus goldrichtig. Vieles davon lässt sich um 12:00, 16:00 oder 18:00 Uhr genauso servieren wie z. B. Baked Beans mit Spiegelei und Za’ atar. Ihr werdet nicht alle Zutaten im Supermarkt Eurer Wahl bekommen, weil es in diesem Buch um den besonderen Twist geht, Standard-Rezepte fürs Frühstück hat ja jeder selber genug. Für Rührei brauchen wir die nicht oder wir machen mit der Hilfe der Autorin entweder Rührei mit karamellisierter Zwiebel oder in der griechischen Variante mit geriebener Tomate oder Feta. Vom Schwierigkeits-Grad ist für alle was dabei, trotzdem kann ein bisschen Erfahrung oder die Hilfe von Youtube nicht schaden, wenn es um komplizierte Sachen wie Crossaints & Co. geht. Ich habe schon lange nicht mehr, so unglaublich lecker gefrühstückt – danke dafür!

Ei à la carte

Luc Hoornaert: Ei à la carte

Vielfältige Rezepte aus aller Welt

Fotos: Kris Vlegels

Sieveking Verlag

Preis: Preis: 34,-

Ein Grundnahrungsmittel mausert sich zur Delikatesse

Was ist drin?

 

 In fast allen alten Kulturen spielt das Ei eine besondere Rolle, ob in der Mythologie oder in seit Jahrhunderten überlieferten Zubereitungsarten. Ein Grund mehr, dem nachzugehen und herauszufinden, was Köche aus verschiedenen Ländern und Kulturkreisen uns heute mit ihren Eiergerichten zu erzählen haben. Das Ei hat viel mehr zu bieten, als manch einer vielleicht zunächst vermuten würde. In „Ei à la carte„ präsentiert Luc Hoornaert die besten Eierrezepte von einigen seiner Lieblings-Spitzenköche aus China, Großbritannien, Japan, Korea, der Türkei und dem Iran. Es geht vor allem darum alle Rezepte auf köstlich oder außergewöhnlich zu trimmen, so dass sich auch verwöhnte Genießer angesprochen fühlen. Es werden Klassiker wie Eggs Benedict Omelett mit Trüffel, Datemaki und ausgefeilte Desserts wie eine Opéra-Tarte, Baklava und fruchtige Zitronen-Tartelettes zum kulinarischen Defilee auf den Laufsteg geschickt. Im Kapitel „Die hohe Kunst“ legen die Profiköche beim Schwierigkeitsgrad noch mal nach, um zu zeigen, was sie alles so drauf haben. Damit ist das Buch auch für Köche sicherlich interessant.

Wer kocht?

Der Autor hat namenhafte Spitzenköche eingeladen, die er wie ein guter Gastgeber erstmal umfassend vorstellt. Für ihren Kulturkreis und dazu gehören Japan, Korea, die Türkei und der Iran und diese zeigen, wie man ein simples Grundprodukt wie Eier mit den richtigen Ideen zu Highlights auf dem Teller machen kann: KLeung Kwai Lam, in Belgien gilt er als der einzige Koch, der sich den vielseitigen Tradition der chinesischen Haute Cuisine verschrieben hat: Seine Künste übt Leung Kwai Lam täglich im hippen Süden Antwerpens aus. Sein bescheidenes 5 Flavors Mmei ist ein wahrer Pilgerort für eine große Anzahl erklärter Fans, die die authentische kantonesische Küche schätzen. Er serviert im Buch Typisches wie gebackenen Tofu mit einfachem Schwierigkeitsgrad oder Garnelensäckchen mit Huhn, für die man schon ein wenig mehr Geschick benötigt. Fergus Henderson aus dem Londoner St. John zeigt wie die ein perfektes Scotch Egg funktioniert und hat beliebtes Pub-Food wie eingelegte Sol-Eier im Programm. Gefüllte Eier gibt es bei ihm glücklicherweise nur mit selbstgemachter Mayonnaise, als kreativer Sternekoch optimiert er diese jedoch auch gerne mal mit fein geriebenem Trüffel, bestreut diese mit Zatar (orientalische Gewürzmischung) und getrocknetem Tomatenpulver. Rühreier werden beim ihm mit einem „Judasohr“ veredelt. Wer jetzt denkt, dass es blutig wird, kann sich entspannt zurück lehnen, dahinter verbergen sich schlicht getrocknete Mu-Err Pilze, was leider nicht im Buch ausgewiesen war.

Weniger Technik mehr Qualität ist hier das Thema

Fergus Henderson passt zu diesem Buch wie die Faust aufs Auge, sein Credo klassische Rezepte mit Handwerk und hochwertigen Zutaten wieder zu Ehren zu verhelfen, ist die Grundaussage des Buches. Technisch bleibt es außerhalb des Kapitels die „Hohe Kunst“ in der Regel einfach und alltagstauglich, deshalb funktionieren die Rezepte auch zu Hause. Ein bisschen Erfahrung wird allerdings vorausgesetzt, denn wie man eine Mayonnaise selbst herstellt, das wird nicht mehr erklärt. Das Buch ist eine gute Inspirationsquelle um einem schlichten Grundprodukt, wieder die Starrolle am Tisch zu überlassen und dieses nicht mit Küchentechnik zu erschlagen, die den Blick weg vom optimalen Geschmackserlebnis dirigieren würde.

Was ist besonders?

Tolle Fotos und es werde jede Menge Geheimisse unterhaltsam gelüftet!

 Die Kreationen werden von Fotograf Kris Vlegels aufwendig in Szene gesetzt und mit überraschenden

Geschichten, Wissenswertem und Kuriosem rund ums Ei kombiniert: Was verbindet den Osterhasen mit der Göttin des wiederkehrenden Lichts Ostara? Sind chinesische Pidan-Eier nun hundert oder tausend Jahre alt? Kurzweilig und sehr unterhaltsam werden diese Fragen beantwortet, wir haben es mit einem Buch zu tun, dass auch außerhalb der Küche Spaß macht.

Fazit – oder für wen ist das was?

Ich habe mich sehr gut unterhalten und vor allem Ideen mitgenommen wie man aus schlichten Eiern etwas besonders machen kann. Die Zielgruppe zuckt bei Zutaten wie Trüffel und Kaviar nicht unwillkürlich zurück und lehnt diese als unnötigen Luxus ab. Verwöhnen ist hier Programm, dabei wird meistens gerne auf einfache Zubereitungstechniken gesetzt. In den Kapiteln „Dessert“ und „Die hohe Kunst“ können sich jedoch die Profis mal so richtig austoben und zeigen, was sie alles so drauf haben, da bin ich als Hobby-Köchin nicht mehr unbedingt dabei. Bei den „Cocktails“ sage ich aber nicht nein. Für mich damit ein Buch, das ambitionierte Hobbyköche und Profis erfreut, die Wert auf eine kurzweilige und informative Präsentation legen und für die Eier mehr nur Grundnahrungsmittel sein sollen. Die tollen Fotos und die kurzweilige Präsentation sorgen dafür, dass dieses Buch auch außerhalb der Küche Spaß macht.

Das Beste aus 30 Jahren

Martina Meuth/Bernd „Moritz“ Neuner-Duttenhofer: Das Beste aus 30 Jahren

Fotos: Hubertus Schüler

BECKER JOEST VOLK VERLAG

Preis: 28,–€

ET: 29.03.18

Kochen als Handwerk und nicht als Show – oder Sie haben drei Küchen aber kein Sofa!

 Als Martina Meuth und Bernd „Moritz“ Neuner-Duttenhofer vor 30 Jahren das Konzept für ihre Kochsendung, damals noch in der ARD entwickelten, galt Kochen noch als eine tägliche lästige Arbeit. Die Erwartungen der Zuschauer waren, es sollte vor allem preiswert sein und schnell gehen. Heute ist Kochen mit Sendungen wie Kitchen Impossible und anderen Shows vor allem Entertainment, das viele Fans vor den Bildschirm lockt. Das Paar lebt, schreibt und kocht auf einem alten Apfelgut am Rand des Nordschwarzwalds. Kennengelernt haben sich die beiden 1976. Sie war bei der „Freundin“, hat dort das Kochressort geleitet. Zur Schwesterredaktion im selben Verlag kam ein neuer Ressortleiter, das war er. Zuerst hat sie sich immer ein bisschen über ihn lustig gemacht. Wie es so ist, neue Kollegen werden besonders gründlich beäugt. Es gab dann aber eine Pressereise und beim ersten Stopp des Busses standen die beiden zusammen, und Martina hatte einen Campari in der Hand, und sie plauderten miteinander und plötzlich lag ihr Glas auf dem Boden, ziemlich unangenehm war das, weil es ihr gleich darauf noch mal passiert ist. Beim Abendessen – da saßen sie schon nebeneinander – haben die beiden dann festgestellt, dass sie die gleichen Dinge gerne essen. Daran hat sich in den letzten 30 Jahren nicht viel geändert, allerdings ist Moritz lieber im Garten und Martina noch lieber in der Küche.

Wer den Führerschein machen will geht zum Fahrlehrer und engagiert nicht Sebastian Vettel dafür!

 Dem Journalisten-Paar ging es nie um die Show, sondern sie kochen einfach! Sie verstehen sich als Mentoren für das Kochen und zeigen seit 30 Jahren jede Woche ihren Zuschauern, wie diese in der heimischen Küche aus frischen Zutaten ein gutes Essen zubereiten können, das in überschaubarer Zeit und ohne großen Aufwand auf den Tisch steht und ohne Geschmacksverstärker und ähnlich gesundheitlich fragwürdige Zusatzstoffe auskommt. Das ist nicht nur Fix-Küche auf die ehrliche Art, ohne Fake und Show, sondern jedoch jede Menge Service, für Menschen, die gerne kochen, aber das nicht mehr von der Mutter oder Großmutter gelernt haben. Sie erklären Tipps, Kniffe und zeigen wie sich Arbeit und Mühe, durch den geschickten Einsatz von Küchengeräten, die die allermeisten sowieso zu Hause haben, reduzieren lassen. Die Investition für den Thermo-Mix könnt ihr Euch zum Glück sparen, meistens reicht ein Pürierstab und eine ganz normale Küchenmaschine. Mit pädagogischem Eifer lehren Martina Meuth und Bernd „Moritz“ Neuner-Duttenhofer in ihrer Kochsendung das TV-Publikum die einfache, gute Küche. Ihre Kabbeleien gehören seit 30 Jahren ebenso zum Programm wie Geling sichere Rezepte und sind zum Glück weit von den Faxen entfernt, für die sich heutzutage sogenannte Spitzenkoche nicht zu schade sind.

Was gibt es denn?

 Alltagsküche zwischen Leidenschaft und geschmacklicher Perfektion…

 Moritz und Martinas Koch-Stil, lässt sich als regional, saisonal bezeichnen: Als Witzigmann mal für ein Koch-Shooting zu Gast war, war er direkt von den Socken, dass die Suppe aus dem eingefrorenem Gartengemüse so lecker schmeckte, als wäre dies direkt vorher dort geerntet worden. War es aber nicht, das Shooting fand nämlich im Winter statt. Außerdem hat Martina ein ausgesprochenes Faible für die thailändische Küche und Moritz hat nicht nur italienisch von ihr gelernt, sondern kocht mit ihr auch sehr gerne italienisch.

Vorspeisen und Häppchen, damit das Essen schon mal gut losgeht: Avocado mit roher Tomatensauce und pochierten Ei, ist nicht nur ein leichtes und bekömmliches Gericht, sondern macht auf dem Teller eine extrem gute Figur. Die gute Nachricht, endlich erklärt uns jemand mal, wie Eier richtig pochiert werden, da sind schließlich angehende Spitzenköche schon daran verzweifelt. Weggeschmissen wird auch nichts, die Tomatenkerne bilden die Basis für eine würzige Sauce. Wer die nächste Party plant, kriegt gleich jede Menge Ideen für leckere Crostini oder kann mit einem Vorspeisen-Salat aus rohem Spargel mit Kaninchen –Rücken, die Familie beim großen Ostermenü überraschen.

Suppen und Eintöpfe, machen nicht nur viele satt, sondern auch wohlig glücklich: Die griechische Zitronensuppe ist eine unglaublich erfrischende Suppe, wenn man die richtigen Zitronen hat. Dass Ihr Euch da kein X mehr für ein U vormachen lasst, dafür sorgt, die kompetente Warenkunde, die beiden gleich mitliefern. Vergesst dabei auch mal ganz schnell, die unsäglichen Brühwürfel, die gehören in diesen Klassiker nicht rein, da machen die Autoren keine Kompromisse und das ist unbedingt gut so. Oma hat früher einfach die doppelte Menge gekocht und dann passt das schon und das ist auch hier der Fall, dass Grundrezept kalkuliert mit 4 – 6 Portionen, der Rest schmeckt noch mal so gut wieder erwärmt.

Pasta, Risotto und Kartoffeln dürfen nicht fehlen: der legendäre Kartoffelsalat wird ausführlich in allen Variationen Süd- u. Nord tauglich erklärt und darf auch noch einen Ausflug über den Brenner unternehmen. Es gibt familientauglichen Nudelauflauf, natürlich in der Version köstlich, was anderes ist bei den beiden einfach nicht vorstellbar, dafür sind sie mit zu viel Leidenschaft am Werk. Mein absoluter Liebling in dieser Rubrik und ein Rezept, dass mir gezeigt hat, wie man Okras zubereitet, ohne dass die so ekelhaft schleimig werden, ist ein wunderbar würziger Philippinischer Kartoffel-Hackfleisch-Topf (Picadillo). außerdem zeigen Martina und Moritz, wie es mit dem Risotto klappt. Die Spaghetti aglio olio, kochen heute viele, allerdings nicht in der geschmacklichen Perfektion, wie es diese beiden können.

Bei den Gemüsen rücken sie den sperrigen Artischocken gekonnt zu Leibe und erklären, wie man sich diese handzahm macht, füllen einen staatlichen Kohlkopf mit Hackfleisch und zeigen damit es geht auch spannender als mit Mutters Wickel.

Martina als erklärter Asien-Fan zeigt, wie man Sushi zu Hause hinbekommt und serviert grünes Kokos-Curry und einen Thai-Salat mit gehackter Entenbrust.

Es gibt außerdem Fisch, Fleisch und leckere Desserts: Forellen in Folie werden aus dem Backofen geholt, der Loup de Meer in der Salzkruste gelingsicher erklärt und das perfekte Steak gebraten. Wirklich neu und interessant war für mich, dass man ein Steak ohne Öl direkt auf Meersalz garen kann.

Das Niedrigtemperatur garen von Fleisch wird dabei gleich mit erklärt, außerdem servieren die beiden wirklich saftige Königsberger Klopse und präsentieren eine superschnelle Version der Mousse au Chocolat.

Fazit: Dieses Paar ist ebenso geschmacksverliebt wie perfektionistisch und zickt sich um der Sache willen in der Küche gerne mal an. Allerdings würden sie es nie übers Herz bringen, uns nicht mit dem perfekten Rezept nach Hause zu schicken. Spitzenköche tun genau das gerade nicht, als Profis ist ihnen das Verständnis für uns Alltags-Kocher abhandengekommen. Die lästige Angewohnheit, dass heutzutage jeder von denen meint, an ihm ist ein Fernseh-Star verloren gegangen, wenn nicht gleich ein Comedian, lasse ich mal unkommentiert. Schuster bleib bei Deinen Leisten ist da meine Devise: Das haben Martina und Moritz nie anders gemacht und beweisen seit 30 Jahren, das ihre Rezepte, immer funktionieren. Vieles habe ich schon seit langen Jahren im Programm und es sind die wenigen Rezepte, die ich immer wieder hervorkrame, obwohl die Versuchung etwas Neues auszuprobieren bei mir nun wirklich hoch ist. Nur durch die beiden habe ich gelernt, wie Okras eben nicht schleimig werden. Wer auch gerne noch mal die Kochschule besucht, um ein Rezept von der Pike auf zu beherrschen, ist mit diesem Kochbuch-Klassiker wirklich sehr gut beraten!

Und wie soll man das Essen?

Ashley Blom: Und wie soll man das Essen

Illustrationen: Lucy Engelman

Dumont Buchverlag

Preis: 18,– €

Fettnäpfchen nein danke!

 Wer ist die Autorin?

 

Ashley Blom bezeichnet sich selbst als Millenial Foodie. Sie schreibt, seit sie einen Stift halten bzw. am Computer sitzen kann. Derzeit lebt sie mit ihrem Ehemann, einem Hund und zwei Katzen in Austin, Texas. Als Fan von gutem Essen isst und kocht sie sich durch die Gerichte ihrer Wahlheimat und schreibt darüber in ihrem Foodblog ForkingUp.com.

Wer hat gezeichnet?

Lucy Engelman ist Illustratorin mit Leib und Seele. Die komplexe Linienführung ihrer Grafiken spiegelt ihre Faszination für die Natur wider. Sie hat an der University of Michigan studiert und bereits für Magazine wie Bon Appétit und Runner’s World sowie für die Outdoor-Bekleidungsmarke Patagonia gearbeitet. Ihre Illustrationen haben großen Anklang gefunden und wurden auch von der Society for Publication Designers gewürdigt. Lucy zeichnet inmitten ihrer Zimmerpflanzen in Pittsburgh, Pennsylvania.

Was ist drin?

Fünfzig Tipps, wie man jedes Essen elegant übersteht

Hummer, Auster oder Spargel der Fauxpas am Esstisch lauert überall: ob nun beim Geschäftsessen oder das erste Mal bei den Schwiegereltern eingeladen. Viele sind da schon verzweifelt mit dem Smartphone auf die Damentoilette geflüchtet und haben hektisch das Netz nach den relevanten Anleitungen und Tipps durchsucht.

Kann man machen, muss man aber nicht machen und sich dabei noch köstlich amüsieren!

 Ashley Blom hat in den Rubriken „knifflige Techniken, „edle Etikette“ und „kleine Fettnäpfchen“ allerlei Interessantes und vor allem Unterhaltsames zusammengetragen, die es uns einfacher machen beim Geschäftsessen nicht als unwissendes „Landei“ dazustehen, die Schwiegereltern zu überzeugen und brenzlige Situationen am Essenstisch elegant und souverän zu meistern. Wir lernen wie wir dem Hummer zu Leibe rücken können, zur Not würde es auch der Nussknacker tun und das beim Austernessen ausnahmsweise auch das Schlürfen erlaubt ist.

Technik ist alles, Ashley zeigt genau wie es geht!

Wer bislang nur Kokosraspel im indischen Curry verwendete, kann in diesem Buch endlich erfahren, wie er der „dummen Nuss“ effizient und ohne die Küche zu verwüsten zu leiben rücken kann. Eine Kunst die man meiner Meinung gar nicht hoch genug einschätzen kann, denn strohtrockene Raspel aus der Back-Abteilung des Supermarktes gehören einfach nicht in ein leckeres Curry finde ich. Jetzt mal schnell den Handbohrer und einen Hammer vom Liebsten leihen und dann kann es gleich losgehen….

© Lucy Engelman

Gut zu wissen, wie man Granatäpfeln elegant begegnen kann und die Artischocke zelebriert…

Bei Granatäpfel geht Ihr am besten auf einen Tauchgang, wenn die Arbeitsfläche nicht wie nach einer Total-Operation aussehen soll und wer die Schwiegermutter zum Gala-Dinner eingeladen hat, schaut am besten noch mal, damit das Besteck an Ort und Stelle liegt. Artischocken lerne ich ist man Blättchen weise und diese sind einfach zu hart zu kauen, stattdessen werden die Blätter durch die Zähne gezogen, ausgesaugt und elegant im Schälchen entsorgt.

© Lucy Engelman

Information, Tipps und Tricks kurzweilig an die Kundschaft gebracht….

Alles wird sehr anschaulich durch die geschmacklich sehr ansprechenden Illustrationen von Lucy Engelman präsentiert. Neben Anleitungen gibt es Warenkunden und kurzweilige Zitate von berühmten Zeitgenossen dazu.

Was ist besonders?

  – oder Fettnäpfchen sind dazu da, dass sie souverän umschifft werden?

 In diesem unterhaltsamen Buch lässt sich ebenso erfahren, wie wir Essstäbchen korrekt benutzt, Achtung diese zu kreuzen ist in Asien ein „no-go“ und das Spaghetti sich am Tellerrand prima auf die Gabel drehen lassen und der Löffel dann eigentlich überflüssig ist. Bennett Cerf, einer der Gründer der Verlagsgruppe Random House weiß zu berichten, dass gute Manieren, die Geräusche sind, die man nicht macht während man eine Suppe ist und Fingerabspreizen beim Halten des Weinglases ist eindeutig „oversized“ und zu viel des Guten. Es kann nicht schaden sich mit dem Tipps zum Halten eines Trinkspruches genauer zu beschäftigen, schließlich wollen wir ja eine gute Figur machen und nicht zur „Lach-Nummer“ werden. Und was tun wir, wenn wir etwas serviert bekommen, was wir eigentlich gar nicht mögen: Einfach um eine kleine Portion bitten, je weniger wir davon auf dem Teller haben je besser und vor allem in kleinen Bissen essen und immer mal wieder einen Schluck trinken und wenn möglich nicht durch die Nase atmen, denn der Geruchssinn leistet einen großen Beitrag zur Geschmackswahrnehmung.

Fazit: Ashley Blom und Lucy Engelman ist ein hübsches und vor allem unterhaltsames Buch gelungen, dass Antworten geben kann, die es uns möglich machen, den Fauxpas bei den Schwiegereltern oder der geschäftlichen Einladung, elegant und souverän zu umschiffen. Außerdem lernen wir, die kniffligen Techniken um Hummer & Co. korrekt zu zerlegen oder auch mal eine Kokosnuss Form vollendet zu zerlegen. Hier wird global gedacht und Insekten und Schweinefüße dabei nicht ausgeklammert. Einen modernen Benimm-Ratgeber gibt es inklusive und Vegetarier erhalten Überlebenstipps für eine Grillparty unter „Fleisch-Fressern“. Und falls Ihr nicht heimlich auf der Damentoilette mit dem Handy erfahren wollt, wie man einem Hummer vollendet zu Leibe rückt, denn, auf einer Kreuzfahrt ist möglicherweise nicht überall Netz verfügbar, kann es nicht schaden, sich mit diesem netten Büchlein zu beschäftigen. Mir hat es Spaß gemacht.

Mimi Jardim: Mein portugiesisches Fest

 

Mimi Jardim: Mein portugiesisches Fest

Rezepte meines Herzens

Fotos: Craig Fraser

Sieveking Verlag

Preis: 36,–

Ola – das Leben ist ein Abenteuer….

 Wer kocht denn hier?

Mimi Jardim (*1943) wurde an der wunderschönen Algarve in Portugal geboren und wanderte 1957 mit ihrer Familie nach Johannesburg in Südafrika aus. Hier ein Bild von Mimi und ihrer Schwester Gabby mit den Eltern bei der Ankunft in Johannesburg.

Mimi Jardim als Kind mit ihren Eltern Fotograf: unbekannt Aus: Mein portugiesisches Fest, Sieveking Verlag 2017

Heute lebt sie mit ihrem Mann Augusto, der von der Insel Madeira stammt noch immer dort und ist inzwischen Mutter von 4 Kindern und Großmutter eines Enkelkindes. Mimi Jardim ist außerdem eine renommierte südafrikanische (Fernseh-) Köchin und Gründerin der Jardim’s Cookery School. Weiterhin ist sie in der ganzen Welt unterwegs gewesen, um die Peri-Peri Gewürzmittel von Nando’s, einer Kult-Fastfood-Kette in Südafrika, zu bewerben. Bereits als junges Mädchen sammelte Mimi in ihrer kochaffinen Familie ihre ersten kulinarischen Erfahrungen und bekam von ihrer portugiesischen Großmutter früh den richtigen Umgang mit frischen Lebensmitteln als wichtigste Zutat für jedes Rezept mit auf den Weg.

Manchmal kommt es anders……

 Mimi blickt auf eine langjährige Karriere zurück, seit 50 Jahren beschäftigt sie sich mit Kochen und gibt ihr Wissen an interessierte Schüler weiter. Eigentlich war das nicht von Anfang an geplant, sondern sie wäre gerne Lehrerin geworden, aber die Vorstellung mit ihren nach drei Jahren in Südafrika noch nicht perfekten Sprachkenntnissen, Englisch oder Mathematik zu unterrichten, flößte ihr große Angst ein, deshalb entschied sie sich, ihre zweite Leidenschaft das Kochen zu ihrem Beruf zu machen und begann eine Ausbildung zur Hauswirtschaftslehrerin. Drei Jahre später folgten die ersten Schüler und sie heiratete einen ebenso kochbegeisterten Mann und bekam im Laufe der Jahre ihre 4 Kinder.

Seit dieser Zeit hat sich in ihrem Leben neben der Familie alles immer ums Kochen gedreht, Mimi Jardim brachte jungen Collegestudenten das Kochen bei, hat mit Chefköchen an portugiesischen Rezepten gefeilt und half vielen Hobbyköchen, einfach noch besser zu Hause zu kochen. 1992 wurde sie Teil des Nando-Teams und bereiste die Welt, um deren Peri-Peri-Sauce (auch Piri-Piri genannte portugiesische Gewürzsauce) von Johannesburg in die Welt zu bringen.

Und was gibt es zu essen?

 Portugiesische Familienküche mitten aus Johannesburg

 80 Rezepte werden im Buch präsentiert, es geht natürlich um portugiesische Küche, ein bisschen kulinarisches Flair aus Südafrika und kulinarische Impressionen von Mimis Reisen. Der Autorin ist es mit diesem Buch gelungen, ihr Leben kulinarisch zu dokumentieren. Dazu gehören Rezepte für Früchtekuchen, Baisers und Dessertüberraschungen, wie ein überraschendes Mandel-Honig-Eis mit Peri Peri & Feigen, aber auch Stockfisch in Sahnesauce und Mimis berühmtes Hähnchen-Rezept. Das Buch ist ganz und gar Mimi, ihrer Art zu Kochen und ihren kulinarischen Eindrücken gewidmet und auch die Familienmitglieder haben die eine oder andere leckere Speise beigesteuert. Dazu gehört ebenso ein vegetarisches Reis-Congee, das ihr Sohn Daniel als Vegetarier beigesteuert hat und Koeksiters, praktisch die südafrikanische Variante von Donuts oder Churros in Zopfform, die Mimi immer an die innige Beziehung zu ihrer Schwestern erinnert. Raymond, ein weiterer Sohn, steuert seine Version des Piri-Piri-Hähnchens bei, dass er von seinem Vater Alfonso übernommen hat, bei ihm wird es jedoch regelmäßig abgewandelt und neue Aromen hinzugefügt, je nachdem in welchem Land Raymond gerade unterwegs war. In der Version des Buches haben Rosmarin und Thymian sich einen Platz in der Zutatenliste erkämpft. Die madeirische Küche ist durch den Ehemann vertreten, der seine Heimat mit einer köstlichen Thunfischsuppe nach Art des Hausherrn kulinarisch präsentiert.

Und Südafrika, die zweite Heimat der Köchin steuert Biltong (südafrikanisches Trockenfleisch bestehend aus Rind- oder Wildfleisch) als Zutat bei, daraus wird dann bei Mimi ein fruchtiger Biltong-Salat mit Feta.

Was ist besonders?

 – oder Mimi’s way of Portugese family cooking in “Joburg”

Mimi Jardim ist ebenso Portugiesin wie Südafrikanerin, Hauswirtschafts-Expertin, Koch-Club-Mitglied, Fernseh-Köchin, Mutter und Großmutter und Peri-Peri-Botschafter. All das kommt als Parameter mit in die Zutatenliste und deshalb wäre es falsch, in diesem Kochbuch nur ein portugiesisches Kochbuch zu sehen. Es ist einfach Mimi’s Kochbuch geworden und eines der persönlichsten Kochbücher, das mir in der letzten Zeit begegnet ist. Diese Frau ist erfrischend bodenständig und zeigt neben ihren portugiesischen Rezepten, die den Geschmack der Algarve und von Madeira auf den Teller zaubern, alles was ihrer Familie gut schmeckt oder sie selbst liebt, womit sie ihre Koch-Club-Damen glücklich macht und was sie von ihren Reisen als Peri-Peri-Botschafterin mitgebracht hat. Und so kommt es das auch Maracuja-Mango-Schnitten ins Buch gefunden haben, denn die schmecken der Familie und den Koch-Club-Damen gleichermaßen gut und ebenso ein Chicken-Curry aus Mosambik oder ein erfrischender Kaktusfeigen-Drink aus Mexiko. Stets hatte ich das Gefühl, geh ich mit Mimi in die Küche, habe ich eine Frau mit viel Erfahrung an meiner Seite, die mit dem Herzen und der Seele misst und nicht nur nach genauen Mengenangaben kocht.

Fazit: Wer sich für portugiesische Familien-Küche interessiert, die nicht nur Klassiker liefert, sondern auch kulinarische Reise-Souvenirs mitbringt und wem eine persönliche und herzerfrischende Herangehensweise einer erfahrenen Köchin wichtig ist, wird mit dem Buch Spaß haben. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht, weil solche Kochbücher sind irgendwie aus der Mode gekommen, heute verstehen wir leider unter persönlicher Atmosphäre häufig nur „Mood-Fotos“, das ist aber leider nicht dasselbe wie kulinarische Herzenswärme, die hier mitgeliefert wird.

Herzlichen Dank für die Übersendung als Rezensionsexemplar!

Leah Koenig: Schalom

Leah Koenig: Schalom

Fotos: Linda Pugliese

Hölker Verlag

Preis: 16,95 €

Die kleinen Stars auf dem Tisch sind weitgereist und machen viele glücklich

 Kleine Verführer, passen besser  in unser Leben als steife  und mächtige Speisefolgen!

 Das große Menü hat ausgedient, zumindest für die heimischen Küchen. Zu komplex, zu mächtig und vor allem zu steif sind diese Speisefolgen, wenn es darum geht, Familie, Freunde, Verwandte und Partygäste zu beglücken. Wie viel netter ist es da, sich mit lieben Menschen um eine bunte Tafel mit lauter verschiedenen leckeren Kleinigkeiten zu scharen, hier und dort zu probieren, miteinander darüber ins Gespräch zu kommen und sich ganz nach Lust und Laune zu bedienen.

Die „Forspeis“ wird Multikulti – super darauf haben wir gewartet!

Das jiddische Wort für Vorspeise heißt „Forspeis“ und diese ist für Leah Koenig der „geheime Höhepunkt eines Menüs“ –das merkt man ihren Rezepten definitiv an! Sie weiß was wir uns wünschen und bespielt diese Bühne mit vielen kleinen Happen von Orangen-Oliven-Salat über Ricotta-Feigen-Strudel bis Pilz-Piroggen ist alles nicht nur jüdisch, sondern vor allem formidable einfach, alltagstauglich und ziemlich lecker. Leah’s Fokus ist dabei nicht nur auf die aschkenasischen (mittel-, nord- und osteuropäische Juden) Traditionen ihrer New Yorker Familie beschränkt und damit wird der Tisch unter ihrer Führung mit kleinen Häppchen, Dips und Cremes noch köstlicher und bunter gedeckt: Neben „gefillte Fisch“ (Bei ihr übrigens in einer geländegängigeren Version aus der Pfanne, als die gewöhnungsbedürftige klassischen Vorlage.), Knishes (Die klassische Version wird hier mit ein paar Zutaten, die für noch mehr Pep und Cremigkeit bei der Füllung sorgen, super „gepimpt“.) oder eingelegten Steckrüben (Für die sie ein unkompliziertes und einfaches Rezept parat hat) bringt sie zusammen, was zusammen gehört – Schalom, der Frieden beginnt zuerst in der Küche! Muhammara (ein köstlicher Walnuss-Dip und Highlight der nahöstlichen Mezze-Tafel), grünes Matbucha ( ein sehr beliebtes nordafrikanische Gemüse-Relish) reihen sich zusammen mit Pita-Chips mit Zatar und Knoblauch, einem Auberginen-Carpaccio (Das im Moment in Israel in den  gehobenen Restaurants der letzte Schrei ist) und würzigen Roggen Cracker (Als Hommage an die New Yorker Bagel Tradition) am Buffet lecker und abwechslungsreich für die Gästeschar auf.

Wer ist die Autorin?

Bild: Zivar Amrami

 Leah Koenig, Schriftstellerin, Journalistin (die u.a. für die New York, Times, das Wall Street Journal und Saveur schreibt.), Expertin und neue Autorität für die moderne jüdische Küche in Amerika ist in einem jüdischen Haushalt aufgewachsen und hat schon immer zu den verschiedensten Gelegenheiten und Feiertagen die traditionellen jüdischen Speisen sehr genossen. Doch obwohl sie den Geschmack der Gerichte liebte, brachte ihr niemand bei, wie sie zubereitet werden, denn ihre „Bobbe“ (jiddisch für Großmutter) war schon lange vor ihrer Geburt verstorben. Koenig hat bereits in ihrem ersten Buch Händchen bewiesen, traditionell jüdischen Rezepten einen modernen und alltagstauglichen Anstrich zu geben und aus den althergebrachten heute unzeitgemäßen und zudem geschmacklich langweiligen Zubereitungstechniken zu erlösen. Cremige Dips und Füllungen sind ihre kulinarische „Koenigs“-Disziplin.

Die richtigen „Anheizer“ auf dem Tisch  machen den Hauptact überflüssig

Egal ob für die Cocktailparty, eine Vorspeisentafel oder spontanen Besuch, die Autorin hat für jeden Anlass, die richtige „Vorgruppe“ im Programm. Dieses Vorspeisenbüchlein punktet mit einer kleinen und sehr feinen Auswahl an Vorspeisen, wie wir uns das im Moment alle wünschen, wenn wir an jüdische Küche denken. Ich habe kein einziges Rezept bei den 26 vorgeschlagenen Ideen gefunden, dass ich nicht probieren möchte. Mit dieser schönen Zusammenstellung hat sie quasi ihre „Masterarbeit“ als äußerst talentierte Kochbuch-Autorin abgeliefert, nachdem es in ihrem ersten Buch noch klassischer zuging. Leah Koenig hat sich dafür auf der ganzen Welt umgesehen, bringt aus Budapest einen köstlichen Brotaufstrich mit Ei und karamellisierten Zwiebeln mit, und legt zum Glück Wert darauf, das, dass ein Hummus nicht mit Zutaten wie Pizza-Gewürz verhunzt wird und das kann schnell passieren im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“. Ihr Rezept für Süßkartoffel-Hummus wurde als tolle Variante weiterentwickelt, verzichtet jedoch nicht auf die unverzichtbaren Bausteine Kichererbsen, Tahini und Knoblauch, die unangetastet bleiben. Das ist Leah wichtig, besser machen geht immer, verhunzen und herauslösen aus dem kulinarischen Kontext sind überhaupt nicht ihr Ding.

Leah Koenig beweist außerdem Gespür, wenn es darum geht, einen All-Time Klassiker von gut auf super gut zu „tunen“, dem Zaziki verhilft sie mit einem Klecks saure Sahne oder Schmand und ein wenig Zitronenabrieb zu neuen Ehren. Dabei geht es nicht nur um mehr Raffinesse, die Köchin denkt weiter, optimiert Zubereitungsschritte und tritt nicht nur mit ihrem Zaziki den Beweis an, dass sie eine Schwäche für cremige Speisen hat. Ich auch danke Leah!

Fazit: Jüdische Küche, bunt und lecker und vor allem alltagstauglich!

Leah Koenig präsentiert eine kleine, aber äußerst feine Auswahl an richtig gutem jüdischen Party-„Anheizern“, die wir in meinen Augen im Moment nirgendwo anders leckerer, bunter und vor allem moderner bekommen können. Das ist beim „gefillten Fish“ wie auch anderen klassischen aschkenasischen Speisen durchaus eine Herausforderung, denn eigentlich stellen wir uns die nämlich nicht vor, wenn wir an leckere jüdische Küche denken, da wollen wir gefühlt mehr Ottolenghi auf der Tafel sehen. Dieser Autorin ist jedoch der Spagat gelungen, ebenfalls die osteuropäischen Traditionen neu und ausgesprochen lecker für den heimischen Küchentisch und ebenso das Party-Buffet zu beleben. Die gelernte Journalistin beweist eine großartige Begabung, wenn es darum geht, mit ein paar Anpassungen für mehr Cremigkeit und mehr Geschmack zu sorgen und hat dabei vor allem ein Herz für uns Gastgeber, ihre Rezepte machen jede Menge her und sind vor allem alltagstauglich! Der Besuch kann kommen, ohne dass wir uns dafür stundenlang vorher in der Küche verbarrikadieren müssen. Bei Leah gibt es jüdische Küche zum Genießen, die so wunderbar zu unserem Leben und in unsere Zeit passt, sie hat mit diesem Buch eindrucksvoll gezeigt,wo ihre Stärken liegen und hat da weitergemacht, wo sie mit ihrem letzten Buch aufgehört und sogar noch gehörig einen draufgesetzt, mir gefällt das sehr gut! Das Buch hat sich zudem richtig hübsch herausgeputzt und punktet beim Einband mit einer Folienprägung in Gold, hochwertigem Papier und Fadenheftung. Die gehobene Ausstattung und vor allem die sehr gelungene Zusammenstellung machen für mich den gehoberen Preis wett, hier wird auf allen Ebenen auf Qualität gesetzt.

Herzlichen Dank für die Übersendung als Rezensionexemplar!